Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Geisterritter – Jugendoper, 19.06.2019

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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

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 Geisterritter – Jugendoper von James Reynolds

Geisterritter hat am Mittwoch, 19. Juni, 11.00 Uhr Premiere im Theater Duisburg. „Wir sind sehr froh, die neue Familienoper nach dem großen Wasserschaden wie geplant im Theater Duisburg realisieren zu können“, sagt Generalintendant Christoph Meyer.

Deutsche Oper am Rhein / GEISTERRITTER - OPER VON JAMES REYNOLDS Uraufführung im Theater Bonn - David Fischer (Jon Whitcroft), Martin Tzonev (Mr. Rifkin), Ensemble © Thilo Beu

Deutsche Oper am Rhein / GEISTERRITTER – OPER VON JAMES REYNOLDS
Uraufführung im Theater Bonn – David Fischer (Jon Whitcroft), Martin Tzonev (Mr. Rifkin), Ensemble © Thilo Beu

Die Jugendoper von James Reynolds ist die erste nach einem Kinderbuch von Cornelia Funke. Für die  Kooperation Junge Opern Rhein Ruhr autorisierte sie die Vertonung ihres 2011 erschienenen Beststellers. Erik Petersen hat Geisterritter als großformatiges Bühnenwerk inszeniert, das im Dezember 2017 am Theater Bonn uraufgeführt wurde. Unter der musikalischen Leitung von Patrick Francis Chestnut kommt es am 19. Juni zur Premiere im Theater Duisburg, bevor es in den folgenden Spielzeiten auch im Opernhaus Düssel­dorf und im Theater Dortmund zu erleben ist.

Die Geschichte, empfohlen ab 10 Jahren, ist zum Gruseln: Kaum ist Jon Whitcroft unfreiwillig in ein alt­ehrwürdiges Internat in Salisbury eingezogen, trachtet ihm dort der Geist von Lord Stourton nach dem Leben. Seine Mitschüler, die den Geist nicht sehen können, halten ihn für verrückt, nur seine Klassenkamera­din Ella glaubt ihm. Gemeinsam mit Ellas eigenwilliger Großmutter Zelda und der zum Leben erwachten Statue des Ritters William Longspee nimmt Jon den Kampf mit seinem untoten Gegner auf …

Geisterritter,  Oper von  James Reynolds  nach dem Roman von Cornelia Funke. Auftragskomposition mit einem Libretto von Christoph Klimke. In deutscher Sprache mit Übertiteln. Dauer ca. 2 Stunden, eine Pause. Empfohlen ab 10 Jahren.

Musikalische Leitung: Patrick Francis Chestnut, Inszenierung: Erik Petersen, Bühne: fettFilm, Kostüme: Kristopher Kempf, Licht: Thomas Roscher, Choreographie: Yara, Hassan, Chorleitung: Patrick Francis Chestnut, Kinderchorleitung: Sabina López Miguez

Jon Whitcroft: David Fischer / Cornel Frey, Ella Littlejohn: Monika Rydz / Anke Krabbe, Zelda Littlejohn: Karina Repova, William Longspee: David Jerusalem, Lord Stourton: Bernhard Landauer, Mr. Rifkin: Rolf A. Schneider, Angus: Dmitri Vargin, Stu: Luis Fernando Piedra, Ela Longspee: Lisa Griffith, Aleister Jindrich: Johannes Preißinger, Edward Popplewell: Peter Nikolaus Kante, Alma Popplewell: Romana Noack
1. Kröte: Cedric Sprick, Chor: Chor der Deutschen Oper am Rhein, Kinderchor: Kinderchor am Rhein, Orchester: Duisburger Philharmoniker

Aufführungen im Theater Duisburg:
für Schulklassen: Mi 19.06. / Di 02.07. / Di 09.07. / Mi 10.07. – jeweils 11.00 Uhr
für Familien: Sa 22.06. – 18.00 Uhr / So 07.07. – 15.00 Uhr
Premiere im Opernhaus Düsseldorf: Fr 20.09. – 18.00 Uhr

