Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Die Spielzeit 2019/20

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Die Spielzeit 2019/20 an der Deutschen Oper am Rhein

30 Opern und sieben Ballettprogramme auf den großen Bühnen in Düsseldorf und Duisburg

Mit dem 4. Haniel Klassik Open Air vor dem Theater Duisburg startet die Deutsche Oper am Rhein am 6. Septem­ber in die Spielzeit 2019/20. Für die rund 300 Vorstellungen im Opernhaus Düsseldorf und im Theater Duisburg sind ab sofort Tickets erhältlich. Im Fokus stehen zehn Opernpremieren – darunter sechs Neuproduktio­nen – und 19 weitere Stücke aus dem großen Opernrepertoire. Das Ballett am Rhein präsentiert sechs Ballettprogramme mit insgesamt 17 Choreographien. Festliche Galas und Konzerte, Liedermatineen, Kammermusik und nicht zuletzt das vielfältige Angebot der Jungen Oper am Rhein ergänzen das Programm der kommenden Saison.


Oper in Düsseldorf und Duisburg

„Samson et Dalila“, Camille Saint-Saëns‘ französische Oper über den Freiheitskampf der in Sklaverei gefallenen Hebräer und ihren verführbaren Helden Samson kommt am 18. Oktober im Opernhaus Düsseldorf auf die Bühne – und das zum ersten Mal seit Gründung der Deutschen Oper am Rhein im Jahr 1956. Joan Anton Rechi, der hier zuletzt sehr erfolgreich „Madama Butterfly“ inszenierte, setzt die erste Neuproduktion der Spielzeit in Szene. Generalmusikdirektor Axel Kober hat die musikalische Leitung und übergibt den Stab im November an Marie Jacquot, die neue Erste Kapellmeisterin der Deutschen Oper am Rhein. Die Titelpartien gestalten Ramona Zaharia (Dalila) und Michael Weinius (Samson).

Vor dem historischen Hintergrund des englischen Bürgerkriegs entspinnen sich die dramatischen Liebes­ver­wicklungen in Vinzenzo Bellinis Oper „I puritani“, die am 18. Dezember im Opernhaus Düsseldorf Premiere feiert. In seiner zweiten Regiearbeit für die Deutsche Oper am Rhein widmet sich Rolando Villazón nach Doni­zettis „Don Pasquale“ erneut einem Klassiker des Belcanto. Antonino Fogliani hat die musikalische Leitung. Adela Zaharia, die in dieser Spielzeit als Maria Stuarda und Violetta Valéry gefeiert wurde, debütiert als Elvira in einer weiteren wichtigen Partie des Belcanto-Fachs. Ioan Hotea gastiert als Lord Arturo Talbot in Düsseldorf.

Als beste Nachwuchskünstlerin 2015 mit dem International Opera Award ausgezeichnet, ist Lotte de Beer heute europa­weit als Regisseurin gefragt. Mit Georg-Friedrich Händels Zauberoper „Alcina“ präsentiert die Niederländerin am 14. Februar im Opernhaus Düsseldorf ihre erste Inszenierung für die Deutsche Oper am Rhein. Den zeittypischen Orchesterklang entwickeln die Barockspezialisten der Neuen Düsseldorfer Hofmusik unter Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober. Rollendebüts geben Jacquelyn Wagner als Alcina, Maria Kataeva als Ruggiero und Elena Sancho Pereg als Morgana. Wallis Giunta gastiert als Bradamante.

Als vierte Neuproduktion im Opernhaus Düsseldorf und Koproduktion mit der Opera Vlaanderen hat Giuseppe Verdis „Macbeth“ am 29. Mai Premiere. Der Regisseur Michael Thalheimer entwickelt seine Inszenierung aus den innersten Triebkräften der Figuren und knüpft mit Boris Statsenko (Macbeth) und Liana Aleksanyan (Lady Macbeth) an seine ein­dring­liche Interpretation von Verdis „Otello“ an. Unter musikalischer Leitung von Axel Kober wird „Macbeth“ 2020 auch live gestreamt auf www.operavision.eu.

Als Glanzstück der Wiener Operette feiert „Die Fledermaus“ von Johann Strauß am 25. Januar im Opernhaus Premiere. Nach dem Premierenerfolg in Duisburg setzt Axel Köhler das quirlige Ensemblestück nun in Düsseldorf in Szene: Norbert Ernst ist Gabriel von Eisenstein, Anke Krabbe seine Frau Rosalinde, Thorsten Grümbel spielt den Gefängnisdirektor, die Düsseldorfer Schauspiel-Legende Wolfgang Reinbacher den Frosch. Benjamin Reiners dirigiert die Düsseldorfer Symphoniker.

Im Theater Duisburg wird die Spielzeit 2019/20 am 28. September mit der Premiere von Peter Iljitsch Tschaikowskys „Pique Dame“ eröffnet. In der Inszenierung der amerikanischen Regisseurin Lydia Steier feiert das opulente Außenseiterdrama zunächst am 25. Mai 2019 in Düsseldorf Premiere und kommt vier Monate später in der neuen Sängerbesetzung mit Sergej Khomov als Hermann, Sarah Ferede als Lisa und Renée Morloc als Gräfin in Duisburg auf die Bühne. Aziz Shokhakimov hat die musikalische Leitung.

