Bremen, Theater Bremen, Don Giovanni – Wolfgang A Mozart, IOCO Kritik, 23.10.2019

Oktober 22, 2019 by  
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Theater Bremen

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Don Giovanni – Wolfgang Amadeus Mozart

– Die große Leere absoluter Freiheit –

von Thomas Birkhahn

Nachdem das Bremer Theater den komödiantischen Rosenkavalier von Richard Strauss in der ersten Neuproduktion der Saison als Drama inszeniert hatte, durfte man gespannt sein, ob es jetzt bei Don Giovanni – von Wolfgang Amadeus Mozart und Lorenzo Da Ponte im Untertitel als Drama giocoso (Heiteres Drama) betitelt – etwas zu lachen gab.

Das Bühnenbild, ganz in schwarz-weiß gehalten, stellt eine Straße dar, die ins Nichts führt, und den Lebensweg symbolisieren könnte. Sie wird gesäumt von einem tristen grauen Acker mit Kohlköpfen. Ganz vorne ist eine Grube, in die später die beiden Toten fallen werden, und in die manchmal auch die Lebenden steigen.

Don Giovanni – Wolfgang A. Mozart
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Für Regisseurin Tatjana Gürbaca und ihr Team (Bühnenbild: Klaus Grünberg, Kostüme: Silke Willrett) ist Don Giovanni absolut frei. Er kennt keine Konventionen, keine Moral und keine Gesetze. Er ist ein Rastloser, der zwei Akte lang ohne Halt durch das Geschehen taumelt, ohne eine Bindung zu einer der drei Frauen zu finden, die er erfolglos zu verführen versucht. Die Freiheit, die er als Lebensstil auslebt, führt zu großer innerer Leere – ständig muss ein neuer Kick her.

Der einzige Mensch, dem er sich scheinbar verbunden fühlt, ist der Komtur. Liegt es daran, dass dieser das Gesetz und die Ordnung verkörpert, nach dem sich Don Giovanni doch heimlich sehnt? Zumindest ist es später auch der Komtur – und nicht die Kammerzofe – dem er sein berühmtes Ständchen singen wird, und dem er am Schluss lieber ins Jenseits folgt als sein Leben zu ändern. Bei Gürbaca tötet er den Komtur auch eher unabsichtlich, was bei ihm ein kurzes Innehalten bewirkt. Es wird der einzige Moment dieser Art an einem Abend voll rastloser Energie bleiben.

Doch der Reihe nach: Die Aufführung wird dominiert vom darstellerisch brillianten Birger Radde als Titelhelden Don Giovanni und seinem ebenso großartig aufspielenden zappeligen Sidekick Christoph Heinrich als Leporello. Was diese beiden Sängerdarsteller dem Publikum bieten, ist beste Unterhaltung. Es wird geprügelt, gestritten, gesoffen, gelacht und oftmals auch auf Kosten des schönen Gesangs gebrüllt. Die beiden singen und spielen ihren Part nicht nur hervorragend, sie „sind“ an diesem Abend Don Giovanni und Leporello.Sie gehören bei Gürbaca zusammen wie Laurel & Hardy und sorgen gelegentlich mit slapstickhaftem Klamauk für manchen Lacher.

Theater Bremen / Don Giovanni - hier :  Hyojong Kim, Birger Radde, Mima Millo © Joerg Landsberg

Theater Bremen / Don Giovanni – hier : Hyojong Kim, Birger Radde, Mima Millo © Joerg Landsberg

Es ist seit der Uraufführung vor über 200 Jahren eine offene Frage, was denn nun genau zwischen Don Giovanni und Donna Anna zu Beginn der Oper stattgefunden hat. Wurde sie von ihm verführt? Muss Don Giovanni sich überhaupt maskieren, im Dunkeln auftreten, um Frauen zu erobern? Ist das das Merkmal eines großen Womanizers, der – nach Angaben seines Dieners – über 2000 Frauen erobert hat? Gürbaca meint nein, und zeigt ganz offen, wie Donna Anna sich mit verbundenen Augen willig vom Titelhelden verführen lässt. Sie wird auch den ganzen Abend nicht von Don Giovanni loskommen, was ihre Darstellerin Mima Millo sehr glaubhaft verkörpert. Er ist ja auch wirklich aufregender als ihr verlässlicher Verlobter Don Ottavio, der mit der nötigen Biederkeit von Hyojong Kim gespielt wird. Sein „Dalla sua pace“ – von Mozart für die Wiener Erstaufführung dazukomponiert – war zudem einer der musikalischen Höhepunkte des Abends. Mit tenoralem Glanz und wunderschönem Legato gestaltete er eine der populärsten Arien Mozarts.

