Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Mefistofele – Arrigo Boito, IOCO Kritik, 23.06.2019

Juni 23, 2019 by  
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Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Mefistofele – Arrigo Boito

– nach Labor und Disco – die Erlösung im Himmel  –

von Peter Schlang

Als achte und letzte Premiere in der ersten Spielzeit ihres neuen Intendanten Viktor Schoner kam der Stuttgarter Staatsoper am 16. Juni  Mefistofele auf die Bühne. Es ist die einzig vollendete Oper von Arrigo Boito, 1842 – 1918; Opernfreunden vor allem als Librettist des Spätwerks Giuseppe Verdis bekannt. Mit diesem Werk  wollte man in Stuttgart nicht nur die Auseinandersetzung mit verschiedenen Fassungen des Fauststoffes fortsetzen, sondern (vielleicht) auch den Beweis antreten, dass die sich hartnäckig haltende Meinung, Boitos Begabung läge mehr im literarischen als im musikalischen Bereich, ein Vorurteil ist. Um es vorweg zu nehmen: Dieses Ziel wurde nicht (ganz) erreicht, was auf gar keinen Fall den musikalisch Beteiligten angelastet werden darf, die allesamt am Premierenabend eine respektable bis vorzügliche Leistung boten.

Arrigo Boito, begeisterterer  Anhänger Richard Wagners, was in seiner Oper an vielen Stellen heraushört, versucht in Mefistofele, das Bewährte der Italienischen Belcanto-Oper mit dem (deutschen) Musikdrama zu einer neuen Form zu verschmelzen. Dazu verknüpft er klangmächtige Vor- und Zwischenspiele, zum Dahinschmelzen schöne Arioso, die den transparenten Parlando-Stil Puccinis genauso vorwegnehmen wie sie das Kraftvoll-Italienische seines großen Kollegen Verdi nachahmen, mit wirkmächtigen, groß besetzten Chorszenen. Außerdem zeigt Boito, dass er als Komponist um die musikalischen Wurzeln und Ursprünge weiß, denn sein Mefistofele offenbart zahlreiche Anleihen aus früheren musikalischen Epochen.

Mefistofele – Arrigo Boito
youtube Trailer Staatsoper Stuttgart
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All dies ist handwerklich gut gemacht, anfangs recht unterhaltsam und leicht und angenehm zu hören, auf Dauer aber häufig schnell durchschaubar und lässt die musikalisch-dramatische Zuspitzung und Abwechslung vermissen.

Daniele Callegari, für diese Neu- Produktion aus Mailand nach Stuttgart geholter Spezialist für das italienische Ouevre, versucht alles, um aus Boitos Musik einen fesselnden, Opernabend zu machen und animiert das Staatsorchester Stuttgart zum veritablen Klangsurfen auf Boitos Klangwellen, wobei er deren Wucht bei den eher seltenen Stellen intimen Innehaltens nicht immer entschieden  zu drosseln vermag. Für den ebenfalls kraftvoll auftrumpfenden Staatsopernchor sind Callegari und sein Orchester ein sicherer, kongenialer Begleiter, die mit dazu beitragen, das von Manuel Pujol wieder hervorragend präparierte (erwachsene) Gesangskollektiv wie so häufig in Stuttgart zu einem Star des Abends werden zu lassen. Dass einem in Stuttgart auch um den Chornachwuchs nicht Angst werden muss, bewies der Kinderchor, den Bernhard Moncado  stimmlich wie darstellerisch bestens auf seine frischen, nicht selten wirbelnden Einsätze vorbereitet hatte.

Staatsoper Stuttgart / Mefistofele - hier :  Mika Kares als Mefistofele © Thomas Aurin

Staatsoper Stuttgart / Mefistofele – hier : Mika Kares als Mefistofele © Thomas Aurin

Als weiterer stimmlicher Leuchtturm des Abends entpuppte sich der finnische Bass Mika Kares, welcher für die Titelfigur nicht nur stimmlich das Dämonisch-Abgründige mitbringt und seinen tief grundierten Bass wunderbar durch die zweieinhalbstündige Aufführung gleiten lässt, sondern auch darstellerisch alles an Dämonischem und Teuflischem bereithält, das man von seiner Rolle nun einmal erwarten darf. Dennoch sind dem Mefistofele Kares‘ auch menschliche Züge nicht fremd, etwa wenn er mit Verzweiflung  und Abscheu und Stöhnen und Jammern auf die sphärischen Klänge der himmlischen Heerscharen reagiert und sich ostentativ die Ohren zuhält.

Gegen diese Vollblut-Theaterfigur hat es der Faust Antonello Palombis, der mitten in den Proben für den erkrankten, ursprünglich vorgesehenen Gianluca Terranova einsprang, naturgemäß schwer. Der Sänger gibt jedoch sein Bestes und überwindet im Verlauf des Abends anfängliche leichte Unsicherheiten und Schärfen in den Höhen. Ansonsten wird er im Gegensatz zu seinem teuflischen Widerpart von der Regie ziemlich allein gelassen, worüber noch zu schreiben sein wird.

In der Doppelrolle Margheritas und Elenas liefert die junge, zu Beginn der Spielzeit ans Haus gekommene Sopranistin Olga Busuioc (Foto) ein begeisterndes, zu größten Belcanto-Hoffnungen  berechtigendes Rollendebüt und meistert klangschön und scheinbar federleicht alle stimmlichen Herausforderungen, auch ihre teilweise gewagten Koloraturen.

Staatsoper Stuttgart / Mefistofele - hier :  Olga Busuioc als Margherita © Thomas Aurin

Staatsoper Stuttgart / Mefistofele – hier : Olga Busuioc als Margherita © Thomas Aurin

Ebenfalls ohne Einschränkung überzeugten die beiden übrigen, (noch)  zum Internationalen Opernstudio der Stuttgarter Oper gehörenden Protagonisten, die aus Kolumbien stammende Mezzo-Sopranistin Fiorella Hincapié in der Doppelrolle der Marta und der Pantalis sowie der junge amerikanische Tenor Christopher Sokolowski als Wagner bzw. Nerèo. Dieses Solisten-Quintett beweist auch, solistisch wie in den zahlreichen, unterschiedlich besetzten Ensemble-Szenen, die Richtigkeit des nach wie vor in Stuttgart praktizierten Ansatzes, so häufig wie möglich auf hauseigene Kräfte statt auf große Namen zu setzen und dabei auch dem Sängernachwuchs so früh wie möglich seine Chancen zu geben.

Bleibt zum nicht ganz so guten Schluss dieser letzten Stuttgarter IOCO – Premieren-Besprechung dieser Spielzeit ein Blick auf die Arbeit des Regieteams. Als dieses hatte man den Regisseur Àlex Ollé vom so hoch gepriesenen katalanischen Theater-Kollektiv La Fura dels Baus, den  Bühnenbildner Alfons Flores und den Kostümbildner Lluc Castells verpflichtet. Das war sicherlich nicht nur ein bemerkenswerter Marketing-Coup, sondern sorgt in der Aufführung – vor allem anfänglich – für manches Staunen und einige äußerst spektakuläre und  theaterwirksame Momente.

