Chemnitz, Theater Chemnitz, Der Ring des Nibelungen – Richard Wagner, IOCO Kritik, 26.04.2019

April 26, 2019 by  
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Theater Chemnitz

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Der Ring des Nibelungen – Richard Wagner

Osterfestspiele des Theater Chemnitz – Wagner aus feministischer Sicht

von Thomas Thielemann

Als aus Chemnitz die Information kam, man werde eine Neuinszenierung von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen von vier unterschiedlichen Regisseurinnen im Zeitraum vom 3. Februar 2018 bis zum 1. Dezember 2018 auf die Bühne bringen, waren wir für die Premierenbesuche verhindert. Deshalb nutzten wir die Ostertage 2019, in denen das Theater Chemnitz den gesamten Ring des Nibelungen (Das Rheingold, Die Walküre, Siegfried, Götterdämmerung) auf die Bühne brachte. Gegenüber den Premieren gab es in diesen Produktionen jedoch mehrere Umbesetzungen.

Das Rheingold   –  Richard Wagner
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Im Vorfeld, auch ob der reichen Premieren – Berichterstattung –   gab es die Frage, wie geht es, diese „Männeroper“ in weibliche Hände, Regisseurinnen, zu geben und, wird es darob ein weiblicher oder feministischer „Ring“ sein? Die Meininger Arbeit der Christine Mielitz von 2001 gilt als großer Wurf. Das war aber noch vor den extremen Auswüchsen des Regietheaters. Ihre Probleme waren vorwiegend organisatorischer Natur. Leider ist das Meininger Ereignis nicht dokumentiert worden.

Die von August Everding ausgebildete und von der Zusammenarbeit mit Calixto Bieto geprägte Verena Stoiber versuchte ihre Inszenierung von Das Rheingold als eine feministisch geprägte Gesellschaftskritik ohne besondere Verfremdungen zu gestalten.

Ihre Idee, Nibelheim als Hort der Ausbeutung von Frauen als Sexualobjekte und für untergeordnete Arbeiten sowie für Kinderarbeit kann man so darstellen. Auch die Thematisierung des Konsumtionswahns erscheint schlüssig. Trotz der ansonsten vielen Klischees wurde auf den Klimawandel (Wer will, dass die Welt so bleibt wie sie ist, der will, dass sie nicht bleibt) und auf die sozialen Fragen (Mitleid macht wissend ohne Schuld) nur sparsam als Graffiti an der Walhalla-Wand hingewiesen. Auf der Bühne war ständig etwas los und es gab eine Reihe guter Regieeinfälle. Statt des Tarnhelms fungierte ein Spiegel, der Goldraub wurde dargestellt, indem den Rheintöchtern die blonden Perücken abgerissen wurden.

Theater Chemnitz / Die Walküre - hier : Monika Bohinec als Fricka, Aris Argiris als Wotan © Kirsten Nijhof

Theater Chemnitz / Die Walküre – hier : Monika Bohinec als Fricka, Aris Argiris als Wotan © Kirsten Nijhof

Mit einer Travestie von Donner und Froh, die Riesen vom Kaufpreis „Freia“ abzubringen, fand ich fast genial. Die optisch reizvolle Anfangsszene mit den schwingenden Rheintöchtern leidet, weil die Rheintöchter ob der Konzentration auf die Seilbewegung nicht ordentlich singen. Wie gut sie singen konnten, erweist sich im Schlussbild. Leider wissen wir sehr wenig vom Privatleben der Regiedamen, weil sie nicht zu den Gelbseiten-Promis mit Home-Story gehören. Ob Regisseurin Verena Stoiber einen so dümmlichen Wotan zu Hause auf dem Sofa sitzen hat, wie sie uns auf der Bühne präsentiert? Ansonsten sind die Männer neben ihrer Unbedarftheit vor allem vertrottelt, Loge schurkisch sowie vom Testosteron gesteuert. Wenn ein männlicher Regisseur so eine Phallusszene mit Jukka Rasilainenen geboten hätte, so wäre das Geschrei riesig gewesen. Frauen kamen aber bei Verena Stoiber auch nicht besser weg. Die Freia als Shopping-Girl und ansonsten panisch-ängstlich und die Fricka stand letztlich nur rum. Beeindruckend der präsentable Erda-Auftritt von Bernadett Fodor.

