Wien, Wiener Staatsoper, 150 Jahre Wiener Staatsoper – ARTHAUS MUSIK, IOCO DVD Rezension, 06.08.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

150 Jahre Wiener Staatsoper –   CD / DVD  zum Jubiläum

EAN:  4058407093954   – UPC:  4058407093954

von Marcus Haimerl

Am 25. Mai 2019 feierte die Wiener Staatsoper ihr 150-jähriges Jubiläum mit der Premiere einer Neuinszenierung von Richard Strauss Frau ohne Schatten, welche 100 Jahre zuvor ihre Uraufführung hier feierte. Zudem war der Komponist gemeinsam mit Franz Schalk von 1919 bis 1924  Direktor des Haus am Ring.

Zum 150-jährigen Jubiläum der Staatsoper veröffentlichte ARTHAUS MUSIK, Halle (Saale) eine CD-/ DVD- Box mit großen Aufführungen und Premieren an der Wiener Staatsoper. Die DVD-Box umfasst insgesamt acht DVDs aus den Jahren 1978 bis 2014 und die Direktionszeiten von Egon Seefehlner (1. Amtszeit), Lorin Maazel, Claus Helmut Drese, Ioan Holender und Dominique Meyer und umfasst folgende Aufnahmen: Il Trovatore (Verdi), Carmen (Bizet), Turandot (Puccini), Elektra (Strauss), Lohengrin (Wagner), Don Giovanni (Mozart), Alcina (Händel) und Ariadne auf Naxos (Strauss).

IL TROVATORE (Giuseppe Verdi)

Am 1. Mai 1978 wurde Verdis Il Trovatore in der Inszenierung Herbert von Karajans aufgezeichnet. Es war die 98. Vorstellung in der Karajan-Inszenierung, die bereits 1968 Premiere feierte und mit 169 Aufführungen bis 1991 dem Repertoire erhalten blieb.

Die großartige Besetzung, die es nur in zwei Vorstellungen im Mai 1978 zu erleben gab, liest sich wie das who-is-who des Verdi-Gesanges der 60er und 70er Jahre. Piero Cappuccilli als Conte di Luna, Raina Kabaivanska als Leonore, Fiorenza Cossotto als Azucena und Placido Domingo als Manrico in der klassischen und etwas düsteren Inszenierung Karajans, der auch am Pult des Orchesters der Wiener Staatsoper stand, ist in jedem Fall eine der großen Sternstunden des Hauses.

ARTHAUS DVD / 150 Jahre Wiener Staatsoper © ARTHAUS Musik

ARTHAUS DVD / 150 Jahre Wiener Staatsoper © ARTHAUS Musik

CARMEN (Georges Bizet)

Am 9. Dezember 1978 hatte Bizets Oper Carmen in der Inszenierung des 2019 verstorbenen Franco Zeffirelli Premiere. Diese ebenfalls ausgesprochen klassische Inszenierung steht aktuell immer noch auf dem Spielplan und erlebte am 12. September 2018 seine bereits 164. Aufführung.

Unter dem Dirigat von Carlos Kleiber sangen in der Premiere Elena Obraztsova als Carmen, Plácido Domingo den Don José, Yuri Mazurok den Escamillo, Isobel Buchanan die Micaela und Kurt Rydl den Zuniga. Elena Obraztsova sang die Carmen insgesamt nur sieben Mal an der Wiener Staatsoper: einmal 1975 in der Inszenierung von Otto Schenk und sechs Mal in der Inszenierung von Franco Zeffirelli. Maßstäbe setzte Agnes Baltsa in dieser Zeffirelli-Inszenierung von. Sie sang diese Partie zwischen 1984 und 2004 insgesamt 59 Mal. Diese hervorragend besetzte Aufzeichnung von Bizets Meisterwerk zählt zweifelfrei auch zu den Höhepunkten in der Geschichte der Wiener Staatsoper.

