Lyon, Opéra de Lyon, Premiere Aus einem Totenhaus – Leos Janacek, 21.01.2019

Dezember 21, 2018 by  
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Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon

  Aus einem Totenhaus –  Leos Janácek

– Ohne Helden –

Premiere 21.01.2019 weitere Termine: 23., 25., 27., 29., 31.01., 02.02.2019

Als Bearbeitung von Dostojewskis Aufzeichnungen Aus einem Totenhaus (1862) stellt Leos Janaceks letzte Oper auch den Höhepunkt seiner Opernkunst dar. Der russophile, patriotische tschechische Komponisthat Dostojewskis Werk selbst übersetzt und dessen halbdokumentarischen Charakter auf der Bühne beibehalten. Sein Libretto kommt ohne Hauptfiguren undohne durchgehende Handlung aus. Die Protagonisten sind die Gefangenen eines sibirischen Straflagers und jeder Akt enthält Schilderungen des Gefängnisalltags sowie Geschichten, die mit einem der Häftlinge im Zusammenhang stehen: Skuratov hat einen Deutschen umgebracht, mit dem seine Liebste zwangsverlobt wurde; Siskov hat seine Frau ermordet, die sichin einen anderen Mann verliebt hat …

Spannungsgeladene Harmonien

Die Abfolge der verschiedenen Episoden, die die schrecklichen Schicksale im grauen Lageralltag erzählen, entspricht den Kompositionsprinzipien Janaceks. Er versuchte in seiner Musik, eine objektive Tonwahrheit umzusetzen, bevorzugte die freie Aneinanderreihung von Akkorden. Die Motive folgen aufeinander und werden ständig variiert. Sie sind stark von der gesprochenen Sprache beeinflusst, für deren Formen und Strukturen, Betonungen undIntonationen sich der mährische Komponistsein ganzes Leben lang interessierte.Seine knappe und für ihn typisch sparsame Orchestrierung wird hier mit erstaunlichenFarbwerten verstärkt, wobei er beiden einzelnen Instrumentengruppen zu extremen Klangkombinationen neigt. In der Opéra de Lyon wird der argentinische Dirigent Alejo Perez diese ungewöhnlich dichte Partitur zum Klingen bringen. Der ehemalige Assistent von Péter Eötvös, der das Ensemble intercontemporain geleitet und sein Debut in Frankreich 2005 in Lyon mit Pollicino von Hans Werner Henze gegeben hat, ist ein profunder Kenner des Repertoires des 20. Jahrhunderts.

Eine große Herausforderung für Warlikowski

Dieses markante Werk aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist heute von Patrice Chéreaus Regiearbeit geprägt. Bei den Wiener Festwochen 2007 brachte dieser unter der musikalischen Leitung von Pierre Boulez eine Inszenierung heraus,bei der ein ausgeprägter theatralischer Realismus mit dem großartigen Bühnenbild zusammen traf. Dieses wies über die unterschiedlichen Formen von Konzentrationslagern hinaus – von den zaristischen Kerkern Dostojewskis bis zu den sowjetischen Arbeitslagern der 1920er Jahre, die schließlich im Gulag enden sollten. Das Gefängnis selbst nahm vom Werk Besitz und wird neben den Sträflingen zur Protagonistin. Die Arbeit von Krzyzstof Warlikowski beruht auf denselben Grundlagen. Seine Nähe zum Theater ist offensichtlich. Die Sänger sind auch bei ihm Schauspieler, deren Darstellung ständig hinterfragt und perfektioniert wird. Seine Arbeit mit der Sopranistin Barbara Hannigan bei Lulu oder La Voix humaine liegt weit jenseits von dem, was Opernproduktionen gemeinhin an Dramatik an sich haben. Und schließlich verleiht seine Fähigkeit, widersprüchliche Raum-Zeit Begegnungen auf der Bühne herbeizuführen, seiner Arbeit eine Tiefe, die im schlechtesten Fall fasziniert, im besten Fall Tore zu einem neuen Verständnis aufstößt. Wie wird sich der Regisseur aus dem erdrückenden Erbe Chéreaus lösen, dem so viele anderegefolgt sind, und seinen persönlichen Zugang unter Beweis stellen?

Die Hölle und das Licht
Über die Produktion von Krzysztof Warlikowski

Ganz bewusst wollte Krzysztof Warlikowski während der Vorbereitungsphase dieser Inszenierung die Erzählung vonDostojewski nicht noch einmal lesen. In seinen Zwanzigern war das Werk des russischen Dichters, genau wie die Werke anderer großer europäischer Autoren, für ihn von essenzieller Bedeutung gewesen. Einige der Figuren aus Die Brüder Karamasow, Der Idiot und Schuld und Sühne sind tief in sein Gedächtnis eingeschrieben und bilden eine Gesamtheit faszinierenderCharaktere, anhand derer er die Welt zu begreifen lernte.Doch gerade diese Faszination für Dostojewski wollte er beidieser Arbeit außen vor lassen, um sich ganz auf die Adaption von Janácek konzentrieren und anhand des Librettos und der Partitur eine Welt erschaffen zu können, die nicht eigentlich „russisch“, sondern vielmehr universal ist. Seine Gefängniswelt ist so, wie wir sie in der Türkei, in Brasilien, in Mexiko oder China genau wie in unseren westlichen Demokratien vorfinden.Sie zeichnet sich durch eine Universalität des Leidens undeinen Willen aus, denjenigen, der sich schuldig gemacht hat, auf schlimmste Weise sühnen zu lassen, der auf allen Kontinenten dieser Welt gleichermaßen zu finden ist. Erniedrigung, Gewalt, Einsamkeit und Angst sind ständige Mitbewohner in jedem Gefängnis, von welchem politischen Regime es auch betrieben wird. Zweifellos mit gewissen, manchmal gewichtigen Nuancen. Doch immer haben wir es mit Männern und Frauen zu tun, denen man die Freiheit genommen hat. Im Französischen hat das Wort „peine“ nicht zufällig eine zweifache Bedeutung: Es steht für die Schmerzen einer Person, die leidet,und gleichzeitig für die Strafe, die ein Gefangener zu verbüßen hat. Eine Gefängnisstrafe ist also Leiden und Verurteilung gleichermaßen. Die Verurteilung zum Leiden.

Wer kann schon von sich behaupten, dass er niemals eine Nacht im Gefängnis verbringen wird? Wer kann von sich behaupten, dass er niemals eine Straftat begehen wird? Selbst die Formulierung eines Gedankens oder die Verteidigung einerArgumentation können unter bestimmten Umständen als Verstoß gegen Moral, Religion oder die sogenannte Sicherheit eines Staates angesehen werden. Demokratie, die Gleichbehandlungaller, die in ein und demselben Land leben, die sexuelle Freiheit, das Recht der Frau, allein und frei über ihren Körper zu bestimmen, die Unabhängigkeit und Freiheit der Kunst einzufordern, kann zu Verurteilung und Inhaftierung führen. Die Kontrolle über das menschliche Denken in verschiedenen mitteleuropäischen Staaten, um nur über Länder in der unmittelbaren Nachbarschaft zu sprechen, die Teil der Europäischen Union sind, nimmt teils schwer vorstellbare Formen an. Dasideologische Gefängnis geht dem tatsächlichen voraus. Ineinigen unserer so „bewundernswerten“ Demokratien kannschnell vor Gericht und im Wiederholungsfall auch im Gefängnis landen, wer es wagt, einem Geflüchteten Hilfe zuleisten, der alles zurückgelassen hat, der unter unvorstellbaren Umständen das Mittelmeer überquert hat und versucht, in ein Land zu gelangen, das die „Menschenrechte“ hochhält, um endlich auf ein Leben in Würde hoffen zu können. Nicht nur in Istanbul, Moskau oder Peking hat mancher schon teuer für die Meinungsfreiheit bezahlt. Der Aufstieg des Populismus undder identitären Bewegungen mehrt die Gefahren innerhalb unserer eigenen Grenzen. Die unglaubliche Serie The Handmaid’s Tale macht deutlich, dass das Schlimmste nicht weit entfernt ist, dass es nur wenig braucht, um eine Demokratie wie die Vereinigten Staaten in den Totalitarismus kippen zu lassen, dass es nur wenig braucht, damit das, was wir heute am meistenschätzen, uns morgen in den Kerker bringen kann.

