Stuttgart, Oper Stuttgart, Die ersten Höhepunkte der Spielzeit 2017/18

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Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Die ersten Höhepunkte der Spielzeit 2017/18

Der Vorverkauf der Staatstheater Stuttgart für die Vorstellungen im September und Oktober 2017 hat bereits begonnen

Die aktuelle Spielzeit der Staatstheater Stuttgart neigt sich dem Ende zu. Der Vorverkauf für die Veranstaltungen im September und Oktober 2017 hat allerdings bereits begonnen:

Oper Stuttgart / Pique Dame © A.T. Schaefer

Oper Stuttgart / Pique Dame © A.T. Schaefer

Am Freitag, 22. September 2017, eröffnet die Oper Stuttgart mit Peter Tschaikowskys Oper Pique Dame in der Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito. Am Samstag, 23. September, kehrt Benjamin Brittens Der Tod in Venedig und am Sonntag, 24. September, Gioachino Rossinis La Cenerenola zurück auf die Opernbühne. Zu einem musikalischen Streifzug durch die kommende Opern- und Konzertsaison lädt die Oper Stuttgart im Rahmen des spartenübergreifenden Spielzeit-eröffnungsfestes ebenfalls am Sonntag, 24. September, um 11 Uhr. Der Eintritt ist frei. Giacomo Puccinis Tosca in der Inszenierung von Willy Decker steht ab Montag, 25. September, wieder auf dem Spielplan.

Am Mittwoch, 27. September, kommen Freunde der Liedkunst auf ihre Kosten: Georg Nigl und Anna Lucia Richter interpretieren im 1. Liedkonzert Werke aus Hugo Wolfs Italienischem Liederbuch. Im 1. Sinfoniekonzert der Saison am 8. und 9. Oktober 2017 dirigiert Hartmut Haenchen Werke von Mozart und Wagner und im 1. Kammerkonzert am Mittwoch, 11. Oktober, präsentieren Musiker des Staatsorchesters Werke von Schönberg, Beethoven und Brahms.

Die Eröffnungspremiere, Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel, am Sonntag, 22. Oktober 2017, inszeniert der vielfach ausgezeichnete Theater-, Opern- und Filmregisseur Kirill Serebrennikov, der zuletzt mit Salome auf der Stuttgarter Opernbühne begeisterte. Es dirigiert Georg Fritzsch. Eine ausführliche Pressemitteilung folgt.

Im Folgenden erhalten Sie eine detaillierte Übersicht über die ersten Musiktheater- und Konzerthighlights der kommenden Saison.


Spielzeiteröffnung 2017/18


Spielzeiteröffnungsfest
Sonntag, 24. September 2017, von 11 bis 18 Uhr

Am Sonntag, 24. September 2017, heißt es „Bühne frei für die neue Spielzeit“: Am Tag der Bundestagswahl eröffnen die Oper Stuttgart, das Stuttgarter Ballett und das Schauspiel Stuttgart die Spielzeit mit einem großen Spielzeiteröffnungsfest im Opern- und im Schauspielhaus sowie auf den Plätzen davor. Gemeinsam mit dem Publikum starten die drei Sparten singend, tanzend und spielend in die neue und letzte Saison der drei amtierenden künstlerischen Intendanten.

Von 11 bis 13 Uhr heißen Sänger, Musiker und das Leitungsteam der Oper Stuttgart das Publikum bei freiem Eintritt im Opernhaus willkommen und stellen einige Höhepunkte, prägende Akteure und Leitgedanken der kommenden Spielzeit vor. Die Sängerinnen und Sänger aus dem Ensemble und dem Opernstudio bringen dabei besondere musikalische Momente zu Gehör, bevor in einem zweiten Teil das größte Ensemble des Hauses seine Jubiläumssaison einläuten wird: Das Staatsorchester Stuttgart, das im Jahr 2018 sein 425-jähriges Bestehen feiert, präsentiert sich auf der Opernbühne sowie im Anschluss in den Foyers des Opernhauses und auf dem Opernvorplatz.

Um 13.30 Uhr und 14.30 Uhr lädt die Junge Oper Kinder von 5-7 Jahren zu zwei Vorstellungen des Sitzkissenkonzerts Frieda tanzt ins Opernhaus, Foyer III. Rang, ein.

Hinweis: Ab 18 Uhr werden die Ergebnisse der Bundestagswahl live ins Foyer des Schauspielhauses übertragen.


Erste Opernvorstellungen


Peter Tschaikowsky  –  Pique Dame
22. | 26. | 30. September 2017 // 13. | 16. | 25. | 31. Oktober 2017

Musikalische Leitung: Sylvain Cambreling, Frank Beermann, Regie und Dramaturgie:, Jossi Wieler, Sergio Morabito, Bühne und Kostüme: Anna Viebrock, Licht: Reinhard Traub, Chor und Kinderchor: Johannes Knecht

MIT: German: Erin Caves, Graf Tomski: Gevorg Hakobyan, Fürst Jeletzki: Shigeo Ishino, Tschekalinski: Torsten Hofmann, Surin: Michael Nagl, Tschaplitzki: Moritz Kallenberg, Narumov: Padraic Rowan, Gräfin: Helene Schneiderman, Lisa: Rebecca von Lipinski, Polina: Stine Marie Fischer, Gouvernante: Maria Theresa Ullrich, Mascha: Mirella Bunoaica, Staatsopernchor Stuttgart, Kinderchor der Oper Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart


Benjamin Britten  –  Der Tod in Venedig
23. | 28. September 2017 // 05. Oktober 2017 // 13. | 22. | 29. Juni 2018 // 05. Juli 2018

Musikalische Leitung: Marco Comin, Regie und Choreographie: Demis Volpi, Bühne und Kostüme: Katharina Schlipf, Licht: Reinhard Traub, Chor: Christoph Heil, Dramaturgie: Sergio Morabito, Ann-Christine Mecke

