Dortmund, Oper Dortmund, Premiere DIE STUMME VON PORTICI, 13.03.2020

Februar 27, 2020 by  
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Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

DIE STUMME VON PORTICI in der Regie von Peter Konwitschny
Oper Dortmund, am 13. März 2020

Daniel-François-Esprit Aubers Oper DIE STUMME VON PORTICI wird am Freitag, 13. März 2020, um 19.30 Uhr Premiere im Dortmunder Opernhaus haben. Unter der Regie von Peter Konwitschny und der musikalischen Leitung von Motonori Kobayashi wird u.a. Mirko Roschkowski als Masaniello zu sehen sein. DIE STUMME VON PORTICI gilt mit ihren fünf kurzen Akten, den dramatischen Tableaus, Massenszenen und großem technischen Aufwand als erste mustergültige Grand opéra.

Die Oper Dortmund entdeckt mit „DIE STUMME VON PORTICI“ eine Oper wieder, deren politische Auswirkungen zu ihrer Zeit einzigartig waren. So gilt sie als ein Mitauslöser für die Unabhängigkeit Belgiens.

Oper Dortmund / Mirko Roschkowski © Mischa Blank

Oper Dortmund / Mirko Roschkowski © Mischa Blank

Aubers DIE STUMME VON PORTICI gilt mit ihren fünf kurzen Akten, den dramatischen Tableaus, bombastischen Massenszenen und einem großen technischen Aufwand als erste mustergültige Grand opéra. Einzigartig ist auch der politische Einfluss, den das Werk 1830 in Brüssel ausübte: Vom Duett über die Liebe zum Vaterland aufgestachelt, stürmten die Zuschauer nach der Aufführung auf die Straßen – die daraus entstehende Revolution führte zur Unabhängigkeit Belgiens.

In der Oper  zeigt sich die Liebe zeigt von ihrer grausamsten Seite: Alphonse, der Sohn des Vizekönigs von Neapel, hat ein Verhältnis mit der stummen Fischerstochter Fenella begonnen. Das widerstrebt seinem strikten Vater, der das Mädchen heimlich einkerkern lässt. Doch sie kann just am Hochzeitstag von Alphonse und der aristokratischen Elvire fliehen und stellt den Verführer öffentlich bloß. Fenellas Bruder Masaniello will das an der Schwester begangene Verbrechen rächen, indem er zum Volksaufstand aufruft. Aus dem privaten Konflikt wird so ein politischer, aber die Revolte gerät außer Kontrolle und die tobende Menge stürmt den Palast.

Karten sind an der Tageskasse im Kundencenter, telefonisch unter 0231/50 27 222 oder auf www.theaterdo.de erhältlich.

—| Pressemeldung Theater Dortmund |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Oper und Ballett am Rhein im Februar 2020

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

Oper und Ballett am Rhein im Februar 2020


Sa 01.02. – 19.30 Uhr

Theater Duisburg
PREMIERE: „Roméo et Juliette“ von Charles Gounod

In einer heißen Augustnacht trifft Roméo zufällig auf Juliette. Es ist Liebe auf den ersten Blick, allerdings eine verbotene, denn Juliettes standesgemäße Heirat mit Pâris soll am nächsten Tag stattfinden. Die Macht der Liebe wirkt wie eine Droge auf die beiden, ein dunkel-süßes Gift mit tödlichem Ausgang …

Mit „Roméo et Juliette“ kommt eine der berühmtesten dramatischen Liebesgeschichten der Welt in der Opernversion von Charles Gounod (1818–1893) ins Theater Duisburg. Der französische Romantiker schuf ein lyrisches Drama, das in den großen Duetten zwischen Roméo und Juliette Liebe, Leidenschaft und schließlich Verzweiflung und Tod in große Melodien fasst. Gounod zeichnet in seiner Komposition eine nur dem äußeren Schein nachjagende Gesellschaft und das tragische Scheitern der gegen gängige Normen gelebten Liebe.

Regisseur Philipp Westerbarkei erarbeitet seine 2019 im Opernhaus Düsseldorf präsentierte Inszenierung für die Premiere im Theater Duisburg nun mit einer neuen Besetzung – in den Titelpartien Sylvia Hamvasi als Juliette und Gustavo de Gennaro als Roméo. In starken Bildern und lebensprall herausgearbeiteten Charakteren erzählt er die leidenschaftliche Familientragödie über die Zerstörung des Glücks als düsteren Sommernachtsalbtraum – packend wie ein Krimi.

