Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Uraufführung LOVE, YOU SON OF A BITCH, 25.10.2019

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

Die Uraufführung von LOVE, YOU SON OF A BITCH, eine Musiktheaterperformance von Letizia Renzini, am 25. Oktober bildet den Saisonstart von LINDEN 21

Am 25. Oktober erlebt LOVE, YOU SON OF A BITCH, eine Musiktheaterperformance von Letizia Renzini mit Musik von Alessandro und Domenico Scarlatti, seine Uraufführung im Alten Orchesterprobensaal. Neben dem Konzept und der Inszenierung stammen auch das Kostüm- und das Videodesign von Letizia Renzini. Für die Choreographie zeichnet Marina Giovannini, die auch als Tänzerin auftritt, verantwortlich, für die elektronische Komposition Giuseppe Ielasi. Die Produktion findet im Rahmen des Formats LINDEN 21 statt und schlägt zugleich einen Bogen zu den BAROCKTAGEN, die am 1. November beginnen.

Mit der Liebe und ihren Abgründen rechnet Alessandro Scarlatti in einer seiner Kantaten ab, in der er Amor als »brutto figlio de pottana« bezeichnet. Diese Zuschreibung bildet den Titel von Letizia Renzinis Performance rund um die Wechselwirkung von Liebe, beruflichen Erfolg, Frustration und Verzweiflung als gegenwärtiges Phänomen des flexiblen Menschen. Als Grundlage der Stückentwicklung dienen ausgewählte Kantaten von Alessandro und Domenico Scarlatti in barocker Besetzung, die mit Elektronik verschmelzen.

Die italienische Sound- und Videokünstlerin Letizia Renzini erforscht mit einem interdisziplinären Ansatz die Möglichkeiten des neuen Musiktheaters, wobei sie verschiedene Medien und Kunstformen miteinander verschmilzt. Als Regisseurin, Musikerin, Performerin und DJane entwickelte sie Musiktheaterproduktionen wie Multimedia-Installationen. Sie arbeitete mit Größen der zeitgenössischen Theaterszene Italiens wie Romeo Castellucci (Socìetas Raffello Sanzio) und Virgilio Sieni (Biennale Venedig) zusammen, außerdem wirkte sie als Sprecherin und DJane beim Sender RAI Radio 3, als Musikkritikerin für Zeitschriften und Magazine (Alias, Il Manifesto, Musica Jazz), und unterrichtete Multimedia und Filmgeschichte am Istituto Marangoni für Mode, Kunst und Design in Florenz.

Ihre Musiktheaterproduktionen wurden auf internationalen Theater- und Kunstfestivals wie der Biennale in Venedig, dem Festival Romaeuropa, den Operadagen Rotterdam und Fabbrica Europa gezeigt, außerdem an Häusern wie dem Muziekgebouw Amsterdam, dem Mozarteum in Salzburg, dem Radialsystem Berlin, dem Auditorium Parco della Musica in Rom, dem Centro Cultural de Belém, dem South African State Theatre Pretoria, The Place London, der Opéra de Lille, dem Tanzeshus Stockholm, dem Royal Opera House Covent Garden, dem Centro di Cultura Contemporanea Strozzina in Florenz, der Elbphilharmonie und der Pariser Philharmonie. 2018 gab sie mit ihrem Musiktheaterprojekt »Decameron 2.0« ihr Debüt beim Festival dei Due Mondi in Spoleto.

Zum Ensemble gehören Lore Binon (Sopran), Thomas Lichtenecker (Countertenor), Marina Giovannini (Tanz), Thomas Baeté (Viola da gamba), Okkyung Lee (Violoncello), Luise Enzian (Harfe) und Franziska Fleischanderl (Salterio).


Die zweite Ausgabe der BAROCKTAGE findet vom 1. bis 10. November statt und stellt die unmittelbaren Zeitgenossen Henry Purcell und Alessandro Scarlatti in den Fokus. Am 1. November feiert Alessandro Scarlattis IL PRIMO OMICIDIO in der Regie von Romeo Castellucci und unter der musikalischen Leitung von René Jacobs, der das B’Rock Orchestra dirigiert, Premiere. Darüber hinaus werden Henry Purcells DIDO & AENEAS und KING ARTHUR wiederaufgenommen. Das weitere Programm umfasst zahlreiche Konzerte, einen Roundtable sowie Führungen durch das Opernhaus und durch das barocke Berlin.

