Nancy, Opéra national de Lorraine, Opéra national in Nancy – IOCO stellt vor, IOCO Aktuell, 30.01.2021

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Opéra national de Lorraine in Nancy © Opéra national de Lorraine

Opéra national de Lorraine in Nancy © Opéra national de Lorraine

Opéra national de Lorraine

Opéra national de Lorraine – Nancy, Frankreich

IOCO stellt vor – Frankreichs große Kultur außerhalb von Paris

Die Opéra national de Lorraine an der 1 rue Sainte-Catherine von Nancy, Frankreich, stellt eines der bedeutenden Musiktheater Frankreichs mit großer kultureller Tradition dar.  Nancy, über 100.000 Einwohner, ist Hauptstadt des Départements Meurthe-et-Moselle ehemals Herzogtum Lothringen, 120 Km südwestlich von Saarbrücken gelegen.

Opéra national de Lorraine in Nancy © Opéra national de Lorraine

Opéra national de Lorraine in Nancy © Opéra national de Lorraine

Das Theatre de la Comédie von Nancy, 1755  errichtet, ist Vorläufer der heutigen Opéra national de Lorraine. Das Theatre de la Comédie wurde am  6. Oktober 1906 durch einen Brand  zerstört. Durch den 1. Weltkrieg verzögerte sich der Neuaufbau. Am 14. Oktober 1919 wurde der in italienischen Baustil mit Zuschauerraum in Hufeisenform (heute 1.050 Plätze) mit der Nibelungenoper Sigurd des französischen Komponisten Ernest Reyer (1823 – 1909) wieder eröffnet. Die Opéra national de Lorraine  deckt ein breites Repertoire ab und möchte einer breiten Bevölkerungsschicht den Zugang zur Kultur ermöglichen. Es unterhält ein großes, eigenes Künstler-Ensemble, welches 180 Personen umfasst; davon 66 Sänger*innen, einen 28-köpfigen Chor und das  Orchester de l’Opéra national de Lorraine.

Opera national de Lorraine – 2019 – zur 100-Jahres Feier
youtube Trailer Opéra nationale de Lorraine
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2006  wurde die  Opéra national de Lorraine von  Nancy als „NATIONALOPER“ ausgezeichnet und  ist damit eine der fünf  Nationalopern Frankreichs;  nach Lyon, Bordeaux, Straßburg und Montpellier. Die Opéra national de Lorraine konzentriert sich ganz auf das Schaffen und deckt alle Repertoires ab, von der Alten Musik bis zur Neuen Musik. Durch verschiedene Angebote im Laufe des Jahres soll der Zugang aller Zielgruppen zur Kultur gefördert werden. 90.000 Besucher zählt das Haus pro Saison. 120 km südwestlich von Saarbrücken gelegen ist Nancy und seine Opéra für Bewohner der ländlichen Region Meurthe-et-Moselle, aber auch für Besucher aus den benachbarten Deutschland ein attraktiv inspirierendes Ziel.

Opera National de Lorraine / Intendant Matthieu Dussouillez © Vincent Arbelet / Opera national de Lorraine

Opera National de Lorraine / Intendant Matthieu Dussouillez © Vincent Arbelet / Opera national de Lorraine

Matthieu Dussouillez, *1985,  ist seit September 2019 Intendant  der Opéra National de Lorraine. Er eröffnete seine erste Saison am 14. Oktober 2019 ebenfalls mit Sigurd von Ernest  Reyer, inszeniert von seinem Vorgänger, Laurent Spielmann. Händel, Mozart, Rossini und Prokofjew sind seine Favoriten für den Spielplan. Mit 36 Jahren steht Matthieu Dussouillez  für eine neue, junge Intendanten-Generation, der, wie er in einem Interview sagte, mit „Demut ausfüllen“ möchte.

Marta Gardolinska, *1988 in Warschau, Polen, wurde im Januar 2021, für drei Jahre, zur Generalmusikdirektorin der Opéra national bestellt. Marta Gardolinska, studierte an der Frederic Chopin Universität in Warschau, an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien sowie in zahlreichen Meisterkursen und Workshops bei Künstlern wie Bernard Haitink, Peter Eötvös, Bertrand de Billy und György Kurtág und Marin Alsop.

2015 wurde Marta Gardolinska Chefdirigentin des Akademischen Orchestervereins Wien, in der Saison 2017/18 Dirigentin und künstlerische Leiterin der TU-Orchester Wien.