In der denkwürdigen Oper von Janácek gibt es nicht wirklicheine Hauptfigur oder eine lineare Erzählung. Man lerntMenschen kennen, die alle eine schreckliche, gewalttätige Vergangenheit mit sich tragen. Nur Zeit und Ort bringen die Erzählungen und Erinnerungen zusammen. Die Ankunft von Gorjancikov führt uns in ein hochgesichertes Straflager. Erstellt sich als politischer Gefangener vor. Er hat sich keines anderen Verbrechens schuldig gemacht, so scheint es, als anders zu denken, frei zu denken. Anders als die von Dostojewski geschaffene Figur, an die er entfernt erinnert, hat er kein Blut anden Händen. Sein Aufenthalt in diesem Gefängnis verdankt erscheinbar nur seiner Neigung, die Dinge auf eine andere Weisezu sehen. Und so findet er sich in einer Welt wieder, auf die ihn nichts vorbereitet hat, in der sein Leben permanent bedroht ist, in der alles den jeweiligen Machtverhältnissen unterliegt. Doch genau dort erlebt er auch die Vielfältigkeit des menschlichen Seins, trifft er zweifellos zum ersten Mal in seinem Leben auf Männer, deren Biografien in nichts der seinen ähneln. Brutale und unbarmherzige Männer, verzweifelte und verlorene Männer, eine Gemeinschaft mit ihren eigenen Gesetzen, Gruppen und Hierarchien, die niemand in Frage stellt, dem sein Lebenlieb ist. An diesem abgeschlossenen Ort erlebt er aber auch einige seiner schönsten Begegnungen, der Art, die unseren Blick auf die, die wir gestern noch für die schlimmsten Mistkerle hielten, für immer verändert. Schmerz durchdringt diese Welt. Hinter all diesen Erlebnissen, all diesen Geschichten, all diesen Erinnerungen ist ein Schmerz, der nie überwunden werdenkann. Nicht nur der Schmerz des Eingesperrtseins, sondern ein ganz existenzieller, tieferer Schmerz, der ein Schicksal, häufig schon in der Jugend, prägt. Es gibt aber auch die Geister der Frauen in dieser männlichen Welt. Angebetete, Betrogene, Betrügerinnen, Mütter. Der Intellektuelle Gorjancikov entdeckt,welches Gold im Schlamm zu finden ist, um das Bild von Jean Genet aufzunehmen. Das glänzendste Gold, das aber immer bedroht ist vom nächsten Stiefel, von der nächsten Faust oder dem nächsten Messer. In jeder der Figuren ist dieses Gold zu finden. Ob Mörder oder Dieb. Selbst der, den wir für den miesesten Schuft halten, trägt dieses Licht in sich.

Christian Longchamp Dramaturg


Biographien


Alejo Pérez  –  Musikalische Leitung

Der gebürtige Argentinier Alejo Pérez studierte Klavier, Komposition und Orchesterleitung in Buenos Aires. Als Assistentvon Peter Eötvös gab er sein Debüt mit der Uraufführung dessen Opern Angels in America und Lady Sarashina. Er assistierte Christoph von Dohnányi beim NDR-Rundfunkorchester. Er arbeitete mit dem London Philharmonic Orchestra, dem Orchestrede la Suisse Romande, dem SWR Symphonieorchester,dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem EnsembleModern, dem Ensemble InterContemporain, dem KlangforumWien und anderen.Von 2009 bis 2012 war er musikalischer Leiter des Teatro Argentino de La Plata (Nabucco, Verdi; Tristan und Isolde und Rheingold, Wagner). Ab 2010 dirigierte er am Teatro Real de Madrid und arbeitete dort mit dem Symphonieorchester zusammen (Konzerte mit Plácido Domingo, Teresa Berganza und Ian Bostridge; Der Tod in Venedig, Britten; Die Eroberung vonMexico, Rihm). An der Opéra de Lyon dirigierte er Pelleas undMelisande (Debussy), Die Gezeichneten (Schreker) und Ger-MANIA (Raskatow).Er trat bei den Salzburger Festspielen auf, (Faust, Gounod), am Teatro Colón de Buenos Aires (Parsifal, Wagner und Der Rosenkavalier, R. Strauss), in der Semperoper in Dresden(Carmen, Bizet), der Lyrischen Oper in Chicago (Eugen Onegin,Tschaikowski) und arbeitete mit dem Teatro dell’Opera diRoma. 2017/2018 trat er an der Vlaamse Oper auf (Pelleas und Melisande,Debussy), an der Oper Stuttgart (Medea, Cherubini), mit der Tokyo Nikikai Opera Foundation (Der Freischütz, Weber)usw. In dieser Spielzeit dirigiert er Lohengrin (Wagner) an der Vlaamse Oper, er tritt erneut an den Opern in Stuttgart (DieLiebe zu den drei Orangen, Prokofjew), Rom (Der feurige Engel,Prokofjew) und Buenos Aires auf (Ariadne auf Naxos, R.Strauss) und dirigiert das Orchestre Philharmonique de Radio France sowie das Symphonieorchester der Präfektur Tokio.