Die Opernwerkstatt am Dienstag, 28. Januar, um 18.00 Uhr im Theater Duisburg vermittelt in Podiumsgesprächen und einer offenen Probe erste Einblicke in das Stück und die Inszenierung. Eintritt und Platzwahl sind frei.


Di 11.02. – 19.30 Uhr

Foyer im Opernhaus Düsseldorf
Globus Vocalis

Eine Auswahl romantischer Männerchor-Literatur bringt das 17-köpfige Männergesangsensemble Globus Vocalis, bestehend aus  Mitgliedern und Freunden des Chors der Deutschen Oper am Rhein, in seinem diesjährigen Konzert zu Gehör. Neben Werken von Johannes Brahms bis Richard Strauss erwartet das Publikum eine bewährt bunte Mischung aus klassischen und unterhaltsamen Chorstücken; darüber hinaus präsentieren sich auch in diesem Jahr wieder einzelne Sänger der Formation mit solistischen Beiträgen.


Fr 14.02. – 19.30 Uhr

Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE: „Alcina“ von Georg Friedrich Händel

Die Zauberin Alcina ist die Herrscherin über eine Insel der Lüste. Mit betörenden Sirenengesängen zieht sie Männer in ihren Bann, verführt sie und verwandelt sie, wenn sie ihrer überdrüssig ist, in Steine, Pflanzen oder Tiere. Auch Ruggiero verliebt sich in die geheimnisvolle Fremde, doch seine Verlobte Bradamante macht sich auf den Weg, ihn zu finden…

Mit „Alcina“ schuf Georg Friedrich Händel (1685 –1759) ein Meisterwerk über die Kunst der Verzauberung, Täuschung und Verblendung. In berührenden Arien lotet er kongenial menschliche Leidenschaften und Enttäuschungen aus. Wenn am Ende Alcinas Zauberreich untergeht, sehen wir hinter der Fassade einer gefährlichen Femme fatale eine zutiefst einsame Frau, die durch die Liebe ihre Macht verliert und umgekehrt erst im Verlust der Macht zu lieben vermag.

Inszeniert wird „Alcina“ von der Niederländerin Lotte de Beer, die in Amsterdam Regie studierte und Meisterschülerin bei Peter Konwitschny war. 2015 gewann sie den International Opera Award als Beste Newcomerin. Ihre Inszenierungen entstanden u. a. für das Theater an der Wien, die Opernhäuser in Tel Aviv, Amsterdam, Kopenhagen, Essen, Leipzig und die Bayerische Staatsoper München. Generalmusikdirektor Axel Kober leitet die Neue Düsseldorfer Hofmusik und eine Riege erstklassiger Solistinnen und Solisten wie Jacquelyn Wagner als Alcina, Maria Kataeva als Ruggiero, Elena Sancho Pereg als Morgana und Wallis Giunta als Bradamante.

Die Opernwerkstatt am Montag, 10. Februar, um 18.00 Uhr im Opernhaus Düsseldorf vermittelt in Podiumsgesprächen und einer offenen Probe erste Einblicke in das Stück und die Inszenierung. Eintritt und Platzwahl sind frei.


Sa 15.02. – 19.30 Uhr

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Meisterklasse unter der Leitung von Bernarda Fink

Erstmals leitet die vielseitige argentinische Mezzosopranistin Bernarda Fink eine Meisterklasse für das Opernstudio der Deutschen Oper am Rhein. Fink gilt als eine der weltweit meist gefragten Lied- und Konzertsängerinnen, die bereits mit etlichen bedeutenden Orchestern und Dirigenten zusammengearbeitet hat. Zudem widmet sie sich  seit Jahren regelmäßig in Meisterkursen der Förderung  junger Sängerinnen und Sänger. Zum Abschluss der Meisterklasse präsentieren die Mitglieder des Opernstudios die von ihnen erarbeiteten Arien und Duette im Düsseldorfer maxhaus.


 So 23.02. – 11.00 Uhr

Foyer im Opernhaus Düsseldorf
Symphoniker im Foyer: Tango Argentino zum Karneval

Lateinamerikanisches Temperament trifft rheinischen Frohsinn – die Karnevalsausgabe der „Symphoniker im Foyer“ wird feurig! Mit Musik aus ihrer Heimat bringen die brasilianisch-chilenische Koloratursopranistin Maria Carla Pino Cury und der venezolanische Tenor Andrés Sulbárán aus dem Opernstudio und der mexikanische Bariton Jorge Espino das Karnevalsensemble der Düsseldorfer Symphoniker in Schwung.