Bei Tatjana Gürbaca kreisen alle Figuren ständig um den Titelhelden. Er ist nie allein auf der Bühne. Sie werden von ihm magisch angezogen, er soll ihr durchschnittliches Leben aufpeppen. Da aber Don Giovanni – wie schon erwähnt – vergeblich die Leere in seinem Leben zu füllen versucht, sind alle Protagonisten ständig auf der Suche nach ihrem Lebensglück..

Auch Donna Elvira kann nicht vom Titelhelden loslassen. Sie reist ihm viele hundert Kilometer nach. Entweder, um sich zu rächen, weil Don Giovanni sie sitzen ließ, oder um seine Liebe zurück zu gewinnen. Das weiß sie vermutlich selber nicht genau. Patricia Andress macht die Unsicherheit dieser Figur deutlich, und gestaltet die drei Arien dieser Partie sehr anrührend. Bei Gürbaca ist sie zudem schwanger, was ihre Chancen beim Ex nicht gerade erhöht…

Gürbaca lässt Leporello die „Registerarie“ mit großartiger Gleichgültigkeit und Emotionslosigkeit vortragen. Klar, er hat diese Arie bei einem Register von über 2000 Frauen ja auch schon hunderte Male gesungen. Die spult man irgendwann nur noch gelangweilt herunter.

Theater Bremen / Don Giovanni - hier :  Christoph Heinrich, Birger Radde als Don Giovanni , Loren Lang © Joerg Landsberg

Theater Bremen / Don Giovanni – hier : Christoph Heinrich, Birger Radde als Don Giovanni , Loren Lang © Joerg Landsberg

Mit der bäuerlichen Gesellschaft von Masetto und Zerlina kommt nicht nur musikalisch ein volkstümlicher Kontrast hinzu, sondern in dieser Aufführung auch durch die Kostüme. Während Don Giovanni ständig sein Outfit wechselt, mal im Anzug, mal in pinkfarbener Leggings und Damenschuhen auftritt, und seine Gegenspieler business-like gekleidet sind, erinnert die Kleidung der bäuerlichen Gesellschaft eher an osteuropäische Bauern-Kostüme. Offenbar ist aber auch auf dem Land der Fernseh-Empfang sehr gut, denn ihre Moves für die Hochzeitsfeier scheinen die Gäste direkt von einem MTV-Video abgeguckt zu haben.

KaEun Kims Zerlina ist ein weiterer musikalischer Höhepunkt des Abends. Mit ihrem glockenhellen Sopran singt sie vor allem ihre erste Arie („Batti, batti“) mit zauberhafter Leichtigkeit. Stephen Clarks Masetto ist darstellerisch ein angemessem aggressiv auftretender Bräutigam, der nicht akzeptieren will, wie ihm nicht nur von Don Giovanni sondern auch von Zerlina übel mitgespielt wird. Leider erreicht er stimmlich diese Aggressivität nicht ganz. Sein Tenor klingt oftmals noch zu freundlich für diese Partie.

Im Finale des ersten Aktes kommen alle Figuren in den Genuss der Freiheit, die der Titelheld ihnen vorlebt: Don Giovanni lässt Kokain verteilen, und es beginnt eine Orgie, in deren Verlauf auch die scheinbar so tugendhaften Paare Masetto / Zerlina und Anna / Ottavio eindeutig Gefallen an der vorherrschenden sexuellen Freizügigkeit finden.

