Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2019, Lohengrin – Richard Wagner, IOCO Kritik, 09.08.2019

August 9, 2019 by  
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Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

 Lohengrin – Richard Wagner

– Aufregende Besetzungs-Scharade –

von Ingrid Freiberg

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Lohengrin ist die wohl schönste (und nach Wagners eigenen Worten „allertraurigste“) Oper des Meisters. Während seiner Beschäftigung mit Tannhäuser fand Richard Wagner zum mittelalterlichen Stoff in Wolfram von Eschenbachs mittelhochdeutschem Versepos Parzival und erkannte in dem strahlenden Ritter sich selbst als einen von Gott gesandten und von der öden Welt missverstandenen Künstler. So lässt sich Lohengrin auch als Seelen- und Künstlerdrama begreifen. Das Frageverbot Lohengrins kommt geradezu dem göttlichen Verbot des Genusses der Früchte vom Baum der Erkenntnis im Alten Testament gleich. Indem Elsa das Verbot bricht, landet Wagner einmal mehr bei der Ur-Schuld des Weibes. Elsas Gegenspielerin Ortrud ergeht es durch Wagners Behandlung auch nicht besser: Mit ihrer Zerstörung verweigert Richard Wagner, ein reaktionärer Anhänger der „Revolution von oben“,  den Frauen jegliches Recht auf Einmischung in Politik und Kunst.

Bayreuth 2018 – Lohengrin – Interview mit Regisseur Yuval Sharon
youtube Trailer der Bayreuther Festspiele 2018
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Die Uraufführung des Lohengrin, 1850 in Weimar, wurde von Wagners späteren Schwiegervater Franz Liszt geleitet. In Weimar konnte der Komponist nicht beiwohnen, da er wegen Mitbeteiligung an den revolutionären Aufständen steckbrieflich gesucht wurde und sich ins Schweizer Exil begeben hatte. Erst 1861 erlebte er erstmals eine (unbefriedigende) Aufführung des Lohengrin in Wien.

Erlösung – durch Lohengrin, den Sohn des Parzival

Eine in Bedrängnis geratene Thronerbin, eine verleumderische Gegenspielerin, ihr willfähriger Gemahl und ein König aus alter deutscher Zeit – das sind die Beteiligten an einem Konflikt, der nicht nach Lösung, sondern nach Erlösung verlangt. Diese soll der Schwanenritter Lohengrin, der Sohn Parzivals, bewirken, ausgesandt vom heiligen Gral, um der des Brudermordes angeklagten Elsa von Brabant in einem Gottesgericht beizustehen. Die Bedingung dafür ist Vertrauen. „Nie sollst du mich befragen“, fordert Lohengrin von seiner Schutzbefohlenen.

Schon das Vorspiel zum ersten Akt offenbart das kompositions- und orchestrierungstechnische Genie Wagners.Wir haben hier in der Tat ein gewaltiges, langsames crescendo, welches, auf dem höchsten Grade der Klangfülle angelangt, im umgekehrten Sinne sich zu einem Ausgangspunkte zurückwendet und in einem fast unhörbaren Säuseln endigt… für mich ist es ein Meisterwerk.“ (Hector Berlioz) Obwohl das Drama ganz vom Text her erschlossen und musikalisch durchgestaltet ist, lassen sich in der durchkomponierten Großform eingebettete „Nummern“ erkennen, wie Elsas Traumerzählung „Einsam in trüben Tagen“, Elsas Szene „Euch Lüften, die mein Klagen“ und das anschließende Duett mit Ortrud, das in der unübertrefflich schönen Phrase endet „Es gibt ein Glück, das ohne Reu‘ “, der Brautchor im dritten Akt, die Liebesszene im Brautgemach „Wir sind allein“ und Lohengrins Gralserzählung „In fernem Land“.

Elsa – emanzipiert von männlichen Dogmen und Ritualen

Für das Regiekonzept von Yuval Sharon sind vor allem die starken Frauenfiguren, Elsa und Ortrud, prägend und wie diese sich von blindem Gehorsam emanzipieren können. Er versucht darzulegen, wie verführbar Menschen durch Religion und Spiritualität sind, inwieweit leben sie sie oder lassen sie sich durch spirituelle Führer verführen? Verkörpert am Ende eine neue Generation in Gestalt von Elsas Bruder Gottfried die Hoffnung auf eine bessere Welt?

Dieser Konflikt zeigt sich schon in der ersten Szene mit König Heinrich. Der erste Satz des Chors ist „Wir geben Fried und Folge dem Gebot“. Ein Scheingericht gegen Elsa schließt sich an. Im 1. Aufzug erscheint Lohengrin noch zweifelsfrei positiv und rettet sie. Je länger Lohengrin in dieser Welt bleibt, desto korrumpierbarer und schmutziger wird er –  bis Elsa das am Ende nicht mehr aushalten kann und das Frageverbot missachtet. Das ist laut Yuval Sharon eine mutige tapfere Tat – ein Aufbegehren, nicht zerstörerische Neugier… Der durch Neo Rauch und Rosa Loy stark vorgegebene Rahmen führt allerdings zu einer etwas statuarischen Inszenierung, liefert eine Traumatmosphäre, das Unterbewusstsein zeigt skurrile Bilder…

 Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin - hier : Klaus Florian Vogt als Lohengrin, das Bühnenbild ganz in Delfter Blau gehüllt © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin – hier : Klaus Florian Vogt als Lohengrin, das Bühnenbild ganz in Delfter Blau gehüllt © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Versinken in ein Gemälde

Obwohl Neo Rauch, ein international erfolgreicher deutscher Maler und der bedeutendste Vertreter der sogenannten Neuen Leipziger Schule, zusammen mit Rosa Loy, die sich mit dem Mysterium der Frau, der neuen Weiblichkeit und der neuen Romantik beschäftigt, noch nie ein Bühnenbild bzw. Kostüme für ein Theater kreiert haben, tragen beide diese Produktion entscheidend mit. Für Bühnenbild und Kostüme des männlichen Personals zeichnet Neo Rauch verantwortlich, Rosa Loy für die Kostüme der Frauen. Das Bühnenbild birgt Assoziationen an die flämische Malerei des 17. Jahrhunderts. Das Delfter Blau der Dekorationen hat Rosa Loy und Neo Rauch dazu inspiriert, für die Kostüme altniederländische Hauben und Krägen nach dem flämischen Maler Anthonis van Dyck zu kreieren… und romantisch blaue Wolkenformationen und Landschaftsszenerien zu malen. Mitten auf der Bühne steht – surreal – ein verlassenes Umspannwerk. Viele Figuren haben Flügel. Im Hintergrund ragen schemenhaft Felsen auf, es gibt Blitze, es geht um Licht und Dunkel. Wasser spielt eine Rolle, Sumpf, Schilf… Das Versinken in das Gemälde lässt der Musik Wagners nachhaltigen Raum. Ein wohltuendes Erlebnis in der oft mit Videos überfrachteten Theaterszene.

Aufregende Besetzungs-Scharade

Die Wiederaufnahme des Bayreuther Lohengrin 2019 wartet mit einem Novum auf: Lohengrin und Elsa sind in dieser Saison doppelt besetzt. Christian Thielemann, Musikdirektor der Bayreuther Festspiele, sieht dies als positiven Wettbewerb. Letztes Jahr gab es große Anerkennung für Piotr Beczala, der für Roberto Alagna eingesprungen war. 2019 singt er wieder, aber nicht alle Vorstellungen. Klaus Florian Vogt, der in Bayreuth „die Institution Lohengrin“ schlechthin ist, teilt sich mit ihm die Auftritte. Das hat durchaus Reizvolles. Die Partie der Elsa sollte ursprünglich Krassimira Stoyanova singen, die erkrankte; für sie wurde Camilla Nylund gefunden. Für zwei Vorstellungen war Anna Netrebko verpflichtet, die jedoch kurzfristig absagte… Die Scharade geht noch weiter: Annette Dasch wird nun in zwei Aufführungen die Elsa singen und Thomas J. Mayer ersetzt den erkrankten Tomasz Konieczny als Telramund. Und damit der Aufregung nicht genug, Elena Zhidkova ersetzt Elena Pankratova als Ortrud. Christian Thielemann sprach zu Beginn der Festspiele von einer „Super-Werkstatt Lohengrin, das hat sich nun in aufregender wie überraschender Hinsicht bewahrheitet!

Trotz aller Widrigkeiten lässt sich über die Aufführung am 3. August 2019 fast ausnahmslos in den höchsten Tönen schwelgen, Sängerensemble, Orchester und Chor musizieren auf beeindruckendem Niveau und verbinden sich zu einer homogenen Gesamtleistung wie man sie nicht oft erleben darf. Trotz der Umbesetzungen ist dieser Abend ein Fest!

Georg Zeppenfeld, derzeit nicht nur als wortprägnanter König Heinrich in der vordersten Liga, veredelte mit balsamischem sonoren Wohllaut seines Luxus-Basses die Königsfigur und beglückte mit exzellenter Klarheit und perfekter Rollenidentifikation.

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin - hier : Camilla Nylund als Elsa von Brabant, Ensemble © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin – hier : Camilla Nylund als Elsa von Brabant, Ensemble © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Der Tenor von Klaus Florian Vogt ist voluminöser geworden, mit durchaus sensiblen Seiten, schwankend zwischen Machismo-Ansprüchen an das männliche Geschlecht und einem Hauch von Selbstzweifeln, eine stimmlich und darstellerisch hervorragend gelungene Durchdringung des eben nicht nur edlen Charakters des Titelhelden. Er ist ohne Zweifel die Personifizierung des Lohengrin schlechthin. Seine Leistung kulminiert in einer fantastisch klar intonierten Gralserzählung gegen Ende des dritten Aufzugs. Seine Stimme klingt viril und kann durchaus autoritär das Frageverbot verkünden oder sich als Führer der Brabanter ausrufen. Man hört die „heldischen“ Passagen selten so klangschön. Seine Stimme und seine Ausstrahlung vereinigen alle Parameter zur idealen Gestaltung des Gralsritters. Sein tragfähiger, klarer Tenor, seine perfekte Diktion, das hell-silberne Timbre, seine Phrasierungskunst wie auch die Fähigkeit zu heldisch-dramatischen Ausbrüchen beglücken. In seiner Darstellung des Schwanenritters spannt er den Bogen vom unnahbaren Gottwesen bis zum einsamen, Liebe und Anerkennung suchenden Mannes, der als missbrauchte Reflektionsfigur an den unabänderlichen Verhältnissen scheitert. Vogts „In fernem Land, unnahbar euren Schritten“ ist ein glanzvoller Höhepunkt des Abends.