TURANDOT (Giacomo Puccini)

1983 feierte Puccinis letzte Oper Turandot Premiere in einer Inszenierung des für seine Musical-Inszenierungen bekannten Harold Prince. Die opulente Umsetzung in den Bühnenbildern und Kostümen von Timothy O’Brien und Tazeena Firth erinnern auch ein wenig an das Genre Musical. Ebenso beeindruckend ist auch hier die Besetzung. Die ungarische Sopranistin Eva Marton gab die eisige Prinzessin Turandot, als Calaf erlebte man José Carreras und als Liù die italienische Sopranistin Katia Ricciarelli. In dieser starken Besetzung erlebt man auch die Aufzeichnung dieser spannenden Produktion. Auf insgesamt 61 Vorstellungen brachte es die Inszenierung ehe sie im März 2004 zum letzten Mal aufgeführt wurde.

ELEKTRA (Richard Strauss)

Ehe es durch die Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg im Jahr 2015 ersetzt wurde brachte es Harry Kupfers Inszenierung von Richard Strauss Atriden-Drama Elektra auf insgesamt nur 65 Aufführungen bis 2012. Die Premiere fand am 10. Juni 1989 zum 125. Geburtstag von Richard Strauss statt. In Kupfers Inszenierung dominiert die zerbrochene Statue Agamemnons die Bühne, auf welcher die hochkarätige Premierenbesetzung zu erleben war. Eva Marton als Elektra, Brigitte Fassbaender als Klytämnestra, Cheryl Studer als Chrysothemis, James King als Aegisth, Franz Grundheber als Orest und Claudio Abbado am Pult machen diese Aufzeichnung zu einem intensiven Erlebnis.

LOHENGRIN (Richard Wagner)

Bereits 1985 debütierte der spanische Tenor Plácido Domingo als Schwanenritter Lohengrin an der Wiener Staatsoper. Kein Wunder also, dass Placido Domingo auch zur Premierenbesetzung der Neuinszenierung durch Wolfgang Weber im Jahr 1990 gehörte. In dieser klassischen Regiearbeit, in welcher der Schwan als Projektion den Bühnenhintergrund dominiert, sangen neben dem spanischen Startenor in der Titelrolle Stars wie Cheryl Studer die Elsa, Hartmut Welker und Dunja Vejzovic Telramund und Ortrud und Georg Tichy den Heerrufer. Unter dem grandiosen Dirigat von Claudio Abbado wurde auch hier Operngeschichte geschrieben.

DON GIOVANNI (Wolfgang Amadeus Mozart)

Vor 150 Jahren wurde das Haus am Ring mit Mozarts Don Juan feierlich eröffnet. Somit darf auch dieses Werk in der DVD-Box nicht fehlen. Die Produktion des Hauses am Ring, die für die Wiener Festwochen allerdings am Theater an der Wien aufgeführt wurde, stammt aus dem Jahr 1999. Zu dieser Zeit als das Regietheater schon länger auf dem Vormarsch war erlebte der Zuseher ein opulentes Kostümspektakel in der Regie von Roberto de Simone.  Unter dem großartigen Dirigat von Ricardo Muti verkörperten Carlos Álvarez den Don Giovanni, Franz Josef Selig den Commendatore, Adrianne Pieczonka die Donna Anna, Michael Schade den Don Ottavio, Anna Caterina Antonacci die Donna Elvira, Ildebrando D’Arcangelo den Leporello, Angelika Kirchschlager die Zerlina und Lorenzo Regazzo den Masetto in einer absolut sehenswerten Produktion.

ALCINA (Georg Friedrich Händel)

Unter Direktor Dominique Meyer kehrte auch die Barockoper an die Wiener Staatsoper zurück. Anstelle des Orchesters der Wiener Staatsoper setzte man auf Originalklangensembles wie im vorliegenden Fall Les Musiciens du Louvre-Grenoble unter dem Dirigat von Marc Minkowski. Die beinahe märchenhafte Umsetzung stammt von Adrian Noble, musikalisch brillieren Anja Harteros als Alcina, Vesselina Kasarova als Ruggiero, Veronika Cangemi als Morgana, Kristina Hammarström als Bradamante, Benjamin Bruhns als Oronte und Adam Plachetka als Melisso. Diese Produktion markierte den Beginn der Rückkehr der Barockoper an die Staatsoper, die in der Erstaufführung von Georg Friedrich Händels Oper Ariodante im Jahr 2018 gipfelte.