Krzysztof Warlikowski  –  Regie

Krzysztof Warlikowski gehört zu den Erneuerern der europäischenTheatersprache. Mit seinen Shakespeare-Inszenierungen,basierend auf der Lesart von Jan Kott, hat er deren Interpretation auf spektakuläre Weise verändert. Zu seinen bemerkenswertesten Umsetzungen gehören Aniocy / Angels in America (Kushner), Madame de Sade (Mishima), Krum (Levin)und Koniec / Das Ende (nach Kafka, Koltès und Coetzee),Un Tramway (mit Isabelle Huppert) und Afrikanische Erzählungennach Shakespeare. Warlikowski schmiedet ein neuesBündnis mit dem Zuschauer, indem er das Publikum in einenoriginellen Prozess der Sinn- und Sinnessuche einbindet, vorallem mit Verweisen auf die Welt des Kinos oder einer sehr originellenVerwendung der Videotechnik wie beispielsweise beider Inszenierung (A)pollonia, die 2009 in Brüssel präsentiertwurde und bei der die Oper La Monnaie als einer der Koproduzentenfungierte.Warlikowski beschäftigt sich seit seinem Debüt im Jahr 2006an der Opéra de Paris mit Iphigenie auf Tauris (Gluck) intensivmit dem Genre Oper und hat es geschafft, seine theatralen Erkenntnisseauf diesen Bereich zu übertragen. An der Oper LaMonnaie inszenierte er Medea (Cherubini), Macbeth (Verdi),eine Inszenierung, die von der Fachzeitschrift Opernwelt zur„Besten Produktion des Jahres 2009/10“ gekürt wurde, Lulu(Berg) und Don Giovanni (Mozart). In Paris präsentierte erinsbesondere Die Sache Makropulos (Janá?ek), Parsifal (Wagner),Król Roger (Szymanowski), Die menschliche Stimme /Herzog Blaubarts Burg (Bartók, Poulenc) sowie Don Carlos(Verdi). Er inszenierte außerdem mehrere Produktionen derBayerischen Staatsoper München: Eugen Onegin (Tschaikowski),Die Gezeichneten (Schreker) und, anlässlich des 50. Jahrestagesder Wiedereröffnung des Hauses, Die Frau ohne Schatten(Strauss). Er präsentierte The Rake’s Progress (Strawinsky) ander Staatsoper Berlin, Poppea e Nerone (Monteverdi / Boesmans)und Alceste (Gluck) am Teatro Real de Madrid, Pelleasund Melisande (Debussy) bei der Ruhrtriennale und im letzten Sommer The Bassarids (Henze) bei den Salzburger Festspielen.Im späteren Verlauf der Spielzeit wird er in Paris eine Produktion von Lady Macbeth von Mzensk (Schostakowitsch) inszenieren, dann in Stuttgart Iphigenie auf Tauris und schließlich in München Salome (Strauss). Krzysztof Warlikowski leitet das Nowy Teatr in Warschau, ein interdisziplinäres Kulturzentrum, dessen Gründer er ist.

Die Hölle und das Licht oder die Universalität des Leidens nach Krzysztof Warlikowski

Neuinszenierung in der Opéra de Lyon: Leos Janácek/ Aus einem Totenhaus  21.01.2019 weitere Termine: 23., 25., 27., 29., 31.01., 02.02.19)
(Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden und dem De Munt/ La Monnaie)

Musikalische Leitung: Alejo Pérez, Regie: Krzysztof Warlikowski, Bühnenbild und Kostüme: Malgorzata Szczesniak, Licht: Felice Ross, Choreographie: Claude Bardouil
Video: Denis Guéguin, Dramaturgie: Christian Longchamp

Mit:  Alexandre Petrovitch Gorjantchikov: Sir Willard White, Aljeja, ein junger Tatar: Pascal Charbonneau, Filka Morozov, Gefangener, unter dem Namen Luka Kuzmic: Stefan Margita, Der große Sträfling: Nicky Spence, Der Kommandant: Alexander Vassiliev, Der ganz alte Sträfling: Graham Clark, Skouratov: Ladislav Elgr Cekunov: Ivan Ludlow, Der betrunkene Sträfling: Jeffrey Lloyd-Roberts, Ein Sträfling (in der Rolle des Don Juan und des Priesters): Ales Jenis, Der junge Sträfling : Grégoire Mour, Eine Dirne: Natascha Petrinsky, Kedril : John Graham-Hall, Sapkin: Dmitry Golovnin, Siskov und der Pope: Karoly Szemeredy, Cerevine : Alexandr Gelah

Orchester und Chöre der Opéra de Lyon

Aus einem Totenhaus  –  Leoš Janácek

—| Pressemeldung Opéra de Lyon |—

Berlin, Komische Oper Berlin, Die Nase – Dmitri Schostakowitsch, IOCO Kritik, 24.06.2018

Juni 24, 2018 by  
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Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

DIE NASE  –  Dmitri Schostakowith

– Totale Denaskierung  in  grotesker Revue –

Von Kerstin Schweiger

Barrie Koskys umjubelte Debüt-Inszenierung von Dmitri Schostakowitschs eigenwilliger Opern-Groteske Die Nase  nach der absurden Erzählung von Nikolai Gogol am Royal Opera House Covent Garden feierte nach einer Zwischenstation in Sydney nun auch an der Komischen Oper in Berlin Premiere. Dmitri Schostakowitschs selten gespielte Oper  Die Nase  basiert auf Nikolai Gogols 1836 erschienener gleichnamigen Erzählung, die vom absurd-grotesken Nasenverlust des eitlen Kollegienassessors Platon Kusmitsch Kowaljow erzählt. Der erst 21-jährige Schostakowitsch vertonte 1927/28 die absurde Geschichte als bizarr-verrücktes Musiktheater.

Handlung:   Eines Morgens nach durchzechter Nacht muss der eitle, geltungssüchtige  Kollegienassessor Kowaljow erschrocken feststellen, dass ihm seine Nase abhanden gekommen ist. Verzweifelt macht er sich auf die Suche. Eine andauernde Nasenlosigkeit würde das gesellschaftliche Aus für ihn bedeuten! Rotzfrech rast inzwischen der respektlose Riecher zu Mannsgröße mutiert durch die Stadt.

Komische Oper Berlin / Die Nase - hier : Ensemble © ikofreese _drama_berlin.de

Komische Oper Berlin / Die Nase – hier : Ensemble © ikofreese _drama_berlin.de

In der Kathedrale glaubt er, seiner Nase zu begegnen, doch kann er sie nicht überzeugen, bei ihm zu bleiben. Von allen verspottet und verlacht, jagt Kowaljow wie in einem Albtraum dem unabhängig gewordenen Körperteil hinterher, bekommt es jedoch nie zu fassen. Endlich wird ihm die Nase vom Polizeioberhauptmeister höchstpersönlich zurückgebracht, doch will sie nicht im Gesicht haften bleiben! Nach weiteren demütigenden Erfahrungen befindet sich der widerspenstige Gesichtserker schließlich so plötzlich, wie er verschwunden war, wieder an seinem Platz – wo er hoffentlich auch bleibt.

Mit der Wahl des Stückes hatte Kosky einmal mehr den richtigen Riecher. In einer Mischung aus Albtraum und verrückt überzogener Satire inszeniert Barrie Kosky fahrende Rikscha-Tische, karikaturesk überzeichnete Protagonisten und steppende Nasen (Choreographie: Otto Pichler). Knallbunte Kostüme zwischen Folklore und Historismus von Buki Shiff bevölkern einen kühlen, trotz seiner Größe klaustrophobisch wirkenden Raum von Klaus Grünberg und Anne Kuhn. Die surrealistische Geschichte um die Verlustängste und die Paranoia des kleingeistigen Emporkömmlings Kowaljow wird zu einem absurden revueartigen Kaleidoskop der Eitelkeiten.

Kosky arbeitet dabei mit einem so naheliegenden wie geschickten Kunstgriff: die gesamte Personnage trägt übergroße Nasen (laut Kosky stand hier auch Barbra Streisand Patin), nur bei Kowaljow klafft ein knallrotes Loch im Gesicht. Er wird zum Outlaw und ist als Beamter nicht mehr am Drücker sondern gerät als Nasenloser selbst unter Druck.

