Paris, 21. Festival Européen Jeunes Talents, Abschlusskonzert: Y’a d’la joie!, IOCO Kritik, 23.07.2021,

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Hôtel de Soubise in Paris / 2021 Zentrum des Festival junger musikalischer Talente aus aller Welt © Wikimedia Commons

Hôtel de Soubise in Paris / 2021 Zentrum des Festival junger musikalischer Talente aus aller Welt © Wikimedia Commons

Festival Européen Jeunes Talents

21. FESTIVAL EUROPÉEN JEUNES TALENTS

24. Juli  – Abschlusskonzert – Cathédrale Sainte-Croix des Arméniens

von Peter M. Peters

Y’a d’la joie!  –  Da ist Freude!

Da ist Freude! Ja! In einem fröhlichen, abwechslungsreichen und seltenen Programm feierten die drei talentierten Nachwuchskünstler ihr musikalisches Wiedersehen. Ihre Auswahl an phantasievollen Werken – von der französischen Melodie bis hin zum amerikanischen Musical, einschließlich Chansons, Operettenmelodien und Opernarien – war das Versprechen einer jubelnden und festlichen Rückkehr auf die Bühne und ein glücklicher Abschluss des Festivals getan.

Marine Chagnon, Mezzosopran; Bastien Rimondi, Tenor und Timothée Hudrisier, Klavier sangen und spielten Werke von: Maurice Ravel (1875-1937), Francis Poulenc (1899-1963), Mel Bonis, (1858-1937) Graciane Finzi (*1945), Barbara (1930-1997), Léo Delibes (1836-1891), Giacomo Meyerbeer (1791-1864), Jacques Offenbach (1819-1880), Johann Strauss II (1825-1899), Sergej Rachmaninoff (1873-1943), Gioachino Rossini (1792-1868), Georges Bizet (1838-1875), George Gershwin (1898-1937), Richard Cocciante (*1946), Moisés Simóns (1918-1990) und Leonard Bernstein.

21. Festival Européen Jeunes Talents – Paris
Youtube Trailer Jeunes Talents
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Leider hat das launige Wetter uns noch einmal für das letzte Konzert einen Strich durch die Rechnung getan! Aber man kann trotz allem bei dem alten Sprichwort bleiben: Alles Gute endet gut …! Die drei oben genannten jungen Künstler haben ihr Bestes gegeben, um das Publikum in guter Laune zu halten. Y’a d’la joie! Ja! Da ist Freude! Dieser farbenfreudige musikalische Abschiedsstrauß war schon ein willkommener Gruß für das nächste Festival im Jahre 2022. Y’a d’la Joie!

Allen voran die Mezzo-Sopranistin Marine Chagnon, die mit ihrer warmen und tiefen sensuellen Stimme alles mit Überzeugung interpretieren konnte und dazu mit einem natürlichen szenischen Auftreten. Auch ihre Vortragsart und Diktion waren einwandfrei, so dass wir ihr schon eine große Karriere voraus sagen können. Der junge Tenor Bastien Rimondi hat im Medium eine angenehme klare Stimme, jedoch in den Höhen sollte er noch an sich arbeiten. Nach unserer Meinung ist er mit seinem hellen Timbre besser in der Operette und dem Musical aufgehoben! Einen besonderen Lob für den Pianisten Timothée Hudrisier, der sowohl als Begleiter sowie auch im Klaviersolo wahre Wundertöne herausquellen  ließ. In seiner Interpretation der Improvisation Nr.15 (1959) – Hommage à Edith Piaf (19151963) von Poulenc und die Mazurka op.26 (1897) von Bonis wurde das Klavier von seiner sensiblen Meisterhand getuscht.

Brava! Bravo! Und nach so viel Freude noch eine Zugabe: Y’a d’la joie! (1973) von Charles Trenet (1913-2001), das uns in angenehmer Weise wie ein Ohrwurm noch Stunden später im Innern singen lässt. Wir wollen auch ein großes Bravo an die Festspielleitung bekunden: Denn das Programm brachte selten gespielte Werke, neue Werke, von Frauen geschriebene Werke und stabilisierte besonders die Brücken zwischen der Klassik und der Unterhaltung! Eben den alten müden Karren von modrigen alteingefahrenen Wegen auf neue Bahnen zu lenken! Eben alteingesessene Ideologien zu neuen toleranten Wegbereitern zu formen! Ja! Da ist Freude! Y’a d’la joie! Und jetzt einige Freuden etwas näher betrachtet:

21 Festival Européen Jeunes Talents / Abschlusskonzert Y'a d'la joie! - hier :  Pianist Timothée Hudrisier und Marine Chagnon © Xavier Delfosse

21 Festival Européen Jeunes Talents / Abschlusskonzert Y’a d’la joie! – hier : Pianist Timothée Hudrisier und Marine Chagnon © Xavier Delfosse

Hôtel aus Banalités FP107, Nr.2 (1940 / Guillaume Apollinaire / 1880-1918) von Poulenc. Die Banalités zählen zwar nicht zu den Hauptwerken Apollinaires, aber ihr besonderer Ton sprach Poulenc an, dessen künstlerische Verwandtschaft mit dem Poeten schon sehr früh auftaucht (1919 vertonte er Le Bestiaire FP15a), 1940 schrieb der Komponist Hôtel, das zu einer lässigen Träumerei wurde und heute häufig in einem Programm von französischen Melodien auftaucht…

Ma chambre a la forme d’une cage
Le soleil passe son bras par la fenêtre

Mais moi qui veut fumer pour les mirages
J’allume au feu du jour ma cigarette
Je ne veux pas travailler, je veux fumer.