Das Künstlertum ist Thema in Giacomo Puccinis Oper „La Bohème“, die am 8. Novem­ber in der Neuinsze­nie­rung von Philipp Westerbarkei in Duisburg herauskommt. Antonino Fogliani übernimmt die musikalische Leitung der ersten Neupro­duk­tion im Theater Duisburg, an der Liana Aleksanyan als Mimí, Ovidiu Purcel als Rodolfo und Bogdan Baciu als Marcello mitwirken.

Neben seiner Tätigkeit als Spielleiter bekam Philipp Westerbarkei in der Spielzeit 2018/19 Gelegenheit zu seiner ersten großen Inszenierung am eigenen Haus: Charles Gounods Shakespeare-Adaption „Roméo et Juliette“ läuft aktuell in Düsseldorf und feiert am 1. Februar mit neuer Sängerbesetzung Premiere in Duisburg. Gustavo di Gennaro (Roméo) und Sylvia Hamvasi (Juliette) gestalten die beiden Hauptpartien, Marie Jacquot dirigiert die Duisburger Philharmoniker.

Nachwuchsförderung ist ein wichtiges Thema an der Deutschen Oper am Rhein. Auf der Plattform Regie „Young Directors“ stellen sich am 19. April im Theater Duisburg zwei Spielleiterinnen mit eigenen Produktionen vor: Esther Mertel führt mit Georg Friedrich Händels Oratorium „Der Triumph der Zeit und der Desillusion“ in die Welt des römischen Barock, während Ilaria Lanzino ein Werk des 20. Jahrhunderts inszeniert: Viktor Ullmann schrieb seine Oper „Der Kaiser von Atlantis“ 1944 im Konzentrationslager Theresienstadt als Allegorie auf die politischen Verhältnisse. Die musikalische Leitung der beiden Einakter übernehmen mit Jason Tran und Jesse Wong zwei junge Dirigenten aus dem Ensemble.

In 19 weiteren Opern aus dem großen Repertoire sind die profilierten Sängerinnen und Sänger aus dem eigenen Ensemble und Gastsolisten aus aller Welt zu erleben. So kehren nach langer Zeit „Salome“ von Richard Strauss (6. März) und Gaetano Donizettis  „La Fille du Régiment“ (27. März) auf die Düsseldorfer Bühne zurück – mit Rollendebüts von Agneta Eichenholz  als Salome und Elena Sancho Pereg als charmante Soldatenbraut. Der neu inszenierte „Ring des Nibelungen“ kommt als Zyklus sowohl im Theater Duisburg (12. –17. November) als auch im Opernhaus Düsseldorf (7. – 13. April) zur Aufführung.


Junge Oper am Rhein

Gruselig, lustig und fesselnd liest sich Cornelia Funkes Internatsgeschichte „Geisterritter“, die in der Vertonung von James Reynolds auch das Opernpublikum begeistert. Inszeniert von Eric Petersen und uraufge­führt am Theater Bonn, feiert die neueste Familienoper im Rahmen der Kooperation „Junge Opern Rhein-Ruhr“ am 20. September, zum Start in die neue Saison, in Düsseldorf Premiere. Patrick Francis Chestnut hat die musikalische Leitung. Nach erfolgreichen Aufführungen an der Deutschen Oper am Rhein, in Dortmund und Bonn kehrt „Ronja Räubertochter“, Jörn Arneckes Familienoper nach dem Kinderbuchklassiker von Astrid Lindgren, ins Theater Duisburg zurück. Aus guter Tradition kommt Engelbert Humperdincks Familien­klassiker „Hänsel und Gretel“ auf die Bühnen beider Städte. Seine Inszenierung – die älteste im Repertoire der Deutschen Oper am Rhein – wird in dieser Spielzeit 50 Jahre alt!

Ganz nah am Bühnengeschehen sind Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter bei der mobilen Produktion „Nils Karlsson Däumling“, dem Musiktheater „Gold!“ und der „Zauberflöte für Kinder“. Mitmach-Angebote wie der Kinderchor am Rhein und das Mitsing-Projekt „Musik verbindet“, künstlerisch-praktische Projekte wie „Opernmacher 2.0“ und „Musiktheater im Labor“ sowie die intensive Vermitt­lungs­arbeit der Jungen Oper am Rhein ermöglichen jungen Menschen zwischen 4 und 28 Jahren vielfältige Zugänge zu Oper und Ballett.


