Berlin, Komische Oper, Wettbewerb für Umbau und Sanierung entschieden, IOCO Aktuell, 24.11.2020

November 24, 2020 by  
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Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum heute © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum heute © Gunnar Geller

 Komische Oper Berlin  – Neubau – Kosten €227 Mio

Wettbewerb für Umbau, Sanierung, Kosten entschieden

Der Wettbewerb für Umbau und Sanierung der Komischen Oper Berlin ist entschieden; Im Anschluss an den unten beschriebenen und entschiedenen Wettbewerb wird ein formalisiertes Verhandlungsverfahren unter Berücksichtigung weiterer Auswahlkriterien durchgeführt und über die konkrete Auswahl und Beauftragung eines Generalplanungs-teams verhandelt, welches im zweiten Quartal 2021 in die konkrete Planung einsteigen soll. Nach Auszug des Ensembles der Komischen Oper Berlin ist geplant, das Bestandsgebäude im Sommer 2023 für vertiefte Bestandsuntersuchungen und die Vorbereitung und Durchführung der Baumaßnahmen an die Bauverwaltung zu übergeben.

Entscheidungsgründe für den, die Sieger

Das Projekt setzt auf einen plastisch gegliederten und in Materialisierung differenzierten Gebäudekörper, der von der Behrenstrasse bis Unter den Linden greift. Die verschiedenen Vor- und Rücksprünge aktivieren die bislang unterbewertete Glinkastraße, indem eine Reihe von Eingängen angeordnet sind: Café-, Bühnen- und Mitarbeiterrestauranteingang. Besonders überzeugend ist die Anordnung und Gestaltung der Tageskasse an Unter den Linden: Ein schmaler gläserner Körper öffnet sich einladend zur Straße, die Komische Oper erhält dadurch eine prominente Adresse an einer der bedeutendsten Straßen Berlins. Das Motiv für diese hohe Plastizität finden die Verfasser im Bestandsgebäude, genauer im Eingangsportal der Komischen Oper, die über den Materialwechsel von Sandsteinplatten zu dunklem Zinkblech eine starke Markierung erfährt. Die genannten Vor- und Rücksprünge enthalten im Innern von Norden nach Süden: das Café und die Tageskasse, die Probebühne I sowie den Orchesterprobenraum und schließlich das Mitarbeiterrestaurant. Diese Anordnung ist funktional überzeugend, da der Anbau jeweils an bestehende Nutzungen im Bestandsgebäude anschließen kann.

Komische Oper Berlin / Visualisierung des Entwurfs von kadawittfeldarchitektur, Aachen © kadawittfeldarchitektur

Komische Oper Berlin / Visualisierung des Entwurfs von kadawittfeldarchitektur, Aachen © kadawittfeldarchitektur

Staatsoper Unter den Linden – Finanzielles wie zeitliches Sanierungsdesaster

Die Sanierungen großer deutscher Theater, der Oper Köln (IOCOArtikel hier: Oper Köln „Hort von Pleiten, Pech und Pannen), der Elbphilharmonie Hamburg wie der Staatsoper Unter den Linden Berlin waren hinsichtlich der geplanten Kosten und Zeirahmen große Desaster. So sollte die Sanierung  der Ende 2009 geschlossenen Staatsoper Unter den Linden ursprünglich €239 Mio betragen; es wurden €440 Mio. Die Wiedereröffnung der Staatsoper war zunächst für Herbst 2013 (Bauzeit 4 Jahre) geplant: tatsächlich fand sie im Herbst 2017, nach 8 Jahren statt. IOCO begleitete das langjährige Chaos um die kleinste Staatsoper der Welt, 1396 Plätze –  HIER der IOCO Bericht 2013 zur Sanierung:    Veni, Wowi, Wirrwarr

