Berlin, Deutsche Oper Berlin, Tannhäuser – Richard Wagner, IOCO Kritik, 15.05.2019

Mai 15, 2019 by  
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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg

Emma Bell – Peter Seiffert – Stimmpracht und Intensität 

von Michael Stange

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Kirsten Harms Tannäuser Inszenierung, Premiere November 2008, von dessen Reise aus dem Venusberg über die Wartburg nach Rom und zurück, auf der Suche nach Liebe, Lust und Anerkennung, besticht auf leerer Bühne durch intensiv wirkende Kostüme und ihre unprovokante Erzählung der Minnesängermär.

Von oben werden schwebenden Figuren hinuntergelassen. Mit der Hebebühne werden starke Akzente gesetzt. Metallische Rüstungen und farbenfrohe Kostümpracht des 2. Aktes werden mit einem Kaleidoskop von Hintergrundbildern ergänzt. So werden Richard Wagners Intentionen eindringlich ohne tiefenpsychologische Deutung an der Deutschen Oper Berlin auf die Bühne gebracht.

Tannhäuser –  Richard Wagner
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Wagner Sternstunde an der Deutschen Oper Berlin

Zur Ouvertüre schwebt ein Ritter im Blau durch die Wolken. Venus liegt auf einem Podest. Ihren Nymphen tummeln sich nackt im Bad. Venus und Tannhäuser sind umgeben von Klonen der Liebesgöttin. Das Finale des 1. Aktes ist eine Berglandschaft über der groteske Teufelspuppen flattern. Die Jagdgesellschaft begegnet Tannhäuser in metallischen Rüstungen auf eisernen Pferden (Foto).

Der zweite Akt zeigt zunächst eine leere Bühne mit in der Höhe schwebenden Rittern. Der Wartburgsaal ist tribünenartigen angeordnet und zeigt die bunte und farbenprächtig kostümierte Wartburggesellschaft. Das Hebe- und Senkbühnenbild entfaltet im Finale des 2. Aktes die stärkste Wirkung. Der wegen des Aufenthaltes im Venusberg ausgestoßene Tannhäuser steht als Sinnbild seiner Sünden unter der über ihm auf der Hebebühne stehenden Wartburggesellschaft.

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser © Bettina Stoess

Im dritten Akt siechen die Pilger auf Krankenbetten und über ihnen schweben wiederum die bekannten eisernen Ritter. Kern des Interpretationsansatzes ist, Elisabeth als mitleidsvolle und mildtätige Frau darzustellen. Daher wird ihr im ähnlichen Kostüm die lüsternen Liebesgöttin Venus gegenübergestellt. Beide vereinen sich im Finale zu einer Person in der zwei Seelen wohnen.

Dieser Opernabend stand im Zeichen von Sängern, Chor und Orchester. Von ihnen gingen Glanz und Magie der Aufführung aus; sie konnten sich beglückend auf der Bühne entfalten.

Die Elisabeth des Abends Emma Bell begann ihre Karriere im Mozart Fach. Ihren Rang belegte sie schon als Gewinnerin des Kathleen Ferrier Preises. Im jugendlich -dramatischen Fach zählen Rollen wie Agathe in Freischütz, Leonore in Fidelio, Elsa in Lohengrin und Elisabeth zu ihrem Repertoire. Sie paart phänomenale Stimmschönheit mit stupender Gesangstechnik. Ihr honigfarbenes Timbre ergänzt sie mit impressionistischer vokaler Ausdruckspalette und einer phänomenalen leuchtend blühenden Höhe. In der Arie „Dich teure Halle..“ verband sie sehnsüchtige, innige Momente mit jubelnden Phrasen. Die Tongebung bei „Allmächtige Jungfrau..“ war verhalten innwendig und eindringlich klagend. Die gesamte gesangliche Gestaltung war von immenser Poesie und sängerischer Fulminanz geprägt. Als Venus leistete sie gleichfalls Beachtliches und überzeugte mit sinnlich sirrendem Ton.

Peter Seiffert war als Tannhäuser ein „unbegreifliches Wunder“. Seit Jahren ist er der weltweit führende Rollenvertreter. Aufgrund seiner stimmtechnischen Meisterschaft gelangen alle schwierigen Momente dieser mörderischen Partie scheinbar mühelos. An diesem Abend hat er aber selbst die kühnsten Erwartungen übertroffen. Seine Stimme verfügt über ein nahezu baritonales Fundament und eine immense strahlende Höhe. Mit betörender Tongebung sang er phänomenale Übergange vom Piano über das Mezza voce bis zum Forte. Fließend, völlig frei, dramatisch packend gefärbt, mit interpretatorischer Tiefe und Anteilnahme gefüllt füllte sein Tenor wie gemalt den Saal der DOB. Zugleich war die Stimme unglaublich fokussiert.

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser © Bettina Stoess

Selbst im Piano kam sie mühelos über das Orchester und die hohen Töne waren von metallischem prachtvoll strahlendem Glanz. In der Venus-Szene war schon bei seinem Erwachen die Stimme völlig präsent. Der dramatische Ausbruch bei „Allmächtiger, Dir sei Preis..“ war innig aber zugleich mächtig und erschütternd. In den schnellen Läufen im Finale des 1. Aktes reihten sich seine Töne wie an einer Perlenkette auf.

Im Duett des zweiten Aktes gelangen Peter Seiffert und Emma Bell – auch dank des sängerfreundlichen Dirigats – unglaublich poetische, innige Momente. Die Gesänge an die Venus waren betörend intensiv und Peter Seiffert war selbst im Finale des zweiten Aktes stets hörbar und übertönte Chor und Orchester.

Die Romerzählung begann er fahl verhalten und steigerte sich in den Ausbrüchen zu immenser Größe. Neben der gesanglichen Gestaltung entwickelte er eine überwältigende emotionale Ausdruckskraft. Die Darstellung des Zerbrechens am eigenen Fehlverhalten und fehlender Vergebung gelangen ihm mit einer unter die Haut gehenden stimmlichen Wandlungsfähigkeit und Intensität.