Do 27.02. – 19.30 Uhr

Theater Duisburg 

Wiederaufnahme: „Don Giovanni“ von Wolfgang Amadeus Mozart

Zum Jahreswechsel bekommt die Deutsche Oper am Rhein Zuwachs: Mit seinem Rollendebüt in der Partie des kompromisslosen Draufgängers Don Giovanni stellt sich im Februar erstmals das neue Ensemblemitglied Emmett O’Hanlon dem Publikum vor. Für den irisch-amerikanischen Bariton geht damit ein lang gehegter Traum in Erfüllung: „Als ich die Oper zum ersten Mal sah, verliebte ich mich sofort in die dynamische Natur dieses Charakters. Die Deutsche Oper am Rhein ist der ideale Ort für dieses Debüt. Hier herrscht eine fantastische Atmosphäre, in der ich mich als Künstler optimal entfalten kann – ganz gleich, in welcher Partie!“. Neben Don Giovanni ist Emmett O’Hanlon in dieser Saison am Rhein auch als Kaiser in Viktor Ullmanns „Kaiser von Atlantis“ und Mercutio in Gounods „Roméo et Juliette“ zu erleben.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Lohengrin – Richard Wagner, IOCO Kritik, 01.01.2020

Dezember 31, 2019 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Lohengrin – Staatsoper Hamburg

Kultinszenierung – Seit 21 Jahren an der Staatsoper

von Christian Biskup

Lohengrin im Klassenzimmer? Was Traditionalisten vehement verneinen würden, läuft in Hamburg seit nun 21 Jahren und hat Kultstatus. Kein Wunder also, dass das Werk in der Inszenierung von Peter Konwitschny auch am zweiten Weihnachtstag für ein fast ausverkauftes Haus sorgt, wozu auch sicher Klaus Florian Vogts Engagement für die Titelrolle in der diesjährigen Wiederaufnahme maßgeblich beiträgt.

Die Handlung: Friedrich von Telramund bezichtigt Elsa von Brabant, ihren Bruder Gottfried um die Ecke gebracht zu haben. Im Gottesgericht soll vor König Heinrich ihre Schuld festgestellt werden. Ein Ritter erscheint, von einem Schwan gezogen, an Elsas Seite. Er – eigentlich ein Traumobjekt Elsas – kämpft für sie, gewinnt, und verschont doch Telramunds Leben. Elsa soll als Dank seine Frau werden, jedoch nie nach seiner Herkunft fragen. Doch Telramund und seine Frau Ortrud, die letzte eines heidnischen Fürstengeschlechts, intrigieren. Sie weckt in Elsa das Gift der Neugierde und des Misstrauens, sodass diese in der Brautnacht schließlich die entscheidende Frage stellt. Der Ritter versucht sich zu winden, doch als Telramund ihn in der Nacht überfällt, der dabei getötet wird, ist der Moment der Offenbarung gekommen. Als Lohengrin, Sohn des Gralskönigs Parsifal, gibt er sich zu erkennen. Das Wissen um seinen Namen zwingt ihn jedoch zur Rückkehr nach Montsalvat. Während er geht, kehrt Gottfried zurück. Er war Lohengrins Schwan, von Ortrud verzaubert. Elsa stirbt, doch der Weg für den neuen Herrscher ist frei.

Staatsoper Hamburg / Lohengrin - Kultinszenierung der Staatsoper © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Lohengrin – Kultinszenierung der Staatsoper © Arno Declair

Richard Wagners Werk, entstanden im Vormärz der Revolution, ist nicht nur der Mythos. Es thematisiert Auflehnung, Auflehnung gegen Staaten, gegen Gebote, gegen Autoritäten. Dies findet man in Telramund und Ortrud, aber natürlich auch in Elsas Misstrauen in das mächtige Frageverbot. In der Auflehnung sieht Regisseur Peter Konwitschny etwas typisch Pubertäres, typisch jugendlichen Widerstandsgeist. Deshalb verlegt er die Handlung vom sagenhaften Brabant in ein Klassenzimmer zur Zeit des letzten Kaisers (Bühne und Kostüme: Helmut Brade) – was erstaunlich gut funktioniert. Hier haben Träume Platz und werden lebendig. Der Klassenbeste darf die Königskrone tragen, sein Kumpan wird dessen Heerrufer und Elsas Traum vom starken Ritter wird ebenfalls zur Wirklichkeit. In dieser jugendlichen Schuldimension werden die Träume greifbarer, alltäglich, etwas, was ein jeder im Publikum noch nachspüren kann. Welche Frau träumt denn nicht von einem großen, starken Mann (der auch noch gut singen kann…)?

