Salzburg, Salzburger Festspiele 2019, Regisseur Andreas Weirich im Gespräch, IOCO Interview, 31.08.2019

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Salzburger Festspiele

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel - hier : Schlussapplaus mit vl .Joanna Kedzior, Benson Wilson, James Ley, Marius Felix Lange Komponist, Andreas Weirich  Regie, Katja Rotrekl © SF / Marco Borelli

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel – hier : Schlussapplaus mit vl .Joanna Kedzior, Benson Wilson, James Ley, Marius Felix Lange Komponist, Andreas Weirich  Regie, Katja Rotrekl © SF / Marco Borelli

  Der Gesang der Zauberinsel oder: wie der Rasende Roland ….  – Kinderoper

Regisseur Andreas Weirich im Gespräch mit Adelina Yefimenko

Die Salzburger Festspiele 2019 eröffneten nicht mit einer großen Operngeschichte sondern mit der zauberhaften Uraufführung der Kinderoper Der Gesang der Zauberinsel oder: wie der Rasende Roland wieder zu Verstand kam. Im Auftrag der Salzburger Festspiele komponierte Marius Felix Lange eine Familienoper nach dem Epos von Ludovico Ariosto Der rasenden Roland, das im Jahre 1516 entstanden ist. Selbstverständlich lehnt sich die Geschichte an Händels Alcina an, die aber einfallsreich für Kinder konzipiert wurde und beinahe autobiographisch, mit Selbstironie und Kinderliebe, wirkte, da die Figur des Rasenden Rolands selber den Komponisten verkörpert.

Georg Friedrich Händel  - der Schöpfer von Alcina © IOCO

Georg Friedrich Händel – der Schöpfer von Alcina © IOCO

Die fantasiereiche und turbulente Handlung, gestaltet mit wunderschönen Bühnenbildern, zeigte auch die magische Kraft und das Können des Regisseurs Andreas Weirich, der diese Kinderoper mit bezauberter Atmosphäre und umfassenden Kenntnissen der Kinderpsychologie gestaltet hat. Der Regisseur hat sich mehrmals als Experte alternativer Regie- und Bühnen- Wunder etabliert – vom Svirz Castle, Ukraine, aus dem 16. Jahrhundert, wo er die Oper Alcide des ukrainischen Komponisten Dmitro Bortniansky inszenierte bis zur Oper Der zerbrochene Krug des jüdischen Komponisten Victor Ullmann, die im KZ komponiert wurde – mit der beeindruckenden Allegorie des Baums.

In seiner Inszenierung der Kinderoper Der Gesang der Zauberinsel von Marius Felix Lange fliegen alle Protagonisten, satteln einen Hippogryph zum Mond. Die lebendige Reaktion des Kinderpublikums auf die Verschwörungen, Zaubereien hat die Inszenierung belohnt. Die Interpretation des Mythos über die Alcina-Insel, die Szenen, voller Hexereien und Überraschungen offenbart in der Kinderpsychologie eine adäquate Reaktion der Liebe zu Märchen, Täuschungen, Reinkarnationen von Tieren, Menschen, natürlichen Elementen, von denen die Erwachsenen viel lernen können.

Andreas Weirich im Gespräch mit Adelina Yefimenko erzählt seine Gedanken zur Inszenierung dieser magischen Oper über Erde und Raum, Alltäglichkeit und Wunder, über den Flug zum Mond: ist es ein Traum oder doch die Wirklichkeit!

 Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel - hier :  Sarah Shine als Angelika, Joel Allison als Roland Angeler, Joanna Kedzior als Alcina © SF / Erika Mayer

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel – hier : Sarah Shine als Angelika, Joel Allison als Roland Angeler, Joanna Kedzior als Alcina © SF / Erika Mayer

Adelina Yefimenko (AY): Andreas, inwieweit erschließen sich die Bezüge dieser neuen Geschichte von Marius Felix Lange, der selber das Libretto des Gesangs der Zauberinsel geschrieben hat, auf die Quellen von Ariosto sowie Händel? Was ist das Wichtigste in dieser neuen Geschichte? Was ist der Kern der neuen Oper über Alcina?

Andreas Weirich (AW): Marius Felix Lange bezieht sich in seiner neuen Oper Der Gesang der Zauberinsel…  allein auf die literarische Vorlage des Versepos Der rasende Roland von Ludovico Ariosto aus dem Jahr 1516. Händels Oper Alcina hat in seiner Vorbereitung keine Rolle gespielt. Er hat ein ganz eigenständiges Werk geschaffen, das in wunderbarer Weise den mitunter sehr anarchischen Charakter und die Sprunghaftigkeit in der Erzählweise bei Ariosto sehr gut einfängt. Im Mittelpunkt der neuen Geschichte steht nicht Alcina, sondern der rasende Komponist Dr. Roland Angeler mit seiner Tochter Angelika. Roland Angeler schreibt eine neue Oper Der rasende Roland, seine Tochter soll darin eine Hauptrolle singen.

Die Komposition und Einstudierung der Oper zehrt sehr an seinen Nerven, er ist kurz vor dem Durchdrehen und dabei, seinen Verstand zu verlieren. Angelikas Mutter hat sich erst mal auf Kur aus dem Familienleben verabschiedet. Der Haushalt droht zusammenzubrechen. Mirza, ein junger Sänger aus Persien, soll für eine Rolle vorsingen, wird von Roland als völlig untalentiert eingestuft sofort wieder fortgeschickt. Sein Schlaflied hat Angelika so berührt, dass sie ganz verzaubert einschläft. Über den Traum Angelikas finden sich alle Beteiligten auf der Zauberinsel Alcinas wieder und treffen aufeinander. Rolands Verstand, abgefüllt in einer übergroßen Flasche, kann erst über eine Reise zum Mond wiedergefunden werden. Am Ende der Oper wacht Angelika wieder auf. Zurück in der Wirklichkeit tauchen einzelne Elemente der Traumhandlung nochmal auf, etwas vom Zauber des Traums bleibt. Es wirkt wie eine Parallele zum Ende von Shakespeares Sommernachtstraum: Der Schwebezustand zwischen Traum und Wirklichkeit hält sich über eine Nacht der Verwirrung hinaus und beeinflusst das Verhalten aller. Der Kern des Stückes ist für mich Verzauberung, Verzauberung durch Musik. Das schließt die Verführung durch Alcina mithilfe des Gesangs der Zauberinsel genauso mit ein wie Mirzas Schlaflied, das Angelika verzaubert.

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel -  hier :  Sarah Shine als Angelika, Iurii Iushkevich als Hippogryph, Benson Wilson als Mirza / Medoro © SF / Erika Mayer

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel – hier : Sarah Shine als Angelika, Iurii Iushkevich als Hippogryph, Benson Wilson als Mirza / Medoro © SF / Erika Mayer

AY: Also, die Märchengeschichte über die Hexe Alcina korrespondiert mit der Realität, in der der Komponist Dr. Roland seine neue Oper mit der Tochter Angelika für die kommende Premiere probt. Die Mutter ist nicht da. Sie ist in der Kur, die sie wahrscheinlich unbedingt braucht, um vom Chaosleben ihres Mannes – des Komponisten Dr. Roland Angeler – zu erholen. Wenn Alcina gleichfalls die Mutter von Angelika ist, wen verhext sie „in Felsen, Pflanzen, oder Tiere…“? Und weshalb erinnert sie an der Königin der Nacht? Im Text des Librettos sagt die Bradamante einmal: „Wer den Gesang der Zauberinsel höret, verfällt Alcinas dunkler Macht sogleich“.