Komische Oper Berlin / Die Nase  - hier :  Günter Papendell als Kowaljow mit ohne NASE  © ikofreese _drama_berlin.de

Komische Oper Berlin / Die Nase – hier : Günter Papendell als Kowaljow mit ohne NASE  © ikofreese _drama_berlin.de

Bariton Günter Papendell, dem Haus als Ensemblemitglied 10 Jahre verbunden, zeigt hier in der Hautpartie als eitler, nasenloser Kollegienassessor Kowaljow eine weitere Facette seines Könnens. Papendell wurde zuletzt als Don Giovanni, Jewgeni Onegin und Golaud (Pelléas et Mélisande) im Haus an der Behrenstraße gefeiert. Herausragend wie sein fehlender und vielvermisster Gesichsterker ist Papendell von permanenter Präsenz, gesanglich mit schlankem geschmeidigem durchdringendem Bariton und gleichzeitig ein großartiger Darsteller. Skurril, eindringlich begegnet er den Verwerfungen der Gesellschaft, der Ausgrenzung und gesell. Demontage und dem Verlust der Identität als Nasenträger mit wahnsinniger Intensität.

Die verbleibenden 77 Partien teilt sich ein Ensemble bestehend aus Mitgliedern und regelmäßigen Gästen der Komischen Oper Berlin sowie aus Gästen, die in die Rollen zurückkehren, die sie bereits in London übernommen haben. Auf der einen Seite unter anderen Jens Larsen, Mirka Wagner, Ivan und Ursula Hesse von den Steinen, auf der anderen Seite Rosie Aldridge, Alexander Kravets sowie Alexander Lewis. Mit Kabinettstücken ragen Jens Larsen als Barbier oder Arzt und Rosie Aldridge als Barbierfrau und Moderatorin, Alexander Kravets als Polizeihauptmeister oder Ivan Tursic als Diener Iwan hier stellvertretend aus dem spielfreudigen und musikalisch hochkarätigen Ensemble hinaus.

Und Barrie Kosky lässt einmal mehr die Puppen tanzen. In einer grotesken Revue, in rasendem Tempo mt einer überdrehten Nummernfolge wähnt man sich mehr im Variété als in der Oper. Es wird gesungen, getanzt und musiziert wie unter einer Überdosis Nasentropfen. Und doch ist alles clever durchdacht. Ganz im Sinne Schostakowitschs, der keine Parodie schreiben wollte, seine Musik trotz der überbordenden Anklänge an populäre Musik einen sinfonischen Strom nannte. Und Kosky macht trotz der surrealen Settings klar, dass die kleine Geschichte von großem aktuellem Interesse in Sachen Ausgrenzung und Toleranz ist. Hier ist es die Nase als gesellschaftliches Statussymbol, die über Teilhabe oder Ausgrenzung entscheidet. Ohne Nase kein Schnupfen, ist da ein schwacher Trost, den der destabilisierte Kowaljow hört. Anders als die anderen ist so simpel erzählt wie einleuchtend und aktuell. Schubladendenken, Statussymbole statt Toleranz und Teilhabe.

Da ist jeder gefordert, sich in Sachen Toleranz auch an die eigene Nase zu fassen. Die totale Denaskierung. Auch mit Geschlechterstereotypen wird kräftig gespielt. Ohne Nase ist ein Mann kein Mann, hat keinen gesellschaftlichen Stellenwert.

Komische Oper Berlin / Die Nase  - hier : Ensemble © ikofreese _drama_berlin.de

Komische Oper Berlin / Die Nase – hier : Ensemble © ikofreese _drama_berlin.de

Mit dieser Botschaft im Hinterkopf tanzen Kosky und sein Team dem Publikum im besten Sinne  auf der Nase herum. Höhepunkt ist die absurd-geniale Steptanznummer der großen Nasen, auf die Kowaljeffs Nase unterwegs trifft. Unterwegs zeigt Schostakowitsch desolate Polizeitruppen, heuchelnde Bürger, die aufgeblasenen Beamtentum, für das der eitle Kollegienassessor Kowaljew steht. Glanzstück die hysterische Rückgabearie des Staatsorgans Wachtmeister, mit hysterischen Juchzern und Countertönen großartig zelebriert von Alexander Kravets.

„Ich bin eine Kamera mit weit geöffneter Blende, passiv aufzeichnend, nicht denkend“, heißt es in Christopher Isherwoods Roman Goodbye to Berlin, der Vorlage des Musicals und der Verfilmung von Cabaret. In diesem Sinne setzen Kosky und seine Bühnenbildner Klaus Grünberg und Anne Kuhn das Szenenbild in einen düsteren viereckigen Rahmen mit Zwischenvorhang und Fisheye-Linse. Ein rundes Podest dient als Zirkuselement, auf dem sich ganze Szenen fokussiert abspielen. Öffnet sich der Raum für große Revueszenen, bevölkern fahrbare Rikschatische die Bühne und bilden den Rahmen für das Bild in der Zeitungsredaktion oder die überdrehten Ensembleszenen, in den es gilt Nase oder Neese.

Schließt sich der plissierte Zwischenvorhang wird auf der Vorbühne in Reihe getanzt. Polizisten oder Schießbudenjahrmarktfiguren stellen abwechselnd Kowaljow oder der renitenten Riechmonstranz nach. Tableaus wie auf einer Cabaret-Anrichteplatte oder eben im gleichnamigen Bühnenetablissement wechseln und überbieten sich in rasend sich steigernder Abwechslung. In gerade einmal knapp zwei Stunden zerstört sich Kowaljows Welt und fügt sich vorläufig wieder zusammen. Die Absurdität der Gogol‘schen Vorlage weitet Kosky noch aus und zieht sie ebenfalls ins Jetzt. In der Zeitungsredaktion werden aus Altpapier Scherenschnitte ausgeschnitten und Fake News produziert.

Das Surrealistische Kasperltheater ist eine Mischung aus Stummfilm, Variété, Dreigroschenoper (gerade einmal zwei Jahre zuvor uraufgeführt), Obrigkeitspersiflage. Im Orchester und auch in den filmschnittartigen Szenenfolgen, hat Schostakowitsch eine dem jungen Sowjetsystem 1930 nicht genehme und konforme nummernrevueartige Musiktheaterform geschaffen, die nach der Uraufführung zeitnah mit Aufführungsverbot belegt war und den erst 22jährigen Komponisten fortan in steter Erwartung einer Verhaftung leben ließ. Auch hier griffen Schubladen. Kosky preist seine Musik als Klang des 20. Jahrhunderts, der alles zuvor Gehörte über Bord warf.

Mit der letzten Neuproduktion der Saison stellt sich auch der designierte Generalmusikdirektor des Hauses Ainars Rubikis vor. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen des lettischen Dirigenten, der mit Beginn der Saison 2018/19 sein Amt antritt.

Der designierte GMD hat mit einem furiosen Dirigat doch bereits hier seinen für die kommende Spielzeit mit Korngolds toter Stadt angekündigten Einstand gegeben. Er treibt Ensemble und das schlagwerkstarke Orchester der Komischen Oper zu immer irrwitzigeren Klangmalereien. Jazz, Polkas, Märsche, Volksweisen treffen auf Filmmusik, kabarettreife Songnummern und die eine oder andere Arie als Ruhepunkt.