Sechs gestandene Wagner-Sänger*innen teilen sich im Lohengrin die Hauptrollen. Neu im Ensemble und erst kurz vor der Wiederaufnahme eingesprungen ist Camilla Nylund als Elsa. In der Traumerzählung überzeugt sie mit berührend zarten Farben. Sie singt die Partie mit berückend schönem, ganz leicht eingedunkeltem Timbre. Strahlend und licht schwingt sich ihre wunderbar sicher geführte Sopranstimme auf, brilliert im Duett mit Ortrud und in der Brautgemachszene mit Lohengrin mit berührender Intensität, einer Intensität, die sie auch in der Darstellung erreicht.

Ortrud – Elena Zhidkova ist ein Glücksgriff

Vor Vorstellungsbeginn wird mitgeteilt, dass Elena Zhidkova – nach kurzer Einweisung – die Rolle der Ortrud übernimmt und nicht, wie zuvor angekündigt .Elena Pankratova. Elena Zhidkova ist  ein absoluter „Glücksgriff“! Mit großer stimmlicher Attacke porträtiert sie Ortrud als intrigante, machtgeile, giftige Gegenspielerin von Elsa von Brabant. Sie ist die dunkle Zauberin, die Kämpferin gegen das von Lohengrin verkörperte Patriarchat und verleiht dieser Figur eine ungemein packende Größe und Kraft. Überwältigend, mit punktgenau geführter Stimme und wohl dosierten dramatischen Ausbrüchen schleimt sie sich bei Elsa ein, um deren Psyche mit ihrem Gift durchtränken zu können. Dabei gestaltet sie ihre Einsätze zu regelrechten Feuerwerken mit eingebauten Vulkan-Ausbrüchen.

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin - hier : Klaus Florian Vogt als Lihengrin und Camilla Nylund als Elsa von Brabant © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin – hier : Klaus Florian Vogt als Lihengrin und Camilla Nylund als Elsa von Brabant © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Egils Silins singt an diesem Abend Heerrufer und Telramund

Mit „Seht da, den Herzog von Brabant!“ ruft Egils Silins, ein markant respekteinflößender Heerrufer des Königs, klangvoll und nobel zur Versammlung der Ritter auf. Ausdrucksvoll, mit kernig-kräftigem Bariton, zuweilen auch mit ungewöhnlich hintergründigen Tönen, verleiht er der Figur mehr Charakter als üblich. Er wird zum „Hasardeur“, als er im 2. Aufzug eine zusätzliche Aufgabe übernimmt und den inzwischen gänzlich indisponierten Tomasz Konieczny covert. Bereits mit seiner ersten Arie „Dank, König, dir, dass du zu richten kamst…“ lässt dieser wunderbar dramatische Bassbariton erkennen, dass er Probleme mit seiner Stimme hat. Egils Silins übernimmt die Rolle des Friedrich von Telramund. Den gelungenen Wechsel unterstützt auch das märchenhafte Bühnenbild: Kaum sichtbar und vollkommen überzeugend kann Silins, der immer mehr Tiefe bekommt und dabei durch sein völlig akzentfreies Deutsch besticht, übernehmen. Er ist ein geifernder Bösewicht wie aus dem Bilderbuch… und fängt das Malheur mit Bravour auf.

Der Chor der Bayreuther Festspiele (134 Personen!) überzeugt einmal mehr unter seinem langjährigen Leiter Eberhard Friedrich ohne jeden Abstrich, wird auch an diesem Abend stimmlich wie darstellerisch jeder Herausforderung gerecht und ist eine der tragenden Säulen der Aufführung…

Vollkommener Wagner-Klang

Silbrig-ätherische Klänge kann er ebenso zaubern wie atemberaubende Steigerungen: Christian Thielemann kennt – und kann seinen Wagner. Das zeigt sich gleich im Lohengrin-Vorspiel mit seiner mystischen Grals-Atmosphäre. Wie kein Zweiter beherrscht Thielemann die Finessen und Tücken der Bayreuther Akustik. Zwischen Debussy-hafter Zartheit und staatstragendem Pomp bietet sein Lohengrin perfekten Wagner-Klang. Das bestens vorbereitete Festspielorchester ist auf seinen Musikdirektor eingeschworen, bietet ihm lyrische Streichergesänge, warmes Holz und rundes, strahlkräftiges Blech. Wann hätte man die Bühnenmusik bei Wagner je so perfekt erlebt wie hier? Die ätherische A-Dur Sphäre des Vorspiels lässt er in blau-silberner Schönheit leuchten, in fein abgestuften Schattierungen von zarten piani – wie hingetupft – bis zum überschwänglichen Höhepunkt des Gralsthemas. Mit welch souverän unverkrampfter Lust sich Thielemann in das Wagner-Abenteuer begibt, ist eine Freude.

Minutenlanger, einhelliger Applaus mit dem in Bayreuth üblichen euphorischen „Getrampel“ zeigen, dass auch kulinarische Inszenierungen ihren Platz in den Herzen der Wagnerianer finden können.

