Essen, Aalto Theater, Spielplan bis Dezember 2020 – Gluck, Purcell, IOCO Aktuell, 30.06.2020

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Aalto Theater Essen

Aalto Theater Essen © Bernadette Grimmenstein

Aalto Theater Essen © Bernadette Grimmenstein

Aalto-Musiktheater: Neuer Spielplan mit Gluck und Purcell

Orfeo ed Euridice und Dido and Aeneas statt Tannhäuser und Lucrezia Borgia

Tristan XS und ein Sängerfest ergänzen Spielplan zum Beginn der neuen Saison

Vor dem Hintergrund weiterhin geltender Einschränkungen im Theaterbetrieb hat das Aalto-Musiktheater ein alternatives Programm für die Monate September bis Dezember der neuen Spielzeit 2020/2021 veröffentlicht. Die Opern Orfeo ed Euridice von Christoph Willibald Gluck und Dido and Aeneas von Henry Purcell stehen nun als neue Premieren auf dem Spielplan. Die ursprünglich vorgesehenen Inszenierungen von Tannhäuser und Lucrezia Borgia werden dafür in einer der folgenden Spielzeiten zu erleben sein. Zum Auftakt der Saison begrüßen das Aalto-Ensemble und Gäste das Publikum unter dem Titel „O du, mein holder Abendstern“ mit einem Sängerfest der Extraklasse von Mozart bis Wagner, Verdi und Puccini. Und das Projekt Tristan XS konzentriert sich ganz auf die beiden Hauptprotagonisten in Richard Wagners Meisterwerk Tristan und Isolde. Die drei Repertoirestücke Die Fledermaus, La Traviata und Yesterdate feiern ihre Wiederaufnahme jeweils in gekürzten Fassungen. Das Theaterfest zur Saisoneröffnung kann in diesem Jahr nicht stattfinden.

Aalto Theater Essen / Mezzosopranistin Bettina Ranch (Orfeo) © Saad Hamza

Aalto Theater Essen / Mezzosopranistin Bettina Ranch (Orfeo) © Saad Hamza

Paul-Georg Dittrich, der als „Tannhäuser“-Regisseur vorgesehen war, wird nun zunächst Christoph Willibald Glucks Reformoper Orfeo ed Euridice inszenieren, mit der der Komponist 1762 die traditionelle Opera seria und ihren barocken Plüsch herausgefordert hatte. Gemeinsam mit dem Videodesigner Vincent Stefan erzählt Dittrich das Stück als Dialog zwischen Menschen und Schatten, Körper und Seele, Leben und Tod. Der Regisseur wurde für seine Inszenierungen von Wozzeck (2016) und La damnation de Faust (2017) am Theater Bremen jeweils für den renommierten Theaterpreis „Der Faust“ nominiert. In dieser Spielzeit konnte er unter anderem mit „Boris Godunov“ an der Staatsoper Stuttgart und mit der Uraufführung Wolfsschlucht an der Deutschen Oper Berlin für Aufmerksamkeit sorgen. Die musikalische Leitung hat Generalmusikdirektor Tomáš Netopil.
Premiere: 26. September 2020.

Aalto Theater Essen / Daniel Johansson (Aeneas) © Eric Rossier

Aalto Theater Essen / Daniel Johansson (Aeneas) © Eric Rossier

Zu den unbestrittenen Höhepunkten der Operngeschichte gehört Henry Purcells Dido and Aeneas. In nicht einmal einer Stunde erzählt der englische Barockmeister alles, was zum Thema Liebe gesagt werden muss. Auch für diese Premiere übernimmt mit Ben Baur der Regisseur der ursprünglich geplanten Lucrezia Borgia die Inszenierung. Ben Baur, den man am Aalto-Theater bereits als Ausstatter von Ariodante und Der Barbier von Sevilla kennt, kann hier nun auch sein Essener Regie-Debüt feiern. Engagements als Regisseur führten ihn zuletzt etwa an das Staatstheater Braunschweig (La Bohème), die Oper Graz (Roméo et Juliette, Il Trovatore) und das Musiktheater im Revier Gelsenkirchen (Les Dialogues des Carmélites). Am Pult der Essener Philharmoniker steht der junge Italiener Andrea Sanguineti, der am Aalto-Theater bereits „Carmen“, „La Bohème“ und Der Nussknacker dirigiert hat.
Premiere: 21. November 2020.