Diese waren aber in erster Linie das Verdienst der beiden Ausstatter, bei denen Lluc Castells mit seinen aufwändigen, äußerst abwechslungsreichen und sehr auffallenden  Kostümen zumindest optisch die Nase vorne hatte. Dafür, dass sich diese und ihre Träger wirkmächtig in Szene setzen konnten, sorgte – technisch und theater-architektonisch eine Meisterleistung –  Alfons Flores mit einer in allen Richtungen verschiebbaren Gerüst-Konstruktion. Mit ihren unterschiedlich zu bespielenden drei Ebenen verkörperte sie, völlig naturfern und etwas zu zeitgeistig, die Unterwelt wie den Himmel und bot auch den von diesen umschlossenen verschiedenen irdischen Spielstätten eine regie-freundliche, äußerst theaterwirksame Basis, die durch zwei seitliche Treppen ein weiteres dramaturgisch äußerst wirkungsvolles Element erhielt, das für imposante Auf- und Abtritte genutzt wird. Anfänglich ist sie ein steriler Laborraum, an dem in einer Art  Versuchsanordnung 36 in aseptisches Weiß gekleidete und mit Forschungs-, genauer Sezier-, vielleicht auch Manipulationsarbeiten beschäftige Wissenschaftler (siehe youtube Trailer) zu sehen sind. Deren Arbeit wird durch Mefistofeles beendet, der anschließend alle Laborplätze, auch Fausts erst sehr spät geräumten, desinfiziert. Später ist die Bühnenkonstruktion abwechselnd mal Diskothek, mal Schauplatz der Walpurgisnacht, dann Kerker und Hinrichtungsort Margaretes und schließlich wieder der Himmel, in den der hilflose, sich verladen vor-kommende Mefisto seine sicher geglaubte Beute Faust entschwinden lassen muss.

Staatsoper Stuttgart / Mefistofele - hier :  Olga Busuioc als Margherita, Mika Kares als Mefistofele, Antonello Palombi als Faust © Thomas Aurin

Staatsoper Stuttgart / Mefistofele – hier : Olga Busuioc als Margherita, Mika Kares als Mefistofele, Antonello Palombi als Faust © Thomas Aurin

Die meisten dieser Szenen entfachen – zumindest zunächst – einiges an   theatralischem Aufsehen und besitzen durchaus dramaturgische Sogkraft, reichen aber nicht aus, um daraus einen dramaturgisch dichten und ideenhaft nachhaltig wirkenden Theaterabend zu machen und eine über optische Reize hinausgehende Wirkung zu erzielen.

Zum offensichtlichen Manko dieser Neuinszenierung, die als Ko-Produktion  mit der Opéra de Lyon dort schon am 11. Oktober des vergangenen Jahres Premiere gefeiert hatte,  trägt nicht nur bei, dass die Möglichkeiten der geschilderten Theaterlandschaft begrenzt und nach nicht allzu vielen Bildern ausgereizt sind. Als Hauptverantwortlichen dafür, dass die eigentliche Botschaft des Stücks eher diffus bleibt und nur in Ansätzen wahrnehmbar wird, muss der kritische Betrachter den  Regisseur Àlex Ollé und seine in Stuttgart mit der szenischen Einstudierung betrauten Kolleginnen bzw. Assistentinnen Susana Gómez und Tine Buyse ansehen und benennen. Sie schaffen es nicht, eine schlüssige, den Kern treffende Personen-führung und –zeichnung einzubringen; belassen es bei allgemeingültigen, sich häufig wiederholenden, schnell abnützenden Bewegungsabläufen und Anordnungen – gerade auch in den großen Ensembleszenen. So stellt sich vor dem Auge des Betrachters und in dessen Denk- und Fühlzentrum spätestens nach dem zweiten Akt eine gewisse dramaturgisch-optische Langeweile ein, die vor allem wegen der ausführlich gelobten musikalischen Ebene nicht dazu führt, dass man ein baldiges, vorgezogenes Ende dieses Opernabends herbeisehnt.

Da hat man in Stuttgart schon häufig – und das auch und gerade in dieser ersten Saison unter der neuen Leitung – besseres, aufregenderes und unterhaltsameres Opern-Regie-Theater erlebt. So gesehen wurden die so hochgesteckten und  durch entsprechend medienwirksamen Einsatz geweckten Erwartungen, die mit dem Namen  La Fura dels Baus verbunden sind, doch erheblich enttäuscht. Ein gewichtiger Grund, sich diese Opernausgrabung nicht anzusehen und anzuhören, ist dies allerdings dann doch nicht.

Ob der Verfasser dieser Zeilen mit seinen Beobachtungen allein war oder ob andere Premierengäste es ähnlich empfanden, ließ sich am Ende des Abends nicht eindeutig feststellen. Das  Regieteam befand sich nämlich am Premierentag, wie es im Besetzungszettel entschuldigend zu lesen war, bereits zur Vorbereitung einer Neu-Inszenierung in Tokio und fehlte daher beim Schluss-Applaus. So gab es einmütigen, lang anhaltenden Beifall für die musikalische Seite dieses Stuttgarter Mefistofele, der berechtigterweise gleichermaßen den Solistinnen und Solisten wie den drei Kollektiven  galt.

Medistofele an der Staatsoper Stuttgart; die weiteren Vorstellungen 22., 24., 29. Juni sowie 04., 07., 12. Juli  2019

—| IOCO Kritik Staatsoper Stuttgart |—

Stuttgart, Stuttgarter Ballett, Mayerling – Ballett von Kenneth MacMillan, IOCO Kritik, 24.05.2019

Stuttgarter Ballett | Oper Stuttgart

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

 Mayerling – Ballett von Kenneth MacMillan

– Die Droge „Macht“ :  Zerstörerin von Freiheit und Menschen –

von Peter Schlang

Dafür, dass nicht alle Geschichten aus Herrscherhäusern oder über Adelsgeschlechter belanglosen Tratsch und bestenfalls einen Fall für die Regenbogenpresse darstellen, lieferte die jüngste Premiere des Stuttgarter Balletts einen eindrucksvollen Beweis. Als deutsche Erstaufführung  feierte dort am 18. Mai 2019 Kenneth MacMillans 1978 in London uraufgeführtes Handlungsballett Mayerling einen rauschenden Erfolg. Der gut dreistündige Abend zeigte außerdem auf mitreißende Weise, wie spannend und aktuell historische Stoffe dieses Genres  auch heute noch sein können – zumindest wenn sich ein Groß-Meister psychologisierender Tanzkunst ihrer annimmt, wie es der 1992 verstorbene englische Choreograf und Tänzer Kenneth MacMillan war. Und wenn dann auch noch einige weitere Voraussetzungen gegeben sind, wie sie das Stuttgarter Ballett am Samstagabend einem begeisterten Publikum in beispielhafter Weise vor Augen führte, steht einer Sternstunde des Balletts nichts im Weg!