Dieses Finale hat als musikalische Besonderheit die Gleichzeitigkeit von drei Taktarten, was für damalige Ohren unerhört geklungen haben muss: Wir hören im Orchestergraben einen 3/4-Takt, und von den beiden Bühnenorchestern einen 2/4-Takt bzw. einen 3/8-Takt. Dieses komponierte „Chaos“ wird es erst im 20. Jahrhundert wieder geben. Hier hätte man sich gewünscht, dass die Musiker der Bühnenorchester nicht im schwarzen Anzug am Rand der Bühne spielen, sondern wirklich auf der Bühne mitten im Geschehen agieren. Warum nicht auch die Musiker Kokain nehmen lassen und an der Orgie teilnehmen? Es hätte den Charakter des Anarchischen dieses Festes noch erhöht.

Im zweiten Akt ragt an diesem Abend musikalisch besonders Don Giovannis Ständchen heraus. Birger Raddes innig vorgetragene Liebeserklärung wird von der Mandolinistin vom Bühnenrand aus ebenso einfühlsam begleitet. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob es dem Regiekonzept nicht mehr entspräche, die Mandolinistin auf der Bühne am Geschehen teilhaben zu lassen; so wirkt es etwas brav.

Theater Bremen / Don Giovanni - hier :  Andress, H Kim, Heinrich, Millo, Clark, K Kim © Joerg Landsberg

Theater Bremen / Don Giovanni – hier : Andress, H Kim, Heinrich, Millo, Clark, K Kim © Joerg Landsberg

Als „Oper aller Opern“ bezeichnete E. T. A. Hoffmann den Don Giovanni, und bezog sich damit vermutlich hauptsächlich auf das Finale des 2. Aktes, in dem Mozart Don Giovannis Höllenfahrt in nie zuvor gehörter Art und Weise in Töne setzt. Diese Musik weist weit in die Zukunft, und erst Carl Maria von Weber wird über 30 Jahre später in seinem Freischütz wieder solch düstere „Horrormusik“ komponieren. Hier hätte man sich einen klangvolleren Komtur gewünscht. Loren Langs Bass fehlte es etwas an Durchschlagskraft. Das Bedrohliche der bevorstehenden Höllenfahrt seines Mörders erschloss sich nicht ganz. Dafür konnten hier die Bremer Philharmoniker voll überzeugen. Waren sie in der Ouvertüre noch zu zaghaft, steigerten sie sich unter der Leitung ihres Kapellmeisters Hartmut Keil im Laufe des Abends, um bei der Rückkehr der Musik der Ouvertüre den ganzen Schrecken dieser Horrorszene hörbar zu machen.

Die im 19. Jahrhundert meist gestrichene letzte Szene wird in dieser Aufführung gespielt, und das ist auch gut so, zeigt Gürbaca doch, wie sehr den Überlebenden jetzt der Lebensmittelpunkt fehlt. Sie räumen die Bühne auf, das aufregende Partyleben ist mit Don Giovannis Tod vorbei, es beginnt wieder der Alltag. Nur Donna Elvira schlägt einen anderen Weg ein. Sie hat ihr Kind bekommen, gibt es aber Zerlina und geht lieber ins Kloster.

Besondere Erwähnung verdienen noch die Rezitative. Selten waren sie so unterhaltsam wie an diesem Abend. Sie wurden von den Darstellern nicht nur mit viel Tempo und Witz gespielt, sondern auch von Hartmut Keil mit Phantasie und Humor am Hammerklavier begleitet. Ein besonderer Leckerbissen war seine Idee, im Rezitativ der Friedhof-Szene nochmal die Champagner-Arie zu zitieren.

Dieser Abend ließ sängerisch und szenisch kaum Wünsche offen. Die Regie machte überzeugend die Doppelmoral der Protagonisten deutlich, bei denen der Titelheld gleichzeitig zwei konträre Emotionen hervorruft: Einerseits verurteilen sie Don Giovannis Tun als verwerflich, gleichzeitig haben sie aber auch den Wunsch, diesem Schurken zu folgen. Wer dazu Parallelen in der Politik sucht, wird sicher schnell fündig werden…

Begeisterter Applaus für alle Mitwirkenden und das Regieteam war verdienter Lohn für diese Don Giovanni  Aufführung.