Ariadne auf Naxos – Christian Thielemann und Ensemble studieren die Oper ein
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ARIADNE AUF NAXOS (Richard Strauss)

Im Dezember 2012 löste die von den Salzburger Festspielen übernommene Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf nach 162 Vorstellungen die klassische Inszenierung von Filippo Sanjust ab. Bechtolf rückte die Handlung in die Zeit der Uraufführung, der zweite Teil, die Aufführung der Oper seria Ariadne gemeinsam mit der Opera buffa fand zwischen sandverzierten Klaviertrümmern statt. Die Aufzeichnung dieser Oper bot ein Wiedersehen mit dem 2019 plötzlich verstorbenen Kammerschauspieler Peter Matic, der als Haushofmeister aus dieser Produktion nicht mehr wegzudenken ist. Auch dem viel zu früh verstorbenen Tenor Johan Botha als Tenor / Bacchus wird mit dieser Aufnahme ein Denkmal gesetzt. Aber auch der Rest der Besetzung lässt sich hören: Soile Isokoski als Primadonna/ Ariadne sang hier eine ihrer letzten szenischen Produktionen; Sophie Koch als Komponist, Jochen Schmeckenbecher als Musiklehrer, Daniela Fally als Zerbinetta, sowie Adam Plachetka, Carlos Osuna, Jongmin Park und Benjamin Bruhns als Harlekin,Scaramuccio, Truffaldin und Brighella und das Dirigat Christian Thielemanns machen diese Aufzeichnung zu etwas ganz Besonderem.

Die im Beige der Wiener Staatsoper gehaltenen DVDs zeigen auf der Vorderseite eine Ansicht des Schwindfoyers, die DVD-Innenseite eine Perspektive von der Bühne auf den Zuschauerraum. Die acht DVDs befinden sich in einem Schuber mit einem Bild der Wiener Staatsoper auf der Vorderseite der Box.

Die limitierte Ausgabe von 1.869 Stück der DVD-Box mit einer Gesamtspielzeit von 1.290 Minuten ist um rund 100 € im Fachhandel erhältlich.

—| IOCO CD-Rezension |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Maria Kataeva – Erfolg bei Operalia 2019

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Maria Kataeva © Andreas Endermann

Deutsche Oper am Rhein / Maria Kataeva © Andreas Endermann

 Maria Kataeva – Erfolgreich bei Operalia 2019

Die Mezzosopranistin aus dem Ensemble der Deutschen Oper am Rhein gewinnt den zweiten Preis und den Publikumspreis beim Gesangswettbewerb in Prag

Maria Kataeva, Mezzosopranistin im Ensemble der Deutschen Oper am Rhein, geht als zweifache Preisträgerin aus Plácido Domingos Gesangswettbewerb Operalia 2019 hervor. Sie gewann sowohl den zweiten Preis als auch den Publikumspreis des international bedeutenden Opernwettbewerbs. Damit ist zum zweiten Mal in Folge ein Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein als Sieger oder Zweitplatzierte bei diesem Wettbewerb hervorgegangen, der als der wichtigste weltweit gilt. (Adela Zaharia gewann 2017 den ersten Preis.)

Die Finalrunde wurde am Freitag, 26. Juli 2019, im Nationaltheater Prag ausgetragen. Zum Abschluss der sechs intensiven Wettbewerbstage präsentierte Maria Kataeva hier die Arie der Angelina „Nacqui all’affanno e al pianto“ aus Gioachino Rossinis Oper La Cenerentola.

Deutsche Oper am Rhein / Maria Kataeva als Angelina in La Cenerentola“ an der Deutschen Oper am Rhein © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Maria Kataeva als Angelina in La Cenerentola an der Deutschen Oper am Rhein © Hans Jörg Michel

„Wir sind sehr stolz auf Maria Kataeva, und ich gratuliere ihr sehr herzlich zu diesem fantastischen Erfolg“, sagt Generalintendant Christoph Meyer. Maria Kataeva ist nach dem Sieg von Adela Zaharia vor zwei Jahren eine weitere Künstlerin der Deutschen Oper am Rhein, die mit ihrer Auszeichnung bei einem der renommiertesten Wettbewerbe der Welt beweist, auf welch hervorragendem Niveau sich das Ensemble der Deutschen Oper am Rhein befindet.“

Maria Kataeva studierte in St. Petersburg. Ihre Opernlaufbahn begann 2011 im Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein, von dort wurde sie 2013 fest ins Ensemble übernommen. Die Titelpartie in Rossinis La Cenerentola gehört auch hier zu ihren Glanzrollen. Große Erfolge feierte sie in Düsseldorf und Duisburg zuletzt auch als Elisabetta in Donizettis Maria Stuarda und als Polina in Tschaikowskys Oper Pique Dame.

