Wien, Volksoper Wien, Musical Carousel von Rogers & Hammerstein, IOCO Kritik, 23.03.2018

März 23, 2018 by  
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Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

Volksoper Wien © IOCO

Carousel –  Richard Rogers & Oscar Hammerstein II

Von Marcus Haimerl

Mit dem Musical Carousel von Richard Rogers & Oscar Hammerstein fand nun die zweite Premiere eines großen, klassischen Broadway-Musicals in nur einer Saison statt. Einfach ist es nicht, dieses Werk, basierend auf Ferenc Molnárs Drama Liliom, auf die Bühne zu bringen. Die deutsche Erstaufführung am 15. Oktober 1972 an der Wiener Volksoper, Bernd Weikl sang den Billy Bigelow, brachte es auf nur auf fünfzehn Vorstellungen, für eine Musical-Produktion ein negativer Rekord am Haus am Gürtel.

  Karussell, Küstenlandschaft, üppig erleuchteter Sternenhimmel

Doch seit der Direktionszeit von Robert Meyer entwickelt sich die Wiener Volksoper zu einer Autorität im Bereich des klassischen Musicals.

Volksoper Wien / Musical Carousel - hier Ensemble © Barbara Palffy

Volksoper Wien / Musical Carousel – hier Ensemble © Barbara Palffy

Regie führte Henry Mason, welcher sich auch für die sehr feinfühlige deutsche Fassung verantwortlich zeigte. Zusammen mit einer sehr stimmungsvollen Ausstattung von Jan Meier ergibt das die notwendigen Zutaten für eine neue Erfolgsproduktion. Zwischen Karussell, Küstenlandschaft und einem üppig erleuchteten Sternenhimmel spielt sich das Drama um den Karussell-Ausrufer Billy Bigelow ab. Dieser verliert seinen Job als er Partei für die junge Textilarbeiterin Julie Jordan ergreift. Beide heiraten, doch Billy leidet unter seiner Arbeitslosigkeit. Als Julie ihm verrät, dass er Vater wird, lässt er sich von Jigger Craigin, einem zwielichtigen Walfänger, zu einem Raubüberfall überreden. Nachdem dieser misslingt, nimmt sich Billy, um der Verhaftung zu entgehen, das Leben. An dieser Stelle tröstet Julies Cousine Nettie diese mit einem der schönsten Broadway-Songs aller Zeiten: „You’ll never walk alone“.

Volksoper Wien / Musical Carousel - hier Daniel Schmutzhard als Billy Bigelow, Robert Meyer als Sternwart/Dr. Seldon, Oliver Liebl als Himmlischer Freund © Barbara Palffy

Volksoper Wien / Musical Carousel – hier Daniel Schmutzhard als Billy Bigelow, Robert Meyer als Sternwart/Dr. Seldon, Oliver Liebl als Himmlischer Freund © Barbara Palffy

Billy bekommt vom Sternwart die Möglichkeit für einen Tag auf die Erde zurückzukehren. Er nutzt die Gelegenheit, um für seine Tochter Louise Gutes zu tun. Diese ist bereits fünfzehn Jahre alt, einsam und verbittert, da die anderen Kinder sie mit ihrem Vater, dem Dieb, aufziehen. Bei der Abschlussfeier hält Dr. Seldon die Festansprache und mahnt die Jugendlichen sich nichts auf die Erfolge der Eltern einzubilden und sich von deren Fehlern nicht entmutigen zu lassen. Billy redet Louise, die ihn nicht sehen, nur hören kann, gut zu und endlich kann er Julie, immer noch unsichtbar, sagen, dass er sie liebt. Während alle das Lied singen, mit dem Nettie schon Julie getröstet hat, wird Billy ins Jenseits zurückgeführt.

