Minden, Stadttheater Minden, Der Ring des Nibelungen – Richard Wagner, IOCO Aktuell, 14.08.2019

Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

Stadttheater Minden © Stadttheater Minden

 Der Ring des Nibelungen –  2019Stadttheater Minden

Zyklus I – 12. September 2019  Rheingold,  15. September – Walküre, 19. September  – Siegfried, 22. September 2019 –  Götterdämmerung.
Zyklus II  – 26.9;  29.9.; 3.10; 10. Oktober 2019

Mit den Premieren von Das Rheingold am 9. September 2015, Die Walküre am 9. September 2016, Siegfried am 8. September 2017, Götterdämmerung am 6. September 2018 hat der Richard-Wagner-Verband-Minden in einer Gemeinschafts-produktion mit dem Stadttheater Minden und der Nordwestdeutschen Philharmonie das Opus Magnum des Musiktheaters schlechthin, Richard Wagners Operntetralogie Der Ring des Nibelungen in einer mustergültigen und viel beachteten Inszenierung auf die Bühne gebracht.

„Das Wunder von Minden“ –   IOCO  Buchbesprechung
über den Ring des Nibelungen am Stadttheater Minden

2019 wird der Ring in Minden zum Abschluss der fünfjährigen Produktion noch einmal in zwei vollständigen Zyklen aufgeführt. Die insgesamt acht Vorstellungen werden vom 12. September bis zum 6. Oktober 2019 jeweils donnerstags und sonntags im Stadttheater Minden zu erleben sein.

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen - Das Rheingold - hier : die Rheintoechter © Dorothee Rapp

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen – Das Rheingold – hier : die Rheintoechter © Dorothee Rapp

Das künstlerische Leitungsteam mit Dirigent Frank Beermann, Regisseur Gerd Heinz, Bühnen- und Kostümbildner Frank Philipp Schlößmann und dem Videokünstler Matthias Lippert wird in dieser vollständigen Aufführungsreihe noch einmal die künstlerische Quintessenz der Arbeit der vergangenen Jahre ziehen und den großen Bogen, den Richard Wagners Nibelungensaga vom Rheingold bis zur Götterdämmerung schlägt, in direkter Abfolge erfahrbar machen.

Das in den vergangenen Jahren zusammengewachsene und inzwischen bestens eingespielte Ensemble aus vielversprechenden Talenten und international gefeierten Solisten wird die Vorzüge des „Mindener Modells“ dabei noch einmal voll zur Geltung bringen: Die Sänger agieren vor dem Orchester und erreichen nicht nur eine deutlich verbesserte Klangbalance, sondern auch eine so große Textverständlichkeit, dass dieses Modell in den vergangenen Jahren auch von anderen Festivals und Opernhäusern übernommen wurde.

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen - Die Walkuere © Friedrich Luchterhandt

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen – Die Walküre © Friedrich Luchterhandt

Die bisherigen Mindener Opernproduktionen (Der fliegende Holländer 2002, Tannhäuser 2005, Lohengrin 2009, Tristan und Isolde 2012, Das Rheingold 2015, Die Walküre 2016, Siegfried 2017, Götterdämmerung 2018) haben sich dabei zu einer wahren Talentschmiede entwickelt und sind für Sänger wie Andreas Schager, Andreas Hörl, Dara Hobbs, Thomas Mohr oder Anne Schwanwilms ein wichtiger Schritt zu einer großen internationalen Karriere gewesen. Sie werden von der Nordwestdeutschen Philharmonie begleitet und unterstützt, die sich bei den bisherigen Mindener Produktionen einen Ruf als Spitzenorchester erworben hat.

Auch die noch junge Generation zukünftiger Opernfans aus Minden und Umgebung wird Teil des Projektes sein: Die Generalproben vom 2. bis 9. September 2019 sind gleichzeitig als Schulaufführungen (mit Werkerläuterungen vor jedem Aufzug) konzipiert und werden von Schülern besucht, die aus den Schulen des gesamten Kreises und auch der weiter umliegenden Region kommen. Sie werden schon seit geraumer Zeit in themenbezogenen Workshops auf den Ring vorbereitet. Zusätzlich werden Schüler als Komparsen in die Produktion eingebunden sein.

Für auswärtige Besucher wird darüber hinaus ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Einführungsvorträgen, weiteren kulturellen Veranstaltungen und touristischen Angeboten bereitgehalten.

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen - hier : Die Goetterdaemmerung © Christian Becker

Stadttheater Minden / Der Ring des Nibelungen – hier : Die Goetterdaemmerung © Christian Becker

Der Erfolg der bisherigen acht Produktionen 2002 bis 2018 war beim Publikum und in den Medien gleicher- maßen überwältigend. Es berichteten u. a. www.ioco.de, IOCO – Kultur im Netz, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Die Welt“, „Der Spiegel“, NDR, WDR, SWR, Deutschlandfunk. Die Ring-Produktion wird darüber hinaus auch unter der Internet-Adresse www.ring-in- minden.de umfassend erläutert und dokumentiert.

—| Pressemeldung Stadttheater Minden |—

Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2019, Lohengrin – Richard Wagner, IOCO Kritik, 09.08.2019

August 9, 2019 by  
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Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

 Lohengrin – Richard Wagner

– Aufregende Besetzungs-Scharade –

von Ingrid Freiberg

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Lohengrin ist die wohl schönste (und nach Wagners eigenen Worten „allertraurigste“) Oper des Meisters. Während seiner Beschäftigung mit Tannhäuser fand Richard Wagner zum mittelalterlichen Stoff in Wolfram von Eschenbachs mittelhochdeutschem Versepos Parzival und erkannte in dem strahlenden Ritter sich selbst als einen von Gott gesandten und von der öden Welt missverstandenen Künstler. So lässt sich Lohengrin auch als Seelen- und Künstlerdrama begreifen. Das Frageverbot Lohengrins kommt geradezu dem göttlichen Verbot des Genusses der Früchte vom Baum der Erkenntnis im Alten Testament gleich. Indem Elsa das Verbot bricht, landet Wagner einmal mehr bei der Ur-Schuld des Weibes. Elsas Gegenspielerin Ortrud ergeht es durch Wagners Behandlung auch nicht besser: Mit ihrer Zerstörung verweigert Richard Wagner, ein reaktionärer Anhänger der „Revolution von oben“,  den Frauen jegliches Recht auf Einmischung in Politik und Kunst.

Bayreuth 2018 – Lohengrin – Interview mit Regisseur Yuval Sharon
youtube Trailer der Bayreuther Festspiele 2018
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Die Uraufführung des Lohengrin, 1850 in Weimar, wurde von Wagners späteren Schwiegervater Franz Liszt geleitet. In Weimar konnte der Komponist nicht beiwohnen, da er wegen Mitbeteiligung an den revolutionären Aufständen steckbrieflich gesucht wurde und sich ins Schweizer Exil begeben hatte. Erst 1861 erlebte er erstmals eine (unbefriedigende) Aufführung des Lohengrin in Wien.