Komische Oper Berlin / Die Nase  - hier :  Ensemble mit Günter Papendell als Kowaljow © ikofreese _drama_berlin.de

Komische Oper Berlin / Die Nase – hier : Ensemble mit Günter Papendell als Kowaljow © ikofreese _drama_berlin.de

Aus dem Graben klingelt, schlägt, bläst es, gipfelnd im Zwischenspiel zum 2. Bild, das rein perkussiv ins Extrem dringt und klingt. Zwei Harfen, eine Balalaika, Rummelplatzorgel und eine singende Säge ergänzen die Bläser-Schlagwerklastige Streicherbasis. Schostakowitsch arbeitet auch mit Musik in der Musik (Polizeimarsch, Balaleika, Trauergesang). Auch der Chor der Komischen Oper läuft in den kurzen Szenen darstellerisch wie musikalisch zu Hochform auf.

In Koskys Regie ersetzt insbesondere der akustische Ausdruck das fehlende Riechorgan. Da wird auf der Bühne und im Orchestergraben gerülpst, gepustet, geröhrt und geröchelt, was das Zeug hält. Toneffekte wie bei der Arztuntersuchung zur Wiedereinsetzung der Nase untermalen die filmischen dramaturgischen Kniffe, die Schostakowitsch aus eigenem Erleben als Stummfilmpianist kannte.

Am Ende sitzt die Nase wieder im Gesicht und Kowaljow ist wieder obenauf. Flirtend flaniert er über Boulevards und durch die Caféhäuser. Doch beim ersten Nieser fällt die Nase ab. Beginnt die ganze Chose nun von vorn? Denn er hat nicht gelernt, keine Entwicklung genommen. Sobald die Nase zurück ist, ist er genauso eitel, obrigkeitshörig und arrogant gegen Untergebene wie vorher.

Mit der reumütigen Rückkehr des Riechkolbens endet der tolle Tag einstweilen. Am Ende ist die Nase wieder da – mit einer Überraschung. Von Schostakowitsch in der Uraufführung als inszenierte Publikumskritik ins Stück integriert, stellt bei Kosky eine skurrile BBC-Moderatorin am Ende die Frage, ob man Oper überhaupt so machen kann? Kann man!

Die Nase von Dmitri Schostakowitsch an der Komischen Oper Berlin; Weitere Termine: 16., 24., 28., 30. Jun; 6., 14. Juli 2018

—| IOCO Kritik Komische Oper Berlin |—

 

Frankfurt, Oper Frankfurt, Highlights im Spielplan August-September 2017

August 2, 2017 by  
Filed under Oper Frankfurt, Pressemeldung, Spielpläne

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

HIGHLIGHTS IM SPIELPLAN DER OPER FRANKFURT IM AUGUST UND SEPTEMBER 2017

 


Oper Frankfurt / Il Trovatore © Royal Opera House Covent Garden London / Clive Barda

Oper Frankfurt / Il Trovatore © Royal Opera House Covent Garden London / Clive Barda

Sonntag, 10. September 2017, um 18.00 Uhr im Opernhaus
Premiere
IL TROVATORE

Oper in vier Teilen von Giuseppe Verdi
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung: Jader Bignamini; Regie: David Bösch

Mitwirkende: Brian Mulligan / Tassis Christoyannis (Conte di Luna),
Elza van den Heever / Leah Crocetto (Leonora), Tanja Ariane Baumgartner / Ewa P?onka (Azucena), Piero Pretti / Alfred Kim (Manrico), Kihwan Sim / Daniel Miroslaw (Ferrando), Alison King / Elizabeth Sutphen (Ines), Thesele Kemane / Yongchul Lim (Ein Zigeuner), Theo Lebow (Ruiz)

Weitere Vorstellungen: 14., 17., 23., 30. September, 3. (15.30 Uhr), 7. Oktober, 15., 23., 25. (18.00 Uhr), 31. Dezember 2017, 6., 10., 13. Januar 2018
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr
Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden London
Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins – Sektion Oper
Preise: € 15 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Mit Il trovatore, dem zwischen Rigoletto (1851) und La traviata (1853) entstandenen Mittelteil seiner vielbeschworenen Operntrias, deren Helden allesamt als Außenseiter der Gesellschaft gezeichnet sind, festigte Giuseppe Verdi (1813-1901) nach den von eher durchschnittlichem Erfolg geprägten, sogenannten „Galeerenjahren“ seinen Ruf als wichtigster Opernkomponist Italiens. Die Uraufführung am 19. Januar 1853 im römischen Apollo-Theater wurde vom Publikum frenetisch bejubelt und sicherte dem mit großartigem Melodienreichtum versehenen Werk bis heute einen festen Platz auf den Bühnen der Welt. Die letzte Produktion an der Oper Frankfurt stammt aus dem Jahre 2000 (Musikalische Leitung: Paolo Carignani; Regie: Antonio Calenda). Die aktuelle Neuinszenierung in Koproduktion mit dem Londoner Covent Garden kam dort bereits am 2. Juli 2016 heraus.

Oper Frankfurt / Il Trovatore © Royal Opera House Covent Garden London / Clive Barda

Oper Frankfurt / Il Trovatore © Royal Opera House Covent Garden London / Clive Barda

Aus Rache für die vom alten Grafen Luna angeordnete Hinrichtung ihrer Mutter auf dem Scheiterhaufen stieß die Zigeunerin Azucena versehentlich ihr eigenes Kind statt den Grafensohn ins Feuer, zog jedoch den fremden Jungen unter dem Namen Manrico groß. Jahre später verliebt sich Manrico in Leonora, auf die auch der zweite Sohn des Grafen Luna ein Auge geworfen hat. Nur Azucena weiß, dass es sich bei den beiden Kontrahenten um Brüder handelt, und so geraten alle Beteiligten in einen tödlichen Strudel, an dessen Ende sich der Racheschwur der Zigeunerin auf das Fürchterlichste erfüllt.

Die musikalische Leitung liegt bei dem italienischen Dirigenten Jader Bignamini, der an der Oper Frankfurt 2015/16 mit einer konzertanten Aufführung von Verdis Oberto debütierte. Regisseur David Bösch gastiert regelmäßig in Frankfurt, zuletzt 2015/16 mit Wagners Der fliegende Holländer. Enrico Caruso wird das Bonmot zugesprochen, dass es ganz einfach sei, Verdis Trovatore zu besetzen: man benötige nur die vier besten Sänger der Welt. Ob dies in Frankfurt gelingen wird, sei dem Publikum überlassen. Der amerikanische Bariton Brian Mulligan (Luna) war hier zuletzt 2016/17 als Golaud in Debussys Pelléas et Mélisande zu Gast. Elza van den Heever (Leonora) stammt aus Südafrika. Seit ihrem Ausscheiden aus dem Ensemble 2014 gastiert sie regelmäßig im Haus am Willy-Brandt-Platz, zu dessen Publikumslieblingen sie gehört. Dazu zählt auch Tanja Ariane Baumgartner (Azucena), Ensemblemitglied seit 2009/10 und hier zuletzt als Cassandre in Berlioz? Les Troyens erfolgreich. Sein Hausdebüt gibt der italienische Tenor Piero Pretti in der Partie des Manrico, die ihn zuvor u.a. nach Amsterdam und Macerata führte. Im Laufe der Aufführungsserie greifen verschiedene Umbesetzungen.


