Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Parsifal von Richard Wagner, IOCO Kritik, 08.04.2018

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

 Parsifal  von Richard Wagner

Ein Bühnenweihfestspiel – In der neuen Staatsoper

Von Karola Lemke

Die Inszenierung Dmitri Tscherniakov´s hatte ihre Staatsopern-Premiere am 28. März 2015 im Rahmen der Festtage 2015 im Schillertheater. 2016 übernahm die hochgeschätzte Waltraud Meier die Rolle der Kundry, wurde verdient gefeiert.

Karfreitag 2018 erklingt das Bühnenweihspiel erstmalig in der wiedereröffneten Staatsoper Unter den Linden, Schon vor Vorstellungsbeginn wird der Apollosaal das meistgesuchte Fotomotiv. Großes Fotointeresse  dann nach Öffnung auch im Saal. Die Bestuhlung ist relativ eng und die Sitze sind stramm gepolstert.

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Der Besucherraum - Neu erschaffen © Gordon Welters

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Der Besucherraum – Neu erschaffen © Gordon Welters

Und wie hat sich die Akustik verändert? Während des Vorspiels wird deutlich, daß zumindest im ersten Rang das Klangerlebnis sehr angenehm ist. In weichen runden Klängen, sehr gedehnt, die fehlende Dynamik noch durch das Auskosten jeder Note verstärkend, zelebriert Daniel Barenboim dies ergreifende Vorspiel. Auch im weiteren Verlauf der Vorstellung mischen sich Orchester und Sänger ausgezeichnet.

1. Aufzug, Waldlichtung und Gralsburg

Gralsburg – Lieblose, kaum Licht durchlassende Fesnter

Im ersten Aufzug zeigt Tscherniakov, angelehnt an die frühe Bayreuther Tradition, die halbrunde Gralsburg. Lieblos wirkende Fenster, die kaum Licht durchlassen, wurden an unpassender Stelle eingebaut. Während der Gralserzählung des spirituellen Lehrers und Gralsritters Gurnemanz zeigen Bilder auf weißer Leinwand die ParsifalUraufführung 1882 in Bayreuth.

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Parsifal - hier : René Pape als Gurnemanz, Anja Kampe als Kundry, Andreas Schager als Parsifal © Ruth Walz

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Parsifal – hier : René Pape als Gurnemanz, Anja Kampe als Kundry, Andreas Schager als Parsifal © Ruth Walz

Richard Wagner hatte in seinem Parsifal dem um 1200 entandenen Versroman Parzifal Wolfram von Eschenbachs mit Kundry eine höchst komplexe Frauenfigur  hinzugefügt. Tscherniakovs Kundry  ist Nina Stemme, in beige Hose und Trenchcoat im Gegensatz zu den Gralsrittern gegenwärtig gekleidet. Die Gralsritter sind zu Gottestreue, Gehorsam und Keuschheit verpflichtet. Amfortas (Lauri Vasar) verstieß durch den Beischlaf mit Kundry gegen die Gelübde. Lauri Vasar gestaltet diesen Amfortas überzeugend mitleiderregend. Qualvoll fristet er in Folge als designierter Nachfolger seines Vaters Titurel (Reinhard Hagen) nach der Verletzung durch Klingsor und dem Verlust der heiligen Lanze seine Tage in der Gralsburg Monsalvat. Ansonsten: Männerwirtschaft in abgelegener kalter unwirtlicher Gegend: Grobe Bänke, ärmliche Bekleidung, verhärmt wirkende Gralsbrüder. René Pape gibt  bei ausgezeichneter Textverständlichkeit einen vorzüglichen Gurnemanz

Der jugendliche Parsifal (Andreas Schager), in kurzen Hosen, Sweatshirt, modernem, hoch bepacktem  Wanderrucksack und Armbrust, wirkt in dieser Szenerie exotisch. Parsifal, der Tor, wächst von der Welt abgeschottet auf, weiss weder von seiner adligen Herkunft noch von der Rolle, für die er auserwählt ist. Er ist reinen Herzens, aufrichtig und voller Demut. Aber er muß seinen Weg in einer Welt von Leid und Tragik erst noch finden. Dass der Tor die Regeln nicht kennt, zeigt sich bei Eschenbach, als Parzival nach der Tötung des roten Ritters dessen Rüstung an im Glauben sich nimmt, nun auch Ritter zu sein. Bei Wagner tötet Parsifal im heiligen Gebiet des Grals einen Schwan und zieht sich die Empörung der Gralsritter zu. Tscherniakv verzichtet auf die gegenständliche Darstellung des Schwanes.