Erlösung – durch Lohengrin, den Sohn des Parzival

Eine in Bedrängnis geratene Thronerbin, eine verleumderische Gegenspielerin, ihr willfähriger Gemahl und ein König aus alter deutscher Zeit – das sind die Beteiligten an einem Konflikt, der nicht nach Lösung, sondern nach Erlösung verlangt. Diese soll der Schwanenritter Lohengrin, der Sohn Parzivals, bewirken, ausgesandt vom heiligen Gral, um der des Brudermordes angeklagten Elsa von Brabant in einem Gottesgericht beizustehen. Die Bedingung dafür ist Vertrauen. „Nie sollst du mich befragen“, fordert Lohengrin von seiner Schutzbefohlenen.

Schon das Vorspiel zum ersten Akt offenbart das kompositions- und orchestrierungstechnische Genie Wagners.Wir haben hier in der Tat ein gewaltiges, langsames crescendo, welches, auf dem höchsten Grade der Klangfülle angelangt, im umgekehrten Sinne sich zu einem Ausgangspunkte zurückwendet und in einem fast unhörbaren Säuseln endigt… für mich ist es ein Meisterwerk.“ (Hector Berlioz) Obwohl das Drama ganz vom Text her erschlossen und musikalisch durchgestaltet ist, lassen sich in der durchkomponierten Großform eingebettete „Nummern“ erkennen, wie Elsas Traumerzählung „Einsam in trüben Tagen“, Elsas Szene „Euch Lüften, die mein Klagen“ und das anschließende Duett mit Ortrud, das in der unübertrefflich schönen Phrase endet „Es gibt ein Glück, das ohne Reu‘ “, der Brautchor im dritten Akt, die Liebesszene im Brautgemach „Wir sind allein“ und Lohengrins Gralserzählung „In fernem Land“.

Elsa – emanzipiert von männlichen Dogmen und Ritualen

Für das Regiekonzept von Yuval Sharon sind vor allem die starken Frauenfiguren, Elsa und Ortrud, prägend und wie diese sich von blindem Gehorsam emanzipieren können. Er versucht darzulegen, wie verführbar Menschen durch Religion und Spiritualität sind, inwieweit leben sie sie oder lassen sie sich durch spirituelle Führer verführen? Verkörpert am Ende eine neue Generation in Gestalt von Elsas Bruder Gottfried die Hoffnung auf eine bessere Welt?

Dieser Konflikt zeigt sich schon in der ersten Szene mit König Heinrich. Der erste Satz des Chors ist „Wir geben Fried und Folge dem Gebot“. Ein Scheingericht gegen Elsa schließt sich an. Im 1. Aufzug erscheint Lohengrin noch zweifelsfrei positiv und rettet sie. Je länger Lohengrin in dieser Welt bleibt, desto korrumpierbarer und schmutziger wird er –  bis Elsa das am Ende nicht mehr aushalten kann und das Frageverbot missachtet. Das ist laut Yuval Sharon eine mutige tapfere Tat – ein Aufbegehren, nicht zerstörerische Neugier… Der durch Neo Rauch und Rosa Loy stark vorgegebene Rahmen führt allerdings zu einer etwas statuarischen Inszenierung, liefert eine Traumatmosphäre, das Unterbewusstsein zeigt skurrile Bilder…

 Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin - hier : Klaus Florian Vogt als Lohengrin, das Bühnenbild ganz in Delfter Blau gehüllt © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin – hier : Klaus Florian Vogt als Lohengrin, das Bühnenbild ganz in Delfter Blau gehüllt © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Versinken in ein Gemälde

Obwohl Neo Rauch, ein international erfolgreicher deutscher Maler und der bedeutendste Vertreter der sogenannten Neuen Leipziger Schule, zusammen mit Rosa Loy, die sich mit dem Mysterium der Frau, der neuen Weiblichkeit und der neuen Romantik beschäftigt, noch nie ein Bühnenbild bzw. Kostüme für ein Theater kreiert haben, tragen beide diese Produktion entscheidend mit. Für Bühnenbild und Kostüme des männlichen Personals zeichnet Neo Rauch verantwortlich, Rosa Loy für die Kostüme der Frauen. Das Bühnenbild birgt Assoziationen an die flämische Malerei des 17. Jahrhunderts. Das Delfter Blau der Dekorationen hat Rosa Loy und Neo Rauch dazu inspiriert, für die Kostüme altniederländische Hauben und Krägen nach dem flämischen Maler Anthonis van Dyck zu kreieren… und romantisch blaue Wolkenformationen und Landschaftsszenerien zu malen. Mitten auf der Bühne steht – surreal – ein verlassenes Umspannwerk. Viele Figuren haben Flügel. Im Hintergrund ragen schemenhaft Felsen auf, es gibt Blitze, es geht um Licht und Dunkel. Wasser spielt eine Rolle, Sumpf, Schilf… Das Versinken in das Gemälde lässt der Musik Wagners nachhaltigen Raum. Ein wohltuendes Erlebnis in der oft mit Videos überfrachteten Theaterszene.

Aufregende Besetzungs-Scharade

Die Wiederaufnahme des Bayreuther Lohengrin 2019 wartet mit einem Novum auf: Lohengrin und Elsa sind in dieser Saison doppelt besetzt. Christian Thielemann, Musikdirektor der Bayreuther Festspiele, sieht dies als positiven Wettbewerb. Letztes Jahr gab es große Anerkennung für Piotr Beczala, der für Roberto Alagna eingesprungen war. 2019 singt er wieder, aber nicht alle Vorstellungen. Klaus Florian Vogt, der in Bayreuth „die Institution Lohengrin“ schlechthin ist, teilt sich mit ihm die Auftritte. Das hat durchaus Reizvolles. Die Partie der Elsa sollte ursprünglich Krassimira Stoyanova singen, die erkrankte; für sie wurde Camilla Nylund gefunden. Für zwei Vorstellungen war Anna Netrebko verpflichtet, die jedoch kurzfristig absagte… Die Scharade geht noch weiter: Annette Dasch wird nun in zwei Aufführungen die Elsa singen und Thomas J. Mayer ersetzt den erkrankten Tomasz Konieczny als Telramund. Und damit der Aufregung nicht genug, Elena Zhidkova ersetzt Elena Pankratova als Ortrud. Christian Thielemann sprach zu Beginn der Festspiele von einer „Super-Werkstatt Lohengrin, das hat sich nun in aufregender wie überraschender Hinsicht bewahrheitet!