Oper Frankfurt / Rinaldo - Elizabeth Reiter - Sopran / Armida © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Rinaldo – Elizabeth Reiter – Sopran / Armida © Barbara Aumüller

Samstag, 16. September 2017, um 19.00 Uhr im Bockenheimer Depot
Premiere / Frankfurter Erstaufführung
RINALDO

Dramma per musica in drei Akten von Georg Friedrich Händel
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung: Simone Di Felice; Regie: Ted Huffman
Mitwirkende: Jakub Józef Orli?ski (Rinaldo), Elizabeth Reiter (Armida), Karen Vuong (Almirena), Brandon Cedel (Argante), Julia Dawson (Goffredo), Daniel Miroslaw (Eustazio)

Weitere Vorstellungen: 18., 20., 22., 24., 27., 29. September, 1., 3. Oktober 2017
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.00 Uhr
Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins – Sektion Oper
Preise: € 25 bis 80 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Oper Frankfurt / Rinaldo ( Händel - Jakub Józef Orli?ski - Countertenor / Titelpartie © Piotr Porebsky

Oper Frankfurt / Rinaldo ( Händel – Jakub Józef Orli?ski – Countertenor / Titelpartie © Piotr Porebsky

Rinaldo ist die erste Oper, die Georg Friedrich Händel (1685-1759) für ein Londoner Theater schrieb und zugleich das erste italienische Werk für das Musiktheater, welches in britischem Auftrag entstand. Die Uraufführung der ersten Fassung fand am 24. Februar 1711 im Queen?s Theatre am Haymarket statt und war ein überragender Erfolg. Hatte Händel doch genau den Geschmack der Londoner getroffen, die sich für aufwendige Theatermaschinerien und -dekorationen begeistern konnten. Da kam ihnen diese Zauberoper des sächsischen Meisters gerade recht. Den Erfolg machte aber erst Händels abwechslungsreiche und schillernde Musik mit ihren zahlreichen brillanten Arien und wenigen Duetten komplett. Er bediente sich ungeniert bei seinen früheren Werken und stellte z.B. kriegerische Arien wie Rinaldos „Or la tromba“ – in der sich die Singstimme mit vier Trompeten misst – neben gefühlvolle Lamenti wie Almirenas „Lascia ch?io pianga“, die vielleicht bekannteste Melodie dieser Oper.

Die Handlung spielt im Heiligen Land während des ersten Kreuzzuges (1099): Der christliche Ritter Rinaldo darf seine Verlobte Almirena erst heiraten, wenn er die Sarazenen aus Jerusalem vertrieben hat. Deren König Argante liebt die Zauberin Armida, Königin von Damaskus. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Rinaldos Mission zum Scheitern zu bringen und verfolgt damit auch ihre eigenen politischen Ambitionen. Nun beginnt ein kompliziertes Spiel, in dessen Verlauf Almirena und Rinaldo von Armida entführt werden. Nachdem Argante ein Auge auf die standhaft bleibende Almirena geworfen und Rinaldo die sich ihm in der Gestalt seiner Geliebten nähernde Armida durchschaut hat, gewinnen schließlich die Christen durch Rinaldos Kriegslist die Schlacht. Am Ende preisen alle den hohen Wert der Tugend.

Die musikalische Leitung liegt bei Simone Di Felice, der als bisheriger Solorepetitor ab der Saison 2017/18 den Posten eines Kapellmeisters der Oper Frankfurt bekleidet. Zu seinen Frankfurter Dirigaten gehören u.a. Monteverdis L?incoronazione die Poppea, Händels Radamisto und Glucks Ezio. Der New Yorker Regisseur Ted Huffman gibt mit dieser Produktion sein Deutschland-Debüt. Zudem steht mit Puccinis Madama Butterfly sein Debüt am Opernhaus Zürich und mit Bernsteins Trouble in Tahiti / MacMillans Clemency seine Rückkehr an De Nationale Opera Amsterdam bevor. Der polnische Countertenor Jakub Józef Orli?ski (Rinaldo), Absolvent der renommierten New Yorker Juilliard School, gilt als eines der vielversprechenden Nachwuchstalente seines Fachs. Angeführt von Elizabeth Reiter (Armida) sind auch alle übrigen Partien mit Ensemblemitgliedern der Oper Frankfurt besetzt.


Oper Frankfurt / ie Entführung aus dem Serail - v.l.n.r. Konstanze und Bassa Selim © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / ie Entführung aus dem Serail – v.l.n.r. Konstanze und Bassa Selim © Barbara Aumüller

Sonntag, 27. August 2017, um 18.00 Uhr im Opernhaus
(Oper für Familien; pro Erwachsenen-Kaufkarte maximal drei Tickets für Kinder und Jugendliche bis einschließlich 18 Jahre gratis, empfohlen ab 8 Jahren)
Sechste Wiederaufnahme
DIE ENTFÜHRUNG AUS DEM SERAIL

Deutsches Singspiel in drei Aufzügen KV 384 von Wolfgang Amadeus Mozart
Mit Übertiteln

Musikalische Leitung: Sebastian Weigle / Nikolai Petersen; Regie: Christof Loy
Mitwirkende: Irina Simmes (Konstanze), Gloria Rehm / Nora Friedrichs (Blonde),
Martin Mitterrutzner (Belmonte), Michael Porter / Peter Marsh (Pedrillo), Andreas Bauer (Osmin), Christoph Quest (Bassa Selim) u.a.

Weitere Vorstellungen: 30. August, 3. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 7., 9., 16., 29. September, 21., 26. (15.30 Uhr) Dezember 2017

Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.00 Uhr
Preise: € 15 bis 105 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Oper Frankfurt / Die Entführung aus dem Serail - v.l.n.r. Osmin und Blonde © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Die Entführung aus dem Serail – v.l.n.r. Osmin und Blonde © Barbara Aumüller

Einer der Höhepunkte der Intendanz von Bernd Loebe an der Oper Frankfurt war die Inszenierung von Die Entführung aus dem Serail von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) in der Spielzeit 2003/04. Presse und Publikum zeigten sich nach der Premiere am 19. Oktober 2003 gleichermaßen überzeugt: „Bravo für ein Musiktheaterereignis von Rang“, war in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu lesen. Nun wird die Erfolgsproduktion von Christof Loy zum sechsten Mal wiederaufgenommen. Die damalige Übertragung im Radioprogramm des Hessischen Rundfunks sowie ein TV-Mitschnitt des HR – auch auf DVD erhältlich – in Zusammenarbeit mit dem Kultursender Arte sprechen für die Qualität dieser Arbeit. Christof Loy legte in der Zwischenzeit zahlreiche weitere akklamierte Frankfurter Produktionen vor, darunter Verdis Simon Boccanegra, Mozarts Così fan tutte, Strauss’ Arabella, Mozarts Don Giovanni und zuletzt Bergs Wozzeck.

Mozart komponierte sein Singspiel 1782 für das Wiener Burgtheater: Der junge spanische Edelmann Belmonte möchte seine Braut Konstanze, deren Zofe Blonde und seinen Diener Pedrillo aus dem Serail des hohen türkischen Würdenträgers Bassa Selim befreien. Die Flucht scheitert im letzten Augenblick, und die Gefangenen werden vor den Bassa geführt. Dieser schenkt ihnen jedoch, statt Rache zu nehmen, die Freiheit. Seinem widerstrebenden Aufseher Osmin erklärt er, dass es keinen Sinn habe, Andersdenkende gegen ihren Willen überzeugen zu wollen.

