Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Spielplan September/Oktober 2019

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de


Oper und Ballett am Rhein im September/Oktober 2019


Fr 06.09. – 20.00 Uhr
Opernplatz vor dem Theater Duisburg
4. Haniel Klassik Open Air

Stimmungsvolle Klassik unter freiem Himmel – und zum krönenden Abschluss ein Feuerwerk: Erneut wird die Saison in Duisburg festlich mit dem HANIEL KLASSIK OPEN AIR eröffnet. Schon zum vierten Mal ermöglicht das renommierte Familienunternehmen Haniel gemeinsam mit der Deutschen Oper am Rhein, den Duisburger Philharmonikern und dem Theater Duisburg ein großes Konzert unter dem Motto „umsonst und draußen“.

Solist*innen des Ensembles, der Chor und Extrachor sowie die Duisburger Philharmoniker unter der Leitung von Axel Kober präsentieren ein vielfältiges Programm mit Ausschnitten aus „Fidelio“, „Aida“ und „Samson et Dalila“. Es moderiert Götz Alsmann, der in diesem Jahr von seiner Band begleitet wird.

Am Samstag, 7. September 2019, stehen härtere Töne auf dem Programm des Open-Airs. So ist es gelungen, u. a. die Schweizer Hard-Rock-Band „Gotthard“ zu verpflichten. Am Sonntag wird das Programm mit einem Matinée-Konzert für die ganze Familie, unter anderem mit dem Kinderchor am Rhein, fortgesetzt.

Programm zum 4. Haniel Klassik Open Air


Sa 07.09. – 19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme: „La traviata“ von Giuseppe Verdi

Auf einem ihrer opulenten Feste wird Alfredo auf Violetta aufmerksam. Bei einem plötzlichen Schwächeanfall der Gastgeberin kommen sie sich näher, verlieben sich und beschließen, vor den Toren von Paris ein neues Leben miteinander zu beginnen. Doch die ländliche Idylle ist trügerisch. Alfredos Vater will die ehemalige Edelkurtisane in seiner Familie nicht dulden und setzt Violetta derartig unter Druck, dass sie schließlich auf Alfredo verzichtet. Verzweifelt kehrt sie in ihr früheres Leben zurück – und geht zu Grunde.

Mit seiner Violetta Valéry schuf Giuseppe Verdi einen neuen Mythos des Weib­lichen: eine beseelte, faszinierend sinnliche Frau von auratischem Zauber. An der Deutschen Oper am Rhein wird sie im September/Oktober von Adela Zaharia ebenso wie von Anna Princeva und Eleonore Marguerre verkörpert. Am 12. Sep­tem­ber stellt sich Marie Jacquot bei „La traviata“ als neue Erste Kapellmeisterin der Deutschen Oper am Rhein vor.

Termine, Besetzungen, Tickets


So 08.09.-18.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme: „Tosca“ von Giacomo Puccini

Die Opernsängerin Floria Tosca lebt ganz für ihre Kunst und ihre Liebe zu dem Maler Cavaradossi. Als dieser wegen seiner politischen Aktivitäten gegen das unmenschliche Regierungsregime ins Visier von Baron Scarpia gerät, sieht auch sie sich dem brutalen Polizeichef ausgeliefert…

Mit „Tosca“ komponierte Giacomo Puccini eine schonungslose Abrechnung über Machtmissbrauch, politische Willkür und polizeistaatliche Machenschaften. Sie ist aber auch eine zutiefst berührende Liebesgeschichte und leidenschaftliche Mani­festation der um das Jahr 1900 bereits aussterbenden italienischen Gesangsoper, in der „Verismo“ couragiertes Handeln und klare Parteinahme für die Opfer bedeutet. Alternierend mit Alex Penda singt Ensemblemitglied Morenike Fadayomi die Titelpartie. Eduardo Aladrén und Najmiddin Mavlyanov sind in der Rolle des Malers Cavaradossi, Lucio Gallo und James Rutherford als Scarpia zu erleben.


So 15.09. – 18.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme: „Roméo et Juliette“ von Charles Gounod

Ein Sommernachts-Albtraum: In einer heißen Augustnacht trifft Roméo zufällig auf Juliette. Es ist Liebe auf den ersten Blick, allerdings eine verbotene, denn Juliette muss am nächsten Morgen Pâris heiraten. Doch die Macht der Liebe wirkt wie eine Droge, ein dunkel-süßes Gift mit tödlichem Ausgang…

Charles Gounod (1818–1893) schuf mit seiner Adaption von Shakespeares „Romeo und Julia“ ein Meisterwerk der französischen Opernromantik voller Poesie, Leidenschaft und packender Dramatik: eine Liebesgeschichte wie ein Krimi, eine Familientragödie voller Gesellschaftskritik. An der Deutschen Oper am Rhein ist es in der Deutung des jungen Regisseurs Philipp Westerbarkei zu sehen, der in dieser Saison auch Puccinis „La Bohème“ inszeniert.

Infos zum Stück, Termine, Besetzung und Tickets


Fr 20.09. – 16.00 Uhr
Foyers des Düsseldorfer
Opernhauses
Geisterstunde im Opernhaus

Vor der Düsseldorfer Premiere von „Geisterritter“ öffnet die Oper ihre Foyers und gibt das Haus für alle Premierenkartenbesitzer frei zum Eingruseln. Ab 16.00 Uhr können junge Zuschauer*innen zur Einstimmung auf die Jugendoper nach dem Bestseller von Cornelia Funke mit Schauspieler Cedric Sprick den Kröten-Rap lernen, Gruselfilme synchronisieren oder sich als Untote schminken lassen.


Fr 20.09. – 18.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE: Jugendoper „Geisterritter“ von James Reynolds

Es ist zum Gruseln: Kaum ist Jon Whitcroft unfreiwillig in ein alt­ehrwürdiges Internat in Salisbury eingezogen, trachtet ihm dort der Geist von Lord Stourton nach dem Leben. Seine Mitschüler, die den Geist nicht sehen können, halten Jon für verrückt – nur seine Klassenkamera­din Ella glaubt ihm. Gemeinsam mit Ellas eigenwilliger Großmutter Zelda und der zum Leben erwachten Statue des Ritters William Longspee nimmt der Junge den Kampf mit seinem untoten Gegner auf …

Für die Kooperation „Junge Opern Rhein Ruhr“ autorisierte die Bestsellerautorin Cornelia Funke erstmals die Vertonung einer ihrer erfolgreichen Romane. Regisseur Erik Petersen schuf hierzu eine fantasievolle Inszenierung, für die das bekannte Videokünstlerduo fettFilm das multimediale Setting bereitstellte. Nach ihrem großen Erfolg in Bonn und Duisburg feiert James Reynolds Jugendoper „Geisterritter“ jetzt in Düsseldorf Premiere.


