Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Viktor Schoner löst Jossi Wieler ab, IOCO Aktuell, 18.02.2016

Februar 18, 2016 by  
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Oper Stuttgart

Stuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

Stuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

 Schoner folgt Wieler – Musiker folgt Regisseur

„Grau, teurer Freund, ist alle Theorie und…“:   Wo ist Stuttgart?

Jossi Wieler (64) fühlte sich als Intendant der Staatsoper Stuttgart nie wirklich wohl. Sein Herz schlägt für die Regie, die Bühne. Der Schweizer Wieler hat in Tel Aviv Regie studiert, war Regisseur in Düsseldorf, Heidelberg, Basel, Zürich, Wien und Stuttgart erfolgreich bevor er für 2011 – 2018 zum Intendant der Oper Stuttgart bestellt wurde. Spätestens seit 2015 wird öffentlich über diverse Wieler Nachfolger diskutiert. Auf Wielers Nachfolger warten ab 2018 komplexere, lebensnahe Jahre. Die Oper Stuttgart wird ab 2020 saniert. Ersatzspielstätten, Logistik und operative Kompentenz werden dann über Jahre das künstlerische Geschehen der Oper Stuttgart mitbestimmen. Alltag, Logistik und weniger eigene Regiearbeit? Wenig reizvoll für Regisseur Wieler, der der „grauen Theorie“ der Bühne verschrieben scheint, nicht aber realem Leben, „des Lebens grünem, goldnem Baum“. Anders der 2010 an die bedeutende aber seit Jahren sanierte Staatsoper Berlin berufene Kult-Intendant Jürgen Flimm. Flimm managed die Staatsoper aus der kleinen Ersatzspielstätte Schillertheater. Erfolgreich und motiviert wirkend! Sein Kollege Josef E. Köpplinger brilliert am dauersanierten Gärtnerplatztheater, flexibel wie mit großer Regiearbeit.

Nun hat Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater auf Vorschlag einer Findungskommission Viktor Schoner, geboren 1974 in Aschaffenburg, die Bratsche ist Lieblingsinstrument, einstimmig ab Spielzeit 2018/19 zum neuen Intendanten der Staatsoper Stuttgart gewählt.  Kann Schoner Bühne und Leben?

Stuttgart / Viktor Schoner © W. Hoesl

Stuttgart / Viktor Schoner © W. Hoesl

Kunstministerin Theresia Bauer: „Mit Viktor Schoner wird in Stuttgart eine Intendantentradition seine Fortsetzung finden, die Oper auf der Basis exzellenter Ensembles und Solisten immer auch als zeitgenössische Kunstform verstanden hat.“
Oberbürgermeister Fritz Kuhn:Viktor Schoner überzeugte mit einem klaren künstlerischen Konzept, das auf internationalem musikalischen Niveau, aktuellen Regiehandschriften sowie einem vielfältigen Repertoire beruht.“    Theresia Bauer, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst: „Viktor Schoner ist in der Opernwelt international hervorragend vernetzt und brennt dafür, die Oper in Stuttgart auf höchstem künstlerischen Niveau fortzuführen. Dass er gleichzeitig die Kunstform Oper verstärkt in die Stadtgesellschaft tragen will und die Interimsspielzeiten während der Sanierung des Opernhauses auch als Chance begreift, hat überzeugt. Mit ihm wird in Stuttgart eine Intendantentradition seine Fortsetzung finden, die Oper auf der Basis exzellenter Ensembles und Solisten immer auch als zeitgenössische Kunstform verstanden hat.“

Oberbürgermeister Fritz Kuhn:Viktor Schoner überzeugte mit einem klaren künstlerischen Konzept, das auf internationalem musikalischen Niveau, aktuellen Regiehandschriften sowie einem vielfältigen Repertoire beruht. Wichtig ist ihm auch die Suche nach neuen Wegen, um diejenigen zu erreichen, denen der Zugang zur Oper bislang verschlossen blieb. Die Interimszeit während der Sanierungsphase versteht er als Chance, an einem neuen Spielort ein neues Publikum für die Kunstform Oper zu begeistern.“

