Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2019, Tristan und Isolde – Richard Wagner, IOCO Kritik, 20.08.2019

August 20, 2019 by  
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Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

Tristan und Isolde  –  Richard Wagner

„Lass den Tag dem Tode weichen!“

von  Julian Führer

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Die Handlung ist schnell erzählt: Isolde und Tristan lieben sich, ihre Liebe wird entdeckt, sie widerspricht den Konventionen der Gesellschaft, beide sterben. Um Richard Wagners „Handlung in drei Aufzügen“ ranken sich Geschichten und Legenden. Aus Wagners Biographie heraus wurde das Liebespaar Tristan und Isolde mit Wagner selbst und Mathilde Wesendonck in Bezug gesetzt. Die Inszenierung von Claus Guth in Zürich (2008) und Düsseldorf (2010) war ganz diesem biographischen Ansatz verpflichtet. Andere wiederum betonen den musikgeschichtlichen Quantensprung, den die Partitur des Tristan darstelle; das Ausbrechen aus der bis dahin auch bei Wagner vorherrschenden harmonischen Struktur und die stark von Chromatik geprägte ganz neue Klangsprache. Ein dritter wesentlicher Aspekt der Tristan-Rezeption ist der ‚mörderische‘ Charakter der Partitur. Die Uraufführung des 1859 vollendeten Werkes war für 1862/1863 in Wien geplant, wurde jedoch nach über 70 Proben abgesagt; der Tristan der schließlich 1865 in München erfolgten Uraufführung, Ludwig Schnorr von Carolsfeld, starb wenige Wochen nach der Uraufführung mit nur 29 Jahren. Die Dirigenten Felix Mottl und Joseph Keilberth brachen während Tristan-Vorstellungen am Pult zusammen und starben.

 Bayreuther Festspiele 2019 / Tristan und Isolde - hier : Stephen Gould als Tristan und Petra Lang als Isolde © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Tristan und Isolde – hier : Stephen Gould als Tristan und Petra Lang als Isolde © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Tristan und Isolde – 2015 von Katharina Wagner inszeniert

Die Bayreuther Inszenierung von Katharina Wagner, die 2015 Premiere hatte und 2019 zum letzten Mal gezeigt wird, spitzt die Vorlage ihres Urgroßvaters noch einmal zu. Im ersten Aufzug ist ein Treppenlabyrinth zu sehen (Bühne: Frank Philipp Schlößmann und Matthias Lippert). Als der Vorhang sich öffnet, drängen Tristan (Stephen Gould) und Isolde (Petra Lang) bereits einander entgegen, mühsam von ihren jeweiligen Vertrauten Kurwenal (Greer Grimsley, am besuchten Abend mit einigen Intonationsproblemen) und Brangäne (souverän und ebenso stimmlich wie darstellerisch überzeugend: Christa Mayer) gehindert. Die Liebe der beiden Protagonisten zueinander wird bei Richard Wagner an die Einnahme eines Liebestranks gebunden, doch wusste bereits Thomas Mann, dass dieser Liebestrank nur der Sichtbarmachung einer längst bestehenden Beziehung gilt. Wer den Text genau liest – und das hat Katharina Wagner zweifellos getan –, kann nicht über Isoldes mehrfache Bekenntnisse ihrer Liebe zu Tristan hinweggehen, bevor der Liebestrank ins Spiel kommt. Tristan seinerseits ist im ersten Akt deutlich weniger von einem Willen getrieben als die nach Liebe und Rache dürstende Isolde. Tristan ist auch in der Vorlage merkwürdig passiv und in jedem Akt bereit, sein Leben von Isolde oder König Markes Gefolgsmann Melot beenden zu lassen.

Isolde fordert Rache für einen von ihr so empfundenen Verrat Tristans. Sie war mit dem Iren Morold verlobt gewesen, der im Kampf gegen Kornwall umgekommen ist. Aus Mitleid pflegt sie einen Krieger, von dem sie erst später bemerkt, dass er es war, der ihren Verlobten erschlug. Um Rache zu nehmen, erhebt sie die Waffe gegen den Verwundeten, ihre Blicke treffen sich, und sie ist unfähig, ihn zu töten. Der wieder gesund gepflegte Tristan erscheint nun einige Zeit später in Irland und will Isolde seinem Herrn König Marke als Braut zuführen. Isolde ist sprachlos ob des Verrats Tristans; gleichzeitig weiß sie, dass sie Marke wird heiraten müssen, wenn sie ihr Leben nicht beendet. Die Konsequenz ist für die im ersten Akt immer wieder vor Wut und Leidenschaft schäumende Isolde die Einnahme eines Todestranks und ein gemeinsames Gehen in den Tod mit dem geliebt-gehassten Tristan.

 Bayreuther Festspiele 2019 / Tristan und Isolde - hier : Stephen Gould als Tristan, Isolde, Melot, Brangäne, König Marke © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Tristan und Isolde – hier : Stephen Gould als Tristan, Isolde, Melot, Brangäne, König Marke © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Das Vorspiel zum ersten Aufzug wird vom Orchester unter Christian Thielemann erst sehr leise (im Auftakt zu leise), dann zunehmend dramatisch genommen. Das Orchester drängt chromatisch vorwärts, doch wird der berühmte Tristan-Akkord keiner Auflösung zugeführt – dies geschieht erst am Ende des dritten Aktes.

Während langer Zeit (im Zwiegespräch zwischen Isolde und Brangäne wird hier die Vorgeschichte erzählt) versuchen Brangäne und Kurwenal in dieser Inszenierung eine direkte Begegnung der beiden Hauptfiguren zu verhindern; Kurwenal blockiert hierfür auch Wege im Treppenlabyrinth, während Isolde durch das Zerreißen ihres Brautschleiers keinen Zweifel daran lässt, dass sie die Eheschließung mit König Marke nicht geschehen lassen wird. Hochfahrend in ihrer Art, ironisiert sie in Petra Langs Interpretation stimmlich die Aussagen Brangänes und Tristans. In einem entscheidenden Moment macht sich Isolde ein fahrbares Element des Bühnenbildes zunutze, um sich von den Vertrauten zu lösen und auf Tristans Ebene zu fahren. Im Text passt das zu Brangänes erschrockener Frage „Was sinnst du? Wolltest du fliehn?“ Isolde tritt Tristan mit dem Todestrank (nicht dem Liebestrank!) gegenüber und fordert ihn auf, sich ihr zu stellen. Zum langen Orchesterzwischenspiel, das die erste direkte Begegnung der beiden Personen in diesem Stück illustriert, küsst Isolde Tristan – exakt zur Regieanweisung „Isolde ist mit furchtbarer Aufregung in seinen Anblick versunken“. Tristans erste Worte „Begehrt, Herrin, was ihr wünscht“ werden von Isolde mit „Wüsstest du nicht, was ich begehre, da doch die Furcht, mir’s zu erfüllen, fern meinem Blick dich hielt?“ erwidert – im Kontext von Bühnenbild und Inszenierung schlüssig. In kaum verklausulierten Worten gesteht sie Tristan ihre Liebe und äußert ihre Forderung, gemeinsam Sühne zu trinken: „Was hast du mir zu sagen?“ Tristan weicht Isolde aus, willigt aber in die gemeinsame Einnahme des Tranks ein. Bei Wagner vertauscht Brangäne den Todestrank gegen den Liebestrank und löst damit die weitere dramatische Entwicklung aus; in der aktuellen Bayreuther Deutung hält Isolde tatsächlich den Todestrank in Händen, da die Verbindung zu den auf dem Bühnenboden verbleibenden Vertrauten unterbrochen ist.