Deutsche Oper am Rhein / Maria Kataeva als Elisabetta in „Maria Stuarda“ an der Deutschen Oper am Rhein © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Maria Kataeva als Elisabetta in „Maria Stuarda“ an der Deutschen Oper am Rhein © Hans Jörg Michel

In Düsseldorf gibt Maria Kataeva in der Spielzeit 2019/20 ihre Rollendebuts als Ruggiero in der Neuinszenie­rung von Georg Friedrich Händels Barockoper Alcina und als Eboli in Giuseppe Verdis Don Carlo. Als Angelina in Rossinis La Cenerentola ist ab 17. Oktober in Duisburg und ab 3. Mai in Düsseldorf zu erleben.

Der 1993 von Plácido Domingo ins Leben gerufene Wettbewerb Operalia beflügelte die Karrieren von Opernstars wie Sonya Yoncheva, Joyce DiDonato, Nina Stemme, José Cura und Rolando Villazón. Ein Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein gewann ihn bereits vor zwei Jahren: Die Sopranistin Adela Zaharia wurde bei Operalia 2017 mit dem ersten Preis und dem Zarzuela-Preis ausgezeichnet.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Dresden, Semperoper, Nabucco – Im Krieg der Jetztzeit angekommen, IOCO Kritik, 18.06.2019

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Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

 Nabucco  – Giuseppe Verdi

In der Jetztzeit –  Syrien, Pistolen, Militär, Krieg

von Thomas Thielemann

Viel ist nicht zu David Böschs Inszenierung von Nabucco an der Semperoper Dresden zusagen. So wie die Soldaten des babylonischen Herrschers Nabü-kudurrï-usur II. (um 640 v. Chr. Bis 562 v. Chr.) im Jahre 595 v. Chr. Jerusalem nach langer Belagerung eroberten, werden ideologische oder religiöse Unterschiede noch immer als Vorwände für kriegerische Auseinandersetzungen zwischen Volksgruppen oder für Bürgerkriege genutzt. Sind doch offenbar große Teile der Menschheit im Verlaufe der letzten zweieinhalb Jahrtausende kaum klüger geworden.

Nabucco-  Giuseppe Verdi
youtube Trailer der Semperoper
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Deshalb war es für Bösch einfach, Verdis Hebräern und Babylonier zeitgenössische Kleidung und Uniformen anzuziehen (Kostüme: Meentje Nielsen) und in einer Ruinenstadt unserer heutigen Zeit agieren zu lassen. Damit dürfte die Inszenierung deutlich näher am biblisch überlieferten Geschehen bleiben, als das Libretto von Temistocle Solera. Patrick Bannwart stellte eine an den Turmbau von Babel erinnernde Stahlbau-Ruine auf die Bühne und konfrontiert uns mit Fernsehbildern unserer Tage aus Syrien, dem Irak, der Ost-Ukraine oder Jemen. Der Turm, vertikal geteilt, an die Bühnenränder verschoben, bildete die Spielfläche für die weitere Vorstellung.

Bleibt damit nur, die leider nicht durchgängig handwerklich gute Personenführung Böschs zu loben und über die musikalischen Aspekte des Opernabends zu schreiben: Da wäre unbedingt der von Jörn Hinnerk Andresen hervorragend vorbereitete Staatsopernchor, der gemeinsam mit dem Sinfoniechor Dresden und der Komparserie das Rückgrat der Vorstellung bildete. Dazu die Musiker der Staatskapelle, wieder unter der sorgsamen Leitung des „gesundeten“ Omer Meir Welber, der seine Intensität hervorragend den Möglichkeiten und Erfordernisse der Bühne anpasste.

