Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Die Planeten – Raumstation – Titan, Oktober 2018

Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

 Veranstaltungen der Tonhalle im Oktober 2018

Ein gewaltiger Oktober steht der Tonhalle bevor: Neben Holsts Planeten spielt das Jugendsinfonieorchester gemeinsam mit seinem norwegischen Gastorchester Mahlers Titan, das Concertgebouw Oktett gibt Auszüge aus „Don Giovanni“ mit voller Bläserkraft zum Besten und in der #IGNITION wird es magisch.

Sternzeichen: Holst „Die Planeten“
In der Tonhalle, dem „Planetarium der Musik“, erklingt am 5., 7. und 8. Oktober unter der Leitung von Mario Venzago das Meisterwerk von Gustav Holst: „Die Planeten“. In jeweils einem Satz beschreibt der englische Komponist die (damals nur sieben entdeckten) Planeten, die neben der Erde um unsere Sonne kreisen – vom Kriegsbringer Mars bis zum Mystiker Neptun. Außerdem spielen die Düsseldorfer Symphoniker Werke von Max Bruch und dem rheinischen Komponisten Bernd Alois Zimmermann – Letzterer wäre in diesem Jahr 100 geworden.

Raumstation: Concertgebouw Oktett
Am 6. Oktober statten acht Bläsersolisten des niederländischen Royal Concertgebouw Orchestra der Tonhalle einen Besuch ab. In der Kammermusik-Reihe Raumstation spielen sie Werke von Mozart und Beethoven. Das renommierte Amsterdamer Orchester, dem die Solisten entstammen, wurde 2015 von Musikkritikern als weltweit zweitbestes Orchester ausgezeichnet. Auch das Kammerensemble, das sich daraus gebildet hat, überzeugt durch herausragende Qualität, perfektes Timing und brillierende Virtuosität.

Big Bang: Mahler – Titan
Am 7. Oktober bringen das Jugendsinfonieorchester der Tonhalle und das norwegische Gastorchester VUSO Mahlers 1. Symphonie, auch Titan genannt, auf die Bühne. In der Reihe „Big Bang“ stehen junge Menschen auf der Bühne des Mendelssohn-Saals und zeigen ihren Spaß und ihre unbedingte Leidenschaft an der sogenannten ernsten Musik.

Na hör’n Sie mal!
Am 12. Oktober widmet sich die Reihe „Na hör’n Sie mal!“ der Neuen Musik und ihren Komponisten aus Düsseldorf. In der Kammermusikreihe des notabu.ensemble neue musik mutiert der Helmut-Hentrich-Saal zur Experimentierstube. Mal still und meditativ, mal bombastisch-mitreißend – ganz nah an den Musikern erlebt das Publikum die Grenzenlosigkeit zeitgenössischer Klangsprachen.

Frau Luna – Das Café-Konzert
Musik aus den Caféhäusern der Welt: Am 21. Oktober erklingen in der Tonhalle Melodien aus der Blütezeit von Kur- und Caféhäusern. Das Tea Time Ensemble präsentiert dann ein in liebevoller Entdeckungsarbeit zusammengestelltes Repertoire, das einst in Caféhäusern weltberühmt wurde. Ein weiter Bogen der Unterhaltungsmusik wird gespannt – mit einem vielseitigen Programm von Musik aus Wien bis zum Musical von heute.

#IGNITION – Harry Potter
Am 30. Oktober zaubert die #IGNITION einen großen Soundtrack auf die Bühne der Tonhalle: Harry Potter. Im Film verzauberte er seine Fans, und kein anderer als Altmeister John Williams hätte einen besseren Grundstein legen können, um der Bildgewalt von Hogwarts musikalisch gerecht zu werden. #IGNITION-Dirigent Jesko Sirvend öffnet das Zauberbuch von John Williams‘ Musik und lüftet das Geheimnis mancher magischen Momente.

—| Pressemeldung Tonhalle Düsseldorf |—

Klagenfurt, Stadttheater Klagenfurt, Die lange Nacht der kurzen Musik, 16.09.2016

September 9, 2016 by  
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Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Die lange Nacht der kurzen Musik

Feiern Sie mit uns den Spielzeitbeginn am Stadttheater Klagenfurt!
16. September 2016, 19.00 – 24.00 Uhr
EINTRITT FREI!