Die folgende Szene ist optisch bezwingend gelöst: Die lange Orchesterpassage, die die Einnahme und das Wirken des Liebestranks illustriert, wird hier dahingehend zugespitzt, dass sich Tristan und Isolde jeweils den tödlichen Trank reichen, aber niemand zuerst trinken will. Parallel zum Kulminationspunkt des Orchesters verschütten beide Hand in Hand den Todestrank: Sie wollen sterben, gemeinsam, aber nicht in diesem Augenblick. Gemeinsam zerfetzen sie die Reste von Isoldes Brautschleier und reagieren nicht mehr auf die Warnungen der Vertrauten. Stephen Gould verkörpert einen zumindest stimmlich sehr kraftvollen Tristan, der mühelos die tosenden Wogen des Orchesters übertrifft, während diese Figur in ihren Bewegungen unsicher wirkt und der vorantreibenden Isolde nicht gewachsen ist.

 Riccardo Wagner _ hier eine Gedenktafel in Venedig © IOCO

Riccardo Wagner _ eine Gedenktafel in Venedig © IOCO

Das Vorspiel zum zweiten Aufzug ist sehr dramatisch bewegt; in Kornwall bei König Marke angekommen, wird eine nächtliche Jagdgesellschaft veranstaltet, die Tristan heimlich verlassen will, um Isolde zu treffen. Bei Katharina Wagner spielt die Lichtregie von Reinhard Traub eine bedeutende Rolle. Isolde und Brangäne befinden sich in einer Art Gefängnishof, der mit Folterinstrumenten zugestellt ist und von Suchscheinwerfern ausgeleuchtet wird. Hinter den Suchscheinwerfern erkennt man König Marke und seine Leute. In der Partitur Richard Wagners ist von dem Licht die Rede, das Isolde löschen soll, um Tristan das Zeichen zu geben, dass er ungefährdet kommen kann; in der aktuellen Bayreuther Deutung wird das Licht von den Suchscheinwerfern verkörpert. Isolde ist sich vollkommen klar darüber, dass sie beobachtet wird. Wie im ersten Akt sind die Vertrauten im gleichen Raum anwesend; bei Tristans Auftritt, zu dem sich das Orchester und die Gesangstimmen buchstäblich überschlagen, bemühen sich Kurwenal und Brangäne, angesichts von Markes Scheinwerfern das Liebespaar zu trennen, doch vergeblich. Ein langer Dialog thematisiert immer wieder das Licht, das als feindlich wahrgenommen wird, und zelebriert die Nacht als Gegenwelt. Licht und Tag werden Marke zugeordnet, Dunkelheit und Nacht hingegen dem Liebespaar, das sich unter einer Plane Markes Blicken mehr schlecht als recht entzieht und mit Plastikleuchtsternen die Illusion einer ungestörten Liebesnacht herbeiphantasiert. Dass diese eine Liebesnacht nur im Tod münden kann, ist beiden klar, nur sieht man dies selten so deutlich wie in dieser Umsetzung.

Bayreuther Festspiele 2019 / Tristan und Isolde - hier : vl Isolde, Brangäne (Christa Mayer), Kurwenal (Greer Grimsley) © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Tristan und Isolde – hier : vl Isolde, Brangäne (Christa Mayer), Kurwenal (Greer Grimsley) © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Das Orchester beruhigt sich zunehmend. Tristan und Isolde singen jetzt gemeinsam „O sink hernieder, Nacht der Liebe, gib Vergessen, dass ich lebe, nimm mich auf in deinen Schoß, löse von der Welt mich los“ – ihre Liebe ist ausweglos, der einzige Ausweg ist der gemeinsame Tod, es kann nur noch um den Weg dorthin gehen. Tristan und Isolde stehen nun mit dem Rücken zum Publikum; in einer raffinierten Projektion scheinen sie als Figuren in eine andere Welt hinüberzugleiten wie Cocteaus Orphée, der durch Spiegel in die Welt des Todes hinübergehen konnte. Die Phrase „Nie-wieder-Erwachens wahnlos hold bewusster Wunsch“ markiert dieses endgültige Hinübergleiten in eine Welt ohne äußerliche Bedrohung. Obwohl die Stimmen nach hinten singen, kommen sie im Publikum perfekt dosiert an – sicherlich ein großer Probenaufwand.

Was das Orchester unter Christian Thielemann hier leistet, ist kaum in Worte zu fassen: Bratschen und Celli zart, fast pointillistisch wie in einem Werk des Impressionismus, leise, doch stets präsent, dabei in einem nie unterbrochenen Legato und immer fließend. Brangänes Ruf ist allein schon ein Meisterwerk der Instrumentationskunst: zwei erste Violinen spielen eine Stimme, zwei weitere erste Violinen eine zweite Stimme, je zwei zweite Violinen haben ebenfalls eine Stimme, dazu begleitet die Hälfte der ersten und zweiten Violinen, während die Bratschen geteilt sind und deren erste Hälfte eine Art Waldweben spielt – dies alles in einem Dreivierteltakt, der kaum wahrnehmbar ist. Das eigentliche Klangwunder des Bayreuther Festspielhauses besteht darin, dass von den Orchesterstimmen jede einzelne Note genau hörbar ist, während der begleitende ‚Teppich‘ die Stimmen umspielt. Dies gelingt aber nur mit dem richtigen Dirigenten.