Simon Keenlyside als Wolfram von Eschenbach war Tannhäuser ein ebenbürtiges Gegenüber. Mit seine dunkel gefärbtem, heldenbaritonalen Timbre und seiner wohlklingenden Stimme setzte er berührende Akzente. Seine Auftritte im 3. Akt gestaltete er tief empfunden mit beeindruckender Wortdeutlichkeit und prächtiger gesanglicher Gestaltung.

Albert Pesendorfer war ein Landgraf mit Autorität uns sonorem Bass. Clemens Bieber ein klangschöner Walther von der Vogelweide und Seth Carico ein wohlklingender Heinrich der Schreiber.

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser - Schlussapplaus © Patrik Klein

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser – Schlussapplaus © Patrik Klein

Dem von Jeremy Bines fulminant einstudiertem Chor der Deutschen Oper paarte filigranes und mit mächtig auftrumpfenden Momenten. Die Klangpracht und –schönheit und die Differenziertheit waren ungemein wirkungsvoll und wurden durch die mit den Bühnenbildern einhergehende gestaffelte Choraufstellung bis in die Tiefe der Bühne besonders hervorgehoben.

Stefan Blunier dirigierte das perfekt disponierte Orchester mit immenser Sensibilität und einem unvergleichlichen Sängerfreundlichkeit. Sänger und Chor trug er auf Händen und setzte markante Akzente gepaart mit filigranem Wohlklang.

Das Publikum verfolgte die Vorstellung gebannt und konzentriert. Lang anhaltender Jubel belohnte diesen phänomenalen Wagnerabend.  Nach der Vorstellung bemerkten selbst Opernveteranen an der Garderobe, dass sie nie einen Tannhäuser von so großartiger gesanglicher Perfektion und intensiver suggestiver Wirkung  auf der Bühne erlebt haben.  Eine Lehrstunde des Wagnergesangs.

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg – Deutsche Oper Berlin:  keine weiteren Vorstellungen in der Spielzeit 2018/19

—| IOCO Kritik Deutsche Oper Berlin |—

Köln, Oper Köln, Fidelio – Ludwig van Beethoven, 17.03.2019

Februar 26, 2019 by  
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Oper Köln

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Fidelio – Ludwig van Beethoven

Mit hochkarätiger Besetzung

Wiederaufnahme am 17. März 2019

Ludwig van Beethovens einzige Oper ist nicht zuletzt durch den »Gefangenenchor« so berühmt geworden und geblieben. Ein Werk um das Thema Freiheit, das gerade heute besonders aktuell ist.

Oper Köln / Fidelio © Paul Leclaire

Oper Köln / Fidelio © Paul Leclaire

Am 17. März findet die Wiederaufnahme der Inszenierung von Prof. Michael Hampe statt, zu der wir Sie herzlich einladen möchten. Nach La Bohème ist dies die zweite Inszenierung des früheren Kölner Intendanten im StaatenHaus. Die musikalische Leitung übernimmt Stefan Soltesz, einer der renommiertesten Dirigenten unserer Zeit.

Der legendäre Tenor Peter Seiffert wird als Florestan in einer seiner Paraderollen zu erleben sein und Bariton Johannes Martin Kränzle ist als Don Pizarro zu Gast. Anna Gabler gibt mit Leonore ihr Rollendebüt; an der Oper Köln war sie war erstmals in der Saison 2016.17 in der Rolle der Carlotta Nardi in Die Gezeichneten zu erleben.

Fidelio  – Ludwig van Beethovens 
Youtube Trailer der Oper Köln
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Zur Premiere von Fidelio am Sonntag, den 17. März um 18:00 Uhr im StaatenHaus, Saal 1 laden wir hiermit ganz herzlich ein.

Urheberrechtshinweis:  Abdruck oder Veröffentlichung der Produktionsfotos nur im Kontext produktionsbezogener Berichterstattung sowie nur bei Nennung des Fotografen: © Paul Leclaire


Fidelio – Wiederaufnahme  So., 17. März › 18:00 Uhr StaatenHaus, Saal 1

Musikalische Leitung Stefan Soltesz, Inszenierung Michael Hampe, Bühne, nach dem Konzept von John Gunter Darko Petrovic, Kostüme Darko Petrovic, Licht Andreas Grüter
Chorleitung Rustam Samedov

Mit   Don Fernando › Insik Choi, Don Pizarro › Johannes Martin Kränzle, Florestan › KS Peter Seiffert, Leonore › Anna Gabler, Rocco › Karl-Heinz Lehner, Marzelline › Kathrin Zukowski / Ivana Rusko, Jaquino › Martin Koch, 1. Gefangener › Anton Kuzenok, 2. Gefangener ›, Yunus Schahinger, Chor der Oper Köln, Gürzenich-Orchester Köln

Weitere Vorstellungen Do, 21. März › 19:30 Uhr, Sa, 23. März › 19:30 Uhr, Mi, 27. März › 19:30 Uhr, Fr, 29. März › 19:30 Uhr

—| Pressemeldung Oper Köln |—

Berlin, Deutsche Oper Berlin, Tannhäuser – Richard Wagner, IOCO Kritik, 15.04.2018

April 17, 2018 by  
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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg – Richard Wagner

“Ich will mir das Leben nicht ersparen…
…indem ich es auf die Bühne bringe.”

Von Karin Hasenstein

ist die Prämisse dieser Tannhäuser-Produktion von Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin, deren 43. Aufführung seit der Premiere vom 30.11.2008 die Rezensentin besucht hat.

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Die Regisseurin bezeichnet Tannhäuser als ein “Werk über Menschen, die einander und sich selbst etwas schuldig bleiben.” Dies Gefühl kennt wohl jeder von uns. Wie oft bleibt man dem anderen etwas schuldig. Aber was wiegt eigentlich schwerer? Die “Schuld” den Mitmenschen gegenüber, oder die Schuld gegen sich selbst? Diese Frage kann jede/r nur für sich selbst beantworten.