Konzerte im und um das Stadttheater mit: ensemble minui, Erwin & Edwin, Frank Fusion Trio feat. Michael Erian, Gesangskapelle Hermann, Jeremias Fliedl, Jazz Ladies, Kärntner Sinfonieorchester, Kombinat Alpenrösli, Madrigalchor Klagenfurt, Singschule Carinthia, Swinging Strings, Theatertag mit INGEBORG Will&Deloki

Der Spielzeitbeginn gehört gefeiert! Einen Tag nach der großen Salome-Premiere verwandeln sich verschiedenste Orte im und um das Stadttheater wieder in eine musikalische Spielwiese. Stammgäste der „Langen Nacht”, wie das Kärntner Sinfonieorchester unter der Leitung von Alexander Soddy und die Singschule Carinthia sind genauso dabei wie einige Überraschungsgäste, die noch nie in Klagenfurt zu hören waren. Der musikalische Bogen spannt sich von Klassik über Jazz zur Volksmusik.

Die „Lange Nacht der kurzen Musik“ ist eine Kulturveranstaltung der ganz besonderen Art. Auch in diesem Jahr hält das facettenreiche Programm für jeden Geschmack etwas bereit und verspricht eine Spätsommernacht voller Musikgenuss.

PROGRAMM

BÜHNE
19.00 Uhr Kärntner Sinfonieorchester Der guten Tradition folgende eröffnet Chefdirigent Alexander Soddy die „Lange Nacht“ mit seinem Kärntner Sinfonieorchester. Er führt durch Musikliteratur, die wenig auf den Konzertbühnen dieser Welt zu hören ist – die Welt der Filmmusik!
21.00 Uhr ensemble minui Das innovatives Vorhaben des ensemble minui, bestehend aus KSO Musikern, ist es, Werke aus dem Symphonie- und Opernrepertoire für ihre einzigartige Besetzung von neun Streichern und Bläsern zu „verkleinern“: ein spannendes und einmaliges Hörerlebnis.


WIENER STÄDTISCHE FREILICHTBÜHNE GOETHEPARK
19.30 Uhr Frank Fusion Trio feat. Michael Erian Jazz im modernen Soundkleid, actual-trio-sound trifft auf Altbewährtes: Das preisgekrönte Nachwuchstrio freut sich, an diesem Abend auf den arrivierten Jazzer Michael Erian zu treffen. Zu hören gibt es frische Eigenkompositionen und fette Grooves.
20.30 Uhr Swinging Strings Die Swinging Strings überwinden musikalischen Grenzen! So hört man jazzige Bearbeitungen bekannter Klassik-, Pop- und Rockhits wie auch eigene Kompositionen und Swingjazz.
21.30 Uhr Erwin & Edwin Wer ist Erwin? Wer ist Edwin? „Darüber gibt es nur Gerüchte“, sagen die vier österreichischen Musiker. Gut drei Jahre haben Erwin & Edwin am perfekten Sound für ihr Debüt Album „Messing“ gefeilt: ein genreübergreifendes Werk, dass laut APA „sofort ins Tanzbein“ fährt!


STADTPFARRKIRCHE ST. EGID
19.00 Uhr Singschule Carinthia 2013 gegründet, hat sich die Singschule Carinthia schnell zu einer der ersten Adressen in Sachen musikalischer Nachwuchsförderung entwickelt.
21.00 Uhr Jeremias Fliedl Der junge Klagenfurter Cellist interpretiert Bachs Suite Nr 2 in d-Moll.


ORCHESTERPROBENRAUM
20.00 Uhr Gesangskapelle Hermann Seit nunmehr einigen Jahren frönen die sieben Musiker der beinah in Vergessenheit geratenen Kunst des mehrstimmigen Männergesangs. Die Pflege von romantischem Liedgut wird dabei fast so ernst genommen, wie die Aufarbeitung des Urösterreichischen.
22.00 Uhr Kombinat Alpenrösli In ihrem neuen Bühnenprogramm Wurzel Heimat Klammer zu [AT]
präsentieren die sechs Musiker eine schrullige, absurd-komische Kulturstunde quer durch die österreichische Geschichte mit Kompositionen, die Jazz, Jodler und Funk durcheinander wirbeln.


KLAGENFURTER DOM
20.30 Uhr Madrigalchor Klagenfurt Der Kärntner Madrigalchor steht für Vokalmusik auf hohem künstlerischem Niveau. Für die „Lange Nacht“ präsentiert der Chor Evensongs – also Chorgesang, der der englischen Vespertradition verpflichtet ist. Im Anschluss findet eine durch Chorleiter Klaus Kuchling gestaltet Orgelführung zur neuen Domorgel statt!


