Lyon, Opéra de Lyon, Die Zauberin – Piotr Ilitch Tschaikowski; IOCO Kritik, 19.03.2019

März 19, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Opera Lyon

Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon

Die Zauberin – Piotr Ilitch Tschaikowski

– Mit der Virtual-Reality-Brille am Schachbrett des Schicksals –

von Patrik Klein

Im November 2018 präsentierte IOCO die Opéra de Lyon und Serge Dorny, Intendant des Hauses, link HIER; als Teil der IOCO Serie über hinreißende Operhäuser.

Nun, im März 2019, war es denn so weit, die Opéra de Lyon in der  Stadt an der Rhone, zu besuchen: Das Operngebäude, mit seiner faszinierenden und ungewöhnlichen Architektur, bestehend aus einem neoklassizistischen alten Teil aus dem 20ten Jahrhundert und dem 1989 von Jean Nouvel verantworteten neuen Teil mit dem spektakulärem gläsernen Dach, einer räumlichen Erweiterung in die Höhe und die Tiefe zu besichtigen, zwei Neuproduktionen zu besuchen und ein spannendes Gespräch mit dem amtierenden Intendanten Serge Dorny zu führen.

Kennzeichnend für die in der Stadt beliebte und viel besuchte Opéra de Lyon ist auch ein jährlich stattfindendes Festival. 2019 heißt das Festival-Motto Leben und Schicksale. Drei unterschiedliche Mythen, die der abendländischen Kultur zugrunde liegen und durch miteinander verbundene Kernthemen eine dunkle und tiefe Einheit bilden, standen in kurzer Abfolge auf dem Programm und sollten dem Opernbesucher ganz neue und unerwartete Sichtweisen kaum bekannter, aber doch verwandter Werke mit verschiedenen Aspekten von menschlichen Schicksalen ermöglichen. Jedes dieser drei Werke setzt sich auf seine besondere Weise mit der Frage des menschlichen Schicksals auseinander.

Monteverdis Il Ritorno d´Ulisse, Tschaikowskis Die Zauberin (zum ersten Mal überhaupt in Frankreich szenisch aufgeführt) und Purcells Dido und Aeneas bildeten dieses Triptychon. Die beiden zuletzt genannten Werke hatten an zwei aufeinander folgenden Tagen Premiere und wurden von IOCO besucht.

Schon bevor die Vorstellung begann wurde deutlich, dass dieser Premierenabend  ein ganz anderer werden sollte, als man vielleicht erwartete. Noch vor der Ouvertüre blickte man auf einen geschlossenen Vorhang, vor dem ein Tisch mit Schachbrett und ein Stuhl standen. Die riesige Videoprojektionsfläche des Vorhangs gab einen Kircheninnenraum frei, in dem neben einem Altar eine überdimensionale Christusfigur angebracht war. Ein Priester erschien am Schachbrett, spielte ein paar Züge Blindschach ohne Partner, setzte sich eine VR- Brille auf und ward plötzlich im Videobild im Kirchenraum zu sehen. Dort riss er Jesus den Augendeckel ab und befestigte darin Kameras und Kabel. Die ersten leisen Töne der Ouvertüre setzten ein.

Opéra de Lyon / Die Zauberin - hier : Die drei virtuellen Welten © Stofleth

Opéra de Lyon / Die Zauberin – hier : Die drei virtuellen Welten © Stofleth

Bleiben wir aber zunächst in der Historie: Das Libretto der Oper von Ippolit Spazhinsky basiert auf dessen gleichnamigem Theaterstück. Die Oper wurde zwischen September 1885 und Mai 1887 in Maidanovo, Russland komponiert und 1887 in Sankt Petersburg uraufgeführt. „Ich bin überzeugt, dass Die Zauberin meine beste Oper ist“, bewertete Tschaikowski damals selbst sein Werk.

Der verfälschende Titel Die Zauberin, müsste ja eigentlich Circe heißen, denn die Wirtin Nastasia ist eher eine Frau, die vorwiegend mit übersinnlichen Kräften die Männer anzieht und verführt, sie ihrer Sinne beraubt und sie zu willenlosen Opfern ihrer Leidenschaften werden lässt. Das 1887 komponierte Werk, die siebente der neun Tschaikowski-Opern, liegt zeitlich zwischen dem russischen Schlachtengemälde Mazeppa und der populären Vertonung der Puschkin-Novelle Pique Dame. Wie später Tschaikowski selbst konstatiert  „…und trotzdem wird sie bald in den Archiven verbleiben“ hat sie zu Unrecht in den Spielplänen der mitteleuropäischen Opernhäuser nur eine untergeordnete Rolle. Eine Inszenierung von David Pountney in St. Petersburg und von Tatjana Gürbaca in Antwerpen und Erfurt haben dann in den letzten Jahren doch den Fokus auf dieses beachtliche Werk gerichtet.

