Lilienfeld, Stift Lilienfeld, La Traviata – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 09.06.2019

 

 Stiftskirche Lilienfeld © Marcus Haimerl

Stiftskirche Lilienfeld © Marcus Haimerl

Stift Lilienfeld

La Traviata – Giuseppe Verdi

Große Oper im Dormitorium des Stift Lilienfeld

von Marcus Haimerl

Oper in der Krypta gastierte mit Giuseppe Verdis zur Erfolgstrias von 1851/53 zählender Oper La Traviata im Stift Lilienfeld. Das in Österreich zwischen St. Pölten und dem Wallfahrtsort Mariazell liegende Zisterzienserstift, eine Stiftung von Herzog Leopold VI. (1176 – 1230) aus der Familie der Babenberger – heute die größte erhaltene zisterziensische Klosteranlage in Mitteleuropa – beherbergt eine kostbare Kreuzesreliquie.

Der Orden selbst geht auf das Kloster Cîteaux (lat.: Cistercium) zurück, das 1098 in Burgund gegründet wurde. Die zwischen 1202 und 1263 errichtete romanisch-gotische Kirche gilt mit ihren 83 Metern Länge als größte Kirche Niederösterreichs. Die heutige Inneneinrichtung stammt aus der Barockzeit. Da das Stift an der Via Sacra, dem traditionellen Wallfahrerweg zwischen Wien und Mariazell, liegt, wurde das Hauptschiff als heilige Straße gestaltet, die in Richtung Hochaltar mehr und mehr an Goldglanz zunimmt.

Stift Lilienfeld / La Traviata - v.l. Daniel Valero, Calon Danner, Pavel Kvashnin, Chor, Alexandra Matloka, Dana Hammett © Marcus Haimerl

Stift Lilienfeld / La Traviata – v.l. Daniel Valero, Calon Danner, Pavel Kvashnin, Chor, Alexandra Matloka, Dana Hammett © Marcus Haimerl

Im unglaublich beeindruckenden, mittlerweile als Veranstaltungsraum genutzten Dormitorium, konnte das Publikum Giuseppe Verdis Meisterwerk erleben, welches in derselben Regie des künstlerischen Leiters von Oper in der Krypta, Joel A. Wolcott, rund ein Jahr zuvor seine Premiere erlebte. Das Publikum in Lilienfeld erlebte die Geschichte um die schwindsüchtige Kurtisane Violetta Valéry in der der gleichen Frische wie die Wiener ein Jahr zuvor. Für die Umsetzung der Handlung benötigt Joel A. Wolcott wenig Ausstattung und konzentriert sich dabei stark auf die hervorragenden Singschauspieler: Ein Tisch, ein Sofa und zwei Sessel sind ausreichend, um das Liebesdrama von Violetta und Alfredo glaubhaft auf die Bühne zu bringen.

Ergänzt wird das Bühnenbild um Projektionen an die Rückwand des Dormitoriums, die den jeweiligen Handlungsort veranschaulichen. Ein besonders starkes Bild ist die Projektion im dritten Akt: Man sieht eine Taschenuhr, die inmitten abgefallener Blütenblätter fünf Minuten vor 12 Uhr anzeigt; man versteht die Anspielung auf die im Sterben liegende Kameliendame, jenes Romans Alexandre Dumas d.J., der den Rahmen der Handlung für Giuseppe Verdis Meisterwerk bildete.

Joel A. Wolcott lässt bereits in der Ouvertüre, die von der japanischen Pianistin Mami Tsukio hervorragend am Klavier interpretiert wird, drei Protagonisten auftreten. Violetta Valéry wird hintereinander von Gastone und vom Barone Douphol zum Tanz aufgefordert. Dieser Kreis wird sich im Vorspiel zum dritten Akt schließen, wenn sich Violetta, im Fiebertraum und dem Tode nahe, noch einmal von unsichtbaren Herren der Gesellschaft zum Tanzen auffordern lässt.

Père Lachaise / Alphonsine Plessis - Kameliendame im wahren Leben : die Violetta der Oper © IOCO

Père Lachaise / Alphonsine Plessis – Kameliendame im wahren Leben : die Violetta der Oper © IOCO

Die amerikanische Sopranistin Dana Hammett debütierte 2018 bei Oper in der Krypta als ebenso leidenschaftlich liebende wie leidende Kurtisane Violetta und überzeugte mit ihrem wunderschönen, höhensicheren Sopran und starker Mittellage nunmehr auch das niederösterreichische Publikum. Sie berührt intensiv in den lyrischen Passagen der Partie, weiß aber auch in den dramatischen Ausbrüchen die innere Zerrissenheit der Figur musikalisch zu gestalten. Ihre leidenschaftliche Verkörperung dieser tragischen Frauengestalt hinterlässt beim Publikum tiefen Eindruck.

Als ihr leidenschaftlicher Liebhaber Alfredo Germont überzeugt der russische Tenor Pavel Kvashnin, der mit der intensiven Strahlkraft seines kräftigen Tenors das Dormitorium mühelos füllen konnte. Neben der Leichtigkeit, mit der der junge Künstler die Höhen seiner Partie meisterte, war auch die leidenschaftliche schauspielerische Leistung enorm. So konnte man Pavel Kvashnin die Tragik seiner Figur zum Teil schon im Gesicht ablesen.

