Luxor – Ägypten, Hatschepsut Tempel, AIDA : Interview mit Regisseur Sturm, IOCO Interview, 19.11.2019

November 18, 2019 by  
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Hatschepsut Tempel in Luxor bei Nacht © Oleksandr Shamov

Hatschepsut Tempel in Luxor bei Nacht © Oleksandr Shamov

AIDA – Hatschepsut Tempel von Luxor – 2019

Adelina Yefimenko spricht mit  Regisseur Michael Sturm  über dessen AIDA Inszenierung in Luxor

Adelina Yefimenko, (AY),: Michael, bekanntlich wurde AIDA zuerst nach einem Szenarium des Ägyptologen Auguste Mariette verfasst und inszeniert. Die Uraufführung der Oper von Giuseppe Verdi fand am 24. Dezember 1871 im Khedivial-Opernhaus in Kairo statt. Das ist eine sehr spannende und merkwürdige Geschichte einer italienischen Oper als Spätwerk des Reformators der Operngattung, die bis zur Gegenwart zum einen großen Teil der ägyptischen Identität anwuchs. Was ist für Sie in der Geschichte dieser Oper italienisch, bzw. europäisch und was ägyptisch? Wie verbinden sich diese zwei verschiedenen Mentalitäten in dieser Oper nach Ihrer Vorstellung?

Michael Sturm,  (MS): Es sind europäische Träume eines alten Ägypten, das es so nie gegeben hat und was Verdi auch nicht sonderlich interessierte. Er erfand sehr schöne neue Klangfarben, die sich gut im Wasser des Nils spiegeln. Das ist es dann auch schon. Die Welt, die Verdi erschuf, ist geprägt von religiösem Fanatismus, von nationalistischem Wahn und von der Liebe als solche, die in einer derartigen Welt nur absterben kann und im schwachen Hauch des Wortes „Frieden“ zu überleben hofft. Verdi dachte an seine Zeit, an den aufkommenden Kolonialismus, das morsche aber noch gefährliche Papsttum des Kirchenstaates. Und ich denke als Regisseur an Gewaltherrschaften, Regime und Gottesstaaten: ich denke, ich interpretiere, ob falsch, ob richtig, ich gehe in der Freiheit interpretierend spazieren. Und da begannen die Missverständnisse mit der Aida im heutigen Ägypten. Ich bekam sehr spät mit, dass Verdis AIDA als eine nationale Angelegenheit angesehen wird und die ägyptische Identität sich in der Oper widerzuspiegeln habe. Das schuf Missverständnisse und Konflikte. In die Öffentlichkeit wurde lanciert, dass ich diese Identität verletzen würde.

Regisseur Michael Sturm in Luxor © Mustafa Karim

Regisseur Michael Sturm in Luxor © Mustafa Karim

AY:  Wenn wir an die Entstehungsgeschichte des Werkes zurückdenken, erinnert man sich sofort, dass Verdi vom regierenden Khediven Ismail Pascha den Auftrag erhielt, eine ägyptische Hymne zu schreiben. Diese Idee lehnte der Komponist aber mehrfach ab. Die Behauptung, dass AIDA zur Eröffnung des Suezkanals komponiert worden, ist obsolet und nicht ganz korrekt. Aber der Konflikt zwischen der künstlerische Freiheit, nach der Verdi selbst strebte, und der Vorstellungen des ägyptischen Herrschers ist nicht neu und wiederholt sich immer wieder. Eine konträre Parallele zur dieser historische Situation sehe ich jetzt, als die ägyptische Regierung Ihre erste Regie für AIDA abgelehnte. Damals plante Khedive die Verdis Komposition einer Oper „in ausschließlich ägyptischem Stil“ für das neue Theater. Die neue ägyptische Regierung wollte von Ihnen ein neues Regiekonzept doch auch „im ausschließlich ägyptischem Stil“? Ist es ein Kompromiss für Sie die erste Regie für  AIDA in einer „Schublade“ zu schließen und ein neuer Weg, bzw. einen neuer Blickwinkel auf die Oper AIDA (Staatsforderung und Zensur angemessen) zu schaffen?

MS:  Man muss nun wissen, dass es einen privaten Geschäftsmann als Produzenten gab, der eine neue AIDA am Hatschepsut Tempel zeigen wollte, die erste AIDA nach dem Attentat von 1997. Er, der als Fremdenführer selbst Opfer dieses Attentates war, gab uns den Auftrag, Neues zu schaffen. Die Oper Cairo, die bisher immer für eine AIDA in Ägypten herhalten musste, wurde nicht angefragt. Im Nachhinein ergaben sich daraus zusätzliche Schwierigkeiten.

AY: Um Ihr Regie-Konzept zu entwickeln, sind Sie mehrmals nach Luxor gereist. Übrigens, Verdi war nie in Ägypten. Wie wichtig war für Sie von Ort zu erkunden, wie die menschliche Tragödie über die Liebe, Eifersucht, Heimat und Tod in die spektakuläre Kulisse des Hatschepsut-Tempels des altägyptischen Pharaonenreiches integriert wird? Welche Inspirationsquelle öffnete Ihnen den Nil – endlos wie der Tod?

MS:  Die Inspirationen haben wir uns alle vor Ort geholt, wir sind durch das Land gereist, sind in Pyramiden gestiegen, durch Tempel aller Zeitepochen gewandelt, haben Museen besichtigt, viele Menschen kennengelernt und gesprochen. Der Nil hat seinen Zauber und der Tempel der Pharaonin Hatshepsut eine leuchtende Kraft, irgendwie wärmend und mit offenen Armen, sehr speziell, besonders und sehr weiblich. Ein weiblicher Ort. Oberhalb ihres Tempels im Felsen hinter ihr wollten wir den Nil als visueller Effekt entspringen lassen, fettFilm mit Torge Möller sollte da ran. Das Wasser sollte über den Tempel, seine beiden Rampen und den langen Weg in Richtung Publikum fließen. Links vom Fluss sollte eine grüne Welt voller Palmen entstehen, rechts davon die lebensfeindliche Wüste sein. Die Äthiopier als assoziierbare rotschattierte Schmetterlinge hatten ihr Areal in der Oase, die Ägypter als tiefdunkle blaue Krähen in der Wüste. In unserer Tierfabel hätten sich im Triumphmarsch die Krähen aufgemacht die Oase zu überfallen, die Schmetterlinge gefangen zu nehmen und ihnen die Flügel zu stutzen. Der Tempel hätte in seinen ursprünglichen Farben geleuchtet, ein Sandsturm die ganze Geschichte unter sich begraben. Mit Howard Carter als Forscher und Tutanchamun-Ausgräber, der sich in die Rolle des Radames hinein träumt.

