Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Samson et Dalila – Camille Saint-Saëns, 18.10.2019

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

 Samson et Dalila – Camille Saint-Saëns

Saison 2019/20 – Erste Neuproduktion im Opernhaus Düsseldorf

Am Freitag, 18. Oktober, um 19.30 Uhr wird im Opernhaus Düsseldorf eine Premiere in doppelter Hinsicht gefeiert: Als erste Neuproduktion der Spielzeit kommt Camille Saint-Saëns‘ französische Oper Samson et Dalila auf die Bühne, und das zum ersten Mal seit Gründung der Deutschen Oper im Jahr 1956. Joan Anton Rechi, der hier zuletzt sehr erfolgreich Madama Butterfly inszenierte, setzt das Stück über die in Sklaverei gefallenen Hebräer und ihren verführbaren Helden Samson in Szene. Generalmusikdirektor Axel Kober über­nimmt die musikalische Leitung und übergibt im November an Marie Jacquot, die neue Erste Kapellmeisterin der Deutschen Oper am Rhein.

Deutsche Oper am Rhein / Samson et Dalila - Michael Weinius (Samson), Ramona Zaharia (Dalila), Chor der Deutschen Oper am Rhein © Jochen Quast

Deutsche Oper am Rhein / Samson et Dalila – Michael Weinius (Samson), Ramona Zaharia (Dalila), Chor der Deutschen Oper am Rhein © Jochen Quast

Für Joan Anton Rechi (Foto unten) hat das Stück im Wesentlichen zwei Aspekte: „Auf der einen Seite steht die Frage, wie sehr uns Religionen und Großmächte manipulieren können. Andererseits geht es um Manipulation auf emotionaler Ebene: Wie benutzen wir Gefühle, um Menschen zu steuern, so wie es Dalila hier tut?

IOCO / A. Schneider wird über die Produktion ausführlich berichten

Joan Anton Rechi, Regissuer © IOCO

Joan Anton Rechi, Regissuer © IOCO

Camille Saint-Saëns hatte Samson et Dalila ursprünglich als Oratorium angelegt. Dessen klare sakrale Formensprache verbindet er mit der Opulenz exotisch wirkender Rhythmen und Klänge, aber auch mit typischen Opernelementen des 19. Jahrhunderts: Gerade in den Duetten Dalilas mit dem Oberpriester oder Samson geht es um ganz große Gefühle.

In den Titelpartien debütieren Ramona Zaharia (Dalila) und Michael Weinius (Samson), der gefeierte Siegfried im neuen Düsseldorfer Ring des Nibelungen. Mezzosopranistin Ramona Zaharia, die im Frühjahr erstmals an der New Yorker MET gastierte und dort 2020 als Carmen zu erleben ist, freut sich auf die Rolle der großen Verführerin: „Die Arie ‚Mon coeur s’ouvre à ta voix‘ ist wie ein magisches Wiegen­lied, das Samson unwiderstehlich in seinen Bann zieht.“ Neben weiteren Solisten wie Simon Neal (Oberpriester des Dagon), Sami Luttinen (Ein alter Hebräer) und Luke Stoker (Abimélech) übernimmt der Chor der Deutschen Oper am Rhein eine zentrale Rolle in dem von den Düsseldorfer Symphonikern orchestral begleiteten Stück.


Samson et Dalila  –  Opernhaus Düsseldorf: Fr 18.10. – 19.30 / So 20.10. – 18.30 / Mi 23.10. – 19.30 / Sa 26.10. – 19.30 / Fr 01.11. – 18.30 / Mi 06.11. – 19.30 / Sa 09.11. – 19.30 / Sa 16.11. – 19.30 / So 24.11. – 15.00 / Mi 27.11. – 19.30 / So 01.12.2019

Tickets und weitere Informationen gibt es im Opernshop Düsseldorf (Tel. 0211.89 25 211), an der Theaterkasse Duisburg und online über www.operamrhein.de.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Uraufführung – Schade, dass sie eine Hure war, 16.02.2019

Januar 10, 2019 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Oper, Premieren, Pressemeldung

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

  Schade, dass sie eine Hure war – Arno Schreier

Premiere Sa 16.02.2019 – 19.30 Uhr

Im Opernhaus Düsseldorf präsentiert die Deutsche Oper am Rhein am Samstag, 16. Februar, um 19.30 Uhr die Uraufführung von Anno Schreiers neuer Oper Schade, dass sie eine Hure war. Sie basiert auf dem gleich­nami­gen Drama des Shakespeare-Zeitgenossen John Ford, das alle Register des elisabethanischen Schauerdramas zieht.