Nabucco – an der Opéra nationale de Lorraine in Nancy
youtube Trailer Opéra nationale de Lorraine
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Während der Saison 19-20 wurde sie Mitglied des Dudamel Fellowship Program bei den Los Angeles Philharmonic . Unter der Leitung von Gustavo Dudamel dirigierte sie dort in der Disney Hall herausragende Auftritte wie den Frühlingsritus von Strawinsky und war an der Einspielung von Charles Ives´ 4. Symphonie für die Deutsche Grammophon beteiligt Im August 2019 gab sie ihr Debüt mit dem Scottish Chamber Orchestra beim Edinburgh Festival, mit dem Paris Chamber Orchestra im November 2020 und in ihrer Heimatstadt mit den Warschauer Philharmonikern im Dezember 2020.

 Opéra national der Lorraine in Nancy, Frankreich  – IOCO stellt vor

—| IOCO Aktuell Opéra national de Lorraine |—


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Frankfurt, Oper Frankfurt, Oper Frankfurt Zuhause – im Netz aktiv, November 2020

November 5, 2020 by  
Filed under Livestream, Oper, Oper Frankfurt, Pressemeldung

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

www.oper-frankfurt.de/zuhause  –   „Oper Frankfurt Zuhause“

nachdem die Einschränkungen für Kulturinstitutionen im Rahmen der Corona-Krise den Monat November 2020 betreffend wiederaufgelegt wurden, führt die Oper Frankfurt auf ihrer Website unter www.oper-frankfurt.de/zuhause sowie an ausgewählten Terminen auf ihren Kanälen bei YouTube, Instagram oder Facebook ihr digitales Programm weiter. Angesprochen fühlen soll sich ein Publikum, welches in diesen Tagen nicht auf Oper verzichten will. Somit präsentiert „Oper Frankfurt Zuhause“ erneut Konzerte mit Ensemblesänger*innen und Musiker*innen aus dem Frankfurter Opern- und Museumsorchester, Opernklassiker im Stream, Talkrunden zu vergangenen und kommenden Produktionen, Kinderformate und vieles mehr. Anbei erste Termine:


Oper Frankfurt / Domen Križaj und Mojca Bitenc © Rok Deželak

Oper Frankfurt / Domen Krizaj und Mojca Bitenc © Rok Dezelak

ab Freitag, 6. November 2020, 19.30 Uhr

Livestream mit Domen Križaj (Bariton), Mojca Bitenc (Sopran) und Felice Venanzoni (Klavier)

Seit Beginn der aktuellen Spielzeit verstärkt der slowenische Bariton Domen Križaj das Ensemble der Oper Frankfurt. Hier hat er sich bisher als Albert (Werther) und Lescaut (Manon Lescaut) bestens eingeführt. Bereits in der vergangenen Saison begeisterte er mit einem Liederabend. Nun präsentiert er sich erneut zu Klavierbegleitung, diesmal jedoch zusammen mit seiner Ehe- und Landsfrau, der Sopranistin Mojca Bitenc. Beide singen in diesem Livestream aus der Oper Frankfurt Arien und Duette von Mozart bis Tschaikowski und sind u.a. als das unglückliche Paar Nedda und Silvio aus Leoncavallos I Pagliacci zu erleben. Mit dem von Felice Venanzoni am Klavier begleiteten Abend eröffnet die Oper Frankfurt eine kleine Reihe, in der weitere Sänger-Paare im Rahmen live gestreamter Auftritte zu erleben sein werden.


Oper Frankfurt / Jack Swanson und Malcolm Martineau © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Jack Swanson und Malcolm Martineau © Barbara Aumüller

ab Samstag, 7. November 2020, 19.30 Uhr

Flashback: Liederabend von Jack Swanson (Tenor) und Malcolm Martineau (Klavier)

Der Tenor Jack Swanson feierte bisher mit virtuosen Partien des Belcanto-Repertoires zahlreiche Erfolge. Nach seinem umjubelten Debüt in der Partie des Rodrigo in Rossinis Otello kehrte der aufstrebende Sänger kürzlich für seinen ersten Liederabend an die Oper Frankfurt zurück und versetzte das Publikum in wahre „Jubellaune“. (Frankfurter Rundschau). Einen Mitschnitt dieses gefeierten Abends zeigt die Oper Frankfurt nun im Rahmen von „Oper Frankfurt Zuhause“. Am Klavier begleitet wird Jack Swanson von Malcolm Martineau, und auf dem Programm stehen u.a. Lieder von Beethoven, Schumann, Liszt und Poulenc.