Obwohl im 15. Jahrhundert spielend, zielt die Oper in ihrer Thematik und Problematik auf das Russland des 19. Jahrhunderts an. Die selbstbewusste, sich ihren Lebensunterhalt verdienende Nastasia, scheut sich nicht, dem Prinzen ihre Liebe als erste zu bekennen. Sie begreift ihre Position als Außenseiterin und hat die Klugheit und auch die Kraft, sich ihre Existenz immer wieder zu erkämpfen. Ihre gegen die Doppelmoral der Kirche gewandte Haltung unterscheidet sie von der Fürstin, mit der sie andererseits ein ähnliches Schicksal teilt. Beide müssen sich gegen eine vom Patriarchat bestimmte Gesetzgebung wehren. Die lyrische, dem Volkslied verhaftete, auf weichen Holzbläser- und Streicherklang gestellte musikalische Gestalt der Wirtin Nastasia ist dem metallisch getönten, schärferen, mit schneidenden dynamisch akzentuierten Orchesterklängen der Fürstin gegenübergestellt. Das Liebespaar Nastasia und Juri sind hingegen durch weiche Klänge und fließende Melodik hervorgehoben. Tschaikowskis Hass auf die Kirchenmoral seiner Zeit ist nicht nur thematisch im Werk vorhanden, sondern auch musikalisch. Nicht nur dem Geläut zum Gottesdienst wird eine Volksweise entgegengesetzt, sondern auch Nastasias Tod wird mit einer nach alten Vorbildern gesetzten Kirchenweise beklagt. Das war als Affront gegen die zeitgenössische Kirche und ihre Rituale gemeint und wurde auch so verstanden. Demgegenüber wirken die musikalischen Charakteristika des alten Fürsten eher blass und farblos. Hier dominieren stereotype konventionelle, am italienischen Opernstil der Zeit angelehnte Elemente.

Opéra de Lyon / Die Zauberin - hier : Piotr Micinski als Mamirow mit VR Brille in den Fürstengemächern© Stofleth

Opéra de Lyon / Die Zauberin – hier : Piotr Micinski als Mamirow mit VR Brille in den Fürstengemächern © Stofleth

– Handlung Erster Akt: Außerhalb der Stadt betreibt Nastasia (Elena Guseva, Sopran), genannt Kuma, eine Gastwirtschaft, in der die Männer trinken, spielen, kämpfen und sich mit Frauen treffen. Man schimpft auch viel über die korrupten und bigotten Politiker und Kirchenleute. Die Fähigkeit Kumas, die Gäste zu beeinflussen, macht die Frauen der Männer eifersüchtig und man sagt ihr übernatürliche Kräfte nach. Als der Sohn des Fürsten, Prinz Juri (Migran Agadzhanyan, Tenor) vorbeikommt, verliebt sich Kuma sofort in ihn, kann sich aber nicht überwinden, ihn einzuladen. Kurz darauf taucht der Fürst (Evez Abdulla, Bariton) selber mit seinem Schreiber Mamirow (Piotr Micinski, Bass) auf. Alle wollen in Panik fliehen, weil der konspirative Ort dem Fürsten ein Dorn im Auge ist und Mamirow droht auch gleich, man solle die Wirtschaft niederbrennen. Kuma aber versucht auf ihre Weise, die Situation zu retten: sie schmeichelt dem Fürsten, lädt ihn zum Wein ein und überzeugt ihn, dass ihre angebliche Zauberkunst nur besondere Liebenswürdigkeit ist. Sie bringt den Fürsten sogar so weit, Mamirow mit auftretenden Gauklern tanzen zu lassen. Gedemütigt schwört dieser Rache, während der Fürst, völlig beeindruckt von Kuma, seinen Diamantring als Bezahlung in seinen leeren Becher fallen lässt.

Zweiter Akt: Die Eifersucht der Fürstin (Ksenia Vyaznikova, Mezzosopran) wird durch Mamirow weiter genährt, der verspricht, Kuma zu bespitzeln. Im Sinne Mamirows, der Kumas Tod will, erzählt seine Schwester Nenila (Mairam Sokolova, Mezzosopran), die Kammerfrau der Fürstin, ihr von einem Gift, die Fürstin behauptet aber, davon nichts wissen zu wollen. Ihrem Sohn eröffnet die Fürstin, eine Frau für ihn gefunden zu haben. Der Prinz merkt aber, dass etwas seine Mutter bedrückt. Sie will ihn aber von allen schlechten Nachrichten fernhalten. Der Bettelmönch Paisi (Vasily Efimov, Tenor) wird von Mamirow engagiert, den Prinzen zu beobachten. Es kommt zum offenen Streit zwischen dem Fürst und der Fürstin, die droht, die heimliche Affäre ihres Mannes den Vertretern der Kirche anzuzeigen. Als einige Diebe Waren in den Fürstenpalast bringen, wirft das Volk Mamirow vor, es zu berauben. Als Ausschreitungen drohen, stellt sich Prinz Juri öffentlich auf die Seite der Bürger und fällt damit bei seinen Eltern in Ungnade. Als er von der angeblichen Affäre seines Vaters erfährt, schwört er, seine Mutter zu rächen.

Dritter Akt: In ihrem Zimmer gesteht der Fürst Kuma seine Liebe, die sie nicht erwidert. Gegen sein weiteres Drängen kann sie sich nur mit einem Messer schützen und der Fürst verlässt sie. Zwei Freunde berichten ihr vom Racheplan Juris, den sie liebt. Sie stellt sich schlafend und wartet auf ihn. Der Prinz kommt mit einem Dolch in ihr Zimmer und will gerade zustechen, da ist er von ihrer Schönheit verzaubert und lässt die Waffe sinken. Kuma gesteht, dass sie nicht seinen Vater, sondern ihn liebe. Nach kurzem Zögern gibt Juri nach.

