Oldenburg, Oldenburgisches Staatstheater, Premiere RUSALKA, 15.02.2020

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Oldenburgisches Staatstheater

Staatstheater Oldenburg © Andreas J. Etter

Staatstheater Oldenburg © Andreas J. Etter

RUSALKA

von Antonín Dvorák
Lyrisches Märchen in drei Akten, Libretto von Jaroslav Kvapil
in tschechischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: Samstag 15. Februar, 19.30 Uhr, Großes Haus

Die nächsten Vorstellungen: 22.02. und 08.03.

Besetzung: Musikalische Leitung: Vito Cristofaro, Regie/ Bühne/ Kostüme: Hinrich Horstkotte, Einstudierung Chor: Thomas Bönisch, Licht: Regina Kirsch, Dramaturgie: Annabelle Köhler

Mit: Erica Back, Martyna Cymerman, Martha Eason, Lada Kyssy, Melanie Lang, Ann-Beth Solvang, Nian Wang; KS Paul Brady, Ill-Hoon Choung, Jason Kim/ Zoltán Nyári, Andreas Lütje

Opernchor des Oldenburgischen Staatstheaters, Oldenburgisches Staatsorchester

Die Nixe Rusalka hat sich in einen Prinzen verliebt und ist bereit, für ihn größte Opfer zu bringen: Durch den Verkauf ihrer Stimme gewinnt sie „Zugang“ zur menschlichen Sphäre – die Kommunikation zwischen den Welten bleibt jedoch weiterhin unmöglich. So muss Rusalka sprachlos mit ansehen, wie der Prinz der heißblütigen Erotik einer fremden Fürstin erliegt. Verzweifelt drängt es Rusalka daraufhin ins Geisterreich zurück, doch dort ist sie längst eine Ausgestoßene …

Unvereinbar stehen sich in Dvoráks ‚Rusalka‘ die beiden Welten gegenüber: Zwar entfaltet gerade ihre Widersprüchlichkeit einen ungeahnten Zauber, doch macht nicht zuletzt die erzwungene Sprachlosigkeit der Titelfigur jegliche Verständigung, geschweige denn ein Fußfassen der Figuren in der jeweils anderen Sphäre unmöglich. Umso beredter jedoch ist Dvoráks Musik: In ihrer leidenschaftlichen Romantik zeichnet sie ein lebendiges Abbild der aufgewühlten Psyche der Nixe und verleiht ihr damit paradoxerweise die Art von Menschlichkeit, nach der sie sich so sehr sehnt.

Regisseur Hinrich Horstkotte, der auch für die Ausstattung des Abends verantwortlich zeichnet, verlegt das Geschehen in die Entstehungszeit der Oper: „Die spätromantische Musik Dvoráks evoziert bei mir die Atmosphäre der Literatur der Vor-Jahrhundertwende, das soziale Elend, wie Hugo oder Dickens es schildern, und die damit verknüpfte Hoffnung der Protagonisten, sich aus diesem tristen Umfeld zu befreien. Das märchenhafte Element scheint mir nur Folie für die Schilderung des sehr traurigen Schicksals eines Individuums zu sein, das in einem ihm fremden, feindlichen Umfeld nicht leben kann, auch wenn es das so gerne möchte.“

—| Pressemeldung Oldenburgisches Staatstheater |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Ballett am Rhein – Zu Gast in Japan, September 2019

September 19, 2019 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Ballett am Rhein – Zu Gast in Japan

Mit Martin Schläpfers   Schwanensee gastiert das Ballett am Rhein vom 20. bis zum 28. September in Japan. Erste Station macht die Compagnie in der Orchard Hall Tokyo, von dort aus geht es weiter ins Hyogo Performing Arts Centre Osaka. Musikalisch begleitet wird das Ballett vom Theater Orchestra Tokyo sowie dem Osaka Symphony Orchestra unter der Leitung von Motonori Kobayashi. Ins Opernhaus Düsseldorf kehrt Schläpfers Schwanensee am 3. Oktober zurück, im Theater Duisburg ist das Ballett ab 6. Dezember 2019 zu erleben.

