Baden-Baden, Festspielhaus, Ernst-Moritz Lipp bleibt Stiftungsvorsitzender, IOCO Aktuell, 19.12.2020

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Stiftungs-Vorstandsvorsitzender  Ernst-Moritz Lipp
  – In stürmischer See fünf weitere Jahre am Steuer –

Das seit 1998 bestehende Festspielhaus Baden-Baden ist mit 2500 Zuschauerplätzen Deutschlands größtes Theatergebäude, Der Spielbetrieb mit Opern-, Konzert- und Ballettaufführungen international renommierter Künstler und Ensembles, wie das Mariinsky-Ballett – siehe YouTube Trailerunten, wird durch die private Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden getragen.

In der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden engagieren sich aktuell 32 Stifter und Stifterpaare. Die Zuwendung zur Stiftung beträgt eine Millionen Euro bei Stiftungseintritt. Darüber hinaus engagieren sich Stifter im erheblichen Maße mit weiteren Spenden für das Festspielhaus und die Festspiele Baden-Baden. Die private Kulturstiftung bildet das Dach der Festspielhaus und Festspiele gGmbH.

Der Stiftungsvorstand bestellt den Intendanten und die Geschäftsführung, die ihrerseits für den gesamten Betrieb des Hauses und der Festspiele verantwortlich sind. Die gemeinnützige Betriebs-Gmbh sorgt für den privaten Finanzierungs-Anteil des privat-öffentlichen Gesamt-Modells. Private Förderer und Freunde unterstützen das Festspielhaus jährlich mit mehr als 10 Millionen Euro. Die Immobilie Festspielhaus Baden-Baden gehört seit diesem Jahr der Stadt Baden-Baden.

Mitteilung des Stiftungsvorstandes vom 18.12.2020

Festspielhaus Baden-Baden / Ernst-Moritz Lipp - Vorsitzender der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden © Kulturstiftung Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden / Ernst-Moritz Lipp – Vorsitzender der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden © Kulturstiftung Baden-Baden

Professor Ernst-Moritz Lipp bleibt fünf weitere Jahre Vorsitzender des Stiftungsvorstands der Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden. Der Stiftungsrat wählte den Baden-Badener Unternehmer und Volkswirt turnusmäßig im Rahmen der jetzt erstmals als Videokonferenz ausgerichteten Stiftungsratssitzung zum zweiten Mal in diese Position.

Mit seinem Stellvertreter Thorsten Klapproth sowie dem Vorsitzenden des Stiftungsrats Professor Horst Weitzmann und dessen Stellvertreter Richard Kriegbaum steht Ernst-Moritz Lipp an der Spitze der privaten Stiftung. Der Stiftungsvorstand beaufsichtigt und berät die Festspielhaus und Festspiele gGmbH und beruft Geschäftsführung wie Intendant.

Ernst-Moritz Lipp bedankte sich nach seiner Wiederwahl bei den Stifterinnen und Stiftern: „Es ehrt mich, dass Sie mir weiterhin vertrauen, die Geschicke der Kulturstiftung als Vorsitzender mitzuverantworten. Gleichzeitig danke ich Ihnen im Namen des Vorstands für Ihre große Unterstützung der Festspielhaus-Idee in den vergangenen Jahren und insbesondere für Ihre Treue und tatkräftige Hilfe in der aktuellen Corona-Krise.“

Der Stiftungsvorstand erläuterte den Stifterinnen und Stiftern im Rahmen der aus dem Festspielhaus übertragenen Videokonferenz die aktuelle Situation. Der Festspielhaus gGmbH fehlen im aktuellen Jahr mehr als 80 Prozent ihrer Umsätze. Ausfallen mussten unter anderem die Osterfestspiele mit den Berliner Philharmonikern, die Pfingst- und Sommerfestspiele sowie das Weihnachtsprogramm inklusive dem großen jährlichen Gastspiel des Mariinsky Balletts aus St. Petersburg.

Mariinsky Ballett – Silvestergala in Baden-Baden : Divertissement
youtube Trailer Festspielhaus Baden-Baden
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Zur wirtschaftlichen Lage sagte Ernst-Moritz Lipp:Dank der gewährten Strukturhilfe des Landes Baden-Württemberg und den vielen privaten Spenden sowie der Unterstützung durch den Freundeskreis Festspielhaus konnten wir für 2020 das Schlimmste abwenden. Nun müssen wir uns auf das Wirtschaftsjahr 2021 konzentrieren, in dem einige Probleme erst mit zeitlicher Verzögerung auftreten werden.“

Einen besonderen Dank sprach Ernst-Moritz Lipp allen Besucherinnen und Besuchern des Festspielhauses Baden-Baden aus, die ihre Eintrittskarten in der Corona-Pandemie gespendet haben. Auf diese Weise kamen mehr als 500.000 Euro an Unterstützung zusammen. Stifter, Förderer und Freundeskreis brachten über sechs Millionen Euro auf, obwohl das Programm Mitte März 2020 eingestellt und nur kurz im Frühherbst wiederaufgenommen werden konnte.

ORPHÉE et EUREDICE – Ballettoper – John Neumeier – Festpielhaus

IOCO Kritik  –  HIER!

Mitte des Jahres 2020 war die Immobilie Festspielhaus Baden-Baden wie bereits 1998 angedacht von der Stadt Baden-Baden übernommen worden. In diesem Zusammenhang dankten die Stifterinnen und Stifter dem Gemeinderat und der Oberbürgermeisterin Margret Mergen für die vertrauensvolle Zusammenarbeit: „Das privat-öffentliche Finanzierungsmodell des Festspielhauses Baden-Baden hat uns bisher durch diese Krise getragen. Ich bitte alle Beteiligten, dass dies auch 2021 so sein möge“, sagte Ernst-Moritz Lipp.

„Fels in der Brandung – erfahrene Kapitäne am Steuer“

Intendant Benedikt Stampa gratulierte Ernst-Moritz Lipp zu seiner Wiederwahl und sagte: „Die Kulturstiftung ist unser ‚Fels in der Brandung‘. Ich kenne kein vergleichbares Haus, das eine solch treue Unterstützer-Familie hinter sich hat. Mit Professor Ernst-Moritz Lipp und dem amtierenden Vorstand weiß ich zudem erfahrene und sturmerprobte Kapitäne am Steuer. Das ist in diesen ernsten Zeiten ein riesiger Vorteil. Die Stiftung wird uns helfen, sobald es geht, wieder ein festspielwürdiges Programm anbieten zu können. Mit Hilfe von Land, Stadt und Stiftung kommen wir stärker zurück, als wir im März 2020 von der Bühne gegangen sind.“

Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden – 2000 gegründet

Die private Kulturstiftung Festspielhaus Baden-Baden wurde im Jahr 2000 gegründet. Stifterinnen und Stifter brachten seitdem über 60 Millionen Euro für das Programm des Festspielhauses und der Festspiele auf. Aktuell werden 32 Namen in der Stiftung geführt. Neustifter geben eine Millionen Euro in das Stiftungskapital und unterstützen das Haus laufend mit namhaften Jahresspenden. Die Festspiele und das Festspielhaus bringen der Stadt Baden-Baden und der Region unter normalen Voraussetzungen einen jährlichen Kaufkraftzufluss von rund 60 Millionen Euro. Die Immobilie Festspielhaus gehört seit diesem Jahr der Stadt Baden-Baden. Durch einen Strukturhilfe-Zuschuss des Landes Baden-Württemberg und erhebliche Privatspenden konnte der immense Umsatzverlust des Jahres 2020 in der Corona-Pandemie abgemildert werden.

www.festspielhaus.de

 

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—


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Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Cavalleria rusticana – Luci mie traditrici, IOCO Kritik, 21.10.2020

Oktober 21, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Stuttgart

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Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Cavalleria rusticana  –  Luci mie traditrici

 Oper in Zeiten von Corona – unter Pandemie-Bedingungen

von Peter Schlang

Die Stuttgarter Staatsoper ist ja als äußerst empfangsbereites, offenes Haus bekannt, aber so viele und lange geöffnete Türen sah man am Haus am Eckensee noch nie: Der maximale Zufluss von Frischluft ist eben eine der Bedingungen, die von den Verantwortlichen für öffentliche Veranstaltungen unbedingt einzuhalten sind. Aber auch sonst sind die Angst vor Corona bzw. die Maßnahmen gegen seine Verbreitung am Abend des 11. Oktober im Stuttgarter Opernhaus allgegenwärtig – vor, während und nach der zweiten Opernpremiere der aktuellen, als Ganzes stark von Corona geprägten und eingeschränkten Spielzeit. Dies zeigt sich u. a. an dem in großer Zahl aufgebotenen Personal, welches die Premierengäste durch das Haus und an ihr vorgesehenen Plätze lotst, den mit Tüchern in der Trauerfarbe Schwarz verhüllten jeweils zwei Theatersitzen zwischen den freigegebenen Sesseln und einer pointierten, nicht einmal Spitzen gegen die politischen Entscheider scheuenden Ansprache des Opernintendanten Viktor Schoner vor Beginn der Aufführung. In dieser beklagte der Hausherr u. a. die für die Staatstheater angemeldete Kurzarbeit, die dazu führe, dass Mitglieder des Chores und Orchesters nur eine begrenzte Zeit aktiv sein dürfen, wodurch nur eine stark eingeschränkte Zahl von Aufführungen möglich sei, was wiederum die Einnahmen an Eintrittsgeldern beträchtlich drücke. Genüsslich verwendete der Intendant für solche und andere Corona-Kollateralschäden die Begriffe Milchmädchenrechnung und Schildbürgerstreich!

Cavalleria rusticana – Luci mie traditrici
youtube Trailer Staatsoper Stuttgart
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Diese die Pandemie an ihrer Ausweitung hindernden Maßnahmen beschränken sich aber nicht auf Äußerlichkeiten und organisatorische Abläufe und die Einhaltung der Abstandsregeln vor der Bühne, sondern sie ergriffen auch den innersten Bereich einer Opernaufführung, also deren musikalisches und dramaturgisches Gerüst bzw. dessen Umsetzung. So hatte man für die den Abend eröffnende Cavalleria rusticana des italienischen Verismo-Komponisten Pietro Mascagni bei dessen zeitgenössischem deutschen Kollegen Sebastian Schwab extra eine Kammermusikfassung in Auftrag gegeben und diese zusammen mit dem den Abend auch leitenden Generalmusikdirektor Cornelius Meister parallel zu den Proben erarbeiten lassen, die im Graben ein gerade neun Streicher umfassendes Kammerorchester und den von Cornelius Meister gespielten Flügel vorsieht.

Dazu kommt ein an die südeuropäische Banda-Tradition angelehntes Blasorchester, das hinter der Bühne agiert. Der gerade wieder zum Opernchor des Jahres gekürte Staatsopernchor wird in dieser Corona-Version auf ganze 18 Mitglieder „eingedampft“, die natürlich nicht auf der Bühne agieren, sondern, rein konzertant, im dritten Rang platziert sind. Höchst wahrscheinlich ermöglichen nur diese harten musikalischen Eingriffe in die beiden im Original recht groß besetzten musikalischen Kollektive die ursprünglich schon für die vergangene Spielzeit geplante Aufführung dieser glutvollen, rassigen und musikalisch wie inhaltlich berauschenden Oper unter den einschneidenden Corona-Bedingungen. Allerdings führen sie zu einer weitgehenden Entzauberung und nehmen dem sonst so mitreißenden Werk einen Großteil seiner musikalischen Wirkung und Anziehungskraft. So schleppen sich Musik und Handlung relativ zäh dahin, und die sonst die Handlung so plastisch und glutvoll illustrierende Musik wird vieler ihrer Klangfarben und Ausdrucksmittel beraubt, so sehr sich Cornelius Meister und seine Musikerinnen und Musiker auch bemühen, dem Ganzen Drive und Farbe zu geben.

Staatsoper Stuttgart / Cavalleria rusticana - hier : Auf dem Bild Eva-Maria Westbroek als Santuzza, Ida Ränzlöv als Lola, Arnold Rutkowski als Turiddu © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Cavalleria rusticana – hier : Auf dem Bild Eva-Maria Westbroek als Santuzza, Ida Ränzlöv als Lola, Arnold Rutkowski als Turiddu © Matthias Baus

Die die Handlung tragenden drei Sängerinnen und zwei Sänger machen ihre Sache durchweg recht gut, wobei die nach etlichen Jahren erstmals an ihre alte Wirkungsstätte zurückgekehrte Eva-Maria Westbroek als Santuzza mit ihrem mühelos alle Höhen meisternden und dabei jegliche Schärfe vermeidenden Sopran erfreulich an ihre Stuttgarter Zeit anknüpft. Allerdings wird dieser positive Eindruck etwas durch die manchmal flackernde, weil einem zu starken Vibrato anhängende Stimme getrübt.

Rosalind Plowright gibt der Lucia viel Würde und Stolz, aber auch Verletzlichkeit. Den besten Eindruck unter den drei Sängerinnen hinterlässt bei ihrem Rollendebüt als Lola die grandiose Ida Ränzlöv, die in allen Stimm- und Ausdruckslagen zu begeistern vermag und auch darstellerisch etwas Leben in die ansonsten dramaturgisch eher statische Anordnung bringt. Arnold Rutkowski als Turridu überzeugt mit viel tenoraler Italianitá und hat im profunden Bariton von Dimitrios Tiliakos als Alfio einen ebenbürtigen Gegenspieler. Alle fünf Sänger auf der Bühne sorgen indessen für das zumal in der italienischen Oper sehr seltene Phänomen, an manchen Stellen das Streichorchester im Graben zu übertönen.