Wenn Isolde alleine singt, betont sie die Liebe; wenn Tristan alleine singt, betont er den Tod. Von ihm geht auch die Phrase aus „So starben wir, um ungetrennt, ewig einig ohne End‘, ohn‘ Erwachen, ohn‘ Erbangen, namenlos in Lieb‘ umfangen, ganz uns selbst gegeben, der Liebe zur zu leben“. Auf der Bühne herrscht zunehmende Todessehnsucht, durch Brangänes Warnung aus der Ferne, die Nacht neige sich dem Ende zu, noch verstärkt. Isolde singt „Lass den Tag dem Tode weichen! … Ewig währ‘ uns die Nacht!“: Das Paar versucht sich die Pulsadern aufzuschlitzen, während das Orchester zunehmend unruhig wird, von Christian Thielemann immer weiter angetrieben. Tristan und Isolde knüpfen sich zwei Schlingen, und zu den Worten „ewig, endlos höchste Liebeslust!“ lassen sie sich in die Schlingen fallen, als zu einem ungemein dissonanten Akkord des gesamten Orchesters König Marke und seine Mannen auftreten und den gemeinsamen Tod des Paares unmöglich machen.

Tristan kommentiert das Auftreten seines Herrn einzig mit „Der öde Tag zum letzten Mal!“. Der folgende Monolog König Markes (vom Orchester sparsam, aber mit sehr weicher Bassklarinette begleitet) ist eine Anklage an Tristans Adresse, aber auch Ausdruck von Verzweiflung und Selbstanklage. Georg Zeppenfeld ist ein jugendlicher Marke mit balsamischer Stimme, die in allen Lagen perfekt zur Rolle passt. Marke, der auf Melots Betreiben Tristan ausspioniert hat, verliert in Tristan seinen treuesten Gefolgsmann, in Isolde, die ihn sichtlich nicht will, die Braut, und durch sein Verhalten die Ehre. Christian Thielemann lässt die Bratschen und Celli gemäß der Partitur in einem das Festspielhaus vibrieren lassenden Fortissimo tremolieren, als Marke sich seiner Situation bewusst wird: „Die kein Himmel erlöst, warum mir diese Hölle?“ Er erhält keine Antwort, Tristan spricht nur mit Isolde, die ihrerseits im gesamten Stück nie ein Wort zu Marke spricht. Die Liebenden haben mit der Welt des Tages nichts mehr zu tun. Tristan, von Melot mit einer Augenbinde versehen, erwartet in jedem Augenblick den Tod. Marke packt Isolde und zerrt sie mit sich fort, dabei drückt er Melot, Tristans Freund, das Messer für den tödlichen Streich in die Hand. Tristan, der nichts sehen kann, spricht noch zu Isolde, die längst nicht mehr auf der Bühne ist, und wird dann von Melot niedergestreckt. Ein starkes Bild.

Im dritten Aufzug ist die Bühne zunächst praktisch leer. Rechts am Rand liegt der bewusstlose Tristan, umgeben von Kurwenal und einigen Getreuen mit Grablichtern. Das Vorspiel nimmt Christian Thielemann gemäß der Partituranweisung im Forte (und nicht im Fortissimo wie manche andere) Scheinbar endlos in die Höhe steigende Terzen und traurige Figuren in Streichern und Holz münden in ein mehrminütiges Englischhornsolo, das perfekt ausgeführt war und nur durch die Huster des Publikums gestört wurde. Es folgt ein fast 45-minütiger Monolog Tristans, nur selten durch einen Einwurf Kurwenals unterbrochen. Tristan hat erhebliche Mühe zu begreifen, wo er sich eigentlich befindet, fragt dann nach Isolde – als Kurwenal ihm eröffnet, dass Isolde unterwegs zu ihm ist, brechen bei ihm alle Dämme.

Tristan und Isolde – Christian Thielemann – hier 2016 im Interview – Gedanken zu Bayreuth, Tristan und mehr
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Das Orchester peitscht hoch, Stephen Gould wächst über sich selbst hinaus. Sicher ist diese Partie ‚mörderisch‘, allerdings hatte Wagner selbst im zweiten und dritten Aufzug Striche von insgesamt fast 170 Takten gesetzt, die allerdings bis heute meist gespielt werden, weil der Uraufführungs-Tristan Schnorr von Carolsfeld darauf bestand, die gesamte Partie ohne Striche zu singen. Stephen Gould scheint über unbegrenzte Kräfte zu verfügen. Dieser Ausnahmesänger, der in dieser Festspielsaison auch noch alle Vorstellungen des Tannhäuser singt, hat aber nicht nur Kraft, sondern auch die Möglichkeit, seine Stimme zu verändern; nur selten stemmt er die Töne, meist phrasiert er in nachvollziehbarer Weise. Dass im dritten Akt des Tristan kein Belcanto gefragt ist, versteht sich von selbst. Hier fiebert ein tödlich Verwundeter im Todesrausch, und so hört es sich auch an, während Christian Thielemann im Graben jedes Kammerflimmern und jeden Fieberschub hör- und erfahrbar macht. Auf der Bühne sieht man immer wieder Isolde in einer Art dreieckigem Zelt, doch sind diese Isolden mal kopflos, mal brechen sie auseinander, mal fallen sie von weit oben auf die Bühne und verschwinden ebenso abrupt im Dunkel, wie sie aufgetreten sind. Dieser Kniff der Regie ist eigentlich eher simpel, aber auch sehr wirkungsvoll. Als Isolde endgültig zu kommen scheint, sieht Tristan im Wahn (und mit ihm das Publikum) mehrere Isolden gleichzeitig.

Die nächste Szene wird von Katharina Wagner eher klassisch inszeniert: Tristan stirbt tatsächlich bei Isoldes Ankunft. Bald treten König Marke und Melot in Begleitung Brangänes auf, Melot und Kurwenal sterben gewaltsam. Isolde nimmt Marke nicht wahr und hört auch Brangäne nicht zu. Die Regie geht hier über die Worte Markes hinweg, der eigentlich von Brangäne über den Liebestrank in Kenntnis gesetzt worden ist und sein verzeihendes Bedauern äußert. Es bleibt der berühmte „Liebestod“. Isolde steigert sich in eine weltvergessene Verfassung hinein und „sinkt, wie verklärt, in Brangänes Armen sanft auf Tristans Leiche“, so jedenfalls die Regieanweisung. Petra Lang singt diese Passage eher zurückhaltend, aber nicht aus stimmlicher Erschöpfung heraus. Sie hält ihren toten Tristan im Arm und singt, vom fast durchgehend sehr leise und zart spielenden Orchester begleitet, bis zu ihrem letzten Ton. Als das Sehnsuchtsmotiv zum letzten Mal ertönt, packt Marke seine Braut Isolde und zerrt sie mit sich fort – wie schon zum Schluss des zweiten Aktes. Das Ende der Nacht bedeutet für beide den Tod: für Tristan als Ende der physischen Existenz, für Isolde das Ende der Liebe und ein Leben an der Seite eines ungeliebten und durchaus herrisch-brutalen Mannes, gleichsam ein emotionaler Tod. Fassungslos blickt Brangäne ihrer Herrin nach und schaut dann auf Tristans Leiche, während Christian Thielemann im Orchester den Schlussakkord formt, lange ausgehalten und im zweiten H-Dur-Akkord mit starker Grundierung in den tiefen Streichern.