Ballett am Rhein

Die letzte Spielzeit unter der künstlerischen Direktion von Martin Schläpfer ist in vielerlei Hinsicht dem Schaffen des Schweizer Künstlers gewidmet. Sie bietet zahlreiche Gelegenheiten, das Ballett am Rhein noch einmal in ausge­wählten Schläpfer-Choreographien zu erleben: Mit „Schwanensee“, „Reformations­sym­phonie“, „Ramifications“, „Streichquartett“, „Ulenspiegeltänze“ und „7“ stehen allein sechs Reprisen seiner Stücke auf dem Spielplan. Den Auftakt macht ab 3. Oktober im Opernhaus Düsseldorf und ab 6. Dezember im Theater Duisburg Martin Schläpfers jüngstes Erfolgsstück „Schwanensee“.

Aber auch eine Uraufführung präsentiert Martin Schläpfer. Im Programm b.41, das ab 23. November im Düsseldorfer Opernhaus zu erleben ist, formuliert er in „Cellokonzert“ tänzerische Antworten auf Dmitiri Schostakowitschs Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 g-Moll op.126. Den Auftakt des vierteiligen Programms macht Ji?í Kyliáns „Forgotten Land“, ein Stück über Untergang und Verlust von Heimat, das der tschechische Künstler 1981 im Auftrag von Marcia Haydée für das Stuttgarter Ballett geschaffen hat. Mit Martha Grahams Solo „Lamentation“ und „Steps in the Street“ zeigt das Ballett am Rhein erstmals zwei Werke der Grande Dame des American Modern Dance, die mit ihrer Tanztechnik seit den späten 1920er Jahren die Ästhetik des Bühnen­tanzes revolutionierte. Die musikalische Leitung des Programms b.41 haben GMD Axel Kober sowie Wen-Pin Chien.

Eine weitere Uraufführung kreiert Ballettdirektor Remus ?uchean?: „Symphonic Poem“ zur Komposition „Metacosmos“ von Anna Thorvaldsdottir heißt sein neues Ballett, in dem er sich von den Musik gewordenen Kraftfeldern der Isländerin inspirieren lässt. ?uchean?s Uraufführung steht im Zentrum des Programms b.42, das mit „Square Dance“ außerdem eine selten zu sehende, tänzerisch höchst anspruchsvolle Balanchine-Einstudierung präsentiert. Erstmals seit 2012 wieder mit dem Ballett am Rhein zu erleben ist Martin Schläpfers „Reformationssymphonie“ zur gleichnamigen Komposition von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die gefeierte Choreographie bildet den Schlusspunkt des Programms b.42, das ab 10. Januar unter der musikalischen Leitung von Martin Braun im Theater Duisburg auf die Bühne kommt.

Der kanadische Choreograph Robert Binet, der mit seiner Uraufführung „New World“ im November letzten Jahres das Publikum für sich eingenommen hat, zeigt im Programm b.43 mit „Dark with Excessive Bright“ ein neues Stück zu drei Kompositionen der Grammy Award-nominierten Amerikanerin Missy Mazzoli. Mit „Notations I–IV“ und „Siebte Sinfonie“ nimmt das Ballett am Rhein zum ersten Mal seit 2002 Choreographien von Uwe Scholz ins Repertoire auf. Einen filigranen Gegenpart zu Scholz‘ Solo „Notations I–IV“ bildet das 2005 für die Ballerina Marlúcia do Amaral kreierte Solo „Ramifications“ von Martin Schläpfer. Es komplettiert das Programm b.43, das ab 13. März in Düsseldorf unter der musikalischen Leitung von Finnegan Downie Dear und ab 4. April in Duisburg unter dem Dirigat von Stefan Klingele zu sehen ist.

Mit dem 1992 für das New York City Ballet kreierten „Herman Schmerman“ präsentiert das Ballett am Rhein erneut ein Stück von William Forsythe. In Kostümen des Designers Gianni Versace nehmen die Tänzerinnen und Tänzer das Publikum mit auf ein Tanzabenteuer, über das Forsythe scherzte, es habe genauso wenig zu bedeuten wie sein Titel, sondern sei einfach ein Stück über das Tanzen, das sehr viel Spaß macht. Nicht fehlen darf ein Stück von Hans van Manen – mit „Short Cut“ zeigt das Ballett am Rhein eine Choreographie des Meisters, die er 1999 für das Nederlands Dans Theater in Den Haag geschaffen hat. Für sein „Streichquartett“ zur Musik von Witold Lutos?awski erhielt Martin Schläpfer 2007 den als Oskar der Tanzwelt begehrten Prix Benois de la Danse. Als Finale des Programms b.44 ist dieses zentrale Werk ab 9. Mai erneut mit dem Ballett am Rhein zu erleben.

Zum Ende der Spielzeit 2019/20 heißt es Abschied nehmen von Martin Schläpfer. b.ye heißt deshalb das letzte Programm der Ära Schläpfer. Es schließt sich der 44-teiligen b-Reihe an, die bis dahin unter seiner künstlerischen Direktion für Düsseldorf und Duisburg entstanden ist. Mit einer Ballett-Gala, bei der neben Werken von Weggefährten auch Schläpfers „Ulenspiegeltänze“ zu erleben sind, einer exklusiven Reprise seines Gustav Mahler Balletts „7“ sowie einer letzten Vorstellung von „Schwanensee“ feiert das Ballett am Rhein vom 24.  bis zum 28. Juni 2020 Martin Schläpfer und dessen Kunst, bevor er sich als Direktor dem Wiener Staats­ballett und der Wiener Ballettakademie widmet.