Deutsche Oper am Rhein / Schade, dass sie eine Hure war - Lavinia Dames (Annabella) – © Max Brunnert

Deutsche Oper am Rhein / Schade, dass sie eine Hure war – Lavinia Dames (Annabella) – © Max Brunnert

Die beiden Liebenden Giovanni und Annabella sind Geschwister, deren inzestuöse Neigung ihrem Lebens­glück entgegensteht. Das Netz von Intrigen, das sie umgibt, ist grobmaschig und derb gestrickt. Annabellas Hochzeitsanwärter metzeln sich gegenseitig nieder, während sie von ihrem Bruder geschwängert wird und notgedrungen in die Ehe mit einem der Bewerber einwilligt, um die Blutschande zu vertuschen. Von manischer Leidenschaft getrieben tötet Giovanni die Geliebte und setzt alle unter Schock, die das grausame Intrigenspiel überlebt haben.

Für den Komponisten Anno Schreier spiegeln sich in diesem Stoff Grundmuster der Oper, deren Überhöhungen, Absurditäten und abgrundtiefe Emotionalität er zu einer expressiven Oper über die Oper zusammenfügt. In der Inszenierung von David Hermann kommt sie zum ersten Mal auf die Bühne, Lukas Beikircher übernimmt die musikalische Leitung. Fast vollständig aus dem hauseigenen Ensemble besetzt sind die bis ins Extrem getriebenen Charakterrollen: Lavinia Dames ist Annabella, Jussi Myllys ihr Bruder Giovanni. Sergej Khomov, Bogdan Talos, Richard Šveda, Günes Gürle, Florian Simson, David Jerusalem, Sami Luttinen, Sarah Ferede, Susan Maclean, Paula Iancic und der Chor der Deutschen Oper am Rhein sind in den weiteren Partien zu erleben.


Aufführungen im Opernhaus Düsseldorf

Premiere Sa 16.02. – 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen:  Sa 23.02. – 19.30 Uhr / Mi 27.02. – 19.30 Uhr / Fr 08.03. – 19.30 Uhr / So 10.03. – 15.00 Uhr / So 17.03. – 18.30 Uhr

Opernwerkstatt vor der Premiere: Im Gespräch mit dem Produktionsteam gibt Chefdramaturgin Hella Bartnig am Montag, 11. Februar, um 18.00 Uhr im Opernhaus Düsseldorf Einblick in das Stück. Anschließend besteht die Möglichkeit zum Probenbesuch. Der Eintritt ist frei.

Programmtipp: Anno Schreiers Liedzyklus Fuoco e lacrime erklingt am 30. Januar, 20.00 Uhr, in der Konzertreihe „Na, hör’n Sie mal“ in der Tonhalle Düsseldorf mit dem notabu.ensemble neue musik unter der Leitung von Mark-Andreas Schlingensiepen. Die Solistin ist Monika Rydz.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Walküre von Richard Wagner, IOCO Kritik, 06.02.2018

Februar 6, 2018 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Hervorheben, Kritiken, Oper

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Walküre von Richard Wagner

  Regieclou:  Walküre überrascht mit listigem Wotan 

Von Hanns Butterhof

Man konnte gespannt sein, wie sich Der Ring des Nibelungen an der Düsseldorfer Rheinoper nach dem Rheingold – Vorabend entwickeln würde. Aber von einer Entwicklung war kaum etwas zu sehen, die im Rheingold prominent dem Feuerhalbgott Loge eingeräumte Rolle als listiger Strippenzieher und Geist des ewigen Werdens und Wandels verkümmert zu Herdfeuer und Kerzenlicht. Stattdessen wird nicht ohne Irritationen erzählt, wie ein noch listigerer Wotan seinen Plan scheitern lässt, mit Hilfe Siegmunds die Götter- und Menschenwelt zu retten, damit er mit Siegfried gelingt.