Familienopernwerkstatt vor der Premiere:  Am Freitag, 14. Juni, um 18.00 Uhr gibt die  Junge Oper am Rhein zusammen mit beteiligten Künstlerinnen und Künstlern Einblick in die Produktion. Szenisches Spielen und Musizieren und der anschließende Probenbesuch ergänzen das Programm der Familienopernwerkstatt im Theater Duisburg. Der Eintritt ist frei.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Petruschka – L’Enfant et les Sortilèges, 13.10.2018

September 13, 2018 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

  Petruschka –  L’Enfant et les Sortilèges

Premieren im Theater Duisburg

Mit ihrer einzigartigen Mischung aus animiertem Leinwandzauber und Musiktheater hat sich die britische Theatergruppe 1927 längst weltweit einen Namen gemacht. Nach ihrem Sensationserfolg mit Mozarts Die Zauberflöte präsentieren Suzanne Andrade, Esme  Appleton und Paul Barrit einen bewegten Doppelabend: Wir laden Sie herzlich ein, am Samstag, 13. Oktober, um 19.30 Uhr im Theater Duisburg die in Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin entstandene Neuinterpretation von Igor Strawinskys Petruschka und Maurice Ravels Kurzoper L’Enfant et les Sortilèges zu erleben.

Wie in einem zum Leben erweckten Bilderbuch verschmelzen auf der Bühne Orchesterklang und Gesang mit Darstellern und Animationen. In Strawinskys als Ballett und Konzertstück bekannter Burlesque Petruschka kommt mit Akrobatik im Stil des Cirque du Soleil eine weitere Dimension ins Spiel.

Unter der musikalischen Leitung von Lukas Beikircher sind in der Premiere von L’Enfant et les Sortilèges Maria Kataeva, Marta Márquez, Romana Noack, Julia Sitkovetsky mit weiteren Gästen und Mitgliedern des Ensembles zu erleben. Es singen überdies der Chor der Deutschen Oper am Rhein sowie der Kinderchor am Rhein, es spielen die Duisburger Philharmoniker.


PETRUSCHKA  –  Igor Strawinsky
Nach der Kult-Inszenierung von Mozarts Zauberflöte, die weltweit bejubelt wurde und auch in Düsseldorf und Duisburg ein begeistertes Publikum fand, gibt es eine neue Begegnung mit der Theatertruppe „1927“ (Suzanne Andrade, Esme Appleton und Paul Barritt) und zwei Werken, die wie gemacht scheinen für die grenzenlose Fantasie der britischen Bilderzauberer und ihre einzigartige Kombination von Animation und live agierenden Darstellern. Sie verbinden zwei Werke, die ihren Ursprung im Paris des frühen 20. Jahrhunderts haben.

Igor Strawinskys  Petruschka wirft den Zuschauer mitten hinein ins ausgelassene, wilde Treiben eines Jahrmarkts, auf dem ein unheimlich wirkender Gaukler drei Puppen präsentiert, die er mit seiner Magie zum Leben erweckt: die verletzliche Akrobatin Ptitschka, den grobschlächtigen aber gutmütigen Muskelmann Patap und den tollpatschigen Clown Petruschka. Von ihrem sadistischen Meister fortwährend zur Schau gestellt und gequält, sehnen sich alle drei nach Freiheit, doch nur Petruschka gelingt schließlich die Flucht. Berauscht vom neuen Lebensgefühl stürzt er sich voller Neugier ins Jahrmarkt-Getümmel. Doch die Freiheit währt nicht lange …

Strawinskys als Ballett und Konzertstück bekannte Burlesque wird in einer scheinbar die Naturgesetze außer Kraft setzenden Kombination aus Animation und Akrobatik im Stil des Cirque du Soleil, zwischen Equilibristik, Luft- und Clownakrobatik erzählt. Bühne, Animationen, Klänge und Darsteller verschmelzen zu einem Live-Action-Cartoon mit Musik.

