Wien, Wiener Staatsoper, DIE FRAU OHNE SCHATTEN – 150 JAHRE OPERNHAUS AM RING, 25.05.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

DIE FRAU OHNE SCHATTEN – Richard Stauss

 Jubiläum zur Eröffnung der Wiener Staatsoper 1869

Festpremiere am 25. MAI 2019

Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Opernhauses am Ring – die heutige Wiener Staatsoper wurde am 25. Mai 1869 feierlich eröffnet – kommt Richard Strauss’ Die Frau ohne Schatten am 25. Mai 2019 zur hochkarätig besetzten Festpremiere.

Auf genau dieser Bühne wurde das Werk vor 100 Jahren, am 10. Oktober 1919, uraufgeführt. Das kongeniale Duo Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal diskutierte schon ab 1910 über einen neuen Opernstoff, der Titel Die Frau ohne Schatten – ihre vierte gemeinsame Oper – existierte spätestens ab 1911. Inmitten des Ersten Weltkriegs entstand das Werk, das 1917 fertig gestellt wurde und das der Komponist selbst als „schönste und erhabenste Arbeit“ prophezeite. Erzählt wird die (komplexe) Geschichte zweier Paare – Kaiser und Kaiserin sowie Färber und Färberin –, die durch Selbsterkenntnis und Selbstüberwindung zum glücklichen Ende finden.

Lotte Lehmann Wien © IOCO

Lotte Lehmann Wien © IOCO

Wien wäre nicht Wien, wenn nicht schon das Vorhaben, das Werk hier zur Weltpremiere zu bringen (auch Hofmannsthal hatte sich zuerst dagegen ausgesprochen), auch eine Opposition auf den Plan gerufen hätte, wie Staatsoperndramaturg Dr. Oliver Láng im Magazin „Prolog“ erläutert. Parallel dazu kam Kritik am neuen Direktor Strauss, der noch vor seinem Antritt angefeindet wurde. Nach der Uraufführung – unter Franz Schalk, u. a. mit Maria Jeritza (Kaiserin), Lotte Lehmann (Färberin), Karl Aargard-Oestvig (Kaiser), Richard Mayr (Barak) und Lucie Weidt (Amme) – waren die Lager gespalten. Doch seit der Uraufführung hat Die Frau ohne Schatten eine reiche Aufführungsgeschichte erlebt und gilt als einer der besonderen Höhepunkte des Wiener und internationalen Musiktheaters. Im Haus am Ring kam es nach der Uraufführung 1919 zu sechs weiteren Premieren: 1931 kam eine Neuproduktion unter Clemens Krauss heraus (sie wurde auch bei einem Gastspiel in Venedig gegeben, die italienische Erstaufführung), bereits zwölf Jahre später, 1943, eine weitere unter Karl Böhm. Zur Wiedereröffnung des Hauses am Ring 1955 war Die Frau ohne Schatten Teil des Premierenzyklus’, in einer Doppelpremiere (mit zwei Besetzungen) brachte Karajan im Juni 1964 eine Neuproduktion heraus, 1977 stand eine weitere Premiere unter Karl Böhm auf dem Programm. Die bislang letzte Neuinszenierung erfolgte 1999 unter Giuseppe Sinopoli (Inszenierung: Robert Carsen). Insgesamt erklang die Oper bislang 147mal im Haus am Ring.


Leading Team

Christian Thielemann dirigiert Die Frau ohne Schatten

Für die musikalische Leitung konnte mit Christian Thielemann einer der bedeutendsten Dirigenten der Gegenwart gewonnen werden. Die Frau ohne Schatten ist nach Tristan und Isolde (2003) und Hänsel und Gretel (2015) seine dritte Staatsopernpremiere. Seit seinem Debüt am Haus 1987 mit Così fan tutte dirigierte er hier – neben den Premierenproduktionen – Vorstellungen von La traviata, Le nozze di Figaro, Parsifal, Die Meistersinger von Nürnberg, Ariadne auf Naxos sowie den Ring des Nibelungen.

Als „Liebe auf den ersten Blick“ bezeichnete er rückwirkend das erste gemeinsame Konzert im Jahr 2000 mit den Wiener Philharmonikern, dessen Mitglieder ja bekanntlich in Personalunion das Staatsopernorchester bilden. Im Gespräch mit Staatsoperndramaturg Dr. Andreas Láng streut er dem unverwechselbaren, weich-goldenen, „im guten Sinne defensiven“ Klang des Orchesters und der musikalischen Flexibilität der einzelnen Musiker, die stets mit einem Ohr bei den Sängern auf der Bühne seien, Rosen. Gemeinsam mit dem Orchester erarbeitete er die Frau ohne Schatten 2011 für die Salzburger Festspiele und blickt zurück: „Einige Musiker zeigten sich verwundert, dass ich mit ihnen so entspannt arbeiten würde, worauf ich erwiderte, dass es genau umgekehrt wäre: Das ganze Orchester wäre mir gegenüber entspannt. Offensichtlich stimmt also die Chemie zwischen uns. Es herrscht ein wahres Geben und Nehmen, ein gegenseitiges Anbieten und Aufnehmen.

Inszeniert wird Die Frau ohne Schatten von Vincent Huguet, der mit dieser Produktion sein Staatsoperndebüt gibt. Der französische Regisseur arbeitete vor seiner Theatertätigkeit u. a. als Kunsthistoriker, bevor er 2008 seine Zusammenarbeit mit Patrice Chéreau begann, dessen Assistent er bis zum Tod des legendären Regisseurs 2013 blieb. Jüngste eigene Inszenierungen führten ihn nach Montpellier (Lakmé), Aix-en-Provence (Dido and Aeneas) und Luzern (Roméo et Juliette).

Hugo von Hofmannsthal Wien © IOCO

Hugo von Hofmannsthal Wien © IOCO

Dass Die Frau ohne Schatten in einer Zeitenwende entstanden ist, findet Vincent Huguet spannend: „Es war der Moment in Europa, als man sich genau an der Absprungkante zwischen Vergangenheit und Zukunft befand. Nicht nur politisch, sondern auch künstlerisch. Die Avantgarde kam auf und ließ manches plötzlich alt aussehen. Daraus ist der Gedanke der „letzten romantischen Oper“ entstanden: Ein letzter Höhepunkt, eine Verschmelzung von so vielen Dingen: Da ist die deutsche Romantik drinnen, die Welt von 1001 Nacht, Antik-Ägyptisches, Goethe und vieles mehr. Umso weiter man gräbt, desto mehr eröffnet sich eine faszinierende Welt!“ Er verschreibt sich nicht einer spezifischen Lesart der Oper – „die Oper ist so reich, so vielfältig, so vielschichtig, dass jeder Versuch, sie auf eine Denkschiene zu setzen, einer Reduktion ihrer Ausdruckskraft gleichkommt. […] Strauss und Hofmannsthal wollten diesem Werk die Qualität eines Märchens schenken. Nun wissen wir: Es gibt nichts Zerbrechlicheres als ein Märchen. Sobald man es erklärt, es fest zu machen versucht und die Symbolik ausdeutet, verliert es seinen Zauber. […] Man […] muss die Magie wirken lassen.