AW: Dass Alcina die Mutter Angelikas ist, erfährt der Zuschauer erst am Ende. Zunächst ist sie einfach die böse und mächtige Zauberin, die sich eine Zauberinsel geschaffen hat. Sie verführt alle Männer und wenn sie ihrer überdrüssig wird, verwandelt sie sie in Felsen, Pflanzen oder Tiere. Die Verbindung zwischen der Figur Alcina und Angelikas Mutter – die in der Realität übrigens Annabelle heißt, alle anderen haben im Traum und der realen Welt dieselben Namen – ist in der Oper nicht so klar und bleibt bis zum Ende in der Schwebe. Über die Inszenierung wollte ich mit ihrem ersten Auftritt durch die magische Tür mit ihrem Reisekoffer, als Angelika einschläft, und ihren letzten Auftritt wieder mit Reisekoffer, wenn Angelika aufwacht, klar erzählen, dass Alcina / Annabelle eine Figur sind. Tiefenpsychologisch hat sich Annabelle als Alcina mit ihrer Insel eine Parallelwelt geschaffen, vielleicht um dem Chaos von zu Hause zu entfliehen und dem doch sehr einnehmenden Wesen ihres Mannes etwas entgegenzusetzen. Das kann eine Erklärung für ihre „dunkle Macht“ sein, „dunkel“ mehr im Sinne von anders und im Vergleich zur „hellen“ Realität ein „dunkler“ Traum. Im Deutschen gibt es interessanterweise die Formulierung „einen Kurschatten haben“, was soviel heißt, dass Alcina, während sie auf Kur ist, eine Affäre mit Ruggiero hat. Die Nähe zur Königin der Nacht ist vor allem durch Marius Felix Langes Wahl des Stimmfaches – hoher Koloratursopran – begründet. Manche musikalische Phrase wie Alcinas Lachen gleich im Vorspiel erinnert sehr stark an die Koloraturen von MozartsDer Hölle Rache kocht in meinem Herzen.“

AY:  Händels Alcina ist eine Zauberoper – eine sehr populäre Gattung im 17. Jahrhundert. Der Einsatz von Verwandlungsszenen, Pantomimen, Täuschungen, die die Handlung auf verschiedenen Ebenen durchdringen, sind auch in Deiner Inszenierung präsent – verwandelte Tiere, verkleidete Protagonisten Mirza, Bradamante und Ruggiero u.a. und eine Gestalt des Hippogryphes –  eine witzige Mischung aus Pferd und Vogel, der ab und zu pinkeln muss. All diese lustigen Gestalten sind aber nicht nur zum Lachen. Was ist das Ernsthafte in dieser Geschichte?

AW: Wenn man Marius Felix Langes Oper auch in eine Gattung einordnen möchte, so wäre der Titel moderne Zauberoper für die ganze Familie auch sehr treffend. Alle Verwandlungen in andere Wesen geschehen durch Alcina, immer mit der Absicht, die anderen unschädlich zu machen, sie loszuwerden und mit ihnen die Insel zu verschönern. Alcina lässt sich, je nachdem, wer verzaubert wird, jedes Mal etwas neues und passendes einfallen: Mirza – schönes Wortspiel – wird in einen Myrtenstrauch verwandelt, bei Astolfo konnte sie sich nicht entscheiden und hat ihn in eine Mischform aus vorne Adler, hinten Pferd, verzaubert, Bradamante wird zum Esel und aus Ruggiero ein Schwein. Was alle Verwandlungen in Tiere gemeinsam haben, ist, dass sie für alle Verzauberten sehr traurige Auswirkungen haben. Myrten-Mirza und Hippogryph teilen das gleiche gemeinsame Schicksal „Ach, ach, ach wie das Schicksal mit uns verfuhr…“, das eigenwilligste und zugleich anrührendste Pärchen der Oper. Schon traurig, aber situativ irgendwie auch komisch. Nur ernsthafte Komik ist lustig.

AY:  Ein Motiv zeigt in der Oper soziale Probleme und zwar – die Flüchtlinge. Auch musikalisch hören wir stilisierte orientalische Motive! Benson Wilson als persischer Flüchtling Mirza singt mit seinem klangschönen Bariton ein Schlaflied seines Heimatlandes. Dabei ist der Komponist – Dr. Roland – zuerst ein bisschen skeptisch, ob Mirza in seiner Oper singen kann. Inwieweit wollt ihr die Integrationsfragen in eurer Kinderoper erläutern.

AW:  Die Kunst von Marius Felix Lange ist, diese soziale Thematik in seiner Oper mit zu erzählen – die auch bei Ariost eine Rolle spielt, im Konflikt der christlichen Paladine Karls des Großen auf der einen Seite und der Sarazenen (heute Muslime) unter König Agramant auf der anderen, – ohne sie dabei zu sehr zu betonen. Marius und ich haben uns während des Entstehungsprozesses der Oper lange über den Begriff „Flüchtling“ ausgetauscht, ihn zeitweise auch raus genommen, um uns dann doch bewusst für ihn zu entscheiden. Wichtig war mir bei der Inszenierung, das Thema des Kulturkonflikts und der Integration nicht auszuklammern – es darf jederzeit mitgedacht werden, – ohne dabei konkrete aktuelle Bezüge zu schaffen, die das Ganze auf eine banale Ebene bringen würden. Die Kraft der Musik schafft Integration. Mirzas Schlaflied verzaubert alle, Mirza verkörpert in der Oper die Utopie der möglichen Integration durch Musik.

AY: Was den Komponisten selbst betrifft – er stellt interessante Fragen der Schaffens-Psychologie. Der Grund, warum der Vater mit der Tochter allein bleibt und die Mutter von Zuhause geflüchtet ist: Roland hat seinen Verstand verloren (und dazu noch Hut und Lesebrille). Kommt die Mutter zurück nach Hause, wenn er wieder sein Verstand findet? Oder hilft sie ihm den Verstand zu finden? Was ist dieser Verstand des Komponisten? Ist es gefährlich den Verstand zu verlieren?

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel -  hier :  Schlussapplaus mit vl Joanna Kadzior, Benson Wilson, James Ley, Marius Felix Lange _ Komponist, Andreas Weirich _Regie, Katja Rotrekl © SF / Marco Borelli

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel – hier : Schlussapplaus mit vl Joanna Kadzior, Benson Wilson, James Ley, Marius Felix Lange _ Komponist, Andreas Weirich _Regie, Katja Rotrekl © SF / Marco Borelli

AW:  Eine sehr spannende Frage, ob Alcina / Annabelle zurück nach Hause oder zugespitzt formuliert nur wieder nach Hause kommt, wenn Roland seinen Verstand wieder findet. Alcina hilft in der Oper, besser in der Traumhandlung, überhaupt nicht dabei, Rolands Verstand wiederzufinden, im Gegenteil, sie verführt ihn mit Hilfe des Gesangs der Zauberinsel und bringt ihn dabei eher um den Verstand. Auf der anderen Seite schafft die Figur der Alcina in ihrem Sonett kurz vor Ende der Oper etwas, was vermutlich Annabelle in der Realität nicht geglückt ist: sie öffnet Roland die Augen und wird zu seiner Inspirationsquelle. Er nimmt sie ganz anders wahr als zuhause und verliebt sich in sie.