Unter dem Titel „O du, mein holder Abendstern“ werden das Aalto-Ensemble und Gäste das Publikum zunächst mit einem Sängerfest der Extraklasse begrüßen: Die titelgebende Arie des Wolfram von Eschenbach aus Wagners Tannhäuser gehört ebenso zum Programm wie Auszüge aus Verdis „Don Carlo“, Mozarts „Hochzeit des Figaro“ und „Die Entführung aus dem Serail“, Mascagnis „Cavalleria rusticana“, Donizettis „Liebestrank“ und Puccinis „La Bohème“. Am Flügel begleitet, schlüpfen die Solistinnen und Solisten in die Rollen von Helden und Schurken, Opfern und Bösewichten, Grafen und Dienern, Königen und Gesetzesbrechern und zeigen so die Ausdrucksvielfalt der Kunstform Oper.
Premiere: 5. September 2020

Aalto Theater Essen / Tobias Greenhalgh (Tristan ) © Lilya Namisyk

Aalto Theater Essen / Tobias Greenhalgh (Tristan ) © Lilya Namisyk

Als „Gipfel meiner bisherigen Kunst“ bezeichnete Richard Wagner im Dezember 1858 sein damals neues Werk „Tristan und Isolde“. Auf der Aalto-Bühne kommt die Oper nun als „Tristan XS“ zur konzertanten Aufführung: Im Mittelpunkt steht einzig und allein das Liebespaar. Alle äußeren Umstände und alle Nebenfiguren sind gestrichen. Kammermusikalisch reduziert, fokussiert die anderthalbstündige Bearbeitung von Armin Terzer die Handlung auf die großen Monologe und Duette von Tristan und Isolde und schlägt einen pausenlosen Bogen vom sehnsuchtsvollen Orchestervorspiel zu Isoldes verzücktem Liebestod. In den beiden Titelpartien sind mit Daniela Köhler und Daniel Johansson zwei ausgewiesene Wagner-Experten zu erleben, die in Essen nun ihre Rollendebüts geben.
Premiere: 2. Oktober 2020.

Eine Perle des Operettenrepertoires kehrt darüber hinaus auf die Bühne des Aalto-Theaters zurück: Johann Strauß’ „Die Fledermaus“ ist ab dem 31. Oktober 2020 semikonzertant und in gekürzter Form zu erleben. Ebenfalls in einer gekürzten Fassung wird auch Giuseppe Verdis „La Traviata“ ab dem 18. Dezember 2020 wiederaufgenommen. Und aus der Musical-Revue „Yesterdate – Ein Rendezvous mit den 60ern“ kommt ab dem 3. Dezember 2020 der zweite Teil mit den unvergesslichen Hits von Beatles, Beach Boys und Co. zur Aufführung.

Ihre Fortsetzung findet zudem die Reihe „Künstlerlesen“ im Café LIVRES, in der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Aalto-Theaters aus ihren Lieblingsbüchern vorlesen.


Familienprogramm:


Im Rahmen des Kinder- und Jugendprogramms „Abenteuer Aalto“ bieten das Aalto-Theater und die Essener Philharmoniker ausgewählte Vorstellungen für Kinder von 3 bis 6 Jahren im Aalto-Foyer an. Im September laden Hexe Kleinlaut und ihre Truppe zu dem Stück „Donnerröschen und der Forscherkönig“ ein, das mit Ausschnitten aus Engelbert Humperdicks „Dornröschen“ die Welt der Oper erlebbar macht (Termine: 5. und 6. September, jeweils um 15 Uhr). Einen Monat später läutet Hexe Kleinlaut, unterstützt von Mitgliedern der Essener Philharmoniker, mit ihrem Programm „Buntes Herbstgeraschel“ die nächste Jahreszeit ein (Termine: 4. Oktober, 11 und 13 Uhr). Und pünktlich zum Nikolaustag dreht sich dann alles um den „Verrückten Weihnachtstraum“ (Termine: 6. Dezember, 11 und 13 Uhr).


Veranstaltungsabsagen:


Aufgrund des von März bis Mai ausgesetzten Spiel- und Probenbetriebs konnte Mozarts Opera buffa „Die Hochzeit des Figaro“, eigentlich geplant als letzte Premiere der Spielzeit 2019/2020, nicht produziert werden. Somit entfällt auch die für Anfang Oktober vorgesehene Wiederaufnahme. Die Inszenierung wird in einer der folgenden Spielzeiten nachgeholt.