MIT:  Gustav von Aschenbach: Matthias Klink, Reisender / Ältlicher Geck / Alter, Gondoliere / Hotelmanager / Coiffeur des Hauses /, Führer der Straßensänger / Stimme des Dionysos: Georg Nigl, Ashley David Prewett, Stimme des Apollon: Jake Arditti, William Towers, Apollon: David Moore, Hotelportier: Daniel Kluge, Bootsmann:, Tommaso Hahn, Hotelkellner / Restaurantkellner: Michael Wilmering
Erdbeerverkäuferin / Straßensängerin: Aoife Gibney, Glasbläser / Straßensänger: Kai Kluge, Englischer Angestellter im Reisebüro: Ronan Collett, Fremdenführer in Venedig: Padraic Rowan, Bettlerin: Fiorella Hincapié, Spitzenverkäuferin: Catriona Smith
Zeitungsverkäuferin: Cristina Otey, Die polnische Mutter: Joana Romaneiro, Tadzio: Gabriel Figueredo, Schüler der John Cranko Schule, Staatsopernchor Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart


Grabstaette Gioacchino Rossini © IOCO

Grabstaette Gioacchino Rossini © IOCO

Gioachino Rossini  –  La Cenerentola

24. September 2017 // 01. | 08. | 15. | 20. Oktober 2017 // 01. November 2017

Musikalische Leitung: Maurizio Barbacini, Regie: Andrea Moses, Bühne: Susanne Gschwender, Kostüme: Werner Pick, Licht: Reinhard Traub, Chor: Christoph Heil
Dramaturgie: Thomas Wieck, Moritz Lobeck,

MIT:  Angelina: Lilly Jørstad, Diana Haller, Clorinda: Catriona Smith, Tisbe: Maria Theresa Ullrich, Don Magnifico: Enzo Capuano, Don Ramiro: Sunnyboy Dladla, Dandini: Bogdan Baciu, Alidoro: Adam Palka, Staatsopernchor Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart


Giacomo Puccini  –  Tosca

25. | 29. September 2017 // 14. | 17. | 21. Oktober 2017 // 10. | 29. Dezember 2017 // 09. Januar 2018

Musikalische Leitung: Domingo Hindoyan, Giuliano Carella, Regie: Willy Decker, Bühne und Kostüme: Wolfgang Gussmann, Chor und Kinderchor: Christoph Heil, Dramaturgie: Juliane Votteler

MIT:  Floria Tosca: Svetlana Aksenova, Cellia Costea, Mario Cavaradossi: Arnold Rutkowski, Baron Scarpia: Sebastian Holecek, Albert Dohmen, Cesare Angelotti: Ashley David Prewett, Mesner: Karl-Friedrich Dürr, Spoletta: Heinz Göhrig
Schließer / Sciarrone: N.N., Staatsopernchor Stuttgart, Kinderchor der Oper Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart


Eröffnungspremiere

Engelbert Humperdinck  –  Hänsel und Gretel
22. Oktober 2017,  weitere Vorstellungen 26. Oktober 2017; 04. November 2017 // 02. | 13. | 16. | 26. (nm+ab) Dezember 2017 // 07. (nm+ab) | 14. Januar 2018

Musikalische Leitung: Georg Fritzsch, Willem Wentzel, Regie, Bühne und Kostüme: Kirill Serebrennikov, Video: Ilya Shagalov, Licht: Reinhard Traub, Kinderchor: Christoph Heil, Dramaturgie: Ann-Christine Mecke,

MIT: Vater: Michael Ebbecke, Simon Bailey, Mutter: Irmgard Vilsmaier, Catriona Smith, Hänsel: Diana Haller, Kora Paveli, Gretel: Esther Dierkes, Josefin Feiler, Knusperhexe: Daniel Kluge, Torsten Hofmann, Sandmännchen / Taumännchen: Aoife Gibney,, Kinderchor der Oper Stuttgart, Staatsorchester Stuttgart
Einführungsmatinee: 15. Oktober 2017, 11 Uhr, im Opernhaus, Foyer I. Rang


Erste Konzerte


1. Liedkonzert  –   Italienisches Liederbuch – Lieder von Hugo Wolf
27. September 2017, 20 Uhr, Opernhaus, Foyer I. Rang

Sopran: Anna Lucia Richter, Bariton: Georg Nigl, Klavier: Gérard Wyss


1. Sinfoniekonzert  –  Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonie C-Dur KV 551 („Jupiter“),
Richard Wagner:  Götterdämmerung-Suite

08. und 09. Oktober 2017, 11 Uhr bzw. 19.30 Uhr, Beethovensaal der Liederhalle

Musikalische Leitung: Hartmut Haenchen,  Staatsorchester Stuttgart


Ludwig van Beethoven in Bonn © IOCO

Ludwig van Beethoven in Bonn © IOCO

1. Kammerkonzert  –  Weitergeben der Glut
11. Oktober 2017, 19.30 Uhr, Mozartsaal der Liederhalle

Arnold Schönberg: Kammersymphonie Nr. 1 op. 9 in der Fassung von Anton von Webern (1906/1923) für Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello und Klavier,  Ludwig van Beethoven: Streichquartett f-moll op. 95 (1810), Johannes Brahms: Trio a-moll op. 95 (1891) für Klarinette, Violoncello und Klavier; Musikern des Staatsorchesters Stuttgart


1. Lunchkonzert  –  Musiker des Staatsorchesters Stuttgart
25. Oktober 2017, 12:45 – 13:15 Uhr, Opernhaus, Foyer I. Rang

Eintritt frei

Junge Oper  Casting:  Für das Musiktheaterprojekt ON_THE_LINE
Alte Musikhochschule Stuttgart, Urbansplatz 2, 70182 Stuttgart

Gesucht werden abenteuerlustige Darstellerinnen und Darsteller zwischen 12 und 18 Jahren. Proben ab November 2017 jeden Mittwochabend von 18-20 Uhr, Intensivproben während der Pfingstferien 2018. Anmeldung auch unter: education@staatstheater-stuttgart.de

Wiederaufnahme  Leonard Evers  –  Gold
23.* | 24.* | 26. * | 27.* Oktober 2017 // 13.* |14.* | 16. | 17. |19.* | 21.* | 22. Dezember 2017 –  *Schulvorstellungen