Trotz aller Widrigkeiten lässt sich über die Aufführung am 3. August 2019 fast ausnahmslos in den höchsten Tönen schwelgen, Sängerensemble, Orchester und Chor musizieren auf beeindruckendem Niveau und verbinden sich zu einer homogenen Gesamtleistung wie man sie nicht oft erleben darf. Trotz der Umbesetzungen ist dieser Abend ein Fest!

Georg Zeppenfeld, derzeit nicht nur als wortprägnanter König Heinrich in der vordersten Liga, veredelte mit balsamischem sonoren Wohllaut seines Luxus-Basses die Königsfigur und beglückte mit exzellenter Klarheit und perfekter Rollenidentifikation.

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin - hier : Camilla Nylund als Elsa von Brabant, Ensemble © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin – hier : Camilla Nylund als Elsa von Brabant, Ensemble © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Der Tenor von Klaus Florian Vogt ist voluminöser geworden, mit durchaus sensiblen Seiten, schwankend zwischen Machismo-Ansprüchen an das männliche Geschlecht und einem Hauch von Selbstzweifeln, eine stimmlich und darstellerisch hervorragend gelungene Durchdringung des eben nicht nur edlen Charakters des Titelhelden. Er ist ohne Zweifel die Personifizierung des Lohengrin schlechthin. Seine Leistung kulminiert in einer fantastisch klar intonierten Gralserzählung gegen Ende des dritten Aufzugs. Seine Stimme klingt viril und kann durchaus autoritär das Frageverbot verkünden oder sich als Führer der Brabanter ausrufen. Man hört die „heldischen“ Passagen selten so klangschön. Seine Stimme und seine Ausstrahlung vereinigen alle Parameter zur idealen Gestaltung des Gralsritters. Sein tragfähiger, klarer Tenor, seine perfekte Diktion, das hell-silberne Timbre, seine Phrasierungskunst wie auch die Fähigkeit zu heldisch-dramatischen Ausbrüchen beglücken. In seiner Darstellung des Schwanenritters spannt er den Bogen vom unnahbaren Gottwesen bis zum einsamen, Liebe und Anerkennung suchenden Mannes, der als missbrauchte Reflektionsfigur an den unabänderlichen Verhältnissen scheitert. Vogts „In fernem Land, unnahbar euren Schritten“ ist ein glanzvoller Höhepunkt des Abends.

Sechs gestandene Wagner-Sänger*innen teilen sich im Lohengrin die Hauptrollen. Neu im Ensemble und erst kurz vor der Wiederaufnahme eingesprungen ist Camilla Nylund als Elsa. In der Traumerzählung überzeugt sie mit berührend zarten Farben. Sie singt die Partie mit berückend schönem, ganz leicht eingedunkeltem Timbre. Strahlend und licht schwingt sich ihre wunderbar sicher geführte Sopranstimme auf, brilliert im Duett mit Ortrud und in der Brautgemachszene mit Lohengrin mit berührender Intensität, einer Intensität, die sie auch in der Darstellung erreicht.

Ortrud – Elena Zhidkova ist ein Glücksgriff

Vor Vorstellungsbeginn wird mitgeteilt, dass Elena Zhidkova – nach kurzer Einweisung – die Rolle der Ortrud übernimmt und nicht, wie zuvor angekündigt .Elena Pankratova. Elena Zhidkova ist  ein absoluter „Glücksgriff“! Mit großer stimmlicher Attacke porträtiert sie Ortrud als intrigante, machtgeile, giftige Gegenspielerin von Elsa von Brabant. Sie ist die dunkle Zauberin, die Kämpferin gegen das von Lohengrin verkörperte Patriarchat und verleiht dieser Figur eine ungemein packende Größe und Kraft. Überwältigend, mit punktgenau geführter Stimme und wohl dosierten dramatischen Ausbrüchen schleimt sie sich bei Elsa ein, um deren Psyche mit ihrem Gift durchtränken zu können. Dabei gestaltet sie ihre Einsätze zu regelrechten Feuerwerken mit eingebauten Vulkan-Ausbrüchen.

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin - hier : Klaus Florian Vogt als Lihengrin und Camilla Nylund als Elsa von Brabant © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Lohengrin – hier : Klaus Florian Vogt als Lihengrin und Camilla Nylund als Elsa von Brabant © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Egils Silins singt an diesem Abend Heerrufer und Telramund

Mit „Seht da, den Herzog von Brabant!“ ruft Egils Silins, ein markant respekteinflößender Heerrufer des Königs, klangvoll und nobel zur Versammlung der Ritter auf. Ausdrucksvoll, mit kernig-kräftigem Bariton, zuweilen auch mit ungewöhnlich hintergründigen Tönen, verleiht er der Figur mehr Charakter als üblich. Er wird zum „Hasardeur“, als er im 2. Aufzug eine zusätzliche Aufgabe übernimmt und den inzwischen gänzlich indisponierten Tomasz Konieczny covert. Bereits mit seiner ersten Arie „Dank, König, dir, dass du zu richten kamst…“ lässt dieser wunderbar dramatische Bassbariton erkennen, dass er Probleme mit seiner Stimme hat. Egils Silins übernimmt die Rolle des Friedrich von Telramund. Den gelungenen Wechsel unterstützt auch das märchenhafte Bühnenbild: Kaum sichtbar und vollkommen überzeugend kann Silins, der immer mehr Tiefe bekommt und dabei durch sein völlig akzentfreies Deutsch besticht, übernehmen. Er ist ein geifernder Bösewicht wie aus dem Bilderbuch… und fängt das Malheur mit Bravour auf.

Der Chor der Bayreuther Festspiele (134 Personen!) überzeugt einmal mehr unter seinem langjährigen Leiter Eberhard Friedrich ohne jeden Abstrich, wird auch an diesem Abend stimmlich wie darstellerisch jeder Herausforderung gerecht und ist eine der tragenden Säulen der Aufführung…

Vollkommener Wagner-Klang

Silbrig-ätherische Klänge kann er ebenso zaubern wie atemberaubende Steigerungen: Christian Thielemann kennt – und kann seinen Wagner. Das zeigt sich gleich im Lohengrin-Vorspiel mit seiner mystischen Grals-Atmosphäre. Wie kein Zweiter beherrscht Thielemann die Finessen und Tücken der Bayreuther Akustik. Zwischen Debussy-hafter Zartheit und staatstragendem Pomp bietet sein Lohengrin perfekten Wagner-Klang. Das bestens vorbereitete Festspielorchester ist auf seinen Musikdirektor eingeschworen, bietet ihm lyrische Streichergesänge, warmes Holz und rundes, strahlkräftiges Blech. Wann hätte man die Bühnenmusik bei Wagner je so perfekt erlebt wie hier? Die ätherische A-Dur Sphäre des Vorspiels lässt er in blau-silberner Schönheit leuchten, in fein abgestuften Schattierungen von zarten piani – wie hingetupft – bis zum überschwänglichen Höhepunkt des Gralsthemas. Mit welch souverän unverkrampfter Lust sich Thielemann in das Wagner-Abenteuer begibt, ist eine Freude.