Den Verstand zu verlieren ist natürlich gefährlich, auch wenn man gerne sagt, der Künstler muss „außer sich“ sein, um „von sich“ etwas erzählen zu können. Der Verlust des Verstandes bedeutet Kontrollverlust, der Komponist Roland Angeler ist nicht mehr Herr seiner selbst, wenn er am Anfang der Oper wütet. Er sieht nicht nur ohne Lesebrille nichts, sondern ist auch im übertragenen Sinn gegenüber seinem gesamten Umfeld blind. Damit scheitert er als Mensch im Familienkontext und als Komponist, der sein Werk nicht mehr sieht. Erst über den Traum seiner Tochter Angelika kommt er wieder zu Verstand, die Tochter träumt ihm den Verstand zurück. Das Ausleben des Unterbewussten führt wieder zur Klarheit. Am Ende erkennt Roland die sängerische Begabung Mirzas und möchte auch an seiner komponierten Oper etwas ändern.

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel -  hier :  James Ley als Ruggiero, Joanna Kedzior als Alcina © SF / Erika Mayer

Salzburger Festspiele / Der Gesang der Zauberinsel … hier James Ley als Ruggiero, Joanna Kedzior als Alcina © SF / Erika Mayer

AY: Und auf dem Mond findet sich alles wieder, was auch andere Kinder und Erwachsene verloren haben… Die Szene ist für sich nicht lustig, sondern sehr nachdenklich. Ist es die Sehnsucht nach der verlorenen Kindheit, nach verpassten Chancen, nach fehlenden Träumen, die von der Realität vertrieben wurden?

AW:  Ein schöner Gedanke, die Mondszene mit der Sehnsucht nach der verloren Kindheit zu überschreiben. „Unerfüllte Versprechen“, „Vergebliches Hoffen“, „Verblichene Schönheit“, „Ungehörte Seufzer“, das alles findet sich auf dem Mond wieder, neben dem in milliarden Flaschen abgefüllten Menschenverstand, „eine Flasche pro Person“. Die Vorstellung ist aber schon auch lustig und zugleich eine bittere Erkenntnis, dass sich fast der gesamte Menschenverstand auf dem Mond befindet und nicht mehr auf der Erde. Und jedem Menschen, der seinen Verstand verloren hat, steht nur eine Flasche zu, mehr Platz für Verstand gibt es nicht.

Der Mond kann aber auch als pars pro toto für die Möglichkeiten des Theaters stehen. Hier können vergessene oder verlorene Gedanken, die für unsere Realität so wichtig und wesentlich sind, gedacht und geträumt werden.

AY: Kannst Du über die Besonderheiten der praktischen Realisation auf der Bühne mit Meer, Mond, Kosmos und anderen Zaubereien Deiner Inszenierung erzählen? Solche Bilder, Raum-Projektionen, Farben-Paradiese in der Großen Universitätsaula zu schaffen und nicht im Theater mit Vorhang, Orchestergraben und Bühnenmaschinerie, kostet nicht nur viel Fantasie, sondern auch viele Mühen. Ich habe die beschränkten Möglichkeiten der Bühne kaum bemerkt. Auch die fantastischen Kostümen von Katja Rotrekl, beeindruckende Videoeinblendungen von Fabian Kapo haben die Inszenierung unvergesslich gemacht. Wie schafft man eine solche faszinierende Zauberatmosphäre mit kleinen Mitteln?

AW:  Es freut mich sehr, dass Du die beschränkten Möglichkeiten kaum wahrgenommen hast. Da ist meiner Ausstatterin und mir doch einiges geglückt, wenn sich bei Dir der Theaterzauber eingestellt hat. Als ich vor einem Jahr Die Zauberflöte für Kinder bei den Salzburger Festspielen 2018 gesehen habe, war mir sofort klar, ich muss irgendwie mit dem weißen Raum umgehen, ohne ihn zuzubauen. Dabei entwickelten Katja und ich sehr schnell die Idee, mit Projektionen zu arbeiten, um unterschiedliche Atmosphären zu kreieren. Zudem stellte uns Marius Felix Lange vor die große Herausforderung, innerhalb von 75 Minuten neun sehr rasche Ortswechsel zu meistern: die erste Szene spielt bei Roland Angeler, dann kommen wir auf der Straße, als nächstes folgt der Überflug auf Alcinas Zauberinsel mit Gewitter und Sturm, später befinden wir uns am Strand, in Alcinas Palast, auf dem Mond… das wäre ohne filmische Mittel im Rahmen der Großen Universitätsaula nicht möglich gewesen.

Wichtig war mir auch von Anfang an, nicht zu viel zu verraten, sehr puristisch zu beginnen, um dann immer mehr entstehen zu lassen und hervorzuzaubern. Ich bin sehr glücklich über unser riesiges Luftkissen, auf das Katja und ich gekommen sind. Es hat in seiner Abstraktion so viele unterschiedliche Bedeutungsmöglichkeiten, ob Meer, Wasser, Insel, überdimensioniertes Schlafkissen. Es kann ganz konkret für etwas stehen und von Szene zu Szene auch seine Bedeutung verändern – je nachdem wie es beleuchtet und was darauf projiziert wird –, ohne beliebig zu werden. Bei den Kostümen hingegen haben wir uns entschieden, sehr farbig und konkret zu werden: Ein Ritter tritt in Ritterrüstung auf, eine Zauberin im Glitzerkleid, ein Hippogryph hat Adlerflügel und ein Pferdehinterteil.

Adelina Yefimenko: Andreas, vielen Dank für die wunderbare Inszenierung dieser zauberhaften Kinderoper und für das spannende Gespräch.

—| IOCO Interview Salzburger Festspiele |—

 

Meiningen, Meininger Staatstheater, OPERETTENGALA, 14.09.2019

Meininger Staatstheater 

Meininger Staatstheater © Marie Liebig

Meininger Staatstheater © Marie Liebig

OPERETTENGALA
Samstag, 14. September 2019__19.30 Uhr, Großes Haus

Musikalische Leitung: GMD Philippe Bach
Moderation: Corinna Jarosch
Mit: Alex Kim, Carolina Krogius, Stan Meus, Monika Reinhardt, Shin Taniguchi;  Meininger Hofkapelle

Beliebtes, Altbekanntes und ganz Neues bietet die Operettengala zum Saisonauftakt

Meininger Staatstheater / GMD Philippe Bach © Rolf K. Wegst

Meininger Staatstheater / GMD Philippe Bach © Rolf K. Wegst

„Freunde, das Leben ist lebenswert!“ – Wie könnte man eine Saison schöner beginnen als mit dieser Feststellung? Und wie könnte man ein Engagement besser antreten als mit diesem Lied? – Alex Kim ist neu im Ensemble und präsentiert sich in tenoralem Glanz mit diesem Hit aus Lehàrs Operette GIUDITTA erstmals dem Meininger Publikum. Der Sänger, der zunächst in seiner Heimat Südkorea studierte und dann Hamburg, war 2017/18 Mitglied des Ensembles am Nürnberger Staatstheater. Von zahlreichen Wettbewerben kehrte der junge Tenor preisgekrönt zurück, wie etwa vom Gesangswettbewerb „Die Meistersinger von Nürnberg“, wo er bereits 2016 unter den Preisträgern war und nun 2018 den 1.Preis im Deutschen Fach und den Preis der besten Wagner-Interpretation erlangte. In Meiningen wird er im Herbst noch als Ruggiero in Puccinis LA RONDINE zu erleben sein. Operetten gehören aber stets zum Repertoire des spielfreudigen Sängers, mit dem er gerne auftritt.