Musikalische Leitung: Till Drömann, Regie: Jörg Behr, Bühne: Line Sexauer, Kostüme: Kerstin Hägele, Licht: Gianni Scopa, Dramaturgie: Ann-Christine Mecke, Jacob: Philipp Nicklaus, Schlagzeug: Marta Klimasara


Wiederaufnahme


Gion Antoni Derungs  –  Benjamin

09.* | 11.| 13.* | 15.* | 17.* | 19. November 2017
*Schulvorstellungen

Musikalische Leitung: Jan Croonenbroeck, Regie: Neco Çelik, Bühne: Stephan von Wedel, Kostüm: Valentin Köhler, Dramaturgie: Johanna Danhauser, Licht: Rainer Eisenbraun,  Chor: Benjamin Hartmann

Mit: Ibrahima Biaye, Minyoung Catharina Häger, Thomas Herberich, Daniel Keating-Roberts, Konstantin Krimmel, Myriam Mayer, Monika Abel-Lazar, Philipp Nicklaus, Marc-Eric Schmidt, Lena Sutor-Wernich, Projektchor der Jungen Oper


Premieren


Die Premieren der Musiktheaterproduktionen Krieg von Marius Felix Lange und ON_THE_LINE finden am 27. April 2018 bzw. am 01. Juni 2018 statt.  PMOSt

 

Stuttgart, Oper Stuttgart, Pique Dame von Peter Tschaikowsky, IOCO Kritik, 14.06.2017

Juni 15, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Stuttgart

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Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Pique Dame von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky

Auf den Hintertreppen der Wohlstandsgesellschaft 

 Tschaikowskys Glücksucher-Phantasie als Flucht- und Such-Geschichte einer vergessenen Klasse

Von Peter Schlang

Die Handlung von Tschaikowskys 1890 uraufgeführter Oper Pique Dame stellt Regisseure wie aufmerksamen Zuschauer vor erhebliche, nur schwer zu lösende Probleme. Die Gründe dafür liegen in erster Linie in dem von Tschaikowsky Bruder Modeste nach der gleichnamigen Erzählung Alexander Puschkins verfassten Libretto, das so viele zeitliche und inhaltliche Brüche und Widersprüche aufweist, dass es nahezu unmöglich erscheint, daraus einen an die Handlung gebundenen schlüssigen Interpretationsansatz zu entwickeln.

Oper Stuttgart / Pique Dame - Ensemble © A.T. Schaefer

Oper Stuttgart / Pique Dame – Ensemble © A.T. Schaefer

Das erfahrene Regie-Duo Jossi Wieler und Sergio Morabito, dem noch eine Spielzeit lang die Leitung der Stuttgarter Staatsoper obliegt, versucht es in seiner ersten Auseinandersetzung mit einer Oper des wohl bekanntesten russischen Komponisten klugerweise erst gar nicht, diesen Widersprüchen auf rationale Weise beizukommen, sondern packt, wie man im Schwäbischen sagt, „den Stier an seinen Hörnern“. Dies will heißen, dass die beiden Regiefüchse, zusammen mit ihrer kongenialen, ihnen in vielen Regiearbeiten verbundenen Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Viebrock, die in der Handlung und auch in der Musik aufscheinenden verschiedenen Zeitebenen und –brüche ganz einfach zum Schlüsselthema ihrer Deutung machen. So führen sie das von Anfang an gebannt folgende Stuttgarter Premierenpublikum auf eine Reise durch verschiedene Epochen der Kultur- und Zeitgeschichte. Das bestens aufeinander eingespielte Trio nimmt also das Spiel mit den Zeiten und ihren Verschiebungen bewusst auf und ziemlich wörtlich, wobei dem Symbol der (Hinter-) Treppe eine herausragende Bedeutung zukommt. Damit fügen die drei ihrer in vielen Regiearbeiten demonstrierten Auseinandersetzung mit dem Theater und seinen Rollen und Möglichkeiten sowie dem „Spiel mit dem Spiel“ einen weiteren interessanten Aspekt hinzu, das Spiel mit verschiedenen Zeitebenen. Im wie immer opulent gestalteten und bestens informierenden Programmheft findet sich dafür das passende Bild der „Zeitkapsel“. Und dort schreibt Sergio Morabito zum Thema „Spiel“ auch die folgenden Zeilen: „Spielen, um der Kontrolle zu entkommen, spielen, um sich selbst zu überlisten, verrücktspielen – auf dem Theater, mit dem Theater, da man sonst verstummt; planen und berechnen, damit alles ganz anders kommt, um im entscheidenden Moment auf die Pique Dame statt auf das As zu setzen, verlieren, um zu gewinnen – in gewisser Weise ist das existentielle Thema der Pique Dame auch unser Thema als ‚Theater-Spieler‘“. –

Und, erlaubt sich der Berichterstatter hinzuzufügen, auch das eines jeden Menschen.
Anna Viebrock steuert ihren Teil zu diesem Spiel mit dem Spiel und der Zeit in Form eines genialen, t-förmigen Gebäudes mit vielen, für sie charakteristische Türen, Treppen, Leitern und Balkonen bei, das stark an die surrealen Visionen M. C. Eschers erinnert. Dieses an Häuserblocks in sozialen Schwerpunkten orientierte Mehrfamilienhaus mit seinen heruntergekommenen Fassaden und verrosteten Geländern und Steighilfen bietet drei verschiedene Blickwinkel und noch mehr Spielflächen, die raffinierter Weise alle im Außenbereich liegen und keinerlei Innenräume abbilden. Das dadurch bedingte Ausgeschlossen-Sein und Draußen-bleiben-müssen ist ein treffendes Bild der in dieser Aufführung zu erlebenden Figuren, die in ihrer Mehrzahl zu den Ausgegrenzten und Vergessenen der Gesellschaft gehören. Vor allem die Freunde Germans um deren Sprecher Tomski machen durch ihr Verhalten und Auftreten auf bedrückende Weise deutlich, wozu eine verlorene, erniedrigte Generation von Losern in der Lage ist.