Als sittenstrenger Vater Giorgio Germont erlebt man den österreichische Bassbariton Florian Pejrimovsky. Durch zahlreiche Auftritte als Scarpia (Puccini Tosca), Rigoletto (Verdi Rigoletto), Colline (Puccini La Bohème) oder als Gefängnisdirektor Frank (Strauss Die Fledermaus), ist er beim Publikum der Krypta in der Wiener Peterskirche ebenso bekannt wie beliebt. Auch in Lilienfeld ist er kein Unbekannter, ist er dort doch Chorleiter des Stiftschores. Florian Pejrimovsky versteht es, mit seinem großen, intensiven Bassbariton Eindruck zu hinterlassen und dominiert mit seiner Stimme ebenso problemlos den Saal. Aus den gemeinsamen Szenen zwischen Bassbariton und Tenor wird hier beinahe ein Kampf der Giganten. Aber auch die leisen Töne sind dem Ausnahmekünstler nicht fremd. Und gerade diese leisen Szenen sind es auch, die Florian Pejrimovsky unglaublich stark darzustellen vermag: Die Zerrissenheit zwischen der harten Schale und dem weichen Kern, zwischen gesellschaftlichen Konventionen und Verständnis für die über gesellschaftliche Zwänge hinausgehende, ehrliche Liebe.

Ebenso erstklassig – um nicht zu sagen luxuriös – sind die kleineren Partien besetzt:
Die französische Sopranistin Alexandra Matloka singt nicht nur die Rolle von Violettas Freundin Flora Bervoix, sondern ist auch jene der Vertrauten und Dienerin Annina. Beide Rollen werden von Alexandra Matloka mit ihrem schönen lyrischen Sopran und ihrer mitfühlenden Darstellung exzellent verkörpert.

Stift Lilienfeld / Traviata - hier : Ensemble, links Karen de Pastel_rechts Buergermeister Wolfgang Labenbacher © Marcus Haimerl

Stift Lilienfeld / Traviata – hier : Ensemble, links Karen de Pastel_rechts Buergermeister Wolfgang Labenbacher © Marcus Haimerl

Um einer kleinen Partie große Bedeutung zu verleihen, braucht man den österreichischen Tenor Calon Danner. Mit seinem schön geführten Tenor und seinem sympathischen, manchmal fast spitzbübischen Charme, lässt Calon Danner in der Partie des Gastone musikalisch und darstellerisch keinerlei Wünsche offen. Auf gleich hohem Niveau erlebt man den jungen mexikanischen Bariton Daniel Valero in der Rolle des Barone Douphol. Mit schönem, vollklingenden Bariton und intensivem Spiel konnte Daniel Valero das Publikum für sich einnehmen. Zum Chor, bestehend aus den beiden wohl disponierten Sopranistinnen Baharan Baniasadi und Natalia Leal, gesellten sich für den ersten Akt auch Statisten aus dem Publikum, die die Bühne als Gäste von Violetta Valérys Fest bereichern.

Die musikalische Leitung lag in den bewährten Händen der bereits zuvor erwähnten japanischen Pianistin Mami Tsukio. Mit ihrem leidenschaftlichen, sehr differenzierten Klavierspiel weiß sich die Künstlerin als hervorragende Begleiterin, die die Stimmen der Sänger mühelos trägt und kann außerdem auch in den Vorspielen zum ersten und dritten Akt ihre Qualitäten als Solistin unter Beweis stellen.

Unter den rund 200 Gästen in Lilienfeld befanden sich als Vertreter des Stiftes Frater, Dr. Michael Vurglics, der gastfreundliche, sympathische Vertreter der Stadt, Bürgermeister Wolfgang Labenbacher mit Gattin, und die Titular-Stiftsorganistin der Stiftsbasilika, Karen de Pastel. Erfreut bedachten sie alle die Künstler für die wirklich gelungene Vorstellung mit Standing Ovations und langanhaltendem Applaus. Dank des großen Erfolges dieses Gastspiels wird Oper in der Krypta im kommenden Jahr mit der Erfolgsproduktion Tosca von Giacomo Puccini ins Stift Lilienfeld zurückkehren.

Kulturbegeisterte müssen aber keineswegs solange warten: Der Traviata folgt bereits am 30. Juni 2019 das Eröffnungskonzert der 38. Sommerakademie Lilienfeld: Karen de Pastel, ihres Zeichens nicht nur Stiftsorganistin, sondern auch Präsidentin der Sommerakademie und Leiterin des Internationalen Kultursommers Lilienfeld wird Ein deutsches Requiem, op. 45, von Johannes Brahms, präsentieren. Das interessierte Publikum kommt also in jedem Fall in Lilienfeld, das unglaublich viele musikalische Höhepunkte präsentieren kann, niemals zu kurz.