Allein dieser Schlussakkord hätte den Besuch gelohnt. Die Inszenierung, die oft als düster kritisiert wurde, hat ein Konzept und eine bis zum Ende durchgehaltene Charakterisierung der Personen, sie stellt eine teilweise Neudeutung zur Diskussion und liefert damit mehr als manch andere Bayreuther Inszenierung des letzten Jahrzehnts. Für Christa Mayer, Georg Zeppenfeld, Petra Lang und Stephen Gould gab es viele Ovationen und Bravos, für Christian Thielemann kannte der Jubel des Publikums keine Grenzen.

—| IOCO Kritik Bayreuther Festspiele |—

CD – Rezension, Der Ring des Nibelungen – Richard Wagner, IOCO Kritik, 26.12.2018

Dezember 27, 2018 by  
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NAXOS / Der Ring des Nibelungen - mit Jaap van Zweden © NAXOS Deutschland

NAXOS / Der Ring des Nibelungen – mit Jaap van Zweden © NAXOS Deutschland

Der Ring des Nibelungen – Richard Wagner

Digitale Zauber aus:  Hongkong / NAXOS versus Bayreuth

Von Michael Stange

Naxos, der weltweit größte Anbieter für klassische Musik, und natürlich die Bayreuther Festspiele bietet faszinierende CD-Produktionen des Ring des Nibelungen von Richard Wagner. Michael Stange bespricht im folgenden für IOCO die folgenden Aufnahmen:

– Die Naxos-Eigenproduktion des Ring des Nibelungen unter Jaap van Zweden mit dem Hongkong Philharmonic Orchestra, entstanden in den Jahren 2015 -2018.

– Den Mitschnitt des Ring des Nibelungen der Bayreuther Festspiele von 2008 unter Christian Thielemann von Opus Arte.

Der hauseigene Naxos-Ring wurde in Hong Kong, wo das das Label seinen Sitz hat, zwischen 2015 und 2018 eingespielt. Geschuldet ist der Firmensitz der Vita des Naxos-Gründers Klaus Heymann. In Deutschland geboren setzte er seine Berufslaufbahn 1967 in Asien fort. Während des Vietnamkriegs organisierte er dort den Vertrieb einer US-amerikanischen Soldatenzeitung. Nebenher gründete er ein Versandgeschäft für Uhren, Kameras und Hifi-Artikel und importierte Klassik-LPs. In der Folge übernahm er den Asien-Vertrieb diverser unabhängiger Plattenlabel und gründete – und nicht ohne Hintergedanken – sein erstes eigenes Label Marco Polo. Die Idee war, seiner Frau, der japanischen Violinistin Takako Nishizaki, eine Plattform zu bieten, nahezu unbekannte Werke zu veröffentlichen. 1987 folgte dann die Gründung des Labels Naxos. Seitdem sind eine Vielzahl von Veröffentlichungen erschienen, die sich stets durch eine ausgezeichnete Aufnahmetechnik und qualitativ hochwertige Interpretationen auszeichnen.

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Den Tonmeistern ist es gelungen, einen Ring des Nibelungen aufzunehmen, der alle aufnahmetechnischen Finessen und Möglichkeiten des digitalen Zeitalters vollendet auf die Silberscheibe bannt. Orchester und Sänger sind perfekt aufeinander abgestimmt. Das Klangbild ist phänomenal ausbalanciert. Verblüffend gelingt auch die Erzeugung eines mehrdimensionalen Klangraums in Breite und Tiefe. Wenn die Rheintöchter im Finale des Rheingolds Wotan anrufen glaubt, sie aus der Tiefe des Rheins zu hören.

Auch Lautsprecher, die nicht durch Basslastigkeit glänzen, bringen selbst die tiefen Töne der Hörner und Pauken wirklichkeitsgetreu hervor. Diese filigrane Aufnahmetechnik und klangliche Finesse allein überwältigt.

Auf der beigefügten USB Karte erläutert Produzent und Tonmeister Phil Rowlands die Details des Aufnahmeverfahrens, wie er mit den Mikrofoneinstellungen experimentiert hat und dass das Abmischen von wenigen Minuten Aufnahmezeit oft Stunden in Anspruch genommen hat. Seine Arbeit macht die Aufnahme in tontechnischer Hinsicht zum Meilenstein und zur Messlatte für neue Opernaufnahmen.

Wem die in kompakten CD Boxen zu schwer sind, der kann den Ring auch über den Naxos Streamingdienst NAXOS Music Library in achtbaren, klangvollem 320 kbs im AAC-Format hören. Erforderlich ist dafür ein Abonnement. Alternativ bieten zahlreiche regionale Büchereien oder Bibliotheken ihren Kunden einen Zugang zur digitalen Naxos-Bibliothek an. Erhältlich ist die Naxos Aufnahme auch als Blue Ray Audio DVD. Im Downloadbereich werden weitere hochauflösende Stereo-Daten-Formate angeboten, darunter auch DSD 2.8MHZ und DSD 5.6MHZ.

Dies entspricht bzw. übertrifft die Qualität der Super Audio CDs (SACD). Aufgrund der hohen Klangqualität ist dies überaus begrüßenswert; so wird vom Tabletnutzer bis zum High-End Stream für alle Zielgruppen ein passendes Tonformat geboten. Die CD Ausgabe ist klanglich so gut gelungen, dass sie an Klangfülle, Auflösung und Tonumfang mit den anderen High-End Formaten mithalten kann und durch handliches Format überzeugt.

NAXOS / Der Ring des Nibelungen - hier: Jaap van Zweden © Ramond HoHK Phil

NAXOS / Der Ring des Nibelungen – hier: Jaap van Zweden © Ramond HoHK Phil

Jaap van Zweden zeichnet die Partitur als Erzählung ohne Prunk und Pathos; seine Tempi begleiten die Handlung in bestrickender und spannender Weise. Klangschönheit paart sich mit mitreißenden Akzenten. Der Fluss des Dramas und die Spannungsbögen werden mit den Sängern gestaltet und entwickelt. Der Orchesterklang ist durchsichtig, kraftvoll und an entscheidenden Stellen dramatisch zupackend. Das Klangbild bleibt vom Rheingold bis zur Götterdämmerung durchsichtig und ausgewogen. Streicher und Holzbläser atmen und werden nie zugedeckt.