Vierter Akt: Eine Jagd in den Wäldern nimmt Juri zum Anlass, mit Kuma zu fliehen. Trotz der Warnungen seiner Freunde vor ihren angeblichen Zauberkräften will er sie im Wald treffen. Auch die Fürstin ist in den Wald gekommen, um vom Magier Kudma (Sergey Kaydalov, Bariton) ein Gift zu holen. Kuma, die von ihren Gefährten in den Wald gebracht und verabschiedet wurde, trifft auf die als Pilgerin verkleidete Fürstin, die ihr Wasser aus einer Quelle anbietet. Heimlich hat sie das Gift hineingemischt. Auf die nahenden Jagdhörner hin entfernt sich die Fürstin. Juri trifft auf Kumaund beide freuen sich, miteinander fliehen zu können, da stirbt sie in seinen Armen. Als die Fürstin den Mord zugibt, verflucht ihr Sohn sie, sie aber lässt Kumas Leiche in den Fluss werfen. Auch der Fürst tritt auf, will seinem Sohn aber nicht glauben, dass Kuma tot ist. In dem folgenden Streit tötet er ihn. Zu spät erkennt der Fürst, was er getan hat und verfällt dem Wahnsinn.

Opéra de Lyon / Die Zauberin - hier : Nastasia (Elena Guseva) mit Fürst (Evez Abdulla) © Stofleth

Opéra de Lyon / Die Zauberin – hier : Nastasia (Elena Guseva) mit Fürst (Evez Abdulla) © Stofleth

In Lyon hatte man nun den ukrainischen Regisseur Andriy Scholdak (humorvoll als der „ukrainische Frank Castorf“ betitelt) verpflichtet, dessen besondere Vorliebe den mythologische Frauenfiguren gilt, die bei ihm als explosives Zentrum der Welt dargestellt werden. Das Regieteam um ihn (Regie, Bühne und Licht) mit Daniel Scholdak (Bühne), Simon Machabeli (Kostüme) und Étienne Guiol (Video) befreiten die Oper von jedweder dunklen russischen Melancholie und Schwere und verzichteten ebenso auf eine banalisierende Aktualisierung. Man lud vielmehr dazu ein, sich auf die handelnden Charaktere einzulassen, die sich in der unmittelbaren Wirkung der eigentlich im Zentrum stehenden Nastasia befinden. Sie „becirct“ durch überbetontes „Aushauchen“ ihrer Energie mit ihrer angeborenen erotischen Kraft die Personen in ihrem Umfeld zuerst und treibt dann diejenigen, die sich ihrer Anziehungskraft unterwerfen, ähnlich wie Bizets Carmen auf ein Verbrechen zu. Voller Leidenschaft, Erotik und Intensität führt ihr Lebensweg und Schicksal sie schließlich in den Tod. In den über 10 Wochen dauernden intensiven Probenarbeiten entwickelte sich darüber hinaus ein surrealistisches Ideenkonzept mentaler Realität mit einer gigantischen Aneinanderreihung von zum Teil chaotischen Elementen, bei dem in drei wesentlichen beweglichen Bühnenteilen gearbeitet und gespielt wurde. Eine Kirche, eine Fürstenwohnung und das Wirtshaus unterstrichen die Zwischenbeziehungen der handelnden Personen und splitten die Handlungsebenen in drei Parallelwelten auf. Die Rolle des „Zeugen“ in Gestalt eines diabolischen Priesters und KGB Agenten bekam der Schreiber Mamirow erst durch die Interaktion zwischen Regie und Künstlern während dieser Probenzeit, in der der Darsteller Piotr Micinski ganz besonders den Regisseur mit seiner schauspielerischen Kraft überzeugte. Dieser zum falschen Prediger mutierte Mamirow trieb dann mit „Virtual Reality Brille“ die Figuren der Oper erbarmungslos ins Verderben. Er verschaffte sich nun als Priester unaufhörlich Einblicke in reale und virtuelle Welten. Schon vor und während der Ouvertüre installierte er eine Videokamera in die Augen des Gekreuzigten. Scholdak knüpfte damit an Tschaikowskis Kritik an der Macht der Kirche an. Durch die VR-Brille erhielt er nun Einblicke in die verschiedenen Betrachtungsweisen von der reinen Liebe bis hin zur Pädophilie. Er hielt die Fäden in der Hand und führte alle Liebenden letztendlich in die Katastrophe. Nach dreieinhalb Stunden intensivem Musiktheater leerte sich die Bühne bis auf die Fassade des Wirtshauses. Was blieb? Ein tennisspielender Priester in grellgrünem Trainingsanzug – allein in seiner Selbstzufriedenheit.

Opéra de Lyon / Die Zauberin - hier :Mamirow (Piotr Micinski), Kitschiga (Evgeny Solodovnikow), Paisi (Vassily Efimov) © Stofleth

Opéra de Lyon / Die Zauberin – hier :Mamirow (Piotr Micinski), Kitschiga (Evgeny Solodovnikow), Paisi (Vassily Efimov) © Stofleth

Musikalisch bescherte der Abend in Lyon Hochgenuss. Die aus Kurgan in Sibirien stammende Sopranistin Elena Guseva gab eine Nastasia mit hell strahlendem, leuchtenden Sopran. Die international gefeierte und zuletzt an der Wiener Staatsoper als Polina (Der Spieler) und Cio-Cio-San engagierte Sängerin gestaltete die äußerst anspruchsvolle Partie mit bestens sitzendem Sopran, klug und sicher auf dem Atem singend mit enormen kraftvollen und dramatischen Reserven. Besonders in der bekannten Arie der Nastasia im ersten Akt, in der sie die Sehnsucht nach Freiheit beschwört, und in der sie von Prinz Juri traumhaft, fast absentiert schwärmt. Auch im dritten Akt gelingt ihr in stimmlich betörender Manier, zunächst die Abweisung des Fürsten und dann die auf magische Weise anmutende Wandlung Juris vom hasserfüllten Rächer zum entflammten Liebhaber. Im vierten Akt schließlich ahnt sie in einer ergreifend gesungenen Arie ihren Tod und träumt voller Sehnsucht vom Entfliehen, vom Jammer, Elend und Leid in dieser Gesellschaft.

