Arlene Saunders, 1930 – 2020, eine Würdigung, IOCO Portrait, 14.05.2020

Mai 13, 2020 by  
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Arlene Saunders © Wolfgang Schmitt / Lead Technologies

Arlene Saunders © Wolfgang Schmitt / Lead Technologies

ARLENE SAUNDERS – Ein Mensch – EINE KARRIERE

5. Oktober 1930 – 17. April 2020

von Wolfgang Schmitt

In den 1960er und 70er Jahren war sie die „Primadonna assoluta“ der Hamburgischen Staatsoper während der Liebermann-Ära. Nun wurde auch Arlene Saunders ein prominentes Opfer der zur Zeit grassierenden Corona-Pandemie.

Geboren am 5. Oktober 1930 in Cleveland, Ohio, als Arlene Pearl Soszynski, entdeckte sie schon als 10jährige ihre Leidenschaft für die Oper, und so studierte sie nach der High School Gesang am dortigen Baldwin-Wallace College of Arts. Ein erstes Engagement führte sie an die National Opera Company in Raleigh, North Carolina, wo sie u.a. die Rosalinde in der Fledermaus, Donna Elvira in Don Giovanni und sogar die Titelrolle in Cole Porters Musical Kiss me Kate sang.

Bei einem Wettbewerb amerikanischer Opernsänger in New York errang sie den ersten Platz und erhielt ein Stipendium, mit dem sie nach Italien ging, wo sie ihre Gesangsstudien vervollkommnete und am Mailänder Teatro Nuovo ihr Rollendebüt als Mimi in Puccinis La Boheme geben konnte. Zurück in Amerika engagierte Julius Rudel sie an die New York City Opera, wo sie als Giorgetta in Puccinis Il Tabarro debütierte und in Partien des lyrischen Sopranfachs besetzt wurde, u.a. in Charpentiers Louise. Mit der New Yorker Metropolitan Opera ging sie auf die jährliche MET-Tour quer durch die USA und sang das Evchen in den Meistersingern und Rosalinde in der Fledermaus (alternierend mit Beverly Sills).

1963 war Rolf Liebermann, Intendant der Hamburgischen Staatsoper, auf Talentsuche in New York, Arlene Saunders sang für ihn die Arie der Magda aus Puccinis La Rondine und wurde vom Fleck weg engagiert. Hamburg wurde nun ihr Zuhause und ihr künstlerischer Lebensmittelpunkt. Mit ihrem neu erworbenen weißen Karmann-Ghia liebte sie es, die Stadt und das Hamburger Umland zu erkunden. Ihre Hamburger Debüt-Partie war die Pamina in der Zauberflöte, für die sie dann auch gleich gastweise ans Staatstheater Stuttgart engagiert wurde, auch für die Mimi luden die Stuttgarter sie sogleich ein. In Hamburg folgten Rollendebüts als Marzelline in Fidelio, Marie in Die verkaufte Braut, Liu in Turandot (mit Birgit Nilsson und James McCracken), Iphis in Jephta, Antonia in Hoffmanns Erzählungen, Fiordiligi in Cosi fan tutte, und Ann Truelove in The Rake’s Progress (die Premierenserie dirigierte Igor Strawinsky persönlich).

Arlene Saunders als Manon in Manon Lescaut 1982 © Colin Graham

Arlene Saunders als Manon in Manon Lescaut 1982 © Colin Graham

Ihr Hamburger Festvertrag ließ ihr jedoch genügend Freiraum für internationale Gastspiele, und so sang sie 1965 die Micaela in Carmen (mit Marilyn Horne, Franco Corelli und Justino Diaz) in Philadelphia, 1966 die Pamina beim Glyndebourne Festival, 1967 die Marguerite in Faust (mit Alfredo Kraus) an der San Francisco Opera, dort folgten Charpentiers Louise und Freia in Rheingold. Sie gastierte als Mimi in Florenz und an der Mailänder Scala, und gab in Toronto ihr Kanada-Debüt in Glucks Orfeo ed Eurydice. An der Wiener Staatsoper debütierte sie als Marzelline in Fidelio, sang dort auch Eva und Donna Elvira.

Mit der Deutschen Oper Berlin schloß sie einen Gastvertrag und debütierte dort als Nedda in einer Neuinszenierung des Bajazzo. In Hamburg erweiterte sie ihr Repertoire um Partien wie Tatjana in Eugen Onegin, Figaro-Gräfin, Agatheim Freischütz, um mit der Elsa in Lohengrin endgültig ins jugendlich-dramatische Sopranfach zu wechseln (in dieser Premiere sang Placido Domingo seinen ersten Lohengrin). Es folgten Neuinszenierungen von Arabella, Ariadne auf Naxos (mit dieser Produktion gastierte die Hamburgische Staatsoper auch beim Edinburgh Festival), Tannhäuser / Elisabeth (in der Regie von Harry Meyen, dem damaligen Ehemann von Romy Schneider, was dem Premierenabend einen besonderen Glamour verlieh, denn auch Magda Schneider und viele andere Größen des deutschen Films waren zugegen), Die Walküre / Sieglinde, sowie ihre erste Tosca. Die Tosca sang sie kurz darauf in Cincinnati, dort auch die Mimi. Es folgte eine Arabella-Neuproduktion in Amsterdam, und an die San Francisco Opera kehrte sie zurück als Eva für eine Neuinszenierung der Meistersinger von Nürnberg (mit Theo Adam und James King als Partner). An der Oper in Boston debütierte sie als Natascha in der amerikanischen Erstaufführung von Prokoffievs Krieg und Frieden (inszeniert und dirigiert von Sarah Caldwell), und in Washington sang sie die Uraufführung der eigens für sie von Alberto Ginastera komponierten Oper Beatrix Cenci, mit der das J.F. Kennedy Center for the Performing Arts 1971 feierlich eröffnet wurde, diese Produktion wurde später von der New York City Opera übernommen.