An diesem Abend stehen mit Werken von Carl Millöcker, Robert Stolz und Emerich Kálmán noch weitere Hit und lebensfrohe Melodien auf dem Programm! Publikumslieblinge wie Carolina Krogius, Monika Reinhard, Shin Taniguchi und Stan Meus haben gleich eine ganze Menagerie an Ohrwürmern parat. Welche Zeile wird am Ende Ihnen nicht mehr aus dem Kopf gehen? Vielleicht ja eine aus Paul Abrahams kürzlich wiederentdeckter Operette MÄRCHEN IM GRAND HOTEL, die ab Januar auch auf dem Spielplan des Meininger Theaters zu finden sein wird!

—| Pressemeldung Meininger Staatstheater |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Die Spielzeit 2019/20

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Die Spielzeit 2019/20 an der Deutschen Oper am Rhein

30 Opern und sieben Ballettprogramme auf den großen Bühnen in Düsseldorf und Duisburg

Mit dem 4. Haniel Klassik Open Air vor dem Theater Duisburg startet die Deutsche Oper am Rhein am 6. Septem­ber in die Spielzeit 2019/20. Für die rund 300 Vorstellungen im Opernhaus Düsseldorf und im Theater Duisburg sind ab sofort Tickets erhältlich. Im Fokus stehen zehn Opernpremieren – darunter sechs Neuproduktio­nen – und 19 weitere Stücke aus dem großen Opernrepertoire. Das Ballett am Rhein präsentiert sechs Ballettprogramme mit insgesamt 17 Choreographien. Festliche Galas und Konzerte, Liedermatineen, Kammermusik und nicht zuletzt das vielfältige Angebot der Jungen Oper am Rhein ergänzen das Programm der kommenden Saison.


Oper in Düsseldorf und Duisburg

„Samson et Dalila“, Camille Saint-Saëns‘ französische Oper über den Freiheitskampf der in Sklaverei gefallenen Hebräer und ihren verführbaren Helden Samson kommt am 18. Oktober im Opernhaus Düsseldorf auf die Bühne – und das zum ersten Mal seit Gründung der Deutschen Oper am Rhein im Jahr 1956. Joan Anton Rechi, der hier zuletzt sehr erfolgreich „Madama Butterfly“ inszenierte, setzt die erste Neuproduktion der Spielzeit in Szene. Generalmusikdirektor Axel Kober hat die musikalische Leitung und übergibt den Stab im November an Marie Jacquot, die neue Erste Kapellmeisterin der Deutschen Oper am Rhein. Die Titelpartien gestalten Ramona Zaharia (Dalila) und Michael Weinius (Samson).

Vor dem historischen Hintergrund des englischen Bürgerkriegs entspinnen sich die dramatischen Liebes­ver­wicklungen in Vinzenzo Bellinis Oper „I puritani“, die am 18. Dezember im Opernhaus Düsseldorf Premiere feiert. In seiner zweiten Regiearbeit für die Deutsche Oper am Rhein widmet sich Rolando Villazón nach Doni­zettis „Don Pasquale“ erneut einem Klassiker des Belcanto. Antonino Fogliani hat die musikalische Leitung. Adela Zaharia, die in dieser Spielzeit als Maria Stuarda und Violetta Valéry gefeiert wurde, debütiert als Elvira in einer weiteren wichtigen Partie des Belcanto-Fachs. Ioan Hotea gastiert als Lord Arturo Talbot in Düsseldorf.

Als beste Nachwuchskünstlerin 2015 mit dem International Opera Award ausgezeichnet, ist Lotte de Beer heute europa­weit als Regisseurin gefragt. Mit Georg-Friedrich Händels Zauberoper „Alcina“ präsentiert die Niederländerin am 14. Februar im Opernhaus Düsseldorf ihre erste Inszenierung für die Deutsche Oper am Rhein. Den zeittypischen Orchesterklang entwickeln die Barockspezialisten der Neuen Düsseldorfer Hofmusik unter Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober. Rollendebüts geben Jacquelyn Wagner als Alcina, Maria Kataeva als Ruggiero und Elena Sancho Pereg als Morgana. Wallis Giunta gastiert als Bradamante.

Als vierte Neuproduktion im Opernhaus Düsseldorf und Koproduktion mit der Opera Vlaanderen hat Giuseppe Verdis „Macbeth“ am 29. Mai Premiere. Der Regisseur Michael Thalheimer entwickelt seine Inszenierung aus den innersten Triebkräften der Figuren und knüpft mit Boris Statsenko (Macbeth) und Liana Aleksanyan (Lady Macbeth) an seine ein­dring­liche Interpretation von Verdis „Otello“ an. Unter musikalischer Leitung von Axel Kober wird „Macbeth“ 2020 auch live gestreamt auf www.operavision.eu.

Als Glanzstück der Wiener Operette feiert „Die Fledermaus“ von Johann Strauß am 25. Januar im Opernhaus Premiere. Nach dem Premierenerfolg in Duisburg setzt Axel Köhler das quirlige Ensemblestück nun in Düsseldorf in Szene: Norbert Ernst ist Gabriel von Eisenstein, Anke Krabbe seine Frau Rosalinde, Thorsten Grümbel spielt den Gefängnisdirektor, die Düsseldorfer Schauspiel-Legende Wolfgang Reinbacher den Frosch. Benjamin Reiners dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker.

Im Theater Duisburg wird die Spielzeit 2019/20 am 28. September mit der Premiere von Peter Iljitsch Tschaikowskys „Pique Dame“ eröffnet. In der Inszenierung der amerikanischen Regisseurin Lydia Steier feiert das opulente Außenseiterdrama zunächst am 25. Mai 2019 in Düsseldorf Premiere und kommt vier Monate später in der neuen Sängerbesetzung mit Sergej Khomov als Hermann, Sarah Ferede als Lisa und Renée Morloc als Gräfin in Duisburg auf die Bühne. Aziz Shokhakimov hat die musikalische Leitung.

Das Künstlertum ist Thema in Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“, die am 8. Novem­ber in der Neuinsze­nie­rung von Philipp Westerbarkei in Duisburg herauskommt. Antonino Fogliani übernimmt die musikalische Leitung der ersten Neupro­duk­tion im Theater Duisburg, an der Liana Aleksanyan als Mimí, Ovidiu Purcel als Rodolfo und Bogdan Baciu als Marcello mitwirken.