—| IOCO Kritik Bayreuther Festspiele |—

Bayreuth, Bayreuther Festspiele, Die 107. Bayreuther Festspiele beginnen, IOCO Aktuell, 25.07.2018

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

Bayreuther Festspiele 2018

Lohengrin, Parsifal, Tristan, Meistersinger, Holländer, Walküre

Von Patrik Klein

Am 25. Juli eines jeden Jahres beginnen auf dem Grünen Hügel in Bayreuth die Bayreuther Festspiele; den Hauptwerken Richard Wagners gewidmet. In Anwesenheit von Kaiser Wilhelm I. (Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen 1797 – 1888) wurde am 13.8.1876 die erste Festspielsaison in Bayreuth mit Rheingold und höchst prominenten Gästen wie König Karl von Württemberg, Friedrich Nietzsche, Anton Bruckner, Franz Liszt, Leo Tolstoi, Camille Saint-Saents eröffnet. Der menschenscheue König Ludwig II. (1845 – 1886), Finanzier und Wagnerverehrer, fehlte zur Eröffnung; doch hatte er Tage zuvor den Generalproben und später einem Ring-Zyklus beigewohnt. 58.000 Besucher, verschworene Wagnerianer,  „pilgern“ seither jedes Jahr zu den Bayreuther Festspielen. Die Festspiele zählen zu den bekanntesten wie meist besprochenen Festspielen der Welt. IOCO wird mit sechs Korrespondenten alle Bayreuther Produktionen besuchen und für IOCO – Besucher besprechen.

Spielplan 2018  –  Hintergründe

Richard Wagner Büste © IOCO

Richard Wagner Büste © IOCO

Am 25. Juli 2018 beginnen die 107. Bayreuther Festspiele mit einer Neuinszenierung des Lohengrin. Die Regie liegt in den Händen von Yuval Sharon (der mit israelischen Wurzeln versehene Regisseur arbeitete unter anderem an der Deutschen Oper Berlin, bei den Bregenzer Festspielen und an der Oper von San Franzisco. Zu seinen neueren Arbeiten zählt Péter Eötvös’ Tri Sestri an der Wiener Staatsoper. Seine Inszenierung der Oper Doctor Atomic von John Adams 2014 am Staatstheater Karlsruhe erhielt den Götz-Friedrich-Preis). Für die Ausstattung zeichnen Neo Rauch und Rosa Loy verantwortlich. Beachtenswert dürfte Piotr Bezcala als Lohengrin nach der höchst unwürdigen Absage von Roberto Alagna und die Rückkehr von Waltraud Meier als Ortrud auf den Grünen Hügel sein. Die musikalische Leitung zum Lohengrin hat Christian Thielemann. Der Musikdirektor der Festspiele wird dann jedes der Hauptwerke Wagners auf dem Grünen Hügel dirigiert haben. Daneben stehen Der fliegende Holländer, Die Meistersinger von Nürnberg, Tristan und Isolde und Parsifal auf dem Spielplan. Um im ersten ringfreien Jahr eine möglichst große Zahl unterschiedlicher Produktionen zeigen zu können, wird zudem Die Walküre aus dem abgespielten Castorf-Ring noch einmal in drei Einzelvorstellungen präsentiert. Am Pult steht hier kein geringerer als Plácido Domingo.

IOCO Kultur im Netz berichtete 2017 ausführlich über Produktionen in Bayreuth, wie den Rings des Nibelungen, den sogenannten Castorf-Ring, Parsifal oder Die Meistersinger von Nürnberg. 2018 wird IOCO erneut mit mehreren Korrespondenten leidenschaftlich, mit offenen Augen und „gespitzten“ Ohren den Aufführungen im Festspielhaus beiwohnen und darüber berichten.

Die Bestätigung der im Herbst bestellten Tickets sind mittlerweile erfolgt. Ein weiteres Kontingent an Karten kommt demnächst in den Onlineverkauf. Voraussichtlich am 18. März 2018 um 14 Uhr wird der Verkauf von Eintrittskarten für die Bayreuther Festspiele 2018 im Online-Soforterwerbs-Verfahren beginnen, das heißt, ohne oftmals langjährige und lästige Wartezeiten.

Für sämtliche Aufführungen der Bayreuther Festspiele 2018 sind Eintrittskarten für Online-Bestellungen und schriftliche Bestellungen und für Online-Sofortkauf-Tickets abrufbar unter: http://www.bayreuther-festspiele.de/tickets-service/agb/

Kartenbestellungen werden nur im Internet (http://ticket.btfs.de) oder in schriftlicher Form (Bestellschein an: Bayreuther Festspiele GmbH · Kartenbüro · Postfach 100 262 · 95402 Bayreuth) angenommen.