Anlässlich der Wiederaufnahme gibt es eine Reihe von Neubesetzungen zu vermelden: Nach äußerst erfolgreichen Gastdirigaten von Beethovens Fidelio und Strauss? Der Rosenkavalier an der New Yorker Metropolitan Opera dirigierte Generalmusikdirektor Sebastian Weigle nach seiner Rückkehr an seinem Stammhaus Strauss? Arabella und Wagners Der fliegende Holländer. Im Rahmen der Aufführungsserie von Mozarts Entführung wechselt er sich am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters mit Kapellmeister Nikolai Petersen ab, der hier 2016/17 u.a. Benjamin Brittens Paul Bunyan und Peter Eötvös? Der goldene Drache im Bockenheimer Depot sowie Mozarts Die Zauberflöte und Don Giovanni im Opernhaus dirigierte. Ihr Hausdebüt als Konstanze gibt die seit der Spielzeit 2012/13 im Ensemble des Theater Heidelberg beheimatete Sopranistin Irina Simmes, wo sie 2014/15 in der Titelpartie von Verdis La traviata für Aufsehen sorgte. Zuletzt war sie dort u.a. als Ännchen in Webers Der Freischütz und als Laura in Korngolds Der Ring des Polykrates erfolgreich. In der zuletzt genannten Produktion verkörperte Gloria Rehm (Blonde) die Partie des Lieschen. Die Sopranistin ist seit 2014/15 Ensemblemitglied am Staatstheater Wiesbaden, wo sie u.a. Konstanze (Die Entführung aus dem Serail), Gretel (Hänsel und Gretel) und Musetta (La Bohème) verkörperte. Mit ihr alterniert als Blondchen Nora Friedrichs, die bis 2014/15 dem Opernstudio der Oper Frankfurt angehörte. Hier war sie zuletzt als Fiakermilli in Strauss? Arabella zu erleben. Zu ihren jüngsten Aufgaben gehörten zudem die Königin der Nacht (Die Zauberflöte) an der Staatsoper sowie der Komischen Oper in Berlin, deren Ensemble sie ab 2017/18 verstärken wird. Der amerikanische Tenor Michael Porter (Pedrillo) wurde 2015/16 vom Opernstudio ins Ensemble der Oper Frankfurt übernommen, wo er zuletzt u.a. Don Ottavio in Mozarts Don Giovanni und den Steuermann in Wagners Der fliegende Holländer sang. Zu seinen Plänen in Frankfurt gehört u.a. Ferrando in Mozarts Così fan tutte. Der Bass Andreas Bauer (Osmin) ist seit 2013/14 im hiesigen Ensemble beheimatet und sang hier u.a. Daland im Fliegenden Holländer und Sarastro in Mozarts Zauberflöte sowie Philipp II. in Verdis Don Carlo und Escamillo in Bizets Carmen. 2017/18 wird er im Opernhaus in der Titelpartie von Bartóks Herzog Blaubarts Burg zu erleben sein. Mit Christof Loys Mozart-Produktion bereits vertraut sind die Ensemblemitglieder Martin Mitterrutzner (Belmonte) und Peter Marsh (Alternativbesetzung des Pedrillo). Der Schauspieler Christoph Quest (Bassa Selim) gehört zur Premierenbesetzung dieser Inszenierung und kehrt dafür regelmäßig an das Haus am Willy-Brand-Platz zurück.


Oper Frankfurt / Vanessa v.l.n.r. Vanessa und Erika © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Vanessa v.l.n.r. Vanessa und Erika
© Barbara Aumüller

Freitag, 15. September 2017, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Erste Wiederaufnahme
VANESSA

Oper in drei Akten von Samuel Barber
In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Musikalische Leitung: Rasmus Baumann; Regie: Katharina Thoma
Mitwirkende: Jessica Strong (Vanessa), Jenny Carlstedt (Erika), Barbara Zechmeister (Alte Baronin), Toby Spence (Anatol), Dietrich Volle (Der alte Doktor), Miko?aj Tr?bka (Nicholas, Haushofmeister)
Weitere Vorstellungen: 22., 24. September, 1. (18.00 Uhr), 5. Oktober 2017
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr
Eine Übernahme der Malmö Opera
Preise: € 15 bis 95 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Oper Frankfurt / Vanessa - Vanessa und Anatol © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Vanessa – Vanessa und Anatol © Barbara Aumüller

„Der starke Beifall nach zweieinhalb Stunden spiegelte Ergriffenheit und Begeisterung wider; das Publikum war angetan von Musiktheater im Wortsinn, denn dank Figurenzeichnung, einprägsamer Bühne sowie hochpräsenter Umsetzung der Partitur wird diese Vanessa im Gedächtnis bleiben. Als Beispiel gelungenen Zusammenwirkens von Optik, Schauspiel und Klang“, so urteilte die Kritikerin der Gießener Allgemeinen Zeitung nach der Frankfurter Erstaufführung der Oper von Samuel Barber (1901-1981) am 2. September 2012. Regie bei dieser Übernahme einer Produktion der Malmö Opera führte Katharina Thoma. Ehemals als Regieassistentin in Frankfurt tätig, kehrte sie 2016/17 nach Inszenierungen am Theater Dortmund, beim Glyndebourne Festival und am Royal Opera House Covent Garden in London für Flotows Martha zurück an den Main.

Zum Inhalt: Vanessa lebt zusammen mit ihrer Nichte Erika und ihrer Mutter, der alten Baronin, in großer Abgeschiedenheit. Seit Jahren wartet sie vergeblich auf die Rückkehr ihres einstigen Geliebten Anatol. Ihr zunehmendes Alter will sie nicht wahrhaben, daher hat sie alle Spiegel und Bilder im Haus verhüllt. Als Anatol endlich seinen Besuch ankündigt, muss Vanessa erkennen, dass es sich um den Sohn ihrer großen Liebe handelt. Anfangs richtet der junge Mann sein Interesse auf die etwa gleichaltrige Erika, die jedoch nach einer gemeinsamen Liebesnacht erkennen muss, dass Anatol schon bald ihrer Tante den Hof macht. Als bei einem Ball die Verlobung Vanessas mit Anatol bekannt gegeben wird, begeht die schwangere Erika einen Selbstmordversuch und verliert ihr Baby. Nachdem die ahnungslose Vanessa zusammen mit Anatol in ihr neues Leben aufgebrochen ist, bleibt Erika mit ihrer Großmutter zurück. Wie seinerzeit Vanessa verhängt sie die Spiegel im Haus und beschließt, auf die wahre Liebe zu warten.

Im Rahmen der Wiederaufnahme dieser Produktion aus der Saison 2012/13 stehen einige neue Namen auf der Besetzungsliste: Die musikalische Leitung liegt nun erstmals bei Rasmus Baumann, der seit 2014/15 den Posten des Generalmusikdirektors der Neuen Philharmonie Westfalen am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen bekleidet. 2015/16 dirigierte er eine Aufführungsserie von Humperdincks Hänsel und Gretel im Haus am Willy-Brandt-Platz. Bis 2015/16 war die kanadische Sopranistin Jessica Strong (Vanessa) Mitglied des Opernstudios der Oper Frankfurt. Hier sang sie u.a. 2014/15 Amelia Grimaldi in Verdis Simon Boccanegra, danach debütierte sie als Rosa in Fioravantis Le cantatrici villane im Bockenheimer Depot. Zu ihren weiteren Frankfurter Aufgaben gehörten zudem Lina in Verdis Stiffelio und Donna Anna in Mozarts Don Giovanni. Der britische Tenor Toby Spence (Anatol) gibt nach Auftritten an den Staatsopern von Wien (Mozarts Titus) und München (Henry Morosus in Strauss? Die schweigsame Frau) sowie an der New Yorker Metropolitan Opera (Eisenstein in Strauß? Die Fledermaus) sein Hausdebüt in Frankfurt. Aus Ensemble und Opernstudio der Oper Frankfurt sind Ks. Barbara Zechmeister (Alte Baronin) und Miko?aj Tr?bka (Nicholas) erstmals in dieser Produktion besetzt. Premierenbewährt hingegen sind – nach ihrem Ausscheiden aus dem Ensemble 2016/17 nunmehr als Gast – Jenny Carlstedt als Erika, der „heimlichen Hauptrolle“ des Stücks, sowie Ensemblemitglied Dietrich Volle als Alter Doktor.