Er betont weiters die Parallele zum Heute, geht es in der Frau ohne Schatten doch „um den Krieg […], nicht direkt angesprochen, aber in einem höheren Sinne […] – als Künstler ist man gefordert Stellung zu beziehen und einen Kommentar abzugeben. Wie also nahmen sie Stellung? Sie sagten, dass wenn Menschen sich – nicht nur in ihrem Verhalten, sondern auch in der Art, wie sie mit der Liebe umgehen – nicht ändern, der Zyklus des Lebens, der Generationenweitergabe unterbrochen wird und es kein Weiter, keine Kontinuität mehr gibt. Es muss ein Umdenken stattfinden, ein Sprung über den eigenen Schatten! […] Und eigentlich ist es beklemmend, dass wir heute erneut an einem solchen Punkt angelangt sind! Vielleicht aktuell nicht militärisch. Aber auf ökologischer Ebene: Wenn wir heute nicht umdenken und unser Verhalten grundlegend ändern, werden die Generationen nach uns keine Erde mehr vorfinden, auf der man leben kann …“

Für das Bühnenbild zeichnet Aurélie Maestre verantwortlich, für die Kostüme Clémence Pernoud. Beide präsentieren mit der Frau ohne Schatten ihre erste Arbeit für das Haus am Ring. Das Lichtdesign stammt von Bertrand Couderc, Dramaturg der Produktion ist Louis Geisler.


Die Besetzung

KS Stephen Gould singt erstmals im Haus am Ring den Kaiser. Der amerikanische Heldentenor ist der Wiener Staatsoper seit seinem Debüt 2004 als Paul in der Premiere von Die tote Stadt eng verbunden. Nach Die tote Stadt, Siegfried und Götterdämmerung (Siegfried) sowie Ariadne auf Naxos (Tenor/Bacchus) ist Die Frau ohne Schatten seine fünfte Staatsopernpremiere. An der Wiener Staatsoper war er weiters als Erik (Der fliegende Holländer), Tristan (Tristan und Isolde) sowie in den Titelpartien von Parsifal, Peter Grimes und Tannhäuser zu erleben.

In der Interpretation der Frau ohne Schatten betont er im Gespräch mit Dr. Andreas Láng für den „Prolog“, dass es „essentiell ist, eine Erzähl-Metapher zu finden, die das ganze Werk veredelt und uns hilft, die geistig/menschliche Erkenntnis zu sehen, die sich dann zum Mythos erhebt.“

Die Kaiserin verkörpert – ebenfalls erstmals an der Wiener StaatsoperCamilla Nylund. Die Frau ohne Schatten ist nach Lohengrin (Elsa) und Der Freischütz (Agathe) die dritte Premiere im Haus am Ring der finnischen Sopranistin, die hier bisher u. a. auch die Titelpartien von Salome, Arabella, Rusalka, Ariadne auf Naxos; Elisabeth (Tannhäuser), Gräfin (Capriccio), Marschallin (Der Rosenkavalier), Sieglinde (Die Walküre), Marietta (Die tote Stadt), Donna Anna (Don Giovanni) und Leonore (Fidelio) sang.

Für sie ist Die Frau ohne Schatten „eine in jeder Hinsicht bombastische Oper – in dieser Ausprägung übertrifft sie wohl alle anderen Strauss-Opern“, wie sie das Außergewöhnliche dieses Werkes charakterisiert. Mit der Musik von Richard Strauss assoziiert sie mit dem Gesang „Riesenbögen“ und den „im wahrsten Sinn des Wortes sauberen, manchmal sogar fast kindlich-reinen Klang, den es so nur bei Strauss gibt. […] Wenn ich […] an die Strauss’schen Ausbrüche in der reinen Orchestermusik denke, so sehe ich vor mir hingegen das Bild eines sich öffnenden Himmels.“

Evelyn Herlitzius, die als Elektra in Trojahns Orest in der letzten Staatsopernpremiere einen großen Erfolg feierte, gibt mit der Amme ein weiteres weltweites Rollendebüt im Haus am Ring. Die Frau ohne Schatten ist nun die zweite Premiere an der Wiener Staatsoper der gefragten deutschen Sängerin. Sie debütierte 2000 als Leonore (Fidelio) im Haus am Ring, wo sie weiters u. a. als Brünnhilde (Der Ring des Nibelungen), Isolde (Tristan und Isolde), Färberin (Die Frau ohne Schatten), Marie (Wozzeck), Kundry (Parsifal) und zuletzt in der Titelpartie von Kátja Kabanová zu erleben war.

Ihre erste Annäherung an die Gesamtheit des Kunstwerkes fasst sie so zusammen: „Sich als erstes dem Ganzen einfach hinzugeben. Danach, wenn der Rausch nachlässt: darüber lesen, sich immer mehr hinein versenken.“

Den Barak singt – wie bereits bei der letzten Vorstellungsserie der Frau ohne Schatten im Haus am Ring 2012 – Wolfgang Koch. Der international renommierte deutsche Bariton debütierte 2008 als Fritz Kothner (Die Meistersinger von Nürnberg) im Haus am Ring und war hier weiters als Hans Sachs (Die Meistersinger von Nürnberg), Telramund (Lohengrin) und Jochanaan (Salome) sowie in der Titelpartie der Premierenproduktion von Dantons Tod zu erleben.

Nach der Kundry und der Elektra gibt schließlich KS Nina Stemme als Färberin ein weiteres wichtiges internationales Rollendebüt an der Wiener Staatsoper. Die gefeierte schwedische Sopranistin ist damit – nach Der fliegende Holländer (Senta), Die Walküre (Sieglinde), La forza del destino (Leonora), Siegfried (Brünnhilde), Tristan und Isolde (Isolde), La fanciulla del West (Minnie), Elektra und Parsifal (Kundry) – in ihrer neunten Staatsopernpremiere zu erleben. Im Haus am Ring war sie darüber hinaus u. a. als Tosca, Leonore (Fidelio), Marschallin und Brünnhilde (gesamter Ring des Nibelungen) zu erleben.

Angesprochen auf das Gefühl, mit welchem sie 100 Jahre nach der Uraufführung der Frau ohne Schatten an der Wiener Staatsoper ebendiese Bühne betreten wird, sagt sie: „Abgesehen von der Ehre und Freude tragen wir ein Stück Verantwortung, wenn wir dieses Werk vor dem Publikum in unserer Interpretation präsentieren. Einerseits sind wir diesbezüglich vollkommen frei, andererseits liegt die Musik dieser Oper gerade hier in Wien gewissermaßen in der Luft, sodass man nur nach ihr greifen muss.“

Den Geisterboten singt Sebastian Holecek. Der aus Wien stammende Bariton tritt seit seinem Debüt 1991 als Papageno (Die Zauberflöte) an der Wiener Staatsoper auf und sang hier bisher u. a. Peter Besenbinder (Hänsel und Gretel), Don Fernando (Fidelio), Harlekin (Ariadne auf Naxos) und Christian (Un ballo in maschera). Die Frau ohne Schatten ist seine erste Premiere im Haus am Ring.