Minutenlanger, einhelliger Applaus mit dem in Bayreuth üblichen euphorischen „Getrampel“ zeigen, dass auch kulinarische Inszenierungen ihren Platz in den Herzen der Wagnerianer finden können.

—| IOCO Kritik Bayreuther Festspiele |—

Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2019, Die Meistersinger von Nürnberg – Richard Wagner, IOCO Kritik, 07.08.2019

August 7, 2019 by  
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Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

 DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG  –  Richard Wagner

– Das Leben als Kunstwerk –

von Uschi Reifenberg

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Seit ihrer Premiere im Jahr 2017 hat der Regisseur Barrie Kosky seine Meistersinger Inszenierung im Sinne des einzigartigen Bayreuther Werkstattgedanken zu den diesjährigen 108. Wagner Festspielen in exzellenter Weise weiterentwickelt, vertieft und perfektioniert. Sowohl die die ideale Sängerbesetzung als auch die ausgefeilte Regie mit ihrer überbordenden Komik, den zündenden Ideen und überraschenden Wendungen, stoßen in ihrer Ausgewogenheit auf einhelligen Jubel beim Festspielpublikum, und lassen die Meistersinger ganz oben auf der Beliebtheitsskala rangieren.

Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper Berlin und für seine Inszenierungen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, nimmt in der Riege der Bayreuther Meistersinger Regisseure eine Ausnahmestellung ein. Seit der Bayreuther Erstaufführung der Oper im Jahr 1888 lag deren Umsetzung auf der Bühne ausschließlich in den Händen der Familie Wagner, zuletzt inszenierte die Festspielleiterin Katharina Wagner 2007 das Werk ihres Urgroßvaters. Barrie Kosky, gebürtiger Australier mit jüdischen Wurzeln, war nun berufen, sich als erster „Außenstehender“ mit diesem ambivalenten und ideologisch „belasteten“ Stoff auseinanderzusetzen.  Dieses ist ihm bekanntlich in höchstem Maße gelungen.

Bayreuth 2018 – Die Meistersinger von Nürnberg – Richard Wagner
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Der Regisseur zeigt in seiner vielschichtigen, herrlich komischen, ironischen aber auch  tiefgründigen Deutung die untrennbare Einheit von Leben, Werk und Wirkungsgeschichte Richard Wagners, seine exzessive Selbstinszenierung und -stilisierung, und die teilweise grotesken Spielarten von Wagners hemmungslosem Narzissmus. Wagner ästhetisierte sein Leben in fortdauernder Theatralisierung und Selbsbespiegelung, umgekehrt wurden seine Werke auf allen Ebenen von seinen realen Erfahrungen, Kunstanschauungen und politischen Reflexionen gespeist und durchdrungen.

In den Meistersingern befragt Wagner seine Kunstästhetik und sich selbst, Anteile seiner Persönlichkeit finden sich in den männlichen Protagonisten Sachs und Walther, bei Kosky auch  im Lehrbuben David wieder. Die Figuren mutieren zu Projektionen sowie zu verschiedenen Ausprägungen von Wagners alter ego. Immer wieder identifiziert sich Wagner mit Sachs, unterschreibt als dieser in Briefen, oder bezeichnet Cosima, die er zwei Jahre nach der Uraufführung 1868  heiratet, als  Eva, der weiblichen Hauptrolle in seiner Oper. In Wagner, dem Revolutionär der 1848-er Jahre spiegelt sich Walther von Stolzing, der für Fortschritt und Aufbruch steht. In Hans Sachs findet sich Wagner als künstlerischer Idealtypus der reiferen 1870-er Jahre, Vermittler der Tradition, Vorbild in einer bürgerlichen Gemeinschaft und weiser Überwinder des Wahns nach der persönlichen Tristan Tragödie in seiner Beziehung zu Mathilde Wesendonk.

Bayreuther Festspiele 2019 / Die Meistersinger von Nürnberg - hier :  vl knieend Sixtus Beckmesser, Hans Sachs, Veit Pogner, Ensemble © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Die Meistersinger von Nürnberg – hier : vl knieend Sixtus Beckmesser, Hans Sachs, Veit Pogner, Ensemble © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Im Zentrum steht darüberhinaus Nürnberg als ambivalenter Topos deutscher Geschichte und idealisierter Sehnsuchtsort der Romantik. Die Heimatstadt von Albrecht Dürer und Hans Sachs war in der Renaissance eines der bedeutendsten Zentren des Humanismus, der Reformation und der Kunst. Für Wagner sollte dieses idealisierte Nürnberg, „in Deutschlands Mitten“ gelegen und Symbol früherer Macht- und Kunstentfaltung des deutschen Reiches, zu neuer Blüte der Künste auferstehen angesichts einer als verhängnisvoll erlebten Gegenwart. Der zunächst gescheiterte Traum vom deutschen Nationalstaat, vollendete sich mit der Reichsgründung 1871 und sollte sich als Kulturnation definieren („Zerging in Dunst das heil’ge röm’sche Reich, uns bliebe gleich die heil’ge deutsche Kunst“).Die Frage nach einer deutschen Identität beschäftigte Wagner intensiv und schlug sich in zahlreichen Schriften nieder. In seinem Essay „Was ist deutsch“ von 1865 setzte er sich mit Inhalten der deutschen Kunst und Politik auseinander, dessen Thesen direkt in die Meistersinger einflossen. Nürnberg formierte sich für Wagner zum idealen Ort einer deutschen Kulturstätte. Für die Nationalsozialisten lag es auf der Hand, an die alte Nürnberger „Reichsherrlichkeit“ anzuknüpfen und sie installierten dort ihre Reichsparteitage. In der Folge ließen die Alliierten 1945-49 in Nürnberg die Prozesse gegen die Hauptkriegsverbrecher stattfinden.

Auch darauf nimmt Kosky im 2. und 3. Akt seiner Inszenierung Bezug:  Schon zu Beginn der Ouvertüre  (ver)führt der Regisseur das Publikum mitten hinein in eine fiktive Szene der Familie Wagner im Haus Wahnfried, wie sie sich möglicherweise zugetragen haben könnte. Dabei verfährt Kosky zwar historisch frei, aber trifft dennoch exakt den Kern und zeigt ein Genrebild, das vor Witz, Pointen, Einfällen und Sachkenntnis nur so strotzt.