—| IOCO Kritik Stift Lilienfeld |—

Wien, Oper in der Krypta, Rigoletto – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 25.04.2019

April 24, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Peterskirche

 Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche Wien

Rigoletto  –  Giuseppe Verdi 

– hautnah in der Krypta der Wiener Peterskirche  –

von Marcus Haimerl

Giuseppe Verdis Rigoletto erlebte in der Wiener Peterskirche, in der Oper in der Krypta eine fulminante Premiere. Das Libretto von Francesco Maria Piave orientiert sich an Victor Hugos 1832 in der Comédie-Française uraufgeführten Versdrama Le roi s’amuse. 1851 wurde Rigoletto im Teatro la Fenice in Venedig uraufgeführt und war bereits ein Jahr später in einer deutschen Übersetzung von Johann Christoph Grünbaum in Wien zu erleben.

In einer klugen Regie des künstlerischen Leiters von Oper in der Krypta, Joel Wolcott, konnte man tief unter der Wiener Peterskirche Rigoletto hautnah erleben. Für die szenische Umsetzung bedurfte es nicht viel. Das Bühnenbild besteht aus mehreren Holzkuben, die, immer wieder neu arrangiert, völlig neue Kulissen ergeben. Mit nur wenigen Handgriffen wird aus dem Thron im Palast des Herzog von Mantua die Fassade von Rigolettos Haus – von Rigoletto unmissverständlich vor Gilda aufgebaut- oder aber die Eingangstüre zu Sparafuciles Spelunke. Mit Umbauten, die psychologisch motiviert in die Handlung eingebaut waren, ergänzten sie eher die Handlung, als sie zu unterbrechen und ersetzten die für Rigoletto so beliebte Drehbühne ideal.

Oper in der Krypta Wien / Rigoletto - hier : Florian Pejrimovsky (Rigoletto) - Emi Nakamura (Maddalena) - Sergio Tallo-Torres (Duca) © Marcus Haimerl

Oper in der Krypta Wien / Rigoletto – hier : Florian Pejrimovsky (Rigoletto) – Emi Nakamura (Maddalena) – Sergio Tallo-Torres (Duca) © Marcus Haimerl

Dies gab Raum, sich vollkommen mit Joel Wolcotts exzellenter, dichter Personenführung auseinanderzusetzen, die eine einfühlsame Auseinandersetzung mit der psychologischen Seite des Werks bietet. Auch die Ausstattung steht im Dienst des Erzählens von Seelenzuständen. Mit nur zwei Nicht-Farben, schwarz und weiß, wird klar ersichtlich, dass Liebe und Güte selten sind am schwarz gekleideten Hof des Herzog von Mantua. Rigoletto in seinem schwarz-weißen Narrenkostüm schwankt zwischen den Welten, während Gilda, Rigolettos Tochter, in strahlend weißer Reinheit ein Einzelfall inmitten der düsteren Umgebung ist. Als der Herzog von Mantua (in weißem Cape) sie verführt, überreicht er ihr einen schwarzen Schal, und sie verliert das weiße Taschentuch ihrer Mutter. Wenn Gilda schließlich die Gemächer des Herzogs verlässt, ist ihr Unterrock unter dem weißen Kleid schwarz – das junge Mädchen hat endgültig ihre Unschuld verloren. Auch Gildas Tod ist vermenschlicht und wird dadurch noch berührender. Zwar betritt sie energisch die Gaststube Sparafuciles, bekommt es aber schließlich doch mit der Angst zu tun und versucht zu fliehen, ehe der Auftragsmörder ihrer habhaft werden kann. Durch dieses ehrliche Verhalten gewinnt diese Szene unglaublich an Stärke.

In der Titelpartie erlebt man den aus Wien stammenden Bassbariton Florian Pejrimovsky, der dem Publikum der Krypta bereits aus vielen anderen Partien ein Begriff ist. Ob als gefeierter Scarpia in Puccinis Tosca, Gefängnisdirektor Frank in Strauss‘ Die Fledermaus oder als Colline in La Bohème, Pejrimovsky versteht es stets, sein Publikum in den Bann zu ziehen. Sein Debüt als Rigoletto ist hier keine Ausnahme. Obgleich ein noch sehr junger Rigoletto, beeindruckt er mit seiner reifen Stimmfarbe und Stimmgewalt. Sein „Quel vecchio maledivami“ lässt niemanden kalt und seine große Arie „Cortigiani, vil razza dannata“ wird zu einem explosiven Ausbruch des Leidens. Er ringt mit berührender Vaterliebe verzweifelt um das einzige Licht in seinem Leben und entkommt doch nicht seiner Rolle als verbitterter Hofnarr und Zyniker. Die Schlichtheit und Aufrichtigkeit, mit der er die Figur zum Leben erweckte, bestrickte und überzeugte weitaus mehr, als alle zustützliche Exzentrik es gekonnt hätte.