Evez Abdulla (Fürst, Bariton) studierte an der Musikakademie in Baku und wurde anschließend Mitglied des Ensembles der Nationaloper Aserbaidschans. Seit 2010 singt der Bariton überwiegend an bekannten Häusern in Europa. Zudem ist er festes Ensemblemitglied am Nationaltheater Mannheim. Die Rolle des Fürsten gelang ihm mit drohendem heldischem Klang und beeindruckender Stimmführung. Man nahm ihm die „Liebe auf den ersten Blick“ sowie die Faszination von der Gastwirtin sofort ab. Besonders in der Arie im zweiten Akt singt er mit sicher gestaltender Stimme und tappt glaubwürdig in die Falle des Strippenziehers Mamirow, bei dem er seine Liebe zu Nastasia unverhohlen zugibt und damit den Schicksalslauf mit seinem finalen Wahnsinn unaufhaltsam vorantreibt.

Ksenia Vyaznikova (Fürstin, Mezzosopran) stammt aus Moskau und ist eine international erfahrenen Mezzosopranistin. Sie gestaltete die Rolle der eifersüchtigen und sich betrogen wähnenden Herrscherin mit sicher gestaltender Stimmführung, die mit metallisch prägnantem dunklen Klang und reich an kraftvoller Dramatik bestach und ihre Gefühlslagen von Liebe, Eifersucht und Hass eindringlich Form annehmen ließ. Besonders beim Aufeinandertreffen auf ihren Gatten im zweiten Akt, wo sie versucht, ihm Nastasia auszureden, zog sie alle Register ihrer Gesangskunst von der bittend lyrischen Feinheit und Finesse, bis zur drohenden dramatischen Geste an den Gatten. Im vierten Akt wurde im Duett mit Nastasia während der Vergiftungsszene das komponierte Farbspiel und die Gegensätzlichkeit in der Musik Tschaikowskis besonders deutlich. Einerseits wurden die hellen weichen Bögen für die Zauberin und andererseits hier die dunklen Klänge der Fürstin mit voller Hingabe und totbringender Überzeugung von der Mezzosopranistin zum Ausdruck gebracht.

Der jüngst an der Deutschen Oper Berlin als umjubelter Don José engagierte, aus Armenien stammende und in Sankt Petersburg studierte Tenor (Komponist und Dirigent) Migran Agadzhanyan sang den Prinzen Juri mit kraft- und ausdrucksvoller Stimme. Sicher in der Höhe und ebenso überzeugend in den intimeren Passagen. Sein an Obertönen reicher Tenor strahlt mühelos über das Orchester und harmonierte ganz besonders intensiv mit den anderen Gesangsstimmen. Einen der Höhepunkte gestaltete er beim Duett mit seiner Mutter im zweiten Akt, wo er um Seelenruhe, Glück und Freude bittend sein Herz ausschüttet und ihr helfend die Wahrheit über ihre Betrübtheit entlocken wollte. Im finalen Akt träumte er schließlich selbstverloren von seiner Liebe und bedauerte, sich von ihr während der Flucht getrennt zu haben. Auch hier zeigte er sowohl kraftvollen, metallischen Glanz als auch lyrische mit feinem Legato behaftete Gestaltung. Man darf gespannt sein, wie sich seine noch junge Karriere international weiterentwickeln wird.

Piotr Micinski nahm eine Sonderrolle ein, denn er wurde als Figur zur zentralen Gestalt der Produktion. Er genoss förmlich den schauspielerischen Raum, dem ihm die Regie gegeben hatte. Als Geistlicher, Schachspieler, Sadist, Teufel und zuletzt als Tennisspieler in giftgrünem Outfit gab er den hasserfüllten, wandlungsfähigen KGB-Agenten Mamirow mit tiefem, sicher intonierenden schelmisch schwarzen Bass. Anders als in der Vorlage Tschaikowskis trieb er das Schicksal seiner Mitspieler von Beginn an ins Verderben.

Mairam Sokolova trat als Nenila, Schwester Mamirows und Kammerfrau der Fürstin in der giftigen Atmosphäre des zweiten Aktes als Verbündete des nach Rache dürstenden Bruders auf. Mit dramatischem und überzeugendem Mezzosopran offerierte sie ihrer Herrin das „Dröhnkraut“ auf dem Wendestein (in Scholdaks Regie ein radioaktives Gift aus dem Aktenkoffer), das das Drama zu medizinisch tödlichem Ende brachte.

Das gesamte Gesangsensemble bestehend aus den erfahrenen internationalen Sängerinnen und Sängern Vasily Efimov (Paisi, Vagabund, Tenor), Sergey Kaydalov (Kudma, Magier, Bariton), Oleg Budaratskiy (Ivan Jouran, Jagdmeister, Bass-Bariton), Christophe Poncet de Solages (Lukasch, Kaufmannssohn, Tenor), Simon Mechlinski (Foka, Onkel Nastasias, Bariton), Clémence Poussin (Polja, Freundin Nastasias, Sopran), Daniel Kluge (Balakin, Kaufmann, Tenor), Roman Hoza (Potap, Kaufmannssohn, Bass-Bariton) und Evgeny Solodovnikov (Kitschiga, Faustkämpfer, Bass) wurde speziell für diese neue, in Frankreich erstmals szenisch aufgeführte Produktion zusammengestellt. Die durch die Regie notwendigen körperlichen Anstrengungen und Besonderheiten schränkten sie in keinster Weise dabei ein, mit einer hohen gesanglichen und darstellerischen Qualität zu überzeugen.