Es ist eines dieser Ritornell, auf die wir nicht unbedingt achten, die aber ins Ohr gehen und uns mindestens für einen Tag lang nicht mehr loslassen…!

Bastien aus Songe -Trois Mélodies op.91 Nr.3 (1912 / Maurice Bouchor / 1855-1929) von Bonis. Sie wurde als Mélanie Bonis in einer bescheidenen Pariser Familie geboren. Zuerst Autodidakt, dann Schülerin von César Franck (1822-1890) und Ernest Guiraud (1837-1892) am Pariser Konservatorium. Ihre Eltern nahmen sie von der Musikhochschule zurück, um ein Hochzeitsprojekt mit einem Studiumkameraden abzubrechen. Sie heiratete 1883 einen wohlhabenden Industriellen und widmete sich fortan ihrem Leben als Ehefrau und Mutter, aber auch gleichzeitig komponierte  sie ein sehr bedeutendes Klavier- Kammermusikwerk, das sie heute zu den besten französischen Komponisten des 20. Jahrhundert zählt. Man kann ihren Musikstil in den Kreis der französischen Symbolisten einordnen…

21 Festival Européen Jeunes Talents / Abschlusskonzert Y'a d'la joie! © Xavier Delfosse

21 Festival Européen Jeunes Talents / Abschlusskonzert Y’a d’la joie! © Xavier Delfosse

Septembre (um 1965), Chanson von Barbara, Künstlername, von Monique Andrée Serf, geboren in Paris, Französische Autorin-Komponistin-Interpretin. Ihre Poesie, getragen von der Harmonie ihrer Kompositionen und der Finesse ihrer Interpretationen sicherte ihr mehr als vierzig Jahre lang ein überaus treues Publikum. Viele ihrer Chansons sind heute im Panthéon der französischen Musik eingegangen, insbesondere Une petite Cantate, Dis, quand reviendras-tu? Nantes, Göttingen, La Dame brune, L’Aigle noir, Marienbad aber auch Ma plus belle histoire d’amour machen sie zu einer der größten Diseuse aller Zeiten …

Quel joli temps pour se dire au revoir
Quel joli soir pour jouer ses 20 ans
Sur la fumée des cigarettes
L’amour s’en va, mon cœur s’arrête
Quel joli temps pour se dire au revoir
Quel joli soir pour jouer ses vingt ans

                                                    (Septembre,  2.Strophe)

Mon Dieu ! que les hommes sont bêtes aus La Périchole (1868 / Ludovic Halévy / 1837-1908 / Henri Meilhac / 1830-1897) von Offenbach. Die Opéra-Bouffe uraufgeführt am Théâtre des Variétés, nach einer Nouvelle von Prosper Mérimée (1803-1870) Le Carrosse du Saint-Sacrement (1829). Die dritte Aufführung erreichte Einnahmen von 4300 Franken und blieb von der vierten bis zur achten weit über 4700 Franken. Ansonsten hatte das Werk, verglichen mit anderen Operetten von Offenbach, nicht den verdienten Erfolg. Ungeachtet dessen hat die Arie Mon Dieu ! que les hommes sont bêtes einen einmaligen anhaltenden Welterfolg. Obwohl original für ein Mezzosopran geschrieben, La Périchole hat allein mit diesem Stück-Musik ein Vermögen eingesungen und das als Sopran…als Mezzo… als Diseuse… als Popstar… als Jazzstar…  usw…

21 Festival Européen Jeunes Talents / Abschlusskonzert Y'a d'la joie! © Xavier Delfosse

21 Festival Européen Jeunes Talents / Abschlusskonzert Y’a d’la joie! © Xavier Delfosse

C’est ça la vie, c’est ça l’amour aus Toi c’est moi (1934 / Henri Duvernois / 1875-1937) von Moisés Simón Rodriguez, kubanischer Komponist, Pianist und Dirigent. Als Sohn eines in Kuba lebenden baskischen Musikers lernte er schon in sehr jungen Jahren Klavier und Orgel. In den 1920er Jahren unternahm er mit seinem Jazzorchester mehrere große Tourneen, die ihn nach New York, Paris und Madrid führten. Im Jahre 1934 zog er nach Paris, wo er zwei erfolgreiche Operetten schuf, Toi c’est moi und Le Chant des Tropiques (1936), sowie ein  von Jeanne Aubert (1900-1988) popularisiertes Chanson (dessen Titel in einer volkstümlichen Sprache berühmt wurde), Le Cul sur la commode (1937). Sein Song El Manisero (1928) wurde von vielen Künstlern adaptiert, darunter Mistinguett (1875-1956 / La Rumba d’amour / 1931), Louis Armstrong (1901-1971), Judy Garland (1922-1969), Duke Ellington (1899-1974) und auch The Beatles (1960-1970 / The Peanut vendor / 1969).