Der Wettbewerb 2020 –  Umbau und Sanierung der Komischen Oper  

 Einzelheiten des Wettberwerbs und der Sieger

Der Gebäudekomplex der Komischen Oper Berlin soll saniert, modernisiert und erweitert werden. Ziel des nun entschiedenen Wettbewerbs war es, gestalterisch, funktional und wirtschaftlich überzeugende Entwürfe zu erhalten, die sich architektonisch mit dem denkmalgeschützten Ensemble auseinandersetzen und die Komische Oper Berlin als Solitär im Stadtraum wirken lassen. Im Rahmen des Wettbewerbes überzeugte der Entwurf von kadawittfeldarchitektur aus Aachen die Jury.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher: „Ich bin glücklich, dass wir trotz genauer Einhaltung strenger Abstands- und Hygieneregeln das Preisgericht durchführen konnten. Noch glücklicher bin ich, dass eine fast unlösbar scheinende Aufgabe einen Entwurf hervorgebracht hat, der alles erfüllt, was wir uns wünschten. Ein markantes Gebäude, eine prominente Adresse an der Straße Unter den Linden, eine öffentliche Aufwertung entlang der Glinkastraße, einen denkmalverträglichen Umgang mit dem Bestandsbau, für die Mitarbeitenden der Komischen Oper Berlin hervorragende Arbeits- und Probebedingungen und für die Identität der Komischen Oper Berlin ein Gebäude, das Innovationskraft, Wandelbarkeit und Offenheit gegenüber der Stadtgesellschaft signalisiert.“

Kulturstaatssekretär Dr. Torsten Wöhlert ist sehr zuversichtlich, dass das Ergebnis des internationalen Wettbewerbs der erfolgreiche Start eines ambitionierten Zukunftsprojekts ist: „Der Siegerentwurf hat mich voll überzeugt: Hier entsteht nicht nur anspruchsvolle Architektur die sich im Erweiterungsbau der Komischen Oper Berlin an der Glinkastraße wiederfinden wird, schön anzusehen im Ensemble der Stadt. Hier wird kluge Architektur realisiert – einschließlich der umfänglichen Revitalisierung des denkmalgeschützten Opernhauses im Bestand – die den Anforderungen an modernste Opern-Bühnen mehr als gerecht wird.“

Barrie Kosky, Regisseur in Paris, auch Intendant der Komische Oper Berlin © IOCO

Barrie Kosky, Regisseur in Paris, auch Intendant der Komische Oper Berlin © IOCO

Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky: Obwohl oder gerade weil wir derzeit in einer Pandemie leben, ist es sehr wichtig, über die Zukunft nachzudenken und von ihr zu träumen. Daher freut es mich überaus, dass wir mit dem Siegerentwurf bereits heute die Zukunft der Komischen Oper Berlin gestalten können. Dieser wunderbare, sinnliche und zugleich funktionale Entwurf von kadawittfeldarchitektur erfüllt alle für die Komische Oper Berlin wesentlichen Kriterien: Er präsentiert sich als vielfältiges Chamäleon, als ein Haus der Metamorphosen, der Diversität und der Innovation. Er tritt in Dialog mit der Geschichte der Komischen Oper Berlin und lässt drei Jahrhunderte wie ein Kontrapunkt in- und auseinanderfließen: den Zuschauerraum des Metropol-Theaters, die Nachkriegsarchitektur von Felsensteins Komischer Oper und das 21. Jahrhundert. Und er schafft einen Ort für das Musiktheater des 21. Jahrhunderts: Einladend, zugewandt und offen – nach innen und in die Straßen der Stadt hinein.

Blaubart – Barrie Kosky – Walter Felsenstein würdigend – IOCO Rezension
youtube Trailer Einführung der Komischen Oper Berlin
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Walter Felsenstein würdigend – IOCO Rezension

Mit diesem Entwurf erhalten die Komische Oper Berlin, ihr Publikum und die Stadt Berlin neue Proben- und Arbeitsräume, Foyers, Restaurants und Terrassen und damit einen Begegnungsort für Künstler*innen und Zuschauer*innen an einer der prominentesten Adressen der Stadt. Der Siegerentwurf war von Anfang an unser Favorit und ich freue mich sehr über dieses Ergebnis. Herzlichen Glückwunsch, kadawittfeldarchitektur!“

An exponierter Stelle in der Berliner Mitte, im historischen Stadtzentrum zwischen der Straße Unter den Linden und der Behrenstraße ist die Komische Oper ein wichtiger Teil der Berliner Opern- und Kulturlandschaft.