Viktor Schoner: „Die einzigartige Stärke von Stuttgart ist die gewachsene Balance aus konsequent dramaturgisch innovativen Inszenierungen, herausragender musikalischer Qualität ohne Star-Allüre und einem neugierigen, kenntnisreichen Publikum, das zu seinem Ensemble- und Repertoirehaus steht. Intern gibt es einen Ensemblegedanken, der die künstlerischen Kollektive, die verschiedenen Gewerke, die Werkstätten ganz selbstverständlich einschließt und der eine unschlagbare Kraft darstellt, wenn alle am gleichen Strang ziehen. Das gibt es in dieser Form kein zweites Mal in Europa und damit auf der Welt. Diese Balance zu erhalten ist mein allererstes Ziel.“

Viktor Schoner war ein langjähriger enger Mitarbeiter von Gerard Mortier, dem vielleicht prägendsten Opernintendanten der letzten 30 Jahre. Er war sein persönlicher Referent bei den Salzburger Festspielen, baute mit Mortier die Ruhrtriennale auf und begleitete ihn in der Funktion als Leiter des künstlerischen Betriebsbüros an der Opéra National de Paris Bastille et Garnier. Zur Zeit wirkt Viktor Schoner an der Bayerischen Staatsoper München in der Funktion als Künstlerischer Betriebsdirektor sowie als Stellvertreter des Staatsintendanten. Durch seine beruflichen Erfahrungen ist er hervorragend in der internationalen Opernwelt vernetzt, sei es mit Solisten, Regisseuren oder Dirigenten.

In der Vergangenheit arbeitete Viktor Schoner als Chefdramaturg oder Produzent u.a. mit Robert Wilson, Alain Platel, Emir Kusturica, Christoph Marthaler, Patrice Chéreau, Johan Simon, Valery Gergiev, Kent Nagano und Theodor Currentzis zusammen.

Hintergrund:
Die Suche nach einem neuen Opernintendanten war notwendig geworden, nachdem der bisherige Intendant Jossi Wieler am 1. Oktober 2015 mitteilte, seinen bestehenden Vertrag aus privaten Gründen nicht über 2017/2018 hinaus verlängern zu wollen. Eine rasche Entscheidung über seine Nachfolge war deshalb im Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater am 16. November 2015 beschlossen worden, da die die Vorbereitungszeit für eine neue Intendanz und Spielzeit mit zwei Jahren äußerst knapp bemessen ist.

Die Württembergischen Staatstheater werden gleichberechtigt von vier Intendanten geleitet. Der Vertrag des geschäftsführenden Intendanten Marc-Oliver Hendriks würde kürzlich bis 2022 verlängert, Armin Petras leitet das Schauspiel bis Sommer 2021 und Tamas Detrich tritt in der Spielzeit 2018/19 die Nachfolge des Ballettintendanten Reid Anderson an.

Die Findungskommission bestand aus:
• Ministerin Theresia Bauer MdL
• Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart Fritz Kuhn
• Helen Heberer MdL, SPD
• Sabine Kurtz MdL, CDU
• Iris Ripsam, Stadträtin CDU
• Andreas G. Winter, Stadtrat Bündnis 90/ Die Grünen
Die Findungskommission wurde fachlich beraten von Bernd Loebe, Intendant der Oper Frankfurt seit 2002. Bernd Loebe ist Vorsitzender der Deutschen Opernkonferenz (2010), Mitglied des Kuratoriums der Kulturstiftung der Deutschen Bank und Juror in internationalen Gesangswettbewerben.

Kurzbiografie VIKTOR SCHONER

Viktor Schoner, 1975,  war nach seinem Musikstudium viele Jahre enger Mitarbeiter von Gerard Mortier, dem vielleicht prägendsten Opernintendanten der letzten 30 Jahre. Viktor Schoner war sein Persönlicher Referent bei den Salzburger Festspielen, baute mit Mortier die Ruhrtriennale auf und war von 2004-2008 Leiter des Künstlerischen Betriebsbüros an der Opéra National de Paris Bastille et Garnier.