Die in Südkorea geborene Jay Yang gestaltet die Partie der Gilda mit einem schönen, glasklaren Sopran scheinbar mühelos. Die gefragte Belcanto-Spezialistin – bei Oper in der Krypta bereits als Elvira in Vincenzo Bellinis I Puritani oder Lucia in Donizettis Lucia di Lammermoor gefeiert – beeindruckt mit schmelzenden Piani und zierlicher Phrasierung. Spätestens mit der überirdisch schön gesungenen, anspruchsvollen Arie „Caro nome che il mio cor“ gibt es im Publikum kein Halten mehr.

Der spanische Tenor Sergio Tallo-Torres, verkörpert die Partie des Duca di Mantova mit großer Verve und zeigt auch dessen uncharmante Seiten mit viel Gespür auf. Er zeigt in seinen großen Arien („Questo e quella“ und „La donna è mobile“) neben technischem Können und unfehlbaren Spitzentönen vor allem seine große Musikalität und wurde vom Publikum dafür mit Applaus überschüttet. Auch Daniel Bäumer überzeugt mit seinem kräftigen, sonoren Bass in der Rolle des Sparafucile und zeigt in seiner Gestaltung die Komplexität dieses Charakters. Die Entdeckung des Abends ist die japanische Mezzosopranistin Emi Nakamura in der Partie der Maddalena. Mit ihrem unglaublich vollen, warmen Mezzo kann sie das Publikum ebenso verführen, wie in ihrer unglaublich intensiven Rollengestaltung. Aktuell erlebt man die Künstlerin, auch als Suzuki in Puccinis Madama Butterfly.

Oper in der Krypta Wien / Rigoletto - hier :  Sergio Tallo-Torres (Duca) - Calon Danner (Borsa) - Christoper Michael Kelley (Marullo) © Marcus Haimerl

Oper in der Krypta Wien / Rigoletto – hier : Sergio Tallo-Torres (Duca) – Calon Danner (Borsa) – Christoper Michael Kelley (Marullo) © Marcus Haimerl

Eine weitere Sensation des Abends ist das Trio Marullo (Christopher Michael Kelley), Borsa (Calon Danner) und Conte di Ceprano (Ivo Kovrigar). Trotz der Tragik dieses Werks gelingt es den drei Herren, unter der feinen Klinge des Regisseurs eine angemessene Portion Humor in die Produktion zu bringen. Der Bariton Christopher Michael Kelley überzeugte das Publikum der Krypta bereits als fulminanter Leporello (Don Giovanni, Mozart) und in zahlreichen anderen Rollen, und bringt auch in dieser kleinen Rolle sein untrügliches Gespür für Emotionen und ungeheures schauspielerisches Talent ein. Der österreichische Tenor Calon Danner weiß das Publikum mit seinem schönen Tenor ebenso zu überzeugen, wie mit seiner intensiven Darstellung. Intensive Bühnenpräsenz zeigt auch der junge Bariton Ivo Kovrigar, der dieses wunderbare Trio hervorragend ergänzt.
Michael Pinsker ist als düster fluchender Grafe von Monterone eindrucksvoll. In der Doppelrolle der Contessa di Cepreano und Giovanna, der Gesellschafterin Gildas, debütierte die serbische Sopranistin Djurdjica Gojkovic in ihrer ersten Solopartie in der Krypta der Peterskirche.

Die musikalische Leitung lag in den Händen der koreanisch-amerikanischen Pianistin Victoria Choi, die nicht nur den Sängern eine hervorragende Begleiterin war, sondern auch schon im Vorspiel ihr Können als Solistin unter Beweis stellen konnte.

Alles in allem war schafften die Künstler von Oper in der Krypta erneut einen sehens- und hörenswerten Publikumshit, welcher noch viele Male das Haus füllen dürfte.

—| IOCO Kritik Oper in der Krypta |—

Heidelberg, Theater und Orchester Heidelberg, Spielplan September/Oktober 2018

Juli 20, 2018 by  
Filed under Pressemeldung, Spielpläne, Theater Heidelberg

Theater und Orchester Heidelberg

Theater Heidelberg Foto:© Waechter + Waechter Architekten bda.

Theater Heidelberg Foto:© Waechter + Waechter Architekten bda.


Theater und Orchester Heidelberg

Spielplan September / Oktober 2018


SO 09  –  17.00 Uhr, Marguerre-Saal
HIER SIND DIE NEUEN!
Vorstellung der neuen Opern- und Tanzleitung
Exklusiv für Abonnent*innen nur nach Voranmeldung an der
Theaterkasse!


FR 14  –  20.00 Uhr, Am Octapharma-Gebäude, Technologiepark | Premiere
THE INHABITANTS
von Ivan Perez | Deutsche Erstaufführung


SA 15  –  11.00 Uhr, Alter Saal
EINFÜHRUNGSMATINEE RIGOLETTO
Eintritt frei!
20.00 Uhr, Haus der Johannesgemeinde | Premiere
JUSTIZMORD DES JAKOB MOHR
von Eva Kocatkova | Deutschsprachige Erstaufführung
20.00 Uhr, Am Octapharma-Gebaude, Technologiepark
THE INHABITANTS
von Ivan Perez | Deutsche Erstaufführung


SO 16  –  20.00 Uhr, Am Octapharma-Gebaude, Technologiepark
THE INHABITANTS
von Ivan Perez | Deutsche Erstaufführung
20.00 Uhr, Haus der Johannesgemeinde
JUSTIZMORD DES JAKOB MOHR
von Eva Ko?atkova | Deutschsprachige Erstaufführung


MO 17  –  17.00 Uhr, Foyer Marguerre-Saal
THEATERFÜHRUNG
Karten an der Theaterkasse oder unter 06221|5820 000


DO 20  –  17.00 Uhr, Foyer Marguerre-Saal
MAL HÖREN!
Auftakttreffen für Pädagog*innen | Eintritt frei!