Die weiteren Partien singen die Staatsopern-Ensemblemitglieder Maria Nazarova (Hüter der Schwelle des Tempels und Stimme des Falken), Benjamin Bruns (Stimme eines Jünglings), Monika Bohinec (Stimme von oben), Samuel Hasselhorn (Der Einäugige), Ryan Speedo Green (Der Einarmige), Thomas Ebenstein (Der Bucklige), Ileana Tonca (Erste Dienerin, Erste Stimme der Ungeborenen, Erste Solostimme), Mariam Battistelli (Zweite Dienerin, Zweite Stimme der Ungeborenen, Zweite Solostimme), Szilvia Vörös (Dritte Dienerin, Vierte Stimme der Ungeborenen, Vierte Solostimme), Virginie Verrez (Dritte Stimme der Ungeborenen, Dritte Solostimme), Bongiwe Nakani (Fünfte Stimme der Ungeborenen, Fünfte Solostimme) und Zoryana Kushpler (Sechste Solostimme).

Es spielen das Orchester der Wiener Staatsoper und das Bühnenorchester der Wiener Staatsoper, es singt der Chor der Wiener Staatsoper.


Die Frau ohne Schatten im Radio und Livestream sowie internationale Übertragungen

Die Premiere am 25. Mai 2019 wird live auf Radio Ö1 (+ EBU) ausgestrahlt sowie
via WIENER STAATSOPER live at home übertragen (www.staatsoperlive.com). Die Premiere sowie alle Folgevorstellungen (30. Mai, 2., 6., 10. Juni 2019) werden zudem im Rahmen von „Oper live am Platz“ live auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen.

Im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten „150 Jahre Opernhaus am Ring“ wird die Premiere zudem live bzw. live-zeitversetzt auf wichtige Plätze in den österreichischen Landeshauptstädten von Bregenz bis Eisenstadt sowie auf einen Riesenscreen im Moskauer Zaryadye-Park übertragen (www.wiener-staatsoper.at/150).

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Lyon, Opéra de Lyon, Dido und Aeneas – Henry Purcell, IOCO Kritik, 21.03.2019

März 21, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Opera Lyon

Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon

Dido und Aeneas – Henry Purcell

– Barock trifft Jazz – Jazz trifft Barock –

von Patrik Klein

IOCO besuchte im Rahmen des Festivals Leben und Schicksale die Opéra de Lyon mit der Produktion Dido und Aeneas von Henry Purcell (1659 -1695), einer Oper in einem Prolog und drei Akten, fortgeschrieben durch moderne Elemente, die vom finnischen Gitarristen Kalle Kalima, der zu den spannendsten Vertretern der europäischen Jazz-Szene gehört und mit einer gehörigen Portion Verrücktheit und „finnischer Kreativität“ ausgestattet ist, zusammengestellt wurden. Die Premiere in Lyon ist der Auftakt zur Koproduktion mit der Vlaamse Opera und der Stuttgarter Oper in Partnerschaft mit der Ruhrtriennale.

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas © Blandine-Soulage

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas © Blandine-Soulage

Das Libretto wurde von Nahum Tate nach dem Epos Aeneis von Vergil verfasst. Die Uraufführung fand 1688 oder 1689 in London statt.

Die Handlung – Erster Akt: Der trojanische Held Aeneas (Guillaume Andrieux, Bariton) hat Trojas Zerstörung überlebt und von Zeus den Auftrag erhalten, nach Italien zu segeln und dort mit seinen Leuten ein neues Reich zu gründen. Auf der Fahrt durch das Mittelmeer kommen die Trojaner nach Karthago, wo sie sich längere Zeit aufhalten. Die Stadt wird von Königin Dido (Alix Le Saux, Mezzosopran) regiert, die nach dem Tod ihres Mannes geschworen hat, nie mehr zu heiraten und sich nur noch um das Wohl ihres Staates zu kümmern. Die Königin kann den Schwur nicht halten, als sie Aeneas kennenlernt und sich in ihn verliebt. Belinda (Claron McFaddon, Sopran) zerstreut die Bedenken ihrer Herrin, denn sie weiß, dass auch der Trojaner Dido zugeneigt ist.

Dido und Aeneas  –  Henry Purcell
youtube Trailer der Opéra de Lyon
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Henry Purcells „Dido und Aeneas“ fortgeschrieben durch Kalle Kallimas Version von „Remember Me“

Zweiter Akt: Furien haben sich in einer Felsschlucht versammelt. Ihre Anführerin befiehlt, Karthagos Macht zu vernichten, um dadurch Dido und Aeneas wegen ihrer Pflichtvergessenheit zu strafen. Eine Furie meldet, dass Aeneas und Dido auf der Jagd sind. Ihr wird aufgetragen, als Hermes verkleidet Aeneas den Willen des Zeus, sofort nach Italien zu segeln, kundzutun. Andere Furien treiben die Jagdgesellschaft durch einen Sturm in die Stadt zurück. Belinda und der Hofstaat erfreuen sich unterdessen an der Schönheit des Heiligen Hains, wo sie rasten. Die Seherin unterbricht ihre Freude und verkündet, dieser Ort bringe Unheil. Schon naht Dido und kurz darauf Aeneas, der einen gewaltigen Eber erlegt hat. Kaum hat sich das Liebespaar in das vorbereitete Zelt zurückgezogen, bricht ein Gewitter los; alle flüchten in die Stadt. Aeneas ist plötzlich allein. Er erhält von Hermes den Befehl, sofort nach Italien aufzubrechen. Der Held ist erschüttert, doch die Pflicht siegt über seine Liebe.

Dritter Akt: Die Trojaner rüsten zur Abfahrt und nehmen von ihren Frauen Abschied. Die Furien triumphieren, als sie die unglückliche Königin sehen, und entfachen einen Sturm, der die Schiffe auf das Meer hinausjagen soll. Dido und Belinda eilen herbei, erregt über das Verhalten der Trojaner, die auf Zeus‘ Befehl verweisen, aber schon zögern, abzusegeln. Der Königin erscheint die Treulosigkeit des Helden als Strafe des Himmels, weil sie ihren Schwur nicht gehalten hat. Belindas Tröstungen sind vergeblich. Dido stirbt an gebrochenem Herzen, da sie ohne Aeneas nicht leben kann.

Kunst fordert immer wieder zu neuen Interpretationen heraus. Die Auffassung, wie Musik des 17. Jahrhunderts aufgeführt werden sollte, hat sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte grundlegend gewandelt. Mindestens ein Dutzend verschiedener Ausgaben von „Dido und Aeneas“ sind im Druck erschienen. Musikwissenschaftler diskutieren immer noch das Entstehungsdatum der Oper und sind sich immer noch nicht einig, für welche Gelegenheit das Werk geschrieben sein könnte. Folglich geht damit auch einher, dass sich der Bereich legitimer Auswahl- und Interpretationsmöglichkeiten vergrößert hat. Die „richtige“ Art, Dido aufzuführen, gibt es nicht mehr. Das mindert jedoch den Wert des Werkes in keiner Weise.