Neben seiner Tätigkeit als Spielleiter bekam Philipp Westerbarkei in der Spielzeit 2018/19 Gelegenheit zu seiner ersten großen Inszenierung am eigenen Haus: Charles Gounods Shakespeare-Adaption „Roméo et Juliette“ läuft aktuell in Düsseldorf und feiert am 1. Februar mit neuer Sängerbesetzung Premiere in Duisburg. Gustavo di Gennaro (Roméo) und Sylvia Hamvasi (Juliette) gestalten die beiden Hauptpartien, Marie Jacquot dirigiert die Duisburger Philharmoniker.

Nachwuchsförderung ist ein wichtiges Thema an der Deutschen Oper am Rhein. Auf der Plattform Regie „Young Directors“ stellen sich am 19. April im Theater Duisburg zwei Spielleiterinnen mit eigenen Produktionen vor: Esther Mertel führt mit Georg Friedrich Händels Oratorium „Der Triumph der Zeit und der Desillusion“ in die Welt des römischen Barock, während Ilaria Lanzino ein Werk des 20. Jahrhunderts inszeniert: Viktor Ullmann schrieb seine Oper „Der Kaiser von Atlantis“ 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt als Allegorie auf die politischen Verhältnisse. Die musikalische Leitung der beiden Einakter übernehmen mit Jason Tran und Jesse Wong zwei junge Dirigenten aus dem Ensemble.

In 19 weiteren Opern aus dem großen Repertoire sind die profilierten Sängerinnen und Sänger aus dem eigenen Ensemble und Gastsolisten aus aller Welt zu erleben. So kehren nach langer Zeit „Salome“ von Richard Strauss (6. März) und Gaetano Donizettis  „La Fille du Régiment“ (27. März) auf die Düsseldorfer Bühne zurück – mit Rollendebüts von Agneta Eichenholz  als Salome und Elena Sancho Pereg als charmante Soldatenbraut. Der neu inszenierte „Ring des Nibelungen“ kommt als Zyklus sowohl im Theater Duisburg (12. –17. November) als auch im Opernhaus Düsseldorf (7. – 13. April) zur Aufführung.


Junge Oper am Rhein

Gruselig, lustig und fesselnd liest sich Cornelia Funkes Internatsgeschichte „Geisterritter“, die in der Vertonung von James Reynolds auch das Opernpublikum begeistert. Inszeniert von Eric Petersen und uraufge­führt am Theater Bonn, feiert die neueste Familienoper im Rahmen der Kooperation „Junge Opern Rhein-Ruhr“ am 20. September, zum Start in die neue Saison, in Düsseldorf Premiere. Patrick Francis Chestnut hat die musikalische Leitung. Nach erfolgreichen Aufführungen an der Deutschen Oper am Rhein, in Dortmund und Bonn kehrt „Ronja Räubertochter“, Jörn Arneckes Familienoper nach dem Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren, ins Theater Duisburg zurück. Aus guter Tradition kommt Engelbert Humperdincks Familien­klassiker „Hänsel und Gretel“ auf die Bühnen beider Städte. Seine Inszenierung – die älteste im Repertoire der Deutschen Oper am Rhein – wird in dieser Spielzeit 50 Jahre alt!

Ganz nah am Bühnengeschehen sind Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter bei der mobilen Produktion „Nils Karlsson Däumling“, dem Musiktheater „Gold!“ und der „Zauberflöte für Kinder“. Mitmach-Angebote wie der Kinderchor am Rhein und das Mitsing-Projekt „Musik verbindet“, künstlerisch-praktische Projekte wie „Opernmacher 2.0“ und „Musiktheater im Labor“ sowie die intensive Vermitt­lungs­arbeit der Jungen Oper am Rhein ermöglichen jungen Menschen zwischen 4 und 28 Jahren vielfältige Zugänge zu Oper und Ballett.


Ballett am Rhein

Die letzte Spielzeit unter der künstlerischen Direktion von Martin Schläpfer ist in vielerlei Hinsicht dem Schaffen des Schweizer Künstlers gewidmet. Sie bietet zahlreiche Gelegenheiten, das Ballett am Rhein noch einmal in ausge­wählten Schläpfer-Choreographien zu erleben: Mit „Schwanensee“, „Reformations­sym­phonie“, „Ramifications“, „Streichquartett“, „Ulenspiegeltänze“ und „7“ stehen allein sechs Reprisen seiner Stücke auf dem Spielplan. Den Auftakt macht ab 3. Oktober im Opernhaus Düsseldorf und ab 6. Dezember im Theater Duisburg Martin Schläpfers jüngstes Erfolgsstück „Schwanensee“.

Aber auch eine Uraufführung präsentiert Martin Schläpfer. Im Programm b.41, das ab 23. November im Düsseldorfer Opernhaus zu erleben ist, formuliert er in „Cellokonzert“ tänzerische Antworten auf Dmitiri Schostakowitschs Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 g-Moll op.126. Den Auftakt des vierteiligen Programms macht Ji?í Kyliáns „Forgotten Land“, ein Stück über Untergang und Verlust von Heimat, das der tschechische Künstler 1981 im Auftrag von Marcia Haydée für das Stuttgarter Ballett geschaffen hat. Mit Martha Grahams Solo „Lamentation“ und „Steps in the Street“ zeigt das Ballett am Rhein erstmals zwei Werke der Grande Dame des American Modern Dance, die mit ihrer Tanztechnik seit den späten 1920er Jahren die Ästhetik des Bühnen­tanzes revolutionierte. Die musikalische Leitung des Programms b.41 haben GMD Axel Kober sowie Wen-Pin Chien.

Eine weitere Uraufführung kreiert Ballettdirektor Remus ?uchean?: „Symphonic Poem“ zur Komposition „Metacosmos“ von Anna Thorvaldsdottir heißt sein neues Ballett, in dem er sich von den Musik gewordenen Kraftfeldern der Isländerin inspirieren lässt. ?uchean?s Uraufführung steht im Zentrum des Programms b.42, das mit „Square Dance“ außerdem eine selten zu sehende, tänzerisch höchst anspruchsvolle Balanchine-Einstudierung präsentiert. Erstmals seit 2012 wieder mit dem Ballett am Rhein zu erleben ist Martin Schläpfers „Reformationssymphonie“ zur gleichnamigen Komposition von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die gefeierte Choreographie bildet den Schlusspunkt des Programms b.42, das ab 10. Januar unter der musikalischen Leitung von Martin Braun im Theater Duisburg auf die Bühne kommt.

Der kanadische Choreograph Robert Binet, der mit seiner Uraufführung „New World“ im November letzten Jahres das Publikum für sich eingenommen hat, zeigt im Programm b.43 mit „Dark with Excessive Bright“ ein neues Stück zu drei Kompositionen der Grammy Award-nominierten Amerikanerin Missy Mazzoli. Mit „Notations I–IV“ und „Siebte Sinfonie“ nimmt das Ballett am Rhein zum ersten Mal seit 2002 Choreographien von Uwe Scholz ins Repertoire auf. Einen filigranen Gegenpart zu Scholz‘ Solo „Notations I–IV“ bildet das 2005 für die Ballerina Marlúcia do Amaral kreierte Solo „Ramifications“ von Martin Schläpfer. Es komplettiert das Programm b.43, das ab 13. März in Düsseldorf unter der musikalischen Leitung von Finnegan Downie Dear und ab 4. April in Duisburg unter dem Dirigat von Stefan Klingele zu sehen ist.