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee – Marlúcia do Amaral (Odette), Marcos Menha (Siegfried) FOTO © Gert Weigelt

Deutsche Oper am Rhein / Schwanensee – Marlúcia do Amaral (Odette), Marcos Menha (Siegfried) FOTO © Gert Weigelt

Die traurige Liebesgeschichte zwischen dem jungen Prinzen Siegfried, der auf Druck seiner Mutter heiraten soll, und der rätselhaften, in einem bösen Zauber gefangenen Schwanenfrau Odette ist mit Peter I. Tschaikowskys romantischer Musik eines der anrührendsten Tanzmärchen der Ballettgeschichte. Martin Schläpfer verdichtet es in seiner dunkel-poetischen Neuinterpretation zu einem  intensiven Kammerspiel, in dem die geordnete Welt des Königshofs auf eine geheimnisvolle Parallelwelt prallt. In seiner expressiven Tanzsprache zeigt Martin Schläpfer mit seinen Tänzerinnen und Tänzern eine hoch emotionale Parabel über das Erwachsenwerden. Auf den Bühnen der Deutschen Oper am Rhein war Martin Schläpfers Schwanensee in der vergangenen Spielzeit durchgängig ausverkauft. Auch in Japan ist die Tanzwelt auf die erfolgreiche Neuinterpretation des Klassikers aufmerksam geworden, so dass in Tokyo und Osaka nun erstmals ein Ballett des Schweizer Choreographen zu erleben ist. Im Opernhaus Düsseldorf steht das Stück ab 3. Oktober noch neun Mal auf dem Spielplan, im Theater Duisburg gibt es drei Vorstellungen.

Schwanensee –  In der Orchard Hall Tokyo

www.bunkamura.co.jp Fr 20.09. 18.30 Uhr | Sa 21.09. 11.30 Uhr | Sa 21.09. 18.30 Uhr

„Schwanensee“ im Hyogo PAC Osaka

www.gcenter-hyogo.jp Sa 28.09. 18.30 Uhr

Ballett am Rhein – b.36 „Schwanensee“ im Opernhaus Düsseldorf Do 03.10. 18.30 Uhr (Reprise) | Sa 05.10. 19.30 Uhr | Do 10.10. 19.30 Uhr | Mi 16.10. 19.30 Uhr | Sa 19.10. 19.30 Uhr | Do 31.10. 19.30 Uhr | Mi 25.12. 18.30 Uhr | Mi 01.01. 18.30 Uhr | So 28.06. 18.30 Uhr

Theater Duisburg Fr 06.12. 19.30 Uhr | Mi 11.12. 19.30 Uhr | Sa 14.12. 19.30 Uhr

Tickets von 19,00 bis 106,00 Euro im Opernshop Düsseldorf, an der Theaterkasse Duisburg,  telefonisch und online unter www.ballettamrhein.de

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Münster, Theater Münster, Die Liebe zu den drei Orangen – Sergej Prokofjew, IOCO Kritik, 12.05.2019

Mai 13, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Münster

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

  Die Liebe zu den drei Orangen  – Sergej Prokofjew

– Wenn das Lachen die Melancholie vertreibt –

von Hanns Butterhof

An Münsters Großem Haus hat Regisseur Sebastian Ritschel Sergej Prokofjews Märchenoper Die Liebe zu den drei Orangen in einer knallbunten Inszenierung auf Commedia dell arte getrimmt. Die  phantasievolle Bühne, die schrillen Kostüme und die vorwärtstreibende Musik des Sinfonieorchesters Münster unter Golo Berg waren die Garanten für einen großen Premierenerfolg.

Die Liebe zu den drei Orangen – Sergej Prokofjew
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Prokofjews vieraktige Oper Die Liebe zu den Drei Orangen hat Regisseur Sebastian Ritschel aus einem Märchen-Königreich in die Jetztzeit verlegt. Der alte König Treff (Stephan Klemm) betreibt jetzt ein Spielcasino (Bühne nach Entwürfen von Pascal Seibicke), statt eines Prinzen ist nun sein Junior (Garrie Davislim) ein weltabgewandter Melancholiker, der nur an Spielautomaten daddelt. Ein Intrigantenpaar, die auf das Casino-Erbe erpichte Clarice (Chrysanthi Spitadi) und ihr blasser Helfer Leander (Gregor Dalal), wünscht den Tod des Prinzen; Leander möchte ihn durch herbeiführen, dass er den Prinz langsam mit unverdaulicher Prosa und moderner Lyrik vergiftet.