Die Regisseurin des Abends, Barbara Frey, kann bei ihrer ersten Stuttgarter Produktion leider nur wenig von ihrer großen Erfahrung als Theaterregisseurin und -intendantin zeigen, sie leitete von 2009 bis 2019 das Schauspielhaus in Zürich, was man ihr aber nicht unbedingt und schon gar nicht allein anlasten darf. Auch ihre Regie und die daraus resultierende Personenführung stehen deutlich sichtbar unter „Corona-Verdacht“ und sind über die gesamte Aufführungsdauer von knapp 90 Minuten voll darauf konzentriert, dass sich die Protagonisten ja nicht zu nahe kommen. Aber wie will man so Nähe, Leidenschaft und sonstige Gefühle glaubhaft auf die Bühne bringen, wenn die Darsteller dazu verdammt sind, vorwiegend – und das allein – an einem Ort zu stehen oder zu kauern, wo sie bevorzugt in der Ära vor dem Regietheater postiert waren – am vorderen Bühnenrand, also an der viel geschmähten Rampe?!

Nicht auszudenken, welch grandiose Möglichkeiten das schon vor dem ersten Höhepunkt der Corona-Pandemie fertiggestellte beeindruckende Bühnenbild Martin Zehetgrubers der Regisseurin und ihren Sängerdarstellern ohne die verordneten Pandemie-Einschränkungen geboten hätte. Zehetgruber, der schon mehrfach an der Stuttgarter Oper gebaut hat, entwarf dazu einen ziemlich heruntergekommenen mächtigen Beton-Brutalbau, besser dessen Ruine, der aus einer umlaufenden Galerie mit einem dahinterliegenden Obergeschoss und einer zur Hälfte eingestürzten, nach rechts geneigten riesigen Treppe besteht. Mit ihrem abgerissenen Äußeren und kalten, morbiden, nur entfernt an verblichenen Glanz erinnernde Tristesse bietet diese Installation allerdings die perfekte Szene für diese wegen einer Seuche so sehr an Fesseln gelegte und in ihrer Dynamik gebremste Operninterpretation.

Staatsoper Stuttgart / Luci mie traditrici - hier : vl Rachael Wilson als Gräfin Malaspina, Ida Ränzlöv als Der Gast © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Luci mie traditrici – hier : vl Rachael Wilson als Gräfin Malaspina, Ida Ränzlöv als Der Gast © Matthias Baus

Der Zweite Teil des Abends, Salvatore Sciarrinos für die Schwetzinger SWR-Festspiele 1998 geschaffene Oper Luci mie traditrici (Meine trügerischen Augen), spielt sich überwiegend unter der nun gedrehten großen Treppe ab, die sich dabei als eingestürzte Decke eines klassizistischen Saales entpuppt, die fast völlig von verwelkendem Farn überwuchert ist. Diesen musikalisch wie darstellerisch absolut spannenderen Teil der Stuttgarter Neuproduktion sahen leider weniger Zuschauer als die sicherlich populärere und bekanntere Oper Mascagnis. Ob dies an der noch immer verbreiteten Angst vor neuer Musik oder an der Ermüdung durch das bis dahin Gesehene und vor allem Gehörte lag, entzieht sich der Kenntnis und dem Beurteilungsvermögen des Rezensenten.

Auf jeden Fall dürfte diesen „Verweigerern der zweiten Halbzeit“ der interessantere, aufregendere und in jeder Hinsicht überzeugendere Teil des Abends entgangen sein. Er bot nicht nur die zweifellos leisere, ja, stillere Darbietung des mit Mascagnis Stoff sehr verwandten und absolut gleichwertigen Themas, also der Eifersucht und verletzten Ehre und der daraus folgenden gnadenlosen Rachsucht, sondern auch die stimmigere, schlüssigere Umsetzung. Die wesentlichen Bedingungen für diesen Umstand und die Zutaten für eine fesselnde Stunde sind vier überzeugende, ja herausragende Sängerdarsteller*innen, eine jetzt stringente Personenführung, eine diese gekonnt unterstützende Beleuchtungsregie, vor allem aber die fragile, verletzliche und oft bis ans Nichts verhauchende Partitur Sciarrinos. Sein Stil und die diesem entspringende Musik gehören wohl zum Leisesten, Filigransten, Zartesten und Transparentesten der Musikgeschichte.

Staatsoper Stuttgart / Luci mie traditrici - hier : vl Auf dem Bild Christian Miedl als Graf Malaspina, Rachael Wilson als Gräfin Malaspina © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Luci mie traditrici – hier : vl Auf dem Bild Christian Miedl als Graf Malaspina, Rachael Wilson als Gräfin Malaspina © Matthias Baus

Was die 21 Musikerinnen und Musiker daraus machen, lässt dennoch keine Langeweile aufkommen. Dabei profitiert die musikalische Umsetzung jetzt tatsächlich sogar von der Pandemie und den auf sie reagierenden Abstandsregeln. Meister platziert nämlich wiederum nur das Streichorchester im Graben und findet in Abstimmung mit der Regisseurin und dem Bühnenbildner für die anderen Orchestermitglieder Plätze, welche ganz neue klangliche Möglichkeiten bieten und Sciaririnos Intentionen in idealer Weise unterstreichen. So spielen die Bläser nun auf der Galerie von Zehetgrubers Cavalleria-Ruine, während die beiden Schlagzeuger Christoph Wiedmann und Thomas Höfs in den beiden Proszeniumslogen agieren dürfen. Alle zusammen schaffen es in bewundernswerter Weise, Sciarrinos Musik und Klangsprache, die aus zahlreichen Quellen und Epochen der Musikgeschichte schöpft, sinnlich berührend, ja unter die Haut gehend zum Leben zu erwecken. Kongenial wird dies von den Darstellern – als Gräfin Rachael Wilson, als Graf Christian Miedl und als Diener, Elmar Gilbertsson umgesetzt. Die Krone in diesem Solistenquartett gebührt aber wiederum der phänomenalen Ida Ränzlöv als Gast bzw. Stimme hinter dem Vorhang, die mit ihrem Wispern, Grummeln, Schnalzen und Glisando-Betören alle Register der Gesangstechnik zieht.

Als Fazit dieser Doppelpremiere dürften mir, dem IOCO-Korrespondenten und vielen anderen Zeugen dieses Opernabends vor allem Zweierlei in Erinnerung bleiben:

Die Stuttgarter Oper will unbedingt wieder vor Publikum spielen und dieses für seine sonst mit höchster Leidenschaft ausgeübte Arbeit zurückgewinnen oder wenigstens bei der Stange halten. Dabei möchte, ja muss man um Gottes Willen coronamäßig jedes Risiko vermeiden, weshalb man in allen Bereichen einen ungeheuren Aufwand betreibt, um jegliche gesundheitliche Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten. Das ist angesichts eines sonst drohenden erneuten Aufführungsverbotes durchaus verständlich und bei der Altersstruktur unseres Opernpublikums auch lobenswert. Allerdings bedauert es der zugegeben kritische Beobachter und Hörer, dass man damit – zumindest in der ersten Hälfte – auch die musikalische und dramatische Ansteckungsgefahr ziemlich ausschaltet und sich damit die entsprechende Begeisterungsfähigkeit in Grenzen halten dürfte. Der zweite Teil dieser Corona-Versuchsordnung gleicht dann aber Vieles wieder aus, wie man ja überhaupt den musikalisch, dramaturgisch und organisatorisch Verantwortlichen der Stuttgarter Oper bescheinigen muss, dass sie sich mit großer Verantwortung, viel Fantasie und sichtbarer Begeisterung an die Bewältigung dieser ja nicht alltäglichen Herausforderung wagten. So darf man durchaus gespannt sein, wie sich die nächsten Neu-Produktionen, Mahlers Lied von der Erde am 27. Oktober und Massenets Werther am 15. November 2020 zu diesem Thema äußern und verhalten werden.