Mit dem 1992 für das New York City Ballet kreierten „Herman Schmerman“ präsentiert das Ballett am Rhein erneut ein Stück von William Forsythe. In Kostümen des Designers Gianni Versace nehmen die Tänzerinnen und Tänzer das Publikum mit auf ein Tanzabenteuer, über das Forsythe scherzte, es habe genauso wenig zu bedeuten wie sein Titel, sondern sei einfach ein Stück über das Tanzen, das sehr viel Spaß macht. Nicht fehlen darf ein Stück von Hans van Manen – mit „Short Cut“ zeigt das Ballett am Rhein eine Choreographie des Meisters, die er 1999 für das Nederlands Dans Theater in Den Haag geschaffen hat. Für sein „Streichquartett“ zur Musik von Witold Lutos?awski erhielt Martin Schläpfer 2007 den als Oskar der Tanzwelt begehrten Prix Benois de la Danse. Als Finale des Programms b.44 ist dieses zentrale Werk ab 9. Mai erneut mit dem Ballett am Rhein zu erleben.

Zum Ende der Spielzeit 2019/20 heißt es Abschied nehmen von Martin Schläpfer. b.ye heißt deshalb das letzte Programm der Ära Schläpfer. Es schließt sich der 44-teiligen b-Reihe an, die bis dahin unter seiner künstlerischen Direktion für Düsseldorf und Duisburg entstanden ist. Mit einer Ballett-Gala, bei der neben Werken von Weggefährten auch Schläpfers „Ulenspiegeltänze“ zu erleben sind, einer exklusiven Reprise seines Gustav Mahler Balletts „7“ sowie einer letzten Vorstellung von „Schwanensee“ feiert das Ballett am Rhein vom 24.  bis zum 28. Juni 2020 Martin Schläpfer und dessen Kunst, bevor er sich als Direktor dem Wiener Staats­ballett und der Wiener Ballettakademie widmet.


Ballettgastspiele 2019/20: Japan, Österreich und NRW

Auch an anderen Spielstätten präsentiert das Ballett am Rhein wieder Ausschnitte aus seinem vielschichtigen Repertoire: Die weiteste Reise macht in der kommenden Spielzeit Martin Schläpfers „Schwanensee“, den die Compagnie im September 2019 sowohl in Tokyo als auch in Osaka auf die Bühne bringt. Unter der musikali­schen Leitung von Motonori Kobayashi werden die Tänzerinnen und Tänzer vom Theater Orchestra Tokyo sowie vom Osaka Symphony Orchestra begleitet. Eine weitere Bühne für Martin Schläpfers „Schwanensee“ ist im März 2020 die des Festspielhauses St. Pölten, wo das Tonkünstler Orchester Niederösterreich unter der Leitung von Axel Kober den musikalischen Part übernimmt. Beim Festival „Highlights des Internationalen Tanzes Oper Bonn“ schließlich zeigt das Ballett am Rhein im Mai 2020 „Streichquartett“ und „Ulenspiegeltänze“ von Martin Schläpfer sowie „Herman Schmerman“ von William Forsythe.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Oldenburg, Oldenburgisches Staatstheater, Siroe von Adolph Hasse, IOCO Kritik, 12.01.2017

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Oldenburgisches Staatstheater

Staatstheater Oldenburg © Andreas J. Etter

Staatstheater Oldenburg © Andreas J. Etter

Siroe von Johann Adolph Hasse

 Barockoper verzaubert in märchenhaft-exotischer Inszenierung

Von Guido Müller

Johann Adolph Hasses Opera seria in drei Akten Siroe, Re di Persia, in der Dresdner Fassung von 1763 ist eine spätere Überarbeitung eines eigenen Werks dieses in Italien zu Ruhm  gekommenen Hamburg-Bergedorfer Komponisten von 1733. Es wurde in Bologna auf ein Libretto des berühmtesten Operndichters des 18. Jahrhunderts Pietro Metastasio uraufgeführt, den noch Mozart für seine Opern nutzte. Das Libretto von Siroe war dabei ein besonderer Renner im 18. Jahrhundert, den u.a. nach dem ersten Komponisten Leonardo Vinci (1726) auch Georg Friedrich Händel und Antonio Vivaldi vertonten.

Der seit mehr als drei Jahrzehnten in kursächsischen Diensten stehende Hofkapellmeister Hasse wollte mit 66 Jahren die Komposition noch einmal ganz überarbeiten. Doch ein schwerer  Gichtanfall und vor allem  das Ende des Siebenjährigen Krieges mit Preußen wie der überstürzte Umzug des Kurfürsten Friedrich August II. aus dem polnischen Exil in Warschau nach Dresden zwangen Hasse dazu, die Arbeit unter Zeitdruck anlässlich des Namenstages  des Kurfürsten für das kriegszerstörte und von den Preußen zuvor als Munitionslager genutzte Opernhaus  in der sächsischen Metropole zu beenden.

So revidierte Hasse nur 14 von 21 Nummern von 1733, darunter alle für Siroe, den in Bologna der berühmte Kastrat Farinelli gesungen hatte, der nun nicht mehr zur Verfügung stand. Der Kurfürst starb aber schon bald darauf im Oktober 1763 während einer Vorstellung von Siroe  unerwartet am Schlaganfall. Das bedeutete auch für das durch den Krieg mit Preußen finanziell ausgeblutete Sachsen das Ende einer glänzenden musikalischen Ära, in der auch ein Johann Sebastian Bach gerne ein Hofamt in Dresden bekleidet hätte.

Hasse verließ mit seiner Frau, der berühmtesten Sängerin des 18. Jahrhunderts Faustina Bordoni aus Venedig, wo das Paar eine Zweitwohnung hatte, Sachsen Richtung Wien an den Hof der Kaiserin  Maria Theresia. Dort kreuzte Hasse die Wege von Joseph Haydn, den er unterrichtete, und Wolfgang Amadé Mozart, der sich als Heranwachsender wünschte, einmal ein so  berühmter und bewunderter Komponist wie Händel oder Hasse zu werden.

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Hagar Sharvit als Emira und Nicholas Tamagna als Siroe © Stephan Walzl

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse – hier Hagar Sharvit als Emira und Nicholas Tamagna als Siroe © Stephan Walzl

Bekanntlich sollte Mozart sowohl Hasse wie Haydn als Opernkomponist so in den Schatten  stellen, dass beide zunächst nur mit ihren kirchlichen Kompositionen und Oratorien bis wiet    ins 20. Jahrhundert bekannt blieben. Hasse wird auch heute noch regelmäßig mit seinen Kompositionen für die Dresdner Hofkirche dort aufgeführt. Seine bedeutenden Opern, die im 18. Jahrhundert sehr viel mehr Beachtung fanden in ganz Europa als die Werke Händels oder gar Vivaldis gerieten  in Vergessenheit und galten als unaufführbar. Das ändert sich zum Glück gerade – nicht zuletzt durch Maßstäbe setzende CD-Aufnahmen z.B. auch des Siroe durch die durch Europa tourende Parnassus Produktion  mit namhaften Sängern oder von  Artaserse (DVD und CD aus Italien mit Franco Fagioli), Didone abandonata unter Michael Hofstätter und der letzten Oper Hasses, Ruggiero aus Mailand, die Mozart auswendig  beherrschte.