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Bremen, Theater Bremen, Ein Maskenball – Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 03.11.2018

November 4, 2018 by  
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Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Ein Maskenball – Giuseppe Verdi

 Opulenz, Liebe, Leidenschaft und Tod an der Weser

Von Michael Stange

Verdis Maskenball ist die typische Dreiecksgeschichte der Oper des 19. Jahrhunderts. Ein Graf (Gustavo) liebt die Frau (Amelia) seines besten Freundes und Sekretärs (Renato). Dies stürzt alle Beteiligten ins Unglück. Liebe, Hass und Leidenschaft, unauflösliche Emotionen und der musikalische Reichtum der Oper sind die Zutaten, die das Publikum auch heute fesseln können.

Theater Bremen / Ein Maskenball - hier : Olivares Sandoval als Gustavo, Dziashko als Oscar, Stephen Clark als Graf Ribbing und Ensemble © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Ein Maskenball – hier : Olivares Sandoval als Gustavo, Dziashko als Oscar, Stephen Clark als Graf Ribbing und Ensemble © Jörg Landsberg

Michael Talkes Inszenierung begreift den Gustavo als Spieler. Ihm gleiten im Verlauf des Dramas die Fäden aus der Hand und er wird Opfer seines eigenen Leichtsinns. Der Hofstaat Gustavos kämpft schon im Vorspiel weiß geschminkt und in höfischen Kostümen der Renaissance gekleidet mit den Verschwörern um eine schwarze Krone. Die weiteren Bilder bei der Wahrsagerin Ulrica und das Feld der Kräuter zeigen tiefes Schwarz. Grünes morbides Licht sowie ein Totenschädel prägen das Kabinett Renatos. So wird die Geschichte mit wirkungsvollen Bühnenbildern und packender Personenführung suggestiv erzählt. Talke paart Dramatik mit brillanten Einfällen uneitel und kundig im Dienst des Werks.

Verbundene wird diese plastische Ausleuchtung mit einer musikalischen Darbietung auf höchstem Niveau.

Theater Bremen / Ein Maskenball - hier : Iryna Dziashko, Luis Olivares Sandoval, Birger Radde © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Ein Maskenball – hier : Iryna Dziashko, Luis Olivares Sandoval, Birger Radde © Jörg Landsberg

Marco Comin ist Verdi-Dirigent der Extraklasse. Er leitet die Bremer Philharmonie mit schwebendem silbernem Klang. Sein Konzept beginnt mit er mit gleichsam tastenden Eintauchen im Vorspiel. Dies paart er später mit loderndem Feuer und lyrischer Innigkeit. Die Partitur ist bei ihm in den besten Händen und die Aufführung zeichnet sich insbesondere auch durch ihr exzellentes und akzentuiertes Klangbild aus. Die Bremer Philharmoniker folgen ihm mit phänomenaler Spielfreude und üppigen orchestralen Farben.

Gemeinsam mit den erlesenen Solisten und dem hervorragenden Chor gelingt eine musikalische Interpretation, die keine Wünsche offen lässt. Birger Radde ist ein Renato mit italienischem Timbre und vollendeter Gesangskunst. Von tiefer Schwärze bis zur glänzenden Höhe verbindet er mühelos alle Register seiner ausgeglichenen, klangschönen und mitreißenden Stimme. Ein ausgezeichneter Renato, wie er selten zu hören ist. Luis Olivares Sandoval ist ein Gustavo mit bronzenem Timbre, bestrickendem Piano und durchschlagskräftiger hoher Lage. Durch seine Gestaltungsfähigkeit liefert er ein glutvolles Portrait und entwickelt Gustavo mit stimmlicher Potenz und berührenden Momenten vom leichtsinnigen Lebemann zum fürsorglichen Landesvater im Angesicht des Todes.

Patricia Andress setzt als Amelia subtile Akzente. Höhepunkt ist ihre Arie im 3. Akt. Romina Boscolo erreicht mit ihrem Mezzosopran tiefste Altlagen. Mit abgründigen, tiefen schattigen Farben gestaltet sie eine furchteinflößende Wahrsagerin Ulrica. Iryna Dziashko ist als Oscar mit leuchtenden Koloraturen, präziser Geläufigkeit in den hohen Lagen und stetiger Spielfreude als Oscar ein fulminantes Pendant zu Gustavo.