Der bauliche und technische Zustand des Gebäudes entspricht jedoch schon seit langem nicht mehr den Anforderungen an einen zeitgemäßen Kulturbetrieb. Die bühnentechnische Ausstattung basiert auf dem Stand des Wiederaufbaus Mitte der 1950-er Jahre bzw. der Erstausstattung der 1967-er Jahre. Trotz des schlechten baulichen Zustands und der dürftigen technischen Ausstattung überzeugt die Komische Oper Berlin mit ihrem klaren künstlerischen Profil, breitem Repertoire und der hohen künstlerischen Qualität der Aufführungen national wie auch international.

Gegenstand des zweiphasigen Realisierungswettbewerbs war der nachhaltige Umbau des denkmalgeschützten Gebäudeensembles und dessen Erweiterung zu einem modernen, zukunftsorientierten Opernhaus. Die Planung soll unter dem Aspekt des Nachhaltigen Bauens im Sinne eines innovativen Energie- und kosteneffizienten Gebäudekonzeptes erfolgen.

Das Programm umfasst insgesamt ca. 20.000 m² Nutzungsflächen, davon sind ca. 8.600 m² in Neubauflächen unterzubringen. Für die Baumaßnahme liegt ein geprüftes und genehmigtes Bedarfsprogramm vom April 2018 mit Gesamtkosten von 227.000.000,- Euro (brutto, Index Feb/18) vor. Das Bauvorhaben wird aus Mitteln des Landes Berlin finanziert.

In der ersten Phase wurden aus 63 ausgewählten Entwürfen 16 Arbeiten zur weiteren Bearbeitung der zweiten Phase ausgewählt. Die Wettbewerbsjury unter Vorsitz des Stuttgarter Architekten Stefan Behnisch entschied nach ausführlicher Diskussion über die 3 Preisträger und 3 Anerkennungen. Im Anschluss an den Wettbewerb wird mit den 3 Preisträgern ein formalisiertes Verhandlungsverfahren unter Berücksichtigung weiterer Auswahlkriterien durchgeführt und über die konkrete Auswahl und Beauftragung eines Generalplanungsteams verhandelt, welches im zweiten Quartal 2021 in die konkrete Planung einsteigen soll. Nach Auszug des Ensembles der Komischen Oper Berlin ist geplant, das Bestandsgebäude im Sommer 2023 für vertiefte Bestandsuntersuchungen und die Vorbereitung und Durchführung der Baumaßnahmen an die Bauverwaltung zu übergeben.

La Bohème – Einführung von Regisseur Barrie Kosky
youtube Trailer Komische Oper Berlin
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Die Wettbewerbsjury entschied wie folgt:

1. Preis – Arbeit 1008 160.000 €
Architektur: kadawittfeldarchitektur
Aachen Tragwerksplanung: wh-p GmbH
Beratende Ingenieure, Berlin
Technische Ausrüstung Ingenieurbüro Nordhorn GmbH Co. KG, Münster

2. Preis – Arbeit 1014 110.000 €
Architektur: BE Berlin GmbH,
Baumschlager Eberle Architekten, Berlin
Technische Ausrüstung Stefan Ballmer, Berlin

3. Preis – Arbeit 1001   70.000 €
Architektur: AFF + Topotek 1, Berlin / Zürich Tragwerksplanung: Schnetzer Puskas Ingenieure AG, Basel     Technische Ausrüstung Buro Happold Limited, Bath

4. Anerkennung – Arbeit 1004   30.830 €
Architektur: JSWD Architekten, Köln / Gina Barcelona Architects, Barcelona
Tragwerksplanung: Werner Sobek AG, Stuttgart
Technische Ausrüstung ZWP Ingenieur-AG, Köln

5. Anerkennung – Arbeit 1010   30.830 €

Architektur: OMA International B. V., Rotterdam
Tragwerksplanung: Buro Happold GmbH, Berlin
Technische Ausrüstung Buro Happold GmbH, Berlin

6. Anerkennung – Arbeit 1013   30.830 €
Architektur: gmp Generalplanungsgesellschaft, Berlin Tragwerksplanung: Pfeifer Interplan, Cottbus Technische Ausrüstung gmp Generalplanungsgesellschaft, Berlin

Aus der Beurteilung des Preisgerichts zum 1. Preis von kadawittfeldarchitektur, Aachen

