Chemnitz, Theater Chemnitz, Wagners Tetralogie – Die Walküre, IOCO Kritik, 26.03.2018

März 26, 2018 by  
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Theater Chemnitz

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Die Walküre – Richard Wagner

 Tetralogie – Der Ring des Nibelungen im Theater Chemnitz

Von Patrik Klein

Die Vorgeschichte:   Vier Abende, vier Opern, vier Regisseurinnen und eine der größten Herausforderungen im Musiktheater überhaupt: Das Theater Chemnitz stellt sich in diesem Jahr Richard Wagners gewaltiger Tetralogie Der Ring des Nibelungen.

Vier Regisseurinnen schmieden Richard Wagners gewaltiges Werk

Es sind oft die Frauen, die in dem Drama der Unvereinbarkeit von Macht und Liebe die Handlungsstränge entscheidend weitertreiben und beeinflussen. Sie wirken in unterschiedlichster Weise auf die mächtigsten Männer in der Tetralogie und sorgen somit für die Entwicklung und auch das Ende der Tragödie. Ob Erdas Rolle als Weltenordnungshüterin, der Rheintöchters gebaren um den Schatz, Freias Bedeutung für das Fortleben der Götter, Frickas zurechtweisen ihres Gatten vor der Duldung des Inzests oder Brünnhildes Ungehorsam gegenüber ihrem Vater. Gutrune schließlich wird die einzige Überlebende in der Götterdämmerung sein.
Am Theater Chemnitz nehmen sich vier Regisseurinnen der Tetralogie an. Verena Stoiber, Monique Wagemakers, Sabine Hartmannshenn und Elisabeth Stöppler werden die vier Teile aus ihrer sehr individuellen Sichtweise gestalten.

Dem Vorabend   Das Rheingold  – folgt –  Der erste Tag  Die Walküre
– Als spannendes Familiendrama inszeniert –

Verena Stoibers Inszenierung des Vorabends mit Rheingold erhielt vor rund acht Wochen in der Premiere ein gemischtes Echo für die Interpretation und einhelligen Jubel für die musikalischen Ergebnisse. Die Geschichte um die drei Rheintöchter, Alberichs Liebesverzicht und Geldgier, Wotans Götterwelt mit Machtanspruch und Zukunftsplanung gestaltete Verena Stoiber als modernes Schurkenstück mit sittenwidrigem Bauvertrag und üblem Korruptionsgehabe. In der auf aktualisierende Akzente setzenden Interpretation blieb die Urmutter Erda als einzige Protagonistin integer. Sie warnte die Machtinnehabenden eindringlich vor der unstillbaren Gier nach mehr Reichtum, Macht und Rendite. Die Leistung des gesamten Ensembles incl. dem überragenden Orchester der Robert-Schumann-Philharmonie unter dem Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo wurden bei der vergangenen Premiere einhellig gefeiert.
Umso gespannter ist man in Chemnitz nun auf den Ersten Tag des Musikdramas Die Walküre, die mit einer weiteren Frau als Regisseurin aufwartet; der aus den Niederlanden stammenden Monique Wagemakers.

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Foto oben, von links Wotan  Aris Argiris, Brünnhilde Dara Hobbs, Walküren Guibee Yang, Regine Sturm, Jana Büchner, Anne Schuldt, Susanne Müller-Kaden, Diana Selma Krauss, Nathalie Senf und Alexandra Sherman; Foto Kirsten Nijhof

Handlung:
Richard Wagners Werk Die Walküre wurde gegen seinen Willen am 26.6.1870 in München uraufgeführt auf Geheiß des König Ludwig, der nicht auf die von Wagner geplante zyklische Aufführung in Bayreuth warten wollte. Die Vorgeschichte, oder dass was nach dem Rheingold passiert: Im Raum steht der von Urmutter Erda angekündigte Untergang der Götter. Der Testosteron-gesteuerte Wotan löst das Problem auf seine Weise. Er versucht von Erda den genauen Ablauf der Götterdämmerung zu erfahren und zeugt nebenbei mit ihr neun Töchter, von denen Brünnhilde sich zu seiner Lieblingstochter entwickelt. Sie verbindet Erdas Weisheit mit Wotans Stärke. Da aber von Alberich Gefahr droht, macht sich Wotan als ewiger Wanderer (erkennbar an der aufgemalten Augenklappe) auf den Weg, gründet mit einer Menschenfrau eine neue Familie, die Wälsungen, die er nach der Geburt der Zwillinge Siegmund und Sieglinde verlässt. Schon früh werden die Zwillinge getrennt und wachsen in feindlichen Lagern auf. Sieglinde wird später an Hunding verschachert. Siegmund kann aus der Gefangenschaft fliehen. Die Handlung von Die Walküre ist eigentlich rasch erzählt: “Siegmund und Sieglinde verlieben sich ineinander. Siegmund zieht das Schwert aus der Esche. Wotan zerstreitet sich mit seiner Frau Fricka und muss Siegmunds Schwert mit seinem Speer zerbrechen und den Widersacher Hunding töten. Brünnhilde rettet Sieglinde. Dafür bestraft Wotan Brünnhilde mit magischem Schlaf”. (Stefan Mickisch in einem Vortrag über das Werk)