Hatschepsut Tempel Luxor / AIDA hier Radames © Oleksandr Shamov

Hatschepsut Tempel Luxor / AIDA hier Radames © Oleksandr Shamov

AY:  Fühlten Sie sich bei der Vorbereitungen ein wenig wie ein Ägyptologe? Oder verlegen Sie die Handlung in andere Zeiten und Räume, um neue Schichten von Bedeutungen freizulegen?

MS:  Man wird selbst zu Howard Carter, es ist unglaublich faszinierend in diese alte Zivilisation einzutauchen und sie mitzunehmen in die eigenen Gedanken. 3000 Jahre als eine Nation, allein diese Zahl macht Staunen und Schweigen. Es ist schon ein Unterschied ägyptische Sammlungen in unseren Museen zu sehen oder es vor Ort zu erleben. Und allein Hatshepsut, welch eine emanzipierte Frau, wie modern – vor 5000 Jahren.

AY: Und dieses Konzept wurde verneint? Warum? Welche radikale, vielleicht auch provokative Idee Ihrer ersten Inszenierung scheiterte durch die ägyptische Staats-Zensur?

MS: Als es um die Kostüme ging wollte man eine Altägyptischen Variante haben und alle Inszenierungsdetails wissen. Eine unerquickliche Diskussion, die dazu führte, dass ich anschließend erst einmal draußen war. Es sollte und wollte nicht provozieren, es war nur anders als gewohnt und erwartet. Man hat einen Begriff wie „Interpretation“ und bewertet ihn grundverschieden. Vor dem Brückenbau zwischen den Kulturen sollte man zuerst die Fundamente, auf denen die Brückenpfeiler stehen sollen, auf ihre Festigkeit prüfen und dann kann man bauen. Dann klappt es auch mit der Brücke des Verstehens, des Miteinanders. Nur so hat das letzte gesungene Wort der Oper eine Chance überhaupt gesungen zu werden, um nachklingen zu können in den Herzen der Menschen. PACE ist das Zauberwort, Frieden!

AY:  Inwiefern korrespondieren Ihre Ideen, bzw. hier die so genannte zweite „traditionelle“ Regie für Luxor, mit den Ideen Ihrer ersten Regie? (Ob die wirklich traditionell ist oder vortäuschend traditionell? Klischeehaft? Pseudoägyptisch?) Oder Sie stellen ganz neues Konzept dar?

MS:  Die nunmehrige AIDA ist kein Kompromiss, sie ist etwas ganz anderes. Mit den ursprünglichen Ideen hat das nichts mehr zu tun.

AY: In AIDA zeigt Verdi deutlich seine antiklerikale Haltung. Die Wissenschaftler, die behaupten, dass Verdi „musikalisch wie dramatisch deutlich ausgedrückt, ist, dass hinter dem Unglück der Liebenden und hinter dem Thron als treibende Kräfte die Priester stehen. Nicht der König ist der wahre Machtträger, sondern der Oberpriester. An allen wichtigen Wendepunkten trifft der Oberpriester Ramphis die Entscheidungen“. (Erhart Graefe). Kommt in Ihrer Inszenierung diesen Schwerpunkt zum Ausdruck?

MS: Ramphis ist das eigentliche Machtzentrum, er steht in seinem Fanatismus für nichts weniger als einen Gottesstaat, der König hat da wenig zu bieten. Und der Gegenspiel von Ramphis ist Amonasro, ebenfalls ein gewissenloser Fanatiker und Nationalist ist, der versucht seine Tochter zu manipulieren. Männliche Linien, die in Hass und Untergang münden. Die Frauen sind es, die Akzente setzen, insbesondere Amneris mit ihrer Erkenntnis, dass es über den Tod der Liebe hinaus den Hoffnung auf Frieden geben muss.

AIDA – 2019 im Hatschepsut Tempel von Luxor
youtube Trailer von Yasser Mustafa
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AY:  In einer Zeitschrift habe ich eine Anzeige entdeckt, die lautet: „Erleben Sie Giuseppe Verdis AIDA vor der Kulisse des Hatschepsut-Tempels in Luxor! … Ihr Studiosus-Reiseleiter öffnet für Sie die Tore ins alte Ägypten!“ Für mich klingt dies ein bisschen kurios, absonderlich und stellt die Frage: was ist letztendlich die Oper AIDA für zeitgenössische Ägypter? Dient die Oper um eine Menge von Touristen nach Luxor zu locken oder ist die Oper AIDA wirklich ein kulturelles und musikalisches Ereignis für Ägypter? Welches Ereignis musikalischer oder touristischer Art ist auch AIDA in Luxor für Europäer, die nach Luxor kommen?

MS: Mit der AIDA soll ein Tor nach Ägypten geöffnet werden, und ja, es ist ein Lockmittel. Klingt doch auch gut, was die Macher einer bekannten Reederei mit ihren rotlippigen Traumschiffen bestimmt bestätigen würden.

AY: Welche ägyptischen Komponisten könnten Verdi folgend am Hatschepsut-Tempel, einen anderen Tempel in Luxor oder im Khedivial-Opernhaus in Kairo seine Oper zum authentischen Ereignis für das Ägyptische Volkes machen? Oder macht solche besonderen Ereignisse nur Verdis AIDA in Ägypten möglich?

MS: Was der Nachbar sagt, der Mitarbeiter denkt, die Journalisten schreiben, das ist in Ägypten sehr wichtig. Es sind viele Faktoren, die eine Rolle spielen. Vielleicht noch eine Geschichte zum Schluss. Als in Suez vor einigen Jahren eine AIDA im Beisein der Präsidenten Ägyptens und Äthiopiens stattfand, kam es nach der Aufführung zu erheblichen Missstimmungen, so wurde mir erzählt. Der Grund: im Triumphmarsch sollen die äthiopischen Gefangenen zu hart angegangen worden sein.