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas - hier : Kalle Kalima © Blandine-Soulage

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas – hier : Kalle Kalima © Blandine-Soulage

So hatte zum Beispiel der französische Regisseur und ehemaliger Assistent von Patrice Chéreau, Vincent Huguet, bei den 70. Opernfestspielen in Aix en Provence 2018 den als verschollen geltenden Prolog mit einer rund 20 minütigen Einführung versehen, in der die schwarze Schauspielerin, Chansonière und Komponistin Rokia Traoré aus Mali die Vorgeschichte erzählte. Ohne Fingerzeig skizzierte sie in einer Art Sprechgesang die Entstehung Karthagos, erzählte vom Verloren sein auf der Flucht und von fliehenden Menschen auf Booten. Auch der Dirigent Václav Luks ließ zum Finale des berühmten Klagegesangs Didos den Chor „a cappella“ singen und gab somit dem gesamten Werk eine neue Intensität, Natürlichkeit und Magie.

Die politische Metapher „Dido und Aeneas“ ist mehr als eine tragische Liebesgeschichte. Sie ist auch eine Metapher für die Konfrontation zwischen Karthago und Rom, der zentralen Episode in den Punischen Kriegen. Die Zerstörung Karthagos in 146 v. Chr. liegt knapp ein Jahrhundert vor der Fertigstellung Vergils berühmten Gedicht Aeneis. Die Stärke der Kurz-Oper, die Purcell aus dieser Geschichte mitnahm, liegt ebenso in den zeitgenössischen geopolitischen Resonanzen seiner Handlung – zwei europäischen Migranten, die sich dem Krieg stellen – wie in der evokativen Kraft ihres außergewöhnlichen Finales.

In Lyon hat Didos Klage am Ende der Oper Remember me, den finnischen Jazzgitarristen Kalle Kalima inspiriert, Purcells barocke englische Klänge mit Elementen des modernen Jazz zu verbinden. Anders als in Aix en Provence wird hier „alles in einen Topf“ geworfen und die barocken Klänge Purcells mit Kalimas Jazzstücken im Wechselspiel vermischt. In diesen „Intermezzi“ werden u.a. Zitate aus dem Originalstück von Vergils Aeneis von der US-amerikanisch-schweizerischen Jazzsängerin Erika Stucky dargeboten.

 Dido und Aeneas  –  Didon et Enée – Auszüge der Inszenierung
youtube Trailer der Opéra de Lyon
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Der in Ungarn geborene Regisseur David Marton, der auch als Pianist und Dirigent ausgebildet ist und nach musikalischen Anfängen bei Regisseuren wie Christoph Marthaler und Frank Castorf begann, schließlich selbst zu inszenieren, hat die extrem verdichtete Oper Purcells, die wie ein Trailer über eine mehrstündige romantische Oper wirkt, mit der Musik Kalle Kalimas aufgelockert und teilweise neu zusammengesetzt, um in experimenteller Art den Wirkungen der Charaktere mehr Freiraum und Entfaltungsmöglichkeiten zu geben.

Dabei wurden zwischen den originalen barocken Elementen der Oper zum Teil frei improvisierte als auch speziell komponierte musikalische Elemente Kalle Kalimas eingefügt. Kalle Kalima mit seiner E-Gitarre war auf der rechten Seite des Orchestergrabens erhoben sichtbar positioniert. Während der langen Probenphase wurden zwar die Eckpunkte, wie Licht und Technik in ein festes Muster gegeben, innerhalb dessen jedoch freie Improvisationen möglich blieben. Auch deshalb wurde die knapp einstündige Barockoper zu einem abendfüllenden Programm ausgeweitet.

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas © Blandine-Soulage

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas © Blandine-Soulage

Wie in Tschaikowskis Oper Die Zauberin am Vortag stellte sich auch in Purcells Oper die Frage: „Was bleibt?“ An was wird man sich erinnern, wenn man an unsere Zeit zurückdenkt?

Das Regieteam um David Marton hatte die riesige Bühne in Lyon zu einem archäologischen Ausgrabungsort gemacht. Die Fundstelle war mit einem Überbau aus Holz und Glas vor den Umwelteinflüssen geschützt (Christian Friedländer (Bühne); Tabea Braun (Kostüme); Henning Streck (Licht)). Seitlich davon befanden sich mehr oder weniger gut sichtbare Studios, in denen man die ausgegrabenen Relikte konservierte. Wie auch bei Tschaikowski war ein Kameramann ständig dabei, die Kernszenen zu filmen und die Bilder auf Flächen im Hintergrund der Bühne zu projizieren. Die Oper begann mit der Ausgrabung von Erinnerungen durch Juno (Marie Goyette) und Jupiter (Thorbjörn Björnsson). Man grub u.a. eine PC Maus, Kabelsalat und viele andere Dinge unserer heutigen Zeit akribisch aus und konservierte sie in den seitlichen Asservatenkammern. Durch die Fundstücke, wie Titelbilder des Time-Magazins von Ungarns Präsidenten Orbán oder dem amerikanischen Präsidenten Trump wurde ein Bild von machtbesessenen Herrschern gezeichnet. Disharmonische Jazzklänge und „Klagelaute“ der Jazzsängerin (Erika Stucky) unterstrichen dieses düster gezeichnete Bild unserer Zeitgeschichte.

Barock trifft Jazz, Jazz trifft Barock.

Der Bezug wurde hier über die methodisch-künstlerische Idee der Improvisation und der Kombination der Darstellungsgenres Theater, Musik und Film hergestellt. Dabei übernahm die Kamera das Auge des Zeugen. Sie war überall dabei. Sie zeigte dem Zuschauer auch Handlungen, die auf Nebenschauplätzen, den seitlichen Studios, nicht auf der Bühne stattfanden. Der Zuschauer erhielt dadurch auch Einblick in das „Seelenleben“ der Protagonisten. Vieles passierte gleichzeitig, so dass der Zuschauer beim ersten Schauen nur einen von seinen Sehgewohnheiten gelenkten Ausschnitt erfasste bzw. erfassen konnte.

Man erblickte die Teuflischkeiten unser Welt mit Bombenabwürfen im Krieg, Brutalität und Elend. Auf den Titelseiten der Time-Magazine wurden unsere aktuellen Themen Realität. Das Auge schweifte aber auch auf die Wogen des Meeres, die Idylle und die Sehnsucht.

Was blieb an diesem zweiten Festivalabend in Lyon? Die Kamera, der Zeuge, wurde ausgeschaltet, die Ausgrabungsstücke wieder verscharrt. Waren sie es nicht Wert, erhalten zu bleiben? Die Videoleinwand wurde weiß, wie bei einem Filmriss im analogen Kino. Rauschen und gelegentliche Streifen bestimmten das mittlerweile schwarz-weiße Bild, das nur noch das Schema der Ausgrabungsstätte erkennen ließ.

Wo war die Liebe, wo waren die positiven menschlichen Beziehungen geblieben? Zerbrochen durch äußere Kräfte? Nichts Blieb!  Zu improvisierten Klagelauten ging die Jazzsängerin von der Bühne.