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Fot oben; von links: Siegmund Zoltán Nyári, Hunding Magnus Piontek, Foto Kirsten Nijhof

Regisseurin Monique Wagemakers – Sichtweise:
Nach über vier Stunden äußerst spannendem Musiktheater, als Wotan Loge rief, um Brünnhilde mit Feuerzauber zu umsäumen, die wunderbare Schlussmusik erklingt, der Göttervater ganz langsam zur Hinterbühne schreitet, kommt ihm der kleine Junge, sein letzter Hoffnungsträger Siegfried entgegen. Wotan streift ihm die Hand über sein Köpfchen, verschwindet im Hintergrund, während dem die letzten Noten erklingen und sich der Vorhang schließt.
Monique Wagemakers ist eine erfahrene Regisseurin aus den Niederlanden, die an vielen europäischen Bühnen Aufsehen erregte. Mit dem berühmten Harry Kupfer hat sie gerne und häufig zusammengearbeitet und dessen Produktionen für die Nederlandse Opera neu einstudierte. Für die Inszenierung von Madama Butterfly an der Staatsoper Stuttgart im Jahr 2006 wurde sie vom Magazin Opernwelt als Regisseurin des Jahres nominiert.
In Chemnitz arbeitet sie zum ersten Mal und bringt ihre persönliche Sichtweise von Wagners Werk auf die Bühne. Gemeinsam mit ihrem Team, Bühne Claudia Weinhart, Kostüme Erika Landertinger, Dramaturgie Lucas Reuter, Susanne Holfter, gelingt ihr eine aufgeräumte und gleichzeitig höchst spannende Interpretation, frei jeder aktuellpolitischen Montage ohne Symbole wie Schwert Nothung, Speer und Feuerzauber mit lodernden Flammen. Man erlebt ein intensives, auf Wagners Musik und Text fokussiertes, farbiges Familiendrama, das mit recht einfachen aber wirkungsvollen Mitteln die Personen und die Widersprüchlichkeit der Charaktere mit ihren zahlreichen Facetten in den Mittelpunkt rückt.

Ein wesentlicher Bestandteil des Bühnenbildes ist ein mit romanischen Bögen versehenes, Walhall andeutendes Gebilde, welches drehbar im Zentrum der Bühne zu sehen ist und für alle drei Aufzüge unterschiedlich postiert werden kann. Es hat bereits Risse und weitere Teile werden im Laufe des Abends herunterfallen. Auf transparenten Vorhängen werden Videoanimationen fein dosiert und stimmig hinzugefügt. Im ersten Aufzug zum Beispiel entwickelt sich bühnenportalgroß ein Stammquerschnitt der Weltesche; zum dritten Aufzug wird diese Weltesche von innen heraus rabenschwarz und leitet den Walkürenritt ein. Mit großartigem Licht wird der aufkommende Lenz im ersten Aufzug angedeutet, indem die Säulen der Bogenkonstruktion hell erleuchten. Der transparente Vorhang wird ganz intensiv als Stilmittel eingesetzt. Er verdeckt, er verklärt, er trennt, er hellt auf, er schwebt zwischen Wotan und Brünnhilde und hebt Gemeinsamkeiten hervor. Zum Schluss wird mit ihm und den wunderbaren 8 Walküren der Feuerzauber gebildet, wo Wotan und Brünnhilde wie im Zentrum einer Muschelschale ihren Schicksalen entgegensehen. Die Kostüme der Beteiligten sind häufig in Pastellfarben getaucht. Wotan mit tiefem Ausschnitt im blauen, schweren Ledermantel mit aufgemaltem, schwarzen linken Auge. Hunding erscheint im wilden Fellmantel, kahlgeschoren und barbrüstig, Barbarossa ähnelnd. Siegmund kommt im ockerfarbenen Schlabbermantel. Die Damen tragen reifrockähnliche Gewänder mit Reiterhelmen und Walkürenbrustschilden. Die Führung der Personen mit ihren unterschiedlichen Charakteren findet in ganz hervorragender Weise statt. Auch wenn sich vieles direkt an der Rampe abspielt, so sind aber gerade deshalb die vielen Nuancen der Gefühle, der Machtbesessenheit, der Verzweiflung und der Liebe durch intensives Spiel der Protagonisten erkennbar und unter die Haut gehend.