Stuttgarter Ballett / Mayerling - Ballett von Kenneth MacMillan - hier : Elisa Badenes und Friedemann Vogel © Stuttgarter Ballett

Stuttgarter Ballett / Mayerling – Ballett von Kenneth MacMillan – hier : Elisa Badenes und Friedemann Vogel © Stuttgarter Ballett

Mayerling ist der Name eines Jagdschlosses der Habsburger, die über viele Jahrhunderte die österreichischen Kaiserinnen und Kaiser stellten. Dort beging am 30. Januar 1889 Kronprinz Rudolf von Österreich-Ungarn Selbstmord, nachdem er zuvor seine 17-jährige Geliebte Baronesse Mary Vetsera erschossen hatte. Dieser inszenierte Doppel- / Selbst– Mord beendete nicht nur eine politische Hoffnung der Doppelmonarchie, sondern setzte auch einem Leben ein Ende, das mit den Begriffen Drama, Verzweiflung, Enttäuschungen, Intrigen, Lieblosigkeit und Verrat noch vorsichtig beschrieben ist.

 Mayerling – Stuttgarter Ballett zeigt die Aktualität historischer Erfahrungen

Rudolf, der am 21. August 1858 nach zwei Schwestern geborene, sehnlichst erwartete männliche habsburgische Thronfolger, wurde seiner Mutter, der Kaiserin Elisabeth (Sissi) und ihrer möglichen Liebe unmittelbar nach seiner Geburt entzogen. Nach dem Willen seines Vaters, Kaiser Franz Joseph I. und seiner Großmutter, Erzherzogin Sophie, sollte Rudolf mit höchster Disziplin und Härte zu einem „guten Soldaten“ erzogen und damit auf sein Amt als österreichischer Kaiser vorbereitet werden, für das nach damaliger Lesart nur ein harter, unnachgiebiger Militärführer in Frage kam.

Der äußerst sensible, musisch begabte und intelligente Junge konnte diese Erwartungen zu keiner Zeit erfüllen und litt so sehr an der ihm entgegenschlagenden Härte und Kälte, dass seine Mutter ihn letzten Endes doch dem militaristischen Einfluss entzog und für ihn eine liberale säkulare Erziehung organisierte. Dies wiederum rief nicht nur die konservativ-religiösen Kreise auf den Plan und sorgte in der Folge für zahlreiche Konflikte und Skandale, zu denen spätestens ab seiner Volljährigkeit mit 18 Jahre auch mehrere Liebesbeziehungen und ausufernde sexuelle Aktivitäten des Kronprinzen gehörten. Seine Eltern glaubten, mit der arrangierten Ehe ihres nunmehr 22jährigen Sohnes mit der 16jährigen belgischen Kronprinzessin Stephanie diesem Treiben ein Ende setzen zu können. Doch erfüllte sich diese Hoffnung genauso wenig, wie jene, dass sich Rudolf auf seine Kernaufgaben als späterer Herrscher vorbereitete. Stattdessen mied er nach einer kurzen glücklichen Ehephase, aus der auch eine Tochter hervorging, seine Gemahlin weitgehend und pflegte zahlreiche außereheliche Beziehungen. Auch ging er weiter seinen naturwissenschaftlichen, schriftstellerischen und journalistischen Interessen nach und pflegte intensive Kontakte zu anti-klerikalen und anti-katholischen, äußerst liberalen, ja sogar separatistischen ungarischen Kreisen.

Stuttgarter Ballett / Mayerling - Ballett von Kenneth MacMillan © Stuttgarter Ballett

Stuttgarter Ballett / Mayerling – Ballett von Kenneth MacMillan © Stuttgarter Ballett

Dies führte zu immer größeren Verwicklungen und zur Isolation Rudolfs, die wiederum – zusammen mit seiner fortschreitenden Syphiliserkrankung – dramatische physische, psychische und psychosomatische Störungen zur Folge hatten. So war der Geliebten- und Selbstmord keine Kurzschlusshandlung, sondern die  Folge einer lange vorhandenen Obsession und die Realisierung einer letzten Option.

Die Erkenntnis, dass dies alles äußerst aktuelle Themen sind und der Wunsch, sein Amt als neuer Stuttgarter Ballettdirektor mit einem „richtigen Kracher“ anzutreten, ließ in Tamas Detrich schon bei seiner Berufung als Nachfolger Reid Andersons vor über vier Jahren den Entschluss entstehen, dieses in Deutschland noch nie als Eigenproduktion gezeigte Ballett in seiner Eröffnungsspielzeit auf die Bühne des Stuttgarter Opernhauses zu bringen. Dazu gelang ihm der Coup, mit Jürgen Rose eine der ganz großen Ausstatter-Legenden nach 27 Jahren Abwesenheit wieder an das Stuttgarter Ballett zurückzuholen. Der für Bühnenbild, Kostüme und Lichtkonzept verantwortliche, inzwischen 81jährige Rose ist genau das Genie, das es braucht, um MacMillans schwermütiges, tiefgründiges und düster funkelndes Meisterwerk auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts auf eine Ballettbühne zu bringen. Ihm gelang es auf bewundernswerte Weise, dieses visionäre und zu seiner Zeit bahnrechende Stück, das nicht nur die entlegensten Winkel der menschlichen Psyche erforscht, sondern auch die folgenschweren Auswirkungen von Wünschen, Trieben, Bevormundung und Kämpfe um Macht  und Einfluss auf Individuen und  Gesellschaft analysiert, trotz starker, von MacMillans Witwe überwachter Aufführungsbeschränkungen behutsam, aber aussagestark zu aktualisieren.

Drei Jahre lang arbeiteten Jürgen Rose, seine beiden Assistenten Christian Blank und Moritz Haakh und die Stuttgarter Werkstätten an der Ausstattung dieses Balletts: 198 Kostüme im Stil des ausgehenden 19. Jahrhunderts mussten entworfen und genäht, zahlreiche  zeittypische Möbel- und sonstige Requisiten hergestellt oder beschafft und dreizehn Bühnen-(Hintergrund-)Bilder gemalt und auf große Stoffbahnen gedruckt werden.  Dabei gesteht der Bühnen- und Kostümbildner nur den Hauptfiguren dezente Farbakzente zu und setzt stattdessen bei allem Übrigen überwiegend auf eine Schwarz-Weiß-Optik, mit der er an die Ästhetik alter Stiche und  Fotoalben erinnert und so die Historizität des Stoffes und den dokumentarischen Charakter des Stückes betont.

Dass Mayerling dennoch äußerst modern wirkt und zahlreiche Vergleiche mit aktuellen Themen und Bezügen anbietet, liegt nicht nur an der fabelhaften Ausführung der Dekorationen, sondern auch und vor allem an den famosen Stuttgarter Tänzerinnen und Tänzern, die an diesem Premierenabend erneut eindrucksvoll zeigen, warum das Stuttgarter Ballett zu den besten Compagnien der Welt gezählt wird.