AY:: Im Finale des ersten Regie-Vorhabens wollten Sie eine Gestalt der Mumie zeigen, die sich von ihrem Gewande befreit. Sollte diese auferstehende Mumie das Befreiungs-Symbol für Ägypten andeuten?

MS: Das kann man so sehen. Sie hätte flüchten sollen, wäre aber wieder eingefangen worden. Wenn man in einer tragischen Oper auch mal lachen kann, warum nicht.

AY:  In AIDA 2019 in Luxor haben 150 Musiker aus der Ukraine teilgenommen. Das Dirigat übernahm die ukrainische Star-Dirigentin Oksana Lyniv, die das ukrainische Orchester INSO-LVIV leitete, und die ägyptischen und äthiopischen Völker wurden vom berühmten ukrainischen Chor DUMKA gesungen. Ihre Zusammenarbeit mit der ukrainischen Künstler führte schon die Produktion von Lohengrin am Nationalen Opernhaus in Lemberg zur explosiven Resonanz in den ukrainischen und deutschen Medien.

Was bedeutet für Sie solche Kooperationen, die eine sehr breite Perspektive für alle Sinne – künstlerische, kulturell-geographische, religiöse und sozialpolitische – verspricht? Welche künftigen Pläne dieser Kooperation können Sie verraten?

MS: Meine Rückkehr zum Projekt AIDA war Mitte Oktober. Ich musste von heute auf morgen ein völlig neues szenisches Konzept auf die Beine stellen und traf mich in Luxor vor den Proben mit meinen beiden Mitarbeitern Karla Staubertova und Andrey Maslakov. Am Tisch entwarfen wir den szenischen Plan, beide agierten danach wie von mir erwartet als Team in flacher Hierarchie. Licht, Technik, Ablauf, Organisation, szenische Proben und schließlich auch die Kostüme teilten wir untereinander auf. Seltsam, dass in der ukrainischen Medien meine Name als Regisseur dieser Produktion AIDA nicht erwähnt wurde.

Von der künstlerischen Leistungsstärke konnte ich mir schon einen Überblick verschaffen, er ist wirklich sehr gut. In Luxor waren es insbesondere Orchester, Chor und die beiden musikalischen Leiterinnen Oksana Lyniv und Margarita Grynyvetska, die mich künstlerisch sehr überzeugten. Großartige Sänger und Instrumentalisten und wunderbare Dirigentinnen, die visionär arbeiten und diesem Weg alles unterordnen. Dabei der DUMKA-Chor wirklich herausstach, der auch durch seine Bescheidenheit und Demut ein besonderes Plus erwarb. In Zukunft plane ich mit Chor DUMKA einen szenischen Elias von Mendelssohn. Das wäre doch was!

AY:  Wie sieht Ihr Gesamtfazit aus?

MS: Rückblickend muss ich bei diesem verrückten Projekt sagen, dass die letztlich zur Aufführung gebrachte Lesart die Richtige für Anlass, Ort und Umstände war. So sehr Schmetterlinge und Krähen, Ausgräber und Mumien richtig gewesen wären, umso falscher wären sie zu diesem Zeitpunkt dort gewesen. In den kommenden Jahren werde ich diese Aida mit Inhalt füllen und sie verbessern. Schritt für Schritt im Dialog mit meinen ägyptischen Freunden und Gesprächspartnern. Man mag irritiert sein über die gesamten Umstände, doch bewirken kann man nur mit langem Atem, mit viel Geduld und Muße, im Miteinander und im Wir.

Biografie Michael Sturm

Michael Sturm, *1963, wuchs in Hamburg auf. Er studierte Musiktheater-Regie bei Götz Friedrich an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Hamburg. Seine Ausbildung erweiterte er durch die Zusammenarbeit u.a. mit Harry Kupfer, Ruth Berghaus und Achim Freyer, den er als Teilnehmer an der Bühnenklasse am Bauhaus Dessau kennenlernte. Seither wirkt er als Regisseur, Dramaturg und Autor.

Als Regisseur wirkte Michael Sturm u.a. an den Staatstheatern in Kassel und Saarbrücken, der Staatsoper in Hamburg, an den Bühnen in Linz, Bremen und Dessau. Gastspiele führten ihn an das Nationaltheater Prag, nach Albanien an die Opera Tirana, an die ungarischen Opernhäuser in Debrecen und Szeged, sowie das Mazedonische Nationaltheater Skopje.

Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählt Michael Sturm Die verkaufte Braut, 1995 im ehemaligen Konzentrationslager Theresienstadt aufgeführt, Brundibár an der Wiener Kammeroper 1999, Fidelio in Tirana/Albanien 2007 und im Jahr 2008 die Uraufführung der Oper Gegen die Wand am Theater Bremen. Diese Produktion erhielt 2009 den „Europäischen Toleranzpreis“.

„Lohengrin“ inszenierte er in Saarbrücken/Luxemburg mit Constantin Trinks, für MEZZO-TV erfolgte 2008 Cileas „Adriana Lecouvreur“. Gemeinsam mit Ji?i B?lohlávek erarbeitete er am Nationaltheater Prag Mozarts „Cosi fan tutte“. 2017 wurde er zum „International Opera Festival“ ins irische Wexford mit Jacopo Foroni´s Margherita eingeladen. Hervorzuheben ist die polnische Erstaufführung von Richard Wagner´s „Die Meistersinger von Nürnberg“ am Teatr Wielki Poznan und „Aida“ im Herbst 2019 vor dem Hatshepsut Tempel von Luxor.