Fr 20.09. – Sa 28.09.
Orchard Hall Tokyo
Hyogo PAC Osaka
Martin Schläpfers „Schwanensee“ auf Japan-Tour

In Tokyo und Osaka bringen die Tänzerinnen und Tänzer des Balletts am Rhein das bekannteste Ballett der Welt in der Version von Martin Schläpfer auf die Bühne. Schläpfer rückt „all die faszinierenden Dunkelheiten, psychischen Geheimnisse und Archetypen“ mit seiner ganz eigenen, ebenso physischen wie hochexpressiven Tanzsprache in den Mittelpunkt und entführt das Publikum in eine Welt, „in der Geister und Unerklärbares noch nicht als Hirngespinste gelten“.


Di 24.09. – 18.00 Uhr Theater Duisburg
Opernwerkstatt: „Pique Dame“

Ein Podiumsgespräch mit beteiligten Künstlern und ein exklusives Probenerlebnis geben bei freiem Eintritt erste Einblicke in die Duisburg-Premiere von Tschaikowskys „Pique Dame“.


Sa 28.09. – 19.30 Uhr
Theater Duisburg
PREMIERE: „Pique Dame“ von Peter Iljitsch Tschaikowsky

Spielsucht, Geld und Liebesverlangen, das sind die drei Motive, um die sich Tschaikowskys Seelendrama „Pique Dame“ rankt. Hermann, ein haltloser junger Offizier, Lisa, eine von ihm leidenschaftlich geliebte, aber unerreichbar scheinende Frau und deren Großmutter, eine geheimnisumwitterte Gräfin, sind die Hauptfiguren in dem tragischen Spiel um persönliche Zuneigung und gesellschaftliche Anerkennung.

Die US-amerikanerische Regisseurin Lydia Steier findet im Hollywood der 1950er Jahre den Rahmen für ihre bildgewaltige Inszenierung, die am letzten September-Wochenende die Opernsaison im Theater Duisburg eröffnet. Unter der musikalischen Leitung von Aziz Shokhakimov sind Sergej Khomov als Hermann und Sarah Ferede als Lisa zu erleben. Renée Morloc verkörpert die geheimnisvolle Gräfin.

Infos zum Stück, Termine, Besetzung und Tickets


Mi 02.10. – 19.30 Uhr
Theater Duisburg
Wiederaufnahme: „La Cenerentola“ von Gioacchino Rossini

Cenerentola ist das Aschenputtel der Opernbühne. Allerdings ist sie keine reine Märchenfigur, sondern die Heldin einer turbulenten Musikkomödie. Zwar ist

auch Cenerentola gestraft mit einem hartherzigen Stiefvater und zwei selbstsüchtigen Stiefschwestern, die ihr das Leben schwer machen. Aber anders als im Märchen gelingt ihr die Verwandlung in eine schöne Dame, die der Prinz Ramiro zu seiner Frau erwählt, durch die Hilfe des weisen Philosophen Alidoro. Dabei spielen Verkleidungen und das Verhältnis von Sein und Schein eine große Rolle. In der legendären Inszenierung des großen Regiemeisters Jean-Pierre Ponnelle hat diese Geschichte durch szenischen Witz, Opernmagie und prallen Humor längst Unsterblichkeit erlangt. In Duisburg singen Miriam Albano (2.10.) und Maria Kataeva die Titelpartie.

Infos zum Stück, Termine, Besetzung und Tickets


Do 03.10. – 18.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Reprise: „Schwanensee“ von Martin Schläpfer

Direkt im Anschluss an sein Japan-Gastspiel bringt das Ballett am Rhein Martin Schläpfers „Schwanensee“ im Opernhaus Düsseldorf auf die Bühne.

Prinz Siegfried soll heiraten, doch er ist jung und sehnt sich nach dem Leben. Mitten in der Nacht wird er tief im Wald an einem geheimnisvollen See von einem Mädchen magisch angezogen. Odette ist in einem bösen Zauber gefangen und nimmt nur, wenn es dunkel wird, für einige Stunden menschliche Gestalt an …


Mi 09.10. – 18.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Opernwerkstatt zur Premiere von „Samson et Dalila“

Die Opernwerkstatt zur ersten Neuproduktion der Spielzeit macht die Zuschauer mit Camille Saint-Saëns‘ französischer Oper „Samson et Dalila“ vertraut. Der Eintritt zum Gespräch und zum Probenbesuch ist frei.


So 13.10. – 15.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme: „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“
von Igor Strawinsky / Maurice Ravel

Ganz ähnlich wie „Die Zauberflöte“ fasziniert der Doppelabend „Petruschka / L’Enfant et les Sortilèges“ durch das überraschende Zusammenspiel von Orchestermusik, Artisten und Sängerinnen auf der Bühne und filmischer Animation. Ein russischer Jahrmarkt und ein französisches Kinderzimmer sind die Schauplätze, die die britische Theatergruppe „1927“ in einer überbordenden Bilderwelt lebendig werden lässt. Dazu erklingen Strawinskys Ballettmusik und Ravels Operneinakter.


Do 17.10. – 19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme: „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart

Don Giovanni, dem großen Frauenverführer in Mozarts Oper, misslingen alle Liebesabenteuer, was seiner Anziehungskraft allerdings nicht schadet. Im Gegenteil. Mozarts Musik schafft das Kraftfeld, in dem sich alles um ihn herum auflädt. Wer auf Don Giovanni trifft, kann sich dieser Energie nicht entziehen. Er muss ihr stand­halten, wenn er nicht untergehen will in der regellosen Freiheit, die Don Giovanni als genuss­vollen Weg propagiert, sich von Konventionen und vorgefer­tig­ten Lebensmustern zu befreien.