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Foto oben; links – Siegmund Zoltán Nyári, Sieglinde Christiane Kohl; Foto Kirsten Nijhof

Die Musik:
Unter der Leitung des aus Halle stammenden ersten Kapellmeisters und stellv. Generalmusikdirektors Felix Bender kann das Orchester der Robert Schumann Philharmonie am Premierenabend einen wunderbar luftigen, imposanten mit meist moderaten bis gezügelten Tempi und vielschichtiger Klangschönheit versehenen Wagner präsentieren, für den es sich lohnt eine weite Anreise nach Chemnitz anzutreten. Winzige Unsauberkeiten im Blech trüben das Gesamtbild kaum.
Nicht oft genug kann man die Qualität und das Preis-Genussverhältnis der kleinen und mittleren Opernhäuser in Deutschland lobend erwähnen. Die Sängerinnen und Sänger am Premierenabend waren durchweg auf mehr als beachtlichem Niveau, ja vielleicht ganz ohne Enthusiasmus sogar auf Festspielniveau. Stimmschönheit, Textverständlichkeit und Klangfülle im Opernhaus in Chemnitz waren ein überragendes Vergnügen.
In der Sturmtonart D-Moll mit Verweisen auf das Rheingold mit dem Donnermotiv wird Siegmund musikalisch in die „Hütte“ gelenkt zu Sieglinde und Hunding. Das Orchester der Robert Schumann Philharmonie unter seinem jungen Dirigenten Felix Bender spielt die komplementäre Komposition mit dem Drama der Liebe von Sieglinde und Siegmund mit großer Sorgfalt und Empathie für die beteiligten Musiker, Sängerinnen und Sänger. Er führt bereits im Vorspiel mit dem Liebeslied des Lenzes, fast italienisch anmutend die beiden Liebenden zusammen.

Die Minneterzen funktionieren wunderbar als Kennzeichnung des Schicksals der beiden. Die unendlichen Gefühle der Sehnsucht mit der Komposition der unendlichen Melodie geraten ganz besonders “italienisch” bei den “Winterstürmen wichen dem Wonnemond”, das sicher und mit viel Kern in der Stimme vom Siegmund des Zoltán Nyári gesungen wird. Der ungarische Tenor ist seit 1996 Mitglied des Operetta Theater Budapest, dessen Tourneen ihn unter anderem nach Deutschland, in die Niederlande, in die USA und nach Japan führten. Nachdem er zahlreiche Preise gewonnen hat, gastiert Zoltán Nyári an der Semperoper Dresden, der Oper Frankfurt, beim Budapester Frühlingsfestival und an der Oper Graz. Dort gab er u.a. sein Debüt als Tristan in Wagners Tristan und Isolde. In der neuen Spielzeit 2017/2018 debütiert Zoltán Nyári als Siegmund am Staatstheater Oldenburg sowie nun am Theater Chemnitz.

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner © Kirsten Nijhof

Foto oben: links Fricka Monika Bohinec, Wotan Aris Argiris; Foto Kirsten Nijhof

“Ich weiß ein wildes Geschlecht” erklingt von Hunding (Magnus Piontek) mit prachtvoller, mächtiger und rabenschwarzer Stimme. Der aus Bonn stammende Bass gehörte von 2013 bis 2015 zum Ensemble des Nationaltheaters Mannheim und wechselte dann an die Bühnen in Gera/Altenburg. An der Semperoper gastierte er in La Traviata und Eugen Onegin. Mit Beginn der Spielzeit 2016/2017 gehört er zum Solistenensemble der Oper Chemnitz.

Ohne die oft übliche Schwertziehung, Siegmund fleht mit offenen Armen seinen Vater an, folgt dem C-Dur der Schrei der Sieglinde. Christiane Kohl singt die Sieglinde zunächst mit fein dosierter lyrisch anmutender Stimme, die aber dann mühelos nach Belieben kraftvoll und mit tragender Substanz das Haus bis auf den letzten Winkel auslotet. Die aus Frankfurt stammende Sopranistin war engagiert am Opernhaus Zürich, Dortmund, Basel, Kiel, Klagenfurt, Frankfurt, Berlin, der Semperoper in Dresden sowie am Théâtre des Champs-Élysées Paris. 2009 gab sie als Woglinde und Waldvogel sowie als erstes Blumenmädchen ihr Debüt bei den Bayreuther Festspielen, an denen sie seitdem regelmäßig teilnimmt.

Im großartigen Finale des ersten Aufzugs ist die Musik eindeutig, denn hier wird von Sieglinde und Siegmund Siegfried gezeugt, wenn wie bei Wagner vorgeschrieben der Vorhang sehr schnell fällt.