Auch musikalisch lässt diese Produktion keine Wünsche offen. Dirigent Joseph R. Olefirowicz animierte das Orchester der Volksoper zu großen, emotionalen und temporeichen Broadway-Klängen. In der Rolle des Billy Bigelow bewies Daniel Schmutzhard sein Talent als Singschauspieler. Besonders beeindruckend in seinem knapp 8-minüten Bariton-Solo (Soliloquy), in welchem er über sein Leben mit seinem Kind nachdenkt. In Mara Mastalir hat Daniel Schmutzhard eine verlässliche, stimmlich sehr solide Julie. Auf ebenso hohem Niveau agiert das zweite, witzig spröde Liebespaar Carrie Pipperidge (Johanna Arrouas) und Enoch Snow (Jeffrey Treganza). Atala Schöck gibt in der Partie der Nettie ihr Hausdebüt und drückt mit ihrem schönen Mezzosopran mit „You’ll never walk alone“ auf die Tränendrüse. Christian Graf ist hervorragend als schmieriger Gangster Jigger Craigin und Hausherr Robert Meyer mimt in seiner unvergleichlichen Art den Sternwart und Dr. Seldon. Eine ganz großartige Leistung von Mila Schmidt als Billys Tochter Lousie in ihrer großen Tanzszene im zweiten Akt (Choreographie Francesc Abós).

Volksoper Wien / Musical Carousel - hier Wiener Staatsballett, Robert Meyer als Sternwart/Dr. Seldon, Daniel Schmutzhard als Billy Bigelow, Mila Schmidt als Louise Bigelow © Barbara Palffy

Volksoper Wien / Musical Carousel – hier Wiener Staatsballett, Robert Meyer als Sternwart/Dr. Seldon, Daniel Schmutzhard als Billy Bigelow, Mila Schmidt als Louise Bigelow © Barbara Palffy

Auch das restliche Ensemble, wie Regula Rosin als Karusselbesitzerin Mullin oder Nicolas Hagg als David Bascombe wissen nachhaltig zu überzeugen.

Der lang anhaltende Szenenapplaus bewies, dass der aktuellen Produktion ein besseres Schicksal als jener der deutschen Erstaufführung beschieden sein dürfte. Ein nicht minderer Jubel am Ende sowohl für das komplette Ensemble als auch für das Leading Team, welcher erst durch das Herabsenken des Vorhangs ein Ende fand.

Carousel an der Volksoper Wien; weitere Vorstellungen am 26.3.; 28.3. 1.4.; 7.4.; 11.4.; 14.4.; 16.4.; 18.4.; 22.4.2018

München, Theater am Gärtnerplatz, My fair Lady von Frederick Loewe, IOCO Kritik, 13.03.2018


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gaertnerplatztheater München © Christian Pogo Zach

Gaertnerplatztheater München © Christian Pogo Zach

 My fair Lady von Frederick Loewe

Von Ovid über Shaw über Loewe nach München

Von Daniela Zimmermann

Ein Musical-Klassiker: 1956 schufen Frederick Loewe und  Alan Jay Lerner das Musical My fair Lady. Ihre Vorlage: Die 1913 entstandene Komödie Pygmalion von Georg Bernard Shaw. Die Vorlage für Georg Bernard Shaw wiederum waren die Metamorphosen des Ovid (43 v. Chr. – 17 n.Chr.), der sich in seinen jungen Jahren  mit Liebesgeschichten befasste. My fair Lady: Abendländische Kultur von über 2.000 Jahren!

Josef E.Köpplinger drückt als Regisseur des Stückes aufs Tempo und erreicht eine lebendige Bühnenatmosphäre, die sich auf das Publikum überträgt. Köpplinger hat My fair Lady nicht zum ersten Mal inszeniert. Er bringt die Erfahrung und Professionalität  mit, dies herrliche alte Musical in München zu einem großen Publikumserfolg zu machen.

Staatstheater am Gärtnerplatz/ My fail Lady - hier Friedrich von Thun als Oberst Pickering, Nadine Zeintl als Eliza Doolittle, Michael Dangl als Professor Henry Higgins © Marie-Laure Briane

Staatstheater am Gärtnerplatz/ My fail Lady – hier Friedrich von Thun als Oberst Pickering, Nadine Zeintl als Eliza Doolittle, Michael Dangl als Professor Henry Higgins © Marie-Laure Briane

Der allseits bekannte Inhalt –  Eine Wette. Mr. Higgins, der berühmte  Phonetik-Professor, smart und  arrogant, vor allem aber gegenüber dem weiblichen Geschlecht, wettet mit seinem Freund Oberst Pickering, der gesellschaftlichen Unterschicht entstammenden   Eliza allein durch den richtigen Gebrauch von Sprache, zu einer wahren Dame zu machen; was Higgins natürlich gelingt. Doch erkennt Higgins in dem “Objekt Eliza” erst zum Ende des Stückes den “Menschen Eliza”. Nun erst entwickelt er „zarte“  Gefühle zu einer inzwischen erfolgreichen und  selbstbewussten Eliza. Und entlarvt damit seine frühere Blindheit und chauvinistisch interlektuelle Arroganz für den Menschen Eliza.