Titurel in langem Mantel kommt auf die Bühne und steigt in einen Sarg, den die Gralsritter zuvor auf der Bühne abgestellt hatten. Hat Parsifal im Nachhinein ob der Tötung des Schwanes Gewissensbisse gezeigt, so ist er von der Gralsenthüllung (bei Tscherniakow ausreichend abstossend inszeniert) und den damit verbundenen Schmerzen Amfortas entsetzt. Die Verbände werden Amfortas abgeschnitten und das Blut aus der Wunde gepreßt. Mitleid kann Parsifal jedoch nicht zum Ausdruck bringen, der erhoffte Satz: „Was quält dich, mein König“ fällt nicht. Gurnemanz schickt Parsifal enttäuscht davon.

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Parsifal - hier : Anja Kampe als Kundry, Andreas Schager als Parsifal, Blumenmädchen © Ruth Walz

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Parsifal – hier : Anja Kampe als Kundry, Andreas Schager als Parsifal, Blumenmädchen © Ruth Walz

2. Aufzug, Klingsors Zaubergarten

Klingsor – Verbraucht abstoßender Mann in Uraltstrickjacke 

Im unveränderten Bühnenbild taucht lediglich das Licht (Gleb Filshtinsky) alle Handlung in kaltes Weiß. Die Fenster erscheinen durchsichtig. Eine Textprojektion verkündet, dass Klingsor sich hier eine Heimstatt errichtet hat in der er mit seinen zahlreichen Töchtern, den Blumenmädchen, lebt. Beklemmend wirkt, wenn die blutjungen Blumenmädchen  in Kinderröcken, mit  geflochtenen Zöpfen oder „Affenschaukeln“ Spielzeug in den Händen halten; ebenso beklemmend, doch anders im Ausdruck, wenn die Gralsritter Amfortas Blut abzapfen. Das Bühnenbild der Inszenierung zeigt so in kurzer Folge zwei Seiten von Wahnsinn; beide Szenen nur schwer zu ertragen. Lyrisch weich klingt der Chor der Blumenmädchen, wenn sie die Ritter beweinen; ganz zart ihr  „Komm, komm holder Knabe“.

Klingsor (Falk Struckmann) ist ein alter, verbrauchter, gestörter, abstoßender Mann in Uraltstrickjacke und Pantoffeln. Doch solch verstörte Erscheinung kann die von Gewalt geprägten Grobheiten des Klingsor gegenüber Kundry nicht glaubhaft transportieren. Interessant dagegen, die pantomimische Darstellung der Erzählung KundrysIch sah das Kind an seiner Mutter Brust“. Dargestellt wird die Szene durch Janine Schneider (Parsifals Mutter) und Christian Kreibich (Parsifal Double).

Großartig Schagers Ausbruch:   „Amfortas! Die Wunde!“

Als Parsifal Kundrys Verführung widersteht, als er Amfortas Wunde begreift, ruft Kundry nach Klingsor´s Hilfe. Doch der heilige Sperr wird diesem von Parsifal entwunden. Inmitten der Kinder erticht Parsifal Klingsor. Wie schon 2017 in Bayreuth ist Andreas Schager ein phantastischer Parsifal, stimmlich und schauspielerisch so überzeugend, dass man wirklich den Selbstfindungsprozeß mit ihm durchleidet. Den Zerfall von Klingors Reich erzählt das Orchester, nicht das Bühnenbild.