Dadurch sind die filigranen und oft polyphonen Melodienführung der Partituren stets präsent. Van Zweeden und sein Orchester bringt die vielschichtigen, schillernden Harmonielandschaften der einzelnen Teile des Ringes brilliant zum klingen. Das balancierte Zusammenspiel lässt alle Instrumente durchscheinen und bringt Wagners Werk packend und präzise auf die Klangbühne.

Schon im Rheingold meint man beim Gesang der Rheintöchter die Sonne in die Tiefen des Rheins herabblinzeln zu sehen. Aufwühlend dramatische auch Alberichs Höhle, der 1. Akt Walküre und das Siegfried Finale. Der 3. Akt Walküre zeichnet sich durch einen Walkürenritt ohne Pathos und Blechgetöse aus. Gerade hier gelingt eine Orchesterführung, die sich ganz der menschlichen Tagödie zwischen Brünnhilde und Wotan widmet, den Sängern den Vortritt lässt und sie einfühlsam begleitet.. Die Götterdämmerung setzt dem Ganzen in ihrer Wucht und orchestralen Pracht die Krone auf. Hier merkt man, dass das Hong Kong Philharmonic Orchestra in den vier Jahren der Befassung mit Wagner seinen eigenen Stil gefunden hat und das schon im Rheingold brillante Spiel wird in der Götterdämmerung durch abgründige Orchesterfarben und noch diferrenziertes Spiel als zum Beginn der Tetralogie gekrönt.

Höchstes Niveau erreicht auch die Sängerriege. Das gesamte Ensemble ist so wortdeutlich, dass man kein Textbuch braucht. Trotz des Konzertsaals sind die Sänger darstellerisch zutiefst involviert. Der Chor der Götterdämmmerung zeichnet sich Klangschönheit, und Dynamik aus und hebt sich aus vielen Konkurrenzaufnahmen wohltuend hervor.

NAXOS / Der Ring des Nibelungen - hier : Gun-Brit Barkmin © Ka Lam/HK Phil

NAXOS / Der Ring des Nibelungen – hier : Gun-Brit Barkmin © Ka Lam/HK Phil

Beeindruckend sind auch die Solistinnen. Die Götterdämmerungs-Brünnhilde von Gun-Brit Barkmin ist ein gesanglicher Höhepunkt dieses Ringes. Mit ihrer jugendlich dramatisch, leuchtenden Stimme beherrscht sie die Partie in staunenswerter Weise. Mit berückendem, lyrisch samtweichen Timbre und leuchtender Höhe nimmt sie Abschied von Siegfried; verhangen melancholisch gestaltet sie das Wiedersehen mit Waltraute. Im Racheterzett des 2. Akts und in Brünnhildes Schlussgesangs gelingen ihr gesanglich und gestalterisch große, intensive Momente. Sie füllt die Partie stimmlich mit ihrer leuchtenden Höhe und ihrem klangschönen Sopran vollständig aus. Was für eine beeindruckende Stimme, die Schönheit, Gesangstechnik und interpretatorischen Tiefgang miteinander vereint. Sie ist eine weitere große Überraschung dieses Ringes.

Herausragend auch Heidi Melton als Sieglinde und Siegfried-Brünnhilde. Ihr hochdramatischer Sopran ist von großer Wucht. Mit beindruckende Klangfarben und glühender Gestaltungsfähigkeit gestaltet sie beide Rollen. Petra Lang ist eine klangschöne, technisch sichere Walküre-Brünnhilde. Insbesondere im 3. Akt der Walküre hat sie große lyrische Momente mit rundem warmen Ton. Michelle De Young ist als Fricka darstellerisch ungemein intensiv, fällt aber gegenüber den Sopranen mit ihrem in der Mittellage verschatteten Ton und häufigem Tremolo auch als Waltraute in der Götterdämmerung gegenüber den übrigen Sängerinnen ab.

Matthias Goerne hat bei Naxos seine ersten Wotane und den Wanderer eingespielt. Klangschön, strömend, überaus differenziert und textdeutlich lotet er die Partie aus. Sein Wotan ist von der Tragödie des Scheiterns gezeichnet und kein herrischer Gottvatervater. Allerdings fehlt ihm etwas die heldenbaritonale Wucht und die durchschlagskräftige Höhe. Gleichwohl ein interpretatorisch gelungenes und wichtiges Rollendebut. Textbehandlung und Gestaltung sind vorbildlich.

Auch die Heldentenöre sind gut besetzt. Daniel Brenna ist ein Götterdämmerungs-Siegfried von großer Poesie und heldischer Attacke. Stuart Skelton ist stimmlich mit seinem baritonalen Timbre ein heroischer Siegmund. Simon O’Neills Siegfried gelingt mit Strahlkraft und Schmelz ein eindrucksvolles Portrait des jungen Siegfried. Kim Begley ist ein differenzierter und tückischer Loge. Herausragend auch der schwarze Hagen von Eric Halvarsson. Dirigat, Sängerriege und die überirdische Klangqualität überwältigen. Ein großer Wurf und eine wichtige Ergänzung der überreichen Ring-Discografie.

Christian Thielemann setzt mit Opus Arte die Aufnahmen der Bayreuth-Ringe der neunziger Jahre fort, Daniel Barenboim folgend. Grundlage sind die Rundfunkbänder des Bayrischen Rundfunks. Der Vorzug der Aufnahme liegt in der Live-Atmosphäre. Sie fängt die Akkustik des Bayreuther Festspielhauses mit seinem verdeckten Orchester detailgetreu ein. Beim Zuhören glaubt man, im dortigen Zuschauerraum zu sitzen.

Die Klangwogen nach Wagners Vorstellung überwältigen und akkustisch wird nicht getrickst. Hifi-Enthusiasten sollten bedenken, dass tiefgestaffelter Raumklang und die Auffächerung von Sängern sowie Orchester aufgrund der akustischen Gegebenheiten des Aufnahmeortes fehlen.

Thielemann entwickelt schon im Rheingold ein mystisches Klangbild. Er beleuchtet Wagners das Wagners Musikdrama in allen Facetten von der menschlichen Tragödie über die Verstrickungen zwischen Macht, Gewalt und Leidenschaft. Tonal gelingt ein klanglich nuancierter bestrickender Zauber. Thielemanns architektonische angelegte musikalische Konzeption verbindet den inneren Zusammenhang des jeweiligen Stücks, wie auch der vier Werke zueinander. Dramatische Situationen werden durch das fließende Dirigat miteinander verknüpft; sie zerfallen nicht in lose symphonische Ausleuchtungen einzelner Passagen. Thielemann kostet schwelgerisch die Partitur aus, schafft aber auch durch teilweise rasche Tempi ein Klangbild, dass stets mitreißt.