Dieter Richter hat für Die Walküre eine bunkerartige, düstere Einheitsbühne gebaut, die ihre dramaturgischen Tücken hat. Der große Esstisch auf der linken Bühnenseite lässt nur wenig Raum zum flackernden Herd auf der rechten Seite. Nach hinten hinaus, an der säulenartigen Esche vorbei bis zu der Reihe niedriger Fenster ist toter Raum, so dass sich das Geschehen mit der Tendenz zur Statik eines Kammerspiels familiär am Küchentisch ballt.

Kammerspiel am Küchentisch

Dietrich Hilsdorfs Regie mindert das dramatische Geschehen um immerhin die Weltrettung ins Unauffällige, Bürgerliche. Das beginnt schon mit der Ouvertüre, in der Hunding (Sami Luttinen) wie von der Jagd mit einem Gewehr bewaffnet nach Haus kommt. Er hängt seinen Mantel am Eschenstamm auf, wo ihm der Griff des Schwerts Nothung wie ein beliebiger Knauf als Garderobe dient. Seine routinierte Zärtlichkeit, die an einen aus dem Büro heimkehrenden Ehemann erinnert, stößt Sieglinde (Elisabet Strid ) widerwillig zurück, woraufhin sich Hunding ohne viel Aufhebens in sein Schlafzimmer zurückzieht. Das Schrecknis des Unglücks, das Sieglinde als Ehefrau in seinem Hause erleidet, wird so zum alltäglichen Schrecken bürgerlichen Ehelebens gemildert.

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre - hier Sami Luttinen als Hunding, Elisabet Strid als Sieglinde, Corby Welch als Siegmund © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre – hier Sami Luttinen als Hunding, Elisabet Strid als Sieglinde, Corby Welch als Siegmund © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Hunding, den Sami Luttinen mit leicht orgelndem Bass gibt, ist kein böser, eher ein recht konventioneller Mensch. Mit dem vor ihm geflohenen, aber erstaunlicherweise nach ihm eintreffenden Siegmund (Corby Welch) setzt er sich, wenn auch das Gewehr stets griffbereit, an den Küchentisch, hört sich interessiert dessen Lebensgeschichte an und bietet ihm nicht nur Schutz für eine Nacht, sondern auch ein Glas Wein an.

Siegmund, der im langen, verdreckten und vom Kampf löchrigen Militärmantel (Kostüme: Renate Schmitzer) erst erschöpft am Herdfeuer nieder- und in Schlaf gesunken war, blüht angesichts der sich innig um ihn bemühenden Sieglinde und des Schwerts Nothung auf, das er ohne viel Mühe aus dem Stamm der Esche zieht. Jubelnd entdecken sie, dass sie Zwillinge sind und tauschen in kindlicher Unschuld ihre Kleider, bevor über ihre sündige Liebe schnell der Vorhang fällt.

Elisabet Strid ist als Sieglinde brilliant. Ihr kräftiger, jugendlich frischer Sopran ist auch in den Höhen unangestrengt und ungewöhnlich textverständlich. Ihr Spiel ist ausdrucksstark und fesselt gleichermaßen bei inniger Zärtlichkeit wie in aufloderndem Wahn. Auch Corby Welch überzeugt mit variablem, eher lyrischem als heldenhaft dramatischem Tenor, dem er darstellerisch als sehr umsorgend liebender, nicht ruppig-gewalttätiger Siegmund entspricht.

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre- hier Renée Morloc als Fricka, Simon Neal als Wotan, Linda Watson als Brünnhilde © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre- hier Renée Morloc als Fricka, Simon Neal als Wotan, Linda Watson als Brünnhilde © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Der zweite Akt bringt dann mit einem von der Regie gesetzten Zeitsprung von sechs Monaten einen überraschenden Eingriff in den Ablauf der „Walküre“. Die Bühne ist nur wenig verändert, die Esche hat keine Krone, und von der Decke hängt unbewegt ein riesiger Ventilator herab. Die Fenster sind etwas höher geworden und das Feuer im Herd ist erloschen.