FR 21  –  17.00 Uhr, Altes Schwimmbad, Bürgerhaus HeidelBERG 12+
Premiere
VERSCHWOMMEN
Stückentwicklung | Uraufführung


SA 22  –  19.30 Uhr, Marguerre-Saal | Premiere
RIGOLETTO
von Giuseppe Verdi
Einführung um 18.45 Uhr

20.00 Uhr, Haus der Johannesgemeinde
JUSTIZMORD DES JAKOB MOHR
von Eva Ko?atkova | Deutschsprachige Erstaufführung


SO 23  –  19.00 Uhr, Marguerre-Saal | Gastspiel
SINGEN IST AUCH KEINE LÖSUNG
Heidelberger HardChor

20.00 Uhr, Haus der Johannesgemeinde
JUSTIZMORD DES JAKOB MOHR
von Eva Ko?atkova | Deutschsprachige Erstaufführung


MO 24  –  15.00–20.00 Uhr, Probebühne CARL
MAL SCHNUPPERN!
Auftakttreffen der Spielclubs | Eintritt frei!

19.30 Uhr, Marguerre-Saal | Wiederaufnahme
DIE PHYSIKER
von Friedrich Dürrenmatt
Einführung um 18.45 Uhr


DI 25  –  9.30 + 11.30 Uhr, Altes Schwimmbad, Bürgerhaus HeidelBERG 12+
VERSCHWOMMEN
Stuckentwicklung | Uraufführung


MI 26  –  20.00 Uhr, Stadthalle Heidelberg
1. PHILHARMONISCHES KONZERT
Werke von Ludwig van Beethoven und Bela Bartok
Einführung um 19.15 Uhr


DO 27  –  9.30 + 11.30 Uhr, Altes Schwimmbad, 12+
Bürgerhaus HeidelBERG
VERSCHWOMMEN

Stückentwicklung | Uraufführung

16.30 Uhr, Stadtbücherei
LESEZEIT
Massoud Baygan und Julia Lindhorst-Apfelthaler lesen Texte von
Jakob Mohr und anderen Kunstlern der Sammlung Prinzhorn
Eintritt frei!

19.30 Uhr, Marguerre-Saal
DIE PHYSIKER
von Friedrich Dürrenmatt
Einführung um 18.45 Uhr


FR 28  –  19.30 Uhr, Marguerre-Saal
RIGOLETTO
von Giuseppe Verdi
Einführung um 18.45 Uhr


SA 29  –  Ab 14.00 Uhr, Foyer Marguerre-Saal u. a.
DTH MEET & GREET
sowie Theaterführungen, Infostand, Kinderschminken u. a.
im Rahmen des Heidelberger Herbstes | Eintritt frei!


SO 30  –  17.00 Uhr, Altes Schwimmbad, Bürgerhaus HeidelBERG 12+
VERSCHWOMMEN
Stückentwicklung | Uraufführung

19.00 Uhr, Marguerre-Saal
RIGOLETTO
von Giuseppe Verdi
Einführung um 18.15 Uhr


Oktober


MO 01  –  11.30 Uhr, Altes Schwimmbad, Bürgerhaus HeidelBERG 12+
VERSCHWOMMEN
Stückentwicklung | Uraufführung


DI 02  –  9.30 + 11.30 Uhr, Altes Schwimmbad, Bürgerhaus HeidelBERG 12+
VERSCHWOMMEN
Stückentwicklung | Uraufführung

10.00 Uhr, Marguerre-Saal
DIE PHYSIKER
von Friedrich Dürrenmatt

19.30 Uhr, Marguerre-Saal
RIGOLETTO
von Giuseppe Verdi
Einführung um 18.45 Uhr


MI 03  –  20.00 Uhr, Haus der Johannesgemeinde
JUSTIZMORD DES JAKOB MOHR
von Eva Kocatkova | Deutschsprachige Erstaufführung


DO 04  –  19.30 Uhr, Marguerre-Saal
RIGOLETTO
von Giuseppe Verdi
Einführung um 18.45 Uhr

20.00 Uhr, Haus der Johannesgemeinde
JUSTIZMORD DES JAKOB MOHR
von Eva Kocatkova | Deutschsprachige Erstaufführung


SA 06  –  12.00–14.00 Uhr, Friedrich 5
DTH OPEN STUDIO
Eintritt frei! | Anmeldung unter jenny.mahla@heidelberg.de