LINDEN 21 umfasst die Produktionen und Projekte des Spielplans, die den vielfältigen Formen zeitgenössischen Musiktheaters nachspüren. Den Saisonstart bildet LOVE, YOU SON OF A BITCH. Im weiteren Verlauf der Saison werden noch vier weitere Produktionen gezeigt: LA PICCOLA CUBANA, eine kammermusikalische Fassung von Hans Werner Henzes und Hans Magnus Enzensbergers 1974 uraufgeführter Fernsehoper LA CUBANA, in einer Einrichtung von Jobst Liebrecht, unter der musikalischen Leitung von Peter Ruzicka und in der Regie von Pauline Beaulieu feiert am 28. April im Alten Orchesterprobensaal ihre Deutsche Erstaufführung. Am 19. Juni wird im Apollosaal WERCKMEISTER HARMONIEN von Thom Luz und Mathias Weibel uraufgeführt. Die 1682 von dem Musiker und Musiktheoretiker Andreas Werckmeister formulierten Grundlagen zur wohltemperierten Klavierstimmung sind der Ausgangspunkt des Projekts, das sich mit dem Schaffen und der Auflösung von Ordnungen beschäftigt und nach einer Wahrheit im Zweifel sucht, im Raum zwischen den schwarzen und weißen Tasten. Darüber hinaus werden im Rahmen von LINDEN 21 zwei Produktionen wiederaufgenommen – USHER von Claude Debussy / Annelies Van Parys in der Regie von Philipp Quesne (ab 16. Januar) sowie HIMMELERDE, ein Maskenmusiktheater von Familie Flöz und der Musicbanda Franui (ab 3. April).


LOVE, YOU SON OF A BITCH
A Scarlatti Project
Musiktheaterperformance von Letizia Renzini

Mit Musik von Alessandro und Domenico Scarlatti
Uraufführung am Freitag, den 25. Oktober 2019 um 19:30 Uhr
Weitere Vorstellungen am 27., 28., 30. und 31. Oktober sowie 2. und 3. November 2019
Staatsoper Unter den Linden – Alter Orchesterprobensaal

Eine Werkeinführung findet jeweils 30 Minuten vor Vorstellungsbeginn statt.

Die Produktion wird unterstützt durch den Verein der Freunde und Förderer der Staatsoper Unter den Linden

Tickets sowie weitere Informationen unter Telefon 030 20 35 45 55 und www.staatsoper-berlin.de

—| Pressemeldung Staatsoper unter den Linden |—

Heidelberg, Theater Heidelberg, Benjamin – Oper von Peter Ruzicka, IOCO Kritik, 29.03.2019

März 29, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Heidelberg

Theater Heidelberg © Thomas Ott

Theater Heidelberg © Thomas Ott

Theater und Orchester Heidelberg

Das Theater Heidelberg im Zentrum der Stadt am Neckar ist ein Fünf-Sparten-Haus mit Musiktheater, Konzert, Schauspiel und Tanz sowie einem eigenen Ensemble für Kinder- und Jugendtheater. Seit 2005 gehört auch das Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg zum Theater und bildet eine eigene Sparte mit zahlreichen Konzerten sowie der Begleitung von Operninszenierungen. Intendant ist seit der Spielzeit 2011|12 Holger Schultze.

Das Theater Heidelberg wurde vom Stadtbaumeister Friedrich Lendorf im spätklassizistischen Stil erbaut und am 31. Oktober 1853 mit einer Aufführung von Friedrich Schillers Die Braut von Messina eröffnet. Im 19. Jahrhundert erweiterte man das Gebäude und baute es mehrmals um. 1924 wurde es innen und außen umgestaltet und 1925 mit Johann Wolfgang Goethes  Egmont  wiedereröffnet. 1978|79 erfolgte eine weitere Restaurierung, 1990 eine Foyer-Erweiterung, wobei der Zustand von 1924 wiederhergestellt wurde. 2006 wurde das Theater wegen erheblicher baulicher Mängel geschlossen. Im August 2009 wurde mit der Sanierung des Theaters sowie einem Theaterneubau begonnen. Der neue, große Saal des Theaters, Marguerre-Saal, fasst 600 Zuschauer.