OBERES FOYER
23.00 Uhr Theatertag mit INGEBORG Die DJs Will&Deloki sind mit ihren NIX KLU EVENTS bereits eine fixe Größe in der Kärntner Electronic Music Szene. Ihre Mission ist: Music for soul, body and mind. Mit ihren House und Deep House – Mixes nehmen sie ihr Publikum mit auf eine Soundreise und verwandeln das Foyer des Stadttheaters in einen dancefloor – a journey to paradise.


BKS Bank PALAIS CHRISTALNIGG
20.00 Uhr Jazz Ladies Das Palais Christalnigg der BKS Bank öffnet erstmals nach der Renovierung seine Pforten. Die Jazz Ladies aus Maribor werden den ehemaligen Ballsaal mit Jazzstandards, slowenischen Liedern und Pop-Melodien in den Stilen Swing, Bossa Nova und Latin wachküssen.

Pressemeldung Stadttheater Klagenfurt

Dortmund / Konzerthaus Dortmund, Rotterdam Philharmonic Orchestra, Yannick Nézet-Séguin, IOCO Kritik, 25.10.2015

Oktober 28, 2015 by  
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Konzerthaus Dortmund

Konzerthaus Dortmund / Yannick Nezet-Seguin( © Harald Hoffmann DG

Konzerthaus Dortmund / Yannick Nezet-Seguin( © Harald Hoffmann DG

Rotterdam Philharmonic Orchestra, Yannick Nézet-Séguin,
Sarah Connolly, Robert Dean Smith:  Beethoven + Mahler

Der Kanadier Yannick Nézet-Séguin gehört inzwischen zu den Stars an den Dirigentenpulten. Seit der Spielzeit 2012/13 ist er Musikdirektor des renommierten Philadelphia Orchestra. Es gibt kaum einen Klangkörper von Rang, mit dem er nicht konzertiert hätte. Sehr eng ist seine Zusammenarbeit mit dem 1918 gegründeten Rotterdam Philharmonic Orchestra, mit dem er in dieser Saison eine Nordamerika-Tournee machte. [Von Yannick Nézet-Séguin wurden verschiedene Aufnahmen bei der deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Nun kam er mit den Rotterdamern ins Konzerthaus nach Dortmund, wo er seit der letzten Spielzeit eine Residence hat, die unter dem Motto The YANNICK Experience läuft. Im Laufe dieser Residenz wird er hier noch mit verschiedenen Orchestern zu erleben sein, unter anderem mit Werken von Bruckner, Wagner Mendelssohn und anderen.

Er begann an diesem frühen Abend mit einem der wohl populärsten Werke der klassischen Musik. Beethovens 6. Sinfonie, die sogenannte Pastorale, ist nicht nur ausgemachten Klassik-Freaks bekannt. Die idyllische Landpartie mit der eingängigen Melodik liebt jeder.

Nézet-Séguin nahm den einleitenden Allegro-Satz sehr zügig, die Vorfreude auf die “heiteren Gefühle bei Ankunft auf dem Lande“ begannen schon sehr früh sich auszubreiten. Wunderschön geriet den exzellenten Streichern des Orchesters das anmutige Thema der Geigen, das auf einer Fermate verharrt.

Wohlig zurücklehnen ist angesagt im zweiten Satz. Man ergötzt sich an den Naturlauten und nimmt befriedigt die Präzision im Zusammenspiel der einzelnen Orchestergruppen wahr.

Das lustige Zusammensein der Landleute im 3. Satz Allegro wird von Nézet-Séguin und dem Orchester genüsslich zelebriert.  Prächtig geriet auch der Finalsatz. Beethoven hat mit den einfachsten Mitteln das Wüten der Naturgewalten geschildert. Der Dirigent und das Orchester setzten hier scharfe Akzente, um dann höchst sensibel das ruhige Finale mit dem traumschönen Hirtengesang anzugehen.

Nach dieser sehr schönen Interpretation hatte auch das Publikum im Haus dankbare Gefühle nach dem Sturm. Der Beifall zur Halbzeit wollte kein Ende nehmen.

Nach der Pause erklang Das Lied von der Erde für Alt, Tenor und Orchester von Gustav Mahler. Das Leben, dargestellt als ein langer Abschied. Diese sechs Orchesterlieder sind mit das schönste, was Mahler komponiert hat.  Das 1909 uraufgeführte Werk fußt auf einer Sammlung altchinesischer Lyrik in der Übersetzung von Hans Bethge.