19.00 Uhr, Peterskirche BK
1. BACHCHOR-KONZERT
?Stabat Mater? von Antonin Dvo?ak
Einführung um 18.10 Uhr

19.30 Uhr, Alter Saal |
Premiere
IM SCHATTEN KALTER STERNE
von Christoph Nußbaumeder | Uraufführung
Einführung um 18.45 Uhr


SO 07  –  19.00 Uhr, Marguerre-Saal
RIGOLETTO
von Giuseppe Verdi
Einführung um 18.15 Uhr

20.00 Uhr, Haus der Johannesgemeinde
JUSTIZMORD DES JAKOB MOHR
von Eva Kocatkova | Deutschsprachige Erstaufführung


DI 09  –  9.30 + 11.30 Uhr, Altes Schwimmbad, Bürgerhaus HeidelBERG 12+
VERSCHWOMMEN
Stückentwicklung | Uraufführung


MI 10  –  11.30 Uhr, Altes Schwimmbad, Bürgerhaus HeidelBERG 12+
VERSCHWOMMEN
Stückentwicklung | Uraufführung

19.30 Uhr, Marguerre-Saal
RIGOLETTO
von Giuseppe Verdi
Einführung um 18.45 Uhr


DO 11  –  9.30 + 11.30 Uhr, Altes Schwimmbad, Bürgerhaus HeidelBERG 12+
VERSCHWOMMEN
Stückentwicklung | Uraufführung

19.30 Uhr, Alter Saal
IM SCHATTEN KALTER STERNE
von Christoph Nußbaumeder | Uraufführung
Einführung um 18.45 Uhr


FR 12  –  20.00 Uhr, Rokokotheater Schwetzingen
26. KONZERT MIT STIPENDIATEN
DER JÜRGEN PONTO-STIFTUNG
Karten unter www.mozartgesellschaft-schwetzingen.de oder
01806|700 733


SA 13  –  19.30 Uhr, Marguerre-Saal | Premiere
DON KARLOS
von Friedrich Schiller
Einführung um 18.45 Uhr


SO 14  –  15.00 Uhr, Marguerre-Saal
RIGOLETTO
von Giuseppe Verdi
Einführung um 14.15 Uhr

17.00 Uhr, Altes Schwimmbad, Bürgerhaus HeidelBERG
VERSCHWOMMEN
Stückentwicklung | Uraufführung

19.00 Uhr, Alter Saal
IM SCHATTEN KALTER STERNE
von Christoph Nußbaumeder | Uraufführung
Einführung um 18.15 Uhr


MO 15  –  17.00 Uhr, Foyer Marguerre-Saal
THEATERFÜHRUNG
Karten an der Theaterkasse oder unter 06221|5820 000

19.00 Uhr, Alter Saal
MITGLIEDERVERSAMMLUNG
DES FREUNDESKREISES
Eintritt frei!


DI 16  –  9.30 + 11.30 Uhr, Altes Schwimmbad, Bürgerhaus HeidelBERG
12+
VERSCHWOMMEN
Stuckentwicklung | Uraufführung

19.30 Uhr, Alter Saal VB-L
IM SCHATTEN KALTER STERNE
von Christoph Nußbaumeder | Uraufführung
Einführung um 18.45 Uhr


MI 17  –  11.30 Uhr, Altes Schwimmbad, Bürgerhaus HeidelBERG
12+
VERSCHWOMMEN
Stückentwicklung | Uraufführung

19.30–22.00 Uhr, Marguerre-Saal | Wiederaufnahme
DON PASQUALE
von Gaetano Donizetti


DO 18  –  9.30 + 11.30 Uhr, Altes Schwimmbad, Bürgerhaus HeidelBERG
VERSCHWOMMEN
Stückentwicklung | Uraufführung

20.00 Uhr, Haus der Johannesgemeinde
JUSTIZMORD DES JAKOB MOHR
von Eva Kocatkova | Deutschsprachige Erstaufführung


FR 19  –  10.00–11.15 Uhr, Zwinger 3 | Wiederaufnahme
UNSER LEHRER IST EIN TROLL
von Dennis Kelly

19.30 Uhr, Marguerre-Saal
DON KARLOS
von Friedrich Schiller
Einführung um 18.45 Uhr

20.00 Uhr, Haus der Johannesgemeinde
JUSTIZMORD DES JAKOB MOHR
von Eva Kocatkova | Deutschsprachige Erstaufführung

20.00 Uhr, Feierabendhaus der BASF, Ludwigshafen | Unterwegs
DIE FLEDERMAUS
von Johann Strauss
konzertante Aufführung in Kooperation mit BASF
Karten unter basfkultur.eventim-inhouse.de


SA 20  –  19.30 Uhr, Marguerre-Saal
DON KARLOS
von Friedrich Schiller
Einführung um 18.45 Uhr

20.00 Uhr, Zwinger 3 | Gastspiel
MARTHE ET MATHILDE
Lecture Performance nach Pascale Hugues
im Rahmen der Französischen Woche

20.00 Uhr, Feierabendhaus der BASF, Ludwigshafen | Unterwegs
DIE FLEDERMAUS
von Johann Strauss
konzertante Aufführung in Kooperation mit BASF
Karten unter basfkultur.eventim-inhouse.de