Nähere Informationen sind unter www.oper-frankfurt.de/zuhause zu finden. Dort werden baldmöglichst auch weitere Termine innerhalb dieses Formats angekündigt. Zudem können auch vergangene Veranstaltungen der Reihe eingesehen werden.

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—


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Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Der Barbier von Sevilla – Gioacchino Rossini, IOCO Kritik, 11.09.2020

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Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

  Der Barbier von Sevilla – Gioacchino Rossini

– Rosina, eine Geigerin, umwirbt den eine silberne Klarinette spielenden Grafen Almaviva –

von Ingrid Freiberg

Gioacchino Rossini in Paris © IOCO

Gioacchino Rossini in Paris © IOCO

Das Personal kennen wir! Beaumarchais, Sturmvogel der französischen Revolution, hat zwei Komödien vorgelegt: II barbiere di Siviglia (1775) und Le nozze di Figaro (1784). Mozart vertonte letztere 1786, Rossini erstere 1816. Die Handlung bei Rossini geht der Handlung bei Mozart voraus – verwirrend! Rossinis Vertonung des ersten Teils von Beaumarchais’ Figaro-Trilogie ist Komödie, musikalisches Funkensprühen – und ein Vorgeschmack auf die gesellschaftskritischen Töne, die Mozart in Le nozze di Figaro lauter werden lässt. Der Intendant des Hessischen Staatstheater Wiesbaden, Uwe Eric Laufenberg, entschloss sich trotz der strengen einengenden Corona-bedingten Vorgaben, auf zwei aufeinanderfolgenden Abenden diese beiden Opern auf die Bühne zu bringen. Hierbei handelt es sich um eine ideengeschichtliche Gegenüberstellung, die anhand von Schlüsselszenen versucht, den Barbier als reaktionäres Gegenstück zu Mozarts aufklärerisch geprägtem Le nozze di Figaro zu deuten.

II barbiere di Siviglia

Pierre Augustin Caron de Beaumarchais,© IOCO / GFelix

Pierre Augustin Caron de Beaumarchais,© IOCO / GFelix

Gioacchino Rossini hat Opern geschaffen, die bis heute weltweit die Opernkultur prägen und scheinbar zeitlos überdauern. Der vielseitige französische Literat Pierre Augustin Caron de Beaumarchais, der ursprünglich Uhrmacher, zeitweise auch Geheimagent im Dienste Ludwigs XVI. und versierter Geschäftsmann war, arbeitete ab 1772 am ersten Teil der Trilogie rund um die Figaro -Figur. Le Barbier de Seville wurde in der Comedie Frangaise uraufgeführt, aber aufgrund seiner Länge enttäuscht aufgenommen. Innerhalb von nur drei Tagen kürzte Beaumarchais die Komödie auf vier Akte und sicherte sich einen grandiosen Erfolg. Es war das Pariser Ereignis schlechthin und der Höhepunkt im Leben von Beaumarchais. Selbst die Einnahmen des Tages stellten einen Rekord in der Theatergeschichte dar: 6511 Livres. Erst dreißig Jahre nach Mozarts Le nozze di Figaro komponierte Rossini seine Oper (Libretto Cesare Sterbini): Figaro, ein stadtbekannter Barbier in Sevilla, unterstützt den Grafen Almaviva bei der hindernisreichen Eheschließung mit Rosina, dem Mündel des mürrischen Don Bartolo. Der verliebte Alte will sie heiraten; ein junger und aufgeweckter Liebhaber kommt ihm zuvor und macht sie am gleichen Tag, vor der Nase und im Haus des Vormunds, zu seiner Frau. Bartolos Wut verraucht schnell, als ihm der Graf Rosinas Mitgift schenkt. Das ist die ganze Geschichte, aus der man nun mit gleichem Erfolg eine Tragödie oder eine Komödie bzw. ein Rührstück machen kann.