Fr 18.10. – 19.30 Uhr
Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE: „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns

Als sich Samson an die Spitze des Hebräer-Aufstandes stellt, fasst sein unterjochtes Volk neuen Mut. Im Kampf gegen die herrschenden Philister ist seine über­mensch­liche Kraft eine tödliche Waffe und erringt den Rebellen Sieg um Sieg. Nur einem Gegner ist Samson nicht gewachsen: der erotischen Anziehungskraft der schönen Dalila. Mit ihren Verführungskünsten umgarnt sie den verhassten Feind, um ihm das Geheimnis seiner Stärke zu entlocken…
Joan Anton Rechi, der an der Deutschen Oper am Rhein zuletzt sehr erfolgreich „Madama Butterfly“ inszenierte, setzt Camille Saint-Saëns‘ französische Oper in Szene. Michael Weinius – in der vergangenen Spielzeit als Siegfried gefeiert – ist Samson, Ramona Zaharia die große Verführerin Dalila.


So 20.10. – 11.00 Uhr
Foyer im Opernhaus Düsseldorf
Symphoniker im Foyer: Barocke Kantaten

Johann Sebastian Bachs weltliche Kantate „Ich bin in mir vergnügt“ BWV 204 steht im Zentrum der barocken Sonntagsmatinee. Die Sopranistin Sylvia Hamvasi interpretiert das charmante, 8-sätzige Werk gemeinsam mit Solo-Flötistin Ruth Legelli, Solo-Oboistin Gisela Hellrung und weiteren Mitgliedern der Düsseldorfer Symphoniker. Weitere Werke Bachs runden das Programm ab und sorgen für einen beschwingten Start in den Sonntag.


Sa 26.10. – 19.00 Uhr
Theater Duisburg
und
So 27.10. – 19.00 Uhr
Opernhaus Düsseldorf

„With Love from Moscow“: Gala-Konzerte der Helikon-Oper Moskau

2019 ist Deutschland Gastgeber für das russische Kulturfestival „Russian Seasons“, das die vielfältige russische Kultur in Ausstellungen, Festivals und Konzerten präsentiert, um den interkulturellen Dialog und die partnerschaftlichen Beziehungen zu fördern.
Mit der Moskauer Helikon-Oper verbindet die Deutsche Oper am Rhein seit der gemeinsamen Produktion „Der goldene Hahn“ 2016 eine erfolgreiche Zusammenarbeit und künstlerische Freundschaft, die weiter vertieft wurde durch Gala-Konzerte in Düsseldorf im Mai 2017 und in Moskau im September 2018, bei denen Ensemble­mit­glieder beider Häuser gemeinsam auf der Bühne standen. Nun gibt es ein Wiedersehen, wenn die Helikon-Oper mit 12 ihrer besten Solist*innen, Chor und Orchester für zwei Gala-Konzerte nach Duisburg und Düsseldorf kommt. Mit großen Arien, Ensembles und Chorszenen von Peter Iljitsch Tschaikowsky und Giuseppe Verdi schlägt sie auch musikalisch eine Brücke nach Russland.

Die Schirmherrschaft übernimmt Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaften des Landes Nordrhein-Westfalen


—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Die Spielzeit 2019/20

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Die Spielzeit 2019/20 an der Deutschen Oper am Rhein

30 Opern und sieben Ballettprogramme auf den großen Bühnen in Düsseldorf und Duisburg

Mit dem 4. Haniel Klassik Open Air vor dem Theater Duisburg startet die Deutsche Oper am Rhein am 6. Septem­ber in die Spielzeit 2019/20. Für die rund 300 Vorstellungen im Opernhaus Düsseldorf und im Theater Duisburg sind ab sofort Tickets erhältlich. Im Fokus stehen zehn Opernpremieren – darunter sechs Neuproduktio­nen – und 19 weitere Stücke aus dem großen Opernrepertoire. Das Ballett am Rhein präsentiert sechs Ballettprogramme mit insgesamt 17 Choreographien. Festliche Galas und Konzerte, Liedermatineen, Kammermusik und nicht zuletzt das vielfältige Angebot der Jungen Oper am Rhein ergänzen das Programm der kommenden Saison.


Oper in Düsseldorf und Duisburg

„Samson et Dalila“, Camille Saint-Saëns‘ französische Oper über den Freiheitskampf der in Sklaverei gefallenen Hebräer und ihren verführbaren Helden Samson kommt am 18. Oktober im Opernhaus Düsseldorf auf die Bühne – und das zum ersten Mal seit Gründung der Deutschen Oper am Rhein im Jahr 1956. Joan Anton Rechi, der hier zuletzt sehr erfolgreich „Madama Butterfly“ inszenierte, setzt die erste Neuproduktion der Spielzeit in Szene. Generalmusikdirektor Axel Kober hat die musikalische Leitung und übergibt den Stab im November an Marie Jacquot, die neue Erste Kapellmeisterin der Deutschen Oper am Rhein. Die Titelpartien gestalten Ramona Zaharia (Dalila) und Michael Weinius (Samson).

Vor dem historischen Hintergrund des englischen Bürgerkriegs entspinnen sich die dramatischen Liebes­ver­wicklungen in Vinzenzo Bellinis Oper „I puritani“, die am 18. Dezember im Opernhaus Düsseldorf Premiere feiert. In seiner zweiten Regiearbeit für die Deutsche Oper am Rhein widmet sich Rolando Villazón nach Doni­zettis „Don Pasquale“ erneut einem Klassiker des Belcanto. Antonino Fogliani hat die musikalische Leitung. Adela Zaharia, die in dieser Spielzeit als Maria Stuarda und Violetta Valéry gefeiert wurde, debütiert als Elvira in einer weiteren wichtigen Partie des Belcanto-Fachs. Ioan Hotea gastiert als Lord Arturo Talbot in Düsseldorf.

Als beste Nachwuchskünstlerin 2015 mit dem International Opera Award ausgezeichnet, ist Lotte de Beer heute europa­weit als Regisseurin gefragt. Mit Georg-Friedrich Händels Zauberoper „Alcina“ präsentiert die Niederländerin am 14. Februar im Opernhaus Düsseldorf ihre erste Inszenierung für die Deutsche Oper am Rhein. Den zeittypischen Orchesterklang entwickeln die Barockspezialisten der Neuen Düsseldorfer Hofmusik unter Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober. Rollendebüts geben Jacquelyn Wagner als Alcina, Maria Kataeva als Ruggiero und Elena Sancho Pereg als Morgana. Wallis Giunta gastiert als Bradamante.