Im Tannhäuser treffen zwei Utopien aufeinander: Die des Venusbergs mit seiner Sinnenfreude und die Tragödie der Wartburg. Beide, so scheint es, kann es im Denken der Menschen nur unter Ausschluss der jeweils anderen geben. Das, was wir Wirklichkeit nennen, besteht aber aus dem Zusammentreffen beider Utopien. Der Ritter Tannhäuser befindet sich zu Beginn in der sinnlichen Welt des Venusberges. Er ist der starren höfischen Welt der Wartburg entflohen und hat in der Armen der Liebesgöttin Venus die Freuden der bis dahin entbehrten sinnlichen Liebe erlebt. Jedoch ist er ihrer überdrüssig geworden und will zu Seinesgleichen zurückkehren. Trotz aller Verführungskünste gelingt es Venus nicht, ihn zum Bleiben zu überreden, denn: “Mein Heil liegt in Maria!”. So denkt Tannhäuser und flieht aus dem Venusberg.

Als eine Pilgerschar vorbeizieht, erwachen seine Schuldgefühle, er empfindet seine körperliche Liebe zu Venus als Sünde. Eine Jagdgesellschaft erkennt den lange Vermissten und Wolfram und die Ritter beschwören ihn, in ihren Kreis zurückzukehren. Zunächst reagiert Tannhäuser zurückhaltend, doch das Schlüsselwort “Elisabeth” bringt die Erinnerung zurück und er lässt sich umstimmen. In der Halle, in der so oft die Sängerwettstreite stattfanden, erinnert sich Elisabeth an Tannhäuser. Ihre alten Gefühle erwachen aufs Neue und sie bekennen einander ihre Liebe. Eigentlich könnte die Geschichte an dieser Stelle bereits zu Ende sein, aber dann wäre die Welt um ca. drei Stunden wunderschöner Musik ärmer. Und da es ja um Schuld und Sühne geht, ist klar: so einfach kommen die beiden nicht davon!

Es folgt ein Sängerwettstreit, dessen Aufgabe darin besteht, das Wesen der Liebe zu ergründen. Wolfram besingt die reine, geistige Liebe, stellt aber bereits die Verbindung zum Abendstern, der Venus, her. Tannhäusers Antwort, das Preisen der Göttin der Liebe, kann nur als Provokation verstanden werden, und der Gesellschaft wird klar, dass er im Venusberg geweilt hat, also die Freuden der sinnlichen Liebe genossen hat. Es folgt der Ausschluss aus der höfischen Gesellschaft, als er seine Erlebnisse bei Venus zur Nachahmung empfiehlt. Elisabeth erreicht, dass Tannhäuser sich einem Pilgerzug nach Rom anschließen kann und beim Papst um Gnade flehen soll.

Die Pilger kehren zurück und Elisabeth erwartet Tannhäuser, doch er ist nicht unter den Pilgern. Elisabeth kann nur noch die Jungfrau Maria um Gnade für ihn anflehen. Wolframs berührender Gruß an den Abendstern – Venus –  ist der Wunsch nach dem Gruß an Elisabeth, wenn die Sterbende an ihm vorbeizieht.  Plötzlich erscheint auch Tannhäuser, berichtet von seiner Romfahrt und enttäuscht Elisabeths Hoffnung, dass er Erlösung erfahren haben möge. Der Papst hat ihm die Vergebung verweigert, so schwer wiegt seine Schuld. Resigniert will er in den Venusberg zurückkehren.

Die Deutsche Oper Berlin hat sich bei ihrer Produktion des Tannhäuser für die Dresdner Fassung von 1845 entschieden. In der Pariser Fassung von 1861  hat Wagner einen Bacchanal, eine Tanzszene, vorangestellt, die die Welt des Venusberges musikalisch und szenisch ausschmückt. In der Dresdner Fassung mündet die Ouvertüre direkt in das Liebesspiel Tannhäusers mit Venus, von ferne erklingen die Stimmen der Sirenen “Naht euch dem Strande…”, perfekt aus dem Off intoniert von den Damen des Chores der DOB.

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser - hier : Bieber, Andreas Schager, Markus Brueck © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser – hier : Bieber, Andreas Schager, Markus Brueck © Bettina Stoess

Wir erblicken den Ritter Tannhäuser (Stefan Vinke, erneut für den erkrankten Peter Seiffert eingesprungen) im grob gewirkten Hemd und Hose und Venus (Ricarda Merbeth) mit überhüftlangem offenen blonden Haar im weißen ärmellosen Gewand, sich auf einer Art Altar miteinander vergnügend. Im Hintergrund sehen wir sechs Kopien von Venus als eine Art Bewegungschor.

Aufgrund des großen Wasserschadens vom 24.12.2017, von der auch Teile der Kulissen dieser Produktion in Mitleidenschaft gezogen wurden, wird eine szenisch adaptierte Version in Kostüm und Maske sowie in veränderter Dekoration bei angepasster Beleuchtung dargeboten. Dadurch gehen dem Zuschauer einige Details verloren, wie sich den Fotos der Produktion auf der Homepage der DOB entnehmen lässt. Am Verstehen oder am Genuss des Stückes ändert das aber glücklicherweise nichts.

Warum auch immer, Tannhäuser wird von Zweifeln an dieser Art der Liebe gepackt und er beschließt, den Venusberg zu verlassen und sein Heil in der Jungfrau Maria zu suchen. Bereits in den ersten zwei Takten der Ouvertüre offenbart sich die große Erfahrung von GMD Donald Runnlicles mit dem Oeuvre Richard Wagners. Das vorgeschriebene Tempo Andante maestoso (Viertel = 50) wird gefühlt exakt eingehalten. Die Musik atmet eine tiefe Ruhe, der Zuhörer lehnt sich entspannt zurück und große Vorfreude auf das Folgende wächst in der Rezensentin. Anstatt, wie heutzutage leider so oft üblich, durch die Partitur zu hetzen, nimmt Runnicles sich Zeit, zelebriert jede Note und gibt der Musik exakt die Zeit, die sie braucht, um sich in ihrer ganzen Schönheit zu entfalten.