„Du weißt, wo Du mich findest“

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Parsifal -  hier : Wolfgang Koch als Gurnemanz und Ensemble © Ruth Walz

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Parsifal – hier : Wolfgang Koch als Gurnemanz und Ensemble © Ruth Walz

3. Aufzug, Waldlichtung und Gralsburg

Das Bühnenbild des ersten Aufzuges, nur alles noch etwas älter: Der alte bärtige Gurnemanz ist da, ebenso Kundry. Titurel ist in seinem Sarg verstorben (nun geschlossen). Die Verwandlungsmusik nach dem Tode Titurels korrespondiert mit der Verwandlungsmusik des ersten Aktes. Parsifal betritt als vermummter Kämpfer die Bühne. Kundry übernimmt dessen Fußwaschung. Es kommt zum Austausch von Zärtlichkeiten zwischen Kundry und Parsifal.

Gänsehautmoment beim kraftvollen Chor der Gralsritter. In der gesamten Aufführung waren Staasopernchor und Konzertchor sehr überzeugend. Besondere Erwähnung verdient hier Natalia Skrycka sowohl als Blumenmädchen, als auch als Stimme aus der Höhe. Als sich  Amfortas und Kundry umarmen, wird diese von Gurnemanz (René Pape stimmgewaltig wie gewohnt) von hinten erstochen. Tscherniakovs Sicht auf die Menschheit.

Insgesamt eine großartige Leistung des hochkarätigen Ensembles, des Chores wie der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim.

Parsifal an der Staatsoper Unter den Linden; keine Vorstellungen in der laufenden Spielzeit

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Leipzig, Oper Leipzig, Parsifal am Karfreitag, 30.03.2018

März 27, 2018 by  
Filed under Oper, Oper Leipzig, Pressemeldung

Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

PARSIFAL  –  KLASSIKER ZUM KARFREITAG

Vorerst zum letzten Mal steht am Karfreitag, 30. März, 17 Uhr Richard Wagners Parsifal auf dem Spielplan der Oper Leipzig. In der Titelpartie wird Bayreuth-Heldentenor Stefan Vinke zu erleben sein, der erst vor wenigen Tagen die Tannhäuser-Premiere als Ersatz für den erkrankten Burkhard Fritz rettete und an der Oper Leipzig zuvor bereits als Siegfried in der Götterdämmerung glänzte. Am Pult des Gewandhausorchesters steht Anthony Bramall.

Oper Leipzig / Parsifal © Tom Schulze

Oper Leipzig / Parsifal © Tom Schulze

Die Verwundung König Amfortas’ (Tuomas Pursio) mit dem Heiligen Speer hat die Macht der Gralshüter schwer beschädigt. Der Speer wurde von Klingsor (Kay Stiefermann) geraubt, dessen Schloss umringt ist von Blumenmädchen, in deren Fängen Helden zugrunde gehen.

Oper Leipzig / Parsifal © Tom Schulze

Oper Leipzig / Parsifal © Tom Schulze

Einzig und allein der »reine Tor« vermag den Gralshütern den heiligen Speer zurückzubringen. Schon in den Armen von Kundry (Kathrin Göring), wird Parsifal im letzten Moment an seine Mission erinnert. Mit dem Dualismus von Leiden und Erlösung, Moral und Erotik, Religion und Atheismus berührt Wagner in seinem »Bühnenweihfestspiel« die großen Themen des 19. Jahrhunderts und erhebt zugleich einen religiösen Anspruch für die Kunst.

Der Regisseur Roland Aeschlimann übersetzte Wagners musikalisches Mysterium für die Leipziger Neuproduktion in der Spielzeit 2005/06 in ein synästhetisches Klang-Raum-Erlebnis. PMOL

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Düsseldorf, Savoy Theater, René Kollo – Abschiedstournee, IOCO Aktuell, März 2018

concert team nrw

Savoy Theater

Savoy Theater /concert team m´nrw - René Kollo © HGM-Press

Savoy Theater /concert team m´nrw – René Kollo © HGM-Press

René Kollo – Abschied von seinem Publikum

Anlässlich des 80. Geburtstags

Rene Kollo präsentierte sich im Savoy-Theater Düsseldorf im Rahmen seiner Abschiedstournee mit heiteren, besinnlichen und unterhaltsamen Begebenheiten aus seinem langen und interessanten Künstlerleben. Erzählungen und musikalische Kostproben wechselten sich dabei harmonisch ab. Nicht nur als Sänger, auch als Komponist und Literat führte er das Publikum durch sein wunderschönes Programm mit Arien aus Opern und Operetten, Volksliedern und Evergreens. Er brachte einen kompletten und umfangreichen Ausschnitt aus seinem Repertoire der ernsten und heiteren Muse. Auch gerade durch diese Vielfältigkeit hat er eine Weltkarriere gemacht.