Die Niederländerin Moniquie Wagemakers war mit ihrer Walküre zurückhalternder. Ihr Anliegen war, den Missbrauch familiärer Beziehungen zum Zweck des Machterhalts beziehungsweise zur Machterweiterung als Werkzeug einsetzen. Was natürlich bei der „Familiengeschichte Walküre“, der Vernichtung der Kinder durch den eigenen Vater gründlich schief gehen musste. Inszeniert war die Walküre letztlich „halb-szenisch“ fast ohne Requisiten. Da gab es kein Schwert, da fehlte die Weltesche.  Generell wurde von der Rampe direkt in das Auditorium gesungen, was zum besten musikalischen Eindruck der vier Abende führte. Aris Argiris war der beste Wotan- Wanderer des Zyklus  in seiner Rolle als gescheiterter Held. Dazu Anne Schuldt mit einer massiv durchgreifenden Fricka. Viktor Antipenko bot einen stimmlich sehr guten Siegmund, der seine begrenzten Möglichkeiten  beim Wälseruf hätte früher erkennen sollen. Astrid Kesslers statische Sieglinde agierte mit sicherer gut geführter Stimme. Stéphanie Müther war eine exzellente Brünnhilde, auch wenn die gewaltige Partie sie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten führte. Auch haben wir selbst an großen Bühnen eine so geschlossene Walküren-Frauenschaft  noch nicht erleben können.

Theater Chemnitz / Siegfried - hier : Daniel Kirch als Siegfried, Christiane Kohl als Brünnhilde © Nasser Hashem

Theater Chemnitz / Siegfried – hier : Daniel Kirch als Siegfried, Christiane Kohl als Brünnhilde © Nasser Hashem

Das überwiegend von der Rampe Singen erlaubte dem Generalmusikdirektor Guillermo Garcia Calvo ein besseres Eingehen auf die Belange der Solisten und ein deutlich differenziertes Musizieren im Orchester. So hervorragend hatten wir die Robert-Schumann-Philharmonie bisher nur in ihren Sinfoniekonzerten gehört; eine deutliche Steigerung des Orchesters gegenüber der Rheingold-Bespielung und der folgenden Abende. Buh-Rufe aus mehreren Publikumsbereichen waren soweit unverständlich.

Die Struktur des Siegfrieds machte es der Regisseurin Sabine Hartmannshenn am schwersten, ihren Feminismus auszuleben, kommt doch, wenn man vom Waldvogel absieht, bei Wagner erst in der Mitte des dritten Aufzugs ein weibliches Wesen auf die Szene. Deshalb ging sie noch vor dem eigentlichen Handlungsbeginn aufs Ganze und ließ den Mime mit unglaublich widerlicher Brutalität den Siegfried-Säugling aus Sieglindes Unterleib herausschneiden und diese mit einem Tritt sich ihrem Sterben überlassen. Kaum zarter ließ Hartmannshenn den Alberich eine zufällige Waldbewohnerin vergewaltigen, um dem kindlichen Hagen die Machtverhältnisse in der Männerwelt zu demonstrieren. Hagen nimmt die Belehrung an und tritt nach der Geschändeten. Dass die Regie dem Waldvogel, entzückend von Guibee Yang dargestellt, einen breiten visuellen Rahmen gab, war richtig in Ordnung. Aber warum der sympathische Vogel dann jedoch vom Wanderer ohne Anlass brutal ermordet wurde? Müssen wir bei der Regie niedere Instinkte vermuten? Die Personenführung der drei Hauptpartien war ob deren Möglichkeiten wegen der Tiefenstaffelung regelrecht mangelhaft. Mime Arnold Bezuyen rettete sich mit Extemporieren, Siegfried, Martin Iliev,  bot zwar eine gute Stimme, ist aber(noch) kein Wagnertenor. So musste der Dirigent ihn an die Rampe holen, statt auf der Bühne die kraftvolle Brünnhilde, Stéphanie Müther anzuhimmeln. Am Ende des dritten Aufzugs stand der wispernde Martin Iliev am linken und die auch körperlich präsente Stéphanie Müther am rechten Bühnenrand und der Held wurde ohne Gnade niedergesungen.