Oper Stuttgart / Pique Dam - Yuko Kakuta als Mascha und Staatsopernchor © A.T. Schaefer

Oper Stuttgart / Pique Dam – Yuko Kakuta als Mascha und Staatsopernchor © A.T. Schaefer

An deren Situation ändert sich auch durch das noch so häufige Drehen der Kulisse nichts, obwohl dies ja auch Sinnbild für ständige Verwandlungen und Veränderungen sein könnte. Hier ist die dauernde Bewegung aber eher Ausdruck der Unruhe und des Getriebenseins, denen die auf der Stuttgarter Opernbühne zu erlebenden Figuren permanent unterworfen sind. Sie, und das gilt vor allem für den „ewigen Herumtreiber“ German, scheinen ständig auf der Flucht zu sein, vor sich selbst und vor allem, sie jagen dem Glück nach, ohne es jemals wirklich zu fassen zu bekommen und sind somit jeder Zeit fremd. Insofern mündet die Stuttgarter Deutung von Tschaikowskys Drama um den Spieler German, der eine intensive Beschäftigung mit den aktuellen gesellschaftlichen Verhältnissen in Russland und sogar eine Studienreise des Regietrios in die Stadt Peters des Großen vorausging, in einen äußerst skeptischen und resignativen Ausblick, dem nichts mehr von russisch-französischer Folklore und idyllischem Landleben anhaftet. Und es ist in Zeiten wirtschaftlicher und sozialer Verwerfungen und Unsicherheiten bestimmt nicht zu weit hergeholt, den Blick dabei auch auf die Länder der EU einschließlich Deutschlands zu richten.

Dass diese fast drei Stunden dauernde Inszenierung dennoch die Zuschauer nicht in depressive Stimmung versetzt, sondern quicklebendig und in Spannung hält, liegt an der zu jeder Sekunde durchdachten und fesselnden Personenführung und einer äußerst präzisen Ausdeutung der Charaktere. Dabei schreckt die Regie auch nicht vor vielleicht etwas platten, noch die kleinsten Rollen betreffenden kolportagehaften Stilmitteln zurück. Diese weisen aber etwa die Freundinnen Lisas bei deren Junggesellinnen-Abschied, den Kinderchor bei der Eingangsszene in an die Dreißigerjahre erinnernden Kleidern oder den Chor in seinen zahlreichen Auftritten und verschiedenen Rollen und Funktionen einer bestimmten Gesellschaftsschicht und damit auch Zeitebene zu. Auch der ständige Einsatz zeit-affiner Symbole wie einer echten „Taschen-Uhr“, durch Licht und Dunkelheit erzeugte Vorausdeutungen und einem zunächst als Spielgerät dienenden, dann platten Fußball unterstreichen den spielfreudigen und symbolhaltigen Charakter der neuen Stuttgarter Pique Dame.

Oper Stuttgart / Pique Dame - Marie Fischer, Rebecca von Lipinski und Staatsopernchor © A.T. Schaefer

Oper Stuttgart / Pique Dame – Marie Fischer, Rebecca von Lipinski und Staatsopernchor © A.T. Schaefer

Da erscheint es dann auch verzeihlich, wenn die im Stück eigentlich nicht vorkommende russische Kaiserin Katharina die Große mehrfach als leicht begleitetes, fast magersüchtiges Nummerngirl über die Bühne des Stuttgarter Opernhauses tänzeln darf. Dieses und viele weitere Momente und Motive, etwa die an eine höfische Kutsche oder an einen aus einer Barockkirche stammenden Beichtstuhl erinnernde Behausung und Transporthilfe der von Helene Schneiderman ausdrucksstark und berührend verkörperten alten Gräfin, zeugen nicht nur von der Phantasie des Regie- und Ausstattungsteams, sondern auch von der hohen Qualität der verschiedenen Werkstätten und Ateliers der Stuttgarter Staatsoper, denen bei dieser Gelegenheit einmal ausdrücklicher und besonderer Beifall gezollt werden soll.

Auch musikalisch bewegt sich die letzte Stuttgarter Premiere dieser zu Ende gehenden Spielzeit auf höchstem Niveau. Das gilt zunächst für das von Silvain Cambreling bei dessen erstem Dirigat einer Tschaikowsky-Oper souverän wie umsichtig geleitete Staatsorchester. Er versteht es zu jeder Zeit, die der Musik innewohnende ganz und gar russische Atmosphäre lebendig und gleichzeitig die vom Komponisten gewählte Instrumentierung nach bester Pariser Schule hörbar werden zu lassen. So zeigen sich die Stuttgarter Musikerinnen und Musiker der äußerst farbigen und kontrastreichen Partitur bestens gewachsen und erzielen mit deren lyrischen Stimmungskontrasten höchst dramatische Wirkungen, die sich mal in einem präsenten, kraftvollen, wenn nötig aber auch in einem sehr transparenten, luziden und kammermusikalischen Ton verdichten. Mit diesem abgestuften, dynamischen und detailgenauen Musizieren bietet das Stuttgarter Staatsorchester an diesem Abend eine grandiose musikalische Leistung, die auch die Ausführenden auf der Bühne inspiriert und beflügelt.
Zu denen gehört, um bei den Kollektiven zu bleiben, erneut und wie eigentlich immer der von Johannes Knecht in jeder Hinsicht phänomenal vorbereitete Staatsopernchor. Wie dieses aus 70 Agierenden zusammengefügte Ensemble spielt und singt – und das wohlgemerkt in russischer Sprache – und dazu auch während eigentlich chorfreier Stellen höchste Bühnenpräsenz zeigt, dürfte so schnell nicht zu überbieten sein. So bieten die Sängerinnen und Sänger ein bunt schillerndes Panoptikum an Charakteren unterschiedlicher Epochen und Schichten und bringen sich mit ihrem Auftritt an diesem Abend erneut als ganz heißen Anwärter auf den Titel „Chor des Jahres“ ins Gespräch.
Auch die Solisten, bis auf die als Gäste nach Stuttgart zurückgekehrten Erin Caves in der männlichen Hauptfigur des German und der dessen Kumpel Tomski verkörpernden Vladislav Sulimsky allesamt Mitglieder des Stuttgarter Ensembles, überzeugen ohne große Abstriche und weisen sich wieder einmal nicht nur als bewährte Sängerinnen und Sänger aus, sondern – und anders geht dies in Stuttgart sowieso nicht – auch als phänomenale Darstellerinnen und Darsteller.