Burlesque in vier Szenen (1947)

MUSIKALISCHE LEITUNG : Lukas Beikircher / Marc Piollet, INSZENIERUNG : Suzanne Andrade / Esme Appleton, ANIMATIONEN : Paul Barritt, SZENISCHE EINSTUDIERUNG : Tobias Ribitzki, KONZEPTION : Esme Appleton, KONZEPTION : Suzanne Andrade / Paul Barritt, BÜHNE : Suzanne Andrade / Esme Appleton / Paul Barritt / Pia Leong, KOSTÜME : Katrin Kath / Paul Barritt / Esme Appleton / Suzanne Andrade, LICHT : Diego Leetz, DRAMATURGIE : Ulrich Lenz

PETRUSCHKA, DER CLOWN : Tiago Alexandre Fonseca, PTITSCHKA, DIE AKROBATIN : Pauliina Räsänen, PATAP, DER MUSKELMANN : Slava Volkov
ORCHESTER : Duisburger Philharmoniker / Düsseldorfer Symphoniker


L’ENFANT ET LES SORTILÈGES  –  Maurice Ravel
Weil er unartig und widerspenstig ist, muss das Kind in Maurice Ravels L’Enfant et les Sortilèges zur Strafe in seinem Zimmer bleiben. Wütend zerstört es die Zimmereinrichtung und quält seine Katze. „Ich bin böse und frei!“, ruft es triumphierend. Doch der Triumph währt nicht lange. Wie in einem bösen Albtraum werden die beschädigten Gegenstände – Sessel, Uhr, Teekanne oder Tapete – lebendig und rächen sich an ihrem Peiniger. Selbst die Natur und ihre Bewohner setzen dem Kind zu, das zu lernen beginnt, welche Konsequenzen die eigenen Taten nach sich ziehen. Als es schließlich Mitgefühl mit einem verletzten Eichhörnchen zeigt, endet der Spuk – vorerst …
In Ravels Werk verschmelzen Orchesterklang und Gesang mit Darstellern und Animationen und führen in den Bildwelten der Theatertruppe 1927 zu einem alle Sinne berauschenden Erlebnis.

Fantaisie lyrique in zwei Teilen (1925)
Text von Colette,  In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln

MUSIKALISCHE LEITUNG : Marc Piollet / Lukas Beikircher, INSZENIERUNG : Suzanne Andrade / Esme Appleton, ANIMATIONEN : Paul Barritt, KONZEPTION : Paul Barritt  / Suzanne Andrade / Esme Appleton, BÜHNE : Paul Barritt / Suzanne Andrade / Esme Appleton / Pia Leong, KOSTÜME : Paul Barritt / Suzanne Andrade / Esme Appleton  / Katrin Kath, LICHT : Diego Leetz, CHORLEITUNG : Patrick Francis Chestnut, KINDERCHORLEITUNG : Sabina López Miguez, DRAMATURGIE : Ulrich Lenz

DAS KIND : Maria Kataeva / Kimberley Boettger-Soller, DIE MUTTER / DIE TASSE / DIE LIBELLE : Marta Márquez, DER STUHL / DIE EULE : Romana Noack / Helena Günther, DIE SONNE / DIE PRINZESSIN : Julia Sitkovetsky / Elena Sancho Pereg, DIE WEISSE KATZE / DAS EICHHÖRNCHE : Anna Harvey, DIE NACHTIGALL : Julia Sitkovetsky / Elena Sancho Pereg, EINE SCHÄFERIN / DIE FLEDERMAUS : Helena Günther / Daria Muromskaia, EIN SCHÄFER : Maria Boiko / Cornelia Maria Orendi
DER SCHAUKELSTUHL / DER BAUM : Beniamin Pop, VATER ZEIT / DER SCHWARZE KATER : Dmitri Vargin, DR. MATHE / DIE TEEKANNE / DER FROSCH : Florian Simson / Cornel Frey, KIND (DOUBLE) : Kinga Szilágyi / Sara Blasco Gutiérrez
CHOR : Chor der Deutschen Oper am Rhein, KINDERCHOR : Kinderchor am Rhein / Akademie für Chor und Musiktheater
ORCHESTER : Duisburger Philharmoniker / Düsseldorfer Symphoniker