Götterdämmerung  –  Richard Wagner
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Die vergleichbar ähnliche Verteilung der sängerischen Qualitäten zwischen den weiblichen und männlichen Partien in der von Elisabeth Stöppler betreuten Götterdämmerung ließ  natürlich böse Vermutungen aufkommen. Die Gutrune der Cornelia Ptassek, die Brünnhilde der Stéphanie Müther und vor allem die die Waltraude der Anne Schuldt waren mit guter Stimmkraft angetreten, während Siegfried – Martin Iliev, der Gunther von Pierre-Yves Pruvot und vor allem Hagen, Marius Bolos, eher kläglich agierten. Auch visuell waren die Herren eher ausgeschmiert: Waltraute reiste mit Fluggerät und fallschirmrepräsentativ an, während sich der Held mit einem Kinderschlitten begnügen musste.

Mit dem zweiten Aufzug offenbart Elisabeth Stöppler ihr gesamtes Regietalent und ihr Personen-Führungskönnen und schafft eine imposante Chorszene mit all ihrer Dramatik um dann mit dem Schlussaufzug eine regelrechte Massenhinrichtung sämtlicher Testosteron-Träger zu veranstalten. Als alle Männer tot waren, kann der Selbstverbrennungs-Kanister zur Seite geschafft werden und, nachdem das Kinderschlitten-Symbol verbrannt werden konnte, zieht allgemeine Freude und Zufriedenheit ein. Der Fötus in Brünnhildes Gebärmutter ist gerettet und wehe dem Bürschlein, falls es ein Knabe werden sollte!

Nun wissen wir nicht, wie und ob die vier Regisseurinnen ihre Konzepte miteinander abgestimmt haben. Letztlich bleibt aber Richard Wagners Musik das verbindende Element. Das Theater Chemnitz hat bereits mit früheren Projekten seine Kreativität und Fähigkeit bei der Bewältigung anspruchsvoller Projekte bewiesen und dem Ansehen der Stadt Chemnitz gute Dienste geleistet. Das wäre unbedingt zu würdigen.

—| IOCO Kritik Theater Chemnitz |—

Chemnitz, Theater Chemnitz, Hamlet – Oper von Franco Faccio, IOCO Kritik, 20.03.2019

März 20, 2019 by  
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Theater Chemnitz

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Hamlet – Oper von Franco Faccio

132 Jahre verschollen – Deutsche Erstaufführung in Chemnitz,  Inszenierung von Olivier Tambosi

von Thomas Thielemann

Das Theater Chemnitz hatte zum zweiten Zyklus der deutschen Erstaufführung der Oper Hamlet (Amleto) von Franco Faccio (1840-1891) eingeladen.

Der dreiundzwanzigjährige Schriftsteller Arrigo Boito (1842-1918) dichtete in Anlehnung des Shakespeare-Dramas Hamlet für seinen Schulfreund, den fünfundzwanzigjährigen Komponisten Franco Faccio, in den 1860er Jahren das Amleto-Libretto.

Hamlet – Oper von Franco Faccio
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William Shakespeare schuf sein Bühnenstück The Tragicall Historie of Hamlet, Prince of Denmarke zwischen Februar 1601 und Sommer 1602. Von einer Vielzahl von nordischen Legenden angeregt, die der Chronist „Saxo Gramaticus“ im 13. Jahrhundert in seiner „Gesta Danorum“ aufbewahrt hatte, war über das tragische Schicksal eines dänischen Prinzen sein Bühnenwerk gestaltet worden. Wohl der Tod eines ihm verwandten Mädchens, das im Alter von zweieinhalb Jahren beim Blumenpflücken ertrank und den fünf Jahre alten William tief beeindruckte, verdanken wir die Figur der Ophelia in der Tragödie.