Auch das traditionelle Theaterfest muss zum Beginn der neuen Spielzeit ausfallen, da die Ausrichtung von Großveranstaltungen nach wie vor untersagt ist. Abgesagt werden außerdem das Konzert „Very British“ in der Philharmonie Essen, die Extras „Tat Ort Aalto“ und „mehrmusik“, die Premieren-Matineen sowie die Veranstaltungen der Reihe „It’s Teatime“.


Das neue Programm von September bis Dezember 2020 im Überblick


„O du, mein holder Abendstern“
Sängerfest mit Solistinnen und Solisten des Aalto-Theaters und Gästen
Premiere: 5. September 2020, Aalto-Theater
Weitere Vorstellungen: 12., 18. September 2020


Premiere
Orfeo|Euridice
Azione teatrale per musica von Christoph Willibald Gluck
Premiere: 26. September 2020, Aalto-Theater
Weitere Vorstellungen: 30. September; 3., 18., 25., 29. Oktober; 1., 7., 8. November; 13., 27. Dezember 2020


Tristan XS
Premiere: 2. November 2020, Aalto-Theater
Weitere Vorstellungen: 11., 21. Oktober; 26. November; 11. Dezember 2020


Die Fledermaus
Operette von Johann Strauß
Semikonzertante Aufführung
Vorstellungen: 31. Oktober; 15. November; 6., 31. Dezember 2020, Aalto-Theater


Premiere
Dido and Aeneas
Oper von Henry Purcell
Premiere: 21. November 2020, Aalto-Theater
Weitere Vorstellungen: 25., 29. November; 10., 20. Dezember 2020


Yesterdate – Ein Rendezvous mit den 60ern
Musical-Revue von Heribert Feckler und Marie-Helen Joël
Wiederaufnahme: 3., 4. Dezember 2020


La Traviata
Oper von Giuseppe Verdi
Konzertante Aufführung
Wiederaufnahme: 18. Dezember 2020

Künstlerlesen
1. September, 6. Oktober; 3. November; 1. Dezember 2020, Café LIVRES


Familienprogramm:


Donnerröschen und der Forscherkönig
5. und 6. September, jeweils 15:00 Uhr, Aalto-Foyer


Buntes Herbstgeraschel
4. Oktober, 11:00 und 13:00 Uhr, Aalto-Foyer


Der verrückte Weihnachtstraum
6. Dezember, 11:00 und 13:00 Uhr, Aalto-Foyer
Informationen zum Kartenkauf
Vorverkauf für September 2020


Der Kartenvorverkauf für den Ersatzspielplan September 2020 beginnt am 3. August 2020. Eintrittskarten sind im TicketCenter erhältlich (II. Hagen 2, 45127 Essen). Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stehen während der Öffnungszeiten auch für telefonische Anfragen (T 02 01 81 22-200) sowie per E-Mail (tickets@theater-essen.de) zur Verfügung. Kartenkäufe über den Webshop sowie über www.eventim.de und externe Vorverkaufsstellen sind aktuell leider nicht möglich. Die TUP ist als Veranstalter verpflichtet, bei Kartenverkäufen und Reservierungen Namen und Anschrift der Kundinnen und Kunden aufzunehmen.

Das TicketCenter im II. Hagen 2 bleibt während der Theaterferien vom 29. Juni bis 16. August 2020 von montags bis freitags in der Zeit von 10:00 bis 15:00 Uhr geöffnet. In dieser Zeit findet auch unser telefonischer Service statt. Die Kasse am Aalto-Theater ist in der Zeit vom 29. Juni bis 18. August 2020 geschlossen.

Öffnungszeiten des TicketCenters ab dem 17. August 2020
Mo-Sa 10:00-16:00 Uhr
Telefonische Erreichbarkeit:
Mo 10:00-16:00 Uhr
Di-Fr 10:00-18:00 Uhr
Sa 10:00-16:00 Uhr

Die TUP bittet darum, bei Kartenkäufen im TicketCenter die eingeübten Hygiene- und Sicherheitsregeln einzuhalten.

Vorverkauf für den ursprünglichen Spielplan 2020/2021 eingestellt
Der Vorverkauf bzw. die Reservierungen für den ursprünglichen Spielplan der Spielzeit 2020/2021 sind eingestellt. Bisher eingegangene Reservierungen bleiben bestehen, sofern der Termin der Veranstaltung und die bisher genehmigten Platzkapazitäten aufrechterhalten bleiben. Bei Programmänderungen oder sollten wegen der geforderten Sitzplatzeinschränkungen Reservierungswünsche nicht erfüllt werden können, werden die Kundinnen und Kunden persönlich benachrichtigt.