Das zeigt sich schon im zweiten Volltakt in den Triolen, die so ruhig ausgespielt werden, dass man bereits an diesen wenigen Tönen erkennt: hier ist ein Musiker am Werk, der weiß, was er tut. Die 15 Minuten, die nun folgen, gehören für mich zum Schönsten, was ich in den letzten zwei Jahren gehört habe. Die Triolen in den Streichern verleihen dem Ganzen eine Ruhe, die Kontrabässe, die Streicher allgemein klingen wie mit einem Bogen gespielt, die Motive atmen Erhabenheit. Das Leitmotiv aus dem Pilgerchor, das im Finale mit dem Text Der Gnade Heil ist dem Büßer beschieden…” unterlegt wird, erklingt so majestätisch in den Posaunen, dass man sich unwillkürlich ein wenig im Sessel aufrichten möchte. Für die Rezensentin war das festspielwürdig!

In seiner Auftrittsarie des Tannhäuser Dir töne Lob! Die Wunder sei’ n gepriesen…” startet Stefan Vinke gleich durch wie ein Wirbelsturm. Die Leidenschaft im Verhältnis zu Venus wird mit jeder Silbe, mit jeder Note spürbar. Bei einem anderen Sänger würde man sich vielleicht Sorgen machen, ob er diese Dynamik, diese Intensität weitere drei Stunden durchhält, nicht jedoch bei Stefan Vinke. Wer ihn kennt, weiß, dass er das mühelos schafft.  Venus versucht ihn zum Bleiben zu überreden, schließlich droht sie ihm – Tannhäuser verlässt sie dennoch. Hätte ich auch, denkt sich die Rezensentin, denn trotz wunderbar klarer, obertonreicher Stimme bleibt Ricarda Merbeths  Darstellung der Liebesgöttin ein wenig zu brav, zu wenig leidenschaftlich in diesem Kontext (“Geliebter, sag, wo weilt dein Sinn.”).

Stefan Vinke schont sich nicht, legt sofort mit Verve los und kommt so markant über das Orchester, dass sich der Zuhörer fragt, ob er das so durchhält. Doch Stefan Vinke hat die Kondition und Erfahrung, auf diesem Level die Partie durchzuziehen. Im Tempo anziehend wird Tannhäusers Lied an Venus immer drängender, bis er schließlich fast flehend bittet “Aus deinem Reiche muss ich flieh’n, o Königin, Göttin, lass mich zieh’n.”  Etwas ruhiger wird er in der zweiten Strophe “Dank deiner Huld, gepriesen sei dein Lieben”, so dass sich der Zuhörer auch etwas entspannen kann.  Schließlich tritt seine ganze Verzweiflung zutage, getrieben, zerrissen wiederholt er den Wunsch “aus deinem Reiche muss ich flieh’n…”   In der dritten Strophe “Stets soll nur dir, nur dir mein Lied ertönen…” wird der Grund deutlich: “Doch hin muss ich zur Welt der Erden, bei dir kann ich nur Sklave werden; nach Freiheit doch verlangt es mich, nach Freiheit, Freiheit dürste ich…”

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser - hier : Bell, Markus Brück, Pesendorfer, Carico © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser – hier : Bell, Markus Brück, Pesendorfer, Carico © Bettina Stoess

So lässt Venus ihn denn mit den Worten “Zieh hin, Wahnsinniger! Zieh hin, Verräter!”. Ironie, dass später die Ritter ihn ebenfalls als schändlichen Verräter bezeichnen! Jedoch bietet sie ihm an “Kehr’ wieder, wenn dein Herz dich zieht!” Er streitet ab und weist sie zurück mit den Worten “Mein Heil ruht in Maria!”  Der Decker fährt runter, auf dem Prospekt sind drei riesige Gargoyls zu erkennen.

Die Stimme des Hirten ertönt, von Nicole Haslett bezaubernd klar, zart und unschuldig im weißen Hemdchen, gleichzeitig sehr stark im Ausdruck dargeboten. Der nun folgende Chor der älteren Pilger “Zu dir wall’ ich, mein Jesus Christ” beeindruckt vor allem durch sehr gute Textverständlichkeit und differenzierte Dynamik. Hier wird die ganze Bandbreite von forte bei “Am hohen Fest der Gnad und Huld” bis piano bei “Demuth” und piu piano bei “meine Schuld” ausgeschöpft.

Überhaupt ist der Chor (samt Extrachor) der Deutschen Oper Berlin (Einstudierung: Jeremy Bines) wie immer eines der Highlights des Abends. Wissend, dass die Mitglieder an diesem Wochenende bereits im Wunder der Heliane mitgewirkt und in der Lady Macbeth von Mzensk eine große Partie bewältigt haben, kann die Leistung im Tannhäuser als große Choroper am dritten Abend in Folge nicht hoch genug gewürdigt werden. Dabei sind es gar nicht unbedingt die “großen” Nummern wie Einzug der Gäste oder die Pilgerchöre, die laufen fast “von selbst” – die herausragende Qualität zeigt sich in der Präzision der kleinen Einwürfe wie z.B. “Heil, Biterolf! Hier, unser Schwert…” oder an der lupenreinen Intonation im Schlusschor “Heil! Heil! Der Gnade Wunder, Heil!”

Kein Wunder, dass der Chor der Deutschen Oper Berlin bereits dreimal zum Opernchor des Jahres gekürt wurde und anlässlich seines Gastspiels bei den Londoner “Proms” mit dem Tannhäuser einen triumphalen Erfolg bei Publikum und Presse erzielte.