Die neueste Sanierung umfasst den gesamten Komplex des Theaters. Der denkmalgeschützte Zuschauerraum in der Theaterstraße 8 und die historischen Gebäude Theaterstraße 4, 6 und 10 sowie das denkmalgeschützte Haus in der Friedrichstraße 5 wurden in einen modernen Theaterbau integriert. Das Theater wurde darüber hinaus um einen neuen zweiten Saal erweitert. Beide Bühnen verfügen über unabhängige Zugänge für das Publikum. Darüber hinaus gibt es die externen Spielstätten Zwinger 1, vorwiegend für Schauspiel- sowie kleinere Tanz- und Opernproduktionen und als Bühne für das Junge Theater Heidelberg den Zwinger 3.

Benjamin – Oper von Peter Ruzicka

– Im Angesicht des Todes –

von Hanns Butterhof

Das Theater Heidelberg hat als zweites Theater nach Hamburg, wo im Juni 2018 die Uraufführung stattfand, das Musiktheater in sieben Stationen „Benjamin“ von Peter Ruzicka (Musik) und Yona Kim (Libretto) auf die Bühne gebracht. Mit Benjamin lassen Ruzicka und Kim den Philosophen Walter Benjamin (1892 – 1940) kurz vor seinem Tod im spanischen Grenzort Portbou in sieben Stationen auf sein Leben zurückblicken. Für das Publikum bleiben viele Fragen offen.

Benjamin  –  Oper von Peter Ruzicka
youtube Trailer des Theater Heidelberg
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Im Angesicht des Todes, so heißt es, blitzen dem Sterbenden noch einmal entscheidende Stationen seines Lebens auf. Die Stationen des Stücks zeigen Walter Benjamin (Miljenko Turk), einen Säulenheiligen der antiautoritären 68er-Bewegung, kurz vor seinem Tod wesentlich in den aufblitzenden Beziehungen zu anderen, für ihn wichtigen Personen; alle werden nur mit Vornamen und abgekürzten Nachnamen genannt, sind aber deutlich identifizierbar.

Die Walter Benjamin Gedenkstätte in Portbou, Spanien – LINK HIER

Wie in einer inneren Dialektik folgt auf die These einer Person stets die Gegenthese, ohne dass es zu einer Synthese kommt. So rät ihm die tatkräftige und hellsichtige Hannah Arendt (Shahar Lavi) im französischen Internierungslager kettenrauchend zur schnellstmöglichen Flucht nach Amerika. Auch der Zionist Gershom Scholem (James Homann) fordert ihn zur Emigration nach Israel auf. Zu beidem kann sich Benjamin nicht entschließen; in einer langen Projektion von anbrandendem Meer zeichnet das Orchester extrem repetitiv und gehetzt seine ziellosen Fluchtgedanken, die er schließlich zugunsten seiner romantischen Bindung an Heimat und Sprache verwirft.

Wie schlechtes Gewissen erscheint darauf seine in strenges Schwarz (Kostüme: Inge Medert) gekleidete Ehefrau Dora Keller (Denise Seyhan), die ihm vorwirft, nur ein Verhältnis zu Wörtern, nicht aber zur Realität zu haben. Da flattert mit Asja Lacis (Yasmin Özkan), die in hellem Kleid wie ein Vögelchen tirilierend von der Seitentreppe herabschwebt, Abhilfe herbei. Die stramme Kommunistin aus Lettland wie auch der linientreue Dichter Bertolt Brecht (Winfried Mikus) rufen Benjamin zur roten Fahne und zu handfester Praxis auf. Doch die vergisst er bald und zeigt sich mehr der schönen Aktivistin zugewandt. Als sie nach Riga geht, folgt ihr Benjamin, zweifelt aber nicht erst beim Hitler-Stalin-Pakt 1939 an der Kommunistischen Partei, der Asja unverbrüchlich die Treue hält. Plakativer Marschrhythmus macht Benjamins Vorahnung des Krieges, ein sphärischer Chor (Einstudierung: Ines Kaun) die des Holocaust deutlich.

Theater Heidelberg / Benjamin - Oper von Peter Ruzicka - hier : Miljenko Turk als Benjamin © Sebastian Buehler

Theater Heidelberg / Benjamin – Oper von Peter Ruzicka – hier : Miljenko Turk als Benjamin © Sebastian Buehler

Da erinnert sich Benjamin daran, dass ihm schon seine Mutter und später seine Frau Ungeschick attestiert haben. In den Jungen und Mädchen des roten Kindertheaters, das er mit Asja betreibt, steht ihm das „bucklicht Männlein“ aus Achim von Arnims Märchen vor Augen, ein Kobold, der Schuld daran hat, dass ihm alles misslingt. Das ist Verzweiflung pur. So will er am Ende nur noch dem Messer der Verfolger zuvorkommen, der Selbstmord in Portbou als Konsequenz wird nicht ausgespielt, nur das Orchester verstummt langsam.