—| IOCO Interview |—

 

Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere AIDA, 30.11.2019

November 8, 2019 by  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

AIDA  –  Giuseppe Verdi

vier Akte und sieben Bildern // Libretto von Antonio Ghislanzoni nach einem  Auguste Mariette Bey und einem Szenarium von Camille du Locle

PREMIERE     Samstag 30.11.19, 19:30 Uhr

Verbotene Liebe in Zeiten des Krieges, so ließe sich die Handlung von Giuseppe Verdis Aida knapp zusammenfassen. Genauer gesagt, ist damit die Ausgangssituation umrissen, denn mit welcher Meisterschaft es der große Italiener vermag, infolgedessen seine Hauptfiguren in ausweglose Situationen zu bringen und sie dennoch mit Liebe und Mut auszustatten, ist schlichtweg atemberaubend. Besonders, was das musikalische Gefühlsbarometer angeht, versteht sich. Nicht umsonst zählt Verdis drittletzte Oper zu den populärsten überhaupt. Ausgelöst durch die Umstände der Uraufführung und die Wünsche des Auftraggebers – kein Geringerer als der Khedive (Vizekönig) von Ägypten trat 1870 an Verdi heran, um eine Oper »im ägyptischen Stil« zu bestellen – war Aida von jeher mit dem Pomp einer einschlägigen Ausstattung behaftet; kaum eine andere Oper weckt wohl bei vielen Opernliebhaber* innen so konkrete Bilder wie diese. Gleichwohl pulsiert im Schatten der großen Chorszenen ein auf den Punkt gebrachtes Kammerspiel, an dem nur wenige Figuren beteiligt sind – doch für die geht es um das große Ganze: die äthiopische Prinzessin fristet – incognito – ein Leben als Sklavin am feindlichen Hof des ägyptischen Pharaos. Ihre heimliche Liebe gilt Radames, dem erfolgreichen Hoffnungsträger des ägyptischen Militärs, auf den auch Prinzessin Amneris ein Auge geworfen hat. Ausgerechnet er wird ausgesandt, um Äthiopiens Truppen unter dem Befehl von Aidas Vater Amonasro zu bekämpfen. Zu Aidas Entsetzen gelingt den Ägyptern der Sieg; zugleich ist sie froh, dass Radames überlebt hat. Als sie unter den Gefangenen auch ihren Vater erblickt, ahnt sie allerdings nicht, dass der sie seinerseits
zum Instrument machen will, um den so verhassten wie überlegenen Feind doch noch zu besiegen. Aida droht, zwischen der Liebe zu Radames und zu ihrem Vater zermalmt zu werden.

Ebendiese Angst und Ausweglosigkeit, die sich bei Aida in einer Todessehnsucht Luft macht, ist das Epizentrum, um das sich für Regisseurin Nadja Loschky und ihr Team (Ulrich Leitner, Bühne; Irina Spreckelmeyer, Kostüme) Verdis Musikdrama dreht. Sie erzählen Aidas Schicksal stets aus ihrer Perspektive und folgen dabei zugleich einer inneren wie der äußeren Handlung, ganz wie es dieses packende Musikdrama nachdrücklich einfordert. In der Titelrolle ist die britische Sängerin Elizabeth Llewellyn zu Gast, als Radames ist Arthur Shen zu erleben. Aus dem Bielefelder Ensemble stehen ihnen mit Katja Starke (Amneris), Moon-Soo Park (Ramphis), Evgueniy Alexiev (Amonasro) und Yoshiaki Kimura (die Stimme des Königs) bewährte Hauptfigurendarsteller* innen gegenüber. Aida ist zugleich eine dankbare Aufgabe für den Bielefelder Opernchor und den Extrachor (Ltg. Hagen Enke) sowie selbstredend für
die Bielefelder Philharmoniker. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von
GMD Alexander Kalajdzic.

Die nächsten Termine 07.12., 12.12., 22.12., 27.12., …
Karten www.theater-bielefeld.de / T. 0521 51-5454

MUSIKALISCHE LEITUNG
Alexander Kalajdzic, geboren in Zagreb, Kroatien, begann seine musikalische Ausbildung mit sechs Jahren und gab ab dem achten Lebensjahr regelmäßig Konzerte als Pianist. Er gewann mehrere Preise bei Bundeswettbewerben und setzte anschließend sein Studium an der Musikhochschule in Wien fort, wo er die Dirigierklasse von Karl Österreicher mit Auszeichnung absolvierte. Darüber hinaus studierte er Klavier, Viola und Korrepetition. Schon während des Studiums dirigierte er Symphoniekonzerte mit den Zagreber Philharmonikern sowie dem Orchester des Kroatischen Rundfunks.

Sein beruflicher Weg führte ihn nach Krefeld-Mönchengladbach, wo er als Korrepetitor mit Dirigierverpflichtung erste Theatererfahrungen sammelte. Danach war er als Kapellmeister in München, als erster Dirigent des Nationaltheaters Weimar und von 2008 bis 2010 als 1. Kapellmeister am Nationaltheater Mannheim tätig, wo er sich ein großes Repertoire erarbeiten konnte. Er gastierte u. a. in den USA, Mexiko, Südafrika, Italien, Frankreich, in der Schweiz und in Tschechien. Alexander Kalajdzic ist sowohl in der Oper als auch im Konzertbereich gefragt. Sein Repertoire reicht vom frühen Barock bis zur Moderne, wobei sein besonderes Interesse der französischen Musik gilt. So führte er fast das gesamte Orchesterwerk von Ravel und Debussy mehrmals auf. Auch war er lange Zeit als Liedbegleiter und Kammermusiker aktiv und hatte bis vor kurzem einen Lehrstuhl für Orchestererziehung in Zagreb inne. Alexander Kalajdzic leitet als GMD seit Spielzeitbeginn 2010/11 die musikalischen Geschicke des Theaters Bielefeld und der Bielefelder Philharmoniker.