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Nicholas Tamagna als Siroe © Stephan Walzl

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse – hier Nicholas Tamagna als Siroe © Stephan Walzl

Seit einigen Jahren findet nun endlich nach Georg Friedrich Händel und Antonio Vivaldi langsam mit Unterstützung der beiden Hasse-Gesellschaften in Hamburg-Bergedorf und München auch eine Hasse-Renaissance statt, nach zögerlichen Versuchen u.a. der Dirigenten Frieder  Bernius in Dresden, René Jacobs in Innsbruck und Berlin und anderer auch mit den großen opernmässigen Oratorien in den 1990iger Jahren.

Mit den CD-Aufnahmen der Mezzosopranistin Vivica Genaux und des Countertenors Valer  Barna-Sabadus im letzten Jahrfünft, beides große unermüdliche Botschafter der Musik Hasses, fing es vor wenigen Jahren an, bis nun auch die berühmten Countertenöre Max Emanuel  Cencic und Franco Fagioli ganze Opern einspielten, darunter als Parnassus Produktion den Siroe. Mittlerweile gibt es sogar auch in den sozialen Medien auf Facebook eine Gruppe der Johann Adolph Hasse Friends und Spezialisten aus der ganzen Welt.

Auf die ältere Siroe-Produktion von Parnassus von 2014 mit Max Emanuel Cencic, die u.a.  bereits in Wiesbaden zu den Maifestspielen gezeigt wurde und 2018 in Bayreuth im neu eröffneten Markgräflichen Opernhaus zu sehen sein werden wird, und die hier besprochene Siroe-Produktion in Oldenburg 2017/18, die erweitert auch 2018 durch die Niederlande tourt, folgt im April 2018 die Neu-Eröffnung des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth mit der dort bereits zur Eröffnung im 18. Jahrhundert uraufgeführten Hasse-Oper Artaserse. Im Sommer 2018 führt das barocke Ekhof Theater im Schloßbezirk von Gotha Johann Adolph Hasses neapolitanische Serenade Marc Antonio e Cleopatra auf.

Die Besetzung der Sänger der ersten Aufführung in Dresden 1763 ist uns erfreulicherweise bekannt und verdient Beachtung. Die Titelpartie Siroe sang der Kastrat Pasquale Bruscolini, genannt Pasqualino, (1718-1782), der seit 1753 in Dresden tätig war. Emira wurde von der Sopranistin Caterina Pilaja verkörpert.

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Hagar Sharvit als Emira © Stephan Walzl

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse – hier Hagar Sharvit als Emira © Stephan Walzl

Cosroe wurde von dem berühmten Tenor Angelo Amorevoli (1716 -1798) gesungen, der bereits seit 1744  bis dann bis 1764 in Dresden verpflichtet war, und Medarse von dem Kastraten Giuseppe Gallieni. Dem Komponisten und Barockopernspezialisten Dragan Karolic  aus Berlin danke ich ebenso für Hinweise auf die Besetzung wie der sehr informativen französisch-englischen Internetseite „Quell’Usignolo“.

Die erst 18jährige anspruchsvolle und später in Wien berühmte Elisabeth Teyber (1745-1816) sang 1763 Dresden die äußerst anspruchsvolle Koloratursopranpartie der Laodice, die in der CD-Einspielung bei Decca 2014 mit höchster Virtuosität von Julia Lezhneva gesungen wird. 1765 sollte die Teyber in Wien in Glucks Festoper Telemaco die Circe zur Hochzeit des späteren Kaisers Joseph II. mit Maria-Josepha von Bayern verkörpern.

Am Oldenburgischen Staatstheater gestaltet Sooyeon Lee die Laodice mit einer solchen enormen Hingabe und mit solcher technischen Perfektion, dass sie mit dieser eindrucksvollen  Leistung nicht hinter der berühmten Kollegin der Decca-Einspielung verstecken muss. Ihre große Arie Se il caro figlio im dritten Akt wird zu einem Kabinettstück gesanglicher Perfektion und Ausdruckskunst. Besonders der Tenor Amorevoli fand 1763 in Dresden höchste Anerkennung für seine extreme Kehlkopfbeweglichkeit, seine herausragende Koloraturfähigkeit, seinen Stimmumfang von d bis zum hohen h“ und seinen sehr natürlich und tonschön klingenden Stimmklang – vor allem im Bereich zwischen c‘ und b‘.

All dies trifft auch auf den österreichischen jungen Tenor Philipp Kapeller zu. Dieser Ausnahmetenor mit einer wunderschönen sicheren Höhe, einschmeichelnden Mittelage und in  die tiefe Lage bruchlos geführten Stimme war für mich die größte Entdeckung des Abends. Ein Ereignis der Extraklasse dem österreichischen Tenor Philipp Kapeller zuzuhören und im sehr lebendigen Spiel zusehen zu dürfen. Nicht nur in seinen mit Koloraturen und mit stimmlichen Finessen gespickten großen Bravourarien wie „Tu di pieta mi spogli“ mit virtuoser Naturhörnerbegleitung (Joaquim Palet  und Hubertus Grünewald) im zweiten Akt berührt Philipp Kappeler ganz besonders in den mit  größtem Stilgefühl vorgetragenen, besonders kantablen Arien wie „Gelido in ogni vena“ des  dritten Aktes, als Cosroe den Geist des vermeintlich auf seine Veranlassung getöteten Sohnes beklagt.

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Yulia Sokolik als Medarse © Stephan Walzl

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse – hier Yulia Sokolik als Medarse © Stephan Walzl

Ihm stand die Mezzosopranistin Yulia Sokolik in der Hosenrolle als Cosroes hinterhältiger und intriganter, nach der Herrschschaft strebender Sohn Medarse in nichts nach. Ihre stimmliche Perfektion und innige Beseelung der Figur lässt wahrlich staunen. Ihre große Arie „Torrente cresciuto“ im dritten Akt über den anschwellenden Strom hat mich mit den emotional und psychologisch begründeten enormen Sprüngen und endlosen, immer im Dienste des Ausdrucks stehenden Koloraturkaskaden besonders stark bewegt. Diese stimmlich prächtigen und schillernden Kaskaden erinnern an die prächtigen Springbrunnen der sächsischen königlichen Parks von Pillnitz oder Warschau.

Martyna Cymermann gestaltet den Arasse mit größter emotionaler und stimmtechnischer Perfektion, die staunen macht. Hagar Sharvit als Emira bezaubert nicht nur mit ihrem Spiel,  sondern beeindruckt mit enormer gesanglicher Finesse wie in ihrer empfindsamen Schäferinnen-Arie „Non vi piacque“ zum Abschluss des zweiten Aktes, die Mozarts spätere  Arien etwa in Don Giovanni vorwegnimmt. Ihre große anklagende und an ähnliche Arien  Mozarts in Idomeneo oder La Clemenza di Tito gemahnende Furien-Bravourarie Che furia, che monstro im dritten Akt lässt das Blut gefrieren.