Als vierte Neuproduktion im Opernhaus Düsseldorf und Koproduktion mit der Opera Vlaanderen hat Giuseppe Verdis „Macbeth“ am 29. Mai Premiere. Der Regisseur Michael Thalheimer entwickelt seine Inszenierung aus den innersten Triebkräften der Figuren und knüpft mit Boris Statsenko (Macbeth) und Liana Aleksanyan (Lady Macbeth) an seine ein­dring­liche Interpretation von Verdis „Otello“ an. Unter musikalischer Leitung von Axel Kober wird „Macbeth“ 2020 auch live gestreamt auf www.operavision.eu.

Als Glanzstück der Wiener Operette feiert „Die Fledermaus“ von Johann Strauß am 25. Januar im Opernhaus Premiere. Nach dem Premierenerfolg in Duisburg setzt Axel Köhler das quirlige Ensemblestück nun in Düsseldorf in Szene: Norbert Ernst ist Gabriel von Eisenstein, Anke Krabbe seine Frau Rosalinde, Thorsten Grümbel spielt den Gefängnisdirektor, die Düsseldorfer Schauspiel-Legende Wolfgang Reinbacher den Frosch. Benjamin Reiners dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker.

Im Theater Duisburg wird die Spielzeit 2019/20 am 28. September mit der Premiere von Peter Iljitsch Tschaikowskys „Pique Dame“ eröffnet. In der Inszenierung der amerikanischen Regisseurin Lydia Steier feiert das opulente Außenseiterdrama zunächst am 25. Mai 2019 in Düsseldorf Premiere und kommt vier Monate später in der neuen Sängerbesetzung mit Sergej Khomov als Hermann, Sarah Ferede als Lisa und Renée Morloc als Gräfin in Duisburg auf die Bühne. Aziz Shokhakimov hat die musikalische Leitung.

Das Künstlertum ist Thema in Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“, die am 8. Novem­ber in der Neuinsze­nie­rung von Philipp Westerbarkei in Duisburg herauskommt. Antonino Fogliani übernimmt die musikalische Leitung der ersten Neupro­duk­tion im Theater Duisburg, an der Liana Aleksanyan als Mimí, Ovidiu Purcel als Rodolfo und Bogdan Baciu als Marcello mitwirken.

Neben seiner Tätigkeit als Spielleiter bekam Philipp Westerbarkei in der Spielzeit 2018/19 Gelegenheit zu seiner ersten großen Inszenierung am eigenen Haus: Charles Gounods Shakespeare-Adaption „Roméo et Juliette“ läuft aktuell in Düsseldorf und feiert am 1. Februar mit neuer Sängerbesetzung Premiere in Duisburg. Gustavo di Gennaro (Roméo) und Sylvia Hamvasi (Juliette) gestalten die beiden Hauptpartien, Marie Jacquot dirigiert die Duisburger Philharmoniker.

Nachwuchsförderung ist ein wichtiges Thema an der Deutschen Oper am Rhein. Auf der Plattform Regie „Young Directors“ stellen sich am 19. April im Theater Duisburg zwei Spielleiterinnen mit eigenen Produktionen vor: Esther Mertel führt mit Georg Friedrich Händels Oratorium „Der Triumph der Zeit und der Desillusion“ in die Welt des römischen Barock, während Ilaria Lanzino ein Werk des 20. Jahrhunderts inszeniert: Viktor Ullmann schrieb seine Oper „Der Kaiser von Atlantis“ 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt als Allegorie auf die politischen Verhältnisse. Die musikalische Leitung der beiden Einakter übernehmen mit Jason Tran und Jesse Wong zwei junge Dirigenten aus dem Ensemble.

In 19 weiteren Opern aus dem großen Repertoire sind die profilierten Sängerinnen und Sänger aus dem eigenen Ensemble und Gastsolisten aus aller Welt zu erleben. So kehren nach langer Zeit „Salome“ von Richard Strauss (6. März) und Gaetano Donizettis  „La Fille du Régiment“ (27. März) auf die Düsseldorfer Bühne zurück – mit Rollendebüts von Agneta Eichenholz  als Salome und Elena Sancho Pereg als charmante Soldatenbraut. Der neu inszenierte „Ring des Nibelungen“ kommt als Zyklus sowohl im Theater Duisburg (12. –17. November) als auch im Opernhaus Düsseldorf (7. – 13. April) zur Aufführung.


Junge Oper am Rhein

Gruselig, lustig und fesselnd liest sich Cornelia Funkes Internatsgeschichte „Geisterritter“, die in der Vertonung von James Reynolds auch das Opernpublikum begeistert. Inszeniert von Eric Petersen und uraufge­führt am Theater Bonn, feiert die neueste Familienoper im Rahmen der Kooperation „Junge Opern Rhein-Ruhr“ am 20. September, zum Start in die neue Saison, in Düsseldorf Premiere. Patrick Francis Chestnut hat die musikalische Leitung. Nach erfolgreichen Aufführungen an der Deutschen Oper am Rhein, in Dortmund und Bonn kehrt „Ronja Räubertochter“, Jörn Arneckes Familienoper nach dem Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren, ins Theater Duisburg zurück. Aus guter Tradition kommt Engelbert Humperdincks Familien­klassiker „Hänsel und Gretel“ auf die Bühnen beider Städte. Seine Inszenierung – die älteste im Repertoire der Deutschen Oper am Rhein – wird in dieser Spielzeit 50 Jahre alt!

Ganz nah am Bühnengeschehen sind Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter bei der mobilen Produktion „Nils Karlsson Däumling“, dem Musiktheater „Gold!“ und der „Zauberflöte für Kinder“. Mitmach-Angebote wie der Kinderchor am Rhein und das Mitsing-Projekt „Musik verbindet“, künstlerisch-praktische Projekte wie „Opernmacher 2.0“ und „Musiktheater im Labor“ sowie die intensive Vermitt­lungs­arbeit der Jungen Oper am Rhein ermöglichen jungen Menschen zwischen 4 und 28 Jahren vielfältige Zugänge zu Oper und Ballett.