Arrigo Boito hatte das Libretto so eng als möglich an Shakespeare angelehnt, reduzierte die 19 Szenen auf sieben, beließ aber die Zitate der großen Monologe „Sein oder Nichtsein“; „Oh, dass auch dieses feste Fleisch schmelzen würde“; „Der Rest ist Schweigen“ u. a.. Er verwendete auch eine größere Vielfalt von Versformen und Ausdrücken, die sich in seinen späteren Shakespeare-Libretti nicht mehr finden.

Franco Faccio komponierte dafür eine hochdramatische, aber wenig poetische Musik. Eingängige Melodien fehlen ebenso wie profilierte Themen für die Neben-Charaktere. Selbst die leidgeprüfte Ophelia bleibt, wie alle Mitspieler des Titel-Tenors, seltsam farblos. Von der Stilistik scheint  der späte  Verdi vorweggenommen.

Theater Chemnitz / Hamlet von Franco Faccio - hier : Hamlet, Getrud und Claudius © Nasser Hashemin

Theater Chemnitz / Hamlet von Franco Faccio – hier : Hamlet, Getrud und Claudius © Nasser Hashemin

Mit der Komposition des Librettos haben diese beiden Burschen die erste Vertonung eines Shakespeare-Stoffes in der Reihe italienischer Shakespeare-Vertonungen geschaffen und damit eigentlich die Opernwelt von Kopf bis Fuß erneuert.

Obwohl insbesondere Arrigo Boito an die Tragödie in vier Akten viele Erwartungen und Hoffnungen knüpfte, führte die begeistert aufgenommene Premiere im Teatro Carlo Felice in Genua am 30. Mai 1865 nicht zu einem nachhaltigen Erfolg. „Die Oper sei nicht melodisch genug“. Eine überarbeitete Fassung des Amleto geriet am 12. Februar 1871 an der Mailänder Scala dann zum Misserfolg, weil der Tenor der Titelrolle „vollkommen ohne Stimme und desorientiert“ kaum zu hören war. Entmutigt vernichtete Faccio Teile des Notenmaterials, bemühte sich nicht weiter um seine Komposition und begnügte sich als erfolgreicher Dirigent vor allem Verdi-Kompositionen zum Erfolg zu verhelfen. Auch Boito konzentrierte sich auf seine Schriftsteller–Arbeit, komponierte die Erfolgsoper Mefistofele und ist uns vor allem als Verdi-Librettist ein Begriff geworden. Selbst Bemühungen des Faccio-Schülers Antonio Smareglia um die Partitur blieben erfolglos.

Mehr als hundert Jahre haben die Fragmente dieser Arbeit von Arrigo Boito und Franco Faccio in den Archiven des Musikverlages Ricordi geschlummert, bis der amerikanische Musikwissenschaftler und Dirigent Anthony Barrese im Jahre 2003 begonnen hat, diesen Schatz zu heben. Mit einigen Helfern sichtete er mit erheblichen Mühen das Material, das zum Teil auf Mikrofilm oder als verblasste Autographen zur Verfügung stand. Nach Variantenvergleichen und über die Erstellung einer Klavier-Vocal- Partitur  vervollständigte er bis zum Dezember 2004 die Oper Amaleto.

Auf die Bühne brachte der Perfektionist Antonio Barrese seine Rekonstruktion nur schrittweise. Erst mit der ersten Wiederaufführung 2014 in Albuquerque (New- Mexiko) war Amleto der Opernbühne zurück gegeben. Nach Europa kam die Opernrekonstruktion am 20. Juli 2016 mit einer opulenten Inszenierung von Olivier Tambosi bei den Bregenzer Festspielen. Aus Unsicherheit, wie das verwöhnte Publikum diese „Neuheit“ aufnehmen werde, gab es in Bregenz nur ganze drei Aufführungen.

Die Oper Chemnitz übernahm die Bregenzer Arbeit mit dem gefragten Regisseur nebst dessen Ausstatter-Team für eine deutsche Uraufführung und brachte eine faszinierende Inszenierung auf die Bühne.