Der Barbier von Sevilla – Gioacchino Rossini
youtube Trailer Hessisches Staatstheater Wiesbaden
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Musik-Theater, sehr sehr konsequent…

In seiner ersten Opernregie überrascht Tilo Nest das Publikum mit einem hochgefahrenen Orchestergraben, links die Bläser, rechts die reduzierten Streicher, dazwischen die Holzbläser. Wo scheinbar nur Musiker zu sitzen scheinen, entpuppt sich bei näherem Hinsehen, dass Rosina als Geigerin mit dem Grafen Almaviva schöntut, der eine silberne Klarinette spielt. Wegen ihrer Unaufmerksamkeit wird sie vom Dirigenten von der Bühne verwiesen. Kurz darauf ist sie von der Proszeniumsloge aus zu hören. Der Musiklehrer Basilio spielt Bass, Ambrosio Posaune. Der Abend beginnt mit schrecklichen Misstönen, bis Figaro den Maske tragenden Dirigenten darauf aufmerksam macht, dass die Partitur auf dem Kopf steht, und sie für ihn richtig herumlegt! Überhaupt trägt das Faktotum der ganzen Stadt schon zu Beginn zum Gelingen der Oper bei: Er kümmert sich im das marode Licht, kehrt die Bühne, bürstet den Vorhang, versenkt den Orchestergraben, dirigiert parodierend mit und zeigt schon zu Beginn seine vielfältigen Fähigkeiten! Einnehmende Regieeinfälle! Figaros Scherze allerdings sind überflüssig und plump… Das Credo von Tilo Nest, Theater ist für mich das Gegenteil von Stillstand, unterstreichen Wedelbewegungen, jeder zeigt auf jeden, es gibt sich wiederholende Slow Motions – eine äußerst turbulente Fassung. Alle Personen dieser akrobatisch virtuosen Buffa scheinen manchmal nicht ganz dicht zu sein. Dass der Abend stimmig wirkt, verdankt diese sehenswerte Inszenierung auch dem sich enthusiastisch und mit immenser Lust auf das Spiel einlassenden Ensemble. Musik-Theater, sehr sehr konsequent…

 Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der Barbier von Sevilla - hier : Graf Almaviva und Bartolo © Karl + Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der Barbier von Sevilla – hier : Graf Almaviva und Bartolo © Karl + Monika Forster

Das Bühnenbild von Gisbert Jäkel gibt mit seinen klassisch variablen Fassaden, angelehnt an die Entstehungszeit, Raum für ein geschwindes Verwirrspiel. Die Kulissen werden hereingeschoben, herabgesenkt, die Drehbühne eingesetzt, Umbauten werden blitzschnell ausgeführt. Jäkel bezieht sich auf die allgegenwärtigen Corona-Gerüchte und lässt Don Basilio von Figaro Fledermausflügel anziehen. Eine schillernde Echse in Rosinas Zimmer trägt wie sie eine überdimensionale Perlenkette, die von ihr kokett reitend geschwungen wird. Der Flügel im Musikzimmer hat keine Beine und dient auch als Tanzfläche oder gar als Metapher, wenn beim Spiel von Almaviva / Alonzo Schaum aus dem Instrument tritt… Bartolos Haus wird mit einem Violinschlüssel aufgeschlossen. Ein heftiges Gewitter zieht mit Blitz und Donner und mächtigem Rauch auf, Goldflitter führt zum guten Ende. Die farbenfroh akzentuierten Kostüme von Anne Buffetrille und Mirjam Ruschka decken allerlei Theaterstile ab. Dabei trifft stilisierte historische Kostüme am ehesten zu. Sie passen haargenau und sind keiner Mode unterworfen: Thomas de Vries (Bartolo) ist mit seinen gelockten Haaren, seinem dicken Leib, verborgen unter einem eleganten „Cutaway“ kaum wiederzuerkennen. Süß und scheinbar unschuldig sind das rosagepunktete Babydoll-Kleid mit Petticoat und einer großen mehrreihigen Perlenkette, weiße Söckchen, schwarze Lackschuhe und eine rosa Riesenschleife, die Rosina als Mündel im Haar trägt. Nicht mehr so naiv, trägt sie aufregende Kleider im Carmen-Look. Basilio, mit Elvis-Frisur, ist in einen Nadelstreifenanzug gekleidet wie auch der als Musiklehrer verkleidete Graf / Alonzo. Seine Kostüme unterstreichen die Charade: Uniform als Offizier der Prinzengarde (Männerballett 1748), verschiedenfarbige Torero-Anzüge… Mit grauer Jacke, einem Karo-Pullunder, Jeans und Turnschuhen saust Figaro über die Bühne. Schwarz-weiß gekleidet, dicke Lockenwickler tragend beobachtet Berta das Treiben… Bedienstete tragen Corona-Masken.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der Barbier von Sevilla - hier : IOAN Hotea als Graf Almaviva © Karl + Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der Barbier von Sevilla – hier : IOAN Hotea als Graf Almaviva © Karl + Monika Forster