Optisch ist die Inszenierung des Gärtnerplatztheaters in London angesiedelt. Das einfache Volk spricht ordinäres, leider oft schlecht zu verstehendes Bairisch (nicht Bayerisch);  verglichen mit dem feinen Hochdeutsch der gehobenen Klasse. Ein Bühnenbild um London und Ascot hat Rainer Sinell entwickelt. Die Kostüme, ganz traditionell dem 19. Jahrhundert angepasst stammen von Marie-Luise Walek. Sinells Bühne dreht sich beständig, und offenbart immer wieder, passend zum Tempo dieser rasanten Inszenierung, immer wieder neue Blickwinkel.

Auf der Bühne läuft ein mit Bühnenstars gespicktes Festival der guten Laune ab. Der Salzburger Michael Dangl als Mr. Higgins ist genauso fernsehbekannt wie Friedrich von Thun als Oberst Pickering, sein Counterpart und  Wettfreund auf der Bühne. Herr von Thun ist ruhig charmanter Pol dieser Aufführung, gut zu verstehen; er ergänzt sich optisch wie stimmlich bestens mit dem strengen Professor Mr. Higgins. Nadine Zeitl, eine Österreicherin, ist Eliza. Sie muss die Wandlung vom Straßen-Kind zur Dame der Gesellschaft glaubhaft darstellen. Doch Zeitl ist ein bereits bekannter  Musicalstar und beherrscht ihr Metier perfekt. Sie kann deftig herumschreien, ausgelassen singen und schafft ausdrucksstark den Spagat zur Dame. Robert Meyer als Alfred Doolittle, Elizas Vater, ist als großartiger Burgschauspieler und derzeitiger Intendant der Wiener Volksoper allererste Empfehlung für dies Musical! Dagmar Hellberg als Mrs. Pearce, ebenfalls allseits bekannt.

Staatstheater am Gärtnerplatz/ My fair Lady - hier Cockneys tanzen mit Eliza © Marie-Laure Briane

Staatstheater am Gärtnerplatz/ My fair Lady – hier Cockneys tanzen mit Eliza © Marie-Laure Briane

Mr. Doolittle, Elizas Vater singt, tanzt und unterhält seine ganzes, malerisch gekleidetes Umfeld. Stimmungsfrohe und schwungvolle Höhepunkte der Produktion  sind als  „es grünt so grün wenn  Spaniens Blüten blühen“  und Elizas Einführung in die vornehme Gesellschaft von Ascot. Cornelia Froboess spielt hier eine wunderbare  Mutter Higgins. Ihre markante Stimme wieder zu hören macht allein schon Freude. Amüsiert, charmant distinguiert wie  skeptisch spielt sie ihre  diese Mutterrolle glaubhaft überzeugend.  In Ascot verliebt sich der junge Adlige Freddy unsterblich in Eliza. Maximilian Meyer als Freddy singt perfekt und umtanzt mit jugendlichem Elan den Laternenmast in seiner totalen Verliebtheit. Wem Eliza letztlich ihr Herz schenkt, Prof. Higgins oder Freddy bleibt, wie man weiß, auf der Bühne offen. Aber eben nur auf der Bühne.

Im Graben begleiten Andreas Kowalewitz und das Orchester des Staatstheaters  mit Schmiss, Tempo aber auch mit Zartheit die schöne Inszenierung. Das Publikum war begeistert. Karten für My fair Lady sind bis Juni 2018 nur schwer zu erhalten; der beste Beweis für den Erfolg dieser Inszenierung.

My fair Lady am Gärtnerplatztheater: Die nächsten Vorstellungen 16.3.; 18.3.; 25.3.; 6.4.; 7.4.; 14.4.; 15.4.; 1.6.2018 und mehr.