Cavalleria rusticana  –  Luci mie traditrici an der Staatsoper Stuttgart;  weitere Vorstellungen am 18., 20. und 24. Oktober 2020, jeweils 19 Uhr

—| IOCO Kritik Staatsoper Stuttgart |—


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Stuttgart, Stuttgarter Ballett, CREATIONS IV – VI ~ Wasser, Sonne, Mond, IOCO Kritik, 29.02.2020

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Stuttgarter Ballett | Oper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Creations IV bis VI   –  Stuttgarter Ballett

Botschaften – Aus dem Wasser – Von der Sonne – Vom Mond

von Peter Schlang

Nicht weniger als sechs Uraufführungen hat Tamas Detrich auf den Spielplan seiner zweiten Saison als Intendant des Stuttgarter Balletts gesetzt. Nachdem deren erste Hälfte im Herbst auf der „kleinen Ballettbühne“, jener des Schauspielhauses, das Stuttgarter Ballettpublikum in Begeisterung versetzt hatte, wurden die anderen drei Neuschöpfungen unter dem passend-programmatischen Titel CREATIONS IV – VI am 21. Februar 2020 auf der „großen Ballettbühne“, also im Opernhaus, präsentiert. Im Untertitel werden mit „Douglas Lee / Louis Stiens / Martin Schläpfer“ nicht nur die drei verantwortlichen Choreografen dieses Abends genannt, sondern für Kenner wird damit auch deutlich gemacht, dass diese aus drei unterschiedlichen Generationen stammenden  Ballettschöpfer einen äußerst abwechslungsreichen, vielseitigen und spannenden Ballettabend, quasi ein choreografisches Drei-Gänge-Menü, kreieren würden.

Mit dem 42jährigen Douglas Lee, von 1996 bis 2011 als erster Solist Mitglied der Stuttgarter Compagnie, eröffnete der der mittleren Choreografen-Generation Angehörende diesen Uraufführungsreigen. Sein Naiad betiteltes Ballett nimmt Bezug auf die Wassernymphen der griechischen Mythologie und das 1830 entstandene Gedicht „Krake“ des englischen Lyrikers Alfred Lord Tennyson und möchte nicht nur die verschiedenen Eigenschaften des Wassers beleuchten, sondern vor allem die Mythen um dieses Element hinterfragen. Auf der Bühne selbst wird die Unterwasserwelt  durch schwarze, in Wellenbewegung zu bringende Stoffbahnen an der hinteren Bühnenwand (Eva Adler) und eine Meerestiefen imaginierende, mystische  Beleuchtung (Sakis Birbilis) angedeutet. Im Mittelpunkt steht aber der riesige schwarze Reifrock, mit dem Sinéad Brodd starke Assoziationen an eine Qualle erzeugt und der ihr ungeheuer weiche, fließende, auf- und ab wogende und weit ausladende Tanzbewegungen ermöglicht. Zudem  nutzen Choreograf und Tänzerin das beeindruckende Kostüm für manch dramaturgische und tänzerische Überraschung, etwa wenn unter diesem „Rock-Zelt“ plötzlich ein anderer Tänzer hervorkriecht.

Stuttgarter Ballett / CREATIONS IV - VI NAIAD hier © Stuttgarter Ballett

Stuttgarter Ballett / CREATIONS IV – VI NAIAD hier © Stuttgarter Ballett

Um dieses die Fantasie anregende optische und choreografische Zentrum gruppieren sich in wechselnder  Ensemblegröße weitere vier Tänzerinnen und fünf Tänzer, die in kraftvoll-artistischen wie weich-fließenden Bewegungen und Figuren und einer insgesamt sehr modernen Tanzsprache eine Wasserwelt simulieren, die mehr Schutz und Autonomie als Bedrohung und Lebensfeindlichkeit bietet.

Zusätzliche Bewegung und eine weitere Dimension erhalten die einzelnen Szenen Naiads durch die neun sich vertikal und um sich selbst bewegenden, aus dem Bühnenhimmel herunterragenden Spezialscheinwerfer, die nicht nur oft selbst regelrecht in Tanz geraten, sondern als modernes theatralisch-dramaturgisches Mittel der Szene etwas Futuristisch-Unwirkliches verleihen. Zudem lassen sie im Betrachter das Gefühl entstehen, (auf den Meeresboden) zu sinken.

Alle diese Effekte werden durch die von Douglas Lee ausgewählte, höchst emotionale Musik  verstärkt.  Im ersten Teil ist dies die von dem australischen Komponisten Sávva geschaffene Auftragskomposition Corallina, in der nicht nur die von Gustavo Surgik virtuos gespielte Solo-Violine und das mit ihr häufig dialogisierende Klavier für erstaunliche Effekte sorgen. Das ausgesprochen tänzer/innenfreundliche Werk nimmt den Hörer auch durch den fantasievollen  Einsatz diverser Rhythmus- und Perkussionsinstrumente  für sich ein.

Als zweites Musikstück greift Lee auf das 2011 veröffentlichte Stück Algol Bloom des vor allem als Filmkomponisten bekannten Briten Joby Talbot zurück, das ebenfalls das Schlagwerk im Stuttgarter Staatsorchester stark beschäftigt und die Lebensenergie des Wassers klangsinnlich verdeutlicht. Mit prächtig-metallenem Wirbel und fetzigem Drive werden die so selbst in Schwingung gebrachten und bereits heftig begeisterten Zuschauerinnen und Zuschauer  in die erste Pause entlassen.

Das zweite Drittel dieses abwechslungsreichen Ballettabends lag in den Händen des jüngsten der drei mitwirkenden Choreografen, des als Halbsolist in der Stuttgarter Compagnie aktiven Louis Stiens.