Seit 2008 ist Viktor Schoner an der Bayerischen Staatsoper München in der Funktion als Künstlerischer Betriebsdirektor sowie als Stellvertreter des Staatsintendanten tätig. Durch seine beruflichen Erfahrungen ist er hervorragend in der internationalen Opernwelt, seien es Sänger, Regisseure oder Dirigenten, vernetzt.

Viktor Schoner arbeitete u.a. mit Robert Wilson, Alain Platel, Emir Kusturica, Christoph Marthaler, Peter Sellars, Patrice Chéreau, Johan Simons, Krysztof Warlikowski, Valery Gergiev, Kent Nagano, Kirill Petrenko und Teodor Currentzis zusammen. PM-BWMfWFK

 

Augsburg, Theater Augsburg, BELACQUA, 04./05./06.07.2014

Juli 3, 2014 by  
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Theater Augsburg

Theater Augsburg / Außenansicht © Theater Augsburg

Theater Augsburg / Außenansicht © Theater Augsburg

BELACQUA. theater wasserburg zu Gast in Augsburg

Misery´s the river of the world
The Black Rider, Alice & Woyzeck

Erstmals als Musiktheater-Trilogie

4. und 5. Juli | 19.30 Uhr | brechtbühne
6. Juli | 19.00 Uhr | brechtbühne

2011 hatte „The Black Rider“ in Wasserburg Premiere, 2012 „Alice“, 2013 „Woyzeck“. Damit hat Regisseur Uwe Bertram alle drei Waits/Wilson-Produktionen in direkter Folge inszeniert. Das ist bislang einzigartig im deutschsprachigen Theaterraum. Vollendet wurde die „Trilogie der Zauberstückchen“, wie Egbert Tholl in seiner Kritik vom 30. Januar 2013 in der SZ schrieb, „mit traumhaft suggestivem Musiktheater”. Was mit „Woyzeck“ seine Erfüllung fand, hatte 2011 mit „The Black Rider“ begonnen. Seither schraubten Theaterleiter und Regisseur Uwe Bertram und der musikalische Leiter Georg Karger an einer gemeinsamen Übersetzung der Waits-typischen Stimmung und Kraft. Für Uwe Bertram war vor allem die Suche danach interessant, was die Macher Tom Waits und Robert Wilson dazu bewogen haben könnte, genau diese drei Stücke zu machen. Gemeinsam mit Dramaturgie und Ensemble fand er ein übergreifendes Thema: Eigenverantwortung. Drei Stücke, drei Individuen, eine Fragestellung: Wer ist für das eigene Handeln verantwortlich? Ein Gott oder ein Teufel, die Gesellschaft, bestimmte Umstände? Kann man tun, was man will? Aus diesen Fragestellungen heraus entstanden Welten, die schon für die Jury der 30. Bayerischen Theatertage in Augsburg vor zwei Jahren den Ausschlag für einen Preis gegeben haben.

Nun kommen alle drei Stücke zusammen nach Augsburg. Auf der brechtbühne sind die drei Produktionen, die unter dem Titel „Misery’s the river of the world“ als Trilogie zusammengefasst sind, also zum ersten Mal überhaupt in direkter Abfolge zu erleben:

„The Black Rider“ wird am Freitag, 4. Juli, 19.30 Uhr gezeigt, „Alice“ am Samstag, 5. Juli, 19.30 Uhr und „Woyzeck“ am Sonntag, 6. Juli, 19.00 Uhr.

—| Pressemeldung Theater Augsburg |—

Kassel, Staatstheater Kassel, Premiere: LA VOIX HUMAINE und HERZOG BLAUBARTS BURG, 01.03.2014

Januar 24, 2014 by  
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Staatstheater Kassel © N. Klinger

Staatstheater Kassel © N. Klinger

Staatstheater Kassel

Operndoppelabend:

LA VOIX HUMAINE von Francis Poulenc, Text Jean Cocteau

HERZOG BLAUBARTS BURG von  Béla Bartók, Text Béla Balázs

LA VOIX HUMAINE
Tragédie lyrique in einem Akt von Francis Poulenc, Text von Jean Cocteau
In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Mit Nina Bernsteiner  als Gast / Maren Engelhardt (Femme), Valeska Weber als Gast (Schauspielerin)
 