Obwohl wir die französische Operette der 30er Jahre völlig uninteressant und überkitscht finden, müssen wir eingestehen, dass das Chanson mit seiner rhythmischen Rumba-Melodie C’est ça la vie, c’est ça l’amour eine äußerst attraktive Atmosphäre anbietet: Es wurde vielfach von den großen Mezzo-Sopranistinnen unserer Zeit u.a. Frederica von Stade oder Susan Graham interpretiert.

————————

Ein allerletzter Hinweis für musikliebende, offene deutsche Touristen in Paris: Von jungen Künstlern werden auch außerhalb des „offiziellen“  FESTIVAL EUROPÉEN JEUNES TALENTS das ganze Jahr über in Paris Konzerte veranstaltet.

Mehr Informationen finden Sie hierzu unter link:   https://www.jeunes-talents.org/     oder  unter     Tel: +33 1 40 20 09 20.   PMP/25.07.21

—| IOCO Kritik Festival Européen Jeunes Talents |—


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Paris, 21. Festival Européen Jeunes Talents, Konzert: Once Upon a Time in America, IOCO Kritik, 23.07.2021,

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Hôtel de Soubise in Paris / 2021 Zentrum des Festival junger musikalischer Talente aus aller Welt © Wikimedia Commons

Hôtel de Soubise in Paris / 2021 Zentrum des Festival junger musikalischer Talente aus aller Welt © Wikimedia Commons

Festival Européen Jeunes Talents

21. FESTIVAL EUROPÉEN JEUNES TALENTS

Once Upon a Time in America – Es war einmal in Amerika

von Peter M. Peters

Am 9. Juli lässt uns das Programm des 21. Festival Européen Jeunes Talents mit dem Programm Once Upon a Time in America – Es war einmal in Amerika eintauchen in das Amerika der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das damals der Treffpunkt vieler künstlerischer Strömungen war. Es sind die europäischen Komponisten, im Exil oder auf der Suche nach neuen Inspirationen und Klängen. Jedoch auch in Amerika geborenen Musiker suchen nach neuen Wegen… nach neuen Ideen!

21. Festival Européen Jeunes Talents in Paris
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Für George Gershwin (1898-1937) werden es die Jazzeinflüsse sein, die es ihm ermöglichen den symphonischen Jazz zu kreieren, mit dem er am Broadway und später in Hollywood triumphieren wird. Für andere wie Aaron Copland, Leonard Bernstein und Meredith Wilson wird der Film eine wichtige Rolle bei der Entwicklung ihrer musikalischen Vorstellungskraft spielen. Wir können von Gershwin die Atmosphäre der Kabaretts in New York der Zwischenkriegszeit, aber auch das von Bernstein so heiß geliebte Musical wiederentdecken. Sein berühmtes Somewhere aus West Side Story strahlt wie je zuvor am Broadway-Firmament! Es wird ein musikalisches Eintauchen in diese fabelhafte Zeit der Emulation und Kreativität sein…

Once upon a time in America

Dieser geistreiche Titel ist auch unser Leitfaden für diesen außergewöhnlichen Abend in Musik! Vielleicht schon einer der Höhepunkt vor dem Festival-Final? Die Interpreten für diesen Song-Abend waren alle auf höchstem Niveau und hatten das gewisse Extra, was man haben sollte für derartige Musik… Leichtigkeit… Lässigkeit… Nonchalance! Jeanne Gérard, Sopran mit dem Pianisten Alexander Ullmann und dem Quartett Agate: Adrien Jurkovic und Thomas Descamps, Violinen; Raphaël Pagnon, Viola; Simon Iachemet, Cello, hatten das nötige musikalische Talent und den The-Show-must-go-on-spirit für diese einzigartige Broadway-Stimmung, dazu mit einem vielversprechenden Programm: John Cage (1912-1992), Samuel Barber (1910-1981), Jake Heggie (*1961), Amy Beach (1867-1944), Aaron Copland (1900-1990), George Gershwin (1898-1937), Meredith Wilson (1902-1984), Leonard Bernstein (1918-1990), Cole Porter (1891-1964), Stephen Sondheim (*1930).

Außerdem hatten wir mit der Wetterlaune sehr viel Glück an diesem Abend: Die Show konnte mit einer besonders guten Akustik im von breiten Palastmauern umgebenen Cour de Guise stattfinden.  Kein Lärm, nicht ein einziger Laut kam aus der Großstadt zu uns herüber, nur ein einsamer Rabe rief krrrre! kreeee!… (Missbilligung oder Beifall?). Wir wollen uns eine kleine Auswahl von den seltenen fast unbekannten Songs ein wenig näher ansehen.