Ballettgastspiele 2019/20: Japan, Österreich und NRW

Auch an anderen Spielstätten präsentiert das Ballett am Rhein wieder Ausschnitte aus seinem vielschichtigen Repertoire: Die weiteste Reise macht in der kommenden Spielzeit Martin Schläpfers „Schwanensee“, den die Compagnie im September 2019 sowohl in Tokyo als auch in Osaka auf die Bühne bringt. Unter der musikali­schen Leitung von Motonori Kobayashi werden die Tänzerinnen und Tänzer vom Theater Orchestra Tokyo sowie vom Osaka Symphony Orchestra begleitet. Eine weitere Bühne für Martin Schläpfers „Schwanensee“ ist im März 2020 die des Festspielhauses St. Pölten, wo das Tonkünstler Orchester Niederösterreich unter der Leitung von Axel Kober den musikalischen Part übernimmt. Beim Festival „Highlights des Internationalen Tanzes Oper Bonn“ schließlich zeigt das Ballett am Rhein im Mai 2020 „Streichquartett“ und „Ulenspiegeltänze“ von Martin Schläpfer sowie „Herman Schmerman“ von William Forsythe.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Siegfried, 26.01.2019

Dezember 11, 2018 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

Richard Wagners Der Ring des Nibelungen
„Siegfried“-Premiere am 26. Januar

„Siegfried“, der dritte Teil von Richard Wagners „Ring des Nibelungen“, feiert am Samstag, 26. Januar, um 17.00 Uhr Premiere im Theater Duisburg. Generalmusikdirektor Axel Kober bringt Dietrich W. Hilsdorfs Inszenierung mit einer neuen hochkarätigen Sängerbesetzung und den Duisburger Philharmonikern zur Aufführung.

Deutsche Oper am Rhein / Siegfried - Corby Welch © Max Brunnert

Deutsche Oper am Rhein / Siegfried – Corby Welch © Max Brunnert

Corby Welch zeigt mit seinem Debüt als Siegfried dessen Entwicklung vom furchtlosen Anarchisten zu einem empfindsamen jungen Mann. Es ist seine zweite Rolle im neuen „Ring am Rhein“: Für seinen bravourösen Auftritt als Siegmund wurde er zuletzt in Düsseldorf gefeiert. Cornel Frey spielt Siegfrieds Ziehvater Mime. Mit seinem fulminanten Rollendebüt als Mime – er war kurzfristig eingesprungen – überraschte er in der Düsseldorfer „Siegfried“-Premiere. James Rutherford, der Göttervater Wotan, tarnt sich jetzt als Wanderer. Heike Wessels trifft als Brünnhilde auf den jungen Helden Siegfried.

Siegfried

Zweiter Tag des Bühnenfestspiels „Der Ring des Nibelungen“
Text vom Komponisten

In deutscher Sprache mit Übertiteln / Dauer: ca. 5 ½ Stunden, zwei Pausen
Musikalische Leitung: Axel Kober
Inszenierung: Dietrich W. Hilsdorf
Bühne: Dieter Richter
Kostüme: Renate Schmitzer
Licht: Volker Weinhart
Chorleitung: Gerhard Michalski
Dramaturgie Bernhard F. Loges / Anna Grundmeier
Siegfried: Corby Welch
Mime: Cornel Frey
Der Wanderer: James Rutherford
Alberich: Stefan Heidemann
Fafner: Lukasz Konieczny
Erda: Renée Morloc
Brünnhilde: Heike Wessels
Waldvogel: Julia Sitkovetsky
Orchester: Duisburger Philharmoniker
„Siegfried“ im Theater Duisburg:
Sa 26.01. – 17 Uhr (Premiere), So 03.02. – 17 Uhr, Do 30.05. – 17 Uhr

Opernwerkstatt vor der Premiere: Im Gespräch mit dem Produktionsteam gibt Dramaturgin Anna Grundmeier am Dienstag, 22. Januar, um 18.00 Uhr im Theater Duisburg Einblick in „Siegfried“. Anschließend besteht die Möglichkeit zum Probenbesuch. Der Eintritt ist frei.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Duisburg |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck, IOCO Kritik, 15.02.2018

Februar 16, 2018 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck

Ein deutsches Volksmärchen – Lebendig und unverformt

Von Susanne Resperger

An der Düsseldorfer Oper wurde im Januar 2018, leider, zum letzten Mal in dieser Saison, Hänsel und Gretel gespielt. Eine alte, zauberhafte und liebenswerte, aber auch kindgerechte Umsetzung dieser Oper. Und ein Blick ins Publikum zeigt viele Altersgruppen gemeinsam dieses Werk genießen: Eltern mit ihren Kindern, Großeltern mit ihren Enkeln.
Und hier zeigt sich das Verbindende der Oper. Neben mir saß ein gerade mal 3-jähriges Kind mit seiner Mutter, aufmerksam und gespannt und voller Freude. Das kleine Mädchen war nicht zum ersten Mal in der Vorstellung und freute sich auf diesen Abend. Überhaupt herrschte eine wunderbare Stimmung.