Erwähnung finden muss auch der Kreis der Ritter. In silbern glänzenden Rüstungen werden sie auf ebenfalls silbernen gerüsteten Rössern auf Rollen von der Hinterbühne kommend hereingezogen, was sehr zum Ärger des Publikums einen Höllenlärm veranstaltet. Das hätte man technisch sicher auch eleganter lösen können, da es als Bild nämlich wunderbar funktioniert. Man hätte einfach auch warten können, bis die Ritter ausgesungen haben, bevor man sie wieder von der Bühne zieht.

Markus Brück, Bayreuth- und MET-erprobtes Ensemblemitglied der DOB, überzeugt als Wolfram von Eschenbach bereits in der vierten Szene mit der Begrüßung des Tannhäusers “Gegrüßt sei uns, du kühner Sänger, der ach so lang in unser Mitte fehlt. Das sich anschließende Ensemble der Ritter ist ein kleines Schmuckstück, so harmonisch fügen sich die Stimmen zu einem Ganzen. Zu den Klängen des Septetts (Landgraf, Tannhäuser und Ritter) legen sie Tannhäuser seine Rüstung an und nehmen ihn so wieder in ihren Kreis auf. Eine berührende, feierliche Szene, wunderbar gesungen von Markus Brück (Wolfram von Eschenbach), Attilio Glaser (Walther von der Vogelweide), Jörg Schörner (Heinrich der Schreiber), Noel Bouley (Biterolf), Alexei Botnarciuc (Reinmar von Zweter) und Günther Groissböck als Landgraf Hermann.

Der zweite Akt spielt in der Halle der Wartburg, in der einst so viele Sängerwettstreite ausgetragen wurden und an der für Elisabeth so viele schöne Erinnerungen hängen. Zu Beginn sehen wir Elisabeth (ebenfalls Ricarda Merbeth) im bodenlangen, hoch geschlossenen weißen Gewand mit streng geflochtenem Zopf.  Der Vorhang gibt den Blick frei auf vier Ritterrüstungen, die auf etwa halbe Bühnenhöhe hochgezogen über der Szene hängen. Diese vier sind anscheinend der Rest, der nach dem Wasserschaden verblieben ist. Ursprünglich war es eine weit größere Anzahl und diese vier wirken etwas verloren, so dass man sie vielleicht besser ganz weggelassen hätte.

Die 75 Takte strahlendes G-Dur im Vorspiel zur Auftrittsarie der Elisabeth “Dich, theure Halle, grüß ich wieder!” fangen den Zuhörer jedoch sofort wieder ein. Als Elisabeth überzeugte Ricarda Merbeth die Rezensentin ungleich stärker, denn als Venus. Ihre Arie strahlt die ganze Freude Elisabeths aus, ihren Tannhäuser wiederzusehen (“Nicht sollt Ihr knien, denn diese Halle ist Euer Königreich!”). So gerät dann auch das folgende Duett Elisabeth – Tannhäuser “Gepriesen sei die Stunde, gepriesen sei der Tag!” zu einem weiteren musikalischen Höhepunkt. Dass sich die beiden Liebenden dabei verschämt an den Händen halten mag dem Umstand geschuldet sein, dass Wolfram sie aus dem Hintergrund beobachtet…

Tannhäuser tritt ab, der Landgraf findet Elisabeth in der Halle, die sie so lange gemieden hat. Sein an Elisabeth gerichtetes  “Nun bleibe denn unausgesprochen dein süß Geheimnis kurze Frist” gestaltet der österreichische Bass Günther Groissböck so liebevoll tröstend und innig, dass es zu einem der ganz großen Momente dieses Abends wird. Sein kultivierter Gesang ebenso wie seine überragende Bühnenpräsenz machen die Rolle des Landgrafen zu einem unvergesslichen Erlebnis. Sein ausdrucksstarker sonorer Bass und seine Statur lassen ihn geradezu prädestiniert erscheinen für Rollen wie den Landgrafen, König Marke, Veit Pogner oder (in Kürze an der Pariser Opéra Bastille, Gurnemanz).

Beeindruckend ist immer wieder, mit welcher Leichtigkeit Günther Groissböck die tiefen Stellen bewältigt (z.B. bei “…der Lösung mächtig bist” das f auf “bist“) aber auch mühelos das für einen Bass sehr hoch liegende es bei “die holde Kunst, sie werde jetzt zur That! beherrscht. Der nun folgende Einzug der Gäste gehört sicher mit zu den bekanntesten Nummern aus dem Tannhäuser, ist er doch Bestandteil zahlreicher Opern-Galas und unzähliger Sampler à la “Die schönsten Opernchöre”. Der Chor kommt in farbenfrohen Kostümen daher, die wohl mittelalterlich anmuten sollen, unterstützt durch zahlreiche entsprechende Accessoires. (Kostüme: Bernd Damovsky) Insgesamt erinnert die Szene ein bisschen an die Festwiese in den Meistersingern.

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser - hier : Markus Brück, Emma Bell © Bettina Stoess

Deutsche Oper Berlin / Tannhäuser – hier : Markus Brück, Emma Bell © Bettina Stoess

Auch das als Marsch bezeichnete Vorspiel zum großen Chor gestaltet das Orchester der Deutschen Oper unter Runnicles in perfekt gewähltem Tempo und mit großer Spielfreude. Es ist ein Traum, wie Runnicles die einzelnen Orchesterstimmen herausarbeitet. Der Einsatz des Herrenchores ist genau auf den Punkt und zeichnet sich durch äußerste Textverständlichkeit und perfekte Wegnahmen aus. Auch der Chor der Edelfrauen lässt keine Wünsche offen. Da wir uns hier in der Tonart H-Dur befinden, gerät auch der Schluss auf dem h” zu einem brillanten Abschluss dieses Chorstückes.