Semperoper Dresden / Nabucco - hier : Plácido Domingo als Nabucco, Saioa Hernández als Abigaille, Christa Mayer als Fenena, Vitalij Kowaljow als Zaccaria, Ensemble © Semperoper Dresden / Daniel Koch

Semperoper Dresden / Nabucco – hier : Plácido Domingo als Nabucco, Saioa Hernández als Abigaille, Christa Mayer als Fenena, Vitalij Kowaljow als Zaccaria, Ensemble © Semperoper Dresden / Daniel Koch

Zur Besprechung der Eindrücke der Gesangs- und Schauspielerleistungen der Solisten erfordert es in Böschs Auslegung der Verdischen Komposition schon ein gehöriges Abstraktionsvermögen. So sehr ich ansonsten Szenenapplaus als störend empfinde, hier war er angebracht, weil doch das Gehörte und das Gesehene keinen gemeinsamen Fluss bildeten. Da war die „Beifalls-Pause“ sogar hilfreich.

Die Titelrolle hatte der zu seinen Bariton-Anfängen zurück gefundene Plácido Domingo mit der gesamten Bühnenpräsenz seiner Persönlichkeit übernommen. Er musste die Rolle komplett in einer Felduniform unserer Tage singen und spielen. Mit einem stimmlichen Spektrum von Donner und Demut tritt er gewaltig bis geschmeidig auf. Nachhaltige Eindrücke hinterlassen vor allem seine ruhigeren Darstellungen im Wahnsinns-Monolog im 4. Akt.

Semperoper Dresden / Nabucco - hier : Plácido Domingo als Nabucco, Saioa Hernández als Abigaille, Ensemble © Semperoper Dresden / Daniel Koch

Semperoper Dresden / Nabucco – hier : Plácido Domingo als Nabucco, Saioa Hernández als Abigaille, Ensemble © Semperoper Dresden / Daniel Koch

Die Spanierin Saioa Hernándes bot in ihrem Rollen- und Deutschlanddebüt als Spinto-Sopranistin alles, was zur Gestaltung der Figur der Abiggaille zur Verkörperung ihres Machthungers und ihrer Brutalität benötigt wurde: Die Höhen und Tiefen, die Attacke und das Lyrische für die wenigen psy-chologischen Momente. Ob ihre Zornausbrüche im ersten Akt oder ihr Duett mit Plácido Domingo im 3. Akt, immer war sie richtig dominierend. Kaum weniger Beeindruckend die zurückhaltendegehaltene Gestaltung ihrer Halbschwester Fenena durch die Mezzosopranistin Christa Mayer. Ihr Geliebter Ismaele, vom italienischen Tenor Massimo Giordano dargestellt, bot eher Schöngesang als Leidenschaft oder gar Kampfesmut.

Den Oberpriester des Baals zelebrierte der aus Korea stammende Bassist Sejong Chang stimmgewaltig als blutrünstiger Rächer. Für den emotionalen Höhepunkt und für einen musikalischen Glanzpunkt der Aufführung sorgten der Chor und der Bassist Vitalij Kowaljow mit dem letztlich eigenständig in das „Geschehen“ eingebaute „Flieg Gedanke auf goldenen Schwingen“.

Der frenetische Schluss-Beifall, der sich dann zum Stakkato und stehend entwickelte galt uneingeschränkt dem ganzen Ensemble,  Plácido Domingo eingeschlossen.

—| IOCO Kritik Semperoper Dresden |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Sommerfestspiele – Die Erben Tschaikowskys, Juli 2019

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Sommerfestspiele Baden-Baden –  Ein Bogen nach Russland

Valery Gergiev, Daniel Hope, Eva-Maria Westbroek, Anna Netrebko, Placido Domingo

Es ist ein Festival unter Freunden: Valery Gergiev und das Ensemble des Mariinsky Theaters St. Petersburg kommen nun schon seit 21 Jahren nach Baden-Baden, um Oper, Konzert und Ballett dort zu zeigen, wo deutschrussische Freundschaften Tradition haben. Seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts bestehen kulturelle Verbindungen zwischen Baden und St. Petersburg sowie natürlich auch nach Moskau. In drei Konzerten und einer Opernaufführung sollen diese Verbindungen zwischen dem 6. und 14. Juli 2019 im Festspielhaus Baden-Baden gefestigt werden.