Ballett am Rhein

Die letzte Spielzeit unter der künstlerischen Direktion von Martin Schläpfer ist in vielerlei Hinsicht dem Schaffen des Schweizer Künstlers gewidmet. Sie bietet zahlreiche Gelegenheiten, das Ballett am Rhein noch einmal in ausge­wählten Schläpfer-Choreographien zu erleben: Mit „Schwanensee“, „Reformations­sym­phonie“, „Ramifications“, „Streichquartett“, „Ulenspiegeltänze“ und „7“ stehen allein sechs Reprisen seiner Stücke auf dem Spielplan. Den Auftakt macht ab 3. Oktober im Opernhaus Düsseldorf und ab 6. Dezember im Theater Duisburg Martin Schläpfers jüngstes Erfolgsstück „Schwanensee“.

Aber auch eine Uraufführung präsentiert Martin Schläpfer. Im Programm b.41, das ab 23. November im Düsseldorfer Opernhaus zu erleben ist, formuliert er in „Cellokonzert“ tänzerische Antworten auf Dmitiri Schostakowitschs Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 g-Moll op.126. Den Auftakt des vierteiligen Programms macht Ji?í Kyliáns „Forgotten Land“, ein Stück über Untergang und Verlust von Heimat, das der tschechische Künstler 1981 im Auftrag von Marcia Haydée für das Stuttgarter Ballett geschaffen hat. Mit Martha Grahams Solo „Lamentation“ und „Steps in the Street“ zeigt das Ballett am Rhein erstmals zwei Werke der Grande Dame des American Modern Dance, die mit ihrer Tanztechnik seit den späten 1920er Jahren die Ästhetik des Bühnen­tanzes revolutionierte. Die musikalische Leitung des Programms b.41 haben GMD Axel Kober sowie Wen-Pin Chien.

Eine weitere Uraufführung kreiert Ballettdirektor Remus ?uchean?: „Symphonic Poem“ zur Komposition „Metacosmos“ von Anna Thorvaldsdottir heißt sein neues Ballett, in dem er sich von den Musik gewordenen Kraftfeldern der Isländerin inspirieren lässt. ?uchean?s Uraufführung steht im Zentrum des Programms b.42, das mit „Square Dance“ außerdem eine selten zu sehende, tänzerisch höchst anspruchsvolle Balanchine-Einstudierung präsentiert. Erstmals seit 2012 wieder mit dem Ballett am Rhein zu erleben ist Martin Schläpfers „Reformationssymphonie“ zur gleichnamigen Komposition von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die gefeierte Choreographie bildet den Schlusspunkt des Programms b.42, das ab 10. Januar unter der musikalischen Leitung von Martin Braun im Theater Duisburg auf die Bühne kommt.

Der kanadische Choreograph Robert Binet, der mit seiner Uraufführung „New World“ im November letzten Jahres das Publikum für sich eingenommen hat, zeigt im Programm b.43 mit „Dark with Excessive Bright“ ein neues Stück zu drei Kompositionen der Grammy Award-nominierten Amerikanerin Missy Mazzoli. Mit „Notations I–IV“ und „Siebte Sinfonie“ nimmt das Ballett am Rhein zum ersten Mal seit 2002 Choreographien von Uwe Scholz ins Repertoire auf. Einen filigranen Gegenpart zu Scholz‘ Solo „Notations I–IV“ bildet das 2005 für die Ballerina Marlúcia do Amaral kreierte Solo „Ramifications“ von Martin Schläpfer. Es komplettiert das Programm b.43, das ab 13. März in Düsseldorf unter der musikalischen Leitung von Finnegan Downie Dear und ab 4. April in Duisburg unter dem Dirigat von Stefan Klingele zu sehen ist.

Mit dem 1992 für das New York City Ballet kreierten „Herman Schmerman“ präsentiert das Ballett am Rhein erneut ein Stück von William Forsythe. In Kostümen des Designers Gianni Versace nehmen die Tänzerinnen und Tänzer das Publikum mit auf ein Tanzabenteuer, über das Forsythe scherzte, es habe genauso wenig zu bedeuten wie sein Titel, sondern sei einfach ein Stück über das Tanzen, das sehr viel Spaß macht. Nicht fehlen darf ein Stück von Hans van Manen – mit „Short Cut“ zeigt das Ballett am Rhein eine Choreographie des Meisters, die er 1999 für das Nederlands Dans Theater in Den Haag geschaffen hat. Für sein „Streichquartett“ zur Musik von Witold Lutos?awski erhielt Martin Schläpfer 2007 den als Oskar der Tanzwelt begehrten Prix Benois de la Danse. Als Finale des Programms b.44 ist dieses zentrale Werk ab 9. Mai erneut mit dem Ballett am Rhein zu erleben.

Zum Ende der Spielzeit 2019/20 heißt es Abschied nehmen von Martin Schläpfer. b.ye heißt deshalb das letzte Programm der Ära Schläpfer. Es schließt sich der 44-teiligen b-Reihe an, die bis dahin unter seiner künstlerischen Direktion für Düsseldorf und Duisburg entstanden ist. Mit einer Ballett-Gala, bei der neben Werken von Weggefährten auch Schläpfers „Ulenspiegeltänze“ zu erleben sind, einer exklusiven Reprise seines Gustav Mahler Balletts „7“ sowie einer letzten Vorstellung von „Schwanensee“ feiert das Ballett am Rhein vom 24.  bis zum 28. Juni 2020 Martin Schläpfer und dessen Kunst, bevor er sich als Direktor dem Wiener Staats­ballett und der Wiener Ballettakademie widmet.