Richard Wagner Denkmal in Berlin © IOCO _ Rainer Maass

Richard Wagner Denkmal in Berlin © IOCO _ Rainer Maass

Konwitschnys Inszenierung besticht durch eine enorm vielfältige und detailreiche Personenführung. Häufig neigt der Lohengrin-Chor ja eher zur Steh-Rum-Staffage – nicht jedoch bei Konwitschny. Tische werden beklettert, Schwämme und Papierflieger geworfen, es wird gerangelt, gekämpft, aber auch individuell mit den Protagonisten agiert, so wunderbar lebendig bei Elsas Brautzug. Der strahlend helle Auftritt Lohengrins – er wird samt mit den Armen wedelnden Schwan/Gottfried aus dem Bühnenboden hochgefahren – ist die Erfüllung von Elsas Traum. Das Klassenzimmer wird allgemein zum Ort des Träumens. Bahnt sich der Kampf an, ordnen die Teenies ihre überdimensionalen Tische zur Arena an. Ist die Hochzeit angesetzt, wird wieder neu formatiert und romantisch eingedeckt. Fantasiewelten sind schnell geschaffen. Wie poetisch es dabei im Klassenzimmer zugehen kann, zeigt der Brautgang, eingebettet in eine Unterrichtsstunde über den Aufbau eines Münsters. Jubelnde Klassenkameraden, frisches Grün und bunte Papierschnipsel statt Reis und Rosenblüten erfüllen den Saal – ein wirklich schönes Bild. Genauso ästhetisch gelingt der Sonnenaufgang im zweiten Akt, der sich durch die Fenster zeigt. Was zu Zeiten Meyerbeers eine Theaterrevolution war, überzeugt auch noch heute und beendet das scheinbar nächtliche Nachsitzen Ortruds und Telramunds. Die Brautnacht Elsas und Lohengrins wird in den Sexualkundeunterricht eingebettet. Doch in diesem endet der Traum. Nach Telramunds Tod schließt die Oper auf offener Fläche. Der Hintergrund ist schwarz, Lohengrin muss gehen, die Teenie-Klamotte ist vorbei.

Was sich nach oberflächlichen Theaterspaß anhört, geht doch auch in die Tiefe. Gerade durch die Nahbarkeit der Inszenierung entstehen anrührende, intime Momente. Die Gralserzählung wird zu einem Moment der Trostlosigkeit. Übermenschliches und Menschliches kann nicht zusammen kommen, zumal Lohengrin als Gralsritter keusch zu leben hat. Gottfried gibt – stark gerüstet – nun zurückverwandelt – zumindest Hoffnung für Brabant.

Musikalisch war der Abend sehr gut bis durchwachsen. Am meisten konnte Andrzej Dobber in der Rolle des Heerrufers überzeugen. Kraftvoll strotzend, durchdringend und in allen Lagen sicher sowie spielerisch hervorragend, ist er eine Luxusbesetzung für die Rolle. Auch Tanja Ariane Baumgartners Ortrud konnte sich hören lassen. Sehr textverständlich und stets zwischen Dämonie und heuchlerischer Freundlichkeit spielt und lebt sie die – im Schulkontext – Klassenzicke. Ihre Stimme hat Durchschlagskraft, ihre dunkle Tiefe wie auch die gewaltigen Spitzentöne beeindrucken. Da hatte es ihr Partner Wolfgang Koch als Telramund schon schwerer. Schauspielerisch absolut glaubhaft, konnte er stimmlich mit seinen männlichen Kollegen nicht mithalten. Teilweise überforcierend und mehr sprechend als singend versucht er zwar expressiv die Verzweiflung darzustellen, was jedoch zu Lasten der Musik und Noten geht.