Der Zeitsprung ist ein Sprung aus der Realität, nur erklärlich als Blick in Wotans Gedanken von der Zukunft, die er sich während der Liebesnacht der Wälsungen macht: Am Tisch sitzen in trauter Eintracht Hunding, Siegmund und die schon sichtlich schwangere Sieglinde mit einigen Walküren. Man trinkt fröhlich, während der militärisch uniformierte Wotan (Simon Neal) in ausgelassener Stimmung auf dem Tisch tanzt. Er freut sich offensichtlich an dem werdenden Leben, fasst gerne auf Sieglindes deutlich gerundeten Bauch, in dem sich ihr Kind schon schmerzlich ungestüm zeigt. Der Walküre Brünnhilde (Linda Watson) erteilt er den Auftrag, Siegmund vor Hunding zu schützen, was wegen Nothung und der gegebenen Geselligkeit etwas überflüssig erscheint. Doch ihm vergeht gründlich das Lachen, als seine Gattin Fricka (Renée Morloc) hereinrauscht. Die würdevolle Matrone in festlich schwarzem Kleid durchkreuzt seine auf Siegmund gerichteten Hoffnungen und zwingt ihn als Hüterin der Ehe dazu, den inzestuösen Ehebrecher zu vernichten. Zerknirscht gibt Wotan klein bei und widerruft in einem spannungsreichen Disput mit der widerstrebenden Brünnhilde seinen Schutz-Befehl.

Im Orchester gewittert es gewaltig, als sich Wotan, der zwanghaft ordentlich Stühle und Gläser gerade rückt, als fremdbestimmt erfährt. Simon Neals variablem, schlanken Bariton stehen eindrucksvoll Schmerz, Wut oder Trauer zur Verfügung, dem Linda Watsons Brünnhilde berührend Zärtlichkeit und kraftvoll dramatische Widerständigkeit entgegensetzt.

Dass Hilsdorf den Akt sechs Monate nach dem Abend in Hundings Hütte spielen lässt, ist so irritierend wie die Familienkonstellation am Küchentisch. Vor allem wird anfangs nicht plausibel, wieso Sieglinde erst später durch Brünnhilde von ihrer Schwangerschaft erfährt. Wenn Hilsdorf diese Schwierigkeiten in Kauf nimmt, muss er einen schwerwiegenden Grund dafür haben. Der könnte darin bestehen, dass er so Raum für einen Wotan gewinnt, der weitsichtiger und noch durchtriebener ist als Loge. Wotan hatte bei seinen Planungen zur Weltrettung alles im Griff bis hin zum Inzest des Wälsungen-Paares. Und er weiß gewiss auch, dass Siegmund nicht der freie Held ist, den er braucht. So dürfte er auch Frickas Einwendungen gegen dessen Sieg über Hunding vorhergesehen, sogar eingeplant haben. Indem sein Plan mit Siegmund scheinbar scheitert, kommt er seinem Endziel ein Stück näher, ist doch erst der im Werden begriffenen Siegfried der Held, den er braucht. Da bekommt auch der Streit mit Brünnhilde, die seinem Befehl zuwider gehandelt hat, ihren Sinn. Was als Strafe erscheint, sie aus dem Kreis der Walküren auszustoßen und auf den flammenumloderten Felsen zu verdammen, erweist sich als kluge Vorsorge, sie für Siegfried aufzusparen, an dessen Werden und für dessen Wirken er vor Fricka und der Welt als nicht verantwortlich erscheint. Da dürfen die bunten Varieté-Lämpchen um den Bühnenrahmen einmal aufflammen, als würden sie dem Publikum zuzwinkern.