Wir schreiben das Jahr 1875, im Saal des Hauses Wahnfried herrscht hektische Betriebsamkeit:  Richard Wagner ist außer Haus, die Hunde Gassi zu führen, seine Gattin Cosima liegt mit einem Migräneanfall im Bett, findet sich aber später doch noch ein. Es wird Hermann Levi erwartet, seines Zeichens GMD in München, jüdischer Abstammung und Uraufführungsdirigent des Parsifal. Ebenso Franz Liszt, Vater, Schwiegervater, und Klavierlegende. Alle Figuren bevölkern nach und nach den Saal, die Bühnenbildnerin Rebecca Ringst hat den Wohnraum Wagners kongenial nachgebildet. Urkomisch ist es, wie Maestro Richard Wagner, stets im Zentrum des Geschehens, alle nach seiner Pfeife tanzen lässt. Wagners ausufernde Eitelkeit wird- bei aller Ironie -dennoch liebevoll vorgeführt, wenn er etwa Franz Liszt seine neusten Duftcreationen unter die Nase reibt, Cosima ihr Lenbach Porträt offeriert, oder sich kindlich über ein neues Paar Schuhe freut.

Bayreuther Festspiele 2019 / Die Meistersinger von Nürnberg - hier :  Ensemble, Chor © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Die Meistersinger von Nürnberg – hier : Ensemble, Chor © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Jetzt beginnt ein Spiel im Spiel, Die Meistersinger von Nürnberg, Wagners neue komische Oper kann sogleich von der Familie aufgeführt werden. Kosky nimmt hier Bezug auf Wagners legendäre  Rezitationsvorstellungen, bei denen er alle Rollen seiner neu komponierten Musikdramen selbst rezitierte und vor Publikum aufführte.

Die Rollen sind klar verteilt: Wagners multiple Persönlichkkeit spaltet sich auf in den Schusterpoeten Hans Sachs, den jungen Ritter Walther von Stolzing und den Lehrbuben David, Cosima wird zu Eva, Franz Liszt zu Pogner, das Dienstmädchen zu Magdalena, Hermann Levi wird widerwillig in die Rolle des Stadtschreibers Sixtus Beckmesser gedrängt, gedemütigt und als jüdischer Außenseiter im Laufe der Oper immer weiter stigmatisiert.

Das Wohnzimmer wird zur Kirche, der Choral angestimmt und Levi/Beckmesser zu den christlichen Ritualen genötigt. Da entsteigen dem Konzertflügel weitere kleine Wagner- Doubles, alle identisch gewandet in Gehrock und Samt Barett, ebenso die lustig- aufgekratzte Truppe der Meistersinger in Renaissance Kostümen und Dürer- Locken. Auch Walther von Stolzing als Wagners alter ego, krabbelt aus dem Flügel, eine Anspielung auf Katharina Wagners Meistersinger Inszenierung, in welcher Stolzing ebenfalls dem Flügel entstieg als schönes Sinnbild für die schöpferische Inspiration.

Auch die Lehrbuben, die immer zum richtigen Zeitpunkt für ihre Einsätze die Saaltüre öffnen, tragen historische Kostüme aus dem 16. Jahrhundert, vom Kostümbilder Klaus Bruns farbenfroh und edel gestaltet. Das Renaissance Ideal sickert nun nach Wahnfried hinein und nimmt von seinen Bewohnern Besitz, die sich in inszenatorischer Selbstüberhöhung darstellen.

Bayreuther Festspiele 2019 / Die Meistersinger von Nürnberg - hier :  Johannes Marin Kraenzle als Sixtus Beckmesser © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Die Meistersinger von Nürnberg – hier : Johannes Marin Kraenzle als Sixtus Beckmesser © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Die überdrehten Meistersinger sind weniger an einem Kunstdiskurs über Tradition und Fortschritt interessiert als an Nürnberger Lebkuchen und Tee. Barrie Kosky jagt sie – zur Freude des Publikums – temporeich und virtuos von einer Pointe zur nächsten, lässt den Lehrbuben seine Unterweisung Walthers durch Duftproben verschiedener Parfümfläschchen olfaktorisch unterstreichen. Sachs beteiligt sich als einziger nicht am Treiben der Meister-Spassgesellschaft und  registriert nachdenklich die einhellige Ablehnung von Walthers Gesang durch die Meister, vor allem durch Beckmesser. Mit wachsendem Interesse und Erstaunen erkennt er in Walther das große Talent, das es zu fördern und zu unterstützen gilt.

Am Ende des 1. Aktes, wenn Stolzings Meisterweise im allgemeinen Tumult untergeht, gefriert die Szene plötzlich zu einem Standbild und fährt nach hinten. Gleichzeitig senken sich seitlich Wände herab, die als Kulisse des Schwurgerichtssaals des Nürnberger Justizpalastes auszumachen sind. Zurück bleibt ein GI und ein einsamer Sachs im Zeugenstand, eine Vorwegnahme des Schlussbildes. Ratlosigkeit.

Der 2. Akt spielt nun in den Wänden des Nürnberger Schwurgerichtssaals. Zeitsprung. Wir befinden uns 70 Jahre später. Man sieht das ausgeräumte Mobiliar des Wahnfried Saales übereinander gestapelt, ein Hinweis auf dessen teilweise Zerstörung 1945 und die Evakuierung, im Hintergrund leuchtet eine Uhr mondhell. Sachs benutzt dieses Mobiliar als Arbeitsplatz und repariert fröhlich hämmernd Beckmessers Schuhe. Wenn er in seinem Flieder-Monolog über das Erlebte in der Singschul’ reflektiert und sich über seine Empfindungen klar zu werden versucht, verströmt die Szene allerdings wenig „Johannisnacht-Poesie“. Auf Innehalten und Kontemplation wird zugunsten eines auch hier forcierten Aktionismus leider verzichtet.

Walther und Eva verstecken sich hinter Cosimas Bild, das Duell zwischen Sachs und Beckmesser, dessen Ständchen für die angebetete Eva Hans Sachs nach den Regeln der Kunst durchkreuzt, wird zum Rollentausch der beiden Antagonisten. Der Dialog zwischen Sachs und Beckmesser hat längst die argumentative Ebene der Kunstdiskussion verlassen, steigert sich bis ins Wahnhafte, und ruft die gewaltbereiten Nürnberger Bürger auf den Plan. Es entwickelt sich ein nächtlicher Albtraum, die Uhr läuft rückwärts, der Wahn ist in vollem Gange, ein greller Beleuchtungswechsel verändert die Szene (Licht: Frank Evin). Als Projektion eines grotesken Antisemitismus Klischees wird Beckmesser nun eine Judenmaske aufgesetzt, die wohl der Nazi-Hetzschrift „Der Stürmer“ entstammt. Beckmesser wird zum „Tanzjuden“ degradiert, das Grauen gipfelt in einem Pogrom. Die gleiche riesige Judenfratze bläst sich als Ballon bedrohlich über der Szene auf und fällt dann in sich zusammen, nur noch sichtbar sind eine Kippa und ein Judenstern.