Ah, Love, But a Day! aus Three Browning Songs op. 44 (1899-1900 / Robert Browning / 1812-1889) von Beach. Die Komponistin war von frühreifer Begabung und nachdem sie als junges Mädchen in ihrer Heimat bei Ernst Perabo (1845-1920) Klavier und Komposition studiert hatte, wurde sie besonders in Amerika sehr schnell eine bekannte musikalische Persönlichkeit, jedoch nach ihrer Vermählung beendete sie ihre Karriere. Wir verdanken ihr Werke in den unterschiedlichsten Bereichen: Klavier, Kammermusik, Songs, Chorwerke, darunter eine große Messe, ein Klavierkonzert, eine Sinfonie und eine Oper. Ihre Songs werden bis heute von vielen großen Sängerinnen interpretiert und auch mehrere Versionen wurden eingespielt…

21 Festival Européen Jeunes Talents / Once upon in America - hier : alle Interpreten © Xavier Delfosse

21 Festival Européen Jeunes Talents / Once upon in America – hier : alle Interpreten © Xavier Delfosse

Vodka aus der Broadway-Show: Song Of The Flame (1926 / Oscar Hammerstein II / 1895-1960) von Gershwin. Dieser besonders ätherisch-süffige Song mit einer, ja man kann fast sagen, alkoholgetränkten Atmosphäre ist ein Meisterstück an musikalischer Verführung, dazu mit einem derart kribbeligen-geistreichen Text. Da muss man wohl ein Alkoholiker werden! Der Song erzählt die Geschichte eines Menschen – einer Frau – nicht sehr neu in der musikalischen Welt: beschwipst… tipsy… gris… kurzum sie trank einige Gläser zu viel, wie u.a. Rosalinde (Feuerstrom der Reben) in Die Fledermaus (1874) von Johann Strauss II (1825-1899) oder die Titelsängerin (Ariette de la griserie) aus La Périchole (1868/1874) von Jacques Offenbach (1819-1880)…

LOVESITE – Konzert  –  21. Festival Européen Jeunes Talents –  HIER

Laurie’s Song aus The Tender Land (1954 / Horace Everett / 1927-2001), Oper von Copland. Die Oper erzählt von einer Bauernfamilie im Mittlerin Westen der USA. Der Komponist wurde inspiriert dieses Werk zu schreiben, nachdem er die Fotografien von Walker Evans (1903-1975) aus der Depressionszeit gesehen und James Rufus Agees (1909-1955) Roman Let Us Now Praise Famous Men (1941) gelesen hatte. Er schrieb das Werk zwischen 1952 und 1954 für den NBC Television Opera Workshop mit der Absicht, es im Fernsehen zu präsentieren. Die Fernsehproduzenten lehnten jedoch die Oper ab. Schließlich wurde das Werk mit viel Erfolg am 1. April 1954 an der New York City Opera uraufgeführt…

21 Festival Européen Jeunes Talents / Once upon in America © Xavier Delfosse

21 Festival Européen Jeunes Talents / Once upon in America © Xavier Delfosse

The Tale Of The Oyster aus Fifty Million Frenchmen (1929 / Herbert Fields / 1897-1958) von Porter. Die Musical Comedy Tour Of Paris ist eine musikalische Komödie in zwei Akten. Das 1929 entstandene Werk wurde 254 Mal am Broadway gespielt und 1931 von Lloyd Bacon (1889-1955) erfolgreich für den Film adaptiert. Der Oyster Song ist wohl einer der komischsten Paraphrasen über ein trauriges (Austern)-Schicksal! Hier die erste Strophe im Originaltext…

Down by the sea lived a lonesome oyster
Every day getting sadder and moister
He found his home life awf’lly wet
And longed to travel with the upper set
Poor littly oyster.

Send In The Clowns aus A Little Night Music (1973 / Hugh Wheeler / 1912-1987) Musik und Lyrics von Sondheim nach dem Film Das Lächeln einer Sommernacht (1955) von Ingmar Bergman (1918-2007). Während Bühnenerfolge oft zu Filmadaptationen geführt haben, handelt es sich in diesem Fall um einen Film von Bergman, der selbst im Wort von William Shakespeares (1564-1616) A Midsummer Night’s Dream (1600) angesiedelt hat und der Librettist Wheeler inspirierte sich davon. Dieser Rahmen erlaubt Sondheim eine erstaunliche Virtuosität in der Art und Weise, wie er Wort und Musik in seinem Werk verwebt. Er erforscht Themen, die ihm am Herzen liegen, wie die Komplexität menschlicher Beziehungen oder die Angst im Angesicht der verstreichenden Zeit. Er liefert eine schillernde Partitur, die von der ternären Form dominiert wird: Die drei Lächeln der verschiedenen Lebensalter, aber auch eine Variation einer Dreiecksbeziehung während einer nordischen Nacht. Wo alle Torheiten erlaubt sind und auch wie immer unaufhörlich zusammenbrechen werden und sich dann zu einem neuen Rhythmus von drei Zeitschlägen wieder formt…

Obwohl noch am Anfang des 21. FESTIVAL EUROPÉEN JEUNES TALENTS  hatte dieser Abend ein derartiges Niveau. Es zu übertreffen wird wohl nicht sehr leicht sein…

(PMP / 13.07.2021)

—| IOCO Kritik Festival Européen Jeunes Talents |—


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Paris, 21. Festival Européen Jeunes Talents, LOVESIGHT – Konzert in Sainte-Croix, IOCO Kritik, 21.07.2021

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CATHEDRALE SAINTE-CROIX DES ARMÉNIENS @ Xavier Delfosse

CATHEDRALE SAINTE-CROIX DES ARMÉNIENS @ Xavier Delfosse

Festival Européen Jeunes Talents

21. Festival Européen Jeunes Talents  

 6. Juli 2021 – Cathedrale Sainte-Croix des Arméniens – Paris

von Peter M. Peters

LOVESIGHT

Ein empfindsamer und intelligenter Titel für einen Liederabend (Melodien und Songs) mit Werken von Ralph Vaughan Williams (1828-1882), Henri Duparc (1848-1909), Franz Schubert (1797-1828), Samuel Barber (1910-1981), William Elden Bolcom (*1938), Jake Heggie (*1961), Lee Hoiby (1926-2011), Ben Moore (*1960) und Amy Beach (1867-1944).