—| Pressemeldung Aalto Theater Essen |—

Berlin, Staatsoper im Schillertheater, INFEKTION! Festival für Neues Musiktheater, IOCO Kritik, Juni 2013

Juli 24, 2013 by  
Filed under Kritiken, Staatsoper im Schiller Theater

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Staatsoper im Schiller Theater

INFEKTION! Festival für Neues Musiktheater. 14. – 30.06.2013

Staatsoper im Schiller Theater / Maraike Schröter, Gyula Orendt, Ursina Lardi, Franz Hartwig, Stefan Stern, Luise Wolfram, Jorijn Vriesendorp, Steven Michel © Arno Declair

Staatsoper im Schiller Theater / Maraike Schröter, Gyula Orendt, Ursina Lardi, Franz Hartwig, Stefan Stern, Luise Wolfram, Jorijn Vriesendorp, Steven Michel © Arno Declair

Bereits zum dritten Mal fand zum Abschluss der diesjährigen Spielzeit das von der Staatsoper Berlin etablierte Festival für Neues Musiktheater statt.

Diesmal mit der zusätzlichen Mitwirkung von Falk Richter und der Schaubühne Berlin. In drei verschiedenen Spielstätten – Großen Haus, Werkstatt, Schaubühne – wurden vom 14. – 30. Juni fünf verschiedenartige Neuproduktionen und Beispiele des experimentellen Musiktheaters gezeigt, wovon zwei Uraufführungen waren.

„For The Disconnected Child“ von Falk Richter (14.06.2013, Uraufführung)

Eröffnet wurde das Festival mit dem Stück „For The Disconnected Child“, eine Koproduktion der Staatsoper mit der Schaubühne Berlin. Richter, deutscher Regisseur und Autor Jahrgang ’69, ist hier nicht nur der hervorragende und von den Darstellern blendend interpretierte Text und eine intelligente und packende Inszenierung zuzuschreiben, sondern ihm ist auch gelungen, Opernsänger, Schauspieler, Tänzer und Musiker verschiedenartiger musikalischer Ausrichtungen gleichwertig in einem großartigen Crossover-Werk erfolgreich miteinander zusammengeführt zu haben. Wie ein großes Puzzle fügt sich klug jedes Element dem anderen.

Staatsoper im Schiller Theater / Helgi Hrafn Jónsson © Arno Declair

Staatsoper im Schiller Theater / Helgi Hrafn Jónsson © Arno Declair

Ob gesprochen, gesungen oder getanzt – ob klassischer Opern- und Liedgesang (Tschaikowski, Puccini, Schubert), Songwriting, Elektronik, neue oder avancierte zeitgenössische Musik (Kompositionen von Malte Beckenbach, Achim Bornhoeft, Oliver Frick, Helgi Hrafn Jónsson, Jan Kopp, Jörg Mainka und Oliver Prechtl), es sind alles ebenbürtige Begegnungen. Nichts davon kann man und will man missen, denn alles hat seine Berechtigung in der Darstellung dieses Kosmos von ewig suchenden, von der Fülle der unendlichen Möglichkeiten unserer Zeit überforderten und untergehenden Figuren, die immer wieder in Relation mit den Geschichten und der Musik aus Tschaikowskis romantischer Oper „Eugen Onegin“ – zentraler Vergleichspunkt des Werkes – gesetzt werden.

Großartig und sehr beeindruckend die Darbietung aller Mitwirkenden: Der hamburgische Dirigent Wolfram-Maria Märtig, die Schauspieler der Schaubühne (Franz Hartwig, Ursina Lardi, Stefan Stern, Tilman Strauß und Luise Wolfram), die Tänzer (Steven Michel, Franz Rogowski, Jorijn Vriesendorp) und die Sänger der Staatsoper (Borjana Mateewa/ Mezzosopran, Gyula Orendt/ Bariton), Maraike Schröter/ Sopran). Alle von darstellerischer und vokaler großer Präsenz. Hervorragend der Sänger und Komponist Helgi Hrafn Jónsson in der Interpretation seiner eigenen Songs.

Bestens konzipiert und genutzt auch der Bühnenraum von Katrin Hoffmann und Chris Kondek (Video).

Begeisterter Applaus für eine rundum sehr gelungene und besonders empfehlenswerte Produktion!