Mit immenser Spiellust

II barbiere di Siviglia ist die Oper, die ich bisher am häufigsten gesungen habe, und trotzdem höre ich nie auf, neue Details in der Partitur und an der Figur des Conte Almaviva zu entdecken. Die Komposition ist höchst ausdrucksstark, voller Virtuosität und ausgearbeitetem Humor, immer fesselnd!, so Ioan Hotea. Es ist ihm anzumerken, dass er die Rolle liebt: Keine Drücker, kein Forcieren, seine Stimme strömt kraftvoll und überaus differenziert. „Ah, che d’amore la fiamma io sento“…,welch eine wunderbar timbrierte, sauber intonierende Tenorstimme ist da zu erleben! Überaus komisch und nervend sein „Pace e gioia sia con voi!“ Thomas de Vries als Bartolo, ein glaubwürdig alter Zausel, kämpft unglaublich leichtfüßig mit seiner Leibesfülle. Höchst komödiantisch gibt er den von sich überzeugten Einfallspinsel: „A un dottor della mia sorte“… In Rosinas Musikunterricht setzt er geziert mit einer schönen Arie aus der guten alten Zeit dagegen Quando mi seivicina… und merkt nicht, dass alle über ihn lachen. Mit seinem Nuancenreichtum und seiner leidenschaftlichen Hingabe glänzt er mit allem, was einem Bartolo ein unverwechselbares Profil gibt. Seine sängerisch–darstellerische Ausdrucksskala ist wohltönend und prächtig, verfügt über eine großartige Diktion. Ein Glücksfall ist Silvia Hauer als Rosina. Schon rein optisch weiß sie zu gefallen – jeder Ausdruck gelingt ihr. Sie besitzt eine anregende Tiefe, ist koloraturgewandt und hat neben dem nötigen Stimmumfang einen spritzigen, charmanten, flüssigen Mezzosopran, der es ihr ermöglicht, als selbstbewusste, willensstarke Femme fatale, aber auch als kitschiges Liebesnaivchen zu kokettieren. Die berühmten Arien „Una voce poco fa…, Contro un cor che accende amore di verace invitto ardore“… und „A mezzanotte in punto“… gehen zu Herzen. Ungebremste extrovertierte Energie hat Hauer überdies. Auch Christopher Bolduc überzeugt als schlitzohriger Figaro, sieht blendend aus und zeigt ein übers Komödiantische hinausgehendes Profil. „Largo al factotum della città“, das ist er wirklich! Er wirbelt über die Bühne, ist Tausendsassa, Kuppler, Ideengeber und Schlaumeier. Die Welt, in der der immer einen Ausweg wissende Figaro die Fäden zieht, ist klein und groß zugleich. Großartig das Duett mit Almaviva: „All‘idea di quell metallo“… Bolduc fehlt es weder an Stimmkraft noch an Raffinesse im Ausdruck.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der Barbier von Sevilla - hier : Silvia Hauer als Rosina © Karl + Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der Barbier von Sevilla – hier : Silvia Hauer als Rosina © Karl + Monika Forster

Young Doo Park singt einen stimmgewaltigen prachtvollen Basilio. Er hat eine ungeheure stimmliche und szenische Ausstrahlung! „La calunnia“, die Angst vor Verleumdung ergreift nicht nur Bartolo, sie geht auch auf das Publikum über… Diesen Bass hören zu dürfen, ist ein großes Vergnügen! Mit der Berta-Arie „Il vecchiotto cerca moglie“… ersingt sich Michelle Ryan einen besonders verdienten Applaus. Julian Habermann als Fiorillo ist ein ungeschickt anhänglicher Diener des Grafen, der ihm sogar vom Bühnenhimmel schwebend zur Hilfe kommt, und Thomas Braun der leicht vertrottelte, dennoch nützliche Notar Ambrosio. Erstklassig die letzten Strophen des Vaudeville-Finales – erschlagend durch Turbodrive und Turbulenzen: „Mi par d’esser con la testa in un’orrida fucina“... Die Rezitative begleitet zeitgemäß und sensibel Levi Hammer auf einem Hammerflügel, der auf der Bühne steht.