In seinem Beitrag Messenger, für den er auch die Bühne und die Kostüme der zehn Tänzerinnen und sieben Tänzer entwarf, verfolgt er die so unterschiedlichen Reaktionen von Menschen auf einen aus einer anderen Sphäre gekommenen Boten, der in wechselnder Gestalt und Sendung auftreten kann. Ausgangspunkt für Stiens‘ Ideen und Botschaften war nach seinen eigenen Aussagen die dafür von ihm ausgewählte Musik, das 2017 im Auftrag des Bayerischen Rundfunks entstandene und der Geigerin Isabelle Faust gewidmete „Follow me“ des in Prag geborenen Komponisten Ondrej Adámek. Dieses dreisätzige Violinkonzert, den Solopart hatte dieses Mal Elena Graf übernommen, thematisiert die Beziehung einer  Gruppe zu einem Individuum oder Solitär, die sich in ganz unterschiedlichen Verhaltensweisen und Reaktionen äußern kann.

Stuttgarter Ballett / Creations IV-VI Messenger - hier : das Tänzerensemble © Stuttgarter Ballett

Stuttgarter Ballett / Creations IV-VI Messenger – hier : das Tänzerensemble © Stuttgarter Ballett

Mit seinen wechselnden Stimmungen und seinem rhythmisierenden, akzentreichen Duktus liefert „Follow me“  Stiens die perfekte Grundlage für seine höchst akkurate, körperlich-akrobatische Bewegungssprache. Diese beansprucht den gesamten Körper der Tanzenden, von denen Elisa Badenes und Jason Reilly häufig solistisch agieren, die aber auch dem Rest des Ensembles Einiges an Artistik, Körperbeherrschung und Synchrongefühl abverlangt. Ob in kleineren Formationen oder als gesamtes Ensemble im Einsatz,  gelingen den Tänzerinnen und Tänzern zumindest anfangs beeindruckende Charakter- und Bewegungsstudien, die ihre Wirkung vor allem aus der großen Vielfalt an Tanz- und Ausdruckselementen und dem mitunter atemberaubenden Tempo der Musik bezieht. So liefert der Choreograf Studien in einer Art Pinguin-Gang  oder im stakkatohaften Takt von Maschinen und lässt seine Kolleginnen und Kollegen puppen- und marionettenartige Bewegungen ausführen.

In den ersten zwei Sätzen von Adámeks Musik vermag das alles die Zuschauer zu fesseln und vermittelt auch einen interessanten Überblick über die dem zeitgenössischen   Ballett zur Verfügung stehenden Tanzstile und Bewegungstechniken. Spätestens im letzten Teil verliert dieser  Ansatz aber etwas an Wirkung und Reiz und fällt gegenüber dem Bisherigen durch das nun hinreichend Bekannte und häufig Redundante ab. Eine Entwicklung findet jetzt nur noch in der Musik statt, was nicht nur der Komposition, sondern in erster Linie dem auch hier fabelhaft aufspielenden Staatsorchester unter der bewährten Leitung seines Ballett-Dirigenten James Tuggle zu verdanken ist.

Das Publikum zeigte sich trotz dieser leichten Trübung von der neuen Arbeit eines seiner Lieblinge sehr angetan und spendete diesem, der ihn kongenial unterstützenden Licht-Designerin Tanja Rühl sowie dem gesamten Ensemble begeisterten Beifall.

Stuttgarter Ballett – Tamas Detrich und der Arbeitsalltag
youtube Trailer des Stuttgartr Ballett
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Mit großen Erwartungen sah man nach der zweiten Pause auch dem letzten Teil des Abends entgegen, wofür neben seinem prominenten Namen vor allem die Tatsache sorgte, dass der hierfür gewonnene Schweizer Choreograf Martin Schläpfer nur zwei seiner bisher über 70 Arbeiten für Compagnien außerhalb seiner jeweiligen Wirkungsstätte geschaffen hat. Diese entstanden vielmehr fast ausschließlich für die Ballette in Bern, Mainz und Düsseldorf, von wo der jetzt Sechzigjährige im Sommer  als Ballettdirektor an die Wiener Staatsoper wechseln wird. Dass Schläpfer für diese Aufgabe gut gerüstet ist und man sich in der österreichischen Hauptstadt uneingeschränkt auf ihn freuen kann, zumindest was seine schöpferische Meisterschaft betrifft, stellte er mit seinem über fünfundvierzigminütigen Beitrag, dem längsten dieses Stuttgarter Abends, eindrucksvoll unter Beweis. Für dieses von ihm versprochene und – das sei jetzt schon verraten – überzeugend realisierte „freudvolle Tanzfest“ als „Hommage an diese große Kompanie“ hatte Schläpfer mit  Franz Schuberts 3. Sinfonie in freudvollem, hellem, heiterem D-Dur ein anspruchsvolles wie mitreißendes Konzertstück gewählt, das seinen Ansprüchen und Fähigkeiten als Vertreter der klassisch geprägten Ballettschule voll entgegenkam. Zu dieser Musik lässt er die neun Tänzerinnen und zehn Tänzer tatsächlich und wie von ihm versprochen „wie in ein Sommerhaus eintreten“ – „in kompletter Harmonie mit sich selbst“.

Mit einem Stück des zeitgenössischen japanischen Komponisten Toshio Hosokawa, dessen Oper Erdbeben.Träume im Juli 2018 in der Staatsoper Stuttgart ihre umjubelte Uraufführung erlebte, fügt Schläpfer dem Schubert’schen Sommerhaus aber gleichsam einen Keller oder ein Untergeschoss hinzu und bleibt damit seiner vielfach gerühmten Tiefgründigkeit treu. Diese Dialektik von Unten und Oben, hell und dunkel, Tag und Nacht findet sich auch in dem vom Choreografen für sein Stuttgarter Stück gewählten Titel wieder, Sonne und Mond, den er allerdings dem zweiten, japanischen Musikstück angepasst hat und in die viel leichter und musikalischer klingende japanische Fassung übersetzen ließ: Taiyo to Tsuki.

Stuttgarter Ballett / CREATIONS IV - VI Taiyo to Tsuki © Stuttgarter Ballett

Stuttgarter Ballett / CREATIONS IV – VI Taiyo to Tsuki © Stuttgarter Ballett

Das Staatsorchester unter seinem „großen Ballett-Versteher“ James Tuggle versieht dazu die Musik des erst siebzehnjährigen Franz Schubert mit strammen Tempi und trocken-klarem Klang, kurz, mit unbetonten, fast harschen Schlüssen und nahezu vibratofrei,  sprich in historisch-informiertem Stil, was diese 3. Sinfonie auch für Liebhaber des „Originalklangs“ zu einem Fest werden ließ.

Dass es zu diesem auch uneingeschränkt für die Anhänger großer Tanzkunst wurde,  war neben der alle Register des Spitzentanzes und anderer klassischer Ausdruckmittel ziehenden Choreografie-Kunst Schläpfers natürlich vor allem auch dem diesem bedingungslos folgenden Stuttgarter  Ensemble zu verdanken. In größter Meisterschaft demonstrieren Miriam Kacerova, Hyo-Jung Kang, Anna Osadcenko, David Moore, Roman Novitzky und Friedemann Vogel, alles Erste Solistinnen und Solisten der Compagnie, sowie die anderen, hier aus Platzgründen nicht namentlich genannten, Ensemblemitglieder in Solo-Auftritten, als Paar und in unterschiedlichsten Gruppenformationen alle Bewegungsmöglichkeiten und Ausdrucksmittel, die sich das klassische Ballett über Jahrhunderte hinweg erarbeitet und angeeignet hat.