Stuttgarter Ballett / Mayerling - Chr.: Kenneth MacMillan - hier : Friedemann Vogel © Stuttgarter Ballett

Stuttgarter Ballett / Mayerling – Chr.: Kenneth MacMillan – hier : Friedemann Vogel © Stuttgarter Ballett

An allererster Stelle ist hier Friedemann Vogel (Foto) zu nennen, der seinen Rudolf, dessen Rolle von der Kommunikationsdirektorin des Stuttgarter Ballett, Vivien Arnold, als „Mount Everest der Ballett-Literatur“ bezeichnet wird, von der ersten Bewegung im 1. Akt bis zu seinem Todesschuss im letzten Bild des 3. Aktes zu einem Ballettereignis allererster Güte macht. Dabei fällt es dem Beobachter schwer, die Details dieser Rolle und ihrer Umsetzung zu beschreiben und zu gewichten. Denn Friedemann Vogel ist in allen Szenen des Abends pausenlos auf der Bühne und hat dabei in ganz unterschiedlichen Szenen und Zusammenhängen die an Tragik nicht zu überbietende Entwicklung Rudolfs nachvollziehbar darzustellen, was allein schon eine Energieleistung ohne Beispiel ist. Wie das der erste Solist des Stuttgarter Ballett in den  insgesamt sieben Pas de deux Rudolfs mit dessen Mutter, seiner jungen Ehefrau, seiner letzten Geliebten Mary Vetsera und seinen beiden ehemaligen Geliebten sowie in mehreren Pas de cinq mit den ungarischen Separatisten und in den unzähligen diese umrahmenden Solis auf die Bühne bringt, verschlägt einem den Atem. Es ist höchste Tanzkunst und grenzt nicht selten an Akrobatik, wie er seine Tanzpartnerinnen über sich und an sich entlang windet, anzieht und wegstößt, hochstemmt und wieder zu Boden zieht, antreibt und dann wieder zum Innehalten animiert. Nicht minder atemberaubend ist Vogels  mimisch-gestische Präsenz, mit der er alle Empfindungen und inneren Vorgänge des Kronprinzen geradezu plastisch werden lässt und bis zur Betroffenheit erlebbar macht,  weshalb für diesen Ausnahmetänzer unbedingt der Begriff  „Tänzer-Darsteller“ eingeführt werden sollte.

Seine ihm in verschiedenen Rollen zur Seite gestellten Tanzpartnerinnen haben es, wie es bei einer mittelmäßigen Compagnie zu befürchten wäre, nicht schwer, mit ihm Schritt zu halten, sondern leisten mit ihren jeweiligen Auftritten einen ebenbürtigen Beitrag zu diesem Gipfel der Tanzkunst. Wegen der Bedeutung ihrer Rolle und deren höchst authentischer und glaubwürdiger Verkörperung sei Elisa Badenes als Baronesse Mary Vetsera als erste genannt. Ihr nimmt man nicht  nur ihre Leidenschaft in glücklichen Stunden, sondern auch die Bereitschaft ab, mit Rudolf in den Tod zu gehen. Äußerst genaue Rollenportraits liefern auch Alicia Amatriain als Marie Gräfin Larisch und Anna Osadcenko als Mizzi Casper, beides ehemalige Maitressen Rudolfs und ihm auf ganz unterschiedliche Weise noch immer verbandelt und zu Diensten. Miriam Kacerova gibt die Kaiserin Elisabeth als kühle, distanzierte, kaum liebesfähige Mutter, die ihrem Sohn in Sachen Ehebruch übrigens in nichts nachsteht, während man Diana Ionescu als Kronprinzessin Stephanie, Rudolfs junger Zwangsehefrau, deren Fremdheit, Zerbrechlichkeit und Ablehnung jederzeit ansieht und abnimmt.

Von den zahlreichen weiteren Tänzern des groß besetzten Abends seien hier beispielhaft Alexander Mc Gowan, Adrian Oldenburger, Marti Fernández Paixà und Flemming Puthenpurayil als wundervolles Quartett ungarischer Offiziere sowie Adhonay Soares da Silva als Rudolfs komisch-überdrehtes Faktotum Bratfisch  genannt.

Als Verbeugung des neuen Ballettdirektors Tamas Detrich vor den großen Leistungen früherer Verantwortlicher des Stuttgarter Balletts darf man die Geste werten, in den ersten fünf Vorstellungen von Mayerling mit Marcia Haydée als Erzherzogin Sophie, Georgette Tsingurides als deren Hofdame und Egon Madsen  als Kaiser Franz Joseph I. drei ehemalige Stuttgarter Stars an ihre frühere Wirkungsstätte zurückzuholen.

Sie reihen sich in den großen Szenen bescheiden in das Corps des Ballets ein, das durch einprägsame und beeindruckende Milieustudien besticht, wie etwa den Tanz der Kammerzofen, das Bachanale der Dirnen und ihrer Freier in der Wirthausszene des 2. Aktes oder durch die Ball-Episoden zu Beginn des 1. Aktes.

Stuttgarter Ballett / Mayerling - Chr.: Kenneth MacMillan - hier : Friedemann Vogel © Stuttgarter Ballett

Stuttgarter Ballett / Mayerling – Chr.: Kenneth MacMillan – hier : Friedemann Vogel © Stuttgarter Ballett

Verlässlicher musikalischer Garant des tänzerischen Geschehens ist das Staatsorchester Stuttgart, das unter der Leitung des jungen russischen Gastdirigenten Mikhail Agrest seine große Erfahrung und Klasse auch als „Ballettorchester“ unter Beweis stellt. Es hält den ganzen Abend über die Balance zwischen dem gefühlsbetonten, lebensbejahenden, romantischen Ausdruck, den die von John Launchbery seinerzeit für MacMillan zusammengestellte Musik Franz Liszts erfordert und dem morbiden, dekadenten Flair, welches die Handlung des Balletts begleitet und unterstreicht.

So zeigen alle Mitwirkenden dieser jüngsten Stuttgarter Ballettproduktion, was MacMillans Choreografie auch 40 Jahre nach ihrer Uraufführung noch immer auszeichnet: Die Erweiterung des traditionellen drei-aktigen Handlungsballetts um einen neuen, fast wagemutigen Bewegungsstil und die Einführung einer bis dato unbekannten, semi-artistischen Form von Körperlichkeit, die heute eher dem zeitgenössischen als dem klassischen Tanz zugeordnet wird, kurz, das Vermächtnis eines „experimentierfreudigen Traditionalisten“. Vor dem Hintergrund der nationalistischen Verwerfungen in Europa und der Zunahme an korrupten, egoistischen, nur auf Machterhalt erpichten Selbstdarsteller in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft erhält dieses scheinbar aus der Zeit gefallene Ballett eine große Aktualität und neue Deutungskraft.

Auch dafür spendete das Publikum im ausverkauften Stuttgarter Opernhaus frenetischen, minutenlangen Applaus; ja beim Erscheinen Jürgen Roses gab es stehende Ovationen.