 Palast am Canale Grande in Venedig - Richard Wagner wohnte und starb hier © IOCO

Palast am Canale Grande in Venedig – Richard Wagner wohnte und starb hier © IOCO

Bayreuther Festspiele – Spielplan 2018

Besetzungen – Änderungen vorbehalten

LOHENGRIN –  25.7.; 29.7.; 2.8.; 6.8.; 10.8.2018

Musikalische Leitung Christian Thielemann
Regie Yuval Sharon
Bühne Neo Rauch, Rosa Loy
Kostüm Rosa Loy, Neo Rauch
Chorleitung Eberhard Friedrich
Licht Reinhard Traub

Heinrich der Vogler Georg Zeppenfeld
Lohengrin Piotr Bezcala  (Roberto Alagna hat kurzfristig abgesagt)
Elsa von Brabant Anja Harteros
Friedrich von Telramund Tomasz Konieczny
Ortrud Waltraud Meier
Der Heerrufer des Königs Egils Silins

  1. Edler Michael Gniffke
  2. Edler Eric Laporte
  3. Edler Raimund Nolte
  4. Edler Timo Riihonen

Termine: Mittwoch, 25. Juli 2018, 16:00 Uhr; Sonntag, 29. Juli 2018, 16:00 Uhr; Donnerstag, 02. August 2018, 16:00 Uhr; Montag, 06. August 2018, 16:00 Uhr; Freitag, 10. August 2018, 16:00 Uhr


PARSIFAL: 26.7.; 1.8.; 14.8.; 19.8.; 25.8.2018

Musikalische Leitung Semyon Bychkov
Regie Uwe Eric Laufenberg
Bühne Gisbert Jäkel
Kostüm Jessica Karfe
Licht Reinhard Traub
Video Gérard Naziri
Dramaturgie Richard Lorber
Chorleitung Eberhard Friedrich

Amfortas Thomas J. Mayer
Titurel Tobias Kehrer
Gurnemanz Günther Groissböck
Parsifal Andreas Schager
Kundry Elena Pankratova
Klingsor Derek Welton

Termine: Donnerstag, 26. Juli 2018, 16:00 Uhr; Mittwoch, 01. August 2018, 16:00 Uhr; Mittwoch, 08. August 2018, 16:00 Uhr; Dienstag, 14. August 2018, 16:00 Uhr; Sonntag, 19. August 2018, 16:00 Uhr; Samstag, 25. August 2018, 16:00 Uhr


 Richard Wagner Denkmal im Berliner Tiergarten © Rainer Maass

Richard Wagner Denkmal im Berliner Tiergarten © Rainer Maass

TRISTAN UND ISOLDE: 27.7.; 13.8.; 16.8.; 20.8.; 24.8.; 28.8.2018

Musikalische Leitung Christian Thielemann
Regie Katharina Wagner
Bühne Schlößmann; Lippert
Kostüm Thomas Kaiser
Dramaturgie Daniel Weber
Licht Reinhard Traub
Chorleitung Eberhard Friedrich

Tristan Stephen Gould
Marke René Pape, Georg Zeppenfeld
Isolde Petra Lang
Kurwenal Iain Paterson
Brangäne Christa Meyer

Termine: Freitag, 27. Juli 2018, 16:00 Uhr; Montag, 13. August 2018, 16:00 Uhr; Donnerstag, 16. August 2018, 16:00 Uhr; Montag, 20. August 2018, 16:00 Uhr; Freitag, 24. August 2018, 16:00 Uhr; Dienstag, 28. August 2018, 16:00 Uhr


DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG –  28.7.; 5.8.; 11.8.; 17.8.; 21.8.; 27.8.2018

Musikalische Leitung Philippe Jordan
Regie Barrie Kosky
Bühne Rebecca Ringst
Kostüm Klaus Bruns
Chorleitung Eberhard Friedrich
Dramaturgie Ulrich Lenz
Licht Franck Evin

Hans Sachs Michael Volle
Veit Pogner Günther Groissböck
Sixtus Beckmesser Johannes Martin Kränzle
Fritz Kothner Daniel Schmutzhard
Walther von Stolzing Klaus Florian Voigt
David Daniel Behle
Eva Emily Magee

Termine: Samstag, 28. Juli 2018, 16:00 Uhr; Sonntag, 05. August 2018, 16:00 Uhr; Samstag, 11. August 2018, 16:00 Uhr; Freitag, 17. August 2018, 16:00 Uhr; Dienstag, 21. August 2018, 16:00 Uhr; Montag, 27. August 2018, 16:00 Uhr


DER FLIEGENDE HOLLÄNDER:  30.7.; 3.8.; 7.8.; 12.8.; 22.8.; 26.8.2018

Musikalische Leitung Axel Kober
Regie Jan Philipp Gloger
Bühne Christof Hetzer
Kostüm Karin Jud
Chorleitung Eberhard Friedrich
Dramaturgie Sophie Becker
Licht Urs Schönebaum

Daland Peter Rose
Senta Ricarda Merbeth
Erik Tomislav Muzek
Mary Christa Mayer
Der Steuermann Rainer Trost
Holländer Greer Grimsley, John Lundgren

Termine: Montag, 30. Juli 2018, 18:00 Uhr; Freitag, 03. August 2018, 18:00 Uhr; Dienstag, 07. August 2018, 18:00 Uhr; Sonntag, 12. August 2018, 18:00 Uhr; Mittwoch, 22. August 2018, 18:00 Uhr; Sonntag, 26. August 2018, 18:00 Uhr


DIE WALKÜRE – 31.7.; 18.8.; 29.8.2018

Musikalische Leitung Plácido Domingo
Regie Frank Castorf
Bühne Aleksandar Denic
Kostüm Adriana Braga Peretzki
Licht Rainer Casper
Video Andreas Deinert, Jens Crull
Technische Einrichtung Karl-Heinz Matitschka

Siegmund Stephen Gould
Hunding Tobias Kehrer
Wotan Greer Grimsley, John Lundgren
Sieglinde Anja Kampe
Brünnhilde Catherine Foster
Fricka Marina Prudenskaya

Termine: Dienstag, 31. Juli 2018, 16:00 Uhr; Samstag, 18. August 2018, 16:00 Uhr; Mittwoch, 29. August 2018, 16:00 Uhr


Alle Informationen und weitere Details können auf der Internetseite www.bayreuther-festspiele.de eingesehen werden.