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas - hier : Thorbjörn Björnsson als Jupiter und Erika Stucky als Hexe  © Blandine-Soulage

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas – hier : Thorbjörn Björnsson als Jupiter und Erika Stucky als Hexe  © Blandine-Soulage

Musikalisch konnte das Spektrum kaum größer sein an diesem Abend in Lyon. Eine der ältesten musikalischen Formen der Menschheit erweiterte sich um Klänge aus unserer aktuellen Zeit. Das wirkte extrem, konträr, manchmal verstörend aber auch Emotionen weckend. Die gesanglichen Ergebnisse des Abends waren erneut von höchster Qualität. Alix Le Saux, die bereits im Alter von 10 Jahren im Kinderchor der Opéra National de Paris zu singen begann und in Rollen wie Armelinde in Cinderella von Pauline Viardot, Emilia in Otello von Rossini und Hélène in Offenbachs La Belle Hélène an diversen französischen Opernhäusern zu hören war, zuletzt erfolgreich debütierte als Titelheldin in Massenets Cendrillon bei den Festspiele in Glyndebourne, sang die Partie des Dido mit großer Leichtigkeit, feinem abgedunkelten Mezzoklang sicher und voller Leidenschaft. Der junge, aus Lyon stammende Bariton Guillaume Andrieux, der an verschiedenen französischen Opernhäusern reüssierte und beim Musikfest Bremen als Figaro im Barbier von Sevilla auftrat, sang mit hell fokussiertem lyrischen Bariton einen leidenschaftlichen und kommunikativen Aeneas. Die in den Niederlanden lebende amerikanische Sopranistin Claron McFaddon, die an Opernhäusern wie der De Nederlandse Opera Amsterdam, bei den Salzburger und den Bregenzer Festspielen sowie am Badischen Staatstheater Karlsruhe und bei den Händelfestspielen in Halle (Saale) engagiert war, gab die Rolle der Belinda eindrucksstark mit warmem und fein dosiertem Sopran.

Nicht nur bei Tschaikowskis Die Zauberin, sondern auch bei Purcell geriet eine andere Figur in den Fokus, als es die originäre Barockoper eigentlich vorsah. Die US-amerikanisch-schweizerische Jazzsängerin Erika Stucky wurde zum musikalischen Höhepunkt. Sie gestaltete ihre Rollen als Hexe, Geist, und Sängerin mit umwerfender Bühnenpräsenz und gewaltiger Stimme, deren Bandbreite von Soul über Rock bis zu Jazz-Phrasierungen, Jodlern und Klagegesängen reichte. Sie wurde auch vom Publikum entsprechend frenetisch gefeiert.

Marie Goyette stellte Juno und eine Komödiantin dar. Die kanadische Musikerin (Piano, Akkordeon, Stimme), die sowohl im Bereich der Improvisationsmusik als auch als Schauspielerin/Musikerin und Hörspielmacherin tätig ist und bereits mehrfach mit dem Regisseur David Marton zusammenarbeitete, brachte mit ihren vielseitigen Aktionen weitere Facetten improvisierter Theaterkunst auf die Bühne. Der in Island geborene Thorbjörn Björnsson studierte Gesang an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin. Als Sänger und Schauspieler war er in verschiedenen Konzerten und Theaterproduktionen zu sehen, u.a. im Konzerthaus am Gendarmenmarkt, auf Kampnagel Hamburg und an den Münchner Kammerspielen. In Lyon spielte er mit vollem Einsatz als Komödiant und Jupiter, körperlich an die Grenzen gehend und dabei Verse Vergils zitierend.

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas - hier : Schlussapplaus © Patrik Klein

Opéra de Lyon / Dido und Aeneas – hier : Schlussapplaus © Patrik Klein

Der Chor der Opéra de Lyon (Einstudierung Denis Comtet) bot auch an diesem zweiten Premierenabend eine starke Leistung. Diesmal für das Publikum sichtbar, sangen sie mit großem Engagement und sicherer Abstimmung mit dem Orchester besonders einfühlsam und emotional.

Der in Frankreich bereits sehr bekannte junge Dirigent und Geiger Pierre Bleuse, der sein Handwerk als Dirigent bei Jorma Panula in Finnland erlernte, leitete die Premiere ohne Taktstock. Mit mitreißendem Engagement, natürlicher Autorität und einer klar verständlichen Dirigiersprache gelang es ihm, das Orchester durch die verschiedenen Musikgenres zu führen und dabei den Musikern noch Interpretationsfreiräume zu belassen.

Das Publikum in der erneut ausverkauften Opéra de Lyon nahm die spektakuläre Kombination aus musikalischer und szenischer Bandbreite mit frenetischem Beifall auf.

Dido und Aeneas in der Opéra de Lyon; weitere Vorstellungen am 21.3., 23.3., 26.3., 30.3.2019

—| IOCO Kritik Opéra de Lyon |—

Berlin Staatsoper Unter den Linden, Elektra – Richard Strauss, IOCO Kritik, 01.02.2019

Februar 1, 2019 by  
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Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

Elektra – Richard Strauss – Hugo von Hoffmannsthal

– Lauter nicht gelebte Leben –

von Hanns Butterhof

Patrice Chéreaus 2013 entstandene letzte Regiearbeit, Richard Strauss’ und Hugo von Hoffmannsthals einaktige Oper Elektra, ist nach einem Zug durch die großen Opernbühnen der Welt in ihrem Berliner Stammhaus angekommen. In der renovierten Staatsoper Unter den Linden feiert die Wiederaufnahme unter dem Dirigat Daniel Barenboims Triumphe.

Letzte Regiearbeit von Patrice Chéreau – 2013 entstanden

Die düstere, sehr elementarisierte Bühne Richard Peduzzis charakterisiert Elektras Lebenswelt markant als ausweglose Abgeschlossenheit. Das hohe Tor in der abweisenden Mauer versperrt der dezent zerlumpt gekleideten Prinzessin (Kostüme: Caroline de Vivaise) den Zugang zur Stadt und dem Königsschloss. Zwischen den Wänden des Wirtschaftshofs verbeißt sie alle, das Gesinde, ihre Schwester Chrysothemis und ihre Mutter Klytämnestra. Seit diese und deren Liebhaber Aegisth ihren Vater Agamemnon nach seiner Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg ermordet haben, ist Rache ihr einziger Gedanke.

Elektra –  Richard Strauss
youtube Trailer der Staatsoper Unter den Linden aus dem Schillertheater
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Die als Ersatz für Evelyn Herlitzius eingesprungene Ricarda Merbeth ist eine Elektra nahe am Wahnsinn. Sie zeigt kaum etwas von ihrem unendlichen Schmerz über den Tod des Vaters, sondern nur ihren sarkastischen Hass gegenüber allem um sie her. In diesem eingeschränkten Ausdrucksspektrum, verbunden mit fast durchgängig angestrengt hohen Lagen, lassen nur die wenigen ruhigen Passagen wie die Erkennungsszene mit ihrem Bruder Orest ihren gepflegten Sopran und klare Deklamation aufscheinen. Dass ihr Lebenszweck mit der Ankunft des Rächers Orest erfüllt ist und sie erkennen muss, dass ihr Leben verpfuscht ist, ist ergreifend.

Die Klytämnestra Waltraud Meiers ist ohne Dämonie. Die große Mezzosopranistin gibt der Königin eine stille Zerrüttetheit, tastende Suche nach Hilfe. Man glaubt ihr, dass sie ihr Leben durch den Mord an Agamemnon als zerstört weiß. Sie ist des verdrängenden Überspielens ihrer Untat überdrüssig und erhofft sich tiefere Erlösung von Schuldgefühlen und Ängsten, als es die (falsche) Nachricht vom Tod Orests für sie bedeutet, die sie ohne Triumphgefühle zur Kenntnis nimmt.