Der Landgraf begrüßt die Gäste (“Gar schön und viel ward hier in dieser Halle…“) und auch in dieser Passage besticht Groissböck wieder mit deutlichster Diktion, man hört förmlich die Kommata, jede Absprache, jeder Schlusskonsonant ist zu verstehen. Die Edelknaben, die Wolfram von Eschenbach ansagen, werden aus dem Chor heraus besetzt. Auch diese zuweilen heikle Stelle wird makellos dargeboten. Ziemlich genau in der Mitte der Partitur folgt nun der Sängerkrieg.

Markus Brück preist als Wolfram die reine geistige Liebe mit solcher Inbrunst, dass man ihm jedes Wort glaubt. Große Momente sind hier “…mein Lied verstummt vor solcher Anmuth Glanz” und “in Anbetung möcht’ ich mich opfernd üben, vergießen froh mein letztes Herzensblut!”  Für Tannhäuser gibt es kein Halten mehr, er erwidert “Auch ich darf mich so glücklich nennen, zu schau’n, was Wolfram, du geschaut” – jedoch spielt er natürlich auf die sinnliche Liebe, die er mit Venus erlebt an, an: “In vollen Zügen trink’ ich Wonnen”.

Auch mit der Darstellung Walthers ist Tannhäuser nicht einverstanden und er provoziert die höfische Gesellschaft schließlich derart, dass sie ihn mit den Worten “Er war im Venusberg! Hinweg! Hinweg! Aus seiner Näh!” aus ihrem Kreis ausstoßen. Das Sextett “Ein Engel stieg aus lichtem Äther” der Ritter und des Landgrafen offenbart einmal mehr die hohe Qualität aller Solisten und des Orchesters der Deutschen Oper sowie das einfühlsame Dirigat von Donald Runnicles. Auch diese Stück gerät zu einem sehr eindrucksvollen musikalischen Moment, da jede Stimme für sich gut verständlich ist und sich dennoch perfekt ins Ensemble einfügt, eindrücklich auch noch untermalt vom Chor. Ganz zauberhaft gerät schließlich “Du gabst ihr Tod, sie bittet für dein Leben, wer bliebe rau, hört’ er des Engels Fleh’n?”

Der Chor der jüngeren Pilger (Damenchor) besticht mit perfekter Intonation in der heiklen Passage “Am hohen Fest der Gnad’ und Huld”, dem sich Tannhäusers Ruf “Nach Rom!” anschließt. Im Vorspiel zum dritten Akt erklingt das Pilgermotiv. Elisabeth pflegt aufopfernd die Kranken im Siechenhaus. Wolfram beobachtet sie eine Weile und tritt schließlich hinzu. Die Seitenbühne ist jetzt komplett offen, die Bühne stellt sich als Krankenhaussaal dar. Erst, als sich die ersten bewegen, ist aus dem Parkett erkennbar, dass Personen (der Herrenchor) in den Betten liegen. Langsam richten sich diese nach und nach auf und stimmen den Chor der älteren Pilger an, “Beglückt darf nun dich, o Heimat, ich schauen…”.

Auch der Zuhörer ist beglückt, denn dieser Chor atmet ein herrlich ruhiges Tempo, die Dynamik verbreitet mit zartem Pianissimo genau die Atmosphäre, die es hier braucht. In diese Ruhe hinein setzt Elisabeths Gebet ein “Allmächt’ge Jungrau, hör’ mein Flehen”. Mit großartiger Legatolinie fleht sie zur Jungfrau um Gnade. Das Flötensolo unterstreicht ihre Verzweiflung und den Wunsch nach Buße und Vergebung. Wolfram, der sie die ganze Zeit beobachtet hat, hebt zu seinem Lied an den Abendstern an. Markus Brück gestaltet diesen “Hit” dermaßen eindringlich und bewegend in Phrasierung und Dynamik, dass im Publikum unter den knapp 1.900 Besuchern buchstäblich kein Laut zu vernehmen ist. Sein warmer Bariton passt perfekt zu dieser Nummer und verleiht dem Abend einen weiteren Moment von großer Innigkeit und musikalischem Zauber.

Unterstrichen wird diese Szene von der Beleuchtung, ein einzelner Spot ist auf Wolfram gerichtet, der die schlafende Elisabeth hält und schließlich ihren Kopf in seinen Schoß bettet. Runnicles gibt dem Sänger Zeit, ein Traum sind die tiefen Streicher, die die Melodie förmlich weitersingen, als Wolfram verstummt. Als ein Pilger hinzutritt, bedeckt Wolfram Elisabeths Körper mit einem Laken. Schließlich erkennt er in dem Pilger Tannhäuser, es folgt die große Romerzählung. Hier bewährt sich wieder  Vinkes grandiose Kondition.

Von “Inbrunst im Herzen” bis zum Ausbruch “Da ekelte mich der holde Sang!” welchen er geradezu hinausschleudert, präsentiert Stefan Vinke alle Facetten  seines Könnens. Überzeugend gelingen ihm sowohl die Piano-Stellen wie “Ein Engel hatte, ach, der Sünde Stolz” oder “um ihm die Thräne zu versüßen, die er mir Sünder einst geweint” als auch “denn Gnad und Heil verhießen sie der Menge”Eindringlich gestaltet er “Und Tausenden er Gnade gab” oder “..kann aus der Hölle heißem Brand Erlösung nimmer dir erblüh’n!”

Die Spannung in der folgenden Generalpause ist spürbar!

Die Szene zwischen Tannhäuser und Wolfram gerät auch durch das intensive Spiel der beiden Sänger-Darsteller und das einfach wie wirkungsvoll eingesetzte Licht zu einem besonders eindrücklichen  Erlebnis. Sie alle aufzuzählen, würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen. Schwierig an dieser Stelle die Doppelbesetzung von Venus und Elisabeth durch eine Sängerin. Als sie sich unter dem Tuch erhebt, ist es nicht mehr Elisabeth, sondern Venus. Es mögen die zwei Seiten einer Person sein, aber wenn Venus singt “Willkommen, ungetreuer Mann!”, hier zu abstrahieren fällt doch etwas schwer.