Dieses Leichte und Spielerische wird durch die Kostüme Florian Ettis unterstrichen, der die Tänzerinnen in leichte, weite Kleider und die Tänzer in ebenso bequeme weite Hosen und Shirts steckt; eine Art Haus- oder Freizeitkleidung, die auch eine gewisse ironische Distanz zu herkömmlichen klassischen Balletten schafft.

Freilich entspringt diese Leichtigkeit und dennoch vorhandene Tiefe von Schläpfers Entwurf auch der von ihm pausenlos verfolgten und sicht- wie hörbar gewordenen engen Beziehung zwischen seiner Choreografie und der diese begleitenden Musik, die zudem das Geschehen auf der Bühne nicht nur sensibel doppelt und unterstreicht, sondern auch einen gewissen inhaltlichen Bogen zum zuvor gezeigten  Messenger von Louis Stiens schlägt.

Dass  Martin Schläpfer dem modernen Tanztheater durchaus offen gegenübersteht und dieses gekonnt mit klassischen Stilmitteln und Elementen zu verknüpfen weiß, zeigt er im letzten Teil, also zur „Mond-Musik“  Hosokawas, die dessen Stück „Ferne Landschaft III“ entnommen ist. Hier bemerkt man bei deutlich herausgenommenen Tempi, teilweise wie in Zeitlupe, ganz neue, überraschende Figuren und Bewegungen in einer formenreichen, vielseitigen Tanzsprache, die einen tatsächlich in schlaf- oder traumhafte Stimmung versetzen. Ja, der Berichterstatter sah sich hier gar in Gefahr, (Mond)- und tanzsüchtig zu werden – Ballettkunst in höchster Vollendung!

Nach so viel Lob für die drei Choreografen und die deren Ideen in traumhafter  Sicherheit umsetzenden Tänzerinnen und Tänzer sei abschließend noch einmal das (nicht nur) an diesem Abend fabelhafte Staatsorchester und sein Ballett-Dirigent James Tuggle dafür gelobt, dass und wie sie in einer einzigen Aufführung fünf so unterschiedliche, äußerst anspruchsvolle  Stücke spielen, dazu nicht als rein akustisches Ereignis in einem Konzertsaal, sondern für Tänzerinnen und Tänzer, die dazu in ebenso anspruchsvollen wie unterschiedlichen Choreografien ihr Bestes geben müssen.

Dafür, dass dies ausnahmslos überzeugend, ja begeisternd gelang, ernteten alle Beteiligten nach jedem der drei Teile des Abends – und an dessen Ende nochmals zusammengefasst und verstärkt – uneingeschränkten Beifall, ja großen Jubel.

Creations IV – VI  des Stuttgarter Ballett – weitere Vorstellungen am 29.02.; am 03., 19., 25., 29. 03.; am 08., 11. 04.; am 22., 23. 07. 2020

—| IOCO Kritik Staatsoper Stuttgart |—


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Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, BORIS – Der Blick zurück nach vorn, IOCO Kritik, 08.02.2020

Februar 8, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Stuttgart

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Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

BORIS  –  Modest Mussorgski / Sergej Newski

Ereignis – Wahrnehmung – Erinnerung – Überlieferung – Geschichte(n):  Was wirkt am Nachhaltigsten? 

von Peter Schlang

Nachdem sich die Stuttgarter Staatsoper in ihrem ersten Frühjahrsfestival im vergangenen Jahr mit der Frage nach der Bedeutung und Wahrnehmung der  Wirklichkeit befasst hat, treibt sie in diesem Jahr das Spiel mit den Zeitebenen und ihrer Vermischung auf die Spitze. Unter dem experimentell anmutenden Motto „Wer wollen wir gewesen sein?“ beschäftigt sich das aktuelle Frühjahrsfestival nämlich mit dem Futur II, jener Zeitform also, die Zukunft und Vergangenheit nicht nur grammatikalisch fasst, sondern auch Möglichkeiten für Entwürfe bietet, die sich aus verschiedenen epochalen Perspektiven betrachten lassen.

BORIS – Mussorgski / Newski
youtube Trailer Staatsoper Stuttgart
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Die „vollendete Zukunft“, wie das Futur II in seiner deutschen Fassung heißt, wirft einen mindestens doppelten zeitlichen Blick auf Subjekte (und Objekte) der Geschichte und frägt, wieviel und welche Gestaltungsideen – auch für die Zukunft – wir Gegenwärtigen aus der  Vergangenheit gewinnen können und wieviel Zukunft es in der Vergangenheit (wieder) zu finden gibt.

Die Staatsoper Stuttgart mit dem Opernprojekt „BORIS“
Frühjahrsfestival 2020 „Wer wollen wir gewesen sein?“

Als Auftakt und wohl ambitioniertestes Projekt dieser Überlegungen gelangte am Sonntag, dem 2. Februar 2020 im Stuttgarter Opernhaus BORIS zur (Ur-) Aufführung, bei dem die Urfassung von  Modest Mussorgskis Oper Boris Godunow (1869) und die Musiktheater-Szenen Secondhand-Zeit des zeitgenössischen russischen Komponisten Sergej Newski, miteinander verschränkt werden.

Diese Auftragskomposition der Stuttgarter Oper basiert auf Texten der weißrussischen Autorin und Literatur-Nobelpreisträgerin Swetlana Alexijewitsch, die für ihren gleichnamigen Roman der Stimmen während und  nach der Perestroika unter Präsident Gorbatschow die Lebenserfahrungen zahlreicher sowjetischer Bürger erfragte und zu Literatur formte. Für die in Stuttgart uraufgeführte musikalische Fassung von „Secondhand-Zeit“ wählten die Autorin, der Komponist und der verantwortliche Dramaturg Miron Hagenbeck die Erinnerungen von sechs Zeitzeuginnen und -zeugen aus, denen das Schicksal in der Sowjetunion und in den Jahren des Umbruchs gegen Ende der 80er und zu Beginn der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts besonders viel abverlangt hatte. Da die Darsteller dieser vier Frauen und zwei Männer auch in Mussorgskis ohne Striche gespielter Oper wichtige Rollen innehaben und die zehn Szenen der Secondhand-Zeit direkt und zwischen die Bilder der Mussorgski-Oper und an deren Ende gestellt werden, verschränken sich die verschiedenen Zeitebenen auf der Bühne zu einem geheimnisvollen Mix mit überraschenden Wirkungen, Kontrasten und Überlagerungen. So bespielt die Kunstform Oper im Spiel mit Trugbilden, Fantasien, Utopien und deren zerstörerischem, pessimistischem Gegenteil, der Dystopie, äußerst eindrucksvoll ihre angestammte Bühne und unterstreicht so ihre besonderen, ureigenen Stärken.

