Essen, Philharmonie Essen, Yannick Nézet-Séguin Konzert mit Rotterdam Philharmonic Orchestra, 26.08.2018

Juli 6, 2018 by  
Filed under Konzert, Philharmonie Essen, Pressemeldung

logo_philharmonie_essen

Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Yannick Nézet-Séguin © Hans van der Woerd

Philharmonie Essen / Yannick Nézet-Séguin © Hans van der Woerd

Yannick Nézet-Séguin eröffnet die Spielzeit der Philharmonie Essen

Konzert mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra am Sonntag, 26. August 2018, um 19 Uhr

Mit einem großen Orchesterkonzert startet die Philharmonie Essen am Sonntag, 26. August 2018, um 19 Uhr in die neue Saison 2018/2019: Wenige Tage bevor Yannick Nézet-Séguin sein Amt als Musikdirektor der Metropolitan Opera New York antritt, ist er im Alfried Krupp Saal mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra zu erleben. Als Ehrendirigent bleibt er diesem Klangkörper, dem er zehn Jahre als Musikdirektor vorstand, weiterhin verbunden. In diesem Jahr feiert das niederländische Orchester sein 100-jähriges Bestehen. Das Programm in diesem Auftaktkonzert schlägt einen Bogen von der Klassik zur Romantik: Neben Joseph Haydns Sinfonie Nr. 49 f-Moll „La Passione“ und Pjotr I. Tschaikowskis Sinfonie Nr. 4 f-Moll, op. 36 erklingt Franz Liszts zweites Klavierkonzert. Solist ist hier der amerikanisch-israelische Pianist Yefim Bronfman.

Die musikalische Leitung der New Yorker Met ist eine weitere Stufe in der bislang herausragenden Karriere von Yannick Nézet-Séguin: Seit 2012 ist er Musikdirektor des Philadelphia Orchestra, bereits seit 2000 Künstlerischer Direktor und Chefdirigent des Orchestre Métropolitain (Montreal). Auch in der Philharmonie Essen sorgte der aus Montreal stammende Dirigent schon für mitreißende Konzerterlebnisse, zuletzt 2017 mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra und einem bemerkenswerten Programm mit Werken von Bernstein, Gershwin und Rachmaninow. Als Gastdirigent ist Nézet-Séguin bei zahlreichen bedeutenden Orchestern gefragt, darunter die Berliner und die Wiener Philharmoniker. Seine Operninterpretationen wurden in den bekanntesten Opernhäusern dieser Welt bejubelt, etwa bei den Salzburger Festspielen, in der Mailänder Scala und im Royal Opera House Covent Garden in London.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Hamburg, Elbphilharmonie, Rotterdam Philharmonic Orchestra, IOCO Kritik, 17.03.2017

März 19, 2017 by  
Filed under Elbphilharmonie, Hervorheben, Konzert, Kritiken

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Das Rotterdam Philharmonic Orchestra  

 Bernstein – Chopin – Rachmaninow

Von Sebastian Koik

Der erste Auftritt des Rotterdam Philharmonic Orchestra am 15.3.2017 in der Elbphilharmonie beginnt mit der Symphonischen Suite „On the Waterfront“ von Leonard Bernstein. Die Suite basiert auf der einzigen Filmmusik, die Bernstein schrieb und für den Oscar nominiert wurde. Auf Deutsch heißt der Film mit Marlon Brando „Die Faust im Nacken“. Film und Musik porträtieren das raue Milieu der New Yorker Hafenarbeiter. Es passiert musikalisch sehr viel und sehr Verschiedenartiges in den 20 Minuten der Suite. Es ist ein sehr lebendiges, vielfältiges, interessantes Stück, reich an Klangfarben, Stimmungen, Rhythmen, Tempi, Dynamik. Es ist teilweise sehr perkussiv, extrem rhythmisch. Teilweise sehr zärtlich, vor allem in den Geigen und der Querflöte. Teilweise sehr melancholisch-schwelgend. Es gibt wunderbar flirrende Streicher zu hören und Schlagwerke, die sich austoben können. All das großartig gespielt vom Orchester! Sie spielen Biss und knackiger Präzision, bauen große Spannung auf und spielen in den lauten und massiven Stellen mit größtem Selbstbewusstsein und Mut.