Bayreuther Festspiele 2019 / Die Meistersinger von Nürnberg hier Klaus Florian Vogt als Walther von Stolzing und Eva © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Die Meistersinger von Nürnberg hier Klaus Florian Vogt als Walther von Stolzing und Eva © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Im 3. Akt ist der Schwurgerichtssaal nun detailgetreu eingerichtet, im Hintergrund prangen die Flaggen der vier Siegermächte. Sachs sitzt in der vorderen Reihe an einem gedeckten Tisch und sinniert über den Wahn der vergangenen Nacht. Resigniert rätselt er in seinem Monolog über den Verlust des bürgerlichen Traums eines heilen Nürnberg, aber auch über das Ausbrechen der rohen Gewalt. Er nimmt Abschied von der eigenen Liebeshoffnung und sublimiert diese in seiner Kunst, die nicht nur als persönliches, sondern auch als gesellschaftliches Korrektiv fungiert. Sensibel formt Sachs aus Stolzings noch vagem Morgentraum eine Meisterweise, die sowohl nach Inhalt als auch nach Form den Kunstregeln entspricht und das Potenzial zur Weiterentwicklung in sich trägt. Wagner führt den Diskurs über Genialität und Regelhaftigkeit sozusagen mit sich selbst. Den traumatisierten  Beckmesser quälen die Gespenster der letzten Nacht, aus allen Ecken kriechen kleine Judengestalten hervor, die ihn bedrängen. Eine gemobbte, ausgegrenzte und tragische Figur. Vielleicht eine Projektion von Wagners Feindbildern, seinen antisemitischen Obsessionen und unbewältigten Ängsten.

Die Festwiese wird wieder von historischen Figuren in alten Kostümen bevölkert, die fröhlich die deutsche Geschichte als „Spiel im Spiel“ feiern. Fahnen werden geschwenkt, Wagners und seine Doppelgänger tanzen um Cosimas Bild und das plötzliche „Einfrieren“ des bunten Treibens zu einem riesigen Gemälde im Stil von Pieter Bruegel spielt wieder mit der historischen Ebene. Die Huldigung des Wach-auf-Chors ist nun wieder an den Komponisten Wagner gerichtet, Stolzing fährt aus dem Zeugenstand herauf und triumphiert mit seinem fertigen Preislied, macht sich dann aber nach seinem Sieg mit Eva aus dem Staub. Beckmesser hingegen wird nach seinem misslungenen Vortrag vom Volk entfernt, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, deren höchstes Gut die Kunst und ein tolerantes Miteinander sein will. Was mit ihm geschieht, bleibt offen. Wagner singt nun mit eindringlichen Gesten seine Apologie: „Verachtet mir die Meister nicht“ im Zeugenstand, als Verteidiger seiner selbst und seiner Kunsttheorie. Er wendet sich an das Publikum, ganz allein auf der dunklen Bühne, die nur erhellt ist von einem grellen Spot. Ein beklemmendes Bild.

Zu den Worten: „Ehrt eure deutschen Meister“ hebt sich die Rückhand nach oben, und herein fährt auf einer Tribüne ein Sinfonieorchester mit Chor. Wagner dirigiert seine Oper zu Ende, das letzte Wort hat die Kunst. Freispruch für Richard Wagner?

Das Sängerensemble triumphierte auf der ganzen Linie und sang fast ausnahmslos auf Weltklasse Niveau.  Allen voran der phänomenale Michael Volle als Hans Sachs/Wagner. Er ist gleichsam die Inkarnation des Schusterpoeten und durchdringt die Riesenpartie bis in die feinsten Verästelungen von Wort und Ton. Perfekte Textverständlichkeit, Omnipräsenz und Gestaltungskraft verschmelzen bei ihm zu einem einzigartigen Rollenporträt. Die Variabilität seines Baritons besticht in seiner Durchschlagskraft aber auch in seinen leisen und introvertierten Momenten.

Der Walther von Stolzing/ Wagner  ist -ebenso wie der Lohengrin- Klaus Florian Vogt auf den Leib geschrieben. Sein Ausnahmetenor hat an Strahlkraft und Metall dazugewonnen und verfügt über eine breite Farb-und Ausdrucksskala. Seine Rollengestaltung beeindruckt durch Tiefe und Differenziertheit, wie er etwa in der Schusterstube nach und nach zu seinem eigenen künstlerischen Stil findet, sich an die Ausgestaltung seines Meisterliedes herantastet, ist beispielhaft. Vogt baut die Preislied Bögen wunderbar auf, setzt an mit feinsten Piani und verfügt auch noch auf der Festwiese über genügend Kraftreserven, um als strahlender Sieger aus dem Wettbewerb hervorzugehen. Als besonderer Regieeinfall erhielt Wilhelm Schwinghammer als Nachtwächter Unterstützung: Der ehemalige Hornist Klaus Florian Vogt verschaffte Schwinghammer mit gekonnt geblasenem Nachtwächterhorn die nötige Aufmerksamkeit am Ende des 2. Aktes.

Bayreuther Festspiele 2019 / Die Meistersinger von Nürnberg hier Eva und Hans Sachs © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Die Meistersinger von Nürnberg hier Eva und Hans Sachs © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Als  Levi/Beckmesser lieferte Johannes Martin Kränzle eine grandiose Leistung. Diese komplexe Figur wird von Kränzle mit allen denkbaren Facetten ausgestattet, vielschichtig in der Darstellung des gedemütigten Juden, als auch in der Überheblichkeit seiner vermeintlichen Kunstausübung, aber nie karikierend. Eine tragische Gestalt, ein Außenseiter, der in seiner eigenen Regelwelt gefangen bleibt. Kränzle singt ihn mit seinem edlen, weichen Bariton subtil und facettenreich, höhensicher, mit präzisen Koloraturen im Ständchen.

Günther Groissböck gab dem Liszt/ Pogner sonore Noblesse und edle Größe und gestaltete seine Ansprache im 1. Akt mit balsamischer Tiefe, weichen Bögen und perfekter Textverständlichkeit. Seinen väterlichen Gefühlen gab er mit viel Sensibilität und lyrischer Empfindung Ausdruck. Der David von Daniel Behle war ein idealer Lehrbube. Sein beweglicher, tragfähiger und koloratursicherer Tenor umschiffte mühelos alle Klippen der Meisterweisen und strahlte in schwärmerischer Emphase als junger Liebhaber.

Emily Magee in den Rollen von Cosima/Eva zeigte sich einerseits exaltiert und charmant als auch kindlich-kapriziös und selbstbewusst. Sie wartete mit silbernen Spitzentönen auf, ließ im Duett mit Sachs im 2. Akt keine Zweifel an ihrem starken Willen, lediglich das dramatische Aufblühen ihrer  Ansprache an Sachs im 3. Akt geriet etwas blass. Als Magdalena mit viel Ausstrahlung beeindruckte Wiebke Lehmkuhl und entfaltete ihren voluminösen und tragfähigen Mezzo mit samtiger Tiefe und vorbildlicher Diktion. Wilhelm Schwinghammer sorgte als Nachtwächter mit baritonaler Durchschlagskraft und perfekter Textverständlichkeit für Ruhe und Ordnung.