Wie oft sehe und lese ich Berichte von aktuellen Inszenierungen, welche zwar den Untertitel „Märchenspiel in drei Bildern“ trägt, aber in zeitgenössischer Kleidung und heutigem Ambiente spielt, dem märchenhaften nicht wirklich entsprechen .

Viele Menschen fragen, warum „moderne“ Regisseure sich oft scheuen, Hänsel und Gretel, dies wunderbare Märchenspiel mit den phantastischen Elementen, den Träumen, Zaubereien, Fabeltieren und Geistern  klassisch neu auszuformen; es zu gestalten, als das, was es sind: im unserem Kulturkreis über viele Jahrhunderte entstandene Fabel über Nöte, Träume, Unterbewußtem von großen und kleinen Wesen mitten aus dem Volk. Doch Hänsel und Gretel an der Rheinoper atmet Träume, Wünsche, Unterbewusstes.

Seit 1969 steht Andreas Meyer-Hannos Hänsel und Gretel -Inszenierung auf dem Spielplan der Deutschen Oper am Rhein. Und es ist lobenswert, wenn man die Nostalgie, welche in dieser Inszenierung liegt, auch ungeteilt an sich heran lässt. Nostalgie, etwas schal der Klang, hilft nur zu oft, seelische Ungleichgewichte wieder  aufzurichten. Die Hänsel und Gretel Produktion der Rheinoper ergreift so Groß und Klein.

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel © Hans Joerg Michel

Die Düsseldorfer Oper schreibt dazu: „Spielleiterin Esther Mertel hatte Hänsel und Gretel in der Spielzeit 2015/16 mithilfe der Bühnenbildskizzen, Kostümfigurinen und Fotos der Premiere liebevoll rekonstruiert und neu einstudiert. Auch die Möglichkeiten der Beleuchtung haben sich in den letzten vierzig Jahren verändert. Volker Weinhart hat basierend auf alten Aufzeichnungen mit neuen Mitteln ein märchenhaftes Lichtkonzept entwickelt, damit die von Jung und Alt geliebte Produktion in neuem Glanze erstrahlen lassen.“ Schön wenn sich ein Opernhaus die Mühe macht, auch alte Inszenierungen zu behalten. Die Mischung aus alten und neuen Produktionen in einem Repertoire macht für mich die Stärke eines Opernhauses aus.

Neuartig für mich der Beginn der Oper: man sieht während der Ouvertüre die ganze Familie beisammen, danach geht Peter fort um Geld zu verdienen. Ein kleiner, aber sehr feiner Auftakt. Die Besetzung der Rollen ist großartig Katarzyna Kuncio ist ein wunderbarer schlaksiger Hänsel mit angenehmer Mezzostimme. Die Gretel von Inga-Britt Andersson liebenswert und spielfreudig mit schönem Sopran. Renee Morloc gefällt als Mutter Gertud und ist ihrem Peter eine gute Partnerin.

Als Peter Besenbinder hat sich die Rheinoper an diesem Abend einen besonderen Künstler geholt: Franz Grundheber, Star der Opernhäuser, seit Jahrzehnten auf den großen Bühnen der Welt zu Hause. Franz Grundheber hatte die vorangehende Woche in Düsseldorf eine jungen Sänger/innen Meisterklasse gegeben und freute sich, an der Düsseldorfer Oper seinen Schülern auf der Bühne zu zeigen, was er eine Woche lang gelehrt und erklärt hatte.

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel - und das so verträumte Hexenhaus © Hans Joerg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel – und das so verträumte Hexenhaus © Hans Joerg Michel

Sein Peter Besenbinder ist in Gestik, Blick und Betonung des Textes ausgefeilt. Für ihn ein ganz besonderer Teil des Operngesanges, da man seiner Meinung nach mit den Worten und der Musik das vermitteln kann was Komponist und Textdichter aussagen wollten.

Meine Sitznachbarin meinte, dieser Sänger habe sie kalt erwischt. Sie wusste nicht wer auf der Bühne stehen würde, aber so einen Peter habe sie noch nie erlebt. So authentisch habe sie diese Rolle noch nie gesehen. Dass muss man eigentlich nicht mehr ergänzen. Dass er auch noch über eine wunderbare farbenreiche Stimme verfügt, welche in der Höhe leuchtet, macht die zusätzliche Faszination der Persönlichkeit dieses Künstlers aus. Sein Alter ist zu keiner Zeit der Vorstellung von Bedeutung.