Tannhäuser sinkt mit den Worten “Heilige Elisabeth, bitte für mich!” nieder und der Chor der jüngeren Pilger bereitet mit dem gewaltigen Schlusschor “Der Gnade Heil ward dem Büßer beschieden!” mit einem letzten Anflug von Gänsehaut an diesem Abend den Zuhörern ein unvergessliches Opern-Erlebnis.

Der letzte Es-Dur-Akkord verhallt, der Vorhang fällt.  Ein Moment Stille, bevor das Publikum diese große Ensembleleistung mit lang anhaltendem Applaus und zahlreichen Bravi für Solisten, Chor und Orchester dankbar und begeistert honoriert.

Tannhäuser oder der Sängerkrieg auf der Wartburg – Deutsche Oper Berlin:  Keine weiteren Vorstellungen in der Spielzeit 2017/18.

—| IOCO Kritik Deutsche Oper Berlin |—

Dresden, Semperoper, Der Ring des Nibelungen – Ab 13.01.2018, IOCO Aktuell

Januar 12, 2018 by  
Filed under Oper, Pressemeldung, SemperOper

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Am 13. Januar beginnt an der Semperoper Dresden die erste der beiden Aufführungsserien von Richard Wagners musikalischem Weltendrama Der Ring des Nibelungen. Damit ist vom 13. bis 20. Januar und vom 29. Januar bis 4. Februar 2018 nach acht Jahren erstmals wieder der komplette szenische »Ring«-Zyklus in Dresden zu erleben.

Die Nachfrage nach dem Dresdner Ring des Nibelungen mit der Sächsischen Staatskapelle unter der Musikalischen Leitung ihres Chefdirigenten Christian Thielemann ist enorm: Bereits wenige Tage nach der Eröffnung des Vorverkaufs im Januar 2017 waren die Kartenkontingente ausgeschöpft. Mögliche Restkarten für Stehplätze zu den Einzelvorstellungen sind an den Abendkassen zu erfragen.

Die Semperoper zeigt die Tetralogie in der Inszenierung von Willy Decker. Der vielfach mit Preisen bedachte Regisseur zählt mit seinen Arbeiten zu den renommiertesten Opernregisseuren Europas. Viele seiner Inszenierungen, wie die Dresdner Inszenierung des Rings, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Bühnen- und Kostümbildner Wolfgang Gussmann und zeichnen sich durch ihren besonderen szenischen Minimalismus und die psychologisch präzise Personenführung aus.

Semperoper Dresden / Rheingold hier Simone Schröder als Flosshilde, Christiane Kohl als Woglinde, Sabrina Kögel als Wellgunde © Matthias Creutziger

Semperoper Dresden / Rheingold hier Simone Schröder als Flosshilde, Christiane Kohl als Woglinde, Sabrina Kögel als Wellgunde © Matthias Creutziger

Neben den hohen Erwartungen an die Aufführungen unter der Musikalischen Leitung des ausgezeichneten Wagner-Kenners Christian Thielemann, der das musikalisch wie psychologisch höchst komplexe Werk gemeinsam mit der von Richard Wagner selbst als »Wunderharfe« bezeichneten Sächsischen Staatskapelle Dresden zu Gehör bringen wird, verspricht die hochkarätige Sängerinnen- und Sängerbesetzung unter anderem mit Petra Lang, Christa Mayer, Albert Dohmen, Stephen Gould, Vitalij Kowaljow, Andreas Schager, Peter Seiffert, Gerhard Siegel, Kurt Streit und Georg Zeppenfeld ein Opernerlebnis von außerordentlichem Rang nicht nur für Wagner-Fans zu werden.

Petra Lang – im Ring in der Partie der Brünnhilde zu erleben – gehört weltweit zu den führenden Interpretinnen im Wagner-Repertoire. Nach ihren Anfängen als lyrischer Mezzosopran wandte sie sich früh dem dramatischen Fach zu und gilt seither als gefragte Darstellerin auf den Opernbühnen der Welt. Ihren Durchbruch als Brünnhilde feierte sie mit ihren Auftritten in allen drei Ring-Opern in der Neuinszenierung von Dieter Dorn am Grand Théâtre de Genève. Unter der Leitung von Christian Thielemann gab sie 2016 ihr Rollendebüt als Isolde in der Tristan und Isolde-Produktion von Katharina Wagner bei den Bayreuther Festspielen.

Die Mezzosopranistin Christa Mayer ist in der zyklischen Aufführung von Wagners Ring unter Christian Thielemann als Fricka und Erda zu erleben. Christa Mayer sind die Wagner-Partien wohl vertraut: Unter der Leitung von Zubin Mehta sang sie im La Fura-dels-Baus-»Ring« in Valencia und debütierte unter der Leitung von Christian Thielemann als Erda und Waltraute bei den Bayreuther Festspielen, wo sie seitdem regelmäßig zu Gast ist. So sang sie dort im Festspielsommer 2015 Brangäne in der Neuproduktion »Tristan und Isolde« sowie Mary in Der fliegende Holländer und kehrte 2016 mit beiden Partien nach Bayreuth zurück. 2015 gab Christa Mayer ihr Debüt am New National Theatre in Tokio als Erda in einer Neuproduktion von »Das Rheingold«. Die Oberpfälzerin studierte Gesang an der Bayerischen Singakademie und an der Musikhochschule München. Gastspiele führten sie u.a. an die Opernhäuser in Berlin, Hamburg, München, Venedig, Florenz, Barcelona, Bilbao und Sevilla, zum Rheingau und Schleswig-Holstein Musikfestival sowie zum Lucerne Festival.