Mayerling – Stuttgarter Ballett; weitere Vorstellungen 24., 25. 28. Mai, 1., 8. 9. Juni, 28. Juli 2019

—| IOCO Kritik Oper Stuttgart |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Iphigénie en Tauride – Christoph W. Gluck, IOCO Kritik, 03.05.2019

Oper Stuttgart

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Iphigénie en Tauride – Christoph W. Gluck

– Flash-back in der Seniorenresidenz –

von Peter Schlang

Christoph Willibald Gluck © IOCO

Christoph Willibald Gluck © IOCO

Angeregt durch das in Richard Wagners Lohengrin,  der ersten Premiere Viktor Schoners als Stuttgarter Operndirektor, ausgesprochene Frageverbot, überschrieben der neue Intendant und sein Dramaturgen-Team alle Neuproduktionen ihrer ersten Stuttgarter Saison  mit einer jeweils passenden und sinnstiftenden Leitfrage. Nach dem „Wem glaubst Du?“, mit dem die letzte Premiere Nixon in China versehen worden war, feierte am 28. April Christoph Willibald Glucks Iphigénie en Tauride unter dem ebenfalls recht existenziellen Interrogativ  „Wem vergibst Du?“ in der Inszenierung des  polnischen Regisseurs Krzysztof Warlikowski im „Haus am Eckensee“ Premiere. Angesichts der Kette von Verrat, Intrige, Mord und darauf folgendem Rachemord, von denen Glucks 1779 in Paris uraufgeführte Reformoper erzählt, ist dieses Motto treffend wie anspruchsvoll gewählt und verheißt notwendigerweise eine Antwort mit zahlreichen Namen.

Iphigénie en Tauride – Christoph Willibald Gluck
youtube Trailer Staatsoper Stuttgart
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Deren Trägerinnen und Träger kommen in dieser packenden Stuttgarter Neu-Inszenierung, welche auf einer 2006 für die Opéra national de Paris geschaffenen Produktion basiert, auch alle tatsächlich vor. Der Regisseur wählt nämlich als Rahmen für die Opernhandlung die Methode des Spiels im Spiel, hier als Traum-Bilder der Titelheldin.

Iphigénie en Tauride  in Stuttgart – Subtiles Traumgebilde

In Stuttgart träumt Iphigenie die Träume wichtiger Stationen ihres Lebens – und damit der Opernhandlung – in einem offenbar ausschließlich Frauen vorbehaltenen Altersheim. Dort sieht man sie in der Eingangsszene nach dem mitreißend vorgetragenen orchestralen Gewittersturm, aber auch in späteren Szenen, wie sie in einer Schachtel mit alten Familienfotos wühlt und sich dabei an ihr Leben prägende Ereignisse erinnert.

Staatsoper Stuttgart / Iphigénie en Tauride von Christoph W. Gluck - hier :  Amanda Majeski als Iphigénie © Martin Sigmund

Staatsoper Stuttgart / Iphigénie en Tauride von Christoph W. Gluck – hier :  Amanda Majeski als Iphigénie © Martin Sigmund

Diese Erinnerungshandlung wird von einem stummen Chor älterer Damen vorbereitet und begleitet, den Warlikowski der Titelheldin anstelle der griechischen Priesterinnen an die Seite stellt. Sie sind wie Iphigenie Bewohnerinnen dieser heruntergekommenen, verblichenen Glanz verbreitenden und die Atmosphäre eines „Nicht-Zuhauses“ ausstrahlenden Seniorinnen-Residenz. (Bühne und Kostüme: Margorzata Szczesniak).Als zusätzliches, tiefenpsychologisch wirkendes Element schaltet die Bühnenbildnerin dem Bühnenraum an ausgewählten Stellen eine verschiebbare Spiegelwand vor, die nicht nur den dann an den Brüstungen der Ränge angestrahlten Zuschauerraum und die am Proszenium agierenden Protagonisten spiegelt, sondern durch eine raffinierte  Technik auch Durchblicke auf die Hinterbühne und die sich dort abspielenden Rückblenden ermöglicht.

Für diese Rückblenden und Kommentare setzt der Regisseur vorwiegend die erwähnten neun alten Damen ein, die von teilweise schon seit Jahrzehnten an der Stuttgarter Oper wirkenden Statistinnen verkörpert werden. Im Verlauf der gut zweistündigen Opernhandlung übernimmt dieses Nonett  nicht nur die Rolle des Chores der antiken Tragödie, sondern spiegelt auch den gleichförmigen Alltag eines Altenheims, was nicht zuletzt durch eine tageszeiten-typische und anlass-gemäße Kleidung der Damen unterstrichen wird.

Neben dem eindrucksvollen Äußeren dieser Seniorinnen-Equipe, das auf satt gelebte Leben wie auf diese prägende harte Schicksale schließen lässt, gibt das sehr gut gestaltete Programmheft Aufschluss über Bedeutung und Hintergründe  dieses packenden Inszenierungsdetails: Dort schildern die neun Statistinnen – die älteste  Darstellerin ist 95 (!) Jahre alt – Episoden  ihres Lebens und ziehen dabei Parallelen zur Situation und zum Schicksal Iphigenies und deren Familie.

Und wie Iphigenie wurden auch ihre hier agierenden Geschlechts- und Schicksalsgenossinnen unübersehbar durch familiäre Strukturen, die entsprechenden Rollenbilder, den Umgang mit Verlusten und Abschieden und  das Verhältnis von Erinnern und Vergessen oder auch Verschweigen  gezeichnet. Nicht zuletzt machen diese Frauen aber auch deutlich, wie stark Krieg  und Vertreibung und ihre Folgen für Familienzusammenhänge sich ganz besonders auf weibliche Biographien auswirken und diese nachhaltig prägen.

Staatsoper Stuttgart / Iphigénie en Tauride von Christoph Willibald Gluck;- hier: Renate Jett als Iphigénie, und Ensemble der Staatsoper Stuttgart © Martin Sigmund

Staatsoper Stuttgart / Iphigénie en Tauride von Christoph Willibald Gluck;- hier: Renate Jett als Iphigénie, und Ensemble der Staatsoper Stuttgart © Martin Sigmund

Dieses behutsame Aufzeigen von Parallelen ist ein ausgesprochen kluger Zug der Regie, der nicht nur  eine Brücke in unsere Gegenwart schlägt, sondern auch relativ spielerisch Assoziationen zu Formen heutiger Schuld und Vergangenheits-bewältigung ermöglicht. Nicht zuletzt  öffnet dies den Blick auf tagesaktuelle Themen, wie etwa die Flüchtlinge, die bei uns Zuflucht gesucht und gefunden haben. Wenn man in diesem Zusammenhang etwas Kritisches anmerken möchte, wäre es der kleine Makel, dass man sich an anderen Stellen vom Regisseur etwas mehr Mut zu aktuellen Bezügen oder ein stärkeres Bekenntnis zu Christoph Willibald Glucks immer wieder hervorgehobener Rolle als Opernreformer gewünscht hätte. Andererseits zeichnet sich Warlikowskis Regie immer wieder durch kluge, sinnvolle Akzente und Einfälle aus. So setzt er als weiteres Stilmittel und Element zur Vergangenheitsbewältigung Iphigenies und zur traumhaften wie traumatischen Illustration ihrer Rückblicke einen weiteren stummen Chor ein, der sich aus den Mitgliedern von Iphigenies Kernfamilie zusammensetzt.  Diese letzte Generation der Atriden,  ergänzt um Iphigenies Fast-Ehemann Achill, bespielt mehrmals den Hintergrund oder eine Seite der Bühne, dabei stets ordentlich aufgereiht wie auf einem Familienfoto. Wenn sich dann je nach Szene die junge Iphigenie, von der erstmals in Stuttgart auftretenden Amanda Majeski stimmlich wie darstellerisch unnachahmlich wiedergegeben, unter ihre Nächsten mischt, stellt sich wirklich ein Gefühl von Traum und Déjà-Vu ein, welches alle Grenzen verschmelzen lässt und der Opernbühne und –handlung zu deren einzigartiger Wirkung verhilft.