12.09. – 16.00 Uhr Spielzeiteröffnung im Opernhaus Düsseldorf: Vorprogramm für Kinder und Große – 18.00 Uhr Preview „Die Schneekönigin“ – Eintritt frei

14.09. – 17.30 Uhr Spielzeiteröffnung mit Kostümversteigerung im Theater Duisburg: Verdi spécial rund um „La traviata“ – 19.30 Uhr Giuseppe Verdi: „La traviata“ in der Inszenierung von Andreas Homoki

15.09. b.36 „Schwanensee“ von Martin Schläpfer zurück im Opernhaus Düsseldorf (ausverkauft)

20.09. Wolfgang Amadeus Mozart „Die Zauberflöte“ in der bildgewaltigen Inszenierung von Barrie Kosky und „1927“ zurück im Opernhaus Düsseldorf

21.09. Richard Strauss „Arabella“ in der Inszenierung von Tatjana Gürbaca zurück im Opernhaus Düsseldorf

23.09. Wolfgang Amadeus Mozart „Le nozze di Figaro“ in der Inszenierung von Michael Hampe zurück im Opernhaus Düsseldorf

28.09. BALLETTPREMIERE b.36 im Theater Duisburg: „Schwanensee“ von Martin Schläpfer

 

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Duisburg |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Petruschka und L’Enfant et les Sortilèges, 09.03.2018

Januar 29, 2018 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Petruschka und „L’Enfant et les Sortilèges

Die Bilder- und Bühnenzauberer der Zauberflöte mit neuem Programm:  „1927“ zeigt Igor Strawinskys Petruschka und Maurice Ravels L’Enfant et les Sortilèges

Nach ihrem Sensationserfolg mit Mozarts Die Zauberflöte holen die großen Bilder- und Bühnenzauberer der britischen Theatergruppe „1927“ Suzanne Andrade, Esme  Appleton und Paul Barrit in ihrem neuen Programm zu einem Doppelschlag aus: Am Freitag, 9. März, um 19.30 Uhr feiert im Opernhaus Düsseldorf die in Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin kreierte Neuinterpretation von Igor Strawinskys Petruschka und Maurice Ravels Kurzoper L’Enfant et les Sortilèges (Das Kind und der Zauberspuk) Premiere.

Wie in einem zum Leben erweckten Bilderbuch verschmelzen auf der Bühne Orchesterklang und Gesang mit Darstellern und Animationen. In Strawinskys als Ballett und Konzertstück bekannter Burlesque Petruschka kommt eine weitere Dimension ins Spiel: In einer überraschenden Kombination aus Animation und Akrobatik im Stil des Cirque du Soleil – zwischen Equilibristik, Luft- und Clownakrobatik – erzählt 1927 die berührende Geschichte der zum Leben erweckten Jahrmarkt-Puppen, die sich nach Unabhängigkeit sehnen.

Unter der musikalischen Leitung von Marc Piollet sind in L’Enfant et les Sortilèges Kimberley Boettger-Soller, Marta Márquez, Romana Noack, Adela Zaharia alternierend mit Elena Sancho Pereg mit weiteren Mitgliedern des Ensembles zu erleben. Es singen überdies der Chor der Deutschen Oper am Rhein sowie der Kinderchor der Akademie für Chor und Musiktheater, und es spielen die Düsseldorfer Symphoniker.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Hänsel und Gretel – Lost in the Forest, IOCO Kritik, 20.11.2016