Arlene Saunders als Marschallin © Seattle Opera

Arlene Saunders als Marschallin © Seattle Opera

Auch an der Hamburger Oper wirkte Arlene Saunders bereits in zwei Opern-Uraufführungen mit, in Giselher Klebes Jakobowsky und der Oberst (Marianne) – mit der die Hamburger Staatsoper eine Gastpielreise an die New Yorker MET unternahm, gemeinsam mit The Rake’s Progress -, und in Giancarlo Menottis Hilfe, Hilfe, die Globolinks (Madame Euterpova), welche auch verfilmt wurde. Weitere Opernfilme der Rolf-Liebermann-Produktionen, in denen Arlene Saunders mitwirkt, sind Figaros Hochzeit (Gräfin), Der Freischütz (Agathe), Die Meistersinger von Nürnberg (Eva), und Arabella (bei Arthaus auf DVD erhältlich). Im Dezember 1972 gab es an der Hamburger Staatsoper die Uraufführung von Paul Burkhards Oper Ein Stern geht auf aus Jaakob, in der Arlene Saunders die Maria und Vladimir Rudzak den Josef sang, diese Oper wurde fürs Fernsehen aufgezeichnet und am Weihnachtsabend ausgestrahlt. Ein weiterer Fernsehfilm ist Carl Millöckers Gasparonemit Arlene Saunders als Carlotta, Barry MacDaniel in der Titelpartie, sowie Martha Mödl und Benno Kusche (als Zenobia und Nasoni). In dieser Zeit nahm Arlene Saunders für Philips die Operetten Der Zarewitsch und Der Graf von Luxemburg auf. Bei RCA waren bereits Mendelssohns Sommernachtstraum unter Erich Leinsdorf, und Mozarts Il Re Pastore (mit Arlene Saunders als Tamiri sowie Lucia Popp, Reri Grist und Luigi Alva) erschienen.

Auch als Konzertsängerin war Arlene Saunders stets aktiv, so sang sie u.a. Beethovens Missa solemnis unter Leonard Bernstein beim Tanglewood Festival, Richard Strauss‘ Vier letzte Lieder und Franz Schrekers Lieder von Walt Whitman“ unter Erich Leinsdorf in der Berliner Philharmonie, Haydns Schöpfung unter Igor Markevitch in Monte Carlo, Beethovens Neunte in der Hamburger Musikhalle, Geoffredo Petrassis Orationes Christi unter Massimo Freccia in Berlin; auch Liederabende gab sie u.a. in Hamburg, Hannover und Oslo mit Liedern von Richard Wagner, Richard Strauss, Franz Liszt, Heitor Villa-Lobos, Silvestre Revueltas, Aaron Copland und Samuel Barber.

Die 1970er und 80er Jahre verliefen weiterhin höchst erfolgreich für Arlene Saunders: An der Hamburgischen Staatsoper folgten weitere Rollendebüts als Marschallin im Rosenkavalier, als Gräfin in Capriccio, und als Chrysothemis in Elektra. An der Opéra de Paris debütierte sie in einer Tosca-Neuinszenierung (mit Placido Domingo und Gabriel Bacquier als Partner unter der Leitung von Charles Mackerras), sang die Sieglinde in einer Neuinszenierung der Walküre in der Regie von Peter Stein, in späteren Spielzeiten dort auch die Chrysothemis / Elektra und die Marschallin. Eine besonders beachtete Produktion war die Ballett-Inszenierung von Richard Strauss‘ Vier letzte Lieder, von Maurice Béjart choreogrphiert und mit Arlene Saunders singend und agierend inmitten der Tänzerinnen und Tänzer ins Bühnengeschehen integriert. An der Seattle Opera sang sie die Marschallin in einer Neuproduktion des Rosenkavalier, diese Partie auch in Brüssel und in Stuttgart. Am Opernhaus Köln sang sie ihre erste Senta im Fliegenden Holländer sowie eine weitere Tosca-Neuinszenierung. Als Tosca war sie ebenfalls Gast am Teatro Nacional Sao Carlos in Lissabon. In Turin wirkte sie mit in einer RAI-Rundfunkproduktion von Hindemiths Cardillac (Partie der Tochter).

An die Wiener Staatsoper kehrte sie zurück als Donna Elvira und als Elsa. Es folgten Auftritte an der New Yorker Metropolitan Opera als Eva in den Meistersingern (mit Thomas Stewart und Jean Cox), und als Elsa in einer Lohengrin –Neuproduktion in Hartford (mit Karl-Walter Böhm und Mignon Dunn). Schließlich gab sie ihr Rollendebüt als Minnie in Puccinis La Fanciulla del West an der Boston Opera. Die Minnie wurde zu einer ihrer Lieblingspartien, mit der sie auch an die New York City Opera zurückkehrte und die sie 1979 ans Teatro Colón Buenos Aires (mit Placido Domingo und Gianpiero Mastromei als Partner) und schließlich 1980 ans Londoner Royal Opera House Covent Garden führte. An der English National Opera North in Leeds gastierte sie als Senta (mit Norman Bailey als Holländer) und sang dort 1982 höchst erfolgreich ihre erste Manon Lescaut. In London sang sie die Titelpartie in Richard Strauss‘ Die Liebe der Danae in einer BBC-Rundfunkproduktion unter der Leitung von Charles Mackerras, die auf CD erschienen ist. Am Grand Théatre de Genève sang sie zur Saisoneröffnung 1980-81 die Elsa im „ Lohengrin  und die Marschallin im „ Rosenkavalier. Weitere Rollendebüts gab Arlene Saunders als Nadia in der amerikanischen Erstaufführung von Michael Tippets The Ice Break in Boston, als Santuzza in Cavalleria rusticana in Buenos Aires, als Marquise in Verdis Un Giorno di Regno beim Verdi-Festival in San Diego, und als Giulietta in Les Contes d’Hoffmann an der Hamburger Staatsoper, wo sie im Rahmen ihres Gastvertrages weiterhin die Mimi, Tosca, Senta, Chrysothemis, sowie während der Weihnachtszeit stets die Gertrud in Hänsel und Gretel sang (sie war 1972 die Premieren-Gertrud).