Es ist hörbar, dass Christian Thielemann sein Musizieren auch unter dem Aspekt begreift, einen bestimmten, tradierten Musik und Dirigierstil zu bewahren. Dieser zum Teil als überholt gelten Ansatz wurde von ihm in einem Interview mit der Zeit damit begründet, dass Dirigenten wie Hans Knappertsbusch, Wilhelm Furtwängler oder Bruno Walter freier und freizügiger musiziert haben.

 Christian Thielemann © Bayreuther Festspiele / Jochen Quast

Christian Thielemann © Bayreuther Festspiele / Jochen Quast

Christian Thielemann liefert aber kein Plagiat dieser Musikgrößen ab sondern entwickelt eine überzeugende, eigenständige, auftrumpfende und mitreißende Ringdeutung. Man nimmt ihm ab, dass er den interpretatorischen Geist seiner Vorgänger aufgreift, ohne aber beispielsweise die breiten Tempi von Hans Knappertsbusch nachzuahmen. Was Thielemanns Interpretation so auszeichnet, ist dass er mit dem klang- und farbenreichen Orchester und ein furioses Klangfeuerwerk entzündet. Der musikalischen Fluss und Wagners Zuversicht, dass im Ende immer ein Anfang liegt bei ihm interpretatorisch in den besten Händen.

Das Bayreuther Orchester ist gleichsam die Nationalmannschaft der deutschen Orchester, die ihre Sommerferien mit Richard Wagner in Bayreuth verbringen. Als Team gingen sie mit Thielemann in das dritte Jahr dieser Ring Inszenierung, so dass genug Proben und Aufführungen hinter ihnen lagen, um ein packendes musikalisches Portrait abzuliefern.

Sängerisch wird hohes Niveau geboten: Albert Dohmen ist ein lyrischer, innwendiger Wotan mit großem gesanglichen Momenten. Mit Textdeutlichkeit und berückendem Timbre gestaltet er – wie Goerne bei Naxos – einen sinnenden, schicksalsergebenen Göttervater. Linda Watson singt Brünnhilde mit leuchtenden Töne und unermüdlicher Stimmkraft. Stephen Gould ist ein lyrischer Siegfried mit poetischen Ton und großer Attacke. Endrik Wottrich singt einen packenden Siegmund mit Feuer und intensiver Gestaltung. Eva-Maria Westbroek ist ein lyrische, blühende Sieglinde mit betörender Stimme und großer Strahlkraft. Kwangchul Youn ist ein bedrohlicher Hunding und Hans-Peter König ein stimmgewaltiger Hagen.

Für Thielemann-Fans und Bayreuth-Liebhaber eine ausgezeichenete Wahl. Der Mitschnitt der Bayreuther Festspiele von 2008 punktet klanglich deutlich vor dem Thielemann Ring aus der Wiener Staatsoper, der mir bei kurzem Hören hinsichtlich der Klangqualität auch für einen Rundfunkmitschnitt recht fragwürdig schien.

 Der Naxos Ring – Bayreuther Festspiele Ring :  Ein Fazit

Der Naxos Ring zieht den Hörer in den Bann. Van Zweeden geleitet den Hörer –  wiegleichsam Dante von Vergil – musikalisch erläuternd durch Wagners Welten und zieht ihn in den Bann. Klanglich faszinierend wird höchstem Niveau musiziert. Wortdeutlichkeit und Hörbarkeit aller Instrumente im Orchester machen die Aufnahme gerade für Wagner-Einsteiger und Kenner ihn zum Muss. Er präsentiert die alle Farben des Orchesters und die Vielfalt von Wagners Ring-Instrumentation in unvergleichlicher Weise.

Thielemann ist für meine Ohren intensiver, dramatisch dichter und mitreißender. Er legt jede Verstrickung dar und er entlockt der Partitur das Bayreuther Feuer. Damit hat er ein zentrales Ring-Portrait in der Bayreuther Klangtradition geschaffen und mit starker künstlerischer Handschrift eine bleibende Ringinterpretation auf Tonträger gebannt.

Richard Wagner in Venedig © IOCO

Richard Wagner in Venedig © IOCO

Beide Ringe werden Richard Wagners Werk auf hohem Niveau in unterschiedlicher Weise gerecht; zeigen sie doch eindrucksvoll verschiedene musikalische Deutungsmöglichkeiten. Beide Aufnahmen verdienen so vordere Plätze in der großen Ring Discografie.

Weitere  Empfehlungen  –  Der Ring des Nibelungen

Wer Historisches in gutem Klang sucht ist mit dem Keilberth Ring bei Testament ausgezeichnet bedient. Die Bayreuther Ring-Garde der 50er Jahre singt in Breitwand Stereo: Ein Jahrhundert Ring.

Digitales in Hollywood-Dimension liefert James Levine bei der Deutschen Grammophon. Pluspunkte sind zudem die stimmlich unerreichten heldische Wotane und der Wanderer von James Morris. Er ist der klangschönste und heldischste Wotan auf CD. Maßstäbe setzt auch Reiner Goldberg als Götterdämmerungs-Siegfried. Beeindruckend auch Hildegard Behrens als berührend menschliche Brünnhilde. Tontechnisch ist allerdings die Aufnahme des Siegfried seltsam abgemischt. Die Sänger werden zum Teil unvorteilhaft überdeckt und klingen verschattet.

Hörenswert und ohne sängerische Beeinträchtigungen auch die Ringe des Nibelungen unter Wilhelm Furtwängler. Kirsten Flagstad, Max Lorenz und Ferdinand Frantz machen den Scala Ring zu einem zeitlosen Wagnermuseum und wer sich für den Ring aus Rom entscheidet begegnet der unvergleichlichen Martha Mödl als Brünnhilde und dem Jahrhundert Tristan Ludwig Suthaus.

 

—| IOCO CD-Rezension |—

Dresden, Semperoper, Der Ring des Nibelungen – Ab 13.01.2018, IOCO Aktuell

Januar 12, 2018 by  
Filed under Oper, Pressemeldung, SemperOper

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Am 13. Januar beginnt an der Semperoper Dresden die erste der beiden Aufführungsserien von Richard Wagners musikalischem Weltendrama Der Ring des Nibelungen. Damit ist vom 13. bis 20. Januar und vom 29. Januar bis 4. Februar 2018 nach acht Jahren erstmals wieder der komplette szenische »Ring«-Zyklus in Dresden zu erleben.