Oper Frankfurt / Lawrence Brownlee © Larrynx Photography

Oper Frankfurt / Lawrence Brownlee © Larrynx Photography

Samstag, 2. September 2017, um 20.00 Uhr im Opernhaus
Liederabend
LAWRENCE BROWNLEE, Tenor
HENNING RUHE, Klavier

Lieder von Giuseppe Verdi, Francis Poulenc, Joseph Marx, Alberto Ginastera und Ben Moore sowie eine Sammlung von Spirituals von Damien Sneed

Mit freundlicher Unterstützung der Mercedes-Benz Niederlassung Frankfurt / Offenbach
Preise: € 15 bis 95 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Oper Frankfurt / Lawrence Brownlee © Derek Blanks

Oper Frankfurt / Lawrence Brownlee © Derek Blanks

„Gibt es derzeit einen ausgezeichneteren Rossini-Tenor als Lawrence Brownlee?“ Die Frage des Musikkritikers Alex Ross kann nur rhetorisch gemeint sein. Die New York Times spricht im Zusammenhang mit dem Sänger sogar von einem „neuen goldenen Zeitalter“. Und tatsächlich war es kein Geringerer als der legendäre Luciano Pavarotti, dessen Stimme für Lawrence Brownlee ausschlaggebend war, Opernsänger werden zu wollen. Längst steht der sympathische Amerikaner mit der betörenden Stimme selbst auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Seine internationale Karriere gewann seit seinem Debüt als Almaviva in Rossinis Il barbiere di Siviglia am Teatro alla Scala in Mailand derart an Aufwind, dass sich die Opernhäuser in New York, Paris, London, Wien, München, Berlin, Zürich und Madrid um Lawrence Brownlee reißen. Besonderes Aufsehen erregte er 2015 mit seiner Darstellung des Saxofonisten in der Weltpremiere von Daniel Schnyders Charlie Parker’s Yardbird in Philadelphia. 2016 war für den aus Ohio stammenden Sänger mit unzähligen Auftritten und Konzerten rund um den Globus ein Jahr der Superlative, gekrönt von zwei Nominierungen bei den International Opera Awards 2017 als „Bester Sänger“ und mit der Einspielung von Donizetti- und Bellini-Arien Allegro io son für die „Beste Aufnahme“.

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Berlin, Deutsche Oper Berlin, Premiere Boris Godunow, 17.06.2017

deutscheoperberlin

Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Premiere Boris Godunow 17. Juni 2017

Fassung von 1869 („Ur-Boris“). Oper in vier Teilen, sieben Bildern von Modest P. Mussorgskij; Libretto von Modest P. Mussorgskij nach Alexander Puschkins gleichnamigem Drama sowie Nikolai Karamsins „Geschichte des russischen Reiches“; Premiere am Royal Opera House Covent Garden am 13. März 2016; Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 17. Juni 2017

In russischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Dauer: ca. 2 Stunden 15 Minuten / Keine Pause

Eine Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden, London. Präsentiert von taz.die tageszeitung, kulturradio vom rbb sowie WALL AG
Premiere: 17. Juni 2017
23., 27. Juni; 1., 4., 7. Juli 2017

Die Macht und ihr Preis

„BORIS GODUNOW ist ein Stück über Mussorgskijs damalige Gegenwart und zugleich, in seiner Fokussierung auf das Thema Macht, immer noch höchst aktuell und aussagekräftig für die heutige Situation. […] Mussorgskij beleuchtet die Rolle des Volkes, das neben Boris die zweite Hauptfigur der Oper ist. Ein Volk, das von Mächtigen manipuliert werden kann und das sich dann mobilisieren lässt, um „gegen Feinde“ zu kämpfen – und dabei oft gar nicht so genau weiß, wofür und gegen wen es überhaupt kämpft.“ (Kirill Karabits)

Blut klebt an den Händen Godunows, seine Herrschaft scheint vom Unglück verfolgt. Das Volk leidet Hunger. Intrigen bestimmen das Leben am Zarenhof. Da taucht in Polen ein Mann auf, der behauptet, der ermordete Zarewitsch Dimitrij zu sein. Einst gab Boris den Auftrag, jenen zu töten und damit den letzten Nachkommen Iwan des Schrecklichen zu beseitigen. Die Erinnerung an diese Blutschuld treibt den Zaren in den Wahnsinn.

In Boris Godunow zeichnete Mussorgskij das Porträt eines Menschen, der am eigenen Herrschaftsanspruch und dem dafür in Kauf genommenen Verbrechen scheitert. Doch existiert eine zweite Hauptfigur: das Volk. Einerseits erscheint es als unmündige, unter der absolutistischen Herrschaft leidende Masse, andererseits aber verlebendigt Mussorgskij in vielen kleineren und mittleren Partien Einzelschicksale: Vom intriganten Bojaren Schuiskij über den Chronisten Pimen bis hin zu Menschen aus dem Volk wie die Schenkwirtin, die Bettelmönche Warlaam und Missaïl oder den Polizisten Mitjuch: Sie alle bilden ein Panorama des russischen Volkes, das sich zu Macht und Herrschaft verhält. Das in den politisch unsicheren Zeiten versucht zu überleben – und dabei die eigentliche Antriebskraft politischer Prozesse ist.

Musikalische Leitung Kirill Karabits Inszenierung Richard Jones Szenische Einstudierung Elaine Kidd Bühne Miriam Buether Kostüme Nicky Gillibrand Licht Mimi Jordan Sherin Movement Director Silke Sense Chöre Raymond Hughes Leitung Kinderchor Christian Lindhorst Dramaturgie Sebastian Hanusa Boris Godunow Ain Anger Fjodor Moritz Bouchard / Philipp Ammer (Solisten des Knabenchores der Chorakademie Dortmund) Xenia Alexandra Hutton Xenias Amme Ronnita Miller Fürst Wassili Schuiskij Burkhard Ulrich Andrej Schtschelkalow Dong-Hwan Lee Pimen Ante Jerkunica / Ievgen Orlov Grigorij Otrepjew Robert Watson Warlaam Alexei Botnarciuc Schenkwirtin Annika Schlicht Missaïl Jörg Schörner Gottesnarr Matthew Newlin Nikititsch Andrew Harris Leibbojar Andrew Dickinson Mitjuch Stephen Bronk Grenzpolizist Samuel Dale Johnson Chor, Kinderchor und Orchester der Deutschen Oper Berlin

—| Pressemeldung Deutsche Oper Berlin |—

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