Theater Münster / Die Liebe zu den drei Orangen - hier  : Truffaldino will den daddelnden Junior zum Lachen bringen. (Garrie Davislim, Pascal Herington) © Oliver Berg

Theater Münster / Die Liebe zu den drei Orangen – hier : Truffaldino will den daddelnden Junior zum Lachen bringen. (Garrie Davislim, Pascal Herington) © Oliver Berg

Wo der Spielteufel herrscht, sind die Hexer nicht weit. Die böse Zauberin Fata Morgana (Kristi Anna Isene) unterstützt die Intriganten, auf Seiten des Spielers steht Celio (Christoph Stegemann), ein guter Zauberer. Mit Hilfe des Spaßmachers Truffaldino (Pascal Herington) will er den Melancholiker erst zum heilsamen Lachen bringen und dann zu den drei Orangen führen. Denn Fata Morgana hat ihn verhext, diese zu lieben und ihn so um jede Chance zu bringen, jemals zu lachen. Am Ende findet der Prinz in der dritten Orange seine schon von jeher geliebte Prinzessin Ninetta (Marielle Murphy), mit der er trotz aller Widerstände und Tücken Fata Morganas, von Melancholie geheilt, lachend das Spiele-Imperium übernimmt.

Regisseur Sebastian Ritschel hat die Oper eindimensional über den Commedia dell arte-Leisten mit Slapstick-Anmutung  geschlagen. Alle Figuren sind eng an der Musik geführt und dabei gleichermaßen komisch geraten, allen voran der Spaßmacher Truffaldino; Pascal Herington in hellblauem Glitzer-Anzug (Kostüme: Sebastian Ritschel) treibt mit grotesk rhythmischem Rennen über die Bühne die Handlung voran. Die Bösen sind harmlos wie die Guten, und die gut mitspielenden, eigentlich gegensätzlichen Chöre (Einstudierung: Inna Batyuk, Joseph Feigl), von denen ein Teil mehr Komödie, der andere mehr Drama fordert, sind uniform in orangefarbene Pagen-Anzüge gesteckt.

Theater Münster / Die Liebe zu den drei Orangen - hier :  Ensemble © Oliver Berg

Theater Münster / Die Liebe zu den drei Orangen – hier : Ensemble © Oliver Berg

Ritschel macht aus dem Spiel ums Glück eines ums Glücksspiel. Doch ohne das Märchenumfeld kann der weltabgewandte Daddler für sich und seine entmystifizierte Geschichte kaum Teilnahme hervorrufen. Deutlich  fehlt das Gefälle zwischen Ernst und Komik, Realität und Phantasie.

Anders ist das in der Musik, die Prokofjew von illustrativ bis plakativ zu den einzelnen Szenen mit einem breiten emotionalen Spektrum komponiert hat. Das Ensemble überzeugt gesanglich durchwegs, und Golo Berg lässt mit dem Sinfonieorchester Münster mitreißend jede Nuance der Bekräftigung oder Ironisierung der Bühnenhandlung aus dem Orchestergraben erklingen.

Der lange Beifall des Premierenpublikums galt allen Beteiligten, einzelne Standing Ovations galten Golo Berg mit dem Sinfonieorchester Münster und Pascal Herington.

Die Liebe zu den drei Orangen am Theater Münster; die nächsten Termine: 8.6;  27. 6.; 2.7.2019 jeweils 19.30 Uhr

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

Chemnitz, Theater Chemnitz, Hamlet – Oper von Franco Faccio, IOCO Kritik, 20.03.2019

März 20, 2019 by  
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Theater Chemnitz

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Hamlet – Oper von Franco Faccio

132 Jahre verschollen – Deutsche Erstaufführung in Chemnitz,  Inszenierung von Olivier Tambosi

von Thomas Thielemann

Das Theater Chemnitz hatte zum zweiten Zyklus der deutschen Erstaufführung der Oper Hamlet (Amleto) von Franco Faccio (1840-1891) eingeladen.

Der dreiundzwanzigjährige Schriftsteller Arrigo Boito (1842-1918) dichtete in Anlehnung des Shakespeare-Dramas Hamlet für seinen Schulfreund, den fünfundzwanzigjährigen Komponisten Franco Faccio, in den 1860er Jahren das Amleto-Libretto.