Opéra de Lyon / Die Zauberin - hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Opéra de Lyon / Die Zauberin – hier : das Ensemble zum Schlussapplaus © Patrik Klein

Hervorzuheben ist auch der Chor der Opéra de Lyon (Einstudierung Christopher Heil), der an zwei aufeinanderfolgenden Abenden eine Neuproduktion zu absolvieren hatte. An dem Abend war er nie zu sehen, aber umso eindringlicher wahrzunehmen. Die rund 35 Chormitglieder sangen äußerst präzise, wuchtig und drohend, die Emotionen der verschiedenen Farbschichten in der Musik stimmlich gestaltend. Besonders gelang dies im Schlusschor und dem finalen Chor der Männer. Schade nur, dass zum Schlussapplaus weder Chor noch Chorleiter bejubelt werden konnten.

Am Pult stand der junge aus Mailand stammende Dirigent Daniele Rustioni. Nach ersten internationalen Erfahrungen u.a. in London, Mailand und Bari ist er seit der Spielzeit 2017/18 Generalmusikdirektor der Opéra de Lyon. Gerade wurde er vom irischen Ulster Orchestra ab September 2019 zum neuen Chefdirigenten bestellt. Sein Orchester führte er mit feinster Präzision und wohltuender Balance zwischen den wuchtigen Phrasen des reinen Orchesterklangs und der überaus guten Hörbarkeit sämtlicher Sängerstimmen und des Chores. Man hört, dass er künftig auch häufiger in München zu erleben sein wird. Sein jetziger und auch dann künftiger Intendant weiß eben, was er tut.

Das Publikum der ausverkauften Opéra de Lyon würdigte die musikalische Leistung des Abends mit frenetischem Beifall für alle Beteiligten. Das Regieteam um Andrij Scholdak stand zwischen kräftigen Missfallenskundgebungen besonders aus den oberen Rängen und überwiegenden Beifallsstürmen.

Die Zauberin an der Opéra de Lyon; weitere Vorstellungen am 19.3., 22.3., 24.3., 27.3., 29.3. und 31.3.2019

—| IOCO Kritik Opéra de Lyon |—

Cambridge, Cambridge Handel Opera Company – Julian Perkins, IOCO Interview, 23.05.2018

Great Hall, The Leys School, Cambridge © The Leys School

Great Hall, The Leys School, Cambridge © The Leys School

Cambridge Handel Opera Company

 Julian Perkins – Director  Cambridge Handel Opera Company

The Cambridge Handel Opera Company (CHOC) in Cambridge, England, is a new professional organization that celebrates the fusion of music and the stage with performances that are not just ‘historically informed’, but ‘historically inspired’. There is meaningful integrity between what happens in the music and what happens on stage. Baroque stagecraft is incorporated into their productions in a manner that speaks directly to audiences. In April  2018 Cambridge Handel Opera Company staged a highly acclaimed production of Handel’s Rodelinda, HWV 19 in Cambridge at the new theatre at The Leys. In May 2018 Victor Jarosch, IOCO, spoke to Julian Perkins about his objectives and future plans for the CHOC.

Victor Jarosch (VJ): Julian, who or what inspired you to take up the harpsichord, and pursue a career in music?

Julian Perkins - Artistic Director Cambridge Handel Opera Company © Julian Perkins

Julian Perkins – Artistic Director Cambridge Handel Opera Company © Julian Perkins

Julian Perkins (JP):: As the youngest of four, I was born into a family of musical noise. Sitting on my mother’s lap at the piano, making music started out as little more than sibling rivalry. Apart from anything with a keyboard, I enjoyed singing, playing the violin and recorder (infuriated at having to wait until I had legs long enough for the organ!). My patient parents packed me off to music courses including Pro Corda in Suffolk, which nurtured my deep love of chamber music. I first met the harpsichord in my teens experimenting with Baroque music in chamber groups. How could one not love instantly the joy of the dance, the chatter of counterpoint and the freedom to improvise? And what better way to earn a living than sharing with others this life-affirming music?

VJ: Who or what have been the most important influences on your musical life and career?

JP: At school, David Langdon and Ralph Allwood both went way beyond their job descriptions in supporting my various musical interests. As a choral scholar and organist at King’s College, Cambridge, it was enriching to experience music as part of a daily form of worship. In my studies, I was a shameless magpie in hassling as many musicians as would tolerate me. Amongst others, Trevor Pinnock taught me the importance of connecting with the sound, David Parry the physicality of conducting and Noelle Barker an understanding of the voice.

 George Frederick Handel tomb at Westminster Abbey, London © IOCO

George Frederick Handel tomb at Westminster Abbey, London © IOCO

As a child, there is one stand-out experience that continues to inspire me: singing as a treble in Mahler’s Symphony of a Thousand’ under Klaus Tennstedt. I was a dreamy child, but Tennstedt captivated me for reasons I have never fully understood. A grumpy old man, in poor health, flailing about in a seemingly haphazard manner on the podium – but I have never, ever heard an orchestra or choir sound like they did with him – and this had nothing to do with his relative fame. I can only put it down to his complete identification with the music and his utter determination to transmit it to his fellow musicians. Humbling.

VJ: What have been the greatest challenges of your career so far?

JP: In addition to keeping up and improving one’s musicianship and technique, my greatest challenge is ring-fencing the administration. Like the hydra’s heads – where two more appear if one is amputated – I find that email requests have an alarming tendency to increase the more one writes! Just the other day I sent off programme details for a forthcoming festival only to find two more similar requests in my inbox for other bespoke events. Whilst it is important to keep abreast of the administration, it is vital to maintain the discipline and enjoyment of studying and practising one’s art. I just turn off the computer at a certain point and know that the world will probably not collapse if one email gets slightly delayed.