Staatsoper Unter den Linden / Elektra - hier : Elektra und Klytämnestra © Monika Rittershaus

Staatsoper Unter den Linden / Elektra – hier : Elektra und Klytämnestra © Monika Rittershaus

Als Elektras Schwester Chrysothemis begeistert Vida Mikneviciute mit jugendlich-klarem Sopran als eine Frau voller Lebenswillen, auf der jedoch der Schatten der Vergeblichkeit liegt. Sie erscheint wie die Personifizierung der abgespaltenen Fraulichkeit Elektras. Doch Vida Mikneviciute lässt berührend erfahren, dass auch sie ihr Frausein nicht leben kann. Nicht erst Elektras Fluch, als Chrysothemis sich weigert, sich am Muttermord zu beteiligen, beschädigt ihr Leben. Sie trägt wie die anderen die Last des Mordes an Agamemnon.

Chéreau hat jeder dieser drei Frauen ihre eigene Würde gelassen. Nicht nur Chrysothemis erscheint als Teilaspekt Elektras. In Klytämnestra ist Elektras künftiges Schicksal vorweggenommen, die zwar nicht mit einem Gatten-, so doch mit einem Muttermord auf dem Gewissen weiterleben muss.

Mit René Pape als Orest kehrt eine tiefe, geerdete Ruhe in der Oper ein. An den ausdrucksstarken Bassbariton kann sich Elektra sogar einen Moment lang herzergreifend anlehnen, und ohne Zweifel ist er der rechte Mann, um ihre Rachegelüste zu stillen. Als er nach vollbrachter Tat den Ort des schrecklichen Geschehens verlässt, dreht er sich nicht erleichtert nach seinen Schwestern um. Auch ihn hat der Rachegedanke einsam gemacht und sein Leben zerstört, der Mord hat keinem Heil gebracht.

Staatsoper Unter den Linden / Elektra - hier : Ensemble © Monika Rittershaus

Staatsoper Unter den Linden / Elektra – hier : Ensemble © Monika Rittershaus

Daniel Barenboims vorwärtstreibendes Dirigat drängt auf den Augenblick zu, in dem Elektra vor Orest ihrer Situation inne wird. Den einhundertelf Musikern der Staatskapelle Berlin fordert er eine Wahnsinnsgeschwindigkeit ab, die das Orchester bravourös bewältigt, ohne ungenau, klanglich unscharf zu werden. Die Solisten haben es nicht leicht, sich gegen den Klangrausch aus dem Orchestergraben zu behaupten, doch Waltraud Meier, Vida Mikneviciute  und René Pape gelingt das souverän.

Über der teilweise grausigen Schilderung der inneren und äußeren Geschehnisse, den knallenden Peitschenhieben und dem mörderischen Blutbad im Palast liegt eine eigenartige humanistische Milde. Sie ist dem einfühlsamen Verständnis für die Opfer des Verbrechens an Agamemnon und ihren nicht gelebten Leben geschuldet und lässt diese aufwühlende Oper gleichwohl als ungeheuer schön empfinden.

Der lang anhaltende Beifall des begeisterten Publikums, darunter auch die Kanzlerin Angela Merkel und Ehemann, galt allen an der Aufführung Beteiligten und steigerte sich für Vida Mikneviciute, Waltraud Meier und Daniel Barenboim zu Ovationen.

Elektra an der Staatsoper Unter den Linden, Berlin; besuchte Aufführung: 27.1.2019; die nächsten Termine: 3. und 24.2. 18.00 Uhr, 16.2.2019 17.30 Uhr

—| IOCO Kritik Staatsoper unter den Linden |—

Lyon, Opéra de Lyon, Premiere Aus einem Totenhaus – Leos Janacek, 21.01.2019

Dezember 21, 2018 by  
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Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon in Lyon © Stofleth

Opéra de Lyon

  Aus einem Totenhaus –  Leos Janácek

– Ohne Helden –

Premiere 21.01.2019 weitere Termine: 23., 25., 27., 29., 31.01., 02.02.2019

Als Bearbeitung von Dostojewskis Aufzeichnungen Aus einem Totenhaus (1862) stellt Leos Janaceks letzte Oper auch den Höhepunkt seiner Opernkunst dar. Der russophile, patriotische tschechische Komponisthat Dostojewskis Werk selbst übersetzt und dessen halbdokumentarischen Charakter auf der Bühne beibehalten. Sein Libretto kommt ohne Hauptfiguren undohne durchgehende Handlung aus. Die Protagonisten sind die Gefangenen eines sibirischen Straflagers und jeder Akt enthält Schilderungen des Gefängnisalltags sowie Geschichten, die mit einem der Häftlinge im Zusammenhang stehen: Skuratov hat einen Deutschen umgebracht, mit dem seine Liebste zwangsverlobt wurde; Siskov hat seine Frau ermordet, die sichin einen anderen Mann verliebt hat …

Spannungsgeladene Harmonien

Die Abfolge der verschiedenen Episoden, die die schrecklichen Schicksale im grauen Lageralltag erzählen, entspricht den Kompositionsprinzipien Janaceks. Er versuchte in seiner Musik, eine objektive Tonwahrheit umzusetzen, bevorzugte die freie Aneinanderreihung von Akkorden. Die Motive folgen aufeinander und werden ständig variiert. Sie sind stark von der gesprochenen Sprache beeinflusst, für deren Formen und Strukturen, Betonungen undIntonationen sich der mährische Komponistsein ganzes Leben lang interessierte.Seine knappe und für ihn typisch sparsame Orchestrierung wird hier mit erstaunlichenFarbwerten verstärkt, wobei er beiden einzelnen Instrumentengruppen zu extremen Klangkombinationen neigt. In der Opéra de Lyon wird der argentinische Dirigent Alejo Perez diese ungewöhnlich dichte Partitur zum Klingen bringen. Der ehemalige Assistent von Péter Eötvös, der das Ensemble intercontemporain geleitet und sein Debut in Frankreich 2005 in Lyon mit Pollicino von Hans Werner Henze gegeben hat, ist ein profunder Kenner des Repertoires des 20. Jahrhunderts.

Eine große Herausforderung für Warlikowski

Dieses markante Werk aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist heute von Patrice Chéreaus Regiearbeit geprägt. Bei den Wiener Festwochen 2007 brachte dieser unter der musikalischen Leitung von Pierre Boulez eine Inszenierung heraus,bei der ein ausgeprägter theatralischer Realismus mit dem großartigen Bühnenbild zusammen traf. Dieses wies über die unterschiedlichen Formen von Konzentrationslagern hinaus – von den zaristischen Kerkern Dostojewskis bis zu den sowjetischen Arbeitslagern der 1920er Jahre, die schließlich im Gulag enden sollten. Das Gefängnis selbst nahm vom Werk Besitz und wird neben den Sträflingen zur Protagonistin. Die Arbeit von Krzyzstof Warlikowski beruht auf denselben Grundlagen. Seine Nähe zum Theater ist offensichtlich. Die Sänger sind auch bei ihm Schauspieler, deren Darstellung ständig hinterfragt und perfektioniert wird. Seine Arbeit mit der Sopranistin Barbara Hannigan bei Lulu oder La Voix humaine liegt weit jenseits von dem, was Opernproduktionen gemeinhin an Dramatik an sich haben. Und schließlich verleiht seine Fähigkeit, widersprüchliche Raum-Zeit Begegnungen auf der Bühne herbeizuführen, seiner Arbeit eine Tiefe, die im schlechtesten Fall fasziniert, im besten Fall Tore zu einem neuen Verständnis aufstößt. Wie wird sich der Regisseur aus dem erdrückenden Erbe Chéreaus lösen, dem so viele anderegefolgt sind, und seinen persönlichen Zugang unter Beweis stellen?