Das ist schlüssig entwickelt. Dass Benjamin irgendwo tödlich strandet, wird aber so zu sehr ihm selber angelastet. Als habe dieser in Gedanken verliebte dialektische Romantiker nie in einer Wirklichkeit ankommen und seine widerstreitenden Tendenzen in einer Synthese ruhigstellen können. Aber nicht deshalb, sondern weil er die Auslieferung an Nazideutschland fürchten musste, hat sich Benjamin in Portbou umgebracht.

Die Bühne Anne Neusers für Benjamin ist zeit- und ortlos. Eine graue, als Video-Projektionsfläche taugliche Wand schließt sie nach hinten ab, davor stehen in einem offenen U einfache Tische und Stühle; hier könnte alles mögliche verhandelt werden.

Regisseur Ingo Kerkhof hat sich, angeregt von Benjamins Auseinandersetzung mit Brechts Theorie des Epischen Theaters, dazu entschlossen, auch Benjamin episch zu inszenieren. Das ist nicht unproblematisch, weil es keine offensichtlich politische Botschaft gibt, die dem Publikum zur Einsicht gebracht werden soll. Wenn zudem die Figuren holzschnittartig gezeichnete Ideenträger sind, die sich nahezu jeder Einfühlung und Anteilnahme verschließen, wird das Bühnengeschehen rasch öde.

Als zum Prolog an die vierzig Choristen in Alltags- und Freizeitkleidung die Bühne betreten, sagen sie verschiedene Sätze Benjamins auf, während sie verschiedene Personen durch ein Pappschild mit dem Namen „Walter“ als Benjamin kenntlich machen. Erst später verwandelt sich dann Miljenko Turk mit dem typischen dunklen Dreiteiler in Benjamin, setzt dessen Brille auf und bindet das charakteristische Bärtchen unter seiner Nase fest. Danach fällt der Regie nur noch wenig ein. Benjamin muss sich viel auf dem Boden herumwinden, in Marx‘ Kapital blättern und mit Brecht Schach spielen. Hannah Arendt raucht Zigarette, Brecht qualmt Havanna-Zigarre und trägt ein rotes Megaphon, während Asja Lacis sich revolutionär körperlich ertüchtigt und dem Kinderchor rote Halstücher umbindet.

Trotz allem plakativ Verfremdeten gibt es schöne Szenen, in denen nicht etwas bloß behauptet, sondern erspielt wird. So wird einmal Benjamins Praxisbeziehung ohne Worte deutlich. Bei der Armenspeisung mit Asja vergisst er alsbald die Armen und turtelt theoretisierend mit seiner Geliebten, bis sich die Hungrigen selber die Suppe aus dem Topf holen.

Wer Walter Benjamin nicht als Philosoph kennt, wird von ihm und seinem Denken nichts durch Yona Kims Libretto erfahren. Es besteht aus einer Abfolge von klugen Benjamin-Zitaten, die durch ihre kontextlose Aneinanderreihung allen Sinn verlieren. Dafür ist schon der Prolog beispielhaft, in dem die Zitate sich überschneidend zu einem unverständlichen Geräuschwust ballen. Das Libretto ist eine schmerzhafte Text- Ausschlachtung.

Theater Heidelberg / Benjamin - Oper von Peter Ruzicka - hier : Asja und Benjamin bei der Armenspeisung © Sebastian Buehler

Theater Heidelberg / Benjamin – Oper von Peter Ruzicka – hier : Asja und Benjamin bei der Armenspeisung © Sebastian Buehler

Für die Sängerinnen und Sänger bleibt wenig mehr als deklamatorischer Sprechgesang übrig, den Miljenko Turk mit kräftigem Bariton, Shahar Lavi mit prägnantem Mezzo wie auch Denise Seyhan, Winfried Mikus und James Homann ihren Rollen entsprechend bewältigen. Nur Yasmin Özkans fällt mit ihren wahnsinnigen Koloraturen aus dem musikalischen Muster; es ist die einzige ironische Distanzierung Ruzickas und gilt wohl ebenso ihren Ideen wie Benjamins Eingehen darauf.