Theater Chemnitz / Hamlet von Franco Faccio - hier : Hamlets Vater erscheint als Geist © Nasser Hashemin

Theater Chemnitz / Hamlet von Franco Faccio – hier : Hamlets Vater erscheint als Geist © Nasser Hashemin

Die Handlung springt mit dem Krönungsfest und einem Trinklied des neuen Königs mitten ins Geschehen. Diese Feststimmung mit dem Trinklied kehrte im Schlussakt wieder, wobei sich die Situation zur allseits bekannten skurrilen Mordserie entwickelt. Damit erhält die Handlung einen Rahmen, in dem Olivier Tambosi den traurig-zögerlichen Prinzen als den Rächer, den Liebhaber, den Sohn, den Philosophen, den Intriganten und den Theaterkritiker in jedem Part Glaubwürdigkeit verschafft.

Die Bühne des Frank Philipp Schlößmann und die historisierten Kostüme der Gesine Völlm streng in Rot-Schwarz-Weiß sowie eine gekonnte Lichtregie des Davy  Cunningham schaffen eine permanent gespenstige Grundstimmung. Eine Ausnahme bietet nur das in Grün-Beige gestaltete Schauspiel, von Boito als Persiflage auf das Opernwesen seiner Zeit gestaltet.

Mit gekonnter Personenführung, intensiver Einbeziehung des perfekten Chores, der Tänzerinnen und kreativer Nutzung der Drehbühne schafft er, die übrigen Protagonisten mit Hamlet in Beziehung zu bringen. Da ist vieles konzentriert, bündig und schlagkräftig. Vor allem ab dem dritten Akt steigert sich die Aufführung.

Die Musiker der Robert-Schumann-Philharmonie mit dem Dirigat des Dan Raciu bringen neben einer ausgereiften Sängerbegleitung vor allem die den Schöpfern der Oper so wichtige sinfonische Ausmalung der Partitur zur Geltung.

Für die Hauptrollen waren ausgezeichnete Sängerdarsteller aufgeboten worden. Mit packend intensivem Spiel und mit nüchtern-heller flexibler Tenorstimme gab der Spanier Gustavo Peña dem zerrissenen Titelhelden die notwendige Struktur. Dem König Claudius in seinem fiesen Denken wurde von Pierre-Yves Pruvot mit seinem dunkel-bedrohlichem Bariton überzeugende Wirkung verschafft. Als Hamlets Mutter Gertrud sang und spielte Katerina  Hebelkova mit einem dunklen Mezzo in der Tiefe und gleisnerisch in der Höhe die dramatischen Glanzpunkte der Aufführung. Packend war die Ophelia von Guibee Yang mit ihrem weichen strömenden Sopran in den Szenen ihrer Liebe und Verzweiflung.

Theater Chemnitz / Hamlet von Franco Faccio - hier : Ophelia und Hamlet © Nasser Hashemin

Theater Chemnitz / Hamlet von Franco Faccio – hier : Ophelia und Hamlet © Nasser Hashemin

Wären noch zu erwähnen: der elektronisch-akustisch verstärkte Bass-Bariton von Noé Colín als bedrohlich tönender Geist des ermordeten Vater  Hamlets, das ordentlich besetzte Freundespaar des Titelhelden Horatio – Marcello mit Ricardo Llamas Márques und Matthias Winter sowie der etwas schwächere  Laertes von Cosmin Ifrim.

Wegen des Ausfalls des Polonius-Darstellers wurden die Partien des Hofmarschalls vom Bass des Hausensembles Ulrich Schneider überzeugend von der Seite zu Gehör gebracht und szenisch vom Statisten Mario Koch auf der Bühne implantiert.

Ein Sonntag-Nachmittag, der wieder einmal unser Verlangen nach Musik abseits des gängigen Repertoires gestillt hatte. Vor allem deshalb, weil diese Neuentdeckungen vor halsbrecherischen Verfremdungen geschützt sind. Letztlich bleibt aber für den von Wagner, Mahler und Bruckner verwöhnten Hörer, dass die Komposition Faccios  nicht über die erwartete Dramatik und Tiefe verfügt.

Im Spielplan des Chemnitzer Opernhauses sind noch Vorstellungen der zu empfehlenden Hamlet-Inszenierung am 29. März, am 28. April und am 5. Mai 2019 aufgeführt.

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