Staatsoper Hamburg / Lohengrin - Kultinszenierung der Staatsoper © Arno Declair

Staatsoper Hamburg / Lohengrin – Kultinszenierung der Staatsoper © Arno Declair

Christof Fischesser als König Heinrich hingegen gelingt der Spagat zwischen größtmöglichem Ausdruck und getreuer Musikgestaltung. Sein flexibler Bass hat nicht das größte Volumen, kann sich aber doch stets dem Orchester gegenüber behaupten. Besonders seine leisen Stellen wie „Gott laß mich weise sein“ gelingen wunderbar sanft und sind hervorragend geführt. Simone Schneider legt ihre Elsa eher lyrisch an. Ihr runder Sopran neigt nicht so sehr zu dramatischen Ausbrüchen, sondern kann mit Schönklang punkten. Spielerisch bleibt sie eher blass. Bleibt noch Klaus Florian Vogt. An seinem Gesang scheiden sich die Geister. Sein sehr kopfiger Tenor ist purer Schönklang, strahlend hell, ideal für die Rolle des Parsifal, die er auch in Bayreuth schon mehrfach gesungen hat. Sein Lohengrin ist ebenfalls sehr lyrisch gehalten. Dramatische Ausbrüche fehlen fast völlig, auch macht sich die fehlende Tiefe teils bemerkbar. Ein paar Phrasen gestaltet er glaubhaft expressiv, doch ist er mehr lichte Traumgestalt als ein krafttrotzender Held, was aber im Zusammenhang der Inszenierung nicht stört, sondern gut passt. Seine Gralserzählung wird zum Gänsehautmoment obgleich einige Phrasen unglücklich gestaltet wurden.

Das Orchester unter Kent Nagano ist der Schwachpunkt der Produktion. Nagano hält das Orchester stets neutral, kostet nicht den Klang aus, Pathos wird ausgelassen wo es geht. Dies ist gerade auf dem Höhepunkt des Vorspiels zum ersten Akt schade, welches dymanisch zudem sehr eigenwillig gestaltet ist. Während die Geigen zu Beginn wunderbar aus dem Nichts erklingen, entwickelt sich einfach zu wenig, auf dem Höhepunkt nimmt Nagano den Klang gar zurück. Auch das geniale Vorspiel zum dritten Akt vermisst jeglichen Überschwang. Die ganz leisen Stellen sind am stärksten, aber das ist bei Lohengrin einfach zu wenig. Das Zusammenspiel zwischen Bühne und Graben ist einwandfrei, die Chöre agieren mit großer Spielfreude und guter Textverständlichkeit.

Das Publikum spendet besonders Klaus Florian Vogt und Tanja Ariane Baumgartner viel Applaus, der in seiner Begeisterung Bayreuth-Ähnliche Ausmaße zeigte!

Besuchte Vorstellung – 26.12.2019 – 16.00 Uhr

Lohengrin an der Staatsoper Hamburg, letzte Vorstellung der Spielzeit 03.01.2020

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—

Dresden, Semperoper, Spitzenranking – 290.000 Besucher, 92% Auslastung, IOCO Aktuell, 17.08.2019

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Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper Dresden – Spitzenranking in der Theaterwelt

Semperoper Dresden / Intendant Peter Theiler © Klaus Gigga

Semperoper Dresden / Intendant Peter Theiler © Klaus Gigga

Semperoper Intendant Peter Theiler zieht positives Resümee der Saison 2018/19 Dresden. Mit fast 290.000 Besucherinnen und Besuchern in den Kernbereichen Oper, Ballett und Konzerte verzeichnet die erste Saison unter der neuen Intendanz von Peter Theiler eine voraussichtliche Auslastung von 92 Prozent. Damit behauptet die Semperoper Dresden mit einem Kostendeckungsgrad von über 38 Prozent für das Jahr 2018 weiterhin einen Spitzenplatz im Ranking deutschsprachiger wie internationaler Theater.

300 Vorstellungen im Opernhaus und in Semper Zwei, darunter neun Opernneuproduktionen und drei Ballettpremieren, 33 Repertoirestücke in allen Sparten sowie zahlreiche Extra-Veranstaltung haben zum Gelingen der Saison 2018/19 als ebenso anspruchsvolles wie vielfältiges Musiktheater-Jahr beigetragen. »Die ausgezeichnete Bilanz mit konstant hohen Auslastungszahlen bestätigt uns darin, die Semperoper sowohl in traditionellen als auch ungewohnten Wahrnehmungsgewohnheiten zu verorten, gerade um dieser gesellschaftspolitisch unruhigen Zeit als kultureller Exzellenzbetrieb adäquat begegnen zu können. Unsere Gäste haben unser Angebot angenommen und ermutigen uns durch ihren Zu-spruch, in der kommenden Spielzeit 2019/20 den eingeschlagenen Weg künstlerisch konsequent und dialogbereit weiter zu beschreiten«, so Intendant Peter Theiler.