Im zweiten Aufzug erklingt bereits im Vorspiel viel Wichtiges. Einprägsame und wuchtige Fluchtmusik erklingt mit dem Schwertmotiv, der Vorahnung der Walküre, die noch gar nicht erschienen ist, der Liebe in Not (wie bei Freia im Rheingold in Not vor den Riesen), mit ersten Hinweisen auf Brünnhildes “Hoiotoho” und an eine “Leopard 2” Geräuschkulisse erinnernde, erscheinende kämpfende Brünnhilde in C-Moll. In der Diskussion zwischen Fricka, der Hüterin des Vergangenen mit traditionsbewusster Weltsicht und ihrem Mann Wotan, wird der dramatische Konflikt, in dem die beiden stecken, besonders deutlich. Wotan verliert Siegmund, Fricka verlässt die Situation feierlich erhobenen Hauptes. Der Zwist endet in Es- Moll und führt musikalisch zum Untergang in der Götterdämmerung. Wotan will auch nicht mehr, weil er weiß, dass Alberich den Sohn Hagen zeugte. Die Frustration endet mit dem verstärkten, aber kaum erkennbaren Walhallmotiv in Moll. Monika Bohinec tritt mit feuerrotem langen Haar und einem reifrockähnlichen Gewand in Erscheinung und keift ihren Gatten an, gefälligst nach Recht und Ordnung zu handeln. Sie singt ihre Partie mühelos mit schön dunkel gefärbtem Timbre und kerniger Höhe. Die in Slowenien geborene Mezzosopranistin ist Mitglied des Ensembles der Wiener Staatsoper. Gastspiele führten sie zu den Salzburger Festspielen, in den Wiener Musikverein und ans Staatstheatertheater am Gärtnerplatz in München. Sie sang u.a. bereits die Ortrud in Wagners Lohengrin in Neuschwanstein und die Brangäne in Wagners Tristan und Isolde in Australien.

Bei der Todesverkündung durch Wotan erklingt wunderbar gespielt vom Orchester das Schicksalsmotiv mit schönen, offenen Dominantseptakkorden. Im Des-Dur des Wallhallmotives soll Siegmund dorthin gelangen. Brünnhilde zeigt ihr “menschliches” Herz, da sie sich von Siegmund überzeugen lässt, dass es höhere Werte gibt, als in Walhall zu sitzen. Siegmund fällt und gibt die Kraft weiter an Siegfried.

Der dritte Aufzug nimmt in neun musikalischen Schleifen (eine für Brünnhilde und acht für die übrigen Walküren) im berühmten Ritt musikalisch Fahrt auf. Das H-Moll klingt als dämonische Tonart wie bei Klingsor im Parsifal und drückt die Wildheit und Kraft auf der Bühne aus. Es klingt, als ob die Hufe der Pferde nur ganz vorsichtig Land betreten. Erst allmählich kommen sie auf die Erde herunter. Das komponierte Pferdegewieher und die Verfolgung Wotans mit seinem achtfüßigen Pferd Sleibnir, dem schwächeren Pferd Grane der Brünnhilde hinterher hetzend, setzt das Orchester aufregend und unter die Haut gehend um. Die acht Walküren werden sehr schön gesungen und gespielt von Guibee Yang, Regine Sturm, Jana Büchner, Anne Schuldt, Susanne Müller-Kaden, Diana Selma Krauss, Nathalie Senf und Alexandra Sherman.

In der Begegnung der Brünnhilde mit Sieglinde hört man bereits das gut erkennbare Siegfriedmotiv, das mit strahlender, unschuldiger Zukunftshoffnung in G-Dur die Handlung weitertreibt. Das Göttliche in Brünnhilde wehrt sich gegen den Bann des Wotans mit ihrem Klagegesang. “Hier bin ich Vater” und “War es so schmählich, was ich verbrach?” erklingt in der Klagetonart E-Moll ohne Erfolg beim Gottvater und deshalb auch nicht ins Dur-Geschehen mündend. Dennoch hat sie es beinahe geschafft, ihren Vater zu überzeugen, um ihm die Liebe ins Herz zu hauchen und so zu tun, wie er es eigentlich selbst gerne wollte. Brünnhilde wird von Dara Hobbs in allen Belangen mit Bravour, schöner Stimmführung, kraftvollen Ausbrüchen sowie feinen, leisen Passagen höchst emotional gesungen. Die amerikanische Sopranistin war von 2007 bis 2012 Ensemblemitglied des Theaters Krefeld-Mönchengladbach. Seit 2012 ist sie freiberuflich tätig und sang u. a. an der Oper Leipzig, der Staatsoper Hannover, der Deutschen Oper am Rhein, der Oper Frankfurt, der Kieler Oper, am Theater Gera und am Fundação Calouste Gulbenkian in Lissabon. Bei den Bayreuther Festspielen sang sie 2013 und 2014 die Partie der Ortlinde (Die Walküre).