Als solche verdienen schon wegen ihres Rollenumfangs der bereits genannte Erin Caves und die ihm als Subjekt seiner Begierde Lisa quasi zur Seite gestellte Rebecca von Lipinsky besondere Hervorhebung. Beide füllen ihre Rollen mit inniger Hingabe und großem Melos aus und nehmen mit klarer und feiner Stimmführung für sich ein, wobei sie trotz rollenbedingter dramatischer Spitzen und Höhen nie in bei manch anderen Darstellern zu befürchtende Übertreibungen abgleiten.
Bei den Nebenrollen verdient sich neben der bereits hervorgehobenen Helene Schneiderman vor allem die Polina der Stine Marie Fischer höchstes Lob, und das weiß Gott nicht nur, weil sie als „große Blonde“ eine der optisch auffälligsten und schauspielerisch präsentesten Akteurinnen des Abends ist. Aber auch Maria Theresa Ullrich als Gouvernante und Yuko Kakuta als Lisas Freundin Mascha glänzen in ihren jeweiligen Rollendebüts – was übrigens bis auf Vladislav Sulimsky für alle an diesem Abend auf der Bühne Stehenden gilt – mit einer äußerst passablen und rollengerechte Leistung.
Bei den männlichen Darstellern sind neben dem bereits erwähnten, mit einer angenehm sonoren Baritonstimme ausgestatteten Vladislav Sulimsky vor allem Shigeo Ishino zu nennen, der den Grafen Jeletzki, Lisas auserwählten Ehemann, äußerst glaubhaft als soignierten und aus dem sonst vorherrschenden Milieu herausfallenden Charakter gibt. Torsten Hofmann als Tschekalinski, David Steffens als Surin, Gergely Németi als Tschapilitzki sowie Michael Nagl, noch dem Opernstudio angehöriger „Sänger-Azubi“, als Narumov vervollständigen stimmlich wie darstellerisch makellos die Clique um Tomski-Sulimsky, die zu jeder Zeit erfolgreich versucht, German-Caves zu nerven und bloßzustellen.

Oper Stuttgart / Pique Dame - Gräfin, Lisa und German © A.T. Schaefer

Oper Stuttgart / Pique Dame – Gräfin, Lisa und German © A.T. Schaefer

Das Premierenpublikum, unter das sich zahlreiche Prominenz aus der lokalen wie regionalen Kulturszene, Politik und Wirtschaft gemischt hatte, dankte mit Bayreuth-artigem, zwanzigminütigem frenetischer Beifall allen Beteiligten. Die Mitglieder des Regieteams waren also genauso wie der bereits erwähnte Stuttgarter GMD Sylvain Cambreling und sein Staatsorchester, der Leiter des Opernchores Johannes Knecht und seine an diesem Abend aus zwei Teilen bestehender Gefolgschaft, der Staatsopernchor und der Kinderchor, sowie alle Solistinnen und Solisten dieser mitreißenden Opernproduktion gleichberechtigte und verdiente Adressaten dieses kaum enden wollenden Beifalls.
Dieser denkwürdige Opernabend hatte kurz vorher – genauso wie Germans Leben nach einer von dessen letzten Fragen – sein Ende gefunden. Es war dies das an das Existenzielle rührende:

„Was ist unser Leben? Ein Spiel!
Gut und Böse? Hirngespinste!
Arbeit und Ehrlichkeit? Weibermärchen!“

Auf dem Heimweg durch den inzwischen fast dunklen Stuttgarter Schlossgarten leuchtete dem Rezensenten ein Plakat des Stuttgarter Einkaufszentrums Gerber mit der Botschaft entgegen: “Gerber ist Shopping.“ Angesichts der momentan nicht nur in Stuttgart zu beobachteten Aufrüstung mit weiteren Shopping-Malls und dem Konsumrausch vieler Zeitgenossen ist der kritische Beobachter versucht, diesen Slogan in „Das Leben ist Shopping“ abzuwandeln. Vor dem Hintergrund der zurückliegenden drei aufrüttelnden Theaterstunden entpuppt sich eine solche Sicht zwar als zu einfach, sie scheint aber zeitgemäß zu sein und ist damit durchaus ein passender Beitrag zum großen Thema dieses Opernabends, dem Spiel mit Zeiten, Rollen und Ansichten.

Pique Dame an der Oper Stuttgart:  Weitere Vorstellungen am 14., 24. und 27. Juni sowie am 01., 06. und 24. Juli 2017

 

Chemnitz, Theater Chemnitz, Premiere Pique Dame von Pjotr Tschaikowsky, 26.11.2016

November 7, 2016 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Chemnitz

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Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz

Pique Dame von Pjotr Tschaikowsky

Text von Modest Tschaikowsky nach der gleichnamigen Novelle von Alexander Puschkin, Aufführung in russischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: 26. November 2016, 19.00 Uhr im Opernhaus Chemnitz

Theater Chemnitz / Plakatmotiv zu Tschaikowskys "Pique Dame" © Oper Chemnitz

Theater Chemnitz / Plakatmotiv zu Tschaikowskys „Pique Dame“ © Oper Chemnitz

Die Geschichte : Ganz Paris war früher verrückt nach ihr, der „Venus von Moskau“. Nun ist sie nur noch eine alte Gräfin, doch eine mit einem bemerkenswerten Geheimnis: Im Spiel hoch verschuldet, schenkte sie einst dem sagenumwobenen Grafen St. Germain eine Liebesnacht – so sagt es zumindest die Legende – für das Wissen, mit welchen drei Karten man im Pharo-Spiel immer gewinnt. Seitdem trägt sie den Spitznamen Pique Dame. Nun ist es ihre Enkeltochter Lisa, die den Stein ins Rollen bringt. Lieblos verlobt mit dem Fürsten Jeletzky, verliebt sie sich in den Ingenieur Hermann. Doch der ist ebenso sehr an dem Geheimnis ihrer Großmutter interessiert wie an ihrer Liebe. Es kommt zu dramatischen Verwicklungen, die sich während eines Balls, in diversen Schlafgemächern und einem Kasernenzimmer entfalten, in einem Zufalls-Mord kulminieren und, wie könnte es anders sein, im Spielcasino ihren Showdown finden.