Hier zeigt sich auch die Besonderheit eines generationsübergreifenden Ensembles. Es sei der Direktion der Rheinoper große Hochachtung gezollt, eine solches Wagnis einzugehen. Doch das Ergebnis gibt dem Haus recht. Interessiert man sich für Sänger und deren Qualitäten, kann man auch einen 80-jährigen Künstler auf die Bühne stellen und es wird ein voller Erfolg.

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel - hier mittig Franz Grundheber als Besenbinder © Zoebisch

Deutsche Oper am Rhein / Hänsel und Gretel – hier mittig Franz Grundheber als Besenbinder © Zoebisch

Eine tadellose Leistung auch von Johannes Preißinger, welcher sehr passend eine wirklich böse Hexe spielte. Ein Gegensatz zu dem liebens- und hörenswerten Sand- und Taumännchen von Aisha Tümmler.

Axel Kober führt die Düsseldorfer Symphoniker in teilweise schwelgerischem Wagnerklang, am Beginn waren lediglich kleinere Tempoabweichungen zu bemerken, welche die Routine aller Beteiligten aber rasch wieder ausgleichen konnte. Ein wunderbarer Abend mit viel Applaus, welcher vor allem dem Senior des Abends, natürlich aber auch allen Beteiligten gleichermaßen galt. Wer Franz Grundheber kennt, weiß dass er sich nie lange feiern lässt, sondern gleich wieder neben seinen Kollegen steht um den Applaus mit ihnen zu teilen.

 —| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Walküre von Richard Wagner, IOCO Kritik, 06.02.2018

Februar 6, 2018 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Walküre von Richard Wagner

  Regieclou:  Walküre überrascht mit listigem Wotan 

Von Hanns Butterhof

Man konnte gespannt sein, wie sich Der Ring des Nibelungen an der Düsseldorfer Rheinoper nach dem Rheingold – Vorabend entwickeln würde. Aber von einer Entwicklung war kaum etwas zu sehen, die im Rheingold prominent dem Feuerhalbgott Loge eingeräumte Rolle als listiger Strippenzieher und Geist des ewigen Werdens und Wandels verkümmert zu Herdfeuer und Kerzenlicht. Stattdessen wird nicht ohne Irritationen erzählt, wie ein noch listigerer Wotan seinen Plan scheitern lässt, mit Hilfe Siegmunds die Götter- und Menschenwelt zu retten, damit er mit Siegfried gelingt.

Dieter Richter hat für Die Walküre eine bunkerartige, düstere Einheitsbühne gebaut, die ihre dramaturgischen Tücken hat. Der große Esstisch auf der linken Bühnenseite lässt nur wenig Raum zum flackernden Herd auf der rechten Seite. Nach hinten hinaus, an der säulenartigen Esche vorbei bis zu der Reihe niedriger Fenster ist toter Raum, so dass sich das Geschehen mit der Tendenz zur Statik eines Kammerspiels familiär am Küchentisch ballt.

Kammerspiel am Küchentisch

Dietrich Hilsdorfs Regie mindert das dramatische Geschehen um immerhin die Weltrettung ins Unauffällige, Bürgerliche. Das beginnt schon mit der Ouvertüre, in der Hunding (Sami Luttinen) wie von der Jagd mit einem Gewehr bewaffnet nach Haus kommt. Er hängt seinen Mantel am Eschenstamm auf, wo ihm der Griff des Schwerts Nothung wie ein beliebiger Knauf als Garderobe dient. Seine routinierte Zärtlichkeit, die an einen aus dem Büro heimkehrenden Ehemann erinnert, stößt Sieglinde (Elisabet Strid ) widerwillig zurück, woraufhin sich Hunding ohne viel Aufhebens in sein Schlafzimmer zurückzieht. Das Schrecknis des Unglücks, das Sieglinde als Ehefrau in seinem Hause erleidet, wird so zum alltäglichen Schrecken bürgerlichen Ehelebens gemildert.

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre - hier Sami Luttinen als Hunding, Elisabet Strid als Sieglinde, Corby Welch als Siegmund © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre – hier Sami Luttinen als Hunding, Elisabet Strid als Sieglinde, Corby Welch als Siegmund © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Hunding, den Sami Luttinen mit leicht orgelndem Bass gibt, ist kein böser, eher ein recht konventioneller Mensch. Mit dem vor ihm geflohenen, aber erstaunlicherweise nach ihm eintreffenden Siegmund (Corby Welch) setzt er sich, wenn auch das Gewehr stets griffbereit, an den Küchentisch, hört sich interessiert dessen Lebensgeschichte an und bietet ihm nicht nur Schutz für eine Nacht, sondern auch ein Glas Wein an.

Siegmund, der im langen, verdreckten und vom Kampf löchrigen Militärmantel (Kostüme: Renate Schmitzer) erst erschöpft am Herdfeuer nieder- und in Schlaf gesunken war, blüht angesichts der sich innig um ihn bemühenden Sieglinde und des Schwerts Nothung auf, das er ohne viel Mühe aus dem Stamm der Esche zieht. Jubelnd entdecken sie, dass sie Zwillinge sind und tauschen in kindlicher Unschuld ihre Kleider, bevor über ihre sündige Liebe schnell der Vorhang fällt.