HERZOG BLAUBARTS BURG
Oper in einem Akt von Béla Bartók, Text von Béla Balázs
in ungarischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Mit Ulrike Schneider (Judith), Espen Fegran (Herzog Blaubart) und Dieter Hönig?(als Gast: Der Barde)
 
Premiere: Samstag, 1. März, 19.30 Uhr, Opernhaus,  Nächste Vorstellungen: 8.3., 16.3. (18 Uhr), 19.3., 29.3.
Musikalische Leitung: Alexander Hannemann, Inszenierung: Stephan Müller, Bühne: Hyun Chu und Stephan Testi, Kostüme: Carla Caminati, Dramaturgie: Ursula Benzing
 
Zwei Opern-Einakter des 20. Jahrhunderts, die von den dunklen Seiten der Liebe erzählen, werden in diesem Doppelabend zusammengefasst. Francis Poulenc nennt seine Protagonistin lediglich „femme“; die Bartóks heißt Judith. Klammert sich die vom Geliebten verlassene „femme“ verzweifelt an ein Telefonkabel wie an einen Lebensfaden, so glaubt Judith nahezu euphorisch daran, sie könne die dunklen Winkel Herzog Blaubarts ergründen, wenn sie nur tief genug in seine „Festung“ eindringe, indem sie alle verschlossenen Türen öffnet.
 
„Terror der Intimität“ nennt der Regisseur Stephan Müller als Klammer des Abends. Beide Protagonistinnen stellen ihr Dasein so weit in den Dienst ihrer Liebe, dass es an Selbstaufgabe zu grenzen scheint; und doch fordern sie durch ihr Verhalten und ihre Wünsche ihr männliches Gegenüber heraus und treiben die Geschichten voran.
 
In „La voix humaine“ ist die Musik einerseits eine Art klingendes Psychogramm, wechselnd zwischen einem dem natürlichen Tonfall nachempfundenen Parlando und großen melodischen Ausbrüchen; andererseits sind auch die Geräusche der Außenwelt einkomponiert, wie das Klingeln des Telefons oder die Jazzmusik am Aufenthaltsort des Geliebten.
 
Herzog Blaubarts Burg“ ist geprägt von fein schattierten Orchesterfarben, einer schwebenden, in der magyarischen Volksmusik wurzelnden Tonalität und dem ungarischen Sprachrhythmus angepassten Gesangslinien.
 
Alexander Hannemann, Koordinierter Erster Kapellmeister, studierte an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Nach Stationen als Studienleiter und Kapellmeister in Wittenberg, als Dozent an der Royal Danish Opera Academy in Kopenhagen und als Repetitor mit Dirigierverpflichtung am Tiroler Landestheater Innsbruck arbeitete er seit der Spielzeit 2006/07 am Landestheater Linz als Kapellmeister und Korrepetitor. In dieser Funktion dirigierte er regelmäßig das Bruckner Orchester Linz und assistierte Dennis Russell Davies bei zahlreichen Produktionen. Zur Spielzeit 2009/2010 kam Alexander Hannemann ans Staatstheater Kassel. Hier hatte er zuletzt die musikalische Leitung von Benjamin Brittens Kammeroper „The Turn of the Screw“.
 
Stephan Müller arbeitete u.a. mit Robert Wilson, Richard Foreman und Meredith Monk. Er leitete am Schauspielhaus Zürich mehrere Jahre lang das LABOR und war als freischaffender Regisseur u.a. in Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg (Kampnagel), San Francisco und New York (Public Theatre) tätig. 1988 kehrte er ans Theater Basel zurück, wo er seine Theaterlaufbahn als Assistent begonnen hatte. Von 1993 bis 1999 leitete er gemeinsam mit Volker Hesse das Theater am Neumarkt in Zürich. Am Wiener Burgtheater arbeitete er von 1999 bis 2005 als Regisseur und Dramaturg. Zurzeit ist er Leiter des „Master of Arts“-Studiengangs für Regie an der Zürcher Hochschule der Künste.
Am Staatstheater Kassel inszenierte er in der Spielzeit 2011/2012 Alessandro Scarlattis Oper „Griselda“.
 