Selbst die kleinen Rollen sind luxuriös besetzt. Herausragend singt Stephen Clark den Grafen Ribbing mit wohltönendem, profundem Bass und mächtiger Attacke in der Höhe. Dongfang Xie ist ein glänzender Christiano und Daniel Ratchev ein dämonischer Graf Horn.

Theater Bremen / Ein Maskenball - hier : Patricia Andress als Amelia, Luis Olivares Sandoval ist Gustavo © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Ein Maskenball – hier : Patricia Andress als Amelia, Luis Olivares Sandoval ist Gustavo © Jörg Landsberg

Eine derartig berückende und gelungene Vorstellung ist ein Glücksfall. Bremens Maskenball stellt mit theatralischem und musikalischem Feuer sowie opulenter Besetzung einen Verdi auf die Bühne, der in dieser Qualität sehr selten zu hören ist. Ein gebanntes Publikum aller Altersklassen von Schülerinnen bis Senioren bejubelte zu Recht frenetisch die hochkarätige Aufführung.

So ist Oper lebendig. Das Bremer Theater zeigt, dass musikalische Wunder nicht nur auf dem Papier sondern auch auf der Bühne möglich sind. Sie beginnen bei der kundigen und durchdachten Auswahl des Ensembles und sie gelingen mit gemeinschaftlichem, hingebungsvollem Zusammenwirken aller Beteiligten.

Ein Maskenball am Theater Bremen; weitere Vorstellungen am  07.11.2018, 19:30 – 22:00 Uhr,  17.11. 2018, 19:30 – 22:00 Uhr,  25. 11. 2018, 18:00 – 21:30 Uhr, 05. 12.2018, 19:30 – 22:00 Uhr, Sonntag, 23. 12. 2018, 15:30 – 18:00 Uhr,  25.12. 2018, 18:00 – 20:30  19.1.2019, 19:30 – 22:00 Uhr

 

—| IOCO Kritik Theater Bremen |—

Bremen, Theater Bremen, Premiere Ein Maskenball – Giuseppe Verdi, 21.10.2018

Oktober 9, 2018 by  
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Theater Bremen

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Theater Bremen / Theater am Goetheplatz © Jörg Landsberg

Ein Maskenball – Un ballo in maschera

Ein Königsmord auf offener Bühne: Verdi hatte Probleme mit der Zensur bei dem Werk in seinem Oevre, das wohl am stärksten zwischen Komödie und Tragödie changiert.  In Bremen hat Marco Comin die Musikalische Leitung, Michael Talke inszeniert. Premiere am 21. Oktober um 18 Uhr im Theater am Goetheplatz.

Beschwingt kommen die Verschwörer daher. Sie wollen dem König ans Leben. Der, ein eigentlich ganz sympathischer und – soweit es seiner Position möglich ist –  aufgeklärter Monarch, nimmt die Bedrohung nicht ernst – und läuft durch seine unbeherrschte Liebelei schließlich doch ins Messer …

Giuseppe Verdi griff für seine Oper auf Eugène Scribes Gustave III. ou Le Bal masqué zurück, das auf einer wahren Begebenheit beruht: König Gustav von Schweden, seines Zeichens Freund der Wissenschaft und Künste, wurde 1792 auf einem Maskenball im Stockholmer Opernhaus erschossen. Scribe garnierte diesen Plot für sein Drama mit einer amourösen Dreiecksgeschichte: König liebt Frau seines besten Freundes.

Ein Maskenball – Un ballo in maschera ist mit seinen großen Ensembles, den profunden Arien und dem Wechsel zwischen beschwingten und tief-dramatischen Tönen eines der musikalisch interessantesten Werke von Verdi. Hier am Theater Bremen begehen gleich alle drei Sänger*innen in den Hauptpartien ihr Rollendebüt: Patricia Andress als Amelia, Luis Olivares Sandoval als Gustavo III. und Birger Radde als Renato.