Wotan nimmt den Wunsch von Brünnhilde auf, denn sie fordert den Schutz und die Wahrung des Göttlichen, indem er den Feuerkreis in Form des beschriebenen transparenten Vorhangs um sie schließt. Loge entfacht das Feuerzaubermotiv. Der Schmerz über die Trennung lässt die Tragik des Gottes erkennen. In der Liebestonart E-Dur ganz nah an Bruckners siebenter Sinfonie steht Wotan als das größte Opfer dieser Trennung zwischen Vater und Tochter. Das Abschiedsthema erklingt macht- und schmerzvoll zugleich. Wotan schützt seine Tochter Brünnhilde mit dem Feuerkreis und beherrscht noch den Kosmos. Die alte Ordnung soll noch geschützt werden, bis Siegfried kommt und das Werk vollendet. Aris Argiris, der in Athen geborene Bassbariton, unterwegs auf den großen Bühnen in Europa und Nordamerika, gibt sein vollständiges, überragendes Debut des Wotans als erster Grieche überhaupt. Fragmentarisch sang er die Partie bereits mit großem Erfolg an dem Theater an der Wien, wo vor einigen Monaten eine Ringtrilogie in gekürzter und neustrukturierter Fassung gegeben wurde. Vom italienischen und französischen Fach kommend, ergänzte er bereits vor einiger Zeit sein Repertoire als Herrscher in Korngolds Wunder der Heliane in Freiburg mit dem deutsch-dramatischen Fach. Sein Wotan besticht in Chemnitz durch eine schier unglaubliche Energie, Spielfreude, eine tief berührende Zerrissenheit als Gatte und Göttervater mit Machtansprüchen und Liebesbedürfnis. Wunderbar die Text-verständlichkeit, die Fähigkeit zu modulieren und eine Spannweite zwischen „leisest“ und „lautest“ aufzuspannen, die einem den Atem rauben kann. Er gestaltet die Partie mit feinster Schwärze, kernigem Metall und berührt damit eindringlich das begeisterte und ihn besonders feiernde Publikum im Theater Chemnitz. Man darf gespannt sein auf die Weiterentwicklung seines Rollenportfolios.

Als der Vorhang fällt herrscht etliche Sekunden atemlose Stille. Doch dann erhebt sich ein  andauernder Orkan des Jubels im Theater Chemnitz. Der frenetische Applaus des Publikums gilt allen Beteiligten, eingeschlossen die wunderbare Interpretation durch das Regieteam um Monique Wagemakers.

 Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner hier Ensemble zum Applaus © Patrik Klein

Theater Chemnitz / Die Walküre von Richard Wagner hier Ensemble zum Applaus © Patrik Klein

Die Walküre am Theater Chemnitz; weitere Vorstellungen… 02.04.2018 | 22.04.2018 | 01.05.2018 | 27.05.2018 | 12.01.2019 | 19.04.2019 | 01.06.2019

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Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Premiere Götterdämmerung von Richard Wagner, 23.04.2018

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin KaufholdHessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 Götterdämmerung von Richard Wagner

Premiere am 23.4. 2017 17 Uhr, weitere Vorstellungen am 1. & 28. Mai um 17 Uhr

Mit Götterdämmerung wird die Erarbeitung des Ring des Nibelungen von Richard Wagner in nur einer Spielzeit am Hessischen Staatstheater Wiesbaden abgeschlossen.

Die Partie des Siegfried übernimmt Andreas Schager, gefragter Heldentenor im deutschen Fach (Mailänder Scala, Staatsoper Berlin, Bayreuther Festspiele). Catherine Foster, die aktuelle Brünnhilde der Bayreuther Festspiele, steht auch in Wiesbaden auf der Bühne.

Rollendebuts geben Shavleg Armasi als Hagen und Bassbariton Matias Tosi als Gunther auf der Bühne. Sabina Cvilak ist Gutrune und Dritte Norn. Thomas de Vries übernimmt, wie schon im Rheingold und Siegfried, die Partie des Alberich. Bernadett Fodor singt Waltraute und Erste Norn, die Rheintöchter sind Katharina Konradi, Marta Wryk und Silvia Hauer.
Der Ring des Nibelungen verteilt sich über die Spielzeit 2016.17 und ist in zwei kompletten Zyklen auch während der Internationalen Maifestspiele 2017 zu erleben.

Musikalische Leitung Alexander Joel, Inszenierung Uwe Eric Laufenberg, Bühne Gisbert Jäkel Kostüme Antje Sternberg Licht Andreas Frank Video Falko Sternberg  Chor Albert Horne Dramaturgie Regine Palmai

Siegfried Andreas Schager, Gunther Matias Tosi, Alberich Thomas de Vries, Hagen Shavleg Armasi, Brünnhilde Catherine Foster, Gutrune/Dritte Norn Sabina Cvilak, Waltraute/Erste Norn Bernadett Fodor, Woglinde Katharina Konradi, Wellgunde Marta Wryk, Flosshilde/Zweite Norn Silvia Hauer, Chor & Extrachor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Hessisches Staatsorchester Wiesbaden;  PMHStthWi

Premiere am 23.4. 2017 17 Uhr, weitere Vorstellungen am 1. & 28. Mai um 17 Uhr

 

Jussi Björling Der Caruso des Nordens, IOCO Portrait, Februar 2017

Februar 8, 2017 by  
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Portrait

Jussi Bjoerling © Privat

Jussi Bjoerling © Privat

Der Caruso des Nordens – Jussi Björling

Am 9. September 2010 jährte sich  der 50. Todestag eines der größten Tenöre aller Zeiten.  Noch heute ist die Erinnerung an diesen Ausnahmesänger nicht verblasst. Jussi Björling wurde am 5. Februar 1911 in Borlänge, (Schweden) geboren. Er selber feierte seinen Geburtstag am 2. Februar, da man zunächst dieses Datum in die offiziellen Dokumente eintrug.