—| Pressemeldung Bayreuther Festspiele |—

Wien, Wiener Staatsoper, Premiere Samson et Dalila, 12.05.2018

Mai 7, 2018 by  
Filed under Oper, Pressemeldung, Wiener Staatsoper

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Samson et Dalila  –  Camille Saint-Saens

Nach 24 Jahren kehrt Samson et Dalila zurück an die Wiener Staatsoper: Am  12. Mai 2018 feiert die Oper in einer Neuinszenierung von Alexandra Liedtke Premiere im Haus am Ring. Weitere Vorstellungen: 15.5.; 18.5.; 21.5.2018.

Camille Saint-Saens komponierte ausgehend von einem Libretto Voltaires eine Oper (die ursprüngliche Musik zu diesem Werk ist verschollen), die aus der bekannten biblischen Geschichte nur einen Ausschnitt wählt: Die Liebesgeschichte. Besonders interessierte den Komponisten aber auch der einsame Raum rund um die Protagonisten – und so sind Samson und Dalila nicht nur Liebende, sondern auch Einsame in sich bekriegenden Gesellschaften.

Camille Saint-Saens in Paris © IOCO

Camille Saint-Saens in Paris © IOCO

Uraufgeführt wurde das Werk 1877 in Weimar, kam 15 Jahre später an die Pariser Opéra und 1907 in der Direktion Gustav Mahlers und unter Dirigent Bruno Walter an die Wiener Hofoper. Die bisher zweite Staatsopern-Produktion von Samson et Dalila kam im Dezember 1990 heraus, mit KS Plácido Domingo als Samson, KS Agnes Baltsa als Dalila, unter dem Dirigat von Georges Prêtre und in einer Inszenierung von Götz Friedrich.

Die anstehende Neuproduktion wird musikalisch geleitet vom italienischen Dirigenten Marco Armiliato, der seit seinem Debüt im Haus am Ring 1996 mit Andrea Chénier eine Vielzahl an Repertoirevorstellungen – insgesamt 30 unterschiedliche Werke – sowie die
Premierenproduktion von Il trovatore (2017) dirigierte. Bei Samson et Dalila handelt es sich um eine durchwegs französische Musik, um eine sehr abwechslungsreiche, kurzweilige, elegante französische Musik, in der jeder einzelne Moment für sich ebenso beeindruckend ist, wie der Gesamteindruck! […] In dieser Oper reiht sich ein besonderer Moment an den nächsten“, so Marco Armiliato im Gespräch mit Andreas Láng für das Staatsopernmagazin Prolog.

Regie führt – erstmals an der Wiener Staatsoper – die deutsche Regisseurin Alexandra Liedtke, die bisher u. a. am Schauspielhaus Hamburg, dem Burgtheater, am Theater in der Josefstadt, den Salzburger Festspielen und am Schauspielhaus Bochum arbeitete. Ihr Debüt als Opernregisseurin gab sie mit Das Labyrinth bei den Salzburger Festspielen, mit Samson et Dalila debütiert sie nun im Haus am Ring. Ihr Zugang zum Werk ist mitunter geprägt von David Grossmans Buch Löwenhonig, in dem die These aufgeworfen wird, dass Samson eine Art Selbstmordattentäter ist: „Sein Buch hat für mich in der Auseinandersetzung und Vorbereitung auf die Inszenierungsarbeit einen ganz großen Reiz besessen. Es tauchen ja viele Fragen auf: Wie wird unterschieden in der Frage, ob ein Mensch ein Held ist oder ein Mörder?

Wenn man sich die großen Stoffe anschaut – egal, ob Bibel oder griechische Mythologie – was definiert Menschen, ob sie Helden sind oder Mörder? Wenn jemand tausende Menschen umbringt: Wann nennen wir ihn einen Helden? Bei Samson frage ich mich: Wie sehr wollte er das tun? Er wurde schon vor seiner Geburt auserwählt – hatte er eine Wahl? Wie lebt es sich mit dem Wissen, der Retter eines Volkes zu sein? Ein Gottgesandter zu sein? Manchmal habe ich ja fast den Eindruck, dass Samson wie ein Kind durch die Welt wandelt und niemals an Konsequenzen denkt.“

Der deutsche Bühnenbildner Raimund Orfeo Voigt, der an der Akademie der Bildenden Künste in Wien studierte, ist mit Samson et Dalila erstmals an der Wiener Staatsoper tätig. Er arbeitete bisher u. a. für das Schauspielhaus Graz, die Salzburger Festspiele, das Theater in der Josefstadt, Burgtheater, Salzburger Landestheater, Staatstheater Mainz, Schauspiel Leipzig, für die Opernfestspiele der Bayerischen Staatsoper, das Residenztheater München, das Berliner Ensemble.