Dass dieses so möglich wird, verdanken die neue Stuttgarter  Iphigenie und das diese atemlos verfolgende Publikum neben der erwähnten fabelhaften Sängerin der Iphigenie der ungeheuer plastisch und detailgenau agierenden Schauspielerin Renate Jett, welche die alte Iphigenie zu einer bemitleidenswerten wie faszinierenden, vom Leben gezeichneten Erscheinung formt.

Staatsoper Stuttgart / Iphigénie en Tauride von Christoph Willibald Gluck - hier : v.l.n.r.: Jarrett Ott als Oreste, Elmar Gilbertsson als Pylade, Gezim Myshketa als Thoas © Martin Sigmund

Staatsoper Stuttgart / Iphigénie en Tauride von Christoph Willibald Gluck – hier : v.l.n.r.: Jarrett Ott als Oreste, Elmar Gilbertsson als Pylade, Gezim Myshketa als Thoas © Martin Sigmund

Neben diesem Iphigenien-Duo, bei dem nochmals die ungeheure stimmliche Präsenz Amanda Majeskis herausgestellt sei, die mit ihrem nur anfangs etwas spröde und in den Höhen leicht scharf klingenden, dann aber wundervoll biegsamen  und expressivem Sopran eine dichte musikalisch-psychologische Wirkung erzielt, überzeugen auch die Darsteller der drei männlichen Rollen. In der Folge ihres Auftretens sei hier zunächst Gezim Myshketa genannt, der mit seinem dunklen, tiefgründig-rauen Bass dem Taurenkönig Thoas genau die angsteinflößende, dämonische Note verleiht, die man von einem als Despoten und Barbaren verschrienen Mannsbild erwartet. (Auch Ausstatter und Maskenbildner leisten hier fast mehr als eigentlich nötig, um dieses Bild herauszustreichen.) Stimmlich wie darstellerisch vom Feinsten präsentiert sich auch das griechische Freundesduo Oreste und Pylade, das nicht nur in seinem Duett am Ende des zweiten Aktes sehr berührt.  Dabei hat Jarett Ott als Iphigenies Mutter-mordender Bruder mit seinem weichen, unangestrengten und sehr beweglich geführten Bariton wegen der Anlage seiner Rolle ganz leichte Vorteile. Aber auch  Elmar Gilbertsson füllt mit seinem ungemein geschmeidigen und klangreinen Tenor die Rolle des Pylade ohne Abstriche stimmig und glaubhaft aus.

Gleiches gilt für die aus dem Bühnen-Off singenden Carina Schmieger als sehr empathisch-ausdrucksstarke Göttin Diana, Ida Ränzlöv als jeweils stimmsichere wie rollen-genaue Griechin und Priesterin und  Elliott Carlton Hines, der die beiden Rollen des Skyten und von Thoas‘ Aufseher mit schönem Timbre artikuliert.

Eine  herausragende Arbeit muss erneut dem stellvertretenden Chordirektor Bernhard Moncado bescheinigt werden, der den Staatsopernchor punktgenau und hervorragend auf seine besondere Rolle in dieser Produktion eingestellt hat. Der Chor agiert unsichtbar aus den Bühnenhintergrund bzw. vom hinteren Orchestergraben, und nicht nur seine schwarze Konzertkleidung, die er beim Schlussapplaus auf der Bühne präsentiert, verleiht seinem gesamten Auftreten etwas Oratorienhaftes, ja Sakrales. Dazu trägt auch die bekanntermaßen höchste Gesangskultur dieses Stimmen-Kollektivs bei, das seine Partien an vielen Stellen wie in eine andere Sphäre entrückt gestaltet.

Wunderbar (Wenn man die anderen Produktionen dieser Spielzeit nicht gesehen hätte, müsste man das Adjektiv erstaunlich oder überraschend verwenden.) und als höchst verlässliches musikalisches Zentrum dieser sich auf allerhöchstem Niveau bewegenden Aufführung agiert erneut das Staatsorchester Stuttgart. Der in der Pressemitteilung zur Premiere zu Recht als Barock-Experte eingeführte Stefano Montanari lässt es  in schillernden Farben, äußerst beweglich, höchst dynamisch, und mit überbordendem Klangsinn und dennoch großer Sängerfreundlichkeit musizieren. Und es spricht für die Qualität dieses früher oft als „Beamtenorchester“ verspotteten Klangkörpers, dass es mit Glucks Musik dem berühmten Stuttgart-Sound des untergegangenen Radiosinfonie-Orchesters des Südwestrundfunks sehr nahe kommt – und dies gerade drei Wochen, nachdem es mit der Minimal-Music von John Adams‘  Nixon in China auf einem ganz anderen musikalischen Terrain seine großen Qualitäten unter Beweis gestellt hat.

So gilt der einhellige, sich bis zum Jubel steigernde Beifall des Premierenpublikums gerechterweise allen Akteuren, den musikalischen wie den die Aufführung vorbereitenden und leitenden. Und auch der kritischste und anspruchsvollste Beobachter muss Viktor Schoner in seiner ja noch jungen Stuttgarter Intendanz eine bisher nahezu makellose Bilanz zugestehen.

 Iphigénie en Tauride an der Staatsoper Stuttgart; weitere Vorstellungen am 02., 05., 10., 12., 14., 19. und 30. Mai 2019

—| IOCO Kritik Oper Stuttgart |—

Stuttgart, Staatstheater Stuttgart, Nixon in China – Oper von John Adams, IOCO Kritik, 16.04.2019

April 15, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Nixon in China  – Oper von John Adams

Darf man glauben? Wem kann man glauben?   –  Die Konstruktion und Dekonstruktion von Wirklichkeit

von Peter Schlang

Am Sonntag, dem 7. April 2019 erlebte an der Stuttgarter Staatsoper John Adams‘ im Jahr 1987 in Houston, Texas, uraufgeführte Oper Nixon in China ihre Stuttgarter Erstaufführung. Dies war zugleich deren erste deutsche Neu-Inszenierung seit vielen Jahren; nach der Uraufführung von Leo Dicks Antigone-Tribunal am 9. März und der Premiere von Hans Werner Henzes Der Prinz von Homburg am 17. März die dritte Neuproduktion im Rahmen des ersten Frühjahrsfestivals der Staatsoper Stuttgart mit dem Titel wirklich wirklich“. Alle drei Opern widmen sich auf sehr unterschiedliche Art und Weise und in je eigenen Zusammenhängen der Frage nach der „Konstruktion und Dekonstruktion von Wirklichkeit“, setzen sich also mit der möglichen Beeinflussung und der unterschiedlichen Wahrnehmung der Realität auseinander.