Festspielhaus Baden-Baden / Valery Gergiev © Marco Borggreve

Festspielhaus Baden-Baden / Valery Gergiev © Marco Borggreve

Gleich im ersten Sinfoniekonzert der Baden-Badener Sommerfestspiele am Samstag, 6. Juli 2019 um 18 Uhr steht die Verbindung zwischen Deutschland und Russland im Mittelpunkt. Valery Gergiev dirigiert Werke von Richard Wagner und Peter Tschaikowsky, darunter dessen letzte Sinfonie Nr. 6, die Pathétique. Richard Wagner wurde und wird in Russland besonders verehrt.

Die ersten Aufführungen seiner Tetralogie Der Ring des Nibelungen in St. Petersburg wurden zu einer der wesentlichen Inspirationsquellen russischer Symbolisten. Der erste „Russische Ring“ nach der Sowjetunion entstand übrigens in Baden-Baden als Koproduktion zwischen Festspielhaus und Mariinsky Theater 2003.

In Erinnerung daran erklingen aus der Götterdämmerung zwei Ausschnitte – „Siegfrieds Trauermarsch“ und „Brünnhildes Schlussgesang“. Solistin ist Eva-Maria Westbroek, die in Baden-Baden bereits die Isolde in Wagners Liebesdrama Tristan und Isolde sang.

Zusätzlich zur Wagner-Tschaikowsky-Begegnung birgt dieses Konzert eine große Seite  Überraschung: Valery Gergiev wird einen erfolgreichen Teilnehmer des Tschaikowsky Wettbewerbs 2019 quasi direkt vom Abschlusskonzert in Moskau nach Baden-Baden mitbringen. Auf diese Weise lernte das Publikum der Sommerfestspiele schon vor einigen Jahren den Pianisten Daniil Trifonov kennen – heute ist er ein Weltstar.

Festspielhaus Baden-Baden / Daniel Hope © Bailey Davidson

Festspielhaus Baden-Baden / Daniel Hope © Bailey Davidson

Daniel Hope spielt Prokofjew

Am zweiten Petersburger Konzertabend in Baden-Baden steht der Geiger Daniel Hope im Rampenlicht. Er interpretiert am Sonntag, 7. Juli 2019 um 17 Uhr im Festspielhaus Baden-Baden das Violinkonzert Nr. 2 von Sergej Prokofjew und markiert damit eine musikalische Ost-West-Beziehung der besonderen Art. Der Meisterschüler von Geigen-Legende Yehudi Menuhin kam einst als Flüchtling mit seiner Familie nach London. Im Hause Menuhin fand er zur Geige, wie im erfolgreichen Kino-Dokumentarfilm „Klang des Lebens“ eindrücklich erzählt. Das Hauptwerk des zweiten Sommerfestspiel-Konzerts ist Dmitri Schostakowitschs große siebte Sinfonie – die Leningrader. In dieser Sinfonie verarbeitet der russische Komponist unter anderem die Belagerung Leningrads durch die deutsche Wehrmacht. Sie dauerte vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944.

Ein Konzert mit barocken Meisterwerken und gelesener Literatur findet im Rahmen der Sommerfestspiele Baden-Baden am Montag, 8. Juli 2019 um 19 Uhr im Museum Frieder Burda statt. Es spielen: Daniel Sepec (Violine) und Michael Behringer (Cembalo). Die Schauspielerin Nadine Kettler liest passende Literatur.

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko © Vladimir Shirokov

Festspielhaus Baden-Baden / Anna Netrebko © Vladimir Shirokov

Stehplatzkarten für Domingo und Netrebko Für zwei weitere Höhepunkte der Baden-Badener Sommerfestspiele 2019 gibt es nur noch Restkarten: Giuseppe Verdis Oper Simon Boccanegra mit Plácido Domingo (9. Juli 2019, 19 Uhr) und ein Liederabend mit Anna Netrebko (14. Juli 2019, 17 Uhr). Für beide Abende gibt es am jeweils ab zwei Stunden vor der Veranstaltung Stehplatzkarten an der Abendkasse.

Festspielhaus Baden-Baden / Placido Domingo © Pedro Walker

Festspielhaus Baden-Baden / Placido Domingo © Pedro Walker

Reservierung und Beratung: Tel. 07221 / 30 13 101.
Tickets und weitere Informationen unter www.festspielhaus.de

 

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

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