Regisseur Michale Talke, in Bremen bestens bekannt durch seine Inszenierungen z.B. von Rigoletto oder Barbier von Sevilla, geht es im Bühnenbild wie der Inszenierung um das Thema Verstellung, Verkleidung, Fassade. Gustavo tarnt seine Leidenschaft für die falsche Frau, die falsche Frau verbirgt ihre Liebe vor ihrem Ehemann, der Ehemann versteckt seine Rachegelüste. Selbst die Musik verkleidet sich und verbirgt die menschliche Tragödie hinter operettenhaft beschwingten Klangreiz. Und dann gibt es noch einen Maskenball. Hier sind aus einigen Verschwörern, die Rache an ihrem König nehmen wollen, auf einmal viele geworden, aus dem Nichts ist ein Schwarm entstanden, aus vielen Individuen ein Körper – fähig zu Exzessen von Gewalt und Panik, Enthusiasmus oder Grausamkeit. Und auch dieses Entstehen einer klammheimlich entstehenden Massenbewegung ist Thema der Inszenierung“,  erläutert Brigitte Heusinger, Leitende Dramaturgin im Musiktheater den Zugang des Regisseurs Michael Talke.

Die Musikalische Leitung hat der in Venedig geborene Marco Comin. Er studierte in seiner Heimatstadt am Conservatorio di Musica „Benedetto Marcello“ Klavier und Komposition sowie Geschichte an der Università Ca‘ Foscari und absolvierte an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin ein Dirigierstudium bei Hans-Dieter Baum und Christian Ehwald. Nach Engagements als Zweiter Kapellmeister am Deutschen Nationaltheater in Weimar und als Erster Kapellmeister und Stellvertretender Generalmusikdirektor am Staatstheater Kassel, war er Chefdirigent des Staatstheaters am Gärtnerplatz. Von 2016 – 2018 arbeitete Comin u.a. auch an der Staatsoper Stuttgart  und der Oper Graz. Am Theater Bremen wird er in der Spielzeit 2018/19 bei Verdis „Ein Maskenball“ debütieren und auch zum ersten Mal mit den Bremer Philharmonikern zusammenarbeiten.

Nach dem szenischen Liederabend „Wunschkonzert“, Donizettis komischer Oper „L’elisir d’amore“, Verdis „Rigoletto“ und „The Rake’s Progress“ von Igor Strawinsky ist Michael Talke mit Ein Maskenball auch in dieser Spielzeit wieder in Bremen zu Gast. Talke studierte Geschichte, Neue Literatur und Theaterwissenschaften in München und war dann als Regieassistent an der Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz Berlin, wo er mit Frank Castorf, Christoph Marthaler, Christoph Schlingensief und Andreas Kriegenburg zusammenarbeitete und auch seine ersten Inszenierungen machte. Seit 1996 ist er freischaffender Regisseur für Schauspiel und Oper, er war unter anderem am Deutschen Theater Berlin, am Luzerner Theater, am Schauspiel Hannover, am Thalia Theater Hamburg, an den Schauspielhäusern Köln und Düsseldorf, dem Staatstheater Braunschweig und dem Schauspiel Leipzig engagiert.

Ein Maskenball – Un ballo in maschera

Oper in drei Akten von Giuseppe Verdi, Text von Antonio Somma nach dem Drama „Gustave III. ou Le Bal masqué“ von Eugène Scribe; Uraufführung: 17. Februar 1859, Teatro Apollo, Rom

Premiere Sonntag, 21. Oktober 2018 um 18 Uhr – Theater am Goetheplatz

Musikalische Leitung:                        Marco Comin
Regie:                                                Michael Talke
Bühne:                                               Barbara Steiner
Kostüme:                                           Regine Standfuss
Chor:                                                   Alice Meregaglia
Dramaturgie:                                      Brigitte Heusinger

Mit: Patricia Andress, Romina Boscolo, Sungkuk Chang, Stephen Clark, Iryna Dziashko, Birger Radde, Daniel Ratchev, Luis Olivares Sandoval, Zoltan Stefko, Dongfang Xie. Chor und Extrachor des Theater Bremen. Es spielen die Bremer Philharmoniker.

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