INSZENIERUNG
Nadja Loschky studierte Musiktheaterregie an der HfM »Hanns Eisler« in Berlin. Parallel zu ihrem Studium assistierte sie Hans Neuenfels und arbeitete als freie Regisseurin an den Städtischen Bühnen Osnabrück. An diesem Theater entstanden in den folgenden Jahren unter ihrer Regie auch erste Inszenierungen im Bereich Kinder- und Jugendtheater. 2006 wurde ihre Interpretation von Frieds Monooper Das Tagebuch der Anne Frank zum Theatertreffen der Jugend nach Berlin eingeladen. Es folgten weitere Engagements, unter anderem am Staatstheater Kassel. Im Anschluss an ihre praktische Diplomprüfung 2009 inszenierte Nadja Loschky Verdis La Traviata und Rossinis Der Barbier von Sevilla an den Städtischen Bühnen Osnabrück, sowie Faust von Charles Gounod am Staatstheater Kassel. 2011 debütierte sie mit der Uraufführung der Familienoper Mikropolis von Christian Jost an der Komischen Oper Berlin. Im Jahr 2012 entstanden Inszenierungen von Brittens A Midsummer Night’s Dream am Staatstheater Kassel, Mozarts Entführung aus dem Serail am Theater Heidelberg sowie der Familienoper Die Schatzinsel (Frank Schwemmer) am Opernhaus Zürich, denen 2013 Verdis Simon Boccanegra am Theater Aachen und Händels Alcina am Luzerner Theater folgten. 2014 führte sie Mozarts Così fan tutte erneut ans Theater Heidelberg und mit Madama Butterfly inszenierte sie am Theater Bielefeld ihre erste Puccini-Oper. Für diese Produktion wurde sie 2015 mit dem Götz-Friedrich-Preis ausgezeichnet. Im selben Jahr arbeitete sie erneut am Opernhaus Zürich und brachte Christian Josts Rote Laterne zur Uraufführung. Anschließend inszenierte sie Boieldieus selten gespielte Oper La dame blanche am Oldenburgischen Staatstheater und Mozarts Le nozze di Figaro am Theater Heidelberg. 2016 präsentierte sie sich erneut am Luzerner Theater, diesmal mit einer Interpretation von Bellinis Oper Norma. Für ihre im gleichen Jahr entstandene Produktion Death in Venice von Benjamin Britten am Theater Bielefeld erhielt sie im Jahresheft der Fachzeitschrift »Opernwelt« eine Nominierung in der Kategorie »Beste Regie«. Zu Beginn der Spielzeit 2016/17 inszenierte sie Verdis Macbeth am Oldenburgischen Staatstheater, dem Zingarellis Giulietta e Romeo am Barocktheater Schwetzingen folgte. Mit Monteverdi L’incoronazione di Poppea kam es im Frühjahr 2017 zu einer weiteren Arbeit am Theater Bielefeld, 2018 gab sie ihr Regiedebüt an der Oper Graz mit Ariane et Barbe-Bleue von Paul Dukas. In derselben Spielzeit wurde Nadja Loschky Hausregisseurin am Theater Bielefeld, wo sie Rihms Jakob Lenz inszenierte und dort im Anschluss die Spielzeit 2018/2019 mit Verdis La Traviata eröffnete. Im Frühjahr 2019 debütiert sie an der Oper Köln mit Dvoraks Märchenoper Rusalka und im Juni desselben Jahres war ihre Interpretation von Offenbachs Orpheus in der Unterwelt am Theater Bielefeld zu sehen. Neben ihrer Regietätigkeit ist sie projektbezogen auch als Dozentin an der Hochschule für Musik »Hanns Eisler« sowie der »UDK« Berlin tätig. Nadja Loschky hat ab der Spielzeit 2019/20 die künstlerische Leitung des Musiktheaters am Theater Bielefeld übernommen.

BÜHNE
Ulrich Leitner wurde 1976 in Linz geboren. Nach dem Abitur und einer Tischlerlehre studierte er Bühnenbild bei Erich Wonder an der Akademie der Bildenden Künste in Wien und Szenenbild bei Lothar Holler an der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf in Potsdam Babelsberg. Seit 2001 arbeitet er als freischaffender Bühnen- und Kostümbildner unter anderem am Theater Bremen, Schauspiel Essen, Staatstheater Braunschweig, Theater Münster, Theater St. Gallen, Vereinigte Bühnen Krefeld und Mönchengladbach, Hebbel am Ufer Berlin, Theater Heidelberg und dem Saarländischen Staatstheater mit RegisseurInnen wie Martin Schulze, Thomas Ladwig, Johannes von Matuschka, Nora Somaini, Johanna Weißert und Kathrin Mädler. Mit Nadja Loschky arbeitet er seit 2014/15 regelmäßig zusammen. Am Theater Bielefeld realisierten sie bereits Brittens Death in Venice und Rihms Jakob Lenz gemeinsam.

KOSTÜME Irina Spreckelmeyer absolvierte ihr Bachelorstudium im Fach Kostümbild bei Prof. Maren Christensen an der Hochschule Hannover. An der Universität der Künste Berlin setzte sie 2016 ihr Master-Studium bei Florence von Gerkan fort. Gemeinsam mit Regisseur Andreas Kriegenburg und der Kostümbildnerin Andrea Schraad war sie seit 2013 für die Produktionen Sklaven am Deutschen Theater Berlin und Così fan tutte an der Semperoper Dresden verantwortlich sowie für Don Juan kommt aus dem Krieg bei den Salzburger Festspielen, María de Buenos Aires am Theater Bremen, Die Frau ohne Schatten an der Hamburgischen Staatsoper und Der Spieler am Residenztheater in München. 2017 entwarf sie am Schauspiel Frankfurt die Kostüme für Andreas Kriegenburgs Inszenierung von Drei Tage auf dem Land. Seit 2017 arbeitet sie regelmäßig mit Regisseurin Nadja Loschky zusammen.

BESETZUNG
Der König (Stimme) Yoshiaki Kimura, Der König (Hände) Kjell Brutscheidt, Lena Paetsch, Der König (Gestalt) Steffen Seithel, Ramphis Moon Soo Park, Aida Elizabeth Llewellyn, Radames Arthur Shen, Amneris Katja Starke, Amonasro Evgueniy Alexiev, Tempelsängerin Elena Schneider, Bote Vladimir Lortkipanidze, Double Aida Diana Marie Müller

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—

Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, AIDA – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 02.03.2019

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège

AIDA – Giuseppe Verdi

 150.000 Goldfranken „überzeugten“ Verdi,  dies große Werk  zu schaffen

von Ingo Hamacher

Mehrfach war er vom regierenden Khediven Ismail Pascha gebeten worden, eine Oper „in ausschließlich ägyptischem Stil“ zu schreiben, aber Verdi hatte immer abgelehnt. Eine Repräsentations- und Prunkoper im Stil einer Grand Opéra mit Massenszenen, Balletteinlage und einem Konflikt zwischen Pflichterfüllung und Leidenschaft, den klassischen Zutaten der Pariser Oper in dieser Zeit, interessierten ihn nicht mehr.