Ballettgastspiele 2019/20: Japan, Österreich und NRW

Auch an anderen Spielstätten präsentiert das Ballett am Rhein wieder Ausschnitte aus seinem vielschichtigen Repertoire: Die weiteste Reise macht in der kommenden Spielzeit Martin Schläpfers „Schwanensee“, den die Compagnie im September 2019 sowohl in Tokyo als auch in Osaka auf die Bühne bringt. Unter der musikali­schen Leitung von Motonori Kobayashi werden die Tänzerinnen und Tänzer vom Theater Orchestra Tokyo sowie vom Osaka Symphony Orchestra begleitet. Eine weitere Bühne für Martin Schläpfers „Schwanensee“ ist im März 2020 die des Festspielhauses St. Pölten, wo das Tonkünstler Orchester Niederösterreich unter der Leitung von Axel Kober den musikalischen Part übernimmt. Beim Festival „Highlights des Internationalen Tanzes Oper Bonn“ schließlich zeigt das Ballett am Rhein im Mai 2020 „Streichquartett“ und „Ulenspiegeltänze“ von Martin Schläpfer sowie „Herman Schmerman“ von William Forsythe.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Roméo et Juliette – Charles Gounod, IOCO Kritik, 09.04.2019

April 9, 2019 by  
Filed under Deutsche Oper am Rhein, Hervorheben, Kritiken, Oper

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Roméo et Juliette – Charles Gounod

– Love is a losing game –

von Albrecht Schneider

Liebe bedarf zu ihrer Offenlegung der Zeichen. Seien es Worte, gesprochene oder geschriebene, seien es Bilder, wie das von Amors Pfeil durchbohrte Herz, oder die Musik. Mit ihr und in ihr findet die Liebe wohl den reinsten Ausdruck. Gewiss sind innige wie feurige Briefe und Verse Meldungen liebender Seelen; allein ist es nicht letztlich doch der Gesang, welcher als flammende wie leidende Herzensergießung das allmächtige Gefühl am wahrhaftigsten zu offenbaren vermag?

In der bürgerlichen Welt wird die Liebe vom Standesbeamten besiegelt, im Mythos vom Tod. Bei ihm bedient sich gern die dramatische Oper; Tristan und Isolde, Aida und Radames, ja und Romeo und Julia, sie sind die eben todtraurigen Erzählungen von der Ausweglosigkeit eines dauernden Miteinander zweier Liebenden, die mit dem erzwungenen Verzicht auf die Liebeserfüllung freiwillig auch auf das Leben verzichten.

Roméo et Juliette – Charles Gounod
youtube Trailer der Deutschen Oper am Rhein
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Nach Vertonung schreit geradezu die gefühlssatte Historie des Veroneser Liebespaares. Dessen bitterschokoladesüße Beziehung im Niemandsland zwischen den Familienfronten der Todfeinde Capulet und Montague, ein von Lerchen- und Nachtigallengesang tönendes Verona, Julias Haus samt Balkon im Mondenschein, und endlich eine düstere Krypta mit dem unselig-seligen Ende der beiden Unglücklichen, das hat Charles Gounod, 1818 – 1893, zu einer wahren Gesangsoper angestiftet. Sie schildert, bar der großen Tableaus eines Meyerbeer oder Spontini und mit nur wenigen hochdramatischen Szenen, lyrisch wie leidenschaftlich in Arien, Kavatinen, vier Liebesduetten und Chören die Amour fou sowie die Gemütsverfassungen ihrer Protagonisten. Die fünf Akte sind höchst melodisch und demnach für kleine wie große Ohren eingängig komponiert, weswegen sie hierzulande bei einigen hochbildungsbürgerlichen Puristen unter Kitschverdacht steht.

Wie leicht – nicht seicht! – und elegant die Komposition dem Franzosen gedieh, das hört man die ganze Zeit über: sie prä-sentiert sich ohne Schwulst und ohne jeden, bei germani-schem Publikum gern als Wert gehandelten, flachen Tiefsinn. In unserem Nachbarland sind Roméo und Juliette ein hochgeschätztes wie beliebtes Werk. Das von Gounods Nachfahre und Kollege Eric Satie in anderem Zusammenhang geäußerte Bonmot über den älteren Tonsetzer träfe auch hier durchaus zu: Eine sauerkrautlose Musik.

Deutsche Oper am Rhein / Romeo et Juliette - hier : Maria Boiko als Stephano, Ovidiu Purcel als Romeo, Bogdan Baciu als Mercutio © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Romeo et Juliette – hier : Maria Boiko als Stephano, Ovidiu Purcel als Romeo, Bogdan Baciu als Mercutio © Hans Joerg Michel

Was also gibt’s zu gucken und zu hören, wenn ein junger Regisseur (Philipp Westerbarkei) das aus dem Geist der französischen Romanik komponierte alte Märchen ins 21. Jahrhundert holen will? Nun, der Haken oder die Crux bei seinem Unternehmen ist schlichtweg die Macht des Mythos Romeo und Julia; denn der ist als Urbild idealer Liebe eingraviert in unsere Köpfe, und, anders in Szene gesetzt, sollte er sich schon faszinierend wie einleuchtend darbieten, damit sich das Rührstück, wovon hier in wohlwollendem Sinn zu sprechen erlaubt ist, zu einer zeitnahen überzeugende musikalische Erzählung wandelt. Leonard Bernsteins West Side Story beruht unbestritten auf einem gelungenen Aneignen des klassischen Stoffs. Dessen Verlagerung indessen aus einem legendären Raum in einen prosaischen der Neuzeit kann auch Entzauberung heißen. Übrig bleibt dann lediglich die Idee von einer Liebe schlechthin.

Auf der Bühne der Rheinoper besteht der Ort des Geschehens permanent aus einem schwarzen Kubus, einem dunklen klaustrophobischen Gehäuse, das heutzutage die Regie gern verwendet als eine Bildmetapher des Eingesperrtseins in Konvention, Gesellschaft, das eigene Ich oder wo auch immer. Dort sind Roméo et Juliette, im Jargon formuliert, keine heurigen Hasen mehr, durchrast vom ersten Sturm der Gefühle: sie sind Mann und Frau mit Erfahrung in Sachen Geschlechterbeziehung. Auf dem Ball im Hause Capulet finden sie Gefallen aneinander, und alsbald zeigt sich, wie heikel das Verhältnis geraten wird: ihr Auftritt in einer die Figur betonende Silberrobe der Hautcouture, seiner simpelst in Hemd und Hose mit Hosenträgern. Die Distanz der Milieus und die darin lauernde Gefährdung des Zueinanderwollens, und erst recht die des Zusammenseins, deutet sich an. Der Chor der Festgäste kommentiert und markiert zugleich die äußeren Vorgänge wie jene in den Köpfen der Figuren. Auseinanderstrebend, sich neu gliedernd, wirkt er als eine bildhafte Umsetzung dessen, was real geschieht und zu geschehen droht. Derlei Aktionen durchziehen die gesamte Aufführung. Die Gründungsakte des Dramas ist bildlich und musikalisch schlüssig formuliert. Nein, heute Abend spielt sich hier gewiss keine Herzschmerzgeschichte ab.