Schon in der Einleitung zum ersten Lied spürte man, dass auch Mahlers Musik bei Nézet-Seguin in den besten Händen ist. Das Orchester spürte jede Regung, jeden Impuls, der vom Pult ausging. Bestechend war die große Farbigkeit in den einzelnen Gruppen des superben Orchesters. Faszinierend geriet der satte Klang und die sagenhafte Transparenz bei den Blechbläsern. Das waren Eindrücke, die unauslöschlich bleiben.

Konzerthaus Dortmund / Sarah Connolly © Peter Warren

Konzerthaus Dortmund / Sarah Connolly © Peter Warren

Zwei ausgezeichnete Gesangsleistungen trugen zu dieser vollendeten Darbietung des grandiosen Werkes bei.

Die Alt-Partie übernahm die englische Mezzosopranistin Sarah Connolly, eine der profiliertesten Opern- und Konzertsängerinnen derzeit. Connolly beeindruckt nicht nur durch den Umfang ihrer Stimme, sondern auch durch deren aparte Farbe und ihre außerordentliche Gestaltungskraft.

Zu erwähnen ist auch ihre enorme Textverständlichkeit. Das letzte Lied Abschied, gehörte durch die Dichte der Empfindung, zu den Höhepunkten des Abends.

Konzerthaus Dortmund / Smith © Photopulse

Konzerthaus Dortmund / Smith © Photopulse

Kraftvoll  wenngleich niemals sein lyrisches Fundament verlassend, sang Robert Dean Smith die drei Tenor-Lieder und ließ sich auch im dicksten Tutti der Begleitung niemals zum forcieren verleiten. Der im amerikanischen Kansas geborene Sänger, der 1997 als Stolzing bei den Bayreuther Festspielen debütierte, ist im Laufe der Jahre ein gefragter Interpret geworden. Auch er war sehr textverständlich und bestach durch intensive Gestaltung.

Wir erlebten eine großartige Wiedergabe dieses grandiosen Werkes und es wurde vom Publikum, im so gut wie ausverkauften Haus, frenetisch bejubelt.

IOCO / UGK / 25.10.2015

—| IOCO Kritik Konzerthaus Dortmund |—

Hagen, Theater Hagen, Premiere Vanessa, IOCO Kritik, 07.03.2015

März 12, 2015 by  
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Theater Hagen

Premiere Samuel Barber “Vanessa“

Theater Hagen / Richard Furman (Anatol), Katrina Sheppeard (Vanessa), Chor © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Richard Furman (Anatol), Katrina Sheppeard (Vanessa), Chor © Klaus Lefebvre

Die Pflege des amerikanischen Musiktheaters hat in Hagen schon Tradition. Wie zum Beispiel Bolcoms “The View from the Bridge“ 2003, oder wie zuletzt Carlisle Floyds “Susannah“ 2012.

Nun brachte das Theater Hagen mit Samuel Barbers Oper “Vanessa“ ein Werk heraus, das nicht all zu oft auf den Spielplänen zu finden ist. Zuletzt war es 2012  an der Frankfurter Oper zu erleben.

Barbers Oper, zu der sein Lebenspartner Gian – Carlo Menotti (selber ein erfolgreicher und interessanter Komponist) das Buch schrieb, wurde 1958 an der New Yorker Metropolitan Opera mit prominenter Besetzung uraufgeführt. Der leider zu früh verstorbene Thomas Schippers stand am Pult. Seine europäische Erstaufführung erlebte das Werk im gleichen Jahr bei den Salzburger Festspielen.

Kurz zusammengefasst sei die Handlung: Die alte Baronin lebt mit ihrer Tochter Vanessa und ihrer Enkelin Erika (Vanessas Nichte) zurückgezogen auf dem Lande. Vanessa wartet seit zwanzig Jahren auf ihren Geliebten Anatol, der sie verließ. Für ihn hält sie sich in Form und ignoriert ihr Alter.