AIDA  –  Giuseppe Verdi
Youtube Trailer der  Opéra Royal de Wallonie-Liège
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Nach Don Carlo, dessen ursprüngliche Fassung für Paris und auf Französisch komponiert wurde, wollte er nur noch seine Muttersprache vertonen. Verdi interessierte  Erzählungen menschlicher Konflikte; wollte Opern über Schicksale und Charaktere schreiben.

Erst, als ihm der in Kairo lebende französische Ägyptologe Auguste Mariette, Begründer der Denkmalpflege in Ägypten und des Ägyptischen Museums in Kairo, sein Libretto über eine im Alten Ägypten spielende Oper namens AIDA zuspielen ließ, erwachte Verdis Interesse. Möglicherweise hat auch der Hinweis geholfen, dass das Projekt alternativ an Richard Wagner oder Charles Gounod übergeben würde, falls Verdi nicht zusagen würde. Verdi forderte und bekam für die Komposition 150.000 Goldfranken; das bis dahin höchste Honorar für einen Komponisten. Die Uraufführung von AIDA fand am  24. Dezember 1871 statt, im Khedivial-Opernhaus in Kairo. Die Handlung spielt in  Memphis und Theben zur Zeit der Herrschaft der Pharaonen.

AIDA in Lüttich  –  So hätte wohl auch Verdi AIDA gewollt

Für das Bühnenorchester beim Triumphmarsch wurden von Verdi eigene Trompeten, die sogenannten AIDA-Trompeten, als Sonderanfertigung in Auftrag gegeben. Die Handlung ist nicht historisch, sondern fiktiv und berichtet von menschlichen Konflikten, die in vielen Opern Verdis das Wichtigste sind, immer ohne Happy End. Die Wirkung der Oper steht und fällt mit der ägyptischen bzw. ägyptisierenden Ausstattung; dies war so von Beginn an von Mariette und Verdi konzipiert.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Elaine Alvarez als AIDA © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Elaine Alvarez als AIDA © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Historische Genauigkeit der Handlung war nicht angestrebt, dagegen aber sehr wohl historische Genauigkeit in der Ausstattung. Auch die Musik sollte ägyptisch klingen, aber u?ber den Originalklang war nichts in Erfahrung zu bringen. Das die liturgischen Gesänge des Stückes als mit der Zeit der Oper stimmig erlebt werden, liegt an der Harfenbegleitung, der Chromatik der Melodik und dem monodischen und antiphonischen Gesang der Priester in der Art des Kirchengesangs von Palaestrina.

Die Tänze sind im ‚alla Turca’-Stil geschrieben, den z.B. auch Mozart für die Andeutung von „Orient“ benutzte. Besonders „ägyptisch“ klingt das Vorspiel zum dritten Akt, das eine tropische Sommernacht beschreibt. Zirpende Violinen; Flöten imitieren Vogelstimmen. Mit dem Triumphmarsch in seiner Oper Aida schuf Verdi einen der berühmtesten Märsche der Musikgeschichte und ein vor Trompeten-Fanfaren nur so strotzendes Stück opulenter Bühnenmusik.

Aber Aida endet nicht mit einem bombastischen fortissimo Finale, sondern verhaucht in einem vierfachen pianissimo. Spätere Theater verschoben den Schwerpunkt von der von Verdi komponierten Tragödie von Individuen zu einer pompösen Ägypten-Revue. Aida gehört zu den erfolgreichsten großen Opern des 19. Jahrhunderts.

Stefano Mazzonis di Pralafera, Intendant der Lütticher Opéra Royal de Wallonie-Liège und Regisseur der Produktion, greift Verdis ursprüngliche Idee eines ägyptischen Seelendramas wieder auf und inszeniert das Stück als Kammerspiel. Die Bühne gehört den leisen Tönen; den Beziehungen; den Emotionen. Es braucht nicht viel, um eine AIDA glaubhaft auf die Bühne zu bringen. Man muss es nur richtig machen. Stefano Mazzonis di Pralafera und sein Team haben alles richtig gemacht.

Am Pult: Speranza Scappucci, eine 45-jährige italienische Dirigentin und Pianistin, die nach internationaler Tätigkeit im September 2017 Paolo Arrivabendi als Chefdirigent der Opéra Royal de Wallonie abgelöst hat. Scappucci spürt in ihrem Dirigat die Feinheiten der Partitur auf und lässt den Abend mit zart geführter Hand zu einem musikalischen Erlebnis werden.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

1. Akt

In einem schlichten, dunklen, von einer großen zentralen goldenen Horus-Statue dominierten Bühnenbild (Bühne: Jean-Guy Lecat) führt uns das Produktionsteam (Kostüme: Fernand Ruiz; Licht: Franco Marri; Choreographie: Michèle Anne De Mey; Chor: Pierre Iodice) in eine antikisierende Welt.

Zur von Radames als Kavantine gesungene Romanze „Celeste Aida“ (Himmlische Aida) erscheint Aida in einer stummen Partie auf der Bühne, so dass der Tenor die Arie nicht wie üblich in den Zuschauerraum brüllt, sondern seiner Geliebten zärtlich zuflüstern kann.

RADAMÈS: Gianluca Terranova: Der 48-jährige Römer ist international gefragten Tenor, der durch seine Leichtigkeit in der Höhe und durch große Bühnenpräsenz besticht.

Aida, Tochter des äthiopischen Königs, muss als Sklavin am ägyptischen Hof leben. Sie ist unsterblich in Radames verliebt. AIDA: Elaine Alvarez Die aus Kuba stammende international tätige US-amerikanische Sopranistin wird in dieser Spielzeit in Lüttich noch einmal, und zwar in der Titelrolle von Anna Bolena zu hören sein. Als Ägypten von den feindlichen Äthiopiern überfallen wird, wird Radames zum Heeresführer gegen die Äthiopier bestimmt. Er freut sich auf diese Aufgabe, hofft er doch, nach einem erfolgreichen Feldzug Aida heiraten zu können.