Deutsche Oper am Rhein / Romeo et Juliette - hier : Luiza Fatyol als Juliette, Michael Kraus als Capulet © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Romeo et Juliette – hier : Luiza Fatyol als Juliette, Michael Kraus als Capulet © Hans Joerg Michel

Die Süße wurden ihm ausdestilliert, allein die Musik besitzt sie nach wie vor. Mit ihrer schwelgerischen Melodik und Harmonik steht sie der Ablösung einer dramatischen Liebesgeschichte zweier reinen Seelen durch den Konflikt einer bornierten Gesellschaft mit zwei zwar mündigen, nur zur eigenen Emanzipation nicht fähigen Mitgliedern eigentlich im Wege. Ein Gefühl von Unvereinbarkeit, das bei mancher befremdenden Szene anfangs den Besucher beschleicht, weicht nach und nach der Einsicht von der Stimmigkeit von Bild, Geste und Gesang.

Es ist mehr denn ein hübscher Einfall der Regie, wenn in der hiesigen Aufführung während der Aktwechsel und vor dem geschlossenen Vorhang ein sehr jugendliches Liebespaar, untermalt von tönendem Herzpochen, pantomimisch das Hin und Weg, das Ja und Nein der klassischen zwei Figuren temperamentvoll imitiert.

Julietta Statue in Verona © IOCO

Giulietta Statue in Verona © IOCO

Juliette posiert oben auf einem Turm zusammengestellter Kneipenstühle, Roméos Liebesbeteuerungen tönen zu ihr hinauf, die ihren zu ihm hinab (Balkonszene?) Beide eingerahmt von den schwarzen Wänden, Dunkelheit liegt über Verona. Gounods Oper ist auch eine der Nacht, dabei belässt es die neue Deutung.

Im dritten Akt, nach der abermals in Düsternis vollzogenen heimlichen Trauung, erklimmt die Frau ein Felsklotz-ähnliches Objekt, welches bislang wie ein schwarzes Ungetüm im Hintergrund wartete. Der Mann steigt ihr nach! Oben singen sich beide ihr Glück von der Seele, es ist der Höhepunkt der Zweisamkeit und zugleich die Peripetie des Dramas: nunmehr kann es nur abwärts gehen, der Sturz ist zu ahnen. Es sind zwei bizarre, fatale Szenarien, deren letzte in gegenseitigem Erstechen ihrer Anhänger mündet.

Eine Gesellschaft, die ihre Konflikte mit dem Messer bewältigt, leidet keine Individuen, die sich ihren rigiden Manieren entziehen wollen. Für Juliette bietet die Liebe eine Chance des Entkommens aus dem im Kult des Hasses erstarrten orthodoxen Familienclan und mithin auch Rettung vor der angesagten Verheiratung mit der Bella Figura Paris. Roméo ist für die Frau das Versprechen für ein Leben im Irgendwo, jedenfalls fern der Veroneser Realität. „Je veux vivre“ hatte sie schon früh gesungen. Allein der Mann verliert sich im Gefühl, er ist ein Liebender im Rausch, kein Verständiger für das Verlangen der Geliebten. Der Ruin einer von Vornherein zukunftslosen Verbindung ist unabwendbar.

Das Finale, den fünften Akt, in der Originalversion das Sterben des Paares an Gift und durch Dolch oder letztlich an der Unmöglichkeit der Liebe, entwirft der Regisseur als zwischen Wirklichkeit, Traum und Vision changierend Sequenzen. Im ersten Akt noch scheint der feinen Dame aus dem Hause Capulet, vorgestellt als die einer obsoleten Tradition ausgelieferte Tochter, doch süchtig nach Trennung, kraft der Liebe eine temporäre Befreiung zu glücken. Symbolisiert wird die Tat, indem sie jetzt aus ihrer Silberglitzerrobe steigt, um dann im Untergewand sich sichtlich hilflos gegenüber der ungewohnten Freiheit zu fühlen. Bloß ist Mann in dem Moment nicht an ihrer Seite.

Deutsche Oper am Rhein / Romeo et Juliette - hier : Ovidiu Purcel als Roméo, Luiza Fatyol als Juliette © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Romeo et Juliette – hier : Ovidiu Purcel als Roméo, Luiza Fatyol als Juliette © Hans Joerg Michel

Das autonome Atmen währt nicht lange. Der Geist ihres von Roméo erstochenen Cousins Tybalt zwängt sie in das Braut-kleid, der familiäre Kodex beharrt auf der Heirat mit Paris, das Drama ist wieder dort angelangt, von wo aus es seinen Anfang nahm. Indessen der verzweifelnde Roméo wohl weniger an dem eingenommenen Gift, denn an einer Überdosis Liebe dahinscheidet, entschwindet die wirkliche, die halluzinierte oder der Geist der toten Juliette im Bühnenhintergrund. Und wohin weiter? Zum Traualtar? Ins Grab? Oder in den Mythos ?

Die großen Liebenden brauchen ihr Unglück zur Unsterblichkeit. Sonst wird sie ihnen nicht zuteil. Seine verdankt das Paar aus Verona dem Drama Shakespeares. Des Stoffs hat man sich vielfach bedient: von West Side Story war bereits die Rede, besonders erwähnenswert sind Berlioz’ Sinfonie, Tschaikowskis Phantasieouvertüre und Prokofievs Ballett. Vermöge des vornehmlich tänzerischen wie gestischen Charakters eines Tanzpoems, im Zwanzigsten Jahrhundert komponiert, verheißt dessen Choreografie eher Erfolg denn eine lyrisch sentimentale Oper aus dem Neunzehnten, die dem Publikum als ein ganz und gar aktuelles Theaterstück angeboten werden soll.