Staatsoper Stuttgart / BORIS - hier : Ensemble und Chor © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / BORIS – hier : Ensemble und Chor © Matthias Baus

Zu dieser durchaus fesselnden theatralischen Wirkung trägt auch die sprachlich-dramaturgische Entscheidung bei, den Boris Godunow in seiner russischen Originalsprache und  Newskis / Alexijewitschs „Erinnerungssplitter“ in deutscher Sprache (Übersetzung Ganna-Maria Braungardt) singen zu lassen, so dass sich zur grammatikalischen Ebene des Festivalthemas eine weitere interessante Spielform der Duplizität gesellt.

Bei allen möglichen Zweifeln und der Berechtigung der Frage, ob Mussorgskis  „Original-Boris einer solchen modernen Fortschreibung und Ergänzung bedarf, sprechen neben den genannten aufführungspraktischen und dramaturgischen Aspekten auch die thematischen Parallelen der beiden Teile des „Stuttgarter BORIS“ für das hier umgesetzte Konzept.

So erzählt Mussorgskis Oper von Aufstieg und Fall eines Mächtigen, ja Gewaltherrschers, dem im 16. Jahrhundert regierenden Zaren Boris Godunow, die direkte Auswirkungen auf das Volk und dessen Situation haben, aber auch selbst von „unten“ beeinflusst werden. In Newskis Beitrag werden nun aus der anonymen Masse sechs Menschen  ausgewählt, deren Schicksal wie durch ein Zoom oder Mikroskop näher betrachtet wird. So wird erfahrbar, wie Geschichte und Geschichten miteinander verbunden sind und sich unterschiedliche Zeitebenen gegenseitig durchdringen. In beiden Darstellungen wird auch gezeigt, welche Brüche sich in einer Gesellschaft ergeben können und wie Menschen mit ihrem dadurch ebenfalls gebrochenen eigenen Schicksal umgehen und einen Neuanfang versuchen.

Staatsoper Stuttgart / BORIS - hier : Adam Palka als Boris Godunow und Carina Schmieger als Xenia / Die Geflüchtete © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / BORIS – hier : Adam Palka als Boris Godunow und Carina Schmieger als Xenia / Die Geflüchtete © Matthias Baus

Die Zusammenschau beider Epochen und ihrer Verhältnisse lässt auch  gut erkennen, dass und wie sich politische und gesellschaftliche Bedingungen gleichen, ja wiederholen – völlig  unabhängig von Epochen, zwischen denen, in diesen zwei  russischen Fällen, fast vierhundert Jahre liegen. So beschreibt BORIS das Modell für die Wiederkehr ähnlicher Machtmechanismen und veranschaulicht dieses in der individuellen Erinnerung (in)direkt Betroffener. Vergangenheit wird so zur – polyphonen – Gegenwart und ermöglicht die „Gleichzeitigkeit verschiedener Zeitebenen“.

Das Team um den Regisseur Paul-Georg Dittrich setzt alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel ein, um diese Zusammenhänge plastisch und theaterwirksam darzustellen. Ja Dittrich und seine Ausstatterinnen, die Bühnenbildnerinnen Joki Tews und Jana Findeklee, die Kostümbildnerinnen Pia Dederichs und Lena Schmid sowie die von diesen bestens beschäftigten Mitarbeiter*innen der Gewandmeisterei, Schuhmacherei und Modisterei, ziehen alle Register und zeigen umfassend die Kunstfertigkeit ihrer jeweiligen Zünfte.

Dies beginnt schon beim Öffnen der Türen zum Zuschauerraum, wenn aus dem Off Geräusche und musikalische Versatzstücke erklingen und über eine vor den Bühnenrahmen gespannte Projektionsfläche Filmszenen eines mit Öl verschmierten, sterbenden Pelikans flimmern, wobei diese Szenen immer wieder in ein menschliches Auge projiziert werden.

Wenn sich dann der Vorhang hebt bzw. die Bühne langsam aus dem Dunkel auftaucht, kehrt dort das Bild der schon vertrauten Ölpest ganz real wieder. Der in BORIS  in voller Größe aufgebotene Chor der Staatsoper kauert, in ölverschmierten körperfarbenen Bodys  und ebenso verschmutzten Kappen, als von der Katastrophe gezeichnete, eingeschüchterte, demoralisierte Masse auf dem Boden und beklagt im Prolog aus der Secondhand-Zeit den Verlust einer vertrauten, scheinbar besseren Welt. Im Hintergrund erhebt sich der von den beiden Bühnenbildnerinnen  geschaffene, ebenfalls von dem vorausgegangenen Unglück stark in Mitleidenschaft gezogene und mit Öl und Teer verschmutzte zentrale Bühnenbau. Dieser erinnert an die Ruine eines sozialistischen Verwaltungs- oder Kulturbaus und wird im weiteren Verlauf der Handlungen, geschickt und mehrfach verändert, zum höchst flexiblen Multi-Funktionsort. Durch seine Drehbarkeit, seine Treppen und zahlreichen versteckten Türen entfaltet er dabei nicht nur ein überraschendes Innenleben, sondern erhält auch großen Anteil an der erwähnten theatralischen Opulenz  und Lebendigkeit der Inszenierung. Außerdem erlaubt er je nach Zustand die Assoziation mit staatlichen (monarchischen wie kommunistischen) und kultisch-religiösen Symbolen und Handlungen und bietet diesen einen schlüssig-passenden Rahmen.

BORIS – hier „Der Obdachlose“ und sein Schicksal
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Diese treffende Zu- und Einordnung wird auch durch eine unglaubliche Vielfalt an Kostümen erleichtert, die in ihrer Genauigkeit und Pracht so in der letzten Zeit höchstens in Produktionen klassischer Ballette zu sehen waren und – zumindest für jüngere Stuttgarter Opern-Neuinszenierungen – den reinen Luxus darstellen. Allein wegen dieser Ausstattung sei dringend zu einem Besuch des BORIS geraten.

Zum Problem für den Betrachter wird allerdings die Schrankenlosigkeit, mit der Regie und Ausstatterinnen streckenweise zu Werke gehen.  Da ist nicht nur manch ein theatralisches Mittel oder technisches Detail zu viel des Guten oder bringen einen die vielfachen Anspielungen und Assoziationsmöglichkeiten ins Schleudern. Zur regelrechten Übersättigung führen vor allem die fast pausenlos über eine runde Projektionsfläche oberhalb des zentralen Bühnenbaus flimmernden Video-Sequenzen. Sie bestehen nicht nur aus jeder Menge dokumentarischer Aufnahmen, Passagen aus Natur und Kultur, Zeichentrickfilmen und  Comic-Streifen, sondern werden zeitgleich auch in der an diesem Abend für das Publik geschlossenen Königsloge live produziert. Dort spielen Doppelgängerinnen und Doppelgänger der eingangs erwähnten sechs Darsteller wichtiger Rollen des Boris- und Secondhand-Zeit-Teils einzelne Szenen nach und verändern, ja verwandeln sich permanent. Das mag für die dafür nötige Videoregie und -technik eine dankbare Aufgabe und Herausforderung sein, lenkt aber mehr und mehr vom direkten Bühnengeschehen ab, zumal sich dieses nicht nur auf der Opernbühne abspielt, sondern die Regie dafür auch die beiden Proszeniumslogen und teilweise sogar den Zuschauerraum und die seitlichen Foyers bespielen lässt. Außerdem ermüdet dieser mediale Overkill  auf Dauer die Betrachter und verschiebt auch die Gewichte der Darstellung und Interpretation vom Realen zum zu sehr Fiktiven.