Nicholas Tamagna als Cosroes zunächst mißachteter und dann siegreicher Königssohn Siroe   zieht nicht nur alle Register seiner überaus großartigen Countertenorstimme sondern berührt mit einer äußerst glaubwürdigen Darstellung. Tamagnas große Arie „Se l’amor tuo mi rendi“ im dritten Akt mit ihren rhythmisch vertrackten, atemberaubenden Sprüngen und Koloraturen ließ mich den Atem anhalten. Diese Arie der tief empfundenen Bruderliebe, die zu den schönsten des späten Rokoko zählt, erinnert an springende Lämmer in einem Gemälde von François Boucher.

Ebenso wie Philipp Kappeler und Yulia Sokolik mit dem übrigen Ensemble macht Nicholas Tamagna besonders nachdrücklich deutlich, wie heutzutage fast mühelos wirkend eine neue  Sängergeneration diese Partien der ganz besonders von der menschlichen Stimme lebenden Hasse-Opern bravourös und zur Begeisterung des Publikums meistert. Die stimmtechnisch höchsten Anforderungen dieser Arien gehören zum schwierigsten und anspruchsvollsten, was das Jahrhundert des von der neapolitanischen Schule ausgehenden wahren Belcanto und der größten Stimmartistik zu bieten hatte.

So wie der zeitgenössische Musikkritiker Charles Burney über Johann Adolph Hasse schrieb: „Er betrachtet beständig die Stimme als den Hauptgegenstand der Aufmerksamkeit auf der    Bühne, und unterdrückt sie niemals durch ein gelehrtes Geschwätz mannigfaltiger Instrumente,  oder arbeitender Begleitsätze; vielmehr ist er immer darauf bedacht, ihre Wichtigkeit zu erhalten,  gleich einem Mahler, welcher der Hauptfigur in seinem Gemälde  das stärkste Licht gibt.“ (Programmheft, Oldenburgisches Staatstheater, S. 13).

Johann Adolph Hasses späte Oper Siroe im Übergang vom Barock zur Klassik, oder von Händel zu Mozart, fand am Oldenburgischen Staatstheater eine besonders feinsinnige, stilbewußte, humorvolle, psychologisch genaue und bildmächtige Inszenierung von Jakob Peters-Messer mit den schönen Bühnenbildern und prächtigen Kostümen von Markus Meyer.

Sehr geschmackvoll und handwerklich gekonnt kontrastiert Jakob Peters-Messer auf drei Ebenen historische Kontexte der Handlung im märchenhaft-exotischen antiken Persien, das  im 18. Jahrhundert gerne als sittlicher Spiegel der höfischen europäischen Gesellschaft diente, und die prächtige Rokoko Entstehungszeit aus der Epoche der Herrschaft des Sohnes August des Starken mit heutigen Kriegserfahrungen und Bildern des Vorderen und Mittleren Orients.

Besonders gelingt Jakob Peters-Messer die psychologische Vertiefung und Verdichtung auch in den Kontrasten rokokohafter Leichtigkeit und aktueller Kriegsbilder, die bereits in der  empfindsamen Musik Hasses angelegt ist.

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse - hier Oldenburgisches Staatsoprchester unter Wolfgang Katschner © Stephan Walzl

Oldenburgisches Staatstheater / Siroe von Johann Adolph Hasse – hier Oldenburgisches Staatsoprchester unter Wolfgang Katschner © Stephan Walzl

Hasses Komposition weist oft verblüffend auf die Wiener Klassik und Mozart voraus, der bekanntlich von Hasse so stark beeindruckt war, dass er zur Verärgerung des Vaters, der  sicherlich einen zu starken Einfluss Hasses befürchtete, die Hasse-Opern auswendig wieder geben konnte. Musikalisch von Wolfgang Katschner mit einem Alte Musik Spezialensemble   aus Mitgliedern des Staatsorchesters und Gästen erarbeitet, bleibt dessen Handschrift deutlich spürbar auch unter der vorzüglichen und präzisen musikalischen Leitung von Thomas Bönisch an diesem Abend.

Wenn auch die bereits von Jean Jacques Rousseau als bestes Orchester Europas gelobte Dresdner Hofkapelle 1763 in Siroe z.B. mit zwei Cembali noch stärker besetzt war als in dieser Oldenburger Aufführung, so füllt das mit je vier Violinen (Konzertmeisterin Birgit Rabbels), drei Violen, zwei Violoncelli, einem Kontrabass, einer Theorbe und einem Cembalo wie je zwei Holzflöten, zwei Oboen, einem Fagott und zwei Naturhörnen besetzte Spezialensemble voll den Raum des nicht so sehr großen Staatstheaters. Die Opernhäuser in Neapel, Venedig und Dresden zur Zeit von Hasse waren deutlich größer als das Opernhaus in Oldenburg.

Besondere Erwähnung unter den Musikern in Oldenburg verdient das Bassuo continuo Ensemble mit den Gästen Gerd Amelung am Cembalo, Fabian Boreck am Cello und Andreas Nachtsheim an der Theorbe. Oldenburg bietet ein Sängerensemble mit ausnahmslos  hervorragenden Solisten wie Philipp Kapeller, Nicholas Tamagna, Yulia Sokolik, Hagar Sharvit, Sooyeon Lee und Martyna Cymerman.

Was die Staatsopern von Hasses Geburtstadt Hamburg und Hasses jahrzehntelanger Uraufführungsstätte Dresden, aber auch große Häuser in München, Wien oder Berlin nicht schaffen oder sich nicht trauen, das gelingt Oldenburg auf das Überzeugendste. Damit straft diese Maßstäbe setzende Produktion des Oldenburgischen Staatstheaters auch das  Verdikt René Jacobs vor zwanzig Jahren Lügen, die Opern Hasses seien nicht mehr aufführbar. Jacobs sah damals keine Sänger ausser Vivica Genaux, die nicht nur in der Lage seien, die halsbrecherischen technischen Schwierigkeiten mit größter Lust an vokaler Selbstinszenierung zu beherrschen sondern ebenso die für Hasse charakteristischen großen melodisch-empfindsamen kantablen Bögen auch über die bereits sich auflösende traditionelle Form der Dacapo-Arie hinweg zu beseelen, psychologisch zu vertiefen und stilvoll zu gestalten.

Und zu Recht empfing das der Vorstellung begeistert und aufmerksam folgende Publikum  einer Repertoirevorstellung mit Jubel und zahlreichen Bravorufen alle Künstler am Ende, nachdem es bereits mut Applaus für die einzelnen Arien nicht gegeizt hatte. Nach der Pause  war keine Abwanderung zu bemerken. Glückwunsch daher dem Staatstheater Oldenburg für ein solches aufmerksames, neugieriges und konzentriertes Publikum.

Unbedingter Vorstellungsbesuch dieser Rarität einer herausragenden Oper zwischen Händel  und Mozart empfohlen – entweder noch in Oldenburg ab März 2018 wieder oder der leicht  durch den Regisseur vor allem mit Tänzen erweiterten Version ab Januar unter der musikalischen Leitung von George Petrou mit teilweise Übereinstimmung der Sänger auf  einer Tournee in den Niederlanden: 26.1.2018 Enschede, 29.1.2018 Amsterdam und mehr….siehe auf   www.reisopera.nl

Siroe von Johann Adolph Hasse am Oldenburgischen Staatstheater; weitere Vorstellungen 25.3.; 27.3.; 31.3.; 5.4.2018

—| IOCO Kritik Oldenburgisches Staatstheater |–

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