Erst nach seinem Tod fand sich die Geburtsurkunde, die den 5. Februar belegte. Bereits am 15. Dezember 1915 begann seine außergewöhnliche Karriere als Sänger. Sein Vater David Björling gründete mit seinen Söhnen, Olle, Gösta und Jussi ein Kindertrio, das sein erstes Konzert eben an diesem 15. Dezember, in der Trefaldighetskyrka (Dreifaltigkeitskirche) in Örebro, gab.

In der Folge gastierte das Trio in zahlreichen Konzerten in Schweden. Im Jahr 1917 verstarb seine Mutter, Ester Björling, erst fünfunddreißig jährig, nach der Geburt des vierten Sohnes Karl. Einige Tage später sangen die Kinder bei der Beisetzung der Mutter in der Kirche von Stora Tuna. David Björling und seine drei ältesten Söhne traten nun als “Björling Male Quartett” auf und reisten 1919 nach Amerika, wo in der Gustavus Adolphus Kirche in New York am 20. November das erste Konzert stattfand. Im Februar 1920 wurden in New York sechs Titel auf Schallplatten aufgenommen, noch heute als CD erhältlich.

Somit begann Björling seine Schallplattenkarriere bereits als Neunjähriger. 1924 stirbt  der Vater, sodass ein Freund der Familie, Rolf Lundgren, die Leitung des Trios übernimmt. Als 1927 eine weitere Tournée in die USA scheitert, kehrt Jussi in seine Heimatstadt zurück und arbeitet vorübergehend als Verkäufer in einem Haushaltwarengeschäft. Im April 1928, gelingt es ihm, dem berühmten schwedischen Tenor Carl Martin Öhman, zu dieser Zeit Mitglied der Staatsoper Berlin, aber oft in Stockholm gastierte, vorzusingen. Öhman eilte zu John Forsell, dem Direktor der Stockholmer Oper und selber ein gefeierter Bariton, um ihm zu berichten, er habe “die beste schwedische Tenorstimme des Jahrhunderts” gehört. Forsell bestellte Björling zu einem Vorsingen und bemerkte “ein siebzehn jähriges Phänomen”.

Forsell nahm Björling als Schüler in seiner Klasse im Stockholmer Konservatorium auf. Nun entwickelte sich alles rasend schnell und es schien, als wolle sich das Schicksal, das ihm nur eine kurze Lebensdauer gewährte, dennoch von seiner besten Seite zeigen. Bereits im Oktober 1929, unterzeichnet er seinen ersten Schallplatten – Vertrag. 1930 singt er im Rahmen von Studenten – Aufführungen die Tenorpartien im Requiem von Mozart und im Tedeum von Bruckner. Im Juli des gleichen Jahres gibt er an der königlichen Oper von Stockholm sein erstes Debut in der kleinen Rolle des Lampenanzünders in Puccinis “Manon Lescaut” und bereits einen Monat später findet sein offizielles Debut als Don Ottavio in Mozarts “Don Giovanni” statt.

Im September die ersten Schallplatten Aufnahmen unter der Leitung des schwedischen Dirigenten Nils Grevillius, mit dem Björling bis zu seinem Tod unzählige Aufnahmen machte. Im Laufe der ersten Jahre sang Björling ein Repertoire, für das andere Tenöre ein ganzes Leben brauchten. Was kaum bekannt ist, das er Rollen wie den Arnoldo in Wilhelm Tell, oder den Florestan in Fidelio sang. Außerdem, um nur einige zu nennen, den Harun in Djamileh von Bizet, den Walther in Tannhäuser, Eric in “Der fliegende Hölländer”, den Tonio in “La fille du régiment”, den Belmonte in “Die Entführung aus dem Serail”, den Tamino in “Die Zauberflöte, den Faust in”La damnation de Faust”, Lyonel in “Martha”, Luigi in “Il Tabarro”, Lensky in “Eugen Onegin”, Wilhelm Meister in “Mignon”, Conte Almaviva in “Il Barbiere di Seviglia”, den Roméo in “Roméo et Juliette”, Vladimir in “Prinz Igor” von Borodin, Vasco da Gama in L´africaine, den Sandor Barinkay in Der Zigeunerbaron, Alfred in “Die Fledermaus”, Narraboth in “Salome”, Dick Johnson in “La fanciulla del West”, Nemorino in “L´Elisir d´Amore”, Alfredo in “La Traviata”, Elemer in “Arabella”, dazu all die Rollen, mit denen er wenige Jahre später Weltrum erlangte.

Schon in dieser Zeit sang er mit weltberühmten Partnern zusammen, so in Tosca mit Dusolina Giannini, im “Barbiere” mit Giuseppe de Luca, “Prinz Igor” und “Faust” mit Fedor Chaljapin, in “Don Giovanni” mit Ezio Pinza und “Rigoletto” mit Lawrence Tibbett. Ab 1936 gastierte Björling bereits an der Wiener Staatsoper, wo er unter der Leitung so großartiger Dirigenten wie Victor de Sabata und Josef Krips mit Maria Nemeth, Jarmila Novotna, Alexander Kipnis, Alexander Svet und Ester Rethy u.a. sang.