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

HÄNSEL UND GRETEL  –  LOST IN THE FOREST

Engelbert Humperdincks drei Märchenbilder als doppeltes Spiel

Erbauung zur Genüge beschert dieses Märchenspiel in drei Bildern dem deutschen Gemüt, das just um Advent und Weihnachten herum besonders zur Gefühlsseligkeit neigt. Selbst wenn es zunächst ob des erbarmungswürdigen Daseins eines Besen bindenden Ehepaars schier zu  verzagen droht, sodann mit dessen in den finsteren Wald verbannten Kinderlein zu leiden hat und schließlich das grausliche Ende einer Hexe verkraften muss, so schieben sich zwischen all das Elend genügend Erscheinungen, die das Vertrauen in den Sieg des Guten sanktionieren.

Sofern der Wald sich dunkel und drohend zeigt, so verbreiten die Bäume doch mitunter rauschend und raunend Zuversicht. Um das verlassene Geschwisterpaar kümmern sich neben vierzehn Engelein das Sand- und das Taumänchen. Hänsel ist bereits Manns genug, um trotz eigener Angst die Schwester trösten zu können. Beide zusammen machen der Hexe sachgemäß den Garaus, indem sie die Kannibalin in den Backofen ihrer zum Zuckerbäckerhäuschen maskierten Hexenküche befördern. Die Eltern treffen pünktlich ein, auf dass die Familie gemeinsam mit den entzauberten Lebkuchenkindern die erlösende Tat zu feiern und dem Himmel zu danken vermag. Lieto Fine oder Glückliches Ende, und der Vorhang senkt sich.

Da das kindlich-jugendliche Gemüt heutzutage mittels der Computerspiele lebensnahe Nachrichten von Bösewichtinnen und Bösewichten bereits früher empfängt als unsereins vormals die lebensfremderen mittels Hexen und Wölfen, welche Mädchen verspeisen, bietet die Deutsche Oper am Rhein die Geschichte von Hänsel und Gretel sowohl in der der traditionellen Form, wie sie diese zudem  für die jüngere Generation aktualisiert und aus dem zeitlosen Märchenland in die moderne Großstadt verlagert hat. So eingerichtet, erhält sie unter dem Titel:

             LOST IN THE FOREST

Ein Mitmachprojekt der Jungen Oper am Rhein

zu anderem Zeitpunkt ihren eigenen Auftritt auf der Bühne des Düsseldorfer Opernhauses.

Deutsche Oper am Rhein / Lost in the Forest © Susanne Diesner

Deutsche Oper am Rhein / Lost in the Forest © Susanne Diesner

Ende des Neunzehnten Jahrhunderts gab die Schriftstellerin Adelheit Wette dem Märchen eine von mancher Gemeinheit gereinigte und mithin harmlosere Fassung, die gleichwohl ihren Bruder Engelbert Humperdinck zur Vertonung anregte. Die blässliche Vorlage gedieh durch die Blutzufuhr der Musik zu einem schaurigschönen Theaterstück.

Jeweils der Szene gemäß gebärdet sie sich hitzig und leidenschaftlich, sie findet aber auch die nötigen zauberischen, unheimlichen und bisweilen rührseligen Töne. Sie untermalt die erste Begegnung der kindlichen Unschuld mit der Schlechtigkeit der Welt, verweist indessen zugleich auf die Protektion irdischer Schwäche durch des Himmels Stärke. So kommt es zu diesem Kinderstubenweihefestspiel, wie Humperdinck seine drei Märchenbilder ironisiert haben soll. Zu Recht dürfen sie eine Oper genannt werden, eine, welche zu Herzen gehen will und geht. Ihre sentimentale Absicht machte sie zu einem unvergänglichen allzeit hörens- und sehenswerten Welthit. Da dessen Uraufführung 1893 in die Epoche von Kaiser Wilhelm II fällt, lautet die stille Botschaft zudem, dass Vertrauen in die Obrigkeit und die Treue zu ihr sich letztlich auszahlt und nicht bloß mit Pralinen und Pfefferkuchen belohnt wird.