Theater Hagen / Katrina Sheppeard (Vanessa), Richard Furman (Anatol), Chor © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Katrina Sheppeard (Vanessa), Richard Furman (Anatol), Chor © Klaus Lefebvre

Irgendwann meldet Anatol seinen Besuch an. Alles ist in Aufregung. Doch es ist nicht der Anatol, den Vanessa erwartet hat, sondern dessen Sohn. Vanessa ist verschreckt und zieht sich zurück. Erika schafft es nicht, diesen Anatol zurück in den wütenden Schneesturm zu schicken. In der gleichen Nacht verführt Anatol Erika. Er macht ihr einen Heiratsantrag. Sie misstraut seinen Gefühlen. Als ihr bewusst wird, dass Vanessa in diesen jungen Anatol verliebt ist, verzichtet sie ganz auf ihn und lehnt auch seinen zweiten Antrag ab. Vanessa heiratet Anatol und zieht mit ihm nach Paris. Die Baronin und Erika bleiben im Haus zurück. Nun wartet Erika.

Theater Hagen / Richard Furman (Anatol), Katrina Sheppeard (Vanessa) 1752: Ilkka Vihavainen (Doktor), Richard Furman (Anatol), Katrina Sheppeard (Vanessa) © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Richard Furman (Anatol), Katrina Sheppeard (Vanessa) 1752: Ilkka Vihavainen (Doktor), Richard Furman (Anatol), Katrina Sheppeard (Vanessa) © Klaus Lefebvre

Es ist eine spannende Geschichte, ein intimes Kammerspiel, das auch so inszeniert sein soll. Dem Regisseur Roman Hovenbitzer gelingt das recht gut. Er weiß, die Geschichte gut und bildstark zu erzählen und aufzuschlüsseln. Das Bühnenbild von Jan Bammes war sehr raffiniert in den Aufbauten und verströmte Kälte. Um einen Filmtitel abzuwandeln, er zeigte “Gespür für Schnee“, der Schneesturm an den Fenstern war immer sichtbar. Geradezu luxuriös waren die prächtigen Kostüme. Nicht unerwähnt bleiben sollen die exzellenten Video-Installationen von Volker Köster.

Musikalisch ist fast ausschließlich nur Gutes zu berichten. Am Pult wusste Hagens GMD Florian Ludwig der üppigen, untermalenden, spätromantischen Musik, die das Genre Filmmusik aufs beste zeigt, viel abzugewinnen. Das bestens disponierte Philharmonische Orchester schwelgte geradezu von allen Pulten. Mustergültig sang der Chor des Theaters Hagen, einstudiert von Wolfgang Müller-Salow.

Theater Hagen / Kristine Larissa Funkhauser (Erika), Gudrun Pelker (Baronin) © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Kristine Larissa Funkhauser (Erika), Gudrun Pelker (Baronin) © Klaus Lefebvre

Hervorragend waren die Gesangssolisten, vokal und darstellerisch absolut glaubhaft in der Typisierung. An erster Stelle muss hier Kristine Larissa Funkhauser als Erika genannt werden. Ihr samtener Mezzosopran, der schon als Carmen begeisterte, hatte die richtige Konsistenz für diese tragische Partie. Sie konnte deren Seelenregungen mit vielen Farben deutlich machen.

Für die erkrankte Marilyn Bennett (Baronin) hatte man in Gudrun Pelker vom Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen hochkarätigen Ersatz gefunden. Ihre fulminante Amme dort ist noch frisch in Erinnerung. Hier als alte, blinde Baronin konnte sie mit ihrer dramatischen Intensität auch dieser kleinen, aber wichtigen Rolle Profil geben.

Der finnische Bass Ilka Vihavainen in der Rolle des Doktors, bestach durch stimmliche Wärme und Ausdruck ebenso wie durch eminente Artikulation. Anatol wurde durch Richard Furman ideal verkörpert. Sein schlanker Tenor hatte Biss und Durchschlagskraft. Zudem zeigte er sich als wendiger Darsteller und machte eine gute Figur. Würdevoll in der fast stummen Rolle des Haushofmeisters erlebte man Hagens Urgestein, KS. Horst Fiehl.

Theater Hagen / Katrina Sheppeard (Vanessa) © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Katrina Sheppeard (Vanessa) © Klaus Lefebvre

Eine ideale Vertreterin der Titelpartie Vanessa vom Habitus her, wie auch figürlich, war die australische Sängerin Katrina Sheppeard, die mit dieser Partie hier in Hagen ihr Deutschland-Debüt gab. Sie spielte sehr überzeugend ihre diffizile Rolle. Vokal erfreute die gut klingende Mittellage ihres modulationsreichen Soprans. Leider wurde im oberen Register die Stimme grell und vielfach schrill. Schade!

Die Premiere wurde vom Hagener Publikum begeistert gefeiert.

IOCO / UGK / 07.3.2015

 

—| IOCO Kritik Theater Hagen |—

 

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