Das Projekt setzt auf einen plastisch gegliederten und in Materialisierung differenzierten Gebäudekörper, der von der Behrenstrasse bis Unter den Linden greift. Die verschiedenen Vor- und Rücksprünge aktivieren die bislang unterbewertete Glinkastraße, indem eine Reihe von Eingängen angeordnet sind: Café-, Bühnen- und Mitarbeiterrestauranteingang. Besonders überzeugend ist die Anordnung und Gestaltung der Tageskasse an Unter den Linden: Ein schmaler gläserner Körper öffnet sich einladend zur Straße, die Komische Oper erhält dadurch eine prominente Adresse an einer der bedeutendsten Straßen Berlins. Das Motiv für diese hohe Plastizität finden die Verfasser im Bestandsgebäude, genauer im Eingangsportal der Komischen Oper, die über den Materialwechsel von Sandsteinplatten zu dunklem Zinkblech eine starke Markierung erfährt. Die genannten Vor- und Rücksprünge enthalten im Innern von Norden nach Süden: das Café und die Tageskasse, die Probebühne I sowie den Orchesterprobenraum und schließlich das Mitarbeiterrestaurant. Diese Anordnung ist funktional überzeugend, da der Anbau jeweils an bestehende Nutzungen im Bestandsgebäude anschließen kann.

Die Bürogeschosse sind als eigenständiger Baukörper mit Pfosten-Riegel-Fassade ausgebildet und schließen die volumetrische Komposition nach oben hin ab.

Insgesamt ist ein inhaltlich reicher und anregender Entwurf gelungen, der eine hohe Sinnlichkeit aufweist. Lobenswert ist die Vielzahl der öffentlichen Orte mit hoher Aufenthaltsqualität: Neben dem Vorplatz an Unter den Linden sind dies die Außenräume entlang der Glinkastraße sowie der erweiterte Straßenraum an der Behrenstrasse. Besonders sind auch die beiden Terrassen zu erwähnen, die das Raumangebot der Komischen Oper Berlin für Mitarbeiter*innen und Besucher*innen bereichern. Ausstellung zu den Wettbewerbsarbeiten

Die Wettbewerbsarbeiten beider Phasen werden in der Zeit vom 15.11. – 26.11.2020 täglich von 12:00 bis 19:00 Uhr ausgestellt. Die Ausstellung findet statt in der Messe Berlin, Halle 7.2a, Messe Süd, Berlin

—| IOCO Aktuell Komische Oper Berlin |–

Hannover, Staatstheater Hannover, Neues Werkstattgebäude für die Theater, IOCO Aktuell, 23.07.2020

Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

NEUE THEATERFABRIK FÜR STAATSTHEATER  –   €26,5 Mio.

 Grundsteinlegung  für neues Werkstattgebäude der Staatstheater Hannover

Der Niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur Björn Thümler sowie die Geschäftsführung der Staatstheater Hannover, Schauspiel-Intendantin Sonja Anders, Staatsopern-Intendantin Laura Berman und Verwaltungsdirektor Jürgen Braasch, wohnten am 9.7.2020 gemeinsam mit Gästen und Vetreter*innen der beteiligten Bauunternehmen der feierlichen Grundsteinlegung für den Neubau der Dekorationswerkstätten der Niedersächsischen Staatstheater Hannover bei.

„Die Werkstatt, die hier in den kommenden Monaten entsteht, verspricht vor allem denjenigen, die die Bühnenbilder bauen und gestalten ein besseres, sichereres Arbeiten“, so Niedersachsens Kulturminister Björn Thümler. „Wir fördern den Neubau mit 26,5 Millionen Euro. Denn Bühnenbild, Requisite und Kostüm sind nicht nur Beiwerk, sondern unverzichtbarer Teil einer Theaterproduktion. Sie sind Teil der Geschichte.“

Jürgen Braasch, Verwaltungsdirektor: „Der Neubau ist ein Meilenstein für die Staatstheater Hannover und zugleich ein wichtiger Schritt, um die Leistungsfähigkeit und Produktivität unseres Theaterbetriebesn auf den Stand der heutigen Technik zu bringen.“

Staatstheater Hannover / Simulation des neuen Werkstattgebaeude @ Staatstheater Hannover

Staatstheater Hannover / Simulation des neuen Werkstattgebaeude @ Staatstheater Hannover

Laura Berman, Intendantin Staatsoper,: „Große Bühnen brauchen große Visionen. Für die Künstlerinnen und Künstler sind das fabelhafte Aussichten – und auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Staatstheater Hannover werden damit noch attraktiver – als Arbeitgeberin und Kulturmotor der Region.“