„AscheMOND oder The Fairy Queen“ von Helmut Oehring (16.06., Uraufführung)

Staatsoper im Schillertheater / Aschemond Topi Lehtipuu, Ulrich Matthes, Tanja Ariane Baumgartner © Monika Rittershaus

Staatsoper im Schillertheater / Aschemond Topi Lehtipuu, Ulrich Matthes, Tanja Ariane Baumgartner © Monika Rittershaus

Als zweite Produktion des Festivals wurde das Auftragswerk der Staatsoper unter den LindenAscheMOND oder The Fairy Queen“ von dem renommierten Komponisten Helmut Oehring präsentiert.

Unter Verwendung von Musik von Henry Purcell, sowohl mit eigenen Texten wie auch Texten von Shakespeare, Heinrich Heine, Adalbert Stifter und anderen, hat Oehring gemeinsam mit seiner Frau Stefanie Wördemann, verantwortlich für das Libretto, diese, wie sie es nennen, „Hymne auf die Vergänglichkeit“ geschaffen.

Im Mittelpunkt dieser im ständigen Dialog mit der Semi-Oper von PurcellThe Fairy Queen“ und Shakespeare’sMidsummer Night’s Dream“ stehenden Oper ist die Sonnenfinsternis, bei der sich, wie die Sonne und der Mond, Mann und Frau ganz nah kommen, um dann wieder aneinander im Fluss der Jahreszeiten vorbeizuziehen.

Der Theaterregisseur Claus Guth erzählt in seiner Inszenierung, anhand der gemeinsam mit dem Komponisten erdachten Geschichte, von komplizierten, zwischenmenschlichen Beziehungen, insbesondere zwischen Mann und Frau.

Staatsoper im Schillertheater / Aschemond Bejun Mehta © Monika Rittershaus

Staatsoper im Schillertheater / Aschemond Bejun Mehta © Monika Rittershaus

Ein Mann kehrt in sein leer stehendes Elternhaus zurück (Ausstattung: Christian Schmidt, Video: Kai Ehlers), um dem Selbstmord seiner Mutter auf den Grund zu gehen, ihn zu verstehen. Düster und beklemmend, wie in Ingmar Bergmanns Filmen, schwelgt der Mann (Schauspieler Ulrich Matthes) in Erinnerungen – sieht sich wieder als kleiner Junge und durchlebt den Tag und die dem Suizid vorangehenden Situationen in verschiedenen möglichen Varianten. Hervorragend, vokal wie darstellerisch, das Sängerensemble; Marlis Petersen, Tanja Ariane Baumgartner, Topi Lehtipuu und Roman Trekel – ganz besonders der Countertenor Bejun Metha. Lobenswert auch der Staatsopernchor, sowie die Gebärdensolistin Christina Schönfeld, hier als die gute Seele, oder die gute Fee des Hauses.

Die Musik, unter der brillanten Leitung von Johannes Kalitzke (Gesamtleitung) und Benjamin Bayl (Leitung der Akademie für Alte Musik Berlin), ist eine Mischung aus Purcells Kompositionen – original, neu orchestriert oder verfremdet – und Neuer Musik, reich an Elektronik.

Viel Beifall für die höchst gelungene und interessante Produktion, auch wenn in seiner ohne Pause über 2-stündigen Aufführungsdauer vielleicht etwas zu lang.

„Récitations“ von Georges Aperghis (20.06., Premiere)

Als dritte Produktion in Folge die Premiere von „Récitations“ Ende der 70er Jahre vom griechischen Komponisten Georges Apherghis komponiert.

Präsentiert wurde hier das musikalische Werk für Stimme solo, auf der kleinen Werkstattbühne der Staatsoper, in einer spielerischen und das Publikum einbeziehenden Inszenierung von Elisabeth Stöppler. Sowohl köstlich amüsant als auch bewundernswert ist die witzig-clowneske Gestaltung von Uta Buchheister. Virtuos interpretiert die Mezzosopranistin und Interpretin zeitgenössischer Musik, mit Hilfe verschiedener Stimmtechniken die unterschiedlichen Klänge, Laute oder Silben der 14 musikalischen Stücke. Bravo für diese diffizile One Woman Leistung!

„Europeras 3/ Europeras 4“ von John Cage (23.06.)