Die Musik Ruzickas verhält sich nicht illustrativ zum Libretto, sondern geht den Gefühlen Benjamins in den verschiedenen Situationen nach. Sie malt so dessen eindringliches Psychogramm, dissonant seiner inneren Zerrissenheit und ewigem Streben nach einem theoretischen Ruhepunkt folgend, bei gleichzeitiger Angst davor, ihn zu finden.

Elias Grandy am Pult des gut aufgelegten Philharmonischen Orchesters Heidelberg dirigiert die Musik, die sich über weite Partien in einem schmalen dissonanten Ausdruckskorridor bewegt, sehr durchsichtig. Er lässt Benjamins Ängste wie in einem Gewitter dunkel grollen und aufblitzen, seine Liebe von zarten Streichern malen, mit viel Schlagwerk und Alltagsgeräusch bricht schmerzhaft äußere Wirklichkeit herein. Aus der modernen Musiksprache des Henze-Schülers Ruzicka fällt in der Fünften Station der berührende „Jerusalem“-Chor aus seiner Celan-Oper heraus wie am Schluss Henri Duparcs Baudelaire-Vertonung L’invitation au voyage. Dieses Lied hat nahezu Puccinischen Schmelz und endet mit Orgelklang wie ein Requiem für Walter Benjamin.

Im Angesicht des Todes, so heißt es, blitzen dem Sterbenden noch einmal entscheidende Stationen seines Lebens auf. Es ist nicht überliefert, welchen Grad an Richtigkeit solchen Erinnerungen zukommt. Doch bei einem Musiktheater-Stück wie Benjamin ist nicht unerheblich, was erinnert wird. Was Peter Ruzicka und Yona Kim an Benjamin erinnern lassen, wird diesem nicht gerecht und überzeugt auch nicht davon, dass dieses Musiktheater notwendig komponiert werden musste.

Nach eineinhalb Stunden Musik-Theaters ohne Pause gab es freundlichen Beifall für alle Beteiligten, vor allem Miljenko Turk, Yasmin Özkan, Elias Grandy und das Philharmonische Orchester Heidelberg.

Benjamin im Theater Heidelberg, die einzige weitere Vorstellung der Spielzeit am 8.4.2019

—| IOCO Kritik Theater und Orchester Heidelberg |—

Sopranistin Lini Gong – CD „Spectrum“, IOCO Rezension, 04.12.2018

Dezember 5, 2018 by  
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Lini Gong, Sopranistin und Pianistin Mariana Popova vor dem CD Cover Spectrum © Jörn Kipping

Lini Gong, Sopranistin und Pianistin Mariana Popova vor dem CD Cover Spectrum © Jörn Kipping

Sopranistin Lini Gong – Erste CD Einspielung – „Spectrum“

– Hommage an Hamburg –

Von Patrik Klein

Die Sopranistin Lini Gong lebt in Hamburg, hat chinesischen Wurzeln, sang lange Zeit im Ensemble des Theater Freiburg, entwickelte sich zu einer Spezialistin für zeitgenössische Musik und hat am 30. November 2018 beim Label Solo Musica ihre erste CD mit dem Titel Spectrum zusammen mit Mariana Popova (Klavier) herausgebracht.

In den Medien konnte man über die Stimme von Lini Gong lesen: „Das ist eine elektrifizierende Stimme, glockenklar und rein mit silbernen Obertönen, mit einer hypnotisierenden Fülle selbst in den allerhöchsten Lagen!“

Lini Gong hat sich als Koloratursopranistin einen Namen gemacht. Neben den großen Partien ihres Fachs wie Sophie (Werther), Esmeralda (Die Verkaufte Braut), Solveig (Peer Gynt), Rosina (Il Barbiere di Siviglia), Sifare (Mitridate), Ännchen (Der Freischütz), Celia (Lucio Silla), Venus und Gepopo (Le Grand Macabre), Oscar (Un Ballo in Maschera), Woglinde (Götterdämmerung), Gretel (Hänsel und Gretel), Jouvenot (Adriana Lecouvreur), Eurydike (Orpheus in der Unterwelt), Königin der Nacht (Die Zauberflöte), Feuer, Prinzessin und Nachtigall (Das Kind und die Zauberdinge), Zerbinetta (Ariadne auf Naxos), Cupido (King Arthur), Adina (L’Elisir d’Amore), Despina (Così fan tutte), Olympia (Hoffmanns Erzählungen), Gilda (Rigoletto), Nachtigall (Die Nachtigall), Blondchen (Die