Arlene Saunders als Senta in Leeds © Colin Graham

Arlene Saunders als Senta in Leeds © Colin Graham

Es folgten weitere interessante Engagements beim Maggio Musicale Fiorentino, Florenz, als Tannhäuser – Elisabeth (mit Wolfgang Neumann, Hermann Prey und Brenda Roberts in den anderen Hauptpartien), als Tosca am Teatro dell’Opera in Rom, als Marschallin in Neuproduktionen des Rosenkavalier in Boston, Bordeaux und Bonn sowie beim Viennese Festival in Minneapolis, und als Senta im Holländer beim Wolf Trap Festival. Ihr australisches Debüt gab sie in der Saison 1983-84 an der Oper in Sydney in ihrer Paraderolle, der Minnie in La Fanciulla del West, der Rundfunkmitschnitt dieser Premiere ist auf CD erschienen. Ihren Abschied von der internationalen Opernbühne nahm sie 1985 als Marschallin in einer Neuinszenierung des Rosenkavalier am Teatro Colón in Buenos Aires, um sich ins Privatleben zurückzuziehen, sich ihren zahlreichen Hobbies zu widmen – unter anderem der Aquarell-Malerei -, und von Hamburg nach New York umzuziehen. Dort lebte sie mit ihrem Ehemann, dem Psychologen Dr. Raymond Raskin bis zu dessen Tod 2017 in einer schönen großen Wohnung mit Blick auf den East River. Am 17. April starb Arlene Saunders, 89jährig, in einer New Yorker Seniorenresidenz. Als unvergleichliche Interpretin insbesondere von Strauss-, Wagner- und Puccini-Partien wird sie uns unvergesslich bleiben.

—| IOCO Portrait |—

 

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Renate Spingler – Peter Galliard – Jürgen Sacher, IOCO Aktuell, 12.12.2017

Dezember 12, 2017 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

 Staatsoper Hamburg ehrt langjährige Ensemblemitglieder

– Renate Spingler, Peter Galliard, Jürgen Sacher –

Im Rahmen des traditionellen Ensemblekonzerts Bühne frei! am 9. Dezember 2017 wurden die langjährigen  Ensemblemitglieder Renate Spingler  (Mezzosopran), Peter Galliard  (Tenor) und Jürgen Sacher (Tenor) vom Hamburger Senat ausgezeichnet  und erhielten den Titel der Kammersängerin bzw. des Kammersängers für anerkannt hervorragende  Verdienste auf dem Gebiet der Musik.

Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur und Medien: „Wir zeichnen gleich drei  herausragende Künstlerpersönlichkeiten aus, die der Staatsoper Hamburg als  Ensemblemitglieder seit vielen Jahren eng verbunden sind und so die musikalische  Landschaft unserer Stadt geprägt haben. Alle drei waren in zahlreichen und äußerst  vielfältigen Rollen auf der Bühne der Staatsoper zu erleben und sind dank der hohen  künstlerischen Qualität und der Kontinuität ihrer Tätigkeit wichtige Stützen des Ensembles. Mit der Ernennung zu Kammersängern erkennen wir ihr großes  Engagement und ihre herausragenden Verdienste um die Staatsoper an.“

Staatsoper Hamburg / Kammersänger/in - vl Peter Galliard, Renate Spingler, Jürgen Sacher © Jürgen Joost

Staatsoper Hamburg / Kammersänger/in – vl Peter Galliard, Renate Spingler, Jürgen Sacher © Jürgen Joost

Staatsopernintendant Georges Delnon:Der Gedanke des Ensembles ist mir ein besonders wichtiges Anliegen. Neben der Pflege eines reichhaltigen Repertoires ist die  Kunst des Ensemblespiels von herausragender Bedeutung für die Qualität eines Opernhauses. Das Ensemble benötigt Sängerinnen und Sänger, die in ihrer Spielweise  nicht als solitäre Einzelkünstler wahrgenommen werden wollen, sondern Künstler, die  daran glauben, dass es auch um die Tatsache des miteinander Spielens und gemeinsamen Musizierens auf der Opernbühne geht. Nur mit dem Zusammenspiel  eines guten und feinsinnigen Ensembles trifft die Regie auf einen Nährboden für eine Gesamtleistung von Inszenierung, Musikalität und Qualität. Insofern freut es mich  ganz außerordentlich, dass im diesjährigen Ensemblekonzert drei langjährige und  bewährte Ensemblemitglieder geehrt und mit dem Titel des Kammersängers  ausgezeichnet werden.“

Das Motto des diesjährigen Ensemblekonzerts Bühne frei!  lautet Bretter, die die Welt bedeuten. Unter der Moderation von Staatsopernintendant Georges Delnon und der musikalischen Begleitung von Studienleiter Rupert Burleigh gestalten Ensemble-mitglieder einen vielseitigen Abend. Das traditionelle Ensemblekonzert findet zugunsten der Deutschen Muskelschwund-Hilfe e.V. statt.