Staatsoper Stuttgart / BORIS - hier : das Ensemble © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / BORIS – hier : das Ensemble © Matthias Baus

Solche Einwände lassen sich für die Musik  dieses so ambitionierten wie ausgefallenen Projektes beim schlechtesten Willen nicht formulieren.  Das gilt zunächst ganz generell für das Zusammenspannen der beiden Partituren und die daraus hervorgehenden Klänge. So bereitet der für seine Zeit ungeheuer moderne Stil von Mussorgskis Boris Godunow mit seinen parlandohaften, meist rezitativischen und liedhaften Gesangsnummern, die sich aus der klassischen Oper höchstens einen schwach an ein Arioso erinnernden Solo- oder Ensemblegesang entlehnen, sehr gut den Boden für Newskis (gemäßigt) moderne Klangsprache. Deren zentrales Stilmittel ist die Polyphonie, die das Spiel mit verschiedenen Zeitebenen zur musikalischen Parallele von deren thematisch-inhaltlichen Zitaten werden lässt. Sergej  Newski Secondhand-Zeit ist dabei in vielen Epochen und Stilen der Musikgeschichte unterwegs und macht  u. a. Anleihen bei Jazz, Kirchen- und Tanzmusik (Tango und andere lateinamerikanische Rhythmen), wobei er auch ältere und traditionellere Elemente einsetzt, als Mussorgski dies getan hat. Das passt sehr gut zum Nebeneinander so unterschiedlicher Gesangs- und Ausdruckweisen im originalen Boris Godunow wie Chorälen und anderen religiösen Gesängen, derben, volksliedhaften Liedern, politischen Reden sowie Jubel- und dicht folgenden Protest-Gesängen und ergibt im Zusammenklang und im Ablauf der beiden Werkteile eine eigentümliche, rätselhafte Melange. Diese lässt den Hörer an etlichen Übergangstellen zum jeweils nächsten musikalischen Abschnitt raten, welchem Komponisten man das gerade zu Hörende nun verdankt.

Dieses anerkennende Fazit für das Harmonieren der beiden Kompositionen leitet ohne Bruch zur Würdigung der Leistungen des musikalischen Personals über.

Fordert die Länge der Oper mit über 180 Minuten reiner Spielzeit und der Umfang vieler Rollen und Chorszenen generell den Solisten und dem Chor ungeheure Konzentration, Kraft und Ausdauer ab, so gilt dies in besonderer Weise für die sechs Solisten, welche in beiden Werkteilen je eine tragende Rolle innehaben, also Doppelrollen singen und spielen. So nehmen Alexandra Urquiola als Fjodor und Aktivistin, Carina Schmieger als Xenia und Geflüchtete, Maria Theresa Ullrich als Xenias Amme bzw. Mutter des Selbstmörders,  Stine Marie Fischer als Schenkwirtin und Frau des Kollaborateurs, Elmar Gilbertsson als Grigori und jüdischer Partisan und Petr Nekoranec als Gottesnarr bzw. Obdachloser nicht nur in Secondhand-Zeit die zentralen und das ganze Werk tragenden Rollen ein, sie müssen dazu auch im Boris Godunow teils anstrengende und lange Partien stemmen. Die Qualität und Intensität, mit der sie das tun, sei es als Solisten oder in verschiedenen Ensembleszenen, zeugt wieder einmal von der großen Klasse des Stuttgarter Solistenensembles. Aus diesem ragen  am Premierenabend dennoch zwei Sänger mit ihren herausragenden gesanglichen Leistungen und ihrer großen schauspielerischen Präsenz besonders hervor:  die sich immer mehr zu Publikumslieblingen entwickelnden Adam Palka als despotisch-dämonischer wie als verletzlich-schwacher Boris Godunow und der ebenfalls in jeder Nuance überzeugende Matthias Klink als mit allen Wassern gewaschener, schmieriger Strippenzieher Wassili Schulski.

BORIS – hier „Die Aktivistin“ und ihr Schicksal
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In weiteren Rollen, die für alle Sängerinnen und Sänger übrigens  ihr Debüt darstellten, gefielen Goran Juric als bös geschundener Schreiber Pimen, Pawel Konik als Schtschelkalow, Ramina Abdulla-zade als  jüdischer Partisan im Kindesalter und Urban Malmberg als dessen Greisen-Darsteller sowie Charles Sy, Ricardo Llamas Márquez und Matthias Nenner.

Erneut einen überaus starken Auftritt hatte der von Manuel Pujol bestens vorbereitete Stuttgarter Opernchor, der den berühmten Massenszenen im Boris Godunow, aber auch den zwei Chören in Prolog und Finale der Secondhand-Zeit sowohl als Stimm- als auch als Darsteller-Kollektiv ungeheure Präzision und Überwältigungsmacht verlieh. Gleiches gilt für den für diese Chorszenen unverzichtbaren Extrachor und den von Bernhard Moncado betreuten Kinderchor der Staatsoper.

In sehr guter Verfassung zeigte sich am Premierenabend auch das Staatsorchester Stuttgart, in dem es keinerlei Schwachstellen gab, aus dem aber dennoch die exzellenten Bläser einmal besonders erwähnt werden sollen.

Als ruhender Pol in all diesen Klangmassen und souveräner Organisator wie übersichtsvoller und umsichtiger Taktgeber bestand Titus Engel nach seiner beeindruckenden Leistung in Bartoks Herzog Blaubarts Burg zu Beginn der letzten Spielzeit auch seine nächste Bewährungsprobe als Sachwalter neuer Musik.

Die Mehrheit der Zuschauer im ausverkauften Premierensaal dürfte ähnlich und überwiegend positive Eindrücke wie der IOCO-Korrespondent gesammelt haben, denn die nicht gerade wenigen mutigen Buh-Rufer wurden alsbald vom großen, ja frenetischen Beifall und Jubel überstimmt. Er galt nicht nur herausragenden musikalischen Leistungen und einer über weite Strecken auch schlüssig-stringenten Regie, sondern auch einem  bewegenden Plädoyer für mehr Menschlichkeit und die Wahrung der Menschenwürde.

BORIS an der Staatsoper Stuttgart, die weiteren Vorstellungen 07., 16., 23. Februar, 2. März, 10.; 13. April 2020

—| IOCO Kritik Staatsoper Stuttgart |—


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