Das zweite Stück des Abends ist das Klavierkonzert Nr. 1 e-Moll von Frédéric Chopin. Das Orchester gefällt hier weniger als zuvor, spielt nicht kraftvoll, nicht lebendig, nicht knackig genug. Etwas blass. Es wirkt leicht träge, etwas zu langsam, etwas verschleppend. Auch der Pianist Jan Lisiecki, sicherlich ein Könner, den auch schon großartig in Hamburg gehört wurde, überzeugt heute nicht ganz. Der Klang des Flügels strahlt und funkelt nicht so schön, wie er könnte. Im Spiel von Lisiecki wird in diesem Konzert für mein Empfinden ein Teil vom Klangpotential und vom möglichen Farbreichtum verschluckt. Auch hat Jan Lisiecki schon präziser und sauberer gespielt. Natürlich ist das Kritik auf sehr hohem Niveau. Im zweiten Satz baut das Orchester von Beginn an gute Spannung auf und zieht das durch, kommt aber dennoch etwas bieder rüber, erst recht im Vergleich zum Bernstein-Stück zuvor. Im dritten Satz ist schon der Beginn nicht energisch und bissig genug. Das Orchester klingt hier nicht entschlossen genug. Das Publikum ist dennoch begeistert. Als Zugabe spielt Jan Lisiecki das c-Moll-Nocturne op. 48/1 von Chopin, ein lange sehr langsames und leises und am Ende lautes und massives Stück, das der junge Pianist mit viel Gefühl und Tiefe spielt. Nicht perfekt, aber sehr gut.

Elbphilharmonie Hamburg / Konzertsaal der Elbphilharmonie © Iwan Baan

Elbphilharmonie Hamburg / Konzertsaal der Elbphilharmonie © Iwan Baan

Nach der Pause als letztes Stück Sergej Rachmaninows letztes vollendetes Werk, die Sinfonischen Tänze op. 45. Das Orchester spielt energisch, präzise, selbstbewusst. Zu Beginn wird eine unschuldige, idyllisch-paradiesische Welt von den Holzbläsern hinaufbeschworen. Dann kommen himmlisch-weiche Streicher. Teilweise ist viel Licht in der Musik, das ist ein wunderschönes Hörerlebnis! Durchweg ist das Spiel des Orchesters packend und spannungsgeladen. Voller Überzeugung. Ob kraftvoller, vorwärtstreibender Rhythmus oder zartere und auch melancholische Klänge, über weite Strecken nahe an der Vollkommenheit. Der Dirigent Yannick Nézet-Séguin dirigiert das Konzert mit seinen Armen und seinem Körper, ohne Taktstock und begeistert das Hamburger Publikum mit seiner Leidenschaft.

—| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |—

 

Dortmund / Konzerthaus Dortmund, Rotterdam Philharmonic Orchestra, Yannick Nézet-Séguin, IOCO Kritik, 25.10.2015

Oktober 28, 2015 by  
Filed under Konzerthaus Dortmund, Kritiken

Konzerthaus Dortmund

Konzerthaus Dortmund / Yannick Nezet-Seguin( © Harald Hoffmann DG

Konzerthaus Dortmund / Yannick Nezet-Seguin( © Harald Hoffmann DG

Rotterdam Philharmonic Orchestra, Yannick Nézet-Séguin,
Sarah Connolly, Robert Dean Smith:  Beethoven + Mahler

Der Kanadier Yannick Nézet-Séguin gehört inzwischen zu den Stars an den Dirigentenpulten. Seit der Spielzeit 2012/13 ist er Musikdirektor des renommierten Philadelphia Orchestra. Es gibt kaum einen Klangkörper von Rang, mit dem er nicht konzertiert hätte. Sehr eng ist seine Zusammenarbeit mit dem 1918 gegründeten Rotterdam Philharmonic Orchestra, mit dem er in dieser Saison eine Nordamerika-Tournee machte. [Von Yannick Nézet-Séguin wurden verschiedene Aufnahmen bei der deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Nun kam er mit den Rotterdamern ins Konzerthaus nach Dortmund, wo er seit der letzten Spielzeit eine Residence hat, die unter dem Motto The YANNICK Experience läuft. Im Laufe dieser Residenz wird er hier noch mit verschiedenen Orchestern zu erleben sein, unter anderem mit Werken von Bruckner, Wagner Mendelssohn und anderen.

Er begann an diesem frühen Abend mit einem der wohl populärsten Werke der klassischen Musik. Beethovens 6. Sinfonie, die sogenannte Pastorale, ist nicht nur ausgemachten Klassik-Freaks bekannt. Die idyllische Landpartie mit der eingängigen Melodik liebt jeder.