Cambridge Handel Opera Company / Rodelinda © Jean-Luc Benazet

Cambridge Handel Opera Company / Rodelinda © Jean-Luc Benazet

VJ: As a conductor, how do you communicate your ideas about a work to the orchestra?

JP: Words can be a dangerous medium in rehearsals. Isn’t it truly said that a large part of a conversation happens through one’s body language? While images, colours and metaphors can be useful, I like to communicate my ideas primarily through my gestures and, when I’m directing from the keyboard, my playing.

VJ: How exactly do you see your role as a conductor? Inspiring the players/singers? Conveying the vision of the composer?

JP: I like to enable the musicians to give of their best by providing a framework within which they can work. One needs to balance the dangers of being over-prescriptive on the one hand with being wishy-washy on the other. Every group is different, of course, but if I can earn a group’s trust, stimulate their imagination and have a clear idea of the sound I want, then things are looking good. Inspiration comes out of this – but one can’t plan to be inspiring. As for the composer’s vision, one can only hope to convey this by having a cultural appreciation of their life and works, and by scrutinizing the score again, again and again.

VJ: Which recordings are you most proud of?

JP: They each have treasured memories, but I’m probably most proud of how my first solo recording came together. This was the world-première of eight harpsichord suites by Handel’s younger English contemporary, James Nares. Historic Royal Palaces granted me the honour of recording on the Royal Harpsichord at Kew Palace. The project attracted dozens of subscribers – and even some artwork from one of Nares’ living descendants.

VJ: Which particular works do you think you play best?

JP: Those that are imbued with lyricism and harmonic interest within a cohesive musical structure. A good dollop of counterpoint never goes amiss either!

VJ: How do you make your repertoire choices from season to season?

JP: I like mixing treasured favourites with pieces that are new to me. It’s fascinating how The Frick Collection in New York juxtaposes art and media from different periods. Similarly, I enjoy devising programmes that have meaningful resonances, such as arias by Handel or Hasse alongside recent responses to earlier works by composers like Stephen Dodgson or György Ligeti. And fresh challenges are irresistible! For instance, I recently created an opera pasticcio about Casanova with the writer Stephen Pettitt. We joyfully plundered operas and oratorios from Vivaldi to Bellini, committing some glorious heresies along the way. Watch this space for our next run…

Westminster Abbey London © IOCO

Westminster Abbey, London © IOCO

VJ: Do you have a favourite concert venue to perform in and why?

JP: I find that the quality of a venue is determined as much by the unique chemistry of the audience as by the room itself. I have given recitals in some unusual locations – including a water mill – in which the sense of occasion gave a special quality to the venue. Acoustically, it’s often rewarding to perform in a space where there is some wood panelling as this helps to give a glow to the sound. Among venues that are perhaps lesser-known, Wilton’s Music Hall in East London has a particular charm. Originally a Victorian music hall, its acoustic is akin to the Wigmore Hall in its clarity and warmth. There is also an alluring patina to the building’s fabric that makes it feel like the equivalent of a well-loved pair of slippers.

VJ: Who are your favourite musicians?

JP: Those who are brilliant, humble, open-minded – and fun!

VJ: What is your most memorable concert experience?

JP: Arriving to rehearse Handel’s Messiah only to find that the organ was at the wrong pitch. Transposing the piece up a semitone in the concert proved to be good brain-gym!

VJ: As a musician, what is your definition of success?

JP: Knowing that I have touched a listener’s emotions.

VJ: What do you consider to be the most important ideas and concepts to impart to aspiring musicians?

JP: In addition to the normal nostrums such as preparation, punctuality and professionalism, another ‘P’ has come to have increasing importance for me: Process. When I was starting out as a musician I sometimes worried too much about what people might think of me. Now, I try and focus more on the ever-changing process of making music and let the listeners decide for themselves what they like. When Roger Federer turned the tables and beat Rafael Nadal to win the 2017 Australian Open, he spoke afterwards of having played the ball and not the opponent. Similarly, I think performers should give due importance to playing the notes (grouped together musically!) and not the audience. It’s impossible to make people like you, but if you’re absorbed in what you’re doing, that in turn should draw in the listener.

VJ: Where would you like to be in 10 years’ time?

JP: Playing a positive role with my wife in the lives of our two sons, giving lots of fulfilling performances, teaching proactive students – and enjoying good food.

VJ: What is your most treasured possession?

JP: My appetite for learning. As the Artistic Director of Cambridge Handel Opera, I recently conducted a staged production of Handel’s Rodelinda in Cambridge. Praised for its  ‘flawless ensemble’ in IOCO, Cambridge Independent headlined its review by stating that ‘Productions of Handel’s operas don’t get much better than this one’.