Biographien:

Renate Spingler begann ihre Gesangsausbildung an der staatlichen Hochschule für Musik in München. Gleich im Anschluss engagierte Prof. Rolf Liebermann 1986 sie als Ensemblemitglied an die Hamburgische Staatsoper. Hier hat sie zahlreiche große Partien verkörpert, so als Gaea („Daphne“), Kabanicha („Katja Kabanova“), Marcellina („Nozze die Figaro“), Herodias („Salome“), Geneviève („Pelléas et Mellisande“), Orlofski („Die Fledermaus“), Marthe (Faus“), Försterin /Eule (Das schlaue Füchslein“),  Flora Bervoix (“La Traviata“), Mère Jeanne („Dialogues des Carmélites“). Ebenso ist Renate Spingler als Lucia („Cavalleria rusticana“/“I Pagliacci”), als Knusperhexe  („Hänsel und Gretel“), Léoena „(La Belle Hélène“), Filipjewna („Eugen Onegin“), als Mary („Der fliegende Holländer“) und als Giovanna („Rigoletto”) zu erleben. Renate Spingler gastiert regelmäßig an Opernhäusern z.B. in Frankfurt, Dresden, Brüssel, Köln und Kopenhagen. Weitere Gastengagements führten sie nach Barcelona, Essen, München (Prinzregententheater), Nagoja (Japan), Tokio, Wien (Theater an der Wien) und Sao Paulo. Die Mezzosopranistin hat mehrere Plattenaufnahmen bzw. CD-Mitschnitte aufzuweisen.

Peter Galliard wurde im schweizerischen Chur geboren und studierte unter anderem am Mozarteum in Salzburg. 1986 engagierte ihn Rolf Liebermann an die Hamburgische Staatsoper, der Peter Galliard seither als Ensemblemitglied angehört. Hier sang er im Laufe seiner Karriere zahlreiche Partien, unter anderem Tamino („Die Zauberflöte“), Jaquino („Fidelio“), Cassio („Otello“), Loge und Froh („Das Rheingold“), Alfred und Eisenstein („Die Fledermaus“), Peter Iwanow („Zar und Zimmermann“), Bardolfo („Falstaff“), den Hauptmann („Wozzeck“), die Knusperhexe („Hänsel und Gretel“), Lenski („Eugen Onegin“), Narraboth („Salome“), Melot („Tristan und Isolde“), Walther von der Vogelweide („Tannhäuser“) und Don Basilio („Le Nozze di Figaro“). Peter Galliard hatte zahlreiche Gastspiele in Deutschland, zum Beispiel an der Staatsoper Unter den Linden Berlin, der Deutschen Oper Berlin, in Frankfurt, Dresden und Leipzig, aber auch in Japan, Spanien, Frankreich und Israel. Fernseh-, Rundfunk-und Tonträgeraufnahmen dokumentieren sein breit gefächertes Repertoire.

Jürgen Sacher ist seit 1991 Ensemblemitglied der Hamburgischen Staatsoper. Hier ist er seitdem in zahlreichen Rollen aufgetreten, darunter Andres in „Wozzeck“, Maler in „Lulu“, Truffaldino in Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“, Valzacchi in „Der Rosenkavalier“, David in „Die Meistersinger von Nürnberg“, Junger Mann in „Moses und Aron“, Steuermann in „Der fliegende Holländer“, Peter Iwanow in „Zar und Zimmermann“, Pedrillo in „Die Entführung aus dem Serail“, Walther von der Vogelweide in „Tannhäuser“) Graf Elemer in „Arabella“, Knusperhexe in „Hänsel und Gretel“, Raoul de St. Brioche in „Die lustige Witwe“, Herodes in „Salome“, Novagerio in „Palestrina“, Orontes in Telemanns „Flavius Bertaridus“, Mime und Loge in „Das Rheingold“ sowie Mime in „Siegfried“. Außerdem wirkte er in „Der Meister und Margarita“ als Asasello, in „Ariadne auf Naxos“ als Tanzmeister, in Aribert Reimanns „Lear“ als Graf von Kent sowie in „Peter Grimes“ als Reverend Adams mit. Regelmäßige Konzertauftritte gehören ebenfalls zu den Verpflichtungen des Tenors. Gastspiele führten Jürgen Sacher unter anderem an die Berliner Staatsoper, nach Brüssel, Barcelona, Kopenhagen, an die Mailänder Scala, ans Theater an der Wien sowie zu den Salzburger Festspielen. 

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Wien, Franz Grundheber – Die lange Karriere eines großen Sängers, IOCO Portrait, 23.11.2017

November 24, 2017 by  
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 Franz Grundheber 1998 als Rigoletto an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Franz Grundheber 1998 als Rigoletto an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Franz Grundheber – Leben im Gesang

Wozzeck, Holländer, Boccanegra – Wien, Hamburg, New York

Von  Susanne Resperger

Nachdem der Vorhang der Oper Leipzig sich nach der Vorstellung der Frau ohne Schatten langsam gesenkt hatte, ein kurzer Augenblick Stille – dann großer Jubel. Franz Grundheber hatte an diesem Abend als Barak Unglaubliches geleistet: Hatte es im Vorfeld Zweifler gegeben, ob er denn diese Partie wenige Monate vor seinem 80.Geburtstag noch würde bewältigen können, so bewies er diesen das Gegenteil. Mit Leichtigkeit, kraftvoll, berührend, mit klarer Stimme, jeder Ton, jedes Wort bedeutungsvoll, vermochte er die Rolle innig und intensiv zu gestalten – ohne jegliche Ermüdungserscheinungen. Nicht nur vom Publikum wurde er gefeiert, sondern auch seine Kollegen waren voller Bewunderung für diese Leistung.