Daniel Schmutzhard sang die Koloraturen der Tabulatur in seiner Rolle als Pogner bestechend klar und gab dem Meister Autorität und Profil, ebenso hervorragend in Spiel und Stimme die übrige Meisterriege: Tansel Akzeybek, Armin Kolarczyk, Paul Kaufmann, Christopher Kaplan, Stefan Heibach, Ralf Lukas, Andreas Hörl und Timo Riihonen.  Nicht zu vergessen Ruth-Alice Marino an der Beckmesser – Harfe sowie die quirligen und differenziert singenden Lehrbuben.

In den Meistersingern wird dem Chor eine gewichtige Rolle zugewiesen. Das Volk als Entscheidungsträger bei einem Wettbewerb vergibt sozusagen den Publikumspreis. Der einzigartige Klangkörper unter der Leitung von Eberhard Friedrich bewies wieder einmal, dass er zu den Spitzenchören weltweit zählt.

Der Dirigent Philipp Jordan setzte ganz auf Leichtigkeit und straffe Tempi. Das Vorspiel kam ohne Pathos aus mit fein musizierten Holzbläsersoli und samtenem Streicherklang. Es muss kein „Stahlbad in C-Dur“ werden, aber mehr Blechbläserbrillanz und Strahlkraft hätte man sich auf der Festwiese gewünscht, ebenso etwas mehr kontrapunktische Transparenz. Einige Zäsuren wurden stark ausgedehnt, was dem großen Bogen bisweilen abträglich war.

Eine großer, denkwürdiger Opernabend bei den Bayreuther Festspielen!  Der frenetische Schlussapplaus ließ das Festspielhaus erbeben, grenzenloser Jubel für die Protagonisten, Chor, Dirigent und Orchester.

Die Meistersinger von Nürnberg,  Bayreuth:  besprochene Vorstellung:  31.Juli 2019

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Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2019, Parsifal – Richard Wagner, IOCO Kritik, 03.08.2019

August 3, 2019 by  
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Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

Parsifal – Ein Bühnenweihfestspiel – Richard Wagner 

 – Reinheit ohne Religion –

von Randi Dohrin

Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

…“Ein Mensch, der etwas wie den Parsifal geschaffen hat, könne nicht mehr lange leben, der sei fertig, habe alles gegeben!“…  Worte des Leipziger Theaterdirektors August Förster, der der Uraufführung dieses ergreifenden Werkes am 26. Juli 1882 in Bayreuth beiwohnte. Richard Wagner verstarb wenige Monate später am 13. Februar 1883 in Venedig. …

Der Parsifal ist ein Mysterium des Glaubens mit liturgischen Szenen und nicht mit einer gewöhnlichen Oper vergleichbar. Wagner bediente sich christlicher Motive, die durch seine verklärende und gleichzeitig klare Parsifal-Musik eine schwebend religiöse Atmosphäre erhalten. Einzigartig gelang ihm die Synthese zwischen Religion und Musikkunst, mit der er ein neues Ganzes, sein Bühnenwerk Parsifal schuf. Es erhielt von ihm die respektvolle Bezeichnung Bühnenweihfestspiel.

Die geistliche Wesensart dieses Werkes führte zu einem kompletten Applausverbot, das Wagner jedoch nie eingefordert haben soll. Die begeisterten Besucher dieses großartigen Festspielabends, hätte man auch nicht von seinem anerkennenden Beifall dieser gelungenen Inszenierung abhalten können. Deutlich wurde in der Vergangenheit nicht, ob Wagner mit seinem Parsifal einen neuen Zugang zur Religiosität schaffen wollte, trotz aller Hinterfragungen der Kulturszene.

Die Interpretation des Regisseurs Uwe Eric Laufenberg gibt zumindest eine recht klare Antwort auf die Bedeutung der Religionsausübung: Er bezweifelt sie!

Durch die ergreifende Szene zum Schluss des letzten Aktes, offenbart sich diese Skepsis; in Laufenbergs Inszenierung legen Muslime, Juden und Christen die charakteristischen Kennzeichen ihres Glaubens in den Sarg des verstorbenen Titurel, dem Gründer der Gralsritterschaft. Der Bass Wilhelm Schwinghammer als Titurel überzeugte vollendet in dieser Rolle.

Bayereuther Festspiele 2019 / Parsifal hier Ryan MacKinny als Amfortas © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayereuther Festspiele 2019 / Parsifal hier Ryan MacKinny als Amfortas © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Die Befreiung von religiösen Dogmen, deutet Laufenberg mit nackten, tanzenden, gemischt geschlechtlichen Personen unter einem Bühnenwasserfall an. Die Sexualität ist also nicht mehr unrein.

Laufenberg folgt in seiner Neudeutung offenbar den Worten des Dalai Lama:Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir keine Religionen mehr hätten.“ Sie befinden sich, nicht ohne Grund, im PARSIFAL Programmheft.

Wagners Parsifal- Vertonung gehört zu den herausragenden Meisterwerken der Spätromantik, kraftvoll, aber gleichbleibend künstlerisch edel. Es ist das späteste Werk des geistreichen und gleichzeitig umstrittenen Komponisten Wagner, in welchem er die beherrschende Stellung seiner dramatischen Ideen unanfechtbar untermauert und ihm meisterhaft die Kongenialität zwischen Musik, Handlung und Text gelingt. Er wollte mit seinem Lebensabschieds-Werk …“eine entrückende Wirkung auf das Gemüt ausüben.“…, und in der Tat, sein Parsifal beseelt, wie am 30. Juli 2019, während der mehr als vierstündigen Aufführung, spürbar wurde.

Das Bühnenweihfestspiel sollte ausschließlich im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel in Bayreuth inszeniert werden, das in den Jahren 1872–75, nach Entwürfen Richard Wagners, von Otto Brückwald errichtet wurde, wohl für seinen Parsifal oder Parsifal für das Festspielhaus. – Weltweit verfügt es über die beste Akustik im Vergleich zu anderen Opernhäusern, die durch die harte Holzbestuhlung nicht beeinträchtigt und deshalb auch nicht durch Polsterstühle ausgetauscht wird. Für einige Musikerohren dürfte der „gedeckelte“ Graben allerdings eine gewisse Zeit der Umgewöhnung benötigen.

Bayreuther Festspiele 2019 / Parsifal © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Parsifal © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Wagner wollte keineswegs, dass der religiöse Charakter seiner Oper durch Aufführungen an kleineren Bühnen geschmälert wird und verfügte ein alleiniges Aufführungsrecht für das Bayreuther Festspielhaus. Ab Januar 1914 jedoch, wurde der Parsifal, wie alle Werke Wagners, auch an anderen Bühnen regelmäßig präsentiert; die gesetzliche Schutzfrist des Bestimmungsrechtes war abgelaufen.