Hamlet – Oper von Franco Faccio
Youtube Trailer der Theater Chemnitz
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William Shakespeare schuf sein Bühnenstück The Tragicall Historie of Hamlet, Prince of Denmarke zwischen Februar 1601 und Sommer 1602. Von einer Vielzahl von nordischen Legenden angeregt, die der Chronist „Saxo Gramaticus“ im 13. Jahrhundert in seiner „Gesta Danorum“ aufbewahrt hatte, war über das tragische Schicksal eines dänischen Prinzen sein Bühnenwerk gestaltet worden. Wohl der Tod eines ihm verwandten Mädchens, das im Alter von zweieinhalb Jahren beim Blumenpflücken ertrank und den fünf Jahre alten William tief beeindruckte, verdanken wir die Figur der Ophelia in der Tragödie.

Arrigo Boito hatte das Libretto so eng als möglich an Shakespeare angelehnt, reduzierte die 19 Szenen auf sieben, beließ aber die Zitate der großen Monologe „Sein oder Nichtsein“; „Oh, dass auch dieses feste Fleisch schmelzen würde“; „Der Rest ist Schweigen“ u. a.. Er verwendete auch eine größere Vielfalt von Versformen und Ausdrücken, die sich in seinen späteren Shakespeare-Libretti nicht mehr finden.

Franco Faccio komponierte dafür eine hochdramatische, aber wenig poetische Musik. Eingängige Melodien fehlen ebenso wie profilierte Themen für die Neben-Charaktere. Selbst die leidgeprüfte Ophelia bleibt, wie alle Mitspieler des Titel-Tenors, seltsam farblos. Von der Stilistik scheint  der späte  Verdi vorweggenommen.

Theater Chemnitz / Hamlet von Franco Faccio - hier : Hamlet, Getrud und Claudius © Nasser Hashemin

Theater Chemnitz / Hamlet von Franco Faccio – hier : Hamlet, Getrud und Claudius © Nasser Hashemin

Mit der Komposition des Librettos haben diese beiden Burschen die erste Vertonung eines Shakespeare-Stoffes in der Reihe italienischer Shakespeare-Vertonungen geschaffen und damit eigentlich die Opernwelt von Kopf bis Fuß erneuert.

Obwohl insbesondere Arrigo Boito an die Tragödie in vier Akten viele Erwartungen und Hoffnungen knüpfte, führte die begeistert aufgenommene Premiere im Teatro Carlo Felice in Genua am 30. Mai 1865 nicht zu einem nachhaltigen Erfolg. „Die Oper sei nicht melodisch genug“. Eine überarbeitete Fassung des Amleto geriet am 12. Februar 1871 an der Mailänder Scala dann zum Misserfolg, weil der Tenor der Titelrolle „vollkommen ohne Stimme und desorientiert“ kaum zu hören war. Entmutigt vernichtete Faccio Teile des Notenmaterials, bemühte sich nicht weiter um seine Komposition und begnügte sich als erfolgreicher Dirigent vor allem Verdi-Kompositionen zum Erfolg zu verhelfen. Auch Boito konzentrierte sich auf seine Schriftsteller–Arbeit, komponierte die Erfolgsoper Mefistofele und ist uns vor allem als Verdi-Librettist ein Begriff geworden. Selbst Bemühungen des Faccio-Schülers Antonio Smareglia um die Partitur blieben erfolglos.

Mehr als hundert Jahre haben die Fragmente dieser Arbeit von Arrigo Boito und Franco Faccio in den Archiven des Musikverlages Ricordi geschlummert, bis der amerikanische Musikwissenschaftler und Dirigent Anthony Barrese im Jahre 2003 begonnen hat, diesen Schatz zu heben. Mit einigen Helfern sichtete er mit erheblichen Mühen das Material, das zum Teil auf Mikrofilm oder als verblasste Autographen zur Verfügung stand. Nach Variantenvergleichen und über die Erstellung einer Klavier-Vocal- Partitur  vervollständigte er bis zum Dezember 2004 die Oper Amaleto.

Auf die Bühne brachte der Perfektionist Antonio Barrese seine Rekonstruktion nur schrittweise. Erst mit der ersten Wiederaufführung 2014 in Albuquerque (New- Mexiko) war Amleto der Opernbühne zurück gegeben. Nach Europa kam die Opernrekonstruktion am 20. Juli 2016 mit einer opulenten Inszenierung von Olivier Tambosi bei den Bregenzer Festspielen. Aus Unsicherheit, wie das verwöhnte Publikum diese „Neuheit“ aufnehmen werde, gab es in Bregenz nur ganze drei Aufführungen.

Die Oper Chemnitz übernahm die Bregenzer Arbeit mit dem gefragten Regisseur nebst dessen Ausstatter-Team für eine deutsche Uraufführung und brachte eine faszinierende Inszenierung auf die Bühne.