Moses und AronArnold Schönberg
youtube Trailer Semperoper Dresden
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Rückblick auf die Spielzeit 2018/19

Unter dem Motto »Lebendiges Gedächtnis und vitale Gegenwärtigkeit« waren in der zu Ende gehenden Spielzeit aufregende Neuproduktion und große Namen von internationalem Rang zu erleben. Der Anspruch des Premierenzyklus 2018/19, eher ungewohnte künstlerische Positionen und selten gespielte Werke an dem Wagner und Strauss verpflichteten Haus zu präsentieren, fand mit Arnold Schönbergs Moses und Aron seinen Auftakt und schloss mit der gefeierten Premiere von Giacomo Meyerbeers Les Huguenots / Die Hugenotten ab.

Die viel beachteten, teils provokanten Premierenplakatmotive dazu schuf der Berliner Fotograf Andreas Mühe. Neben bedeutenden Regienamen wie unter anderem Calixto Bieito, Mariame Clément, Rolando Villazón und Peter Konwitschny, der nach längere Abwesenheit der Einladung Peter Theilers nach Dresden folgte, bereicherten hochkarätige Sängerinnen und Sänger wie Venera Gimadieva, Anja Harteros, Saioa Hernández, Placído Domingo und Michael Volle die Spielzeit. Die Sächsische Staatskapelle Dresden bewies sowohl in ihren Symphonie-und Sonderkonzerten als auch als Orchester in Oper und Ballett ihre Brillanz in einem weitgefächerten Repertoire. Nicht nur für Strauss-und Wagner-Liebhaber waren die Premiere von Ariadne auf Naxos und die Wiederaufnahme von Der fliegende Holländer unter der Leitung von Chefdirigent Christian Thielemann besondere Höhepunkte. Erstmalig als Erster Gastdirigent stand Omer Meir Wellber in dieser Saison am Pult der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Das Semperoper Ballett begeisterte neben seinen klassischen Stücken und der Wiederaufnahme des Erfolgsstücks COW das Publikum mit der Premiere der Choreografie Carmen von Johan Inger. Die außergewöhnliche Leistung der Company honorierte die internationale Tanzwelt mit mehreren Erwähnungen in der Dance Europe Critic’s Choice sowie den Nominierungen für den 2018 National Dance Award und den diesjährigen Helpmann Award. In Semper Zwei wurde im Mai die deutsche Fassung von Philip Venables 4.48 Psychose uraufgeführt. Das Stück nach Sarah Kane in der Übersetzung des Dresdner Dichters Durs Grünbein entwickelte sich seit seiner Premiere zu einem Publikumsmagneten vor ausverkauftem Haus.

Intendant Peter Theiler und Chefdirigent Christian Thielemann im Gespräch
youtube Trailer Semperoper Dresden
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Ausblick auf die Spielzeit 2019/20

Am 31. August 2019 startet die neue Saison der Semperoper Dresden mit dem 1. Symphoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden, gefolgt von Mozarts Die Zauberflöte am 5. September 2019 als erste Opernaufführung der neuen Spielzeit. Zur traditionellen »Auftakt!«-Veranstaltung mit Kostproben aus den Premieren-und Repertoirevorstellungen 2019/20 lädt Intendant Peter Theiler am 8. September 2019 ein. Der Premierenreigen2019/20 startet mit Rossinis Il viaggio a Reims/Die Reise nach Reims in der Inszenierung von Laura Scozzi. Unter den weiteren zahlreichen Premieren-Highlights der kommenden Saison sind unter anderem Wagners Die Meistersinger von Nürnberg unter der Musikalischen Leitung von Christian Thielemann, Verdis Don Carlo mit Anna Netrebko in ihrem Debüt als Elisabetta di Valois und einem Prolog von Manfred Trohjan (Uraufführung) zu nennen.

In der Sparte Semperoper Ballett ergänzen die Tanzoper Iphigenie auf Tauris in Zusammenarbeit mit der Pina Bausch Foundation und dem Tanztheater Wuppertal Pina Bausch sowie der dreiteilige Ballettabend Vier letzte Lieder mit einer Choreografie zum gleichnamigen Liederzyklus von Richard Strauss den Premierenkalender. In der Spielstätte Semper Zwei ist die Dresdner Erstaufführung von Peter Eötvös Der goldene Drache zu erleben. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe »30 Jahre Friedliche Revolution« der Sächsischen Staatstheater findet am 11. Oktober 2019 die Festaufführung von Beethovens »Fidelio« in der Inszenierung nach Christine Mielitz statt.

—| IOCO Aktuell Semperoper Dresden |—

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