Wo aber liegt nun das Geheimnis einer so vollkommenen, intakten Stimme in diesem Alter? Diese Frage bekommt Franz Grundheber (*1937) oft gestellt und darauf gibt es auch eine klare Antwort: die Stimmtechnik zu perfektionieren, die Rollenauswahl ganz bewusst der Stimme anzupassen, Fleiß und Disziplin, auch im Privatleben. Gattin Angelika ist die ideale Ergänzung und der notwendige Rückhalt für diesen Beruf. Ohne sie wäre vieles nicht möglich gewesen. Aber auch seine persönliche Geschichte und die Umstände, wie sich alles in frühen Jahren entwickelte, trugen dazu bei.

Erste Offenbarungen in der Jugend

Aufgewachsen in einem Dorf vor Trier, in einfachen Verhältnissen, war es seine Mutter, die etwas „Besseres“ für ihn wollte. Sie setzte es durch, dass er aufs Gymnasium ging. Dort waren es die Deutschlehrer, die ihn für Literatur begeisterten, und er ging sehr gerne und viel ins Theater. Ein Zufall wollte es dann, dass er eines Abends – er war 18 Jahre alt – eine Karte für die Zauberflöte bekam und – sich zuerst extrem langweilte. Erst die „Sprecherszene“ begann ihn zu interessieren und als dann Peter Roth-Ehrang als Sarastro auftrat (in Trier gastierend, da er seine Eltern besuchte) erlebte der junge Mann erstmalig, welche Gefühle ein Sänger mit den Schwingungen seiner Stimme auslösen kann. Die Erhöhung der Sprache durch die Musik, wie der Künstler es selbst definiert, faszinierte ihn.

Zu Hause angekommen, versuchte er diesen Klang des Sarastro nachzuahmen und es gelang ihm so gut, dass der nebenan schlafende Vater polterte: „Ruhe, ich muss morgens um 5 aufstehen!“  Der Wunsch, Opernsänger zu werden, nahm damit seinen Anfang.

Franz Grundheber 1991 als Fliegender Holländer an der Hamburger Staatsoper © Peter Schünemann

Franz Grundheber 1991 als Fliegender Holländer an der Hamburger Staatsoper © Peter Schünemann

Flug und Landung – Als Pilot

Franz Grundheber musste damals zur Bundeswehr und wollte sich als Offizier auf Zeit bei der Luftwaffe bewerben, bestand alle Prüfungen, war auch flugtauglich. Er verpflichtete sich auf 3 Jahre für die Pilotenausbildung. Peter Roth-Ehrang wurde in dieser Zeit nach Hamburg engagiert und setzte sich sehr stark dafür ein, dass Grundheber sich ausbilden ließ. Er war von seinem Talent überzeugt. Nach einer beantragten Versetzung als Sportoffizier nach Hamburg besuchte er, wann immer er Zeit hatte, die Oper. Nach 3 Jahren verließ er die Bundeswehr, ließ sich abfinden und neben einem Halbtagsjob im Büro bildete er sich, ohne auf die Hochschule zu gehen, selbst aus, nahm Stunden bei Gesangs- und Sprachlehrer sowie Korrepetionsstunden. Nach zwei Jahren wollte er schon aufgeben, doch war es wieder der „Zufall“, der aushalf – er hörte von einem Stipendium der Hamburger Staatsoper in Amerika. Er sang vor, erhielt es für ein Jahr und konnte es in Amerika auf ein zweites Jahr verlängern. Das Studium an der Indiana University in Bloomington mit einem kleinen angeschlossenen Opernhaus wurde prägend für sein Leben. Wichtig dabei auch seine Lehrerein Margaret Harshaw. Ihre Gesangsgrundlagen und die Arbeit mit ihr waren eine exzellente Basis für seine Karriere. In seinen Meisterklassen gibt er dieses Wissen mit Leidenschaft und Überzeugung an Studenten weiter.

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburg:  Seit 1966 Fixpunkt der Karriere

1966 bekam er nach vielen erfolglosen Versuchen dann doch noch ein Vorsingen. Man wollte eigentlich keine Stipendiaten mehr aufnehmen, aber er wollte unbedingt zeigen, was er sich erarbeitet hatte.  Rolf Liebermann war begeistert und engagierte ihn. Er bekam keinen Ein-Jahresvertrag, wie er gerne schmunzelnd erzählt, sondern gleich einen Zwei-Jahresvertrag.

Von 1966 bis 1988 blieb er dem Hamburger Ensemble treu und sang alles, von den kleinsten Rollen bis zu den großen Fachpartien und war oft Einspringer, wenn prominente Sänger absagten. Für Rolf Liebermann war es wichtig, auch kleine und mittlere Rollen sehr gut zu besetzen. Dafür bekamen die jungen Sänger auch jedes Jahr die Chance,  ein oder zwei größere Rollen zu übernehmen. Im ersten Jahr sang er bereits Donner, Masetto und Figaro folgten sehr bald.  Auch viele Uraufführungen konnte er mitgestalten, ganz normal für die Ära Liebermann.

Franz Grundheber als Dr. Schön - Lulu an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Franz Grundheber als Dr. Schön – Lulu an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Aber im Repertoirebetrieb musste man Rollen einfach ohne Proben übernehmen. Als die ersten Engagements für Produktionen mit langer Probenzeit kamen, reifte langsam der Entschluss, das Ensemble zu verlassen. Es war viel interessanter und effektiver, Rollen einige Wochen zu erarbeiten, und er wusste, wieviel besser er damit sein konnte. Außerdem wollte er angefragt werden und sich Rollen selbst auswählen können.