Fortgesetzt wurde das Festival mit „Europeras 3“ und „Europeras 4“. Die beiden Kammeropern, Teil einer Serie von fünf Opern von John Cage – einem der einflussreichsten Komponisten des 20. Jahrhunderts und Anreger der Neuen Improvisationsmusik, sind als Dekonstruktion der Oper des 18. und 19. Jahrhunderts und gleichzeitig als Hommage an dieselbige anzusehen. Mal alleine, mal in Überlappung mit einem anderen Sänger, Klavier oder einer Schallplattenaufnahme, singen Sängerinnen und Sänger Arien aus dem Opernrepertoire (von Mozart bis Wagner) und kreieren so, mit Hilfe von vertrautem, musikalischem Material ein neues Klangereignis. Alles wird dabei dem Zufall überlassen; die Position der Darsteller auf der Bühne, die Wahl der Gegenstände oder die Anzahl und Position der Scheinwerfer. Nach dem Zufallsprinzip festgelegte Zeiten diktieren den Ablauf und die Aktionen jedes einzelnen Mitwirkenden und die klassische Funktion des Dirigenten übernimmt hierbei die Uhr, die während der ganzen Aufführung läuft.

Nach diesen gleichen Regeln fand auch die Aufführung der beiden Werke auf der Werkstattbühne der Staatoper statt und das interessierte Publikum mittendrin.

Beachtlich war die sängerische Darbietung aller Solisten; Katharina Kammerloher, Paul O’Neill, Alfredo Daza, Tobias Schabel, Alin Anca, Narine Yeghiyan, Reiner Goldberg und herausragend die stimmliche Qualität und Interpretation der aus Süd Korea stammenden Sopranistin Esther Lee. An den Klavieren spielten Jenny Kim, Robert Farkas und Günther Albers.

„Hanjo“ von Tishio Hosokawa (30.06.)

Mit der Oper in einem Akt des japanischen zeitgenössischen Komponisten Tishio Hosokawa (Premiere am 22.06) endete das diesjährige Festival für Neues Musiktheater „Infektion!“.

Die Oper, nach einem Nô-Spiel von Yukio Mishima, erzählt vom Warten. Von einer Ex-Geisha, die durch das jahrelange Warten auf ihren Geliebten wahnsinnig wird und als sie ihn dann schließlich vor sich hat, ihn nicht mehr erkennt. Das während des Wartens in ihrem Kopf entstandene Bild hat die Realität ersetzt. Das Warten findet somit keine Erlösung, bzw. findet seine Erlösung im Warten selbst.

Hosokawa, dessen Kompositionen außer Orchesterwerken, Solokonzerten und Kammermusikwerken auch Filmmusik umfasst, schafft hier einen faszinierenden Klangteppich von traumhafter Atmosphäre und Leichtigkeit, meisterhaft ausgeführt von der Staatskapelle Berlin unter der musikalischen Leitung von Günther Albers, Dirigent, Chorleiter und Liedbegleiter.

Mit einfachen Bildern (Bühnenbild von Susanne Gschwender, Kostüme Anna Eiermann) schafft der spanische Regisseur Calixto Bieito mit seiner Inszenierung Momente von großer Eindringlichkeit. Voller vokaler wie darstellerischer Intensität und Hingabe die Interpretation des Sängertrios; die schwedische Sopranistin Ingela Bohlin, die Mezzosopranistin Ursula Hesse von den Steinen und der Bariton Georg Nigl, die vom Publikum mit viel Applaus honoriert wurde.

Mit dieser Produktion endete das diesjährige Festival für Neues MusiktheaterInfektion!“. Auch diesmal war das Festival eine hervorragende Gelegenheit, zwei Wochen lang sich mit Neugier und offenen Sinnen auf das Geschehen des zeitgenössischen Musiktheaters einzulassen und seine unterschiedlichen Wege, zukunftweisenden Ansätze und spannenden Werke kennen zu lernen.

IOCO / G.G. Juni 2013

—| IOCO Kritik Staatsoper im Schillertheater |—

Augsburg, Theater Augsburg, Vorstellungsänderung – La Traviata statt King Arthur, 29.04.2012

April 25, 2012 by  
Filed under Pressemeldung, Theater Augsburg

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Theater Augsburg

Vorstellungsänderung
„La Traviata“ statt“ King Arthur“

29. April 2012
19 Uhr
Großes HausAufgrund einer Erkrankung im Ensemble wird am Sonntag, 29. April 2012 um 19 Uhr, statt Henry Purcells „King Arthur“ Giuseppe Verdis „La Traviata“ gegeben.

Gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit. Diese können aber auch beim Besucherserivce kostenlos umgetauscht werden. „La Traviata“ wird dann zum letzten Mal in dieser Spielzeit gegeben.

—| Pressemeldung Theater Augsburg |—

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