Ungewöhnlich, geschmeidig mit berauschender Lebenslust

Der Chor des Hessischen Staatstheater Wiesbaden unter der Leitung von Albert Horne zeigt wieder einmal, wie mühelos spielerisch und mit großer Präzision er in der Lage ist, eine Oper mitzutragen. Mit der Orchester-Reduktion des Hessischen Staatsorchester Wiesbaden geht der Musikalische Leiter, Konrad Junghänel, in der für ihn bekannten Art und Weise souverän und einfühlsam um. Musiker, die Abstand halten müssen, durch Trennwände voneinander getrennt und anders positioniert sind, werden leicht zu Solisten. Die Instrumentalisten sind sehr exponiert… So ist es äußerst schwierig, zu einem Gesamtklang zu finden. Junghänel gelingt es dennoch, den tänzerischen Elan aufleben zu lassen. Rossinis Partitur lebt von den aberwitzigen und völlig sinnfreien, aber artistischen Tempo-Steigerungen. Alles bedingt eine geschmeidige Leitung und berauschende Lebenslust. Das ist gelungen!

Das sichtlich amüsierte Publikum spendet viel Applaus – Nach langer kultureller Abstinenz ist es besonders glücklich!

 

Der Barbier von Sevilla am Hessischen Staatstheater Wiesbaden; die weiteren Vorstellungen am 11.9.; 13.9.; 17.9.; 18.9.; 19.9.; 26..9.; 21.10.; 1.11.2020 und mehr

—| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

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Annaberg-Buchholz, Eduard von Winterstein Theater, Open-Air-Konzert – Rittergut Olbernhau, 05.09.2020

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Eduard von Winterstein Theater

Eduard von Winterstein Theater / Sommer-Open-Air - Die Erzgebirgsphilharmonie hat am Freitagabend zum Olbernhauer Sommer-Open-Air. Dirigiert wurde das Ensemble von GMD Naoshi Takahashi (Mitte.) © Jan Görner

Eduard von Winterstein Theater / Sommer-Open-Air – Die Erzgebirgsphilharmonie hat am Freitagabend zum Olbernhauer Sommer-Open-Air. Dirigiert wurde das Ensemble von GMD Naoshi Takahashi (Mitte.) © Jan Görner

Annaberg-Buchholz, Eduard von Winterstein Theater,

Sommer-Konzert der Erzgebirgischen Philharmonie

im Rittergut Olbernhau

Am Samstag, dem 5. September, beginnt um 17 Uhr das Sommer-Open-Air-Konzert der Erzgebirgischen Philharmonie Aue im Rittergut in Olbernhau. Unter dem Titel „Oper für zwei“ werden schwungvolle Instrumentalstücke und berühmte Arien aus der Welt der klassischen Oper gespielt.

Olbernhau. Unter der Musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Naoshi Takahashi werden nach der Ouvertüre zu Mozarts Die Hochzeit des Figaro Arien und Duette zum Beispiel aus Rossinis Der Barbier von Sevilla, Beethovens Fidelio oder Mozarts Zauberflöte durch die laue Sommerluft schweben. Neben anderen Instrumentalstücken wird auch der „Furientanz“ aus der Oper Orpheus und Eurydike von Christoph Willibald Gluck zu hören sein. Das Duett „Reich mir die Hand, mein Leben“ aus Mozarts Don Giovanni rundet den musikalischen Genuss des Spätsommerabends unter freiem Himmel ab. Das Konzert selbst findet unter den gültigen Hygiene-Vorschriften statt.

Es spielt die Erzgebirgische Philharmonie Aue.
Dirigent: GMD Naoshi Takahashi
Solisten: Madelaine Vogt – Sopran, Jason-Nandor Tomory – Bariton
Moderation: Michael Eccarius

Kartenpreise: 9,00 € / 6,00 € ermäßigt
Karten: Tourist-Information Olbernhau
Grünthaler Straße 20
09526 Olbernhau
Tel.: 037360–689866
E-Mail: tourinfo@olbernhau.de

Öffnungszeiten:
Mo, Di, Do, Fr: 10.00 – 17.00 Uhr
Mi, Sa: 10.00 – 13.00

—| Pressemeldung Eduard von Winterstein Theater |—


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