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre - hier Elisabet Strid als Sieglinde, Corby Welch als Siegmund © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre – hier Elisabet Strid als Sieglinde, Corby Welch als Siegmund © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Das ist aufgeklärt und sinnig gedacht, irritiert aber die romantischen Erwartungen des Publikums erheblich, das dann mit dem Zeitsprung zurück in Hundings Hütte zurechtkommen muss. Dort setzt die Geschichte wieder ein, als Siegmund das Schwert erneut aus der Esche zieht und das Paar vor Hunding flieht. Recht gelassen ist dann Brünnhildes Gespräch mit Siegmund, das ihm den Tod verkündet. Hunding erschießt ihn ohne Zeichen von Grimm, eher weil das die Vollendung seiner Hilfe für die Stammesfreunde erfordert, konventionell zieht er vor dem Toten den Hut. Wenn Wotan ihn mit seiner letzten Geste verächtlich zu Boden streckt, trägt dies deutliche Züge von projiziertem Selbsthass des von Konventionen gebundenen Gottes. Derweil flieht die nun über ihre Schwangerschaft aufgeklärte Sieglinde mit Brünnhilde und den Trümmern Nothungs vor Wotans vermeintlicher Vernichtungswut.

Zwar ist zu Beginn des dritten Akts spektakulär das Rattern eines Hubschraubers über das Opernhaus zu hören, der sich dann abgestürzt und teilweise ausgebrannt im Kunstnebel auf der Bühne befindet, aber das Ende ist eher entspannt. Unter ausnehmend schönem Chorklang ihres Hojotaho führen die Walküren junge Männer in Militärhosen, nacktem Oberkörper und Hosenträgern zu Tisch, die außer kleineren Verwundungen wenig Heldenhaftes an sich haben. Mehr zur Lust mit ihren Helden geneigt als selber heldenhaft sind die Walküren, wenn sie der mit Sieglinde herbeijagenden Brünnhilde helfen sollen; keine wagt gegen Wotan aufzumucken. Nur Brünnhilde stellt sich seinem Zorn, auch um Sieglinde die Flucht zu decken, nachdem sie ihr noch die Trümmer von Nothung in die Hand gedrückt und ihr prophezeit hat, dass ihr Sohn das Schwert einst wieder schmieden wird. Und als diejenige, die Wotans tiefsten Willen weiß, weiß sie auch, dass dieser Sohn einst als Mann für sie bestimmt ist. Es ist Wotans Selbstgespräch mit ihr, in dem seine furchtbare Strafe so gestaltet wird, dass nur Siegfried als der von ihm gewünschte freie Held die Flammen durchdringt, in deren Schutz er sie einhüllt. Man sieht das Feuer vor den Fenster lodern, während Brünnhilde ruhig, wohl auf Siegfried wartend, am Küchentisch verbleibt.

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre - hier Katja Levin als Ortlinde, Maria Hilmes als Rossweisse, Katarzyna Kuncio als Waltraute, Evelyn Krahe als Schwertleite, Katharina von Bülow als Grimgerde © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre – hier Katja Levin als Ortlinde, Maria Hilmes als Rossweisse, Katarzyna Kuncio als Waltraute, Evelyn Krahe als Schwertleite, Katharina von Bülow als Grimgerde © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Die Regie Dietrich Hildorfs ist nicht ohne Brüche und zielt selten auf den bloßen Effekt wie bei dem Hubschrauber. Meistens zeichnet er die Figuren differenziert und einfühlsam, vor allem zwischen Wotan und Brünnhilde entfaltet sich berührend ein reiches Gefühlsspektrum. Rätselhaftes wie schon im „Rheingold“ verwunderliche Übergaben der Erda-Perücken und vor allem der Zeitsprung im zweiten Akt irritieren, distanzieren bei aller Sinnhaftigkeit doch erheblich vom Geschehen und nagen an der Spannung, die sich um den Tisch herum sowieso nur mühsam entfaltet.

Axel Kober am Pult der Düsseldorfer Symphoniker trägt dem Regiekonzept weitgehend Rechnung. Er vermeidet den ganz großen Wagner-Sog, den er durch deutliche Generalpausen zusätzlich bremst. Sängerfreundlich entfaltet er die lyrischen Passagen und gestaltet mit dramatischen Steigerungen ein insgesamt farbenreiches, klangvolles Spiel.