Sonja Anders, Intendantin Schauspiel: „Von dem Neubau profitieren nicht nur wir heute, sondern auch unser Publikum von morgen: Die Staatstheater Hannover rüsten sich für die Zukunft. Das ist zugleich ein Bekenntnis für die Relevanz der Theaterkultur in Hannover und der Region.“

An der Bornumer Straße wird bis Ende 2021 eine der modernsten Theaterwerkstätten Deutschlands entstehen, welche den arbeitsrechtlichen Bedingungen gerecht wird und auch im Hinblick auf Effizienz und digitale Produktionsweisen ein Vorzeigeprojekt in der deutschsprachigen Theaterlandschaft ist. Zeitgleich läutet das Bauvorhaben als Pilotprojekt die Zukunft des digitalen Bauens in Niedersachsen ein.

Auf rund 10.000 m² Bruttogeschossfläche werden in Zukunft die 78 Mitarbeiter*innen der Gewerke Tischlerei, Schlosserei, Malsaal, Bühnenplastik und Dekoration für die Herstellung der Bühnenbilder von Staatsoper und Schauspiel Hannover arbeiten. Jedes Jahr entstehen hier rund 40 Bühnenbilder für das Opernhaus, das Schauspielhaus und den Ballhof.

Staatstheater Hannover / Hier : Grundsteinlegung vl Sonja Anders, Jürgen Braasch, Laura Berman, Björn Thümler @ Villegas

Staatstheater Hannover / Hier : Grundsteinlegung vl Sonja Anders, Jürgen Braasch, Laura Berman, Björn Thümler @ Villegas

Derzeit sind die Theaterwerkstätten in dem viel zu kleinen Werkstattgebäude an der Hildesheimer Straße hinter der Stadtbibliothek untergebracht. Das 1930 errichtete Magazin- und Werkstattgebäude der Staatstheater ist bereits seit vielen Jahren stark sanierungsbedürftig und technisch veraltet. Da es an entsprechenden Montageflächen sowie an jeder Hebe- und Ladetechnik fehlt, werden bis heute alle Materialien weitgehend händisch bewegt. „Wir verarbeiten jährlich etwa 75 Tonnen Stahl, 40.000 m Holzlatten und 10.500 m² Plattenwerkstoffe wie Sperrholz, Multiplex und Tischlerplatte in unseren Dekorationswerkstätten. Das alles nur mit Muskelkraft in beengten Räumen zu bewegen, ist ein kaum noch hinnehmbarer Zustand“ erklärt Jürgen Braasch.

Im Vorfeld des geplanten Werkstattneubaus wurden intensive Nutzungs-, Standort- und Wirtschaftlichkeitsanalysen durchgeführt, die letztlich den Ausschlag für den Neubau gaben. Das Baugelände in Bornum gehört seit 2017 dem Land Niedersachsen und wird bereits mit dem Probebühnenzentrum der Staatstheater genutzt. Das frei werdende Werkstattgebäude an der Hildesheimer Straße wurde von der Region Hannover erworben und soll nach dem Auszug der Werkstätten in ein Büro- und Verwaltungsgebäude umgebaut werden.

Summer Session der Staatsoper Hannover 2020
youtube Trailer Staatsoper Hannover
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Die Finanzierung des Werkstattneubaus ist durch das Land Niedersachsen zugesichert und aktuell mit einer Summe von 26,5 Mio. Euro budgetiert. Die Entwürfe stammen von dem Architekturbüro BKSP und Partner aus Hannover, welches sich zuvor in einem europaweiten Architekturwettbewerb durchsetzen konnte. Die Bauplanung erfolgt mithilfe von modernster digitaler Technik – der Werkstattneubau ist das erste öffentliche Bauprojekt in Niedersachsen, welches mit der innovativen Building Information Modeling-Methode entsteht.

Im Zuge des Masterplan Bornum 2042 soll der Standort an der Bornumer Straße in den kommenden 25 Jahren zur zentralen Proben- und Produktionsstätte der Staatstheater Hannover ausgebaut werden. Aktuell unterhalten die Staatstheater mehrere Außenstandorte, Probenräume und Lagerflächen in ganz Hannover, die sukzessive nach Bornum verlagert werden sollen – auch um in Zukunft Liefer- und Transportwege zu reduzieren. 2042 soll mit dem Bezug des neuen Orchesterprobensaals das Projekt abgeschlossen sein.