21. Festival Européen Jeunes Talents in Paris
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Die in Paris lebende amerikanische Pianistin und Pädagogin Susan Manoff, Foto unten, (Professor am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris) hat mit ihrer Auswahl ein äußerst attraktives Programm ausgewählt, indem sie sehr seltene und auch für uns völlig unbekannte Komponisten vorstellte. Die beiden jungen Sänger, die sie am Klavier begleitete, waren: Cyrielle Ndjiki Nya, Foto, Sopran und Edwin Fardini, Foto, Bariton. Leider musste das Konzert im Cour de Guise wegen schlechter Wetterlaune abgesagt werden! Die Kathedrale befindet sich gleich hinter den Archives Nationales, jedoch ist es für uns kein repräsentativer Ersatz: Denn es fehlen die nötigen akustischen Konditionen für die Musiker und ihren Instrumenten. Insbesondere für die menschliche Stimme ist es mehr als ungenügend! Die beiden jungen Interpreten können sich schon auf eine ansehnliche Karriere berufen und auch an diesem Abend haben sie trotz der akustischen Mängel mit viel Professionalismus gesungen. Vielleicht sollten sie beide noch an ihrer Aussprache arbeiten, insbesondere in den französischen Melodien und im deutschen Lied. Eine kleine Auswahl von Komposition wollen wir ein wenig näher betrachten.

Au pays où se fait la guerre (1869-1870 (Théophile Gautier / 1811-1872 / La Comédie de la mort/1883) aus Treize Mélodies (1868-1887) von Duparc. Zur Zeit des deutsch-französischen Konflikts ungewollt aktuell, hatte diese Melodie für Mezzo-Sopran eine erste Fassung unter dem Titel Absence. Überarbeitet, orchestriert vor 1876 ist sie im Stil von Clärchens Lied (Egmont op.84 / 1809) von Ludwig van Beethoven (1770-1827 / Johann Wolfgang von Goethe / 1749-1832) oder von germanischen Balladen einsamer Frauen im Krieg gerückt. In ihrer instrumentalen Komposition zeigt es in den Couplets Mahler an, unterbrochen von einem traurigen zweizeiligen Refrain, dessen Terzfigur die unterbrochene Liebesbeziehung nachvollzieht…

Die Taubenpost (Johann Gabriel Seidl / 1804-1875) aus Schwanengesang D 957 (1828) von Schubert. Tausendmal am Tag schickt der Dichter seine Brieftaube, um der Geliebten seine Botschaften zu überbringen, er braucht nicht einmal mehr Briefe, denn dieser unermüdliche treue Botschafter ist Sehnsucht: Ein Bote treuer Herzen. In der Tradition einiger Lieder aus dem Zyklus Die Schöne Müllerin D 795 (1823) oder von Abschied (Schwanengesang Nr. 7) ist es ein anmutiger geflügelter Seitenton mit einem verspielten munteren Rhythmus …

 CATHEDRALE SAINTE-CROIX DES ARMÉNIENS hier Cyrielle Ndjiki Nya und Edwin Fardini, vorne @ Xavier Delfosse

CATHEDRALE SAINTE-CROIX DES ARMÉNIENS hier Cyrielle Ndjiki Nya und Edwin Fardini, vorne @ Xavier Delfosse

The Desire for Hermitage (Anonym 8.-9. Jahrhundert) aus Hermit Songs op.29 (1953) von Barber. Er war berührt vom Charme und der Unschuld der Gedichte, die zwischen dem 8. und 13. Jahrhundert von irischen Klerikern und Mönchen geschrieben wurden. Von den am Rande der von ihnen kopierten oder illuminierten Manuskripte wählte Barber zehn aus, von denen das kürzeste zwei und das längste zweiundzwanzig Zeilen hatte. Der amerikanische Komponist, der keine Taktstriche verwendet, durchzeichnet seine Melodie in der natürlichen Deklamation der Texte. Die Nr. 10 illustriert mit Leidenschaft ein Glaubensbekenntnis: Ah! To be all alone in a little cell with nobody near me…

Youth and Love aus Songs of Travel (1901-1904 / Robert Louis Stevenson / 1850-1894) von Vaughan Williams. Diese neun Songs sind zeitgenössisch mit dem Zyklus The House of Life (1904) und obwohl sie zu verschiedenen Zeiten veröffentlicht wurden, bilden sie durch die Einheit von Ton und Gedanken des Werks sowie durch bestimmte wiederkehrende melodische Elemente einen Zyklus. Die Nr. 4 glänzt durch ihre Kontraste: Ausbalancierte Akkorde, die sich im gleichen Takt abwechseln auf die erste oder zweite lyrische Strophe bewegen und außerdem zwei motivische Erinnerungen beziehen sich auf die dritte Melodie…