SO 21  –  11.00 Uhr, Alter Saal
1. KAMMERKONZERT
Werke von Robert Schumann, Johannes Brahms, AntonÍn Dvorák

15.00–16.15 Uhr, Zwinger 3 10+
UNSER LEHRER IST EIN TROLL
von Dennis Kelly

19.00 Uhr, Marguerre-Saal | Gastspiel
138. ZUNGENSCHLAG
Das berühmte Heidelberger Kabarett


MO 22  –  10.00–11.15 Uhr, Zwinger 3 10+
UNSER LEHRER IST EIN TROLL
von Dennis Kelly


DI 23  –  10.30–11.45 Uhr, Zwinger 3
10+
UNSER LEHRER IST EIN TROLL
von Dennis Kelly

19.30–21.40 Uhr, Marguerre-Saal | Wiederaufnahme
DER GUTE MENSCH VON SEZUAN
von Bertolt Brecht, Musik von Paul Dessau
Einführung um 18.45 Uhr


MI 24  –  10.00–11.15 Uhr, Zwinger 3
UNSER LEHRER IST EIN TROLL
von Dennis Kelly

19.00–21.00 Uhr, Probebühne CARL
MAL SCHNUPPERN!
Auftakttreffen Club der Studierenden | Eintritt frei!

19.30–21.40 Uhr, Marguerre-Saal
DER GUTE MENSCH VON SEZUAN
von Bertolt Brecht, Musik von Paul Dessau
Einführung um 18.45 Uhr

20.00 Uhr, Stadthalle Heidelberg
2. PHILHARMONISCHES KONZERT
Werke von Richard Wagner, Ernest Chausson, Claude Debussy
Einführung um 19.15 Uhr


DO 25  –  9.30 + 11.30 Uhr, Altes Schwimmbad, Bürgerhaus HeidelBERG
12+
Zum letzten Ma!
VERSCHWOMMEN
Stückentwicklung | Uraufführung

16.30 Uhr, Stadtbücherei
LESEZEIT
Sophie Melbinger liest ?Platon? von Andreas Marber | Eintritt frei!

19.30 Uhr, Marguerre-Saal
DIE PHYSIKER
von Friedrich Dürrenmatt
Einführung um 18.45 Uhr

20.00 Uhr, Stadthalle Heidelberg
2. PHILHARMONISCHES KONZERT
Werke von Richard Wagner, Ernest Chausson, Claude Debussy
Einführung um 19.15 Uhr


FR 26  –  10.00–11.15 Uhr, Zwinger 3 10+
UNSER LEHRER IST EIN TROLL
von Dennis Kelly

19.30 Uhr, Marguerre-Saal
RIGOLETTO
von Giuseppe Verdi
Einführung um 18.45 Uhr

20.00 Uhr, Haus der Johannesgemeinde | Zum letzten Mal!
JUSTIZMORD DES JAKOB MOHR
von Eva Kocatkova | Deutschsprachige Erstaufführung


SA 27  –  15.00 Uhr, Historisches Museum der Pfalz Speyer | Unterwegs
6+
VORLESEZEIT
Lesung – Ronja Räubertochter – in Kooperation mit dem
Historischen Museum der Pfalz Speyer | Eintritt frei!

19.30 Uhr, Marguerre-Saal
DON KARLOS
von Friedrich Schiller
Einführung um 18.45 Uhr


SO 28  –  19.00–21.30 Uhr, Marguerre-Saal
DON PASQUALE
von Gaetano Donizetti
DON PASQUALE – der bigFM-Kulturschocker


MO 29  –  10.00–15.00 Uhr, Probebühne CARL
10+
CLUB MITMISCHEN
Ferienclub 29.–31. Oktober

19.00–21.00 Uhr, Friedrich 5
DTH WORKSHOP
Anmeldung unter jenny.mahla@heidelberg.de


DI 30  –  10.00–15.00 Uhr, Probebühne CARL
10+
CLUB MITMISCHEN
Ferienclub 29.–31. Oktober

19.30 Uhr, Marguerre-Saal
RIGOLETTO
von Giuseppe Verdi
Einführung um 18.45 Uhr


MI 31  –  10.00–15.00 Uhr, Probebühne CARL 10+
CLUB MITMISCHEN
Ferienclub 29.–31. Oktober

—| Pressemeldung Theater und Orchester Heidelberg |—

Wien, Oper in der Krypta, Die Winterreise – Franz Schubert, IOCO Kritik, 10.04.2018

April 12, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Konzert, Kritiken, Peterskirche

 Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche Wien

Die Winterreise von Franz Schubert  

Von Marcus Haimerl

Die Peterskirche, ist im Zentrum von Wien, im 1. Bezirk gelegen. Ihre Geschichte reicht zurück bis ins 4. Jahrhundert, als im dort gelegenen römischen Lager Vindobona eine Kaserne in ein Kirchengebäude umgebaut wurde. Der Bau der heutigen Peterskirche begann 1701, unter Kaiser Leopold I., Fertigstellung und Weihung war 1733. Die Peterskirche war der erste Kuppelbau im barocken Wien. Seit 2014 finden in der Krypta der Peterskirche wunderbare Opernproduktionen statt.  80 Besucher sitzen dort in unmittelbarer Nähe der Sänger, immer mit dem intensiven Gefühl, Teil der Aufführung zu sein.