Gewürzt mit launigen Anekdoten und persönlichen Geschichten seiner glanzvollen künstlerischen Laufbahn, nimmt er Abschied von seinem Publikum und lässt singend und plaudernd sein ereignisreiches Leben passieren. Es war eine interessante Zeitreise durch seine Erinnerungen, in der er ehrlich mit sich selbst und ehrlich mit den schönen und auch weniger schönen Seiten des Opernbetriebes war.

Kollo begann als Schauspieler und Schlagersänger und finanzierte damit sein klassisches Gesangsstudium. Seine Opernsänger-Karriere startete er 1965 am Staatstheater Braunschweig. Danach folgte von 1967 bis 1971 ein Engagement an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf, wo er in Opern von Mozart, Verdi, Puccini und Janacek sang. Mit der Partie des Steuermanns aus Der fliegende Holländer debütierte er in Bayreuth und wurde ab diesem Zeitpunkt vom Publikum für die großen Wagnerpartien wie Siegfried, Parsifal und Lohengrin gefeiert. Er gastierte an allen großen und bedeutenden Opernhäusern der Welt. Regelmäßig an der Deutschen Oper Berlin, der Bayerischen Staatsoper München und bei den Salzburger Festspielen, sowie auch an der Metropolitan Opera New York und an der Covent Garden Opera in London.

Der Titel des Kammersängers wurde ihm von den Opernhäusern Berlin und München verliehen. Geehrt wurde er mit dem „Bayerischen Verdienstorden“ und dem „Bundesverdienstkreuz Erster Klasse am Bande“ Auch verfasste er seine Memoiren und drei unterhaltsame Bücher, in denen er scharf und bissig den modernen Musikbetrieb kritisiert.

An diesem Abend begeisterte Kollo u.a. mit einem Potpourri aus der Kollo-Dynastie, Willi Kollo (Vater) und Walter Kollo (Großvater) und weckte in vielen Besuchern Erinnerungen an Zeiten in denen diese Melodien Gassenhauer waren. Sein musikalisches Programm begann mit dem Operettenlied Ich lad‘ mir gerne Gäste ein“ aus Die Fledermaus von Johann Strauß dann folgte ein bekanntes friesisches Lied, auf plattdeutsch gesungen, in Gedenken an seine norddeutsche Mutter „Kum bi de Nacht as tu min leevste büst (eine Friesin im Publikum fühlte sich angesungen und verdrückte heimlich einige Tränchen).

Danach sang er Es war in Schöneberg im Monat Mai aus der Operette Wie einst im Mai von Walter und Willi Kollo, Immer an der Wand lang eine Komposition des Großvaters Walter Kollo, Dein ist mein ganzes Herz aus Land des Lächelns von Franz Lehár, die Arie des Pinkerton aus „Madama Butterfly“ „Addio, fiorito asil“ von Puccini, Winterstürme wichen dem Wonnemond aus „Walküre“, Richard Wagner und Liebste glaub an mich aus der Operette „Schön ist die Welt“ von Franz Lehár.

Er beendete diesen kurzweiligen Abend mit einer Eigenkomposition Willst du das Land meiner Träume sehen Begleitet wurde Kollo von dem ausgezeichneten Pianisten Florian Schäfer, der hin und wieder heiter die Souffleuse ersetzte.

Beim gut gelaunten Publikum hat der sympathische Tenor an diesem Abend wieder einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ein gelungener Abschied.   Von  K.K.