Nixon in China  – Oper von John Adams
youtube Trailer der Staatsoper Stuttgart
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Mit der Neuproduktion von Adams‘ stark an der Minimal-Music orientierter Oper nahm die Staatsoper Stuttgart ihre Tradition der Minimal Music wieder auf, die in den 1980er-Jahren mit der gefeierten Philip-Glass-Trilogie (Einstein on the Beach, Satyagraha und Echnaton) begründet wurde und gleich einen Höhepunkt erlebte.

Das für John Adams von Alice Goodman verfasste Libretto thematisiert, recht frei und auf sehr poetische Weise, den seinerzeit stark beachteten Staatsbesuch von Richard Nixon im Februar 1972 in der Volksrepublik China, den ersten eines amerikanischen Präsidenten im Reich der Mitte. Nixon, von 1969 bis zu seinem erzwungenen Rücktritt im Jahr 1974 der 37. Präsident der Vereinigten Staaten, nutzte diese Visite im damals noch ziemlich unbekannten, kommunistischen China für eine groß angelegte mediale Kampagne. Der Besuch wurde nämlich zu weiten Teilen live im amerikanischen Fernsehen übertragen und war damit eines der ersten medial ausgeschlachteten politischen Geschehnisse der Nachkriegszeit.

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon - Oper von John Adams - hier : Michael Mayes als Richard Nixon und Ensemble © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon – Oper von John Adams – hier : Michael Mayes als Richard Nixon und Ensemble © Matthias Baus

Im Zentrum dieses höchst aktuellen Werkes und seiner Stuttgarter Umsetzung steht die im Zeitalter von Fake News und deren momentan wichtigsten politischen Vertreters, ebenfalls ein US-Präsident, die Frage, wem man glaubt oder – noch besser – überhaupt glauben kann. Und in Richard Adams erster und wohl bekanntester Oper wird diese bedeutsame Frage gleich auf mehrfache Weise behandelt.

 „wirklich, wirklich“ –  Frühjahrsfestival der Staatsoper Stuttgart
– Wahrheit, Wahrheiten oder Fake –

Da sind zum einen die zwei diametral entgegengesetzten Weltanschauungen der aufeinandertreffenden Staaten bzw. ihrer politischen Führer und deren unterschiedliche Methoden, sich der eigenen und der jeweils anderen Öffentlichkeit real zu präsentieren. Eine weitere Ebene widmet sich den methodischen und didaktischen Mitteln, mit denen die subjektiv wahrgenommenen Realitäten weiter transportiert und damit interpretiert werden. Schließlich zeigt die Oper auch die meist befremdliche, so nicht erwartete Reaktion der „anderen Seite“ auf die wahrgenommene, vom Gegenüber präsentierte „Wirklichkeit“.

In Marco Štormans quirliger, zugespitzter, sich aller theatralischer Mittel bedienender Inszenierung mischt sich dies alles zu einem äußerst dynamischen, höchst unterhaltsamen und nicht selten musicalhaften, revueartigen Kaleidoskop menschlicher Verhaltensmuster und politisch-gesellschaftlicher Methoden, ja Tricks. Die Bühnenbildnerin Frauke Löffel baute dazu einen durch metallene Module schnell veränderbaren Raum, der eingangs den Flughafen mit Nixons Ankunft und Empfang, dann die große Bühne für publikumswirksame Massenauftritte und Projektionsfläche für im Propagandastil gehaltene Gemälde oder Video-Einspielungen darstellt.

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon - Oper von John Adams - hier : Jarrett Ott als Chou En-lai und Ensemble © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon – Oper von John Adams – hier : Jarrett Ott als Chou En-lai und Ensemble © Matthias Baus

Und ganz am Ende, im nur mehr aus einem Bild bestehenden dritten Akt und bei geschlossenem Orchestergraben und der damit bis an die erste Zuschauerreihe vorgezogenen Bühne, bietet diese trotz ihrer scheinbaren Größe Raum für ein Kammerspiel. Dieses erinnert nicht nur thematisch-inhaltlich an Becketts Referenzstück Endspiel, sondern weist auch durch seine eigenartige Stimmung und Atmosphäre eine Parallele zu diesem und anderen Beckett-Stücken auf. Mit entscheidend dafür ist die zu sehende besondere Personen-Konstellation, die eine starke und nachhaltige Wirkung entfaltet: Am letzten Abend des Staatsbesuchs sehen wir die sechs Protagonisten, aus jedem Land drei, nach den vergangenen, sehr anstrengenden Tagen müde, ausgelaugt, leer. Einzeln oder als Paar sinnen sie dem Erlebten und ihrer eigenen Vergangenheit nach, beides ganz unterschiedlich reflektierend. Ihnen zur Seite, wie die Darsteller der sechs Hauptrollen eher freizeitmäßig gekleidet, sitzen die Souffleuse und der Dirigent, André de Ridder, der nur die Sängerinnen und Sänger dirigiert. Denn das Orchester wird – übrigens mit Hilfe einer hervorragenden Tonanlage – aus dem Off eingespielt, was die Anmutung dieser Schlussszene als Versuchsanordnung oder Probedurchlauf auf beeindruckende Weise unterstreicht.

Solche schicksalshaften, ganz unterschiedlichen Spiel-, Kommunikations- und teilweise auch Kampfmodelle stellt das einfallsreiche Regieteam, zu dem neben den bereits zwei Genannten auch die Kostümbildnerin Sara Schwartz, die Choreografin Alexandra Morales und die für die Licht- bzw. Videoregie verantwortlichen Reinhard Traub und Bert Zander gehören, im Verlauf dieser kurzweiligen 180 Minuten immer wieder gekonnt und höchst theaterwirksam zur Schau. Dabei meidet es allzu klischeehafte, übertriebene Anspielungen auf chinesische und amerikanische Stereotype und beschränkt sich auf eher dezente, zeitlose Hinweise auf die jeweiligen Charakteristika der aufeinandertreffenden Gesellschaften und Ideologien. Dazu gehören etwa die mit dem Flugzeug zu Boden sinkenden Ausgaben des Time Magazins mit dem Konterfei des Gastgebers Mao Tse-Tung und die im Gegenzug an die Gäste verteilten Mao-Bibeln.

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon - Oper von John Adams - hier : Michael Mayes als Richard Nixon und Ensemble © Matthias Baus

Staatsoper Stuttgart / Richard Nixon – Oper von John Adams – hier : Michael Mayes als Richard Nixon und Ensemble © Matthias Baus

Auch die Paraden der Revolutionsgarden und sonstigen Abordnungen der chinesischen Volksmassen, die meist in eher stilisierten, zeit- und sogar ideologie-übergreifender Kleidung auftreten, passen in diese Kategorie. So trägt der chinesische Ministerpräsident Chou en-Lai einen Overall, wie er auch einen Militärangehörigen aus Nixons Begleittross gut kleiden würde. Auch mittels solcher Kniffs liefert dieser Opernabend deutliche Hinweise auf sein Thema, die unterschiedliche Deutung und Wahrnehmung scheinbar gleicher Ereignisse, und vermag so das Stuttgarter Publikum hautnah an das Spiel mit Information und Desinformation, Hoffnungen und Versprechungen, Illusion und Desillusionierung heranzuführen.