Tschaikowskys Oper : Wie so viele Opern der russischen Romantik geht auch Pique Dame auf eine Vorlage Alexander Puschkins zurück. Im Libretto, das Pjotr Tschaikowsky Ende der 1880er-Jahre von seinem Bruder Modest eingerichtet bekam (der es zunächst für einen anderen Komponisten erstellt hatte), mischen sich typische Themen jener Zeit: Die Verlockung unermesslichen, leicht gewonnenen Reichtums als Alternative zu einer großen Liebe, die auf Erden aber wenig Chancen bekommt. Außerdem die Spielsucht und das gesellschaftliche Korsett durch die Etikette bei Hofe und beim Militär.
Tschaikowsky hatte über viele Jahre hinweg lukrative Beziehungen zu seiner ganz persönlichen Pique Dame – der Mäzenin Nadeshda von Meck, die ihn mit regelmäßigen Geldspenden förderte, und das, obwohl er sie nie von Angesicht getroffen hatte. Als Tschaikowsky ihr das Libretto schickte, brach sie plötzlich alle Beziehungen ab – ob als Reaktion hierauf oder einem anderen Grund, bleibt Spekulation.

Der Komponist befand sich zur Entstehungszeit längst im Zenit seines Könnens. Im Unterschied zur sehr lyrischen Partitur von Eugen Onegin, wohl die berühmteste seiner Opern, blättert Pique Dame eine große Stilvielfalt auf, vom einfachen Volkslied über ein Mozart abgelauschtes Schäferspiel, bewegende Arien, geisterhafte Chöre bis hin zu dramatischen Ensembles und Szenen.

Musikalische Leitung: Michael Güttler, Inszenierung: Helen Malkowsky, Bühnenbild: Hermann Feuchter, Kostüme: Henrike Bromber, Chöre: Stefan Bilz, Pietro Numico

Mit: Viktor Antipenko (Hermann), Matthias Winter (Graf Tomskij und Plutus), André Riemer (Tschekalinskij), Magnus Piontek (Ssurin), Tiina Penttinen (Die Gräfin), Maraike Schröter / Iordanka Derilova (Lisa), Alexandra Sherman (Polina und Daphnis), Andreas Beinhauer (Fürst Jeletzkij), Hubert Walawski (Tschaplitzkij / Festordner), Eric Ander (Narumov), Guibee Yang / Franziska Krötenheerdt (Mascha und Chloe)
Opernchor der Oper Chemnitz, Kinder- und Jugendchor der Oper Chemnitz, Robert-Schumann-Philharmonie

Zur Inszenierung : Regisseurin Helen Malkowsky und ihr Team mit Hermann Feuchter (Bühne) und Henrike Bromber (Kostüme) fokussieren in der Chemnitzer Neuinszenierung die fast wie Fieber anmutende subjektive Wahrnehmung des Protagonisten Hermann, in der Gewissensnöte, Begierde, Geistererscheinungen und Minderwertigkeitskomplexe eine leidenschaftliche Mesalliance eingehen – mit tödlichem Ausgang. Das Amorphe, die Unschärfe des Realitätsgrades der jeweiligen Szene inspirierten dabei auch Hermann Feuchter zu seinem Bühnenbild.

Zum Inszenierungsteam : Michael Güttler (Musikalische Leitung)
stammt aus Dresden und studierte nach seiner Ausbildung in den Fächern Violine, Trompete, Klavier und Chordirigieren im Fach Orchesterdirigieren an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“. Von 1998 bis 2002 war er der jüngste Chefdirigent Österreichs am Stadttheater Klagenfurt. Seit 2003 ist er ständiger Gastdirigent des Mariinski-Theaters. Sein umfangreiches Repertoire weist eine große stilistische Vielfalt auf, die sich von der Barockmusik bis zur zeitgenössischen Musik spannt. Er arbeitete u. a. mit dem Israel Philharmonic, dem Orchestre de Paris, RAI Torino, Concerto Köln, der Moskauer Philharmonie, dem Schwedischen Radiosinfonieorchester sowie an den Opernhäusern in Washington, Düsseldorf, Hamburg, Madrid, Lissabon, Tokyo, Wien, Nizza, Frankfurt, Malmö, Jekaterinburg, an der Opéra Bastille, dem Théâtre des Champs-Élysées und in der Arena di Verona. Seit 2013 ist er Chefdirigent der Finnischen Nationaloper Helsinki.

Helen Malkowsky (Inszenierung) : stammt ebenfalls aus Dresden und war nach ihrem Studium als Regieassistentin in Saarbrücken, Basel und bei den Bayreuther Festspielen tätig, wo sie u. a. Herbert Wernicke und Claus Guth assistierte. Von 2004 bis 2008 war sie Oberspielleiterin am Staatstheater Nürnberg und von 2010
bis 2013 Operndirektorin am Theater Bielefeld, jeweils mit zahlreichen eigenen Inszenierungen. Darüber hinaus arbeitete sie als Gastregisseurin (u. a. „Parsifal“ in Kassel, „Mazeppa“, „Stiffelio“ und „Katja Kabanova“ in Krefeld-Mönchengladbach). Immer wieder widmet sie sich auch der szenischen Ausbildung junger Sängerinnen und Sänger. Sie leitete das Internationale Opernstudio des Staatstheaters Nürnberg und erarbeitete Hochschulproduktionen an der Universität der Künste Berlin, der Hochschule für Musik Dresden und der Folkwang Universität der Künste Essen. An der Oper Chemnitz inszenierte sie bereits Verdis „Don Carlos“, Korngolds „Die tote Stadt“, Donizettis „Lucia di Lammermoor“ sowie die Deutsche Erstaufführung von Peter Eötvös‘ „Paradise Reloaded (Lilith)2.