Auch Albert Dohmen kann auf eine langjährige internationale Karriere zurückblicken, die ihn in den großen Rollen seines Fachs an die bedeutenden Opernhäuser der Welt führt. Sein Debüt an der Metropolitan Opera New York gab Albert Dohmen 2003/04 als Jochanaan und etablierte sich darüber hinaus als einer der führenden Wotan-Interpreten seiner Generation: 2007 gab er sein Debüt bei den Bayreuther Festspielen im »Ring«-Zyklus als Wotan und als Wanderer und war in diesen Partien auch in den Folgejahren zu hören. Neben vielen weiteren wichtigen Engagements gab Dohmen die Partie des Orest in »Elektra« unter Christian Thielemann in Baden-Baden. Im Januar 2018 kehrt Dohmen als Alberich im »Ring« nach Dresden zurück.

Semperoper Dresden / Rheingold hier Georg Zeppenfeld als Hunding, Petra Lang als Sieglinde, Christopher Ventris als Siegmund © Frank Hoehler

Semperoper Dresden / Rheingold hier Georg Zeppenfeld als Hunding, Petra Lang als Sieglinde, Christopher Ventris als Siegmund © Frank Hoehler

Zu Gast an der Semperoper Dresden in der Partie des Wotan ist Vitalij Kowaljow, der sich als einer der international gefragtesten Bässe etabliert hat und mit 40 großen Opernpartien in seinem Repertoire weltweit an allen großen Opernhäusern gastiert. Seine musikalische Ausbildung erhielt Kowaljow in Moskau, Bern und Biel. Gastengagements führten ihn unter anderem an die Metropolitan Opera in New York, die San Francisco Opera, die Lyric Opera in Chicago, das Royal Opera House Covent Garden, das Teatro alla Scala in Mailand, die Wiener Staatsoper, die Semperoper Dresden und in die Arena di Verona. Bereits 2009/10 sang er die Partien des Wotan und des Wanderers im Ring des Nibelungen in Los Angeles in der Inszenierung von Achim Freyer. Den Walküren -Wotan interpretierte er unter anderem auch an der Mailänder Scala unter der Musikalischen Leitung von Daniel Barenboim und 2014 unter Valery Gergiev bei seinem Debüt am St. Petersburger Mariinsky-Theater sowie in seinem von Publikum und Presse gefeierten Debüt beim Edinburgh Festival im »Das Rheingold«, ebenso mit dem Mariinsky Theater unter Valery Gergiev.

Der niederösterreichische Tenor Andreas Schager, der in den Partien des »Siegfried« an der Semperoper zu hören sein wird, feierte seinen vielbeachteten Durchbruch gleich nach dem Sprung vom lyrischen Tenor ins dramatische Heldenfach. Aktuell ist er sowohl auf Grund seiner stimmlichen wie darstellerischen Leistung ein viel gefragter Wagner-Interpret. Seit 2015 ist Schager festes Ensemblemitglied der Staatsoper Unter den Linden, wo er unter Daniel Barenboim sein Rollendebüt als Parsifal gab. Nach zahlreichen weiteren internationalen Engagements folgte 2017 das Debüt in der Wiener Staatsoper als Apoll in der Richard Strauss-Oper »Daphne« sowie als Parsifal bei den Bayreuther Festspielen. In dieser Rolle wird er auch 2018/19 wieder nach Bayreuth zurückkehren.

Im der zweiten Aufführung des Zyklus wird der US-amerikanische Heldentenor Stephen Gould am 1. Februar 2018 die Titelpartie des Siegfried singen. Gould studierte unter anderem an der Lyric Opera in Chicago und wechselte erst nach acht Jahren am Musicaltheater zurück ins Opernfach. Spätestens seit seinem Auftritt als Siegfried bei den Bayreuther Festspielen unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann hat sich Gould als einer der international führenden Sänger etabliert, der seinen Weg auf die großen Bühnen dieser Welt findet. Den Siegfried interpretierte Gould unter anderem bereits an den Staatsopern in Wien und München sowie an der Metropolitan Opera New York. Weitere große Partien seines Repertoires sind der Erik im »Fliegenden Holländer«, Siegmund in »Die Walküre«, Lohengrin, Parsifal und Tannhäuser aber auch Strauss-Rollen wie der Bacchus in »Ariadne auf Naxos«.

Der Bassist Georg Zeppenfeld zählt nicht nur an der Semperoper, sondern auch bei den Bayreuther Festspielen zu den Publikumslieblingen, wo er 2010 als König Heinrich in »Lohengrin« sein Debüt gab. Zeppenfeld gastiert an nahezu allen großen Opernhäusern Europas sowie an der Metropolitan Opera New York, in Chicago und San Francisco. Unter Dirigenten wie Myung-Whun Chung, Daniele Gatti, Fabio Luisi, Zubin Mehta, Kent Nagano, Peter Schneider, Marcello Viotti und Claudio Abbado konnte er sich ein breites Repertoire an Basspartien erarbeiten. Von 2001 bis 2005 war er Ensemblemitglied an der Semperoper Dresden, wohin er immer wieder als Gast zurückkehrt, unter anderem in der Spielzeit 2015/16 für sein Rollendebüt als Baculus in der Neuinszenierung »Der Wildschütz«. Der Bass ist auch in der Spielzeit 2017/18 an der Semperoper neben vielen anderen Partien unter anderem zu Gast in der Neuproduktion von Lucia di Lammermoor und im »Ring«-Zyklus als Fasolt in »Das Rheingold«, als Hunding in »Die Walküre« und als Fafner in »Siegfried« zu erleben. Im Oktober 2015 wurde Georg Zeppenfeld der Ehrentitel Kammersänger verliehen.


Die Aufführungstermine an der Semperoper

Ring-Zyklus 1
Sa, 13.1.2018, 18 Uhr           Das Rheingold
So, 14.1.2018, 16 Uhr           Die Walküre
Do, 18.1.2018, 17.30            Siegfried
Sa, 20.1..2018, 16 Uhr         Götterdämmerung

Ring-Zyklus 2
Mo, 29.1.2018, 19 Uhr          Das Rheingold
Di, 30.1.2018, 18 Uhr           Die Walküre
Do, 1.2.2018, 17.30 Uhr      Siegfried
So, 4.2.2018, 16 Uhr           Götterdämmerung

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