This season also sees Julian’s concerto debut at the Sage Gateshead with the Royal Northern Sinfonia, his directorial debuts with the Croatian Baroque Ensemble and Wroclaw Baroque Orchestra, a solo appearance on BBC Radio 3’s ‘Early Music Show’, a world première of a choral work by Stephen Dodgson and the debut of his group, Sounds Baroque, at St John’s Smith Square. Solo recitals include appearances in Boston (USA) and at the Petworth Festival, Lammermuir Festival, Northern Aldborough Festival, London Handel Festival, St George’s Bristol and the Holywell Music Room, Oxford, and duo recitals for the Budapest Bach Festival and Mozart Society of America. He returns to the Anghiari Festival in Italy this summer to conduct the Southbank Sinfonia, performs with Florilegium and continues his collaboration with Coram in directing the annual Handel Birthday Concert with Sounds Baroque and international soprano Rebecca Evans. Forthcoming recordings include a programme of Purcell’s songs with soprano Anna Dennis and Sounds Baroque, the second volume of Mozart’s keyboard duets on original instruments with Emma Abbate, Schubert’s sonatas for violin and piano with Peter Sheppard Skærved and the world première of Stephen Dodgson’s opera, Margaret Catchpole. His recent recording of Howells’ clavichord music was described by The Guardian as ‘a virtuoso showcase’ and praised by MusicWeb International as ‘exemplary’.

VJ: Thank you, Julian, for the interview.

—| IOCO Interview Cambridge Handel Opera Company |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Wiederaufnahme: TRISTAN UND ISOLDE, 18.04.2014

März 14, 2014 by  
Filed under Oper Frankfurt, Pressemeldung

logo_oper_ffm.gif

Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Wiederaufnahme:

TRISTAN UND ISOLDE von Richard Wagner

Freitag, 18. April 2014 (Karfreitag), um 17.00 Uhr im Opernhaus, Weitere Vorstellung: 21. April, 1. Mai, 10. Mai 2014
 
Musikalische Leitung: Constantinos Carydis; Inszenierung: Christof Nel
Mitwirkende: Lance Ryan (Tristan), Jennifer Wilson (Isolde), Claudia Mahnke (Brangäne), Simon Neal (Kurwenal), Andreas Bauer (König Marke), Dietrich Volle (Melot), Michael McCown (Ein Hirt), Simon Bode (Ein junger Seemann), Iurii Samoilov (Ein Steuermann)
 
Oper Frankfurt / Tristan und Isolde © Wolfgang Runkel

Oper Frankfurt / Tristan und Isolde © Wolfgang Runkel

 
Tristan und Isolde von Richard Wagner (1813-1883) feierte am 25. Mai 2003 in der Inszenierung von Christof Nel Premiere an der Oper Frankfurt. Die Produktion aus der ersten Saison von Intendant Bernd Loebe wurde von Publikum und Presse durchweg positiv aufgenommen, und so konnte man seinerzeit lesen: „Frankfurts Oper ist wieder klar im Aufstieg begriffen. Tristan und Isolde, fast unmöglich zu inszenieren, ist eine gute Messlatte für die Möglichkeiten eines Opernhauses. Frankfurts Tristan kam am gleichen Tag heraus wie jener in Wien, kostete aber unzweifelhaft eine Menge weniger und war der Wiener Produktion in fast jeder Hinsicht haushoch überlegen. (…) Während in der Wiener Produktion gerade einmal fünf interessante Minuten die ansonsten vorherrschende Langeweile erleuchteten, hat Christoph Nel aus Wagners Monolith ein ergreifendes Drama gemacht.“ Nun wird die Inszenierung aus der Spielzeit 2002/03 zum dritten Mal wiederaufgenommen.
 
Zum Inhalt: Tristan hat den Verlobten der irischen Prinzessin Isolde im Kampf getötet. Auch er selbst wurde verletzt, jedoch von Isolde ohne Wissen um seine wahre Identität gesund gepflegt. Nun begleitet er sie als Brautwerber für König Marke nach Cornwall. Die Gedemütigte will Rache an Tristan nehmen, doch ihre Dienerin Brangäne vertauscht den Gift- mit einem Liebestrank: Tristan und Isolde verfallen einander in leidenschaftlicher Liebe, die jedoch für beide tödlich endet.
 
Oper Frankfurt / Tristan und Isolde © Wolfgang Runkel

Oper Frankfurt / Tristan und Isolde © Wolfgang Runkel

Die musikalische Leitung der Produktion liegt erstmals bei Constantinos Carydis, dessen Name in Frankfurt seit 2010 untrennbar mit der Erfolgsinszenierung von Purcells Dido and Aenas in Kombination mit Bartóks Herzog Blaubarts Burg verbunden ist. Zudem dirigierte er im Haus am Willy-Brandt-Platz 2009 Massenets Werther und 2012 Strawinskys The Rake‘s Progress. 

Neubesetzungen sind auch in den Reihen der Sänger zu vermelden: Die männliche Titelpartie übernimmt zum ersten Mal in dieser Inszenierung der kanadische Tenor Lance Ryan, der nicht nur in Frankfurt als Siegfried in Wagners Ring für Furore gesorgt hat, sondern auch im letzten Sommer in Bayreuth. Zudem war er am Main 2013/14 als Tannhäuser zu erleben. Jennifer Wilson gibt mit der Isolde ihr Hausdebüt. Die amerikanische Sopranistin hat sich binnen kürzester Zeit als große Hoffnung im Wagner-Fach einen Namen gemacht.  Seit dieser Spielzeit neu im Ensemble ist der Bass Andreas Bauer, der sich in Frankfurt bereits als Totenwächter in Enescus Oedipe sowie als Hermann in Wagners Tannhäuser und Sarastro in Mozarts Die Zauberflöte vorstellte. Neu in die Produktion steigen zudem aus dem Ensemble Simon Bode (Ein junger Seemann) sowie aus dem Opernstudio Iurii Samoilov (Ein Steuermann) ein. Angeführt von Ensemblemitglied Claudia Mahnke (Brangäne) und Gast Simon Neal (Kurwenal) sind alle übrigen Sänger mit ihren Partien seit der Premiere bzw. den beiden vorangegangenen Wiederaufnahmen vertraut.
 