CATHEDRALE SAINTE-CROIX DES ARMÉNIENS hier vl vl am Flügel Susan Manoff, Edwin Fardini, Cyrielle Ndjiki Nya @ Xavier Delfosse

CATHEDRALE SAINTE-CROIX DES ARMÉNIENS hier vl vl am Flügel Susan Manoff, Edwin Fardini, Cyrielle Ndjiki Nya @ Xavier Delfosse

Amor aus Cabaret Songs (1963-1996 / Arnold Louis Weinstein / *1940) von Bolcom. Der amerikanische Komponist und Pianist betritt mit einer ungenierten Leichtigkeit die Brücke zwischen sogenannter ernster Musik und der scheinbar hingeworfenen Unterhaltungsmusik. Er studierte u.a. mit Darius Milhaud (1892-1974), Olivier Messiaen (1908-1992) und Jean Rivier (1896-1996). Er wurde sehr beeinflusst von Pierre Boulez (1925-2016), Karlheinz Stockhausen (1928-2007) und Luciano Berio (1925-2003). In dem Zyklus Cabaret Songs komponierte er nach Gedichten von Weinstein witzige und kritische Songs über unsere aktuelle Gesellschaft. In dem Song Amor wird eine Person beschrieben, die von aller Welt geliebt wird! Oder aber verliebt ist in ihre eigene Person? (innere Vorstellungskraft?) Die musikalische Sprache erinnert uns u.a. an Songs von Kurt Weill (1900-1950) und Stephen Sondheim (geboren 1930). Eine kleine Text-Kostprobe (6. Strophe):

Night was turning into day.
I walked alone away.
(Never see that town again)
But as I passed the churchhouse door
Instead of singing «Amen»
The choir was singing, «Amor»

Lady of the Harbor aus Three Women (1985 / Emma Lazarus / 1849-1887 /aus The New Colossus / 1883) von Hoiby. Es ist der zweite Song aus Three Women. Er handelt von der Freiheitsstatue und setzt die letzte Strophe von Lazarus‘ Sonett in Musik. Das gesamte Gedicht ist auf einer Bronzetafel eingraviert und seit 1903 dort in der Statue angebracht. Man bittet um Hilfe, dass die Liberty-Lady noch viele arme heimatlose Emigranten aus aller Welt in ihre großen Arme nimmt und sie zum Bleiben einlädt…!  PMP /11.07.2021

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Paris, Hôtel de Soubise, 21. Festival Européen Jeunes Talents, IOCO Aktuell, 17.07.2021

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Hôtel de Soubise in Paris / 2021 Zentrum des Festival junger musikalischer Talente aus aller Welt © Wikimedia Commons

Hôtel de Soubise in Paris / 2021 Zentrum des Festival junger musikalischer Talente aus aller Welt © Wikimedia Commons

Festival Européen Jeunes Talents

21. FESTIVAL EUROPÉEN JEUNES TALENTS –  Paris

Musikalische Botschafter*innen großer Musikschulen vieler Länder  

von Peter Michael Peters

Le Marais. Viele halten das Marais für das schönste Viertel von Paris. Im 17. Jahrhundert vorwiegend aristokratischer Wohnsitz, wurde es während der Revolution von seinen adeligen Besitzern verlassen. Im 19. Jahrhundert an das Handwerk und dann an die Kleinindustrie ausgeliefert, blieb es fast vergessen und war in einem äußerst schlechten Zustand bis zum André Malraux (1901-1976)-Gesetz von 1962, das den Beginn seiner Restaurierung ermöglichte.

  4. – 24. Juli 2021 – Le Marais et l’Hôtel de Soubise

Seine schönsten Gebäude wurden saniert und restauriert; das Viertel ist wieder in Mode und Restaurants, Galerien und Mode-Designer haben sich dort angesiedelt. Mit steigenden Preisen mussten viele Werkstätten schließen und es gibt immer weniger Handwerker, kleine Cafés und Lebensmittelgeschäfte, außer in wenigen kleinen Straßen und Gassen, in denen jüdische, arabische und asiatische Händler fast kleinstädtisch tätig sind. Heute ist das Marais auch von der Gay-Gemeinde übernommen worden!

21. Festival Européen Jeunes Talents in Paris
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Hôtel de Soubise: La maison du Connétable de Clisson. 1371 kaufte Olivier de Clisson (1336-1407), der spätere Konnetabel von Frankreich ein Grundstück in Paris, im Bezirk Le Temple, um dort sein Haus zu bauen. Von diesem mittelalterlichen befestigten Haus sind nur noch große Gewölbekeller und vor allem das von zwei Erkertürmchen begrenzte Eingangsportal erhalten geblieben. Dieses Portal bleibt das einzige Pariser Beispiel der feudalen Architektur des 14. Jahrhunderts.

L’Hôtel de Guise. Am 14. Juni 1553 wurde das Hôtel de Clisson von François de Lorraine, Duc de Guise (1519-1563) und seiner Frau Anne d’Este (1531-1407) erworben. Die mächtige Familie de Guise, betraute den berühmten italienischen Künstler, Gründer der ersten Malerschule von Fontainebleau, Francesco Primaticcio (1503-1570), mit einer umfangreichen Sanierung des sehr baufälligen Gebäudes. Von den berühmten Malereien der Hauskapelle von Niccolo dell’Abbate (1512-1571) ist nichts mehr erhalten.