Alexandra Liedtke und Raimund Orfeo Voigt entschieden sich bewusst für ein schlichtes Bühnenbild und gegen Exotismus aus biblischer Zeit, was die Regisseurin erläutert: „Ich stelle mir lieber die Frage: Wie modern ist das Thema? Es geht um Macht, um Machterhalt. Und es geht um Verantwortung und Liebe – und die Spannung, die sich daraus ergibt. Was passiert, wenn man sich zwischen Herz und Verstand entscheiden muss? Ich fürchte, es geht selten gut aus …“

Die Kostüme gestaltet die deutsche Kostümbildnerin Su Bühler, die an der Wiener Staatsoper bisher die Kostüme für Lady Macbeth von Mzensk kreierte. Für das Lichtdesign zeichnet Gerrit Jurda (Debüt im Haus am Ring) verantwortlich, die Choreographie stammt von Lukas Gaudernak.

Die Sängerbesetzung

In den Titelpartien geben zwei der international gefragtesten Sänger ihr persönliches Rollendebüt: KS Roberto Alagna als Samson sowie KS Elina Garanca als Dalila.

Den Protagonisten Samson beschreibt KS Roberto Alagna so: „Für mich ist er der größte Held der Bibel. Als ich Kind war, erzählte mir meine Großmutter die bekannten Geschichten aus der Bibel nach. […] Und Samson wurde bald zu meinem liebsten Helden. […] Weil Samson nicht nur enorm stark war, sondern auch eine gewisse Fragilität hatte. Wir lernen in der Bibel ja, wie er auch Schwäche zeigte. Abgesehen davon scheint er mir bis heute ein nobler Charakter: Sein Flehen zu Gott um Vergebung hat ja keine persönlichen Gründe, sondern er bittet um Macht, um seinem Volk helfen zu können. […] Samson zu studieren ist so wie sich zu verlieben. Umso mehr man sich mit der Partie beschäftigt, desto vielfältiger und faszinierender erscheint sie einem. Es ist überraschend, wie reich diese Oper an Melodien ist, wie viel Atmosphäre in ihr steckt. Man hört Phrasen, die unglaublich bewegend sind und einen an Puccini erinnern.“
Im Haus am Ring feierte der Tenor in den vergangenen Wochen großen Erfolg als Otello sowie als Calaf (Turandot); nach Des Grieux (Manon), Faust sowie Manrico (Il trovatore) ist Samson et Dalila seine vierte Staatsopernpremiere.

KS Elina Garanca verkörpert erstmals die Dalila, eine Partie, die für sie besonders interessant ist: „Bei Dalila ist es ja tatsächlich so, dass wir sehr wenig über sie wissen. Woher kommt sie? Wer hat welche Macht über sie – und warum? Hat sie einen Glauben – und wenn ja, welchen? Wie ist ihr Verhältnis zum Oberpriester? Alles ist ziemlich nebelhaft. Da muss ich mir eben viele Fragen stellen und bin gefordert, die Bühnenfigur zum Leben zu erwecken. Das ist durchaus eine sehr schöne Arbeit – und macht die Proben auch spannend! […] Sie ist ein komplexer Charakter, und das interessiert mich! […] Ich hatte immer großen Respekt vor der Partie, weil sie so als Alto-mäßig verschrien ist. Dalila ist in Wahrheit aber eine unglaublich lyrische Partie, die man auch so singen muss.“

KS Ellna Garanca startete ihre Karriere als Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, der sie seit ihrem Debüt eng verbunden ist. Mit Samson et Dalila wirkt sie bei ihrer fünften Premiere im Haus am Ring mit; bisherige Neuproduktionen waren Meg Page (Falstaff), Charlotte (Werther), Giovanna Seymour (Anna Bolena), und Sesto (La clemenza di Tito).

KS Carlos Álvarez gestaltet den Oberpriester des Dagon, den großen Gegenspieler des Protagonistenpaares Samson und Dalila. Die Produktion ist die achte Staatsopernpremiere des Publikumslieblings nach Don Carlo (Ernani), Don Giovanni (im Theater an der Wien), Figaro (Le nozze di Figaro), Alphonse XI (La Favorite), Ford (Falstaff), Sulpice (La Fille du régiment), Don Carlos (La forza del destino).  Den Oberpriester des Dagon verkörperte er erstmals vor rund drei Jahren in Oviedo und gibt nun sein Staatsopern-Rollendebüt. Im Gespräch mit Andreas Láng für den Prolog erklärt er auf die Frage, ob der Oberpriester der eigentliche Bösewicht in Samson et Dalila ist: „Was ist der Oberpriester des Dagon? Die zentrale politische und religiöse Macht der Philister in einer Zeit, in der Menschenleben nicht viel galten und die Geschichte nur von den Siegern geschrieben wurde. […] Aus seiner Sicht kann das Ziel nur in der Vernichtung Samsons liegen – und darin wird er nichts Verwerfliches erkennen. Das Publikum soll durchaus über die Sinnhaftigkeit dieses Standpunktes nachdenken, über alternative Wege diskutieren, aber so einfach als Bösewicht würde ich den Oberpriester nicht abqualifizieren.“

In den weiteren Partien sind die Staatsopern-Ensemblemitglieder Sorin Coliban als Abimélech, Dan Paul Dumitrescu als Alter Hebräer, Leonardo Navarro als Kriegsbote der Philister, Jörg Schneider als Erster Philister und Marcus Pelz als Zweiter Philister zu erleben.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Wien, Wiener Staatsoper, Premiere Il Trovatore mit Anna Netrebko, 05.02.2017