Elisabet Strid ist als Sieglinde brilliant. Ihr kräftiger, jugendlich frischer Sopran ist auch in den Höhen unangestrengt und ungewöhnlich textverständlich. Ihr Spiel ist ausdrucksstark und fesselt gleichermaßen bei inniger Zärtlichkeit wie in aufloderndem Wahn. Auch Corby Welch überzeugt mit variablem, eher lyrischem als heldenhaft dramatischem Tenor, dem er darstellerisch als sehr umsorgend liebender, nicht ruppig-gewalttätiger Siegmund entspricht.

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre- hier Renée Morloc als Fricka, Simon Neal als Wotan, Linda Watson als Brünnhilde © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre- hier Renée Morloc als Fricka, Simon Neal als Wotan, Linda Watson als Brünnhilde © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Der zweite Akt bringt dann mit einem von der Regie gesetzten Zeitsprung von sechs Monaten einen überraschenden Eingriff in den Ablauf der „Walküre“. Die Bühne ist nur wenig verändert, die Esche hat keine Krone, und von der Decke hängt unbewegt ein riesiger Ventilator herab. Die Fenster sind etwas höher geworden und das Feuer im Herd ist erloschen.

Der Zeitsprung ist ein Sprung aus der Realität, nur erklärlich als Blick in Wotans Gedanken von der Zukunft, die er sich während der Liebesnacht der Wälsungen macht: Am Tisch sitzen in trauter Eintracht Hunding, Siegmund und die schon sichtlich schwangere Sieglinde mit einigen Walküren. Man trinkt fröhlich, während der militärisch uniformierte Wotan (Simon Neal) in ausgelassener Stimmung auf dem Tisch tanzt. Er freut sich offensichtlich an dem werdenden Leben, fasst gerne auf Sieglindes deutlich gerundeten Bauch, in dem sich ihr Kind schon schmerzlich ungestüm zeigt. Der Walküre Brünnhilde (Linda Watson) erteilt er den Auftrag, Siegmund vor Hunding zu schützen, was wegen Nothung und der gegebenen Geselligkeit etwas überflüssig erscheint. Doch ihm vergeht gründlich das Lachen, als seine Gattin Fricka (Renée Morloc) hereinrauscht. Die würdevolle Matrone in festlich schwarzem Kleid durchkreuzt seine auf Siegmund gerichteten Hoffnungen und zwingt ihn als Hüterin der Ehe dazu, den inzestuösen Ehebrecher zu vernichten. Zerknirscht gibt Wotan klein bei und widerruft in einem spannungsreichen Disput mit der widerstrebenden Brünnhilde seinen Schutz-Befehl.

Im Orchester gewittert es gewaltig, als sich Wotan, der zwanghaft ordentlich Stühle und Gläser gerade rückt, als fremdbestimmt erfährt. Simon Neals variablem, schlanken Bariton stehen eindrucksvoll Schmerz, Wut oder Trauer zur Verfügung, dem Linda Watsons Brünnhilde berührend Zärtlichkeit und kraftvoll dramatische Widerständigkeit entgegensetzt.

Dass Hilsdorf den Akt sechs Monate nach dem Abend in Hundings Hütte spielen lässt, ist so irritierend wie die Familienkonstellation am Küchentisch. Vor allem wird anfangs nicht plausibel, wieso Sieglinde erst später durch Brünnhilde von ihrer Schwangerschaft erfährt. Wenn Hilsdorf diese Schwierigkeiten in Kauf nimmt, muss er einen schwerwiegenden Grund dafür haben. Der könnte darin bestehen, dass er so Raum für einen Wotan gewinnt, der weitsichtiger und noch durchtriebener ist als Loge. Wotan hatte bei seinen Planungen zur Weltrettung alles im Griff bis hin zum Inzest des Wälsungen-Paares. Und er weiß gewiss auch, dass Siegmund nicht der freie Held ist, den er braucht. So dürfte er auch Frickas Einwendungen gegen dessen Sieg über Hunding vorhergesehen, sogar eingeplant haben. Indem sein Plan mit Siegmund scheinbar scheitert, kommt er seinem Endziel ein Stück näher, ist doch erst der im Werden begriffenen Siegfried der Held, den er braucht. Da bekommt auch der Streit mit Brünnhilde, die seinem Befehl zuwider gehandelt hat, ihren Sinn. Was als Strafe erscheint, sie aus dem Kreis der Walküren auszustoßen und auf den flammenumloderten Felsen zu verdammen, erweist sich als kluge Vorsorge, sie für Siegfried aufzusparen, an dessen Werden und für dessen Wirken er vor Fricka und der Welt als nicht verantwortlich erscheint. Da dürfen die bunten Varieté-Lämpchen um den Bühnenrahmen einmal aufflammen, als würden sie dem Publikum zuzwinkern.