An der Staatsoper Dresden, war u.a. Maria Cebotari seine Partnerin. Außerdem gab er Gastspiele in Prag, Kopenhagen, Uppsala, Brno (Tschechoslowakai), in Malmö, Budapest, Berlin, Nürnberg und Paris. Am 28. November 1937 gibt Björling mit einem Konzert in der New Yorker Carnegie Hall, sein Amerika Debut. Seine Partnerin war keine geringere als Maria Jeritza. Am 8. Dezember des gleichen Jahres, an der City Opera Chicago sein amerikanisches Opern Debut als Duca di Mantova in “Rigoletto” , mit Beverly Lane und Lawrence Tibbett. Am 20. Dezember ist er Partner von Lily Pons bei einem Konzert im Waldorf Astoria Hotel in New York. Am 21. Dezember unterschreibt er seinen ersten Contract mit der Metropolitan Opera für die nächste Saison und am 24. November 1938 debutiert er mit “La Bohéme” an der Met. Seine Partnerin war Mafalda Favero als Mimi. Nun entwickelte sich eine weltweite Karriere.

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

Am 12. Mai debutiert er an der Covent Garden Opera in London als Manrico in “Il Trovatore” als Partner von Gina Cigna (Leonora), Gertrud Palson – Wettergren (Azucena) und Mario Basiola (Luna), unter der Leitung von Vittorio Gui. Von dieser Vorstellung gibt es einen Mitschnitt. Im Oktober 1940 singt Björling in San Francisco in “Ballo in Maschera” mit Elisabeth Rethberg und im November in der Carnegie Hall in New York das Verdi Requiem unter der Leitung von Arturo Toscanini. 1943 sein erstes Auftreten am Teatro Comunale Florenz als Manrico mit Maria Caniglia als Leonora und im August 1946 sein Scala Debut in Verdis “Rigoletto”, mit Lina Aimaro und Carlo Tagliabue. 1948 fragt ihn der große Tenor Giovanni Zenatello, Mitbegründer der Opern Festspiele in der Arena von Verona, ab er die Partie des Enzo Grimaldo in La Gioconda von Ponchielli in der Arena, als Partner von Maria Callas singen wolle.

Björling lehnte mit der Begründung ab, dass er in diesem Jahr nicht mehr die Zeit habe, eine so umfangreiche Partie einzustudieren. So kam eine Partnerschaft mit Maria Callas erst zustande, als er an der Lyric Opera Chicago im November 1955 zwei Trovatore – Vorstellungen mit ihr sang. Dies waren die einzigen gemeinsamen Auftritte dieser beiden Ausnahme Sänger. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass es von einer der beiden Vorstellungen einen Mitschnitt gibt. Doch ist bis zum heutigen Tage leider noch nichts dergleichen aufgetaucht. Im Mai 1950 nochmals an der Scala Milano mit Un Ballo in Maschera (vier Vorstellungen). 1951 besuchte Dorothy Caruso, die Witwe des legendären Enrico Caruso, an der Met eine Rigoletto Vorstellung mit Björling.

Sie war tief beeindruckt von der Qualität und der Schönheit seiner Stimme. Bei einem gemeinsamen Fernseh – Interview schenkte sie Björling eines der Kostüme ihres Mannes aus Rigoletto und bezeichnete ihn als den einzig legitimen Nachfolger Enrico Carusos. Das Kostüm ist heute eines der Schmuckstücke im Jussi Björling Museum in Borlänge (in der Nähe von Stockholm.) Björling hat an fast allen bedeutenden Opernhäusern der Welt gesungen, er hat weltweit Konzerte und Liederabende gegeben, u.a. in Honolulu, in Kuba, in Kanade, auf Hawaii, in Afrika, in Holland  Finnland, Norwegen, Dänemark, Lettland, Österreich, Deutschland und in der Schweiz, wo er in Luzern zwei Mal das Requiem von Giuseppe Verdi, unter der Leitung Arturo Toscaninis sang.

Er hat seit 1931 regelmäßig Schallplattenaufnahmen gemacht, sodass seine gesangliche Entwicklung genauestens nachvollzogen werden kann. Alleine elf Gesamtaufnahmen und eine Vielzahl von Arien und Lieder Platten kamen auf den Markt, die alle auf CD übertragen wurden. Dazu eine Vielzahl von Opern Lifemitschnitten und Konzerten aus diversen Theatern. Schon bei den ersten Aufnahmen, Björling war zu dieser Zeit erst zwanzig Jahre alt, ist eine erstaunliche technische Sicherheit festzustellen. In wenigen Jahre gelingt es ihm, diese Technik zu vervollkommnen. Björlings Stimme war von mittlerer Größe, doch erzielte er durch eine perfekte Fokussierung des Tones eine Durchschlagskraft, die ihn befähigte selbst Partien wie Radames, Manrico, und Canio ständig im Repertoire zu führen. Jürgen Kesting schreibt in seinem Buch, Die großen Sänger des 20. Jahrhunderts, “Die Stimme war von überragender Qualität. Sie besaß den Eigenreiz eines unverkennbaren silbrigen Timbres und, bei mittlerem Volumen, große Schallkraft und eine wundervolle, leicht ansprechende Höhe. Er konnte H, C und selbst das Cis ansatzlos attackieren. Die Töne kamen wie abgewippt von einem Sprungbrett. Die Skala war ebenmäßig, die Registerverblendung bruchlos. Vor allem das strahlende Mittelstimmregister mit dem kopfigen Klanggepräge war exemplarisch entwickelt”. Dem ist nichts hinzuzufügen.  IOCO / AB