Nach fünf Stunden mit erfreulich textverständlichem, zusäzlich deutsch übertiteltem Gesang gab es lang anhaltenden, auch im Stehen dargebrachten Beifall vor allem für Elisabet Strid, Linda Watson, Simon Neal und Corby Welch, ebenso für Axel Kober und die Düsseldorfer Symphoniker. Für das Regieteam teilte sich das Publikum in Buh!- und Bravo!-Rufer. Auf die Entwicklung des Hilsdorf-Rings in Siegfried darf man gespannt sein.

Die Walküre an der Rheinoper; Die nächsten Termine: 17.2.2018 um 17.00 Uhr, 4.3.2018 um 15.00 Uhr

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Die Walküre von Richard Wagner, 28.01.2018

Dezember 12, 2017 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Oper, Premieren, Pressemeldung

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Die Walküre von Richard Wagner

Premiere 28. Januar 2018 – Opernhaus Düsseldorf

2018 ist das Jahr des neuen Rings: Nach dem vielbeachteten Auftakt mit Das Rheingold führt die Deutsche Oper am Rhein die Neuinszenierung von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen fort. Am Sonntag, 28. Janu­ar, feiert Die Walküre um 17.00 Uhr Premiere im Opernhaus Düsseldorf. Am 7. April 2018 folgt Siegfried, am 27. Oktober die Götterdämmerung. Regie führt Dietrich W. Hilsdorf, das Bühnenbild gestaltet Dieter Richter, die Kostüme Renate Schmitzer. Generalmusik­direktor Axel Kober bringt Wagners Opus magnum bis zum Sommer 2019 mit beiden Orches­tern – den Düsseldorfer Sym­pho­­nikern und den Duisburger Philharmoni­kern – und unterschied­lichen Sängerbesetzun­gen in Düsseldorf und Duisburg zur Aufführung.

Die Walküre in Düsseldorf entwickeln Dietrich W. Hilsdorf und Axel Kober mit renommierten Gästen und Wagner-Interpreten aus dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein: Corby Welch und Elisabet Strid sind das Wälsungenpaar Siegmund und Sieglinde, dem Sami Luttinen als Hunding gegenübersteht. Simon Neal und Renée Morloc führen als Wotan und Fricka die Götterfamilie an. Linda Watson, die Brünnhilde der Bayreuther Festspiele, der Los Angeles Opera und der Wiener Staatsoper, ist nun am Rhein als Walküren­tochter zu erleben.


Die Walküre von Richard Wagner
Premiere am Sonntag, 28. Januar 2018, 17.00 Uhr, im Opernhaus Düsseldorf
Erster Tag des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen

Musikalische Leitung: Axel Kober Kostüme: Renate Schmitzer, Inszenierung: Dietrich W. Hilsdorf Licht: Volker Weinhart, Bühne: Dieter Richter Dramaturgie: Bernhard F. Loges
Siegmund: Corby Welch Gerhilde: Jessica Stavros, Hunding: Sami Luttinen Ortlinde: Katja Levin, Wotan: Simon Neal Waltraute: Katarzyna Kuncio, Sieglinde: Elisabet Strid Siegrune: Zuzana Sveda, Brünnhilde: Linda Watson Roßweiße: Maria Hilmes, Fricka: Renée Morloc Grimgerde: Katharina von Bülow, Helmwige: Josefine Weber Schwertleite: Evelyn Krahe,  Orchester: Düsseldorfer Symphoniker


Die Walküre“ im Opernhaus Düsseldorf:
So 28. Januar – 17.00 Uhr (Premiere) / Sa 17. Februar – 17.00 Uhr / So 4. März – 15.00 Uhr / So 11. März – 17.00 Uhr / So 25. März – 17.00 Uhr / Sa 31. März – 17.00 Uhr / So 17. Juni – 17.00 Uhr

DER RING DES NIBELUNGEN –  Die weiteren Premieren:
DIE WALKÜRE: Do 31. Mai 2018 – Theater Duisburg
SIEGFRIED: Sa 7. April 2018 – Opernhaus Düsseldorf / Sa 26. Januar 2019 – Theater Duisburg
GÖTTERDÄMMERUNG: Sa 27. Oktober 2018 – Opernhaus Düsseldorf / So 5. Mai 2019 – Theater Duisburg,

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Nächste Seite »