DATEN UND FAKTEN RUND UM DEN NEUBAU

Projektbeteiligte (Auswahl)
Bauherr und Nutzer: Niedersächsische Staatstheater Hannover GmbH
Architekten und Generalplaner: Architekten BKSP, Hannover
Finanzierung: Land Niederachsen, MWK

Gebäudeaufbau
– Gebäudemaße rund 108m x 85m x 13,50m (L x B x H)
– Bruttogeschossfläche (BGF) rund 10.000 m², davon rund 7.500 m² Werkstattfläche sowie Transport- und Lagerflächen, Technikräume, Umkleide- und Sozialbereiche, Besprechungsräume, Büros usw.
– alle Gewerke sind ebenerdig um die künftige Montagehalle angeordnet. Es gibt eine durchgehende Raumhöhe.

Termine
– Abriss des Altbestands von Juni 2019 bis Februar 2020
– Mitte April 2020: Baubeginn
– Juli 2020: Grundsteinlegung
– Fertigstellung des Rohbaus bis Ende 2020
– Fertigstellung Innenausbau und Inbetriebnahme bis Ende 2021

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

Altenburg, Theater Altenburg Gera, Sensationsfund – Beethoven im Theater Altenburg, 01.04.2020

April 3, 2020 by  
Filed under Konzert, Pressemeldung, Theater Altenburg Gera

Theater Altenburg Gera

Theater Altenburg © Ronny Ristok

Theater Altenburg © Ronny Ristok

Sensationsfund – Beethoven im Theater Altenburg

Bei der sanierungsbedingten Beräumung des Archivs im Theater Altenburg ist jüngst ein Notenblatt mit Widmung aus der Feder Ludwig van Beethovens aufgetaucht. Forscher datieren den Sensationsfund auf den Sommer 1796, als Beethoven rund um Leipzig auf Anstellungssuche war und auch bei der Herzoglichen Hofkapelle zu Altenburg vorsprach.

Das Notenblatt ist die Skizze eines Klavierlieds, welches eine Rondoform erahnen lässt, so die renommierte Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Heidrun Sinn. Der Titel „Bach sollte Meer heißen“ stellt eine Referenz an den bereits im späten 18. Jahrhundert hochangesehenen Thüringer Komponisten Johann Sebastian Bach dar, der 1739 die Orgel des Residenzschlosses inspiziert hatte. Diese Tatsache war offensichtlich auch Beethoven zu Ohren gekommen.

Mindestens so interessant wie das leider unvollständig überlieferte Werk selbst dürfte die Tatsache sein, dass die Komposition einer jungen Dame gewidmet war. Dem Autograph sind die Worte „Für meine geliebte Cor…“ zu entnehmen. Der Name ist leider nicht komplett zu entziffern. Es ist dies für die Musikwissenschaft der eindeutige Beleg, dass Beethoven bereits lange vor Elise eine Geliebte hatte.

Die Beräumung des Altenburger Theaterarchivs ist durch die aktuelle Theatersanierung notwendig geworden. Glücklicherweise fällt diese mit dem Beethoven-Jahr zusammen, sodass der Schatz gerade jetzt geborgen werden konnte. Erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wird das Notenblatt voraussichtlich im Sommer 2023 anlässlich der Wiedereröffnung des Lindenau-Museums. Beethoven-Fans müssen sich also noch etwas gedulden.

—| Pressemeldung Theater Altenburg Gera |—

Landshut, Theater Landshut, Sanierungswirrwarr – Seit 2014, IOCO Aktuell, 17.12.2019

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Landestheater Niederbayern

Stadttheater Landshut / Theaterzelt © Peter Litvai - Landestheater Niederbayern

Stadttheater Landshut / Theaterzelt © Peter Litvai – Landestheater Niederbayern

Theater Landshut  – Gelähmt im Sanierungswirrwarr

Kulturelle Vielfalt in Niederbayern in Gefahr

von  Viktor Jarosch

Landshut ist mit 72.000 Einwohner die größte Stadt Niederbayern. Kulturelles Zentrum von Landshut ist das Theater Landshut, welches gemeinsam mit dem Stadttheater Passau und Theater am Hagen, Straubing in einem kulturellen Städtebund als Landestheater Niederbayern verbunden: Gemeinsam, als Landestheater Niederbayern, bieten diese Theater der Bevölkerung der Region moderne und vielfältige Kultur.