Nézet-Séguin nahm den einleitenden Allegro-Satz sehr zügig, die Vorfreude auf die “heiteren Gefühle bei Ankunft auf dem Lande“ begannen schon sehr früh sich auszubreiten. Wunderschön geriet den exzellenten Streichern des Orchesters das anmutige Thema der Geigen, das auf einer Fermate verharrt.

Wohlig zurücklehnen ist angesagt im zweiten Satz. Man ergötzt sich an den Naturlauten und nimmt befriedigt die Präzision im Zusammenspiel der einzelnen Orchestergruppen wahr.

Das lustige Zusammensein der Landleute im 3. Satz Allegro wird von Nézet-Séguin und dem Orchester genüsslich zelebriert.  Prächtig geriet auch der Finalsatz. Beethoven hat mit den einfachsten Mitteln das Wüten der Naturgewalten geschildert. Der Dirigent und das Orchester setzten hier scharfe Akzente, um dann höchst sensibel das ruhige Finale mit dem traumschönen Hirtengesang anzugehen.

Nach dieser sehr schönen Interpretation hatte auch das Publikum im Haus dankbare Gefühle nach dem Sturm. Der Beifall zur Halbzeit wollte kein Ende nehmen.

Nach der Pause erklang Das Lied von der Erde für Alt, Tenor und Orchester von Gustav Mahler. Das Leben, dargestellt als ein langer Abschied. Diese sechs Orchesterlieder sind mit das schönste, was Mahler komponiert hat.  Das 1909 uraufgeführte Werk fußt auf einer Sammlung altchinesischer Lyrik in der Übersetzung von Hans Bethge.

Schon in der Einleitung zum ersten Lied spürte man, dass auch Mahlers Musik bei Nézet-Seguin in den besten Händen ist. Das Orchester spürte jede Regung, jeden Impuls, der vom Pult ausging. Bestechend war die große Farbigkeit in den einzelnen Gruppen des superben Orchesters. Faszinierend geriet der satte Klang und die sagenhafte Transparenz bei den Blechbläsern. Das waren Eindrücke, die unauslöschlich bleiben.

Konzerthaus Dortmund / Sarah Connolly © Peter Warren

Konzerthaus Dortmund / Sarah Connolly © Peter Warren

Zwei ausgezeichnete Gesangsleistungen trugen zu dieser vollendeten Darbietung des grandiosen Werkes bei.

Die Alt-Partie übernahm die englische Mezzosopranistin Sarah Connolly, eine der profiliertesten Opern- und Konzertsängerinnen derzeit. Connolly beeindruckt nicht nur durch den Umfang ihrer Stimme, sondern auch durch deren aparte Farbe und ihre außerordentliche Gestaltungskraft.

Zu erwähnen ist auch ihre enorme Textverständlichkeit. Das letzte Lied Abschied, gehörte durch die Dichte der Empfindung, zu den Höhepunkten des Abends.

Konzerthaus Dortmund / Smith © Photopulse

Konzerthaus Dortmund / Smith © Photopulse

Kraftvoll  wenngleich niemals sein lyrisches Fundament verlassend, sang Robert Dean Smith die drei Tenor-Lieder und ließ sich auch im dicksten Tutti der Begleitung niemals zum forcieren verleiten. Der im amerikanischen Kansas geborene Sänger, der 1997 als Stolzing bei den Bayreuther Festspielen debütierte, ist im Laufe der Jahre ein gefragter Interpret geworden. Auch er war sehr textverständlich und bestach durch intensive Gestaltung.

Wir erlebten eine großartige Wiedergabe dieses grandiosen Werkes und es wurde vom Publikum, im so gut wie ausverkauften Haus, frenetisch bejubelt.

IOCO / UGK / 25.10.2015

—| IOCO Kritik Konzerthaus Dortmund |—

Essen, Philharmonie Essen, London Philharmonic Orchestra, Yannick Nezet-Seguin , IOCO Kritik, 22.11.2014

November 25, 2014 by  
Filed under Kritiken, Philharmonie Essen

logo_philharmonie_essen

Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / London Philharmonic Orchestra - Yannick Nézet-Séguin - Lars Vogt, Piano © Sven Lorenz

Philharmonie Essen / London Philharmonic Orchestra – Yannick Nézet-Séguin – Lars Vogt, Piano © Sven Lorenz

London Philharmonic Orchestra  und  Yannick Nézet-Séguin
Lars Vogt am  Piano

Es war wirklich ein überwältigendes Konzert, das am vergangenen 22.11.2014 Heerscharen von Besuchern in die Philharmonie Essen lockte. Schlicht und einfach, der Saal mit seinen 1900 Plätzen war so gut wie ausverkauft. Lag es am Programm? Das trug sicherlich dazu bei. Oder lag es an dem einzigartigen Orchester und dem fabelhaften Solisten? Sicherlich auch!