Franz Schubert führte seinen Zyklus „schauerlicher Lieder“ im Herbst 1827 im engsten Freundeskreis im Hause Franz von Schobers erstmalig auf. In einem ebenso intimen Rahmen konnten die Besucher der Krypta der Wiener Peterskirche die Interpretation der Winterreise des Liedduos Matthias Spielvogel und Andreas Mersa erleben.

Oper in der Krypta / Matthias Spielvogel, Tenor und Andreas Mersa © Marcus Haimerl

Oper in der Krypta / Matthias Spielvogel, Tenor und Andreas Mersa © Marcus Haimerl

Der Tiroler Pianist Andreas Mersa, Absolvent der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien studierte im Anschluss Liedbegleitung am Konservatorium Privatuniversität Wien. Der im deutschen Wittlich geborene Tenor Matthias Spielvogel erhielt in seiner Jugend ersten Gesangs-, Klavier- und Orgelunterricht. Es folgten Studien an den Musikhochschulen in Weimar und Wien. Er tritt als Chorsänger an der Wiener Staatsoper auf und gestaltet auch eine Vielzahl an Rollen bei Oper in der Krypta, u.a. Tony in der West Side Story, Don Ottavio in Don Giovanni oder Basilio in Le nozze di Figaro. Die beiden jungen Künstler verbindet eine jahrelange Zusammenarbeit im Bereich des romantischen Liedrepertoires. Gemeinsam vertiefen sie ihre interpretatorischen Studien beim Staatsopernsänger Hans Peter Kammerer.

Was sich nun dem Zuhörer bietet, ist wahrlich außergewöhnlich. Von Beginn gelingt es den Künstlern die spezielle beklemmende, dem Liederzyklus innewohnende Atmosphäre zu schaffen und das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

Matthias Spielvogel zeigt hier die große Bandbreite seines stimmlichen Ausdrucks: von leichtgeführten, kopfstimmigen Passagen (Der Leiermann) über aufblühend dramatische Fortestellen (Der stürmische Morgen) bis hin zu starren, scheinbar leblosen Tönen (Der greise Kopf) reicht sein stimmliches Ausdrucksvermögen, welches er wohlüberlegt einsetzt.

Franz Schubert Grabstätte in Wien © IOCO

Franz Schubert Grabstätte in Wien © IOCO

Andreas Mersa bewies sich als herausragender Liedbegleiter. Einfühlsam trägt er den Sänger durch den gesamten Liederzyklus und beherrscht das Wechselspiel zwischen seiner Rolle als Begleiter und Solist perfekt. Als ein Beispiel sei hier das Lied Nr. 21 „Das Wirtshaus“ genannt, in welchem Andreas Mersa seine klangliche Vielfalt unter Beweis stellt.

Bemerkenswert auch die formale Dramaturgie des Abends, über die sich die Interpreten merklich Gedanken gemacht haben. Lieder, die inhaltlich und musikalisch zusammenhängen, folgen gruppiert rasch aufeinander (beispielsweise die Nummern 2-4), andere stehen einzeln für sich (Der Lindenbaum, Nr. 5; ,Rast, Nr. 10). Dieses Wechselspiel verleiht dem Abend eine übergeordnete Struktur, die dem Zuhörer das Verstehen dieses komplexen Zyklus‘ erleichtert. Die kurze Pause nach dem zwölften Lied ist ein Verweis auf die kompositorische Entstehungsgeschichte der Winterreise. Schubert hatte im Februar 1827 zuerst die Lieder 1-12 und später dann, im Oktober desselben Jahres, die Nummern 13-24 komponiert und damit den Zyklus zweiteilig angelegt.

Interessant auch die Wahl der Tonarten: bei der für gewöhnlich im Konzert dargebotenen Fassung der Winterreise, wie sie in der Erstausgabe (Haslinger, Wien, 1828) erschienen ist, wird außer Acht gelassen, dass Schubert bei einigen Liedern ursprünglich andere Tonarten vorgesehen hatte. Ein Beispiel: Die Künstler lassen auf das vorletzte Lied ,Die Nebensonnen‘, das in A-Dur endet, den finalen Leiermann im ursprünglich vorgesehen h-Moll anstatt üblichen a-Moll erklingen, was die Szenerie des armen Bettlers, der barfuß auf dem Eis seine Leier spielt, auch tonal noch entrückter erscheinen lässt.

Nachdem der letzte Ton des Leiermanns verklungen war, herrschte ein langer Augenblick Stille, ehe der Jubel des Publikums anhob. Ein neuerliches Highlight in der Zusammenarbeit der beiden jungen Künstler stellt die Aufführung von einem weiteren Liederzyklus Schuberts, Die schöne Müllerin, am 05. Und 09. Mai 2018 am gleichen Ort, in der Krypta der Peterskirche in Wien dar.

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