Die Hamburger Staatsoper ließ ihn aber nicht einfach ziehen, wollte ihn unbedingt binden. Peter Ruzicka, Nachfolger von Rolf Liebermann gab ihm einen permanenten Gastvertrag. Bei vielen Produktionen der Hamburger Staatsoper, die immer noch im Repertoire sind, war er Premierensänger: Fliegender Holländer (unter Marelli) , Rigoletto  (Homoki), Macbeth (Pimlott), Tosca (Carsen) und Simone Boccanegra (Guth). Er trat über 2050 Mal im Haus am Dammtor auf, im Februar 2012 feierte man mit ihm seine 2000. Aufführung (er war Amonasro). Der Kontakt zu Hamburg blieb immer sehr gut und er sang weiterhin 10 bis 20 Vorstellungen pro Saison. Bis zu dem Zeitpunkt, als die neue Direktion Nagano /Delnon antrat und dieser Kontakt abrupt endete. Aber nicht von Seiten des Künstlers.

Herbert von Karajan

 Herbert von Karajan in Salzburg © IOCO

Herbert von Karajan in Salzburg © IOCO

Besonders prägend war in der Zeit, in der er sich die Trennung vom Ensemble überlegte, die Zusammenarbeit mit Herbert von Karajan. Neben zahlreichen gemeinsamen Konzerten erarbeitete er sich mit ihm im März 1988 in Salzburg seinen ersten Scarpia. Erstaunlich war, dass er trotz seines deutschen Namens immer wieder interessante Engagements im italienischen Fach bekam. Viele Jahre sang er immer wieder in Italien nicht nur das deutsche Fach. Mit dem Amonasro war er auch der erste Deutsche in der Arena di Verona. Im Alter von 62 Jahren gab er schließlich sein Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera als Rigoletto. Damit war er der erste Deutsche, der diese Partie an der MET sang. Auch an der Wiener Staatsoper oder in Covent Garden war er in vielen italienischen Rollen erfolgreich.

Die Kollegen

Am Beginn seiner Karriere hat ein Kollege, Mathieu Ahlersmeyer, ihn in die Garderobe geholt, ihn sehr gelobt, aber gleichzeitig auch einen wichtigen Rat gegeben: er solle das schwere italienische und deutsche Fach nicht vor 40-45 singen. Und wenn, dann mit 50, wenn all die Technik erlernt wurde und die Stimme noch da ist: „Dann wissen Sie, wovon Sie singen“. Dann wird bei jedem Ton mitschwingen, was man bis dahin erlebt hat: Liebe, Trennung, Verlust, Schmerz oder Trauer. Erst dann wird ein Sänger glaubhaft, wird die Persönlichkeit des Künstlers interessant, berührt er die Zuhörer.  Da käme alles von selbst und der Beruf mache dann erst richtig Spaß. Diesen Tipp nahm sich Franz Grundheber zu Herzen und verfolgte ihn sehr konsequent.

Er beobachtete seine Kollegen auf der Bühne, stand in Hamburg sehr oft auf der Hinterbühne, hörte genau zu und überlegte, wie diese es schafften, einen bestimmten Klang zu erzeugen. Sehr oft diskutierte er mit seinen Kollegen darüber, fragte bei großen Kollegen wie z.B. James King nach, arbeitete auch oft mit ihm, holte sich von vielen Ratschläge. Und – für ihn besonders wichtig: jede seiner Vorstellungen wurde von ihm kontrolliert, denn sein „Prof. Walkman“ blieb, von Margaret Harshaw abgesehen, sein einziger Gesangslehrer. Nur beim selbst Nachhören erfährt er die Wahrheit, eine Erfahrung, die er auch jungen Sängern immer wieder ans Herz legt. Kein Freund, kein Zuhörer wird einem die Wahrheit sagen (wie er selbst immer wieder in Interviews erwähnt).

 Franz Grundheber als Jago an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Franz Grundheber als Jago an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Das Wort  –  „Ein Geheimnis“

Ein weiteres „Geheimnis“ von Franz Grundheber: das Wort! Von jeher interessierte ihn Literatur und Theater ganz besonders, daher meint er dazu immer wieder: Die Worte eines Dichters wurden von einem genialen Komponisten interpretierenderweise in Musik umgesetzt, um diese Worte zu erhöhen und mit der Musik zu intensivieren. Aber die Basis bleibt immer das Wort. Grundheber hat sich jede Rolle zuerst vom Text her erarbeitet, ihn auswendig gelernt und dann den Sprachrhythmus des Komponisten analysiert, um nach der Bedeutung der Noten zu suchen. Er überlegte, warum der Komponist diese so geschrieben hatte, suchte, was er damit ausdrücken wollte.

Genau das macht die Faszination seiner Auftritte aus. Seine Rollen sind bis ins Detail durchdacht. Gestik, Blick, jede Betonung hat Sinn, ist überlegt und ganz bewusst gewählt. Seine Figuren werden dadurch plastisch, verständlich und unglaublich menschlich. In einem Interview sagte er einmal, es sei auch sehr menschlich, böse zu sein. Ebenfalls wichtig in diesem Zusammenhang: Er betont immer wieder, nur in den Sprachen zu singen, die er selbst auch beherrscht, denn nur so könne er den gesungenen Worten die richtige Bedeutung mitgeben. Auch wenn es ihm die Zusammenarbeit mit Claudio Abbado gekostet hatte, der ihn unbedingt für Aus einem Totenhaus gewinnen wollte.

Die Lieblingsrollen von Franz Grundheber

Grundhebers Barak in Leipzig war auch deshalb ein besonderes Ereignis, weil es ja eine seiner drei Lieblingsrollen ist.