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Premiere MY FAIR LADY, 13.02.2018

Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gaertnerplatztheater München © Christian Pogo Zach

Gaertnerplatztheater München © Christian Pogo Zach

Premiere MY FAIR LADY
Musical

Nach Bernard Shaws »Pygmalion« und dem Film von Gabriel Pascal
Buch und Liedtexte von Alan Jay Lerner
Musik von Frederick Loewe
Deutsch von Robert Gilbert
Münchner Textfassung von Josef E. Köpplinger,
ins Bayerische übertragen von Stefan Bischoff

Musikalische Leitung   Andreas Kowalewitz
Regie   Josef E. Köpplinger
Choreografie   Karl Alfred Schreiner
Bühne   Rainer Sinell
Kostüme   Marie-Luise Walek

Ulrike Dostal, Gisela Ehrensperger, Cornelia Froboess, Dagmar
Hellberg, Frances Lucey, Susanne Seimel, Nadine Zeintl I Frank Berg,
Maximilian Berling, Stefan Bischoff, Michael Dangl, Liviu Holender,
Maximilian Mayer, Robert Meyer, Christian Schleinzer, Alexandros
Tsilogiannis, Friedrich von Thun u. a.

Chor und Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Premiere 13. Februar 2018
Premierenmatinee 4. Februar 2018
Weitere Vorstellungen
Februar 15 / 25    März 2 / 3 / 16 / 18 / 25
April 6 / 7 / 14 / 15    Juni 1 / 3 / 10

Pressemeldung Staatstheater am Gärtnerplatz

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, DIE ZIRKUSPRINZESSIN von Emmerich Kálmán, 29.12.2017

Staatstheater am Gärtnerplatz München

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin - Daniel Prohaska als Mister X, Alexandra Reinprecht als Fürstin Fedora Palinska, Ballett-Ensemble © Thomas Dashuber

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin – Daniel Prohaska als Mister X, Alexandra Reinprecht als Fürstin Fedora Palinska, Ballett-Ensemble © Thomas Dashuber

 DIE ZIRKUSPRINZESSIN von Emmerich Kálmán

Spielzeitpremiere  29. Dezember 2017, weitere Vorstellungen: Januar 4 / 12 2018   März 28 / 29, 2018   Mai 26 / 27, 2018

INHALT: Ein Zirkus in St. Petersburg, ein prinzliches Palais und ein Wiener Hotel – das sind die Orte, wo Zirkusvolk, russischer Adel und junge Leute aus Wien zusammenkommen, um im Liebestaumel zu schwelgen. Doch ob ein Hotelierssohn eine Zirkusreiterin heiraten und eine russische Fürstin dem mysteriösen Artisten Mister X trauen darf, das bleibt so lange ungewiss, bis das allgemeine Maskenspiel und die Intrigen des eifersüchtigen Prinzen Sergius entlarvt sind.

Emmerich Kálmán weiß die unterschiedlichen Schauplätze jeweils mit charakteristischem Kolorit zu gestalten. Ob slawische Eleganz, nervöse Sentimentalität oder wienerische Lässigkeit, im Zentrum des Geschehens stehen träumerische Melodien, die bald ernst, bald heiter die Szenerie beleben. Die prominent besetzte Uraufführung der »Zirkusprinzessin« im Jahre 1926 im Wiener Theater an der Wien war ein überwältigender Erfolg und eröffnete Kálmán die Tore zum New Yorker Broadway

Musik von Emmerich Kálmán, Libretto von Julius Brammer und Alfred Grünwald
Textfassung von Josef E. Köpplinger, Musikalische Leitung   Karsten Januschke, Regie  Josef E. Köpplinger, Choreografie   Karl Alfred Schreiner

Ulrike Dostal, Gisela Ehrensperger, Sigrid Hauser, Alexandra Reinprecht, Jasmina Sakr, Nadine Zeintl I Frank Berg, Maximilian Berling, Fritz Graas, Maximilian Mayer, Robert Meyer, Jan Alexander Naujoks, Daniel Prohaska, Matthias Schlüter, Alexander Wertmann, Erwin Windegger, Franz Wyzner u. a.

Chor und Ballett des Staatstheaters am Gärtnerplatz, Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Tickets: An den Vorverkaufsstellen, unter www.gaertnerplatztheater.de,, Tel. 089 2185 1960 oder tickets@gaertnerplatztheater.de, PMStthGä

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