Philharmonie Essen / London Philharmonic Orchestra - Yannick Nézet-Séguin - Lars Vogt, Piano © Sven Lorenz

Philharmonie Essen / London Philharmonic Orchestra – Yannick Nézet-Séguin – Lars Vogt, Piano © Sven Lorenz

Doch der größte Teil des Publikums wollte wohl den außerordentlichen Shootingstar am Pult erleben. Der Name Yannick Nézet-Séguin ist binnen kürzester Zeit zu einer Marke geworden. Der charismatische kanadische Dirigent weiß die Massen zu fesseln und zu faszinieren.

Er kam in Montreal zur Welt, studierte dort und später bei dem italienischen Maestro Carlo Maria Giulini Dirigieren. Eine steile Karriere bahnte sich an. Heute ist der Enddreißiger Music-Director des Philadelphia Orchestra und in gleicher Position beim Rotterdam Philharmonic Orchestra.

Auch war er einige Zeit erster Gastdirigent bei den Londoner Philharmonikern und tritt auch weiterhin mit diesem Orchester auf, wie jetzt in Essen und am Tag zuvor in Dortmund. Man kann es wirklich nicht anders ausdrücken, der junge Dirigent ist ein Tausendsassa am Pult. Und das hat sich herumgesprochen. Somit wäre die Frage nach dem gewaltigen Publikumszuspruch hinreichend beantwortet.

Philharmonie Essen / London Philharmonic Orchestra - Yannick Nézet-Séguin - Lars Vogt, Piano © Sven Lorenz

Philharmonie Essen / London Philharmonic Orchestra – Yannick Nézet-Séguin – Lars Vogt, Piano © Sven Lorenz

Bei dem zentralen Stück trafen zwei Berserker aufeinander. Der fast gleichaltrige Pianist Lars Vogt spielte überwältigend gut das 2. Klavierkonzert von Johannes Brahms, kongenial von Nézet-Séguin und den exzellenten Londoner Philharmonikern begleitet. Allein schon der Anfang des ersten Satzes mit den wunderbaren Horn-Soli im Dialog mit dem Klavier bleibt unauslöschlich haften.

Das Klavier ist hier ein gleichberechtigtes Orchestermitglied. Solo und Tutti bilden weniger ein Gegen- oder Nebeneinander, vielmehr ein Mit- und Ineinander. Lars Vogt und der Dirigent demonstrierten das sehr eindringlich und überzeugend. Grandios wie Solist, Dirigent und Orchester den Finalsatz gestalteten. Funkelnde Eleganz pur war da zu hören bis zum lebendig-schwungvollen Abschluss. Das Publikum war begeistert und Lars Vogt bedankte sich mit einem innig gespielten Nocturne von Chopin.

Nach der Pause zeigten der Dirigent und das englische Orchester, dass bei Franz Schuberts “Unvollendeter“ noch nicht alles gesagt ist.

Nézet-Séguin lässt mit einer phänomenalen Durchsichtigkeit musizieren, die es möglich machte, Nebenstimmen und instrumentale kurze Momente, die sonst untergehen, hörbar werden zu lassen. Und das alles bei zügigem Tempo. Sehr gut sind die Stimmungsschwankungen heraus modelliert. Schöner und ergreifender kann man das nicht bringen.

Philharmonie Essen / London Philharmonic Orchestra - Yannick Nézet-Séguin - Lars Vogt, Piano © Sven Lorenz

Philharmonie Essen / London Philharmonic Orchestra – Yannick Nézet-Séguin – Lars Vogt, Piano © Sven Lorenz

Furios und rasant geriet das letzte Musikstück an diesem Abend, die Tondichtung “Don Juan“ von Richard Strauss, die der Komponist auf eine Versdichtung von Nikolaus Lenau 1888 komponiert hatte.

Das Stück wurde von Strauss selber im November 1889 in Weimar uraufgeführt und es ist ein ganz großer Wurf. Hinreißender, jugendlich ungestümer Elan befeuert diese Musik. Yannick Nézet-Séguin und das prächtige Orchester ließen dies kühn konzipierte Werk des jungen Strauss facettenreich funkeln.

Der Beifall für den jungen, temperamentgeladenen Maestro und das fabelhafte Orchester wollte nicht enden. Verständlich bei dieser Sternstunde.

IOCO / UGK / 22.11.2014

—| IOCO Kritik Philharmonie Essen |—

Nächste Seite »