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre - hier Elisabet Strid als Sieglinde, Corby Welch als Siegmund © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre – hier Elisabet Strid als Sieglinde, Corby Welch als Siegmund © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Das ist aufgeklärt und sinnig gedacht, irritiert aber die romantischen Erwartungen des Publikums erheblich, das dann mit dem Zeitsprung zurück in Hundings Hütte zurechtkommen muss. Dort setzt die Geschichte wieder ein, als Siegmund das Schwert erneut aus der Esche zieht und das Paar vor Hunding flieht. Recht gelassen ist dann Brünnhildes Gespräch mit Siegmund, das ihm den Tod verkündet. Hunding erschießt ihn ohne Zeichen von Grimm, eher weil das die Vollendung seiner Hilfe für die Stammesfreunde erfordert, konventionell zieht er vor dem Toten den Hut. Wenn Wotan ihn mit seiner letzten Geste verächtlich zu Boden streckt, trägt dies deutliche Züge von projiziertem Selbsthass des von Konventionen gebundenen Gottes. Derweil flieht die nun über ihre Schwangerschaft aufgeklärte Sieglinde mit Brünnhilde und den Trümmern Nothungs vor Wotans vermeintlicher Vernichtungswut.

Zwar ist zu Beginn des dritten Akts spektakulär das Rattern eines Hubschraubers über das Opernhaus zu hören, der sich dann abgestürzt und teilweise ausgebrannt im Kunstnebel auf der Bühne befindet, aber das Ende ist eher entspannt. Unter ausnehmend schönem Chorklang ihres Hojotaho führen die Walküren junge Männer in Militärhosen, nacktem Oberkörper und Hosenträgern zu Tisch, die außer kleineren Verwundungen wenig Heldenhaftes an sich haben. Mehr zur Lust mit ihren Helden geneigt als selber heldenhaft sind die Walküren, wenn sie der mit Sieglinde herbeijagenden Brünnhilde helfen sollen; keine wagt gegen Wotan aufzumucken. Nur Brünnhilde stellt sich seinem Zorn, auch um Sieglinde die Flucht zu decken, nachdem sie ihr noch die Trümmer von Nothung in die Hand gedrückt und ihr prophezeit hat, dass ihr Sohn das Schwert einst wieder schmieden wird. Und als diejenige, die Wotans tiefsten Willen weiß, weiß sie auch, dass dieser Sohn einst als Mann für sie bestimmt ist. Es ist Wotans Selbstgespräch mit ihr, in dem seine furchtbare Strafe so gestaltet wird, dass nur Siegfried als der von ihm gewünschte freie Held die Flammen durchdringt, in deren Schutz er sie einhüllt. Man sieht das Feuer vor den Fenster lodern, während Brünnhilde ruhig, wohl auf Siegfried wartend, am Küchentisch verbleibt.

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre - hier Katja Levin als Ortlinde, Maria Hilmes als Rossweisse, Katarzyna Kuncio als Waltraute, Evelyn Krahe als Schwertleite, Katharina von Bülow als Grimgerde © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Die Walküre – hier Katja Levin als Ortlinde, Maria Hilmes als Rossweisse, Katarzyna Kuncio als Waltraute, Evelyn Krahe als Schwertleite, Katharina von Bülow als Grimgerde © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Die Regie Dietrich Hildorfs ist nicht ohne Brüche und zielt selten auf den bloßen Effekt wie bei dem Hubschrauber. Meistens zeichnet er die Figuren differenziert und einfühlsam, vor allem zwischen Wotan und Brünnhilde entfaltet sich berührend ein reiches Gefühlsspektrum. Rätselhaftes wie schon im „Rheingold“ verwunderliche Übergaben der Erda-Perücken und vor allem der Zeitsprung im zweiten Akt irritieren, distanzieren bei aller Sinnhaftigkeit doch erheblich vom Geschehen und nagen an der Spannung, die sich um den Tisch herum sowieso nur mühsam entfaltet.

Axel Kober am Pult der Düsseldorfer Symphoniker trägt dem Regiekonzept weitgehend Rechnung. Er vermeidet den ganz großen Wagner-Sog, den er durch deutliche Generalpausen zusätzlich bremst. Sängerfreundlich entfaltet er die lyrischen Passagen und gestaltet mit dramatischen Steigerungen ein insgesamt farbenreiches, klangvolles Spiel.

Nach fünf Stunden mit erfreulich textverständlichem, zusäzlich deutsch übertiteltem Gesang gab es lang anhaltenden, auch im Stehen dargebrachten Beifall vor allem für Elisabet Strid, Linda Watson, Simon Neal und Corby Welch, ebenso für Axel Kober und die Düsseldorfer Symphoniker. Für das Regieteam teilte sich das Publikum in Buh!- und Bravo!-Rufer. Auf die Entwicklung des Hilsdorf-Rings in Siegfried darf man gespannt sein.

Die Walküre an der Rheinoper; Die nächsten Termine: 17.2.2018 um 17.00 Uhr, 4.3.2018 um 15.00 Uhr

—| IOCO Kritik Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

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