Amneris, die Tochter des Pharao, liebt den Feldherrn Radames ebenfalls und wirbt um seine Gunst. AMNERIS: Nino Surguladze: Die 41-jährige georgische Mezzosopranistin, Preisträgerin zahlreicher internationaler Wettbewerbe, ist stimmschön sowohl weltweit, als auch häufig in Deutschland zu erleben.

Radames rückt nach einer feierlichen Zeremonie mit den Truppen aus. Aida leidet an ihrer Ambivalenz zwischen der Liebe zu ihrer Heimat und zu Radames.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Luca Dall'Amico als Ramfis, Nina Surguladze als Amneris, Luciano Montanaro als aegyptischer Koenig © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Luca Dall’Amico als Ramfis, Nina Surguladze als Amneris, Luciano Montanaro als aegyptischer Koenig © Opéra Royal de Wallonie-Liège

2. Akt

Die säulenartigen Mauertürme, die die Bühne bisher strukturiert haben, werden bei offenem Vorhang um 180 Grad gedreht, und fügen sich nun zu einem farbenprächtigen, reich ausgestatteten Palastinneren. Das Heer der Ägypter konnte gegen die Äthiopier siegen. Amneris entlockt Aida ihr Liebesgeheimnis, indem sie ihr erzählt, Radames sei in der Schlacht umgekommen. An Aidas emotionalen Reaktion erkennt Amneris ihre Rivalin. Sie befiehlt ihr, sie als Sklavin zum geplanten Triumphfest zu begleiten.

Ein Teil des Bühnenbodens wird in die Höhe gefahren, so daß auf der Unterbühne der große Chor sichtbar wird, bereit für den Triumphmarsch. So dezent das Orchester der Opéra Royal de Wallonie-Liège bisher auch geführt wurde: Hier gibt es zusammen mit dem großen Chor des Hauses alles!

Bei stark zurückhaltendem Bühnengeschehen (Soldaten und tierköpfige ägyptische Gottheiten ziehen nacheinander an der Chorempore vorbei) wird der Triumphmarsch vor allem ein musikalisches Erlebnis. Der ägyptische König, gesungen von Luciano Montanaro, einem italienischen Bass, der ebenfalls in dieser Spielzeit in Anna Bolena zu erleben sein wird, nimmt seine siegreichen Soldaten feierlich in Empfang. Auf seinen Befehl hin werden die Gefangenen vorgeführt. Unter ihnen ist der äthiopische König, Aidas Vater, Amonasro.

AMONASRO: Lionel Lhote: Der belgische Bariton unterrichtet neben seinen internationalen Gesangsauftritten seit September 2015 an dem Königlichen Konservatorium in Brüssel. Als Lohn für seinen erfolgreichen Feldzug soll Radames auf Wunsch des Königs dessen Tochter Amneris heiraten und nach dessen Tod selbst König von Ägypten werden; er selbst bittet jedoch erst einmal um die Freilassung der Gefangenen.

3. Akt

Grüne Pflanzenspaliere verweisen auf einen neuen Handlungsort. Aida wartet in der Nacht heimlich an Nilufer auf Radames. Doch vorher erscheint Aidas Vater, Amonasro: Er möchte seine Tochter dazu bewegen, Radames das Geheimnis zu entlocken, auf welchem Weg eine Flucht gelingen würde. Aida ist im Zwiespalt. Radames erscheint und Amonasro versteckt sich. Aida erfragt die Möglickkeit einer gemeinsamen Flucht; Radames nennt die Napataschlucht.

Triumphierend tritt Amonasro nun aus dem Hintergrund hervor und offenbart seine wahre Identität als äthiopischer König. Radames erkennt, dass er ungewollt sein Vaterland verraten und sich dadurch entehrt hat. Amneris, die die Szene belauschte, tritt hervor und bezichtigt Radames des Verrats. Amonasro und Aida fliehen, Radames lässt sich ohne Widerstand festnehmen.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA - hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / AIDA – hier : Ensemble © Opéra Royal de Wallonie-Liège

4. Akt

Amneris ist verzweifelt und fühlt sich zwischen Wut und Liebe hin- und hergerissen. Sie möchte Radames retten und lässt ihn vorführen. Sie versucht ihn vergeblich zu überreden, sich vor Gericht zu verteidigen, um sein Leben zu retten. Radames geht davon aus, Amneris habe Aida getötet, weshalb er den Tod wählt. Erneut hebt sich der Bühnenboden und gibt den Blick auf das unterirdische Gefängnis frei. Man hört die Anklage der Priester; Radames jedoch schweigt. Er wird dazu verurteilt, in den Räumen unter dem Altar der Göttin lebendig begraben zu werden. Während Radames in seine Todeszelle hinab steigt, vernimmt er einen Seufzen.

Er sieht einen Schatten und erkennt Aida, die sich bei Tagesanbruch in die Krypta geschlichen hat, um mit ihm zu sterben. Gemeinsam nehmen die beiden Geliebten gelassen und verklärt Abschied von der Welt und versinken im Bühenboden.

In den weiteren Rollen:
RAMFIS, Oberpriester: Luca Dall’Amico, ein vielversprechender junger italienischer Bass, der an allen großen Häusern singt.

OBERPRISTERIN, Sopran: Tineke Van Ingelgem?Die Belgierin ist bekannt für ihr schauspielerisches Talent kombiniert mit einer hellen und kräftigen Stimme. Eine perfekte Besetzung für starke Frauenrollen.???BOTE: Maxime Melnik, geb. 1994, ist ein junger belgischer Tenor aus Charleroi.

Verdienter und lange anhaltender Applaus, rythmisches Klatschen, Jubel für die Solisten, ‚Ooohs‘ und ‚Aaahs‘ für die musikalische Leitung und Ovationen für das Produktionsteam beenden den erfolgreichen Abend.   So hätte Verdi es gewollt!