Die Nachfrage nach dem Dresdner Ring des Nibelungen mit der Sächsischen Staatskapelle unter der Musikalischen Leitung ihres Chefdirigenten Christian Thielemann ist enorm: Bereits wenige Tage nach der Eröffnung des Vorverkaufs im Januar 2017 waren die Kartenkontingente ausgeschöpft. Mögliche Restkarten für Stehplätze zu den Einzelvorstellungen sind an den Abendkassen zu erfragen.

Die Semperoper zeigt die Tetralogie in der Inszenierung von Willy Decker. Der vielfach mit Preisen bedachte Regisseur zählt mit seinen Arbeiten zu den renommiertesten Opernregisseuren Europas. Viele seiner Inszenierungen, wie die Dresdner Inszenierung des Rings, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Bühnen- und Kostümbildner Wolfgang Gussmann und zeichnen sich durch ihren besonderen szenischen Minimalismus und die psychologisch präzise Personenführung aus.

Semperoper Dresden / Rheingold hier Simone Schröder als Flosshilde, Christiane Kohl als Woglinde, Sabrina Kögel als Wellgunde © Matthias Creutziger

Semperoper Dresden / Rheingold hier Simone Schröder als Flosshilde, Christiane Kohl als Woglinde, Sabrina Kögel als Wellgunde © Matthias Creutziger

Neben den hohen Erwartungen an die Aufführungen unter der Musikalischen Leitung des ausgezeichneten Wagner-Kenners Christian Thielemann, der das musikalisch wie psychologisch höchst komplexe Werk gemeinsam mit der von Richard Wagner selbst als »Wunderharfe« bezeichneten Sächsischen Staatskapelle Dresden zu Gehör bringen wird, verspricht die hochkarätige Sängerinnen- und Sängerbesetzung unter anderem mit Petra Lang, Christa Mayer, Albert Dohmen, Stephen Gould, Vitalij Kowaljow, Andreas Schager, Peter Seiffert, Gerhard Siegel, Kurt Streit und Georg Zeppenfeld ein Opernerlebnis von außerordentlichem Rang nicht nur für Wagner-Fans zu werden.

Petra Lang – im Ring in der Partie der Brünnhilde zu erleben – gehört weltweit zu den führenden Interpretinnen im Wagner-Repertoire. Nach ihren Anfängen als lyrischer Mezzosopran wandte sie sich früh dem dramatischen Fach zu und gilt seither als gefragte Darstellerin auf den Opernbühnen der Welt. Ihren Durchbruch als Brünnhilde feierte sie mit ihren Auftritten in allen drei Ring-Opern in der Neuinszenierung von Dieter Dorn am Grand Théâtre de Genève. Unter der Leitung von Christian Thielemann gab sie 2016 ihr Rollendebüt als Isolde in der Tristan und Isolde-Produktion von Katharina Wagner bei den Bayreuther Festspielen.

Die Mezzosopranistin Christa Mayer ist in der zyklischen Aufführung von Wagners Ring unter Christian Thielemann als Fricka und Erda zu erleben. Christa Mayer sind die Wagner-Partien wohl vertraut: Unter der Leitung von Zubin Mehta sang sie im La Fura-dels-Baus-»Ring« in Valencia und debütierte unter der Leitung von Christian Thielemann als Erda und Waltraute bei den Bayreuther Festspielen, wo sie seitdem regelmäßig zu Gast ist. So sang sie dort im Festspielsommer 2015 Brangäne in der Neuproduktion »Tristan und Isolde« sowie Mary in Der fliegende Holländer und kehrte 2016 mit beiden Partien nach Bayreuth zurück. 2015 gab Christa Mayer ihr Debüt am New National Theatre in Tokio als Erda in einer Neuproduktion von »Das Rheingold«. Die Oberpfälzerin studierte Gesang an der Bayerischen Singakademie und an der Musikhochschule München. Gastspiele führten sie u.a. an die Opernhäuser in Berlin, Hamburg, München, Venedig, Florenz, Barcelona, Bilbao und Sevilla, zum Rheingau und Schleswig-Holstein Musikfestival sowie zum Lucerne Festival.

Auch Albert Dohmen kann auf eine langjährige internationale Karriere zurückblicken, die ihn in den großen Rollen seines Fachs an die bedeutenden Opernhäuser der Welt führt. Sein Debüt an der Metropolitan Opera New York gab Albert Dohmen 2003/04 als Jochanaan und etablierte sich darüber hinaus als einer der führenden Wotan-Interpreten seiner Generation: 2007 gab er sein Debüt bei den Bayreuther Festspielen im »Ring«-Zyklus als Wotan und als Wanderer und war in diesen Partien auch in den Folgejahren zu hören. Neben vielen weiteren wichtigen Engagements gab Dohmen die Partie des Orest in »Elektra« unter Christian Thielemann in Baden-Baden. Im Januar 2018 kehrt Dohmen als Alberich im »Ring« nach Dresden zurück.

Semperoper Dresden / Rheingold hier Georg Zeppenfeld als Hunding, Petra Lang als Sieglinde, Christopher Ventris als Siegmund © Frank Hoehler

Semperoper Dresden / Rheingold hier Georg Zeppenfeld als Hunding, Petra Lang als Sieglinde, Christopher Ventris als Siegmund © Frank Hoehler

Zu Gast an der Semperoper Dresden in der Partie des Wotan ist Vitalij Kowaljow, der sich als einer der international gefragtesten Bässe etabliert hat und mit 40 großen Opernpartien in seinem Repertoire weltweit an allen großen Opernhäusern gastiert. Seine musikalische Ausbildung erhielt Kowaljow in Moskau, Bern und Biel. Gastengagements führten ihn unter anderem an die Metropolitan Opera in New York, die San Francisco Opera, die Lyric Opera in Chicago, das Royal Opera House Covent Garden, das Teatro alla Scala in Mailand, die Wiener Staatsoper, die Semperoper Dresden und in die Arena di Verona. Bereits 2009/10 sang er die Partien des Wotan und des Wanderers im Ring des Nibelungen in Los Angeles in der Inszenierung von Achim Freyer. Den Walküren -Wotan interpretierte er unter anderem auch an der Mailänder Scala unter der Musikalischen Leitung von Daniel Barenboim und 2014 unter Valery Gergiev bei seinem Debüt am St. Petersburger Mariinsky-Theater sowie in seinem von Publikum und Presse gefeierten Debüt beim Edinburgh Festival im »Das Rheingold«, ebenso mit dem Mariinsky Theater unter Valery Gergiev.