Regisseur Philipp Westerbarkei hat sich in Düsseldorf der wahrlich nicht einfachen Aufgabe unterzogen, und gemeinsam mit der Dramaturgin Anne de Paco, der Bühnen-bildnerin Tatjana Ivschina und dem Lichtkünstler Volker Weinhart eine gegenwartsnahe und damit zwangsläufig wenig poetische, doch zumeist fesselnde, gelegentlich eigenwillige und niemals langweilende Inszenierung auf die Bühne gestellt.

Luiza Fatyols Stimme kennt Lust, Pein und Angst, durch alle Register hindurch singt sie makellos eine Juliette der divergierenden Gefühle. Diese Partie dünkt ihr wie auf den Leib geschrieben worden zu sein, ein Eindruck, den ihre Erscheinung bestätigt. Dem Roméo (Ovidiu Purcel) platzt schier die Brust vor lauter Liebesgefühl, nicht mit Schmelz, mit Verve attackiert sein Tenor der Liebsten Herz, ein hitziger Lover, dessen Gesang bis zum und selbst im Sterben nicht schwächelt.
Gounod hat die Nebenfiguren mit Musik nicht vernachlässigt, Tybalt (Ibrahim Yesilay) darf als capuletbesessener Familien-mensch so aggressiv tönen wie Montaguefreund Mercutio (Bogdan Baciu) con Allegro die Ballade von der Fee Mab vortragen. Bruder Laurent (Bogdan Talos) traut das Paar und klärt es mit balsamischem Bass über die Ehe auf. Der alte Capulet (Michael Kraus) begrüßt anfangs gutgestimmt seine Gäste wie er später gleich sonor den Totschlag des Neffen bejammert, indessen Roméos Begleiter Stephano (Hosenrolle Maria Boiko) keck sein/ihr Liedchen von der Taube zwitschert.

Zur gleichen Zeit hob sich am Anfang des Abends der Vorhang, setzte die Ouvertüre ein und zeigte sich der Chor (Ltg. Gerhard Michalski). Nach deren Schluss kündete er, gleich-sam als ein historisches Gedächtnis der Stadt Verona, von einer an der Feindschaft der Capulet und Montague zerbrechenden Liebe. Entlang der ganzen Aufführung haben dessen Sängerinnen und Sänger neben der Stimme auch mit dem Körper zu agieren und zu akzentuieren. Beide Aufgaben erledigen sie wie gewohnt perfekt.
Die Düsseldorfer Sinfoniker bereiten den Solisten und dem Chor einen Klangteppich aus, auf dem alle durch die Partitur fliegen, gleiten, torkeln und stürzen können. Die Musik ist ja eine voller Esprit, Dolcezza und Sentiment; dem Dirigenten David Crescenci eignet genügend Italianità, um das alles zum Hören zu bringen. Manche Bläserkantilene umrankt so blühend den Gesang wie wohl einst die Bouganvillea den Balkon der Signorina Julia.
Love is a losing game lautet die letzte Einblendung auf den gefallenen Vorhang. Wer verliert? Sie? Er? Beide? Gar die Liebe selbst?

Dem großen Beifall nach hat dies Spiel dem Publikum sehr gefallen

Roméo et Juliette an der Rheinoper, die weiteren Termine dieser Spielzeit 18.4.; 24.4.; 27.4.; 11.5.; 18.5.; 26.5.2019

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Roméo et Juliette – Charles Gounod, 30.03.2019

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein für alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Roméo et Juliette  – Charles Gounod

Mit der Neuinszenierung von Roméo et Juliette kommt am 30. März, 19.30 Uhr im Opernhaus Düsseldorf die klassischste aller tragischen Liebesgeschichten auf die Bühne. Charles Gounod schuf mit seiner Adaption der berühmten Shakespeare-Tragödie ein faszinierendes Stück voller berührender Gesangsszenen, Poesie und Leidenschaft, aber auch großer Dramatik. David Crescenzi dirigiert das Meisterwerk der französischen Romantik mit Luiza Fatyol als Juliette und Ovidiu Purcel als Roméo an der Spitze des großen Sängerensembles.

Deutsche Oper am Rhein / Roméo et Juliette – Ovidiu Purcel und Luiza Fatyol © Max Brunnert

Sie ist die klassischste aller tragischen Liebesgeschichten. Eine Achterbahnfahrt der Gefühle zweier Menschen, die sich voller Leidenschaft verlieben und in einen tödlichen Strudel gerissen werden, denn ihre Familien sind zutiefst zerstritten. Auf beiden Seiten herrscht Gewalt. Begegnungen – seien sie gewollt oder ungewollt – fordern Verletzte und Tote. „Dein Name einzig ist mein Feind …, Romeo, leg ihn ab“, lasst Shakespeare seine Julia flehen. Doch die Katastrophe ist nicht aufzuhalten und endet mit dem Tod der beiden, der umso tragischer ist, als er auch noch auf einem Missverständnis beruht.

 Julia in Verona  im Casa di Guiletta © IOCO

Julia in Verona im Casa di Guiletta © IOCO

Philipp Westerbarkei präsentiert mit Roméo et Juliette seine erste große Operninszenierung am eigenen Haus. In der Geschichte sieht er eine Tragödie, aber auch eine Sinnsuche nach der Liebe, dem eigenen Plan im Leben, der verlorenen Unschuld und die Jagd der Gesellschaft auf alle, die sich nicht unterordnen wollen. Zusammen mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Tatjana Ivschina setzte er an der Deutschen Oper am Rhein bereits Bernsteins Trouble in Tahiti und die Familienoper Wo die wilden Kerle wohnen in Szene.


Opernwerkstatt vor der Premiere: Im Gespräch mit dem Produktionsteam gibt die Dramaturgin Anne do Paço am Montag, 25. März, um 18.00 Uhr im Opernhaus Düsseldorf Informationen zum Stück und seiner Inszenierung. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Probenbesuch. Der Eintritt ist frei.

Romeo et Juliette – Aufführungen im Opernhaus Düsseldorf

Sa 30.03. – 19.30 Uhr (Premiere) / Sa 06.04. – 19.30 Uhr / Do 18.04. – 19.30 Uhr / Mi 24.04. – 19.30 Uhr /  Sa 27.04. – 19.30 Uhr / Sa 11.05. – 19.30 Uhr / Sa 18.05. – 19.30 Uhr / So 26.05. – 18.30 Uhr

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Nächste Seite »