Großen Anteil daran hat auch Adams‘ geniale Musik, die höchst artistisch mit den Phänomenen Rhythmus und Zeit spielt, welche ja einen wichtigen Aspekt der Wahrnehmung und Beurteilung von Erlebtem darstellen. Dabei setzt Adams nicht nur die bekannten Elemente der Minimal Music wie Patterns, Klang- und Melodie-Muster, Wiederholungen mit kleinsten Veränderungen von Tonfolgen und Harmonien sowie Rhythmusverschiebungen äußerst gekonnt ein. Er variiert diese Zutaten auch noch ständig und verwebt sie so kunstvoll miteinander, dass der Zuhörer jegliches Zeitgefühl verliert und sich immer wieder entrückt und wie in Trance fühlt.

Dazu tragen auch die musikalischen Quellen des 1947 geborenen Komponisten bei, der nie ein Geheimnis daraus macht, dass er in allen Epochen und Stilrichtungen zu Hause ist und nicht zufällig gern Werke älterer Komponisten neu arrangiert. So erlebt man in „Nixon in China“ einen mitreißenden Stilmix aus Barock, Romantik, Klassik und (klassischer) Moderne, ja Adams bedient sich sogar der Kirchenmusik. Schließlich zitiert er auch folkloristische Elemente aus ganz verschiedenen geografischen Ecken und scheut selbst vor der Übernahme süffiger, manchmal fast kitschiger Abfolgen aus der Popularmusik nicht zurück. All das wirkt zeit- und mühelos, auch weil der Komponist völlig spielerisch und häufig unbemerkt von einem Genre oder Rhythmus in ein anderes Feld wechselt. Sein Einfallsreichtum scheint dabei nahezu unerschöpflich, und die daraus resultierenden ständig changierenden, swingenden und groovenden Rhythmen wirken nie langweilig und ermüdend.

Der 1971 geborene deutsche, vorwiegend in England arbeitende Dirigent André de Ridder nimmt sich dieser Musik kongenial wie begeistert an und führt das hoch motivierte und äußerst konzentriert aufspielende Stuttgarter Staatsorchester wieder einmal zu einer bewunderten, nicht erst am Schluss bejubelten Höchstleistung. Der seit Beginn dieser Spielzeit unter neuer Leitung agierende Staatsopernchor – für diese Produktion hat sie der stellvertretende Chordirektor Bernhard Moncado inne – ist das zweite herausragende Kollektiv dieses Abends. Ohne Unterschied auf seine jeweilige Besetzung und die gerade zu verkörpernden Rollen präsentiert sich der Chor wieder einmal in Höchstform und zeigt sich nicht nur stimmlich total flexibel. Denn diese Beweglichkeit benötigen die Choristen auch in darstellerischer Hinsicht; das einige Male so ausufernd, dass sie den Zuschauerraum zur Bühne machen und  Agitationsgesänge von den Rängen des Opernhauses schmettern.

Nixon in China – Probeneinblicke mit Marco Storman
youtube Trailer der Staatsoper Stuttgart
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An diese fabelhafte Leistung schließt sich die des neunköpfigen Solistenensembles ohne jeden Abstrich auf höchstem Niveau, an. An vorderster Stelle stehen dabei der stimmgewaltige und auch darstellerisch für diese Rolle wie geschaffene amerikanische Bass-Bariton Michael Mayes als Richard Nixon und der nicht minder phänomenale und großartige Sänger-Darsteller Matthias Klink als oft philosophisch-weltabgewandter Parteichef Mao Tse-Tung. Ihre Auftritte und erst recht Bühnen-Begegnungen ermöglichen im Sinne der mehrfach erwähnten Konstruktion und Wahrnehmung von Realitäten eindrucksvolle Studien und Erkenntnisse und bieten dazu hohen musikalischen Genuss.

Katherine Manley als Nixons Frau Pat und Gan-ya Ben-gur Akselrod als Mao Tse Tungs Gemahlin Chiang Ch’ing verkörpern äußerst differenziert und glaubhaft sowohl in sängerischer als auch in schauspielerischer Hinsicht die Arroganz und Widersprüchlichkeit ihrer Rolle als jeweilige First Lady. Im Zusammenspiel mit ihrer Gegenspielerin haben diese beiden Protagonistinnen zudem überragenden Anteil daran, dass das Thema der Oper und ihrer Stuttgarter Realisierung am Sonntagabend so glaubhaft, wirklichkeitsnah und ohne Bruch auf der Opernbühne zu erleben war.

Auch die politischen Begleiter der beiden Staatsoberhäupter bzw. ihre Darsteller tragen  ihren Teil zum großen Erfolg dieser außergewöhnlichen Opernproduktion bei. Auf „chinesischer Seite“ ist das der von Jarrett Ott äußerst facettenreich und systemgetreu gesungene Ministerpräsident Chou En-lai, der im lokal denkenden Betrachter große Freude aufkommen ließ, dass dieser begnadete Sänger zum festen Ensemble der Stuttgarter Oper gehört. Dies gilt auch für den schon lange in Stuttgart wirkenden Kammersänger Shigeo Ishino als Nixons Berater Henry Kissinger, dem späteren Außenminister der USA, dessen Rolle und Auftrittszahl allerdings bedeutend knapper ausfällt als die des übrigen bereits erwähnten Hauptpersonals. Dennoch haben beide Sänger wie ihre Verkörperungen hohen Anteil daran, dass nicht nur ihre jeweiligen Vorgesetzten und deren Gattinnen, sondern auch das Stuttgarter Premierenpublikum immer wieder erfolgreich in die jeweiligen Utopie-Biotope entrückt werden. Dafür sorgen „unter chinesischer Flagge“ schließlich auch die drei Sekretärinnen Maos, die von Ida Ränzlöv, Fiorella Hincapié und Luise von Garnier stimmsicher und ideologie-konform, stellen- und zeitweise aber recht folkloristisch auf die Bühne und unters nicht nur chinesische Volk gebracht werden.

Nach fast vier höchst abwechslungs- wie erkenntnisreichen Stunden erbebte die Stuttgarter Oper von einem ähnlichen Jubelsturm, wie er vor über dreißig Jahren dem eingangs erwähnten Glass-Zyklus entgegengebracht wurde. Er galt ausnahmslos allen Beteiligten auf, unter, vor und hinter der Bühne, hielt viele Minuten an und wurde nur beim Auftritt des Regie-Gespanns von ganz vereinzelten, dazu nur schüchternen und fast unhörbaren Buhs vergeblich zur stören versucht.

Nixon in China, Oper von John Adams, die weiteren Vorstellungen: 20. April, 03., 09. 11. Mai 2019

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