Entführung aus dem Serail), u. v. a. widmete sich die gebürtige Chinesin immer wieder der zeitgenössischen Musik. Lini Gong hat zahlreiche Uraufführungen gesungen. Eine enge Zusammenarbeit verbindet sie mit Komponisten wie Georg Friedrich Haas, Hèctor Parra und Peter Ruzicka.

Lini Gong, Sopranistin © Jörn Kipping

Lini Gong, Sopranistin © Jörn Kipping

Der Komponist und Dirigent Peter Ruzicka komponierte die Oper Benjamin, die am 3.6.2018 an der Hamburgischen Staatsoper welturaufgeführt wurde. Hier brillierte die Sängerin als Asja Lacis, einer Rolle die ihr auf den Leib geschnitten schien, mit überregional aufsehenerregenden positiven Rezensionen.

In ihrer ersten CD nun beleuchten Lini Gong (Sopran) und Mariana Popova (Klavier) die Musikstadt Hamburg. In dem Album Spectrum nehmen sich die beiden Werke von bekannten Komponisten mit Bezug zur Hansestadt wie Johannes Brahms, Gustav Mahler und Felix Mendelssohn an. Es stehen aber auch Lieder von zeitgenössischen Komponisten wie Ilse Fromm-Michaels, Rolf Liebermann und Ruta Paidere auf dem Programm.

Die beiden Künstler haben insgesamt 28 Kompositionen in 26 Titeln zu einem dramaturgischen Ganzen verwoben. Es sind Kompositionen, die zusammen ein sehr persönliches, stilistisch facettenreiches Hamburg-Album ergeben (darunter viele Weltersteinspielungen). Als Wahlhamburgerinnen fühlen sich Lini Gong und die gebürtige Bulgarin Mariana Popova dem Musikleben und der Musikgeschichte Hamburgs verbunden. „Wir versammeln bewusst Musiksprachen aus drei Jahrhunderten und spielen mit Kontrasten wie mit Klangfarben, eben mit dem ganzen Reichtum der Gattung Kunstlied – eine Gattung, die wir sehr lieben.“

Beide Künstlerinnen haben ein Faible für Neue Musik. Das hat die Auswahl unüberhörbar beeinflusst. Aus der Zusammenarbeit mit dem Komponisten und Präsidenten der Musikhochschule Hamburg Elmar Lampson entstand zum Beispiel eine Klavierfassung seiner drei Lieder nach Gedichten von Christian Morgenstern.

Anfang und Ende des Reigens markieren zwei Lieder von Paul Dessau auf Tierverse von Bertolt Brecht. Dessau, Sohn einer Hamburger Musikerfamilie, gibt der ausgefeilten Dramaturgie der Liedauswahl eine gewisse „Erdung“.

Es gelingt den beiden Musikern in beeindruckender Weise, die bunten Facetten ihrer Auswahl der Musikstücke, ihrer eigenen Herkunft mit ganz unterschiedlichen individuellen Vergangenheiten in die Lebendigkeit und Internationalität einer Weltstadt wie Hamburg zu transponieren. Man spürt geradezu die Freude am ausdrucksvollen Liedgesang und die intensive Harmonie zwischen Sopranistin und ihrer Begleiterin. Musikalische Qualität, Tradition und Moderne gelangen so zu einer feinen Symbiose in einem breiten Spectrum.

Lini Gong und Mariana Popova musizieren als Lied-Duo seit 2006. Aktuell planen sie Konzerte mit dem Programm ihres Hamburger Liederbuchs.

 Lini Gong und Mariana Popova © Jörn Kipping

Lini Gong und Mariana Popova © Jörn Kipping

Lieder von Johannes Brahms, Paul Dessau, Ilse Fromm-Michaels, Berthold Goldschmidt, Hans Werner Hagen, Fanny Hensel, Theodor Kirchner, Elmar Lampson, Rolf Liebermann, György Ligeti, Gustav Mahler, Felix Mendelssohn, Ruta Paidere, Peter Ruzicka

Lini Gong (Sopran),  Mariana Popova (Klavier),  Solo Musica SM 300
Veröffentlichung: 30. November 2018 (Deutschland, Österreich, Schweiz), im Februar 2019 (USA, Kanada)

CD  – Titelverzeichnis

– Paul Dessau Tierverse: Der Adler
– Ilse Fromm-Michaels 4 winzige Wunderhornlieder, Op. 9b: I. Maikäfer-Lied
– Ilse Fromm-Michaels 4 winzige Wunderhornlieder, Op. 9b: II. Geh, du schwarze Amsel
– lse Fromm-Michaels 4 winzige Wunderhornlieder, Op. 9b: III. Der Sperling
– Ilse Fromm-Michaels 4 winzige Wunderhornlieder, Op. 9b: IV. Der Butzemann
– Felix Mendelssohn Neue Liebe, Op. 19a, No. 4
– Ruta Paidere Auf stillem Meer
– Theodor Kirchner Frühlingslied, Op. 1, No. 2
– Elmar Lampson 3 Lieder nach Lieder von Christian Morgenstern: I. Vöglein Schwermut
– Elmar Lampson 3 Lieder nach Lieder von Christian Morgenstern: II. So möcht ich sterben
– Elmar Lampson 3 Lieder nach Lieder von Christian Morgenstern: III. Der Vogel
– Fanny Hensel Warum sind denn die Rosen so blaß, Op. 1, No. 3
– Rolf Liebermann 4 Chinesische Liebeslieder: I. Mir tat die Helligkeit der Lampe weh
– Rolf Liebermann 4 Chinesische Liebeslieder: II. Der Strom floß
– Rolf Liebermann 4 Chinesische Liebeslieder: III. Wenn ich an deinem Munde hingesunken
– Rolf Liebermann 4 Chinesische Liebeslieder: IV. Die Libelle schwebt zitternd
Gustav Mahler Frühlingsmorgen
– Peter Ruzicka Nach dem Lichtverzicht
– Berthold Goldschmidt 3 Lieder, Op. 24: I. Der Perlenzahn
– Berthold Goldschmidt 3 Lieder, Op. 24: II. Der römische Brunnen
– Berthold Goldschmidt 3 Lieder, Op. 24: III. Der Schmetterling
Johannes Brahms Lerchengesang, Op. 70, No. 2
– Hans Werner Hagen 12 Haikus: Nos. 5, 6 & 7
Paul Dessau Helle Nacht
György Ligeti Der Sommer

—| IOCO CD-Rezension |—

Augsburg, Theater Augsburg, ERLÖSUNG DEM ERLÖSER 8. Sinfoniekonzert, 17. & 18.07.2017

Juli 13, 2017 by  
Filed under Konzert, Pressemeldung, Theater Augsburg

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Theater Augsburg

Theater Augsburg / Außenansicht © Theater Augsburg

Theater Augsburg / Außenansicht © Theater Augsburg

ERLÖSUNG DEM ERLÖSER
8. Sinfoniekonzert
17. und 18. Juli 2017 20.00 Uhr Kongress am Park

19.10 Uhr – Konzerteinführung

Das letzte Sinfoniekonzert der Saison steht im Zeichen des 500-jährigen Reformationsjubiläums. Felix Mendelssohn Bartholdy komponierte 1830 seine Symphonie zur Feier der Kirchen Revolution für das 300-jährige Jubiläum der „Confessio Augustana“. Die geistliche Programmatik exponiert Mendelssohn mit den Zitaten des gregorianischen „Magnificat“, des berühmten Lutherchorals „Ein feste Burg ist unser Gott“ sowie des „Dresdner Amens“, einer Gesangsformel der lutherischen Kirche Sachsens. In Richard Wagners Bühnenweihfestspiel „Parsifal“ erhält das „Dresdner Amen“ ebenfalls eine herausragende Bedeutung als Leitmotiv für den heiligen Gral. Unter der Leitung von Anthony Bramall erklingen die rein instrumentalen Passagen des musikdramatischen Werks in einer Verdichtung sinfonischen Ausmaßes.

 

Programm:
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847): Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107, „Reformations-Sinfonie“
Richard Wagner (1813-1883): Sieben sinfonische Zwischenspiele aus „Parsifal“, Einrichtung von Peter Ruzicka

Augsburger Philharmoniker
Anthony Bramall, Dirigent

—| Pressemeldung Theater Augsburg |—

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