 
—| Pressemeldung Staatstheater Kassel |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater Wiesbaden, PREMIERE Die Liebe zu den drei Orangen, 30.11.2013

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Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Premiere:
Die Liebe zu den drei Orangen 
von Sergej Prokofjew

Libretto vom Komponisten nach dem Märchenspiel L’amore delle tre melarance von Carlo Gozzi,  Deutsche Übersetzung von J. Beytien/E. Sprink,  deutsche Sprache mit Übertiteln
 
Samstag, 30. November | 19:30 UHR | Großes Haus
 
Musikalische Leitung Zsolt Hamar/Wolfgang Ott
Inszenierung Ansgar Weigner 
Bühne Jürgen Kirner 
Kostüme Christof Cremer 
Choreinstudierung Anton Tremmel 
Dramaturgie Karin Dietrich
 
Mit: Bernd Hofmann/Dennis Wilgenhof (König Treff/Herold), Martin Homrich (Prinz), Ute Döring (Prinzessin Clarisse), Brett Carter (Leander), Erik Biegel (Truffaldino), Thomas de Vries (Pantalon), Joachim Goltz/Kiril Manolov (Tschelio), Annette Luig/Tatiana Plotnikova (Fata Morgana), Sharon Kempton/Ágnes Szalai (Ninetta), Axel Wagner (Köchin von Kreonta), Hye-Soo Sonn (Farfarello), Sarah Jones (Smeraldina), Christopher Rickerby (Zeremonienmeister). Orchester, Chor, Extra-Chor und Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
 
Wenn sich im Großen Haus die „Tragischen“, die „Komischen“, die „Lyrischen“, die „Hohlköpfe“ und die „Lächerlichen“ über Inhalt und Wert von Theater streiten, hat man es nicht mit einer öffentlichen Wahlkampf-Veranstaltung zu tun, sondern man sitzt in einer Aufführung von Prokofjews Oper Die Liebe zu den drei Orangen, die mit einem solchen Zwist beginnt. Während die einen rufen: „Gebt uns gute Tragödien! Gebt uns Weltenprobleme und Philosophie“, fordern die anderen: „Gebt uns Komödien! Wir wollen herzerfrischend lachen!“ Die Narren beenden schließlich den Streit und kündigen das eigentliche Stück an: Die Liebe zu den drei Orangen.
 
Es handelt von einem Prinzen, den nur ein Lachen von seiner hypochondrischen Depression heilen kann. König Treff, sein Vater, ist deshalb sehr besorgt. Er gibt dem Spaßmacher Truffaldino den Auftrag, Feste zu arrangieren. Aber alles ist vergebens. Erst als die Zauberin Fata Morgana erscheint, die in ein Handgemenge gerät und daraufhin unglücklich auf den Rücken fällt, lacht der Prinz bis zur Erschöpfung über die groteske Szene. Die Hofgesellschaft jubelt, Fata Morgana hingegen verflucht den Prinzen, ab sofort in drei Orangen verliebt zu sein und keine Ruhe zu finden, bis er sie besitze. Eine unstillbare Sehnsucht ergreift den Prinzen, der sich auf die abenteuerliche Suche nach den drei Orangen begibt.
 
Man ahnt eine Intrige… und richtig: bei der ganzen Geschichte handelt es sich um Streitigkeiten höherer Gewalten, von Gut und Böse, die in der Auseinandersetzung des Magiers Tschelio und der Hexe Fata Morgana ihren Ausgangspunkt haben. Wie es dann schließlich doch noch zur Heilung des Prinzen kommt und was es mit den Orangen auf sich hat, erfahren Sie ab 30. November im Großen Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.
 