Hermann Feuchter (Bühne) : studierte Bühnen- und Kostümbild am Mozarteum in Salzburg. Nach Assistenzen an verschiedenen Theatern ist er seit 1983 als freischaffender Bühnenbildner tätig. Mit Nicolaus Brieger arbeitete er wiederholt an den Opernhäusern in Stuttgart, Berlin (Staatsoper Unter den Linden), München und Frankfurt a. M. zusammen. Weitere Regisseure, mit denen Hermann Feuchter regelmäßig zusammenarbeitet, sind Veit Volkert, Barbara Mundel, Elisabeth Stöppler, Anselm Weber, Karoline Gruber, Andreas Baesler und Helen Malkowsky. Seine Gastengagements führen ihn regelmäßig an die großen Opernhäuser im deutschen Sprachraum, zu den Salzburger und Bregenzer Festspielen sowie nach Japan. Neben seiner Arbeit für die Bühne ist Hermann Feuchter als Maler und Rauminstallateur tätig. In Chemnitz gestaltete er bereits die Bühne für Peter Eötvös‘ „Paradise Reloaded (Lilith)“.

Henrike Bromber (Kostüme) : geboren in Frankfurt a. M., war zunächst als Damenschneidermeisterin an den Städtischen Bühnen ihrer Heimatstadt, anschließend als Kostümassistentin und Kostümbildnerin tätig, bevor sie in Hamburg das Studium zur Gewandmeisterin absolvierte. Von 1994 bis 1998 war sie Kostümdirektorin und Ausstatterin am Theater Vorpommern. Seitdem arbeitet sie freischaffend und übernahm regelmäßig Gesamtausstattungen für das Schauspiel Frankfurt am Main. Sie entwarf Kostümbilder für Opernhäuser im In- und Ausland wie Staatsoper Hamburg, Semperoper Dresden, Aalto Theater Essen, Opera de Nantes und Nikikai Opera Tokio. Für die Kostüme zu „Alice in Wonderland“ (Theater Bielefeld), „Die lustige Witwe2 (Staatstheater Cottbus) und „Giulio Cesare in Egitto“ an der Hamburgischen Staatsoper nominierte die Zeitschrift OPERNWELT sie jeweils zur Kostümbildnerin des Jahres. An der Oper Chemnitz entwarf sie die Kostüme für Peter Eötvös‘ „Paradise Reloaded (Lilith)2.

In den Hauptpartien
Viktor Antipenko (Hermann) : wurde in St. Petersburg geboren. Nach dem Studium am St. Petersburger Konservatorium und ersten Erfolgen am Mariinski-Theater folgten Auftritte im Rahmen der Academy of Vocal Arts in Philadelphia. Am Bolschoi-Theater debütierte er als Don José und gastierte in dieser Partie beim Allentown Symphony Orchestra, in Sotschi, Las Vegas und Fairbanks (Alaska). Gefeiert wurden außerdem seine Auftritte als Malcolm in „Macbeth“ unter Kazushi Ono sowie als Hirte
in „Tristan und Isolde“ an der Opéra National de Lyon. In jüngster Zeit war er als Lohengrin in Rouen und Sao Paulo zu erleben, als Luigi in Puccinis „Il tabarro“ in Florida, als Dimitri in „Boris Godunow“ in Karlsruhe, als Vaudemont in „Iolantha“ in New York sowie als Pinkerton am Teatro Mancinelli in Orvieto. Dort sang er auch den Andrej in Tschaikowskys „Mazeppa“. In der Spielzeit 2016/2017 singt er an der Oper Chemnitz auch die Titelpartie in Wagners „Parsifal“.

Maraike Schröter (Lisa) : studierte Gesang an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ bei Julia Varady, Brenda Mitchell und Christine Schäfer. Meisterkurse bei Dietrich Fischer-Dieskau, Francisco Araiza und Deborah Polaski ergänzten ihre breit gefächerten Studien. Von 2011 bis 2013 war sie Mitglied im Internationalen Opernstudio der Staatsoper Berlin. Seit 2013 ist sie Ensemblemitglied der Oper Chemnitz und war dort bisher als Donna Anna in „Don Giovanni“, als Elisabetta in „Don Carlos“, als Desdemona in „Otello“ sowie als Infantin in „Der Zwerg“ zu hören. Gastspiele führten sie zuletzt als 1. Dame an die Staatsoper Berlin und zu den Bregenzer Festspielen sowie als Chrysothemis in „Elektra“ an das Staatstheater Cottbus. Aktuell ist sie in ihrem Stammhaus als Eva in „Die Meistersinger von Nürnberg“ sowie als Liù in „Turandot“ zu hören.

Iordanka Derilova (Lisa) : ist in Sofia geboren und studierte in Rom bei Aleksandrina Milcheva. Sie debütierte am Opernhaus Burgas und sang in der Nationaloper Sofia und in fast allen Opernhäusern Bulgariens. 1998 folgte ein Festengagement an der Staatsoper Prag. 2000/2001 wurde sie für die Rolle der Amelia in „Ein Maskenball“ am Nationaltheater Mannheim engagiert und sang mit großem Erfolg Aida in Japan zusammen mit dem Tenor José Cura. Sie singt auf Opernbühnen in Italien, der Schweiz, Holland, Litauen, Zypern, Katar, der Türkei, Russland, Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakei und Deutschland. 2003 folgte ein Festengagement am Anhaltischen Theater Dessau, wo sie Rusalka, Elisabeth, Giovanna d’Arco, Mignon, Donna Elvira, Lady Macbeth sowie Kundry sang und als Isolde debütierte, für die sie als „Sängerin des Jahres“ in der Zeitschrift OPERNWELT nominiert wurde. 2012 folgte ihr Debüt als Brünnhilde (Götterdämmerung) in Dessau. Weitere aktuelle Rollen ihres Repertoires sind Abigaille, Katerina Ismailova (Lady Macbeth von Mzensk), Brünnhilde (Die Walküre), Turandot und Renata (Der feurige Engel).