AIDA  im  Opéra Royal de Wallonie-Liège; die  weiteren Termine 03.03. (15:00); 05.03.; 07.03.; 09.03.; 10.03. (15:00); 12.03.; 14.03.2019

—| IOCO Kritik Opéra Royal de Wallonie-Liège |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Tenor RICCARDO MASSI im IOCO Interview, IOCO Aktuell, 17.03.2018

März 20, 2018 by  
Filed under Hervorheben, IOCO Interview, Staatsoper Hamburg

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Staatsoper Hamburg

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

 

„Gemeinsam in die Oper“

  Tenor RICCARDO MASSI im IOCO – Interview

 Debut an Staatsoper Hamburg – Zu den Italienischen Wochen

Von Rolf Brunkhorst

In diesen Tagen findet ein lang überfälliges Debüt an der Hamburger Staatsoper statt:  RICCARDO MASSI, der seit Jahren überall auf der Welt umjubelte italienische Tenor singt zum ersten Mal in Hamburg; den Cavaradossi in der Wiederaufnahme der Tosca.

Schon vor diesem seinen offiziellen Debüt gab er überraschend, am vergangenen Samstag, sein vorzeitiges Debüt  an der Staatsoper Hamburg, als er kurzfristig den Tenor-Part in der szenischen Produktion von Verdis  Messa da Requiem sehr erfolgreich übernahm.

Mit der ebenfalls ungeplanten wie kurzfristigen Übernahme einer Tenorpartie begann seine Karriere in 2009: An der Mailänder Scala übernahm er den Don José der dortigen Carmen-Produktion; für den erkrankten Jonas Kaufmann übernahm. Der außergewöhnliche Erfolg dieser Debüt-Vorstellung öffnete Riccardo Massi fortan alle bedeutenden Bühnentüren, so tauchen nun in seiner Vita die Staatsoper Unter den Linden, die Deutsche Oper Berlin, Dresden, Rom, Triest, Turin, Brüssel, die Metropolitan Opera New York, Houston, Stockholm, Oslo, das Bolshoi-Theater Moskau, Covent Garden London, Zürich, das Théatre des Champs Elysées Paris, Avignon, Toronto und viele andere große Häuser auf.

 Riccardo Massi © Wolfgang Schmitt

Riccardo Massi © Wolfgang Schmitt

Und nun also das Cavaradossi-Debüt hier an der Hamburger Staatsoper. Riccardo Massi stellt den Cavaradossi als Multi-Talent (Maler, Dichter, Revolutionär) dar, der am Ende er Oper weiß, daß er in den Tod gehen wird und nur seiner geliebten Tosca bis zur letzten Minute die Illusion eines gemeinsamen Überlebens vermittelt. Überhaupt scheinen die Verismo-Opern ein Schwerpunkt in Riccardo Massis Repertoire zu bilden. „Keiner hat wie Puccini so sehr die Herzen erreichen können.“ In nächster Zeit möchte er sich wieder mehr Giuseppe Verdi annähern, für dessen frühe Werke er lobende Worte findet. „Ich liebe besonders La Battaglia di Legnano, I due Foscari und auch I Lombardi. Vom späteren Verdi reizt mich besonders der Don Carlo, aber für diese lange und komplizierte Oper würde ich eine ausreichende Probenzeit beanspruchen. Der Otello kann in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren kommen, da höre ich nur auf meine Stimme“.

Seine Opernkarriere bezeichnet Riccardo Massi als sein drittes Leben. Sein erstes Leben war das eines Sportlers, seine Leidenschaft war Karate und Thai-Boxen, und er verdiente sich seinen Lebensunterhalt und sein Gesangsstudium als Security-Agent, was ihm quasi sein zweites Leben bescherte, nämlich die Arbeit als Stuntman, so wirkte er u.a. in Hollywood-Filmen von Martin Scorcese als Stunt u.a. in  Gangs of New York , oder Die Passion Christi und die Fernsehserie Rom mit. „Meine sportliche Ausbildung macht es mir oftmals auf der Bühne leicht, bestimmte vom Regisseur erwartete und verlangte Bewegungsabläufe auszuführen“.  Für Regisseure gilt im allgemeinen: „Ein Regisseur sollte erst einmal die Oper kennen, und zwar genauestens kennen. Er muss sich auch darüber im Klaren sein, welche Bewegungen oder Aktionen ein Sänger oder eine Sängerin nachvollziehen kann. Und ein Regisseur muss ein glaubwürdiges Regiekonzept vorlegen, um seine Produktion zum Erfolg zu führen, und er darf den ursprünglichen Gehalt der Oper nicht verwischen und missinterpretieren. Wenn dem Regisseur der roten Faden aus der Hand gleitet und er plötzlich die Idee hat, dass der dritte oder vierte Akt als Traum des Tenors oder der Sopranistin dargestellt werden soll, dann ist das schon mal Unsinn. Ein Regiekonzept muss glaubwürdig und nachvollziehbar sein, andernfalls verlieren die Protagonisten die Lust und das Interesse an der Arbeit und das Publikum ist enttäuscht und gelangweilt. Das Publikum muss die Emotionen spüren, das Geschehen auf der Bühne muss sie in seinen Bann ziehen“.

 Riccardo Massi © Wolfgang Schmitt

Riccardo Massi © Wolfgang Schmitt

Nachdem Riccardo Massi den Cavaradossi in diesem Jahr bereits am Londoner Opernhaus Covent Garden und in Palm Beach gesungen hat, freut er sich nach seinen Hamburger Auftritten auf sein Debüt am Teatro Colón Buenos Aires, wo er den Radames singen wird, anschließend wird er an die Oper in Sydney zurückkehren – ebenfalls als Radames. In Sydney sang er bereits La Forza del Destino, Luisa Miller, Tosca und Turandot. Weitere Zukunftspläne sind sein Debüt an der Washington Opera als Cavaradossi, und Auftritte an der Münchner Staatsoper als Pinkerton und als Pollione in Norma während der Münchner Opernfestspiele 2019.

Bleibt zu hoffen, dass Riccardo Massi zukünftig ein häufiger Gast an der Hamburger Staatsoper sein wird. Als Cavaradossi in Tosca ist Riccardo Massi dort am 21.3., 24.3. und 29.3.2018 zu erleben.

—| IOCO Aktuell Staatsoper Hamburg |—

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