Deutsche Oper am Rhein / Lost in the Forest © Susanne Diesner

Deutsche Oper am Rhein / Lost in the Forest © Susanne Diesner

Lost in the Forest:  Anna Mareike Vohn, Spiritus Rector der Jungen Oper am Rhein, hat den Märchenstoff in eine Alltagsstory umgewandelt und David Graham Humperdincks Musik dafür eingerichtet. Das jetzt zeitnahe Bühnenwerkchen freilich entbehrt aller Hinweise auf jeden himmlischen oder irdischen Beistand. Die Kinder tanzen dem vom Beruf okkupierten Elternpaar auf dem Sofa und der Nase herum, bis das angesäuert sie an die Luft setzt und diese sich in die Stadt verdrücken. Recht abenteuerlustig vagabundieren sie dort herum, um endlich von einem mit Zaun samt Betretenverbotenschild eingezäunten Baugelände angelockt zu werden. Auf dem lösen sich aus der Düsternis der Hochhausfassaden diejenigen seltsamen Figuren, die auch in der Originaloper herumgeistern: Sandmännchen, Taumännchen, Knusperhexe und Lebkuchenkinder. Ob Traum, ob Wirklichkeit, ob Verzauberung oder Entzauberung, das Ganze endet in einem Wimmelbild, in dem die Hänselundgretelkinder mit den Märchenfiguren singend um ein Karussell walzen, auf dem Supermarkteinkaufwagen herumrollern, die Knusperhexe im Netz einfangen wird, worin kurzum alle miteinander eine Menge Allotria treiben. Von: „Verloren im Großstadtdschungel“ weiß auch die Musik nichts mehr, die Jugend im Orchestergraben (U 16 Orchester der Tonhalle Düsseldorf) fiedelt und bläst dazu mit Herzenslust. Das ist letztlich ein verhextes und vergnügliches Singspiel, welches ebenfalls überwiegend Jugendliche (Kinderchor am Rhein) furios auf die Bühne bringen. Bravissimo!

Hänsel und Gretel

„Ein Kinderstubenweihefestspiel“

„Schont mir Prospekte nicht und nicht Maschinen”, lautet die Forderung des Theaterdirektors in Goethes  Faust.  Die Rheinoper hält sich daran und liefert von Kind bis Greis allen das allerrealistischste Illusionstheater mit ihrer seit der Premiere 1969 öfters aufgefrischten Inszenierung (Andreas Meyer-Hanno) von Engelbert Humperdincks Oper. Eingangs im Vorspiel hat die bestens aufgelegte Orchestermaschine der Düsseldorfer Symphoniker unter Lukas Beikirchner ungestüm wie gedämpft auf Jubel und Jammer der zwei Menschlein eingestimmt.

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel - Besenbinder und Frau © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel – Besenbinder und Frau © Hans Joerg Michel

Im ersten Bild steht ein bläulicher Sonnenmond über der Waldeslichtung mit der Holzkate einer dicht an der Armutsgrenze siedelnden Besenbinderfamilie. Obschon deren Einrichtung die allerkärglichste ist, so zählt immerhin ein Kruzifix neben der Eingangstür dazu. Sind die verspielten Geschwister (Maria Kataeva und Sibylla Duffe) von der Mutter (Romana Noack) in den Wald strafversetzt und die dortigen Gefahren durch Hexenhand vom Vater (Anooshah Golesorkhi) beschworen worden, erinnert die Musik unüberhörbar daran, dass ihr Komponist einst in Richard Wagners Kanzlei dessen Partituren kopierte. Der Hexenritt leitet über ins zweite Bild. Unbehaust im tiefen Wald, umringt von scheinbar drohenden düsteren Bäumen und spärlich beleuchtet vom verblassenden Sonnenmond, schlafen Hänsel und Gretel nach melodiösem, ihre Schutzengel zitierendem Nachtgebet auf dem steinigen Boden ein. Zuvor hat eine dem Rumpelstilzchen verwandte Zwergengestalt, gleich einem Erdgeist dem Bühnenboden entstiegen, als Sandmännchen (Maria Boika) seine Pflicht erledigt und die Kinderaugen zufallen lassen. Prompt haben die besungenen vierzehn Cherubine ihren Auftritt. Neuerlich an Wagner gemahnend, schreiten sie gravitätisch wie Gralsritterinnen im weiß wallenden Gewand aus dem Wald, umkreisen das schlummernde Paar und legen sich wie ein Schutzschild zu ihnen auf die Erde. Zumindest im Traum behütet, verstreicht die Nacht der beiden.