Die Hölle und das Licht
Über die Produktion von Krzysztof Warlikowski

Ganz bewusst wollte Krzysztof Warlikowski während der Vorbereitungsphase dieser Inszenierung die Erzählung vonDostojewski nicht noch einmal lesen. In seinen Zwanzigern war das Werk des russischen Dichters, genau wie die Werke anderer großer europäischer Autoren, für ihn von essenzieller Bedeutung gewesen. Einige der Figuren aus Die Brüder Karamasow, Der Idiot und Schuld und Sühne sind tief in sein Gedächtnis eingeschrieben und bilden eine Gesamtheit faszinierenderCharaktere, anhand derer er die Welt zu begreifen lernte.Doch gerade diese Faszination für Dostojewski wollte er beidieser Arbeit außen vor lassen, um sich ganz auf die Adaption von Janácek konzentrieren und anhand des Librettos und der Partitur eine Welt erschaffen zu können, die nicht eigentlich „russisch“, sondern vielmehr universal ist. Seine Gefängniswelt ist so, wie wir sie in der Türkei, in Brasilien, in Mexiko oder China genau wie in unseren westlichen Demokratien vorfinden.Sie zeichnet sich durch eine Universalität des Leidens undeinen Willen aus, denjenigen, der sich schuldig gemacht hat, auf schlimmste Weise sühnen zu lassen, der auf allen Kontinenten dieser Welt gleichermaßen zu finden ist. Erniedrigung, Gewalt, Einsamkeit und Angst sind ständige Mitbewohner in jedem Gefängnis, von welchem politischen Regime es auch betrieben wird. Zweifellos mit gewissen, manchmal gewichtigen Nuancen. Doch immer haben wir es mit Männern und Frauen zu tun, denen man die Freiheit genommen hat. Im Französischen hat das Wort „peine“ nicht zufällig eine zweifache Bedeutung: Es steht für die Schmerzen einer Person, die leidet,und gleichzeitig für die Strafe, die ein Gefangener zu verbüßen hat. Eine Gefängnisstrafe ist also Leiden und Verurteilung gleichermaßen. Die Verurteilung zum Leiden.

Wer kann schon von sich behaupten, dass er niemals eine Nacht im Gefängnis verbringen wird? Wer kann von sich behaupten, dass er niemals eine Straftat begehen wird? Selbst die Formulierung eines Gedankens oder die Verteidigung einerArgumentation können unter bestimmten Umständen als Verstoß gegen Moral, Religion oder die sogenannte Sicherheit eines Staates angesehen werden. Demokratie, die Gleichbehandlungaller, die in ein und demselben Land leben, die sexuelle Freiheit, das Recht der Frau, allein und frei über ihren Körper zu bestimmen, die Unabhängigkeit und Freiheit der Kunst einzufordern, kann zu Verurteilung und Inhaftierung führen. Die Kontrolle über das menschliche Denken in verschiedenen mitteleuropäischen Staaten, um nur über Länder in der unmittelbaren Nachbarschaft zu sprechen, die Teil der Europäischen Union sind, nimmt teils schwer vorstellbare Formen an. Dasideologische Gefängnis geht dem tatsächlichen voraus. Ineinigen unserer so „bewundernswerten“ Demokratien kannschnell vor Gericht und im Wiederholungsfall auch im Gefängnis landen, wer es wagt, einem Geflüchteten Hilfe zuleisten, der alles zurückgelassen hat, der unter unvorstellbaren Umständen das Mittelmeer überquert hat und versucht, in ein Land zu gelangen, das die „Menschenrechte“ hochhält, um endlich auf ein Leben in Würde hoffen zu können. Nicht nur in Istanbul, Moskau oder Peking hat mancher schon teuer für die Meinungsfreiheit bezahlt. Der Aufstieg des Populismus undder identitären Bewegungen mehrt die Gefahren innerhalb unserer eigenen Grenzen. Die unglaubliche Serie The Handmaid’s Tale macht deutlich, dass das Schlimmste nicht weit entfernt ist, dass es nur wenig braucht, um eine Demokratie wie die Vereinigten Staaten in den Totalitarismus kippen zu lassen, dass es nur wenig braucht, damit das, was wir heute am meistenschätzen, uns morgen in den Kerker bringen kann.

In der denkwürdigen Oper von Janácek gibt es nicht wirklicheine Hauptfigur oder eine lineare Erzählung. Man lerntMenschen kennen, die alle eine schreckliche, gewalttätige Vergangenheit mit sich tragen. Nur Zeit und Ort bringen die Erzählungen und Erinnerungen zusammen. Die Ankunft von Gorjancikov führt uns in ein hochgesichertes Straflager. Erstellt sich als politischer Gefangener vor. Er hat sich keines anderen Verbrechens schuldig gemacht, so scheint es, als anders zu denken, frei zu denken. Anders als die von Dostojewski geschaffene Figur, an die er entfernt erinnert, hat er kein Blut anden Händen. Sein Aufenthalt in diesem Gefängnis verdankt erscheinbar nur seiner Neigung, die Dinge auf eine andere Weisezu sehen. Und so findet er sich in einer Welt wieder, auf die ihn nichts vorbereitet hat, in der sein Leben permanent bedroht ist, in der alles den jeweiligen Machtverhältnissen unterliegt. Doch genau dort erlebt er auch die Vielfältigkeit des menschlichen Seins, trifft er zweifellos zum ersten Mal in seinem Leben auf Männer, deren Biografien in nichts der seinen ähneln. Brutale und unbarmherzige Männer, verzweifelte und verlorene Männer, eine Gemeinschaft mit ihren eigenen Gesetzen, Gruppen und Hierarchien, die niemand in Frage stellt, dem sein Lebenlieb ist. An diesem abgeschlossenen Ort erlebt er aber auch einige seiner schönsten Begegnungen, der Art, die unseren Blick auf die, die wir gestern noch für die schlimmsten Mistkerle hielten, für immer verändert. Schmerz durchdringt diese Welt. Hinter all diesen Erlebnissen, all diesen Geschichten, all diesen Erinnerungen ist ein Schmerz, der nie überwunden werdenkann. Nicht nur der Schmerz des Eingesperrtseins, sondern ein ganz existenzieller, tieferer Schmerz, der ein Schicksal, häufig schon in der Jugend, prägt. Es gibt aber auch die Geister der Frauen in dieser männlichen Welt. Angebetete, Betrogene, Betrügerinnen, Mütter. Der Intellektuelle Gorjancikov entdeckt,welches Gold im Schlamm zu finden ist, um das Bild von Jean Genet aufzunehmen. Das glänzendste Gold, das aber immer bedroht ist vom nächsten Stiefel, von der nächsten Faust oder dem nächsten Messer. In jeder der Figuren ist dieses Gold zu finden. Ob Mörder oder Dieb. Selbst der, den wir für den miesesten Schuft halten, trägt dieses Licht in sich.