Theater Chemnitz / Hamlet von Franco Faccio - hier : Hamlets Vater erscheint als Geist © Nasser Hashemin

Theater Chemnitz / Hamlet von Franco Faccio – hier : Hamlets Vater erscheint als Geist © Nasser Hashemin

Die Handlung springt mit dem Krönungsfest und einem Trinklied des neuen Königs mitten ins Geschehen. Diese Feststimmung mit dem Trinklied kehrte im Schlussakt wieder, wobei sich die Situation zur allseits bekannten skurrilen Mordserie entwickelt. Damit erhält die Handlung einen Rahmen, in dem Olivier Tambosi den traurig-zögerlichen Prinzen als den Rächer, den Liebhaber, den Sohn, den Philosophen, den Intriganten und den Theaterkritiker in jedem Part Glaubwürdigkeit verschafft.

Die Bühne des Frank Philipp Schlößmann und die historisierten Kostüme der Gesine Völlm streng in Rot-Schwarz-Weiß sowie eine gekonnte Lichtregie des Davy  Cunningham schaffen eine permanent gespenstige Grundstimmung. Eine Ausnahme bietet nur das in Grün-Beige gestaltete Schauspiel, von Boito als Persiflage auf das Opernwesen seiner Zeit gestaltet.

Mit gekonnter Personenführung, intensiver Einbeziehung des perfekten Chores, der Tänzerinnen und kreativer Nutzung der Drehbühne schafft er, die übrigen Protagonisten mit Hamlet in Beziehung zu bringen. Da ist vieles konzentriert, bündig und schlagkräftig. Vor allem ab dem dritten Akt steigert sich die Aufführung.

Die Musiker der Robert-Schumann-Philharmonie mit dem Dirigat des Dan Raciu bringen neben einer ausgereiften Sängerbegleitung vor allem die den Schöpfern der Oper so wichtige sinfonische Ausmalung der Partitur zur Geltung.

Für die Hauptrollen waren ausgezeichnete Sängerdarsteller aufgeboten worden. Mit packend intensivem Spiel und mit nüchtern-heller flexibler Tenorstimme gab der Spanier Gustavo Peña dem zerrissenen Titelhelden die notwendige Struktur. Dem König Claudius in seinem fiesen Denken wurde von Pierre-Yves Pruvot mit seinem dunkel-bedrohlichem Bariton überzeugende Wirkung verschafft. Als Hamlets Mutter Gertrud sang und spielte Katerina  Hebelkova mit einem dunklen Mezzo in der Tiefe und gleisnerisch in der Höhe die dramatischen Glanzpunkte der Aufführung. Packend war die Ophelia von Guibee Yang mit ihrem weichen strömenden Sopran in den Szenen ihrer Liebe und Verzweiflung.

Theater Chemnitz / Hamlet von Franco Faccio - hier : Ophelia und Hamlet © Nasser Hashemin

Theater Chemnitz / Hamlet von Franco Faccio – hier : Ophelia und Hamlet © Nasser Hashemin

Wären noch zu erwähnen: der elektronisch-akustisch verstärkte Bass-Bariton von Noé Colín als bedrohlich tönender Geist des ermordeten Vater  Hamlets, das ordentlich besetzte Freundespaar des Titelhelden Horatio – Marcello mit Ricardo Llamas Márques und Matthias Winter sowie der etwas schwächere  Laertes von Cosmin Ifrim.

Wegen des Ausfalls des Polonius-Darstellers wurden die Partien des Hofmarschalls vom Bass des Hausensembles Ulrich Schneider überzeugend von der Seite zu Gehör gebracht und szenisch vom Statisten Mario Koch auf der Bühne implantiert.

Ein Sonntag-Nachmittag, der wieder einmal unser Verlangen nach Musik abseits des gängigen Repertoires gestillt hatte. Vor allem deshalb, weil diese Neuentdeckungen vor halsbrecherischen Verfremdungen geschützt sind. Letztlich bleibt aber für den von Wagner, Mahler und Bruckner verwöhnten Hörer, dass die Komposition Faccios  nicht über die erwartete Dramatik und Tiefe verfügt.

Im Spielplan des Chemnitzer Opernhauses sind noch Vorstellungen der zu empfehlenden Hamlet-Inszenierung am 29. März, am 28. April und am 5. Mai 2019 aufgeführt.

—| IOCO Kritik Theater Chemnitz |—

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