Opernfrühstück
Das Opernfrühstück zu „Pique Dame“ findet am Sonntag, 13. November 2016, 10.30 Uhr im Foyer des Opernhauses statt. Das Regieteam wird einen Einblick in die Premierenvorbereitungen gewähren, begleitet von musikalischen Beiträgen durch Solisten des Ensembles. Der Eintritt kostet 5,- €.

—| Pressemeldung Theater Chemnitz |—

Berlin, Philharmonie Berlin, Dmitri Hvorostovsky – Willkommen wieder in Berlin!, IOCO Kritik 24.10.2016

Oktober 31, 2016 by  
Filed under Berliner Philharmonie, Hervorheben, Kritiken, Oper

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Berliner Philharmoniker  BA Management GmbH

Berliner Philharmonie Foto: © Reinhard Friedrich / Berliner Philharmoniker

Berliner Philharmonie  © Reinhard Friedrich / Berliner Philharmoniker

Philhamonie Berlin / Dmitri Hvorostovsky © Studio / BA Management GmbH

Philhamonie Berlin / Dmitri Hvorostovsky © Studio / BA Management GmbH

 

Dmitri Hvorostovsky – Willkommen wieder in Berlin! 24.10.2016

Nach einer längeren Abwesenheit aus Deutschland trat der sibirische Starbariton Dmitri Hvorostovsky wieder an der Berliner Philharmonie auf, der dritten Station seiner kurzen Konzerttournee durch Deutschland, neben Frankfurt, Stuttgart und München.

Herzlichst wurde er vom Publikum – zum großen Teil auch aus russischen Mitbürgern bestehend – aufs herzlichste empfangen und präsentierte ein großartiges Programm aus russischer und italienischer Musik, begleitet vom Orchester der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg unter dem Dirigat von Constantine Orbelian.

Nach einem energiegeladenen Auftakt mit der Ouvertüre zur Oper „Ruslan und Ludmilla“ von dem russischen Komponisten I. Glinka, erschien dann, mit stolzer Haltung und seinem strahlend weißem Haar, der Star des Abends. Im ersten – russischen – Teil des Programms, bot er seinem Publikum fünf überwiegend weniger bekannte Opernarien der Komponisten Mussorgski, Rubinstein, Tschaikowski, Rachmaninow und Borodin, mit dazwischen noch zwei weiteren rein musikalischen Einlagen; dem „Tanz der Narren“ aus „Schneeflöckchen“ und der Polonaise aus „Eugen Onegin“, beide von Tschaikowski.

Mit gewohnter musikalischer Professionalität und stimmlicher Ausdruckskraft gestaltete er alle gesanglichen Werke in seiner heimatlichen Sprache, wobei zwei besonders hervorzuheben sind: Die Arie des Grafen Tomskij aus der Oper „Pique Dame“ von Tschaikowsky die er voller Hingabe sowie auch die Arie aus „Aleko“ von Rachmaninow, die letztere in Intensität noch überbot.

Mit der Arie „Resta immobile“ aus dem Rossinianischen „Wilhelm Tell“ wurde nach

Philhamonie Berlin / Dmitri Hvorostovsky © Studio / BA Management GmbH

Philhamonie Berlin / Dmitri Hvorostovsky © Studio / BA Management GmbH

der Pause der zweite, italienische Teil des musikalischen Abends eingeleitet, gefolgt von den Arien aus Verdis Oper, „Der Troubadour“, „Don Carlos“ und „Rigoletto“, aus der er die packende Arie „Cortigiani, vil razza dannata“ voller Inbrunst sang. Zwischen den Arien spielte das Orchester der Russischen Kammerphilharmonie zwei weitere Höhepunkte der italienischen Opernmusik; das Orchestervorspiel zum 3. Akt aus „Ein Maskenball“ von Verdi und das berühmte Intermezzo aus dem Meisterwerk des italienischen Verismus „Cavalleria Rusticana“.

Bisher hatte weder das Orchester noch die Leitung des russisch/armenischen Dirigenten, mit seinen gehetzten Tempi wirklich ganz überzeugen können, doch das Intermezzo gestaltete sich zu einem gefühlvollen Hochgenuss.

Mit enthusiastischem Applaus und Blumensträußen belohnte das Publikum, insbesondere die treuen Fans, den Weltstar-Bariton, der als einzige Zugabe das weltbekannte russische Volkslied „Ochi chornyje“ („Schwarze Augen“) von Nikolai Kalinin, wie immer mit großer Leidenschaft und Hingabe sang und so sein Berliner Konzert beendete.

Zusammenfassend sei gesagt, dass es ein sehr schöner musikalischer Abend mit wunderbarer Musik, einem sehr herzlichen Publikum und einem großen Sänger war, bei dem, abgesehen von der wundervollen, männlichen, warmgefärbten Baritonstimme, auch nie an musikalischer Professionalität und Bühnenpräsenz fehlt, jedoch man insgesamt seine übliche Ausstrahlung etwas vermisste und man ihm die Anstrengung ansehen und anhören konnte. Zur Erklärung muss an dieser Stelle erinnert werde, dass sich Dmitri Hvorostovsky seit dem Sommer 2015 wegen einer schweren Krankheit in ärztlicher Behandlung befindet und sich auch noch kurz vor dieser Tournee einer weiteren Chemotherapie unterziehen musste. Es ist somit besonders bewundernswert, welche gesangliche Qualität und wie viel Ausdruck er dank seines starken Willens und großen Energieeinsatzes an diesem Abend trotzdem vorführen konnte. Chapeau Herr Hvorostowsky – und die aller besten Wünsche!

IOCO / G.G. / 24.10.2016

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