Februar 2, 2017 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

  Il trovatore von Giuseppe Verdi

Nach 16 Jahren kehrt Giuseppe Verdis Il trovatore zurück auf die Bühne der Wiener Staatsoper und feiert am Sonntag, 5. Februar 2017 Premiere in einer Neuproduktion im Haus am Ring. Es ist dies nach Armide und Falstaff die dritte Opernpremiere im Großen Haus in dieser Saison. Verdis „Dramma in vier Teilen“ – seit seiner Uraufführung 1853 in Rom ein vom Publikum und Kritik gleichermaßen bejubeltes Werk, wurde an der Wiener Staatsoper schon im Eröffnungsjahr 1869 zum ersten Mal gezeigt und stand bisher 646 Mal auf dem Spielplan, zuletzt am 20. Jänner 2001.

Am Dirigentenpult steht Marco Armiliato, der dem Haus am Ring seit langem eng verbunden ist und der bisher knapp 30 unterschiedliche Werke an über 200 Abenden leitete. Il trovatore ist die erste Staatsopernpremiere des italienischen Maestros. Er sieht Il trovatore – wie auch die zwei anderen Werke von Verdis „trilogia popolare“, Rigoletto und La traviata – als „einen wirklichen und prägnanten Höhepunkt im Gesamtschaffen Verdis. Zum ersten Mal ist Verdi nun ganz der Verdi, als der er in die Geschichte eingegangen ist. Das bedeutet nicht, dass die Werke zuvor – wie Macbeth – nicht auch ganz große Meisterwerke wären. Aber man spürt beim Trovatore so eine unglaubliche Sicherheit in dem, was er macht. Es ist zum Beispiel in der Instrumentation, in der Behandlung des Orchesters eine bestechende Logik. Und dazu kommt auch noch, dass Verdi mit einem großen Sinn für Dramaturgie und einer Kenntnis der Möglichkeiten der menschlichen Gesangsstimme an die Solopartien herantritt.“

Regisseur Daniele Abbado präsentiert mit Il trovatore nach Don Carlo (2012) seine zweite Produktion im Haus am Ring. Sein Trovatore ist, wenn auch bewusst ohne allzu historische Bezüge, in der Zeit des spanischen Bürgerkriegs angesiedelt: Die Manrico-Azucena-Seite verkörpert eine bewaffnete Partisanen-Gruppierung, die Welt des Grafen Luna bildet die gegnerische militaristische Seite, von der sich Leonora im Laufe der Handlung emanzipiert. Dazu erläutert Daniele Abbado: „Es ist auf den ersten Blick nicht einfach, im Trovatore einen roten Handlungsfaden auszumachen. Ein wesentlicher Aspekt, der natürlich sogleich ins Auge springt, ist jedoch das Verhältnis von Luna und Manrico. Dieses Grundmotiv der Oper – zwei Brüder bekriegen einander – zeigen wir hier im vergrößerten Maßstab eines ganzen Volkes, wobei es in Wahrheit unerheblich ist, dass Manrico und Luna von ihrer Verwandtschaft nichts wissen – immerhin spürt Manrico etwas diesbezügliches, sonst hätte er Luna im Duell ja nicht begnadigt. Uns geht es also unter anderen darum, den blutigen Konflikt, den abgrundtiefen Hass zweier Parteien zu zeigen, die eigentlich zusammengehören und die sich sinnlos bekämpfen, bis entweder eine der Seiten oder beide untergegangen sind.“ Daniele Abbados Inszenierung findet im Bühnenbild von Graziano Gregori, im Kostümdesign von Carla Teti und in der Lichtgestaltung von Alessandro Carletti ihre Umsetzung.

Durchgehend Wiener Rollendebüts in der Sängerbesetzung

Alle Premierensängerinnen und –sänger geben in der Premiere am 5. Februar ihr Rollendebüt an der Wiener Staatsoper:

So singt der französische Bariton Ludovic Tézier mit dem Conte di Luna seine zweite Neuproduktion im Haus am Ring, nachdem er bereits im Dezember als Ford im Falstaff zu erleben war.  Als Leonora ist erstmals im Haus am Ring Anna Netrebko zu erleben – die Leonora ist nach der Traviata ihre zweite Verdi-Partie an der Wiener Staatsoper und Il trovatore ihre dritte Premiere im Haus am Ring (nach Manon 2007 und Anna Bolena 2011).

KS Roberto Alagna, der an der Wiener Staatsoper zuletzt im November 2016 ein Solistenkonzert gestaltete, kehrt als Troubadour Manrico zurück an das Haus. Il trovatore ist nach dem Des Grieux in Manon 2007 (mit Anna Netrebko in der Titelpartie) und der Titelpartie in Faust 2008 seine dritte Premiere im Haus am Ring. Die italienische Mezzosopranistin Luciana D’Intino, die am Haus bisher als Amneris (Aida), Eboli (Don Carlo – Premiere 2012) und Léonore (La Favorite) Erfolge feierte, wird die Azucena verkörpern. Der junge koreanische Bass Jongmin Park, Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper, ist als Ferrando zu erleben; Simina Ivan bzw. Jinxu Xiahou – ebenfalls Ensemblemitglieder des Hauses – als Ines bzw. Ruiz. PMWStO

 

 

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