Der niederösterreichische Tenor Andreas Schager, der in den Partien des »Siegfried« an der Semperoper zu hören sein wird, feierte seinen vielbeachteten Durchbruch gleich nach dem Sprung vom lyrischen Tenor ins dramatische Heldenfach. Aktuell ist er sowohl auf Grund seiner stimmlichen wie darstellerischen Leistung ein viel gefragter Wagner-Interpret. Seit 2015 ist Schager festes Ensemblemitglied der Staatsoper Unter den Linden, wo er unter Daniel Barenboim sein Rollendebüt als Parsifal gab. Nach zahlreichen weiteren internationalen Engagements folgte 2017 das Debüt in der Wiener Staatsoper als Apoll in der Richard Strauss-Oper »Daphne« sowie als Parsifal bei den Bayreuther Festspielen. In dieser Rolle wird er auch 2018/19 wieder nach Bayreuth zurückkehren.

Im der zweiten Aufführung des Zyklus wird der US-amerikanische Heldentenor Stephen Gould am 1. Februar 2018 die Titelpartie des Siegfried singen. Gould studierte unter anderem an der Lyric Opera in Chicago und wechselte erst nach acht Jahren am Musicaltheater zurück ins Opernfach. Spätestens seit seinem Auftritt als Siegfried bei den Bayreuther Festspielen unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann hat sich Gould als einer der international führenden Sänger etabliert, der seinen Weg auf die großen Bühnen dieser Welt findet. Den Siegfried interpretierte Gould unter anderem bereits an den Staatsopern in Wien und München sowie an der Metropolitan Opera New York. Weitere große Partien seines Repertoires sind der Erik im »Fliegenden Holländer«, Siegmund in »Die Walküre«, Lohengrin, Parsifal und Tannhäuser aber auch Strauss-Rollen wie der Bacchus in »Ariadne auf Naxos«.

Der Bassist Georg Zeppenfeld zählt nicht nur an der Semperoper, sondern auch bei den Bayreuther Festspielen zu den Publikumslieblingen, wo er 2010 als König Heinrich in »Lohengrin« sein Debüt gab. Zeppenfeld gastiert an nahezu allen großen Opernhäusern Europas sowie an der Metropolitan Opera New York, in Chicago und San Francisco. Unter Dirigenten wie Myung-Whun Chung, Daniele Gatti, Fabio Luisi, Zubin Mehta, Kent Nagano, Peter Schneider, Marcello Viotti und Claudio Abbado konnte er sich ein breites Repertoire an Basspartien erarbeiten. Von 2001 bis 2005 war er Ensemblemitglied an der Semperoper Dresden, wohin er immer wieder als Gast zurückkehrt, unter anderem in der Spielzeit 2015/16 für sein Rollendebüt als Baculus in der Neuinszenierung »Der Wildschütz«. Der Bass ist auch in der Spielzeit 2017/18 an der Semperoper neben vielen anderen Partien unter anderem zu Gast in der Neuproduktion von Lucia di Lammermoor und im »Ring«-Zyklus als Fasolt in »Das Rheingold«, als Hunding in »Die Walküre« und als Fafner in »Siegfried« zu erleben. Im Oktober 2015 wurde Georg Zeppenfeld der Ehrentitel Kammersänger verliehen.


Die Aufführungstermine an der Semperoper

Ring-Zyklus 1
Sa, 13.1.2018, 18 Uhr           Das Rheingold
So, 14.1.2018, 16 Uhr           Die Walküre
Do, 18.1.2018, 17.30            Siegfried
Sa, 20.1..2018, 16 Uhr         Götterdämmerung

Ring-Zyklus 2
Mo, 29.1.2018, 19 Uhr          Das Rheingold
Di, 30.1.2018, 18 Uhr           Die Walküre
Do, 1.2.2018, 17.30 Uhr      Siegfried
So, 4.2.2018, 16 Uhr           Götterdämmerung

—| Pressemeldung Semperoper Dresden |—

Dresden, Semperoper, 2018 – Der Ring des Nibelungen, 13.01.2018

Januar 5, 2017 by  
Filed under Oper, Pressemeldung, SemperOper

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

 

 Der Ring des Nibelungen  2018 an der Semperoper

  Vorverkauf in 2 Serien ab 25. Januar 2017

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen steht erstmalig unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann in zwei Aufführungsserien auf dem Spielplan der Semperoper Dresden. Im Januar und Februar 2018 sind die Sächsische Staatskapelle Dresden sowie eine hochkarätige Besetzung unter anderem mit Petra Lang, Christa Mayer, Andreas Schager, Albert Dohmen und Georg Zeppenfeld in Wagners opus summum zu erleben. Regisseur Willy Decker schuf in seinem Dresdner Bühnenkosmos ein Theater auf dem Theater: Der Kampf um den Ring der Macht wird bei ihm zur Kulisse, vor der das Göttergeschlecht seinem Untergang entgegenstrebt, um die Utopie eines neuen, unabhängig agierenden Menschengeschlechtes erstehen zu lassen.

In Dresden kam Richard Wagner die Idee zum Nibelungen-Stoff während seiner Zeit als Königlich-Sächsischer Hofkapellmeister, in die auch die erste Lesung des kompletten Prosaentwurfes fiel. Eine große Oper über den Helden Siegfried wollte er schaffen. Aus einer Oper wurde schließlich eine Tetralogie mit einem Vorabend und drei Tagen, die erstmals 1876 im eigens dafür gebauten Bayreuther Festspielhaus als Zyklus uraufgeführt wurden.

Die Ring-Zyklen 2018

Ring-Zyklus 1
Sa, 13.1.2018, 18 Uhr           Das Rheingold
So, 14.1.2018, 16 Uhr            Die Walküre
Do, 18.1.2018, 17.30 Uhr       Siegfried
Sa, 20.1.2018, 16 Uhr            Götterdämmerung

Ring-Zyklus 2
Mo, 29.1.2018, 19 Uhr          Das Rheingold
Di, 30.1.2018, 18 Uhr            Die Walküre
Do, 1.2.2018, 17.30 Uhr        Siegfried
So, 4.2.2018, 16 Uhr             Götterdämmerung

Zykluspreis pro Person / Platzgruppen 1-5:
Euro 502,50 / 469,00 / 381,50 / 338,50 / 237,50

Der Kartenvorverkauf für die Ring-Zyklen beginnt am 25. Januar 2017. Restkarten für die Einzelvorstellungen können ab 15. März 2017 erworben werden.

—| Pressemeldung Semperoper Dresden |—

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