 
—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, Wiederaufnahme: COSÌ FAN TUTTE OSSIA LA SCUOLA DEGLI AMANTI, 07.03.2014

Februar 6, 2014 by  
Filed under Oper Frankfurt, Pressemeldung

logo_oper_ffm.gif

Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Wiederaufnahme:

COSÌ FAN TUTTE  von Wolfgang Amadeus Mozart

 
Freitag, 7. März 2014, 19.00 Uhr  Opernhaus,  weitere Termine: 16.3.2014; 21.3.2014; 23.3.2014; 29.3.2014; 10.4.2014;
Oper Frankfurt / Cosi fan tutte © Wolfgang Runkel

Oper Frankfurt / Cosi fan tutte © Wolfgang Runkel

 
Mitwirkende: Brenda Rae (Fiordiligi), Paula Murrihy (Dorabella), Joshua Hopkins / Sebastian Geyer (Guglielmo), Paul Appleby / Martin Mitterrutzner (Ferrando), Barbara Zechmeister (Despina), Simon Bailey (Don Alfonso)
Musikalische Leitung: Hartmut Keil / Sebastian Zierer; Inszenierung: Christof Loy
 
Così fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) in der Inszenierung von Christof Loy gehört seit der Saison 2007/08 unbestritten zu den Dauerbrennern im Repertoire der Oper Frankfurt, erfreut sich die Produktion doch stets des ungebrochenen Zuspruchs des Publikums. Aber nicht nur die Zuschauer zeigen sich angetan von Loys reduzierter Inszenierung, die das Innenleben ihrer Protagonisten in den Mittelpunkt stellt – auch die Presse jubelte: „Ovationen für ein Frankfurter Mozart-Glück“. Nun wird die Produktion, für die Loy u.a. in der Autorenumfrage des Fachmagazins Opernwelt – neben Hans Neuenfels – zum „Regisseur des Jahres“ 2008 gekürt wurde, zum vierten Mal wiederaufgenommen.
 
Zu den neu besetzten Ensemblemitgliedern gehören Brenda Rae (Fiordiligi) und Paula Murrihy (Dorabella). Die zuerst Genannte gehört seit der Spielzeit 2008/09 zum festen Sängerstamm der Oper Frankfurt, wo sie zuletzt als Zerbinetta in der Neuinszenierung von Strauss‘ Ariadne auf Naxos einen überragenden Erfolg feiern konnte. Gleiches stellte sich ein, als sie im Sommer zuvor in der Titelpartie von Verdis La Traviata an der Santa Fe

Oper Frankfurt / Cosi fan tutte © Wolfgang Runkel

Oper Frankfurt / Cosi fan tutte © Wolfgang Runkel

Opera auftrat; kaum zu glauben, dass die Amerikanerin damit in ihrem Heimatland debütierte. Die Irin Paula Murrihy ist seit 2009 Ensemblemitglied und begeisterte kürzlich Publikum und Presse als Fulvia in der Frankfurter Erstaufführung von Glucks Ezio. Zudem machte sie erneut großen Eindruck in der weiblichen Titelpartie anlässlich der Wiederaufnahme von Purcells Dido and Aeneas, die sie seit der Premiere verkörpert. Als Guglielmo gibt der Kanadier Joshua Hopkins sein Hausdebüt. Zu seinen jüngsten Erfolgen gehören Auftritte als Marcello in Puccinis La Bohème an der Canadian Opera Company in Toronto sowie als Schaunard im gleichen Werk an der New Yorker Metropolitan Opera. 2011/12 gab der an der New Yorker Juilliard School ausgebildete Tenor Paul Appleby (Ferrando) in der Titelpartie von Strawinskys The Rake‘s Progress an der Oper Frankfurt sein Rollen- und Europadebüt. Nachdem er nun kürzlich in Nico Muhlys Two Boys – einer zeitgenössischen Oper über zwischenmenschliche Beziehungen im Internet – an der New Yorker Met aufgetreten ist, kehrt er nach Frankfurt zurück. Mit der Produktion vertraut sind seit der Premiere bzw. den vorigen Wiederaufnahmen die Ensemblemitglieder Barbara Zechmeister (Despina) und Simon Bailey (Don Alfonso) sowie die Alternativbesetzungen von Guglielmo und Ferrando, Sebastian Geyer und Martin Mitterrutzner. Auch Kapellmeister Hartmut Keil stand bei dieser Inszenierung bereits am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters, während sein sich mit ihm abwechselnder Kollege Sebastian Zierer – seit dieser Spielzeit vom Solorepetitor zum Kapellmeister aufgestiegen – das Werk noch nicht in Frankfurt dirigiert hat.

 
Così fan tutte – So machen’s alle, ist das nüchterne Fazit einer Wette, welche die Offiziere Guglielmo und Ferrando mit dem Philosophen Don Alfonso abschließen. Um den von diesem propagierten Wankelmut aller Frauen, dem die Freunde die unverbrüchliche Treue ihrer Bräute Fiordiligi und Dorabella entgegenhalten, auf die Probe zu stellen, fassen die Herren einen Plan: Als Türken verkleidet erscheinen die Offiziere – kurz zuvor noch tränenreich in einen fiktiven Krieg verabschiedet – bei den Geliebten und bieten alle Verführungskünste auf, um die Damen zu erobern. Nicht zuletzt durch den Einfluss der in Liebesdingen versierten Zofe Despina kann anfänglicher Widerstand der Umworbenen gebrochen werden. Als das Verwirrspiel schließlich aufgedeckt wird, sind damit aber noch längst nicht alle Fragen geklärt…
—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—