Christian Longchamp Dramaturg


Biographien


Alejo Pérez  –  Musikalische Leitung

Der gebürtige Argentinier Alejo Pérez studierte Klavier, Komposition und Orchesterleitung in Buenos Aires. Als Assistentvon Peter Eötvös gab er sein Debüt mit der Uraufführung dessen Opern Angels in America und Lady Sarashina. Er assistierte Christoph von Dohnányi beim NDR-Rundfunkorchester. Er arbeitete mit dem London Philharmonic Orchestra, dem Orchestrede la Suisse Romande, dem SWR Symphonieorchester,dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin, dem EnsembleModern, dem Ensemble InterContemporain, dem KlangforumWien und anderen.Von 2009 bis 2012 war er musikalischer Leiter des Teatro Argentino de La Plata (Nabucco, Verdi; Tristan und Isolde und Rheingold, Wagner). Ab 2010 dirigierte er am Teatro Real de Madrid und arbeitete dort mit dem Symphonieorchester zusammen (Konzerte mit Plácido Domingo, Teresa Berganza und Ian Bostridge; Der Tod in Venedig, Britten; Die Eroberung vonMexico, Rihm). An der Opéra de Lyon dirigierte er Pelleas undMelisande (Debussy), Die Gezeichneten (Schreker) und Ger-MANIA (Raskatow).Er trat bei den Salzburger Festspielen auf, (Faust, Gounod), am Teatro Colón de Buenos Aires (Parsifal, Wagner und Der Rosenkavalier, R. Strauss), in der Semperoper in Dresden(Carmen, Bizet), der Lyrischen Oper in Chicago (Eugen Onegin,Tschaikowski) und arbeitete mit dem Teatro dell’Opera diRoma. 2017/2018 trat er an der Vlaamse Oper auf (Pelleas und Melisande,Debussy), an der Oper Stuttgart (Medea, Cherubini), mit der Tokyo Nikikai Opera Foundation (Der Freischütz, Weber)usw. In dieser Spielzeit dirigiert er Lohengrin (Wagner) an der Vlaamse Oper, er tritt erneut an den Opern in Stuttgart (DieLiebe zu den drei Orangen, Prokofjew), Rom (Der feurige Engel,Prokofjew) und Buenos Aires auf (Ariadne auf Naxos, R.Strauss) und dirigiert das Orchestre Philharmonique de Radio France sowie das Symphonieorchester der Präfektur Tokio.

Krzysztof Warlikowski  –  Regie

Krzysztof Warlikowski gehört zu den Erneuerern der europäischenTheatersprache. Mit seinen Shakespeare-Inszenierungen,basierend auf der Lesart von Jan Kott, hat er deren Interpretation auf spektakuläre Weise verändert. Zu seinen bemerkenswertesten Umsetzungen gehören Aniocy / Angels in America (Kushner), Madame de Sade (Mishima), Krum (Levin)und Koniec / Das Ende (nach Kafka, Koltès und Coetzee),Un Tramway (mit Isabelle Huppert) und Afrikanische Erzählungennach Shakespeare. Warlikowski schmiedet ein neuesBündnis mit dem Zuschauer, indem er das Publikum in einenoriginellen Prozess der Sinn- und Sinnessuche einbindet, vorallem mit Verweisen auf die Welt des Kinos oder einer sehr originellenVerwendung der Videotechnik wie beispielsweise beider Inszenierung (A)pollonia, die 2009 in Brüssel präsentiertwurde und bei der die Oper La Monnaie als einer der Koproduzentenfungierte.Warlikowski beschäftigt sich seit seinem Debüt im Jahr 2006an der Opéra de Paris mit Iphigenie auf Tauris (Gluck) intensivmit dem Genre Oper und hat es geschafft, seine theatralen Erkenntnisseauf diesen Bereich zu übertragen. An der Oper LaMonnaie inszenierte er Medea (Cherubini), Macbeth (Verdi),eine Inszenierung, die von der Fachzeitschrift Opernwelt zur„Besten Produktion des Jahres 2009/10“ gekürt wurde, Lulu(Berg) und Don Giovanni (Mozart). In Paris präsentierte erinsbesondere Die Sache Makropulos (Janá?ek), Parsifal (Wagner),Król Roger (Szymanowski), Die menschliche Stimme /Herzog Blaubarts Burg (Bartók, Poulenc) sowie Don Carlos(Verdi). Er inszenierte außerdem mehrere Produktionen derBayerischen Staatsoper München: Eugen Onegin (Tschaikowski),Die Gezeichneten (Schreker) und, anlässlich des 50. Jahrestagesder Wiedereröffnung des Hauses, Die Frau ohne Schatten(Strauss). Er präsentierte The Rake’s Progress (Strawinsky) ander Staatsoper Berlin, Poppea e Nerone (Monteverdi / Boesmans)und Alceste (Gluck) am Teatro Real de Madrid, Pelleasund Melisande (Debussy) bei der Ruhrtriennale und im letzten Sommer The Bassarids (Henze) bei den Salzburger Festspielen.Im späteren Verlauf der Spielzeit wird er in Paris eine Produktion von Lady Macbeth von Mzensk (Schostakowitsch) inszenieren, dann in Stuttgart Iphigenie auf Tauris und schließlich in München Salome (Strauss). Krzysztof Warlikowski leitet das Nowy Teatr in Warschau, ein interdisziplinäres Kulturzentrum, dessen Gründer er ist.

Die Hölle und das Licht oder die Universalität des Leidens nach Krzysztof Warlikowski

Neuinszenierung in der Opéra de Lyon: Leos Janácek/ Aus einem Totenhaus  21.01.2019 weitere Termine: 23., 25., 27., 29., 31.01., 02.02.19)
(Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden und dem De Munt/ La Monnaie)

Musikalische Leitung: Alejo Pérez, Regie: Krzysztof Warlikowski, Bühnenbild und Kostüme: Malgorzata Szczesniak, Licht: Felice Ross, Choreographie: Claude Bardouil
Video: Denis Guéguin, Dramaturgie: Christian Longchamp

Mit:  Alexandre Petrovitch Gorjantchikov: Sir Willard White, Aljeja, ein junger Tatar: Pascal Charbonneau, Filka Morozov, Gefangener, unter dem Namen Luka Kuzmic: Stefan Margita, Der große Sträfling: Nicky Spence, Der Kommandant: Alexander Vassiliev, Der ganz alte Sträfling: Graham Clark, Skouratov: Ladislav Elgr Cekunov: Ivan Ludlow, Der betrunkene Sträfling: Jeffrey Lloyd-Roberts, Ein Sträfling (in der Rolle des Don Juan und des Priesters): Ales Jenis, Der junge Sträfling : Grégoire Mour, Eine Dirne: Natascha Petrinsky, Kedril : John Graham-Hall, Sapkin: Dmitry Golovnin, Siskov und der Pope: Karoly Szemeredy, Cerevine : Alexandr Gelah

Orchester und Chöre der Opéra de Lyon

Aus einem Totenhaus  –  Leoš Janácek

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