Lübeck, Theater Lübeck, PREMIERE Der große Gatsby, 20.09.2014

September 15, 2014 by  
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Theater Lübeck

Theater Lübeck  © Olaf Malzahn

Theater Lübeck © Olaf Malzahn

Der große Gatsby nach F. Scott Fitzgerald

Mit einer opulenten, verspielt poetischen Hommage an die Kraft der Erinnerung, einer Hommage an die »Roaring Twenties«, einer Hommage an die Liebe stellt sich Marco Storman im Großen Haus vor. Das Schauspiel Der große Gatsby nach dem Roman von F. Scott Fitzgerald, in einer Bearbeitung von Marco Storman und Tobias Schuster, feiert am Samstag, den 20. September, um 19.30 Uhr im Großen Haus Premiere. Seit Jahren dem Schauspiel Lübeck eng verbunden, hatte er zuletzt mit »Lotte in Weimar (Werther revisited)« aus Thomas Manns Roman einen berührenden Abend über die Melancholie eines ungelebten Augenblicks kondensiert. Gemeinsam mit dem Theatermusiker Thomas Seher, der mit einer ungewöhnlich instrumentierten Live-Band eine moderne Interpretation der Klangwelt des »Jazz-Age« entwickelt, nimmt er sich nun jenem Stück Weltliteratur an, das als eine der schönsten Manifestationen des Amerikanischen Traums wie auch gleichzeitig als eine seiner beißendsten Verurteilungen gilt. Fitzgerald war entschieden: »Mein Roman ist ungefähr der beste amerikanische Roman, der je geschrieben wurde«. Diese selbstbewusst-hybride Ankündigung fügte er seinem Verleger bei, als er 1925 das Manuskript Der große Gatsby einreichte – ein Satz, der in seiner Verstiegenheit ins Herz jener Glitzerwelt vorstößt, die Fitzgerald gleichermaßen beißend satirisch und voll künstlich schillernder Grandezza portraitierte.

Theater Lübeck / Marco Storman  © Theater Lübeck

Theater Lübeck / Marco Storman © Theater Lübeck

In einer pompösen Villa direkt am Hudson in der Nähe von New York lebt der melancholische Dandy Jay Gatsby und feiert. Wer er ist, weiß niemand, um seine Herkunft ranken sich die widersprüchlichsten Gerüchte. Er wird zur Projektionsfläche und sein opakes Schillern macht ihn zum Faszinosum. Hundertschaften umlagern sein riesiges Anwesen, wenn er seine glamourösen Partys ausrichtet – doch seltsamerweise erscheint er selbst nie auf den Festen. Erst als der junge Börsenmakler Nick Carraway einen kärglichen Bungalow direkt neben dem Herrenhaus von Gatsby bezieht, beginnt eine Reise in die Vergangenheit des geheimnisvollen Millionärs. Das Bindeglied zwischen den so verschiedenen Männern scheint Nicks schöne Cousine Daisy zu sein. Jene Daisy, die zwischenzeitlich mit dem raubeinigen Ex-Footballspieler Tom Buchanan verheiratet ist, wird immer mehr zur Personifikation der Sehnsucht von Gatsby, eines Mannes, der mit Geld alles kaufen kann, nur nicht echtes Gefühl.

Eine zutiefst romantische Liebesgeschichte bringt ihn schließlich zu Fall und am Ende erscheint Gatsby, der Undurchsichtige, der verstiegene Spieler, der sich nicht in die Karten blicken lässt, als der Einzige, der zu wirklich aufrichtigem Gefühl im Stande ist. Marco Storman entführt in eine poetische Glitzerwelt zwischen Schein und Sein, eine Welt, in der die verwegenste Behauptung letztlich der Wahrhaftigkeit am nächsten kommt.

I. M. Storman, B. D. Steinmann, K. A. Epstein, M. T. Seher

Mit M. Meyer-Dunker, I. N. Stein; J. Byl, T. Schreyer, S. Simon, V. Türpe

Musiker Christoph Buse, Matthias Grabisch, Edgar Herzog, Thomas Seher

Premiere Sa, 20/09, 19.30 Uhr,  Weitere Vorstellungen Mi, 24/09, 19.30 Uhr; So, 05/10, 18.00 Uhr; Sa, 18/10, 19.30 Uhr; So, 26/10, 16.00 Uhr; So, 30/11, 18.00 Uhr; Do, 11/12, 19.30 Uhr, u.a.

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Pressemeldung Theater Lübeck

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