Mit Die Liebe zu den drei Orangen steht ein ebenso komisches wie märchenhaftes Stück auf dem Programm, das wie ein Feuerwerk abbrennt, das Orchester in allen Farben schillern lässt, eine ganze Palette von Theatertypen vorstellt und ein gesamtes Ensemble zu beschäftigen versteht. Das fulminante Stück Theater über Theater entpuppt sich als „montierte commedia dell’arte“ (Jürg Stenzl), aber auch als genuin russisches Werk, das aber gar nicht in der Sowjetunion komponiert wurde. Als Prokofjew seine Heimat 1918 verließ und in die USA reiste, hatte er das Gozzi-Stück im Gepäck. 1921 kam die Oper schließlich in Chicago in französischer Sprache zur Uraufführung. Prokofjew schrieb über seine Faszination an Gozzis Vorlage, die er selbst zu einem Opernstoff formte: „Das Stück Gozzis reizte mich sehr wegen seiner Mischung aus Märchen, Scherz und Satire und, was die Hauptsache ist, wegen seiner szenischen Wirksamkeit. Man hat festzustellen versucht, über wen ich lache, über das Publikum, über Gozzi, über die Opernform oder über diejenigen, die nicht zu lachen verstehen. Ich verfasste einfach ein fröhliches Schauspiel.“
 
Sergej Prokofjew hat Gozzis phantastisch-groteske Märchenwelt mit einer Musik voll Witz und Ironie versehen. Die Neuproduktion inszeniert Ansgar Weigner, der in Wiesbaden mit Der Vetter aus Dingsda, Im Weißen Rössl, Der Vogelhändler und Unter der roten Laterne bereits auf eine ganze Reihe von Regie-Arbeiten zurückblicken kann und ein Meister des verschmitzten Humors ist. Er entwirft die Oper ausdrücklich als Oper für die ganze Familie. Das Bühnenbild stammt von Jürgen Kirner, der sich mit dieser Arbeit in Wiesbaden vorstellt. Er war Assistent von Florian Etti, Heinz Hauser und Robert Wilson und ist seit 1999 als freischaffender Kostüm- und Bühnenbildner für Schauspiel, Musiktheater, Performances und Tanz tätig, unter anderem für das Düsseldorfer Schauspielhaus, die Stadshouwburg Antwerpen, das Stadttheater Krefeld, das Staatstheater Meiningen, das Staatstheater Cottbus, das Opernhaus Halle, das Landestheater Salzburg, für die Theater Erfurt, Bern, St. Gallen, Tel Aviv und die Bayerische Staatsoper München. Die Kostüme entwirft Christof Cremer, der ebenfalls in den Bereichen Oper, zeitgenössisches Musiktheater und Sprechtheater sowie Ballett und Tanz arbeitet. Er war unter anderem tätig für das Stadttheater Klagenfurt, die Wiener Staatsoper, die Semperoper Dresden, die Bregenzer Festspiele, das Residenztheater München, das Tiroler Landestheater Innsbruck, das Wiener Burgtheater, die Volksoper Wien, die Neue Oper Wien, das Badische Staatstheater Karlsruhe, das Teatro dell‘ Opera di Roma und das Nationaltheater Mannheim. In Wiesbaden entwickelte er bereits die Kostümbilder zu Don Giovanni und dem Doppelabend Gianni Schicchi/L’Heure espagnole.
 
Mit Martin Homrich in der Rolle des Prinzen kehrt ein Ausnahme-Tenor nach Wiesbaden zurück, der hier zuletzt in der Rolle des Kaiser Nero in Die Krönung der Poppea zu sehen war. Die musikalische Leitung übernimmt Generalmusikdirektor Zsolt Hamar.
 
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Opernforum: Zu Die Liebe zu den drei Orangen:
Sonntag, 24. November I 11 Uhr I Foyer
 
Gemeinsam mit Regisseur Ansgar Weigner und Generalmusikdirektor Zsolt Hamar sowie den Solisten des Opernensembles gibt Dramaturgin Karin Dietrich Einblick in die Entstehungsgeschichte der Oper von Sergej Prokofjew und verrät, wie die Prinzessinnen in die Orangen kommen. Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft der Freunde des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden.
 
 
 
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Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden

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