Die zweite für ihn besondere Rolle ist jene des Wozzeck. Für ihn ist Alban Bergs Werk die perfekteste aller Opern, die er in insgesamt 11 Inszenierungen gestalten durfte. Darunter Auftritte in Paris, Berlin, Brüssel, Amsterdam, Chicago, an der Scala (unter Jürgen Flimm)  aber auch an der Met. Den bedeutendsten Erfolg hatte er damit 1987 unter Claudio Abbado in der Regie von Adolf Dresen an der Wiener Staatsoper. Der Mitschnitt auf DVD brachte ihm nicht nur den „Prix George Till“, sie gilt vielmehr als eine der Referenzaufnahmen, die viele Sänger beim Lernen dieser Partie verwenden. Spricht man mit jungen oder auch sehr renommierten Baritonen, gilt Franz Grundheber für viele als DAS Vorbild für Wozzeck.

2007 inszenierte er diese Oper für seine Heimatstadt Trier, die dort noch nie aufgeführt worden war. Es blieb seine bisher einzige Regiearbeit. Um das Werk dem Publikum näher bringen zu können, hat er mit dem Trierer Journalisten Dieter Lintz ein umfangreiches Rahmenprogramm um die Premiere gestaltet. Die Serie wurde zu einem außergewöhnlichen Erfolg.

 Simone Young © IOCO

Simone Young © IOCO

In seiner 3. Lieblingsrolle, dem Simone Boccanegra, debütierte er 1995 in München und begeisterte mit seiner intensiven, menschlichen Umsetzung. Wer ihn in dieser Rolle erleben durfte, wird seinen Dogen nie wieder vergessen. In Chile erhielt er für seine Darstellung den Kritikerpreis und Simone Young hatte sich für ihren Antritt als Intendantin an der Hamburgischen Staatsoper (im Februar 2006) Franz Grundheber als Boccanegra gewünscht –  einer der Höhepunkte seiner Karriere. Mit 68 Jahren sorgte er für Furore und wurde damit für den ersten Theaterpreis „FAUST“ als bester Sängerdarsteller nominiert.

Tonträger und DVDs

Wie bei vielen seiner Auftritte gibt es auch von dieser Vorstellung keinen Mitschnitt auf DVD. Wie es auch um CD`S und DVD`S von ihm eher mager aussieht. Lediglich ein paar seiner Richard Straus-Partien wurden auf CD dokumentiert: Mandryka (Arabella), Orest (Elektra), Faninal (Der Rosenkavalier), Olivier (Capriccio) und vor allem sein Jupiter in Die Liebe der Danae, welchen er bei den Salzburger Festspielen 2002 als erster Sänger in der für einen Bariton sehr hohen Originalnotation sang. Diese Oper wurde in einer konzertanten Aufführung in Kiel für eine CD Produktion aufgenommen. Die Salzburger Aufführungsserie blieb undokumentiert. Sein Orest in der legendären Harry-Kupfer-Produktion an der Wiener Staatsoper ist ebenso auf DVD erschienen wie der Faninal der Salzburger Festspiele 2004 und in Baden Baden 2009. Seinen Holländer aus Savonlinna gibt es ebenfalls auf DVD.

Richard Wagner

 spielte in seiner Karriere natürlich auch eine große Rolle. Hier war Franz Grundheber bei der Auswahl der Partien aber sehr viel wählerischer und beschränkte sich später auf Amfortas und den Holländer. In diesen Rollen, meinte er immer wieder, könne er die Vorzüge seiner Stimme, eine gewisse Italienità, einbringen.  Natürlich sang er im Laufe seiner Karriere auch Heerrufer, Kurwenal und in Hamburg den Donner, später auch wenige Male Gunther. Wotan wollte er jedoch nie machen. Immer wieder auf das Thema angesprochen, meinte er, er hätte seine Stimme verändern müssen, um einen Klang zu erzeugen, den er sich für diese Partie vorstellt, der aber nicht sein natürlicher Klang war. Genau das wollte er vermeiden. Auch ein Hans Sachs kam nie zustande. Eine geplante Produktion der „Meistersinger“ musste mehrmals verschoben werden, danach war es Franz Grundheber selbst schon zu spät für diese fordernde Rolle. Schade!

27. September 2017 – Runder Geburtstag

Am 27. September 2017 ist Franz Grundheber 80 Jahre alt geworden. Hört man ihn singen, mag man es kaum glauben. Sein Leben ist die Opernbühne. Wenn er uns die Musik näherbringen kann, wenn er zeigt, dass Jago nicht von Grund auf böse ist, dass Scarpia in der Brutalität seines Berufes so gefangen ist, dass diese das einzige ist, was noch Gefühle in ihm zu wecken vermag. Oder aber, wenn Amonasro die Hand gegen seine Tochter Aida erhebt und plötzlich entsetzt darüber ist. Diesen seinen Blick vergisst man nicht. Dieser Augenblick unterstreicht die Musik und bringt den Zuhörern ungleich mehr als schöne Töne, vielmehr Verständnis für diese komplexen Figuren, die nicht immer durchschaubar sind.

Abseits der Bühne ist er ein vielgeliebter Kollege, immer hilfsbereit und geduldig. Langsam,  hat er sich in den letzten Jahren von den meisten seiner großen Rollen verabschiedet. 2011 sang er seinen letzten Simone Boccanegra und Angebote, diese Rolle noch zu singen, schlug er aus, da er sich nicht mehr sicher war, diese Partie noch den eigenen Erwartungen entsprechend bewältigen zu können.

Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper + Kommendes

Zu seinem 80er wollen wir Wiener Franz Grundheber, Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper seit 2010, nun ganz herzlich gratulieren und ihm für mehr als 250 wunderbare Vorstellungen am Hause danken! Dazu zählen die Premieren von Wozzeck (1987), Elektra (1989), Cardillac (1994), Palestrina (1999), Lulu (2000), Le Villi (2005) und Moses und Aron (2006), sowie Repertoire-Vorstellungen als Jago, Macbeth, Rigoletto, Scarpia, Amonasro, Faninal, Barak, Holländer, Amfortas …

Im Dezember 2017 kehrt Franz Grundheber in die von ihm geschätzte Stadt Wien zurück. Er wird in der Lulu-Inszenierung von Willy Decker den Schigolch verkörpern. Eine Rolle, die er mittlerweile in Madrid, Barcelona, bei den Salzburger Festspielen, in Amsterdam und 2015 an der Met erfolgreich gestaltet hat.

Nach dem euphorisch gefeierten Auftritt als Moses in Moses und Aron in der Elbphilharmonie im Jänner 2017 und den schon erwähnten Barak-Auftritten in Leipzig gab es im September 2017 eine umjubelte Semi-konzertante Aufführung des Fliegenden Holländers in der Heimatstadt Trier. Nach Wien gibt es Auftritte als Peter Besenbinder (Hänsel und Gretel) in Hamburg und Düsseldorf.

Wir wünschen Franz Grundheber anhaltende Gesundheit, auf dass er nach vielen Jahren Wanderschaft durch die Opernhäuser der Welt sein Zuhause genießen kann. Eigentlich ist er ja auch recht gern zuhause…Aber wer weiß…

Buch Franz Grundheber und Wozzeck © Armin Lücke

Buch Franz Grundheber und Wozzeck © Armin Lücke

 

—| IOCO Portrait Staatsoper Hamburg |—

Gera, Theater und Philharmonie Thüringen, Premiere: IPHIGENIE AUF TAURIS, 17.10.2014

Oktober 10, 2014 by  
Filed under Premieren, Pressemeldung, Theater Altenburg Gera

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Theater und Philharmonie Thüringen

Theater und Philharmonie Thüringen / Großes Haus der Bühnen der Stadt Gera (rechts) Landestheater Altenburg Collage © Stephan Walzl

Theater und Philharmonie Thüringen / Großes Haus der Bühnen der Stadt Gera (rechts) Landestheater Altenburg Collage © Stephan Walzl

Iphigenie auf Tauris  von Christoph Willibald Gluck

Premiere 17.10.2014; Weitere Vorstellungen: 19. Okt. 14.30 Uhr, 1. Nov. 19.30 Uhr, 16. und 17. Jan. 19.30 Uhr, 22. Febr. 14.30 Uhr

Zum 300. Geburtstag von Christoph Willibald Gluck bringt die Theater&Philharmonie Thüringen seine Oper Iphigenie auf Tauris in der Antiken-Reihe „Der Weg der Heldin“ auf die Bühne. Die Geraer Premiere ist am 17. Oktober 19.30 Uhr im Großen Haus. Die musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Laurent Wagner. Elmar Gehlen zeichnet für Inszenierung und Bühne verantwortlich. Die Kostüme entwarf Martina Feldmann. Der Opernchor singt in der Einstudierung von Holger Krause.

Besetzung: Anne Preuß (Iphigenie), Kai Wefer (Thoas), Max An (Orest), Jueun Jeon (Pylades), Akiho Tsujii (Priesterin), Caterina Maier/ Sin Ae Choi (Diana)u.a.

Opera Garnier in Paris © IOCO

Opera Garnier in Paris © IOCO

1778 als Auftragswerk für die Pariser Opéra entstanden, kam Iphigenie en Tauride im darauffolgenden Jahr zu einer triumphalen Uraufführung – ein Erfolg, den Christoph Willibald Gluck wenig später in Wien, Frankfurt und Berlin fortsetzen konnte. Psychologische Tiefe, emotionale Wahrheit – ein neues Opernverständnis drückt sich in den Reformopern Glucks aus.

Ein schrecklicher Sturm bricht unvermittelt über die Küsten von Tauris herein. Iphigenie und andere Priesterinnen des Tempels der Diana rufen die Götter um Verschonung vor der tosenden Naturgewalt an. Auch der Tyrann Thoas fürchtet um sein Leben und befiehlt den Opfertod der Freunde Orest und Pylades, die Schiffbruch an den Gestaden der Insel erlitten haben. Iphigenie soll als Priesterin den Opferdienst verrichten, doch mit Entsetzen erkennt sie in Orest ihren Bruder …

Elmar Gehlen, geboren 1943 in Hornberg, machte zunächst eine Ausbildung als Dekorateur und Graphiker, nahm später jedoch Privatunterricht bei Hans Dieter Zeidler und absolvierte die Sprach- und Schauspielschule Schneider bei Stuttgart. 1969 holte Rolf Liebermann ihn als Choreograf und Pantomimen an die Hamburgische Staatsoper. Dort arbeitete er mit Penderecki, Marcel Marceau und Maurizio Kagel zusammen, letzterer setzte ihn für sein Werk Staatstheater (1971) ein. Daraus ergab sich eine langjährige Zusammenarbeit und Aufnahme in das Kölner Ensemble für Neue Musik mit zwei großen Welttourneen und Teilnahme an allen wichtigen Festivals.

Seit 1973 arbeitete Elmar Gehlen hauptsächlich als Regisseur für Schauspiel und Oper und entwarf auch oft die Bühnenbilder zu seinen Inszenierungen. Ab 1991 war Elmar Gehlen am Staatstheater Kassel engagiert, wo er als Leiter des experimentellen Theaters „Die Vierte Sparte“ als Regisseur und Bühnenbildner arbeitete.

Weitere Vorstellungen: 19. Okt. 14.30 Uhr, 1. Nov. 19.30 Uhr, 16. und 17. Jan. 19.30 Uhr, 22. Febr. 14.30 Uhr

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