Deutache Oper am Rhein / Hänsel und Gretel - Ensemble © Hans Joerg Michel

Deutache Oper am Rhein / Hänsel und Gretel – Ensemble © Hans Joerg Michel

Sobald im dritten Bild morgens bei einer jetzt aufstrahlenden Mondsonne das Taumännchen, ein graziöses Figürchen (Dimitra Kotidou) im silbernen Raumanzug, als Weckmännchen die zwei munter gemacht hat und sie sich den Sand aus den Augen gewischt haben, besitzen sie den klaren Blick für das jählings hinter ihnen erscheinende Knusperhaus. Das sieht mit Lebkuchenfassade und Zuckergussdach in der Tat so lecker aus, dass man aus dem Sessel direkt auf die Bühne springen möchte, um wie die zwei Waldgänger an dessen Schokoladenseite herumzuknabbern. Allein mit dem Auftauchen der potthässlichen, an dem Abend authentisch weiblichen Sopranhexe (Morenike Fadyomi) – und keinem Tenor in einer Rockrolle – unterdrückt man sofort derartiges Verlangen.

Deutache Oper am Rhein / Hänsel und Gretel - Ensemble © Hans Joerg Michel

Deutache Oper am Rhein / Hänsel und Gretel – Ensemble © Hans Joerg Michel

Indessen draußen auf Düsseldorfs Rathausplatz die Narrenherrschaft (11.11.) ausgerufen wird, in den USA ist das wohl schon drei Tage zuvor der Fall gewesen, bündeln die Darsteller alle Muskel- wie Stimmkräfte und laufen im dramatischen, infernalischen wie theatralischen Finale zur Hochform auf. Zunächst treibt die barbarische Knusperhausbesitzerin ihr infames Spiel mit Hänsel und Gretel: der Junge wird in einen hoch hängenden Vogelkäfig gesperrt, das Mädchen zur Statue verhext. Darauf besteigt die Alte ihren Besen zu einem diabolisch vergnügten Ritt rund um ihre Immobilie. Bruder und Schwester jedoch haben die ersten Lektionen von des Lebens Widrigkeiten hinter sich und behalten klaren Kopf, sodass die leichtsinnig agierende Hexe das ihnen zugedachte groteske Ende selbst findet, wenn sie von Gretel in die gewaltig qualmende Öffnung des Backofens eingelocht wird.

Sowie aus den vielen verwunschenen Lebkuchen wieder Kinder geworden und auch die Eltern herbeigeeilt sind, stimmen nach überstandenen Hexennöten, Entzauberung und geglückter Familienzusammenführung alle ein Te Deum an, worüber die bläuliche Mondsonne ihr gleißendes Licht ausgießt. Halleluja!   Durch das Rund der Deutschen Oper am Rhein zu Düsseldorf rauscht nun der wohlverdiente Beifall. IOCO / Albrecht Schneider / 20.11.2016

Opernhaus Düsseldorf – Hänsel und Gretel, weitere Termine: 20.11.2016, 2.12.2016, 6.12.2016, 18.12.2016, 22.12.2016, 06.01.2017, 15.1.2016

Theater Duisburg – Lost in the Forest, Premiere  25.11.2016 weitere Termine 27.11.2016, 30.11.2016

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

 

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