Der Komponist und Dichter Richard Wagner hatte zu seinen Lebzeiten einen großen Einfluss auf das gesamte Bühnenleben. Seine damaligen revolutionären Anregungen sind heute zu einer deutlich erweiterten, leider nicht immer vorteilhaften, Selbstverständlichkeit geworden und zwar auf allen Gebieten des Theaters. Er erwartete, dass seine Musikschöpfungen mit bedingungsloser Hingabe und Achtung vor dem Kunstwerk von allen Mitwirkenden umgesetzt werden. Dieser, von Bayreuth ausgehende Ensemblegeist, übertrug sich äußerst positiv auf andere Opernbühnen.

Die Dichtung PARZIVAL von Wolfram von Eschenbach entstand zwischen 1200 und 1210; sie ist ein Versroman der mittelhochdeutschen höfischen Literatur und war die Grundlage für Wagners dreiaktiges musikdramatisches Werk, da ihn das Mysterium des Grals nicht mehr aus dem Kopf ging; für ihn stellte der heilige Gral, in dem sich das Kreuzesblut Christi befunden haben soll, eine Verbindung zu Jesus von Nazareth und der Menschheitserlösung dar. In seinem Bühnenweihfestspiel wird das lebensspendende Gefäß und der heilige, unbesiegbare Speer, von den keuschen Grals-Rittern in ihrer Burg behütet und regelmäßig vom Gral-König Amfortas enthüllt. 1877 änderte Wagner den Namen der mittelalterlichen Sagengestalt Parzival in Parsifal um.

Bayreuther Festspiele 2019 / Parsifal hier Elena Pankratova als Kundry und Andreas Schager als Parsifal © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele 2019 / Parsifal hier Elena Pankratova als Kundry und Andreas Schager als Parsifal © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Die Keuschheit der Gralsritter ist im Parsifal ein übersteigertes Muss, ähnlich dem bis heute geltenden Zölibat katholischer Priester. Der mögliche Gedanke, mittels Keuschheit zur Reinheit zu gelangen, um die Menschen erlösen, aus ihrer Zerrissenheit zu holen oder gar retten zu können, bleibt bis heute eine von vielen unbeantworteten Fragen, ebenso, ob eine Verbindung der Grals-Sage zum christlichen Glauben vorhanden ist.

Von der Bedeutung der Musik als Brücke zur Religion, soll Wagner überzeugt gewesen sein und das wurde, unter der musikalischen Leitung von Semyon Bychkow an diesem Festspielabend, zutiefst bestätigt. Bychkow erhielt am Schluss der Oper – verdient – tosenden Applaus für seine musikalische Leitung. Zarte bis kraftvolle Orchesterklänge mit wechselnden Tempi, gaben den Sängern den notwendigen Klangteppich und Raum. Das Tempo im 3. Aufzug hätte sich der ein oder andere vielleicht etwas bewegter gewünscht, so erhielt die Musik eine fast stehende Schwere; ein Tempoideal für den Parsifal gibt es jedoch nicht und schwankt fast immer von Aufführung zu Aufführung.

Fantastisch war auch das hohe Niveau des Chores unter der Leitung von Eberhard Friederich, der eine fulminante Leistung mit einer guten Textverständlichkeit bot. Der Parsifal ist ohne die beeindruckenden Chorszenen der Gralsritter nicht vorstellbar und war in der gebotenen Qualität ein wahrer Ohrenschmaus.

Andreas Schager als Parsifal sang mit kraftvollem Metall und einem besonders schönen Timbre fesselnd die Titelpartie. Parsifal ist ihm auf den Leib geschrieben. Besonders deutlich wird das, als er seine wahre Bestimmung, während der Verführungskünste der Kundry erkennt und sie wütend wegstößt. Er beendet als wissend gewordener Heilsbringer den barbarischen Opferkult der Gralsritter und versöhnt die Religionen. Den überdimensionierten Gral in dieser Inszenierung, enthüllt er jedoch nicht.

Die vielfältige Gestalt der dienenden und äußerst zwielichtigen Kundry, wurde von Elena Pankratova stimmlich und darstellerisch perfekt gestaltet. Nach dem es ihr gelingt, gegen Klingsor zu rebellieren, verliert sie endlich ihre innere Zerrissenheit. Ihre warme, wandelbare Stimme setzte sie verführerisch lyrisch oder hochdramatisch und immer ausgeglichen ein, auch wenn die Textverständlichkeit nicht ganz vorhanden war.

Bayreuth 2016 – ParsifalRichard Wagner
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Überragend besetzt, war die große Basspartie des Gurnemanz mit Günther Groissbeck. Gurnemanz ist ein weiterer Gründer und Wächter der Gralsritterschaft, neben Titurel, der Parsifal zum Gralskönig salbt. Brillant, bei gleichbleibend klangvollen Gesangsbögen, gelangen ihm die Spitzentöne – ohne eine Spur der Forcierung.

Amfortas wird als das Opfer des archaischen Opferkults der Gralsritter gezeigt, die förmlich das Blut aus seiner Wunde zu ihrer Stärkung trinken, obwohl es nicht rein ist; mit den körperlichen Qualen des Amfortas finden sie sich offenbar empathielos ab. Ryan McKinny verkörpert darstellerisch authentisch den Bariton-Part des gequälten und leidenden Amfortas, stimmlich adäquat der Rolle angepasst.

Klingsor, als Herrscher eines Zaubergartens mit den verführerisch singenden Zaubermädchen Katharina Konradi, Ji Yoon, Mareike Morr Alexandra Steiner, Bele Kumberger und Marie Henriette Reinhold, ist voller Hass gegen die Gralsritter, da sie ihn nicht in ihrem Orden haben wollen. Um zu der erforderlichen Keuschheit zu gelangen, kastrierte er sich selbst und scheut auch nicht die knallende Peitsche seiner Selbstgeißelung. Er befiehlt Kundry, alle Ritter zu verführen, damit sie ihre Reinheit verlieren. Eindrucksvoll, überzeugend und stimmgewaltig gestaltete Derek Welton den hasserfüllten Klingsor mit seinem voluminösen Bass.

Das Bühnenbild von Gisbert Jäkel verdeutlicht und unterstützt kongenial die Auslegung des Regisseurs Uwe Eric Laufenberg. Die Kostüme von Jessica Karge veranschaulichen und runden das Geschehen ab, und Reinhard Traub intensiviert die szenische Dramatik mit gekonnten Lichteffekten.

Ein großer Parsifal-Abend, dieser zum letzten Mal in Bayreuth gespielten Inszenierung, wurde begeistert vom Festspiel-Publikum angenommen und mit donnerndem Applaus honoriert.

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