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Baden-Baden, Festspielhaus, Osterfestspiele 2018 – Parsifal, 24.03.2018

März 9, 2018 by  
Filed under Festspielhaus Baden-Baden, Oper, Premieren

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Osterfestspiele Baden-Baden 2018

Parsifal – Auf der Suche nach dem heiligen Speer
Wagners letzte Oper als Neuinszenierung in Baden-Baden – Ruxandra Donose und Stephen Gould in den Hauptrollen

Richard Wagners letzte Oper Parsifal markiert zu den Baden-Badener Osterfestspielen 2018 den Abschied von Sir Simon Rattle aus der künstlerischen Leitung dieses Festivals. Der britische Chefdirigent der Berliner Philharmoniker hob die Baden-Badener Osterfestspiele 2013 mit aus der Taufe. Offiziell endet Rattles „Amtszeit“ im Sommer. Doch Parsifal ist die letzte Opernproduktion des Weltklasse-Orchesters in dieser Ära. Regisseur Dieter Dorn inszeniert das von Wagner als „Bühnenweihfestspiel“ bezeichnete Werk im Festspielhaus Baden-Baden neu.

Die Aufführungen am 24. und 30. März sowie am Ostermontag, 2. April 2018, beginnen um 16 Uhr – noch gibt es Eintrittskarten.

Im Rahmen eines Pressegesprächs beschrieb Sir Simon Rattle das Baden- Badener Festspielhaus als „geradezu ideal“, um diese letzte Oper Richard Wagners aufzuführen: „Die Sänger können nahezu ‚sprechen‘ und müssen nie forcieren“. Außerdem sei es ungewöhnlich, so Rattle, dass ein so großes Haus so intim wirke – all dies seien beste Voraussetzungen.

Das Bühnenweihfestspiel aus dem Jahr 1882 bildet den Mittelpunkt der Osterfestspiele 2018 an der Oos. Erzählt wird die verzweifelte Suche der Gralsritter nach Heilung für König Amfortas, der an einer Wunde leidet, die erst geschlossen werden kann, wenn sie vom heiligen Speer berührt wird. Diesen Speer hält der abtrünnige Ritter Klingsor in seinem Besitz. Ein schier endloser Kreislauf von Leid und vergeblicher Hoffnung auf eine bessere Zukunft muss durchbrochen werden. Fähig dazu ist nur ein „reiner Thor“, den der weise Gralsritter Gurnemanz in Parsifal, der fernab jeder Zivilisation aufgewachsen ist, zu entdecken glaubt.

Richard Wagners Bühnenweihfestspiel schrieb Musikgeschichte. Philosophen und Komponisten versuchten sich an Deutungen, die bis heute viel diskutiert sind. Die rund um den christlichen Ostermythos angelegte und von Wagner selbst geschaffene Dichtung geht auf Motive des Versepos Parzival von Christoph von Eschenbach aus dem 13. Jahrhundert zurück. Richard Wagner beschäftigte sich mit seiner Oper mehr als 30 Jahre und formulierte immer wieder die Absicht, den „Kern des Religiösen“ in Musik zu fassen.

Die „Parsifal“-Musik Richard Wagners gehört zu den Meisterwerken der Spätromantik. Der „Karfreitagszauber“, ein orchestrales Zwischenbild im dritten Aufzug, wird auch immer wieder in sinfonischen Konzerten gespielt. Die geschickt komponierten „Höhenchöre“ haben geradezu magische Wirkung. Dieter Dorn inszeniert das musikdramatische Werk neu, Stephen Gould singt den Parsifal und Ruxandra Donose erstmals die Partie der Kundry. Franz-Josef Selig verkörpert Gurnemanz und der britische Bariton Gerald Finley übernimmt die Rolle des Amfortas. Als Königsvater Titurel gibt der britische Bass Robert Lloyd sein Debüt im Festspielhaus Baden-Baden. Er wirkte bereits in der viel diskutierten „Parsifal“-Verfilmung von Hans-Jürgen Syberberg (1982) mit. Für die Bühne zeichnet Magdalena Gut verantwortlich, die Kostüme hat Monika Staykova entworfen und das Lichtdesign stammt von Tobias Löffler.

Heiß geliebt und heiß diskutiert
Wagners Oper Parsifal wird von Musikliebhabern heiß geliebt und ihre Botschaften seit über 130 Jahren nicht minder heiß diskutiert. Der Komponistzeichnet das Bild einer nicht mehr funktionierenden Gesellschaft, deren  Mitglieder nach Erlösung streben. Doch wo finden