Stadttheater Landshut / HIER : das seit 2014 bestehende Provisorium © Konrad Krukowski / Landestheater Niederbayern

Stadttheater Landshut / HIER : das seit 2014 bestehende Provisorium © Konrad Krukowski / Landestheater Niederbayern

Seit 2014, seit fünf Jahren, ist das Stadttheater Landshut wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Aufführungen finden seither in einem Notbehelf, einem großen Theaterzelt am Stadtrand von Landshut statt. Seit Beginn der Odyssee müssen die kulturell notleidenden Bürger von Landshut in einer Zelt-Notlösung Theater erleben. Diese Ersatzspielstätte wurde mittlerweile ebenfalls zum Sanierungsfall; man kämpft dort gegen Ungeziefer aus einer nicht funktionierenden Kanalisation, gegen Wetterunbillen, dass Regen auf das Dach prasselt oder im Sommer die Temperaturen mal auf 40 – 50 Grad steigen, gegen das Wummern aus einer nahe gelegenen Veranstaltungsarena. Elf (in Zahlen 11) Jahre sollte die Sanierung des Theater Landshut ursprünglich dauern. Aufgrund eines zu erwartenden Haushaltsdefizits hatte die Stadt Landshut nun erwogen, die Sanierung des Theaters zu unterbrechen. Unabsehbare Konsequenzen hätte ein solcher Beschluss für die kulturelle Landschaft Niederbayerns gehabt. In einer auch von IOCO unterstützten online-Petition (link hier) protestierten über 20.000 Bürger gegen dieses Vorhaben. Eine Stadtratssitzung am 6.12.2019 sollte über die Zukunft des Theater Landshut entscheiden.

Das Sanierungselend des Theater Landshut hat große und kleine Vorbilder: so die Berliner Staatsoper Unter den Linden, die Elbphilharmonie Hamburg, die Oper Köln am Offenbachplatz,  welche geplante Sanierungsdauern von vier auf mindestens acht Jahre verdoppelten; die Sanierungskosten überschritten ursprünglich geplantes um viele hundert Millionen Euro. Das Theater Landshut, welches seit 2014 durch sein eigenes Sanierungselend taumelt, hat inzwischen beste Voraussetzungen, zum kleinen Bruder der Staatsoper Unter den Linden oder der Oper Köln zu werden.

Das Dschungelbuch – eine herrliche Schauspielproduktion des Landestheater Niederbayern
youtube Trailer Landestheater Niederbayern
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Am 6. Dezember 2019 erklärten alle Stadträte zunächst ihre uneingeschränkte Solidarität mit dem Landestheater Niederbayern und dem Theater Landshut, um anschließend mit einer denkbar knappen Mehrheit von 21:20 Stimmen gegen den Antrag zu stimmen, die für Sanierung und Umbau erforderlichen Mittel in den mittelfristigen Finanzplan der Stadt einzustellen. Wohl aus Sorge über lauten Unmut in der Bevölkerung hat der Haushaltsausschuss auch ein Feigenblatt / Mogelpackung beschlossen: die Planungen für die Sanierung des Theater Landshut werden 2020 wie vorgesehen fortgesetzt. Dafür wurden 1,85 Millionen Euro im Etat der Stadt eingesetzt. Konkret bedeutet dies auch: Der Betrieb des Theater Landshut wird aufrecht erhalten, für ein neues oder saniertes Theater wurden keine Mittel bereit gestellt.

Der nun seit 2014 andauernde wie undurchsichtige Entscheidungsprozess des Stadtrats lässt für die Bürger von Landshut schlimmes befürchten: Das Theaterzelt wird  für weitere viele Jahre Spielstätte der  Produktionen des Landestheater Niederbayern bleiben. Was die endgültige Sanierung des Theater Landshut kosten wird, ob diese je stattfinden wird,  steht auch fünf Jahre nach Schließung des Hauses nicht einmal in den Sternen von Niederbayern.

—| IOCO Aktuell Landestheater Niederbayern |—

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