Vom Gebäude aus dem 16. Jahrhundert sind die halbrunden Erker erhalten, die sich an der Nordseite der Kapelle öffnen, sowie die Wände des alten Wachzimmers, indem sich die Liga-Mitglieder der katholischen Partei während der Religionskriege trafen. Hier wurde wahrscheinlich das blutige Massaker der Nacht von Saint-Barthélemy gegen die Protestanten entschieden.

Le Palais des Soubise. Die letzte Erbin der Familie de Guise, Marie de Guise (1615-1688), starb ohne Erben. Das Palais wurde im März 1700 von François de Rohan-Soubise (1630-1712) und Anne de Rohan-Soubise (16481709) gekauft. Um ihre Residenz zu verschönern, wählten sie 1705 auf Anraten ihres Sohnes Armand Gaston de Rohan (1674-1749), zukünftiger Cardinal de Rohan, einen jungen Architekten, Pierre-Alexis Delamair (1675-1745).

Festival de jeunes Talents / Konzert im Hôtel de Soubise © Xavier Delfosse

Festival de jeunes Talents / Konzert im Hôtel de Soubise © Xavier Delfosse

Diese imposante Residenz, die von 1705 bis 1709 für die Princesse de Rohan renoviert wurde und die Überreste früherer Palais enthält, ist eines der beiden Hauptgebäude (das andere ist das Hôtel de Rohan), in dem sich die Archives Nationales befinden. Von 1735 bis 1740 arbeiteten einige der talentiertesten Künstler der Zeit: Charles André van Loo (1705-1765), Jean II Restout (1692-1768), Charles-Joseph Natoire (1700-1777) und François Boucher (1703-1770) unter der künstlerischen Leitung von Germain Boffrand (1667-1754) an den Restaurierungen der Salons und Appartements. Wir können den ovalen Salon, ein Wunder des Rokoko-Stils, das von Natoire dekoriert wurde noch immer bewundern, denn er ist Teil des Musée de l’Histoire de France und nimmt die Hälfte des Gebäudes ein. Unter den Exponaten: Das Testament von Napoléon Ier. (1769-1821).

21. Festival Européen Jeunes Talents

Ein prächtiges Stadtpalais für junge Musiker*innen aus Europa…

Das 21. Festival Européen Jeunes Talents soll ein Moment wiederentdeckter Hoffnung und Freude sein. Einige namhafte Persönlichkeiten fördern die jungen Künstler, allen voran Susan Manoff und Romain Leleu. Der zeitgenössischen Musik kommt ein besonderer Platz zu, da fast jedes Konzert ein neu geschriebenes Stück enthält. Wir können es kaum erwarten, die neuen aufstrebenden Musiker zu entdecken, die für das Festival ausgewählt wurden

Die besten musikalischen Botschafter aus den großen Musikhochschulen ihres Landes werden jedes Jahr ausgewählt und zu diesem sommerlichen Festival nach Paris eingeladen. In diesem Jahr wurden u.a. folgende Musiker*innen eingeladen:

Cécile Madelin, Marine Madelin, Qiaochu Li, Cyrielle Ndjiki Nya, Edwin Fardini, Susan Manoff, Gauthier Broutin, Agnès Boissonnot-Guilbault, Chloé Lucas, Nora Dargazanli, Misako Akama, Bogdan Sydorenko, Emmanuel Acurero, Fernando Palomeque, Quatuor Voce…

Eine kleine Anzahl der 17 Festival-Konzerte sind sogenannte Familienkonzerte und der freie Eintritt ist garantiert: Sie finden im Cour d’Honneur um 16.30 Uhr statt und das Publikum kann diskret unter den Arkaden bummeln…, geduldig stehen… oder aber auch bequem auf dem Boden sitzen und ungeniert der Musik lauschen…

Festival de jeunes Talents / Konzert im Hôtel de Soubise  - hier : vl. Cécile Madelin, Marine Madelin, Qiaochu Li am Klavier © Xavier Delfosse

Festival de jeunes Talents / Konzert im Hôtel de Soubise – hier : vl. Cécile Madelin, Marine Madelin, Qiaochu Li am Klavier © Xavier Delfosse

Am 4. Juli gaben die zwei deutsch-französischen Sängerinnen Marine Madelin, Sopran, Cécile Madelin, Mezzo-Sopran (Foto oben) und ihre reizende Klavierbegleiterin Qiaochu Li (Absolventin der École Normale de Musique de Paris) ein sehr anspruchsvolles Nachmittagskonzert unter dem interessanten Titel: Wir Schwestern mit Liedern, Duetten, Melodien und einem Klavierstück von Ravel. Die zwei Schwestern (auch im Leben!) haben ihre Ausbildung an der Hanns Eisler-Musikhochschule in Berlin und am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris absolviert. Sie interpretierten Werke von Johannes Brahms (1833-1897), Felix Mendelssohn (1809-1847), Robert Schumann (1810-1856), Clara Schumann-Wieck (1819-1896), Ernest Chausson (1855-1899), Maurice Ravel (1875-1937), Pauline Viardot (1821-1910) und Georges Aperghis (geboren 1945). Die Kammermusik ist das Herzstück des 19. Jahrhunderts und die Salons in ganz Europa blühten davon! Dieses Programm stellt in gewisser Weise einen Musiksalon wieder her, der französische und deutsche Komponisten verbindet und gleichzeitig ihre unterschiedlichen romantischen Inspirationen sowie auch ihre Nähe hervorhebt. In Freundschaft verbunden, traten Viardot und C. Schumann-Wieck am Klavier mit vier Händen auf und präsentierten Werke von R. Schumann, Brahms und Frédéric Chopin (1810-1849). Les Cavaliers VWV 4039 (1885) von Viardot ist eine Transkription eines Walzers von Brahms. Mit seinen Cinq Mélodies populaires grecques (1904-1906), einer von Ravel harmonisierten Sammlung traditioneller Lieder sowie dem Klavierstück Alborada del Gracioso aus Miroirs bringt Ravel einen europäischen Touch in den Salon. Da das Programm so vielfältig und reich ausgewählt war, wollen wir nur einige Stücke, die uns besonders am Herzen liegen, etwas näher betrachten:

Das Duett Wir Schwestern aus Vier Duette op. 61 (1874) für Sopran und Mezzo-Sopran von Brahms bringt uns zum Stil von Zyklus op. 20 desselben Brahms zurück und gleichzeitig wiegt es den Hörer sofort in eine Schwestern-Atmosphäre. Unzertrennlich und ununterscheidbar bis zu dem Tage, an dem sie ihre erste Liebe zu demselben Mann sie für immer trennen wird. Das Duett (Eduard Mörike / 1804-1875) ist im 2/4-Takt gemalt: Herzig und mit einzelligen Staccato-Stimmen streng zusammen in fünf identischen Strophen in G-Moll und die letzte in G-Dur interpretiert…

Aus den Sechs Duetten op. 63 (1845) von Mendelssohn sangen unsere Schwestern das Duett Abschiedslied der Zugvögel (A.H. Hoffmann von Fallersleben / 1798-1874). Die Komposition zeigt eine ABC-Struktur der gegensätzlichen Bilder des Gedichts, um sich auf seine Nostalgie und den Vogelgesang in gurrenden Sexten zu konzentrieren…

Hotel de Soubise / Festvial de jeunes Talents Festival Jeunes Talents Hotel de Soubise / Festvial de jeunes Talents © Festvial de jeunes Talents

Hotel de Soubise / Festvial de jeunes Talents Festival Jeunes Talents Hotel de Soubise / Festvial de jeunes Talents © Festvial de jeunes Talents

Réveil (Honoré de Balzac / 1799-1850) aus Trois Duos op. 11 (1924) von Chausson badet in einer sanft hymnischen Atmosphäre: Synkopiert wie das Echo eines fernen Glockenspiels, wird das melodisch-rhythmische Ostinato des Klaviers zeitweise in traumähnlicher Wiederholung fixiert und kehrt nach einem von Voluten in Triolen belebten Mittelteil in abwechslungsreichen da capo wieder. Wir werden die verschiedenen Töne der Anfangszelle (H-Cis-G) wahrnehmen, bis hin zu den hohen Höhen der pianistischen Coda, die dann in ihren breiten Akkorden heruntergeleiert werden…

Pub II (2000), Phonèmes parlés et chantés a capella, pour soprano solo von Aperghis. Der Komponist schrieb zwei Stücke mit dem Titel Pub; unser Sopran Marine Madelin hat Pub II gewählt. Das Werk zeigt in humoristischer und sarkastischer Weise unsere uns umgebene Welt: Werbung…, Nachrichten…, Fernseher…, Fake-News, usw…! Und das alles in einem zweideutigen Sprechgesang, dazu tanz-akrobatische Bewegungen, die mit lächerlichen brutalen gutturalen Sopranschreien an Samurai-Krieger erinnerten. Es war ein echter Hochgenuss dieser kleinen one-women-show beizuwohnen…

Alborada del Gracioso aus Miroirs für Klavier (1904-1905) von Ravel ist dem Musikwissenschaftler Michel D. Calvocoressi (1877-1944) gewidmet. Markante Kontraste erweckt diese Aubade du Bouffon aus dem spanischen Theater – eine Seite, die am bekanntesten geblieben ist und zwar vor allem in ihrer orchestralen Version. Auch die Kontraste durch die Gravierung der Linien, die Schärfe des Staccato und die kurzen gezupften Gitarrenakkorde machen das Werk zu einem einmaligen Erlebnis…

Für die Zugabe hatten unsere beiden Schwestern einen genialen Einfall: Sie sangen für uns Nous sommes deux sœurs jumelles aus Les Demoiselles de Rochefort (1967 / Film von Jacques Demy /1931-1990) mit der phantastischen Musik von Michel Legrand (1932-2019).

So ging ein nicht sehr sonniger und teilweise mit kleinen Regenschauern übersäter Sonntagnachmittag zu Ende. Aber Dank der drei charmanten jungen mutigen Künstlerinnen ist unser Tag doch noch relativ sonnig geworden! Hut ab vor dieser professionellen Leistung in einer sehr nassen und akustisch nicht gerade einwandfreien Umgebung! Brava!… Brava!     PMP/10.07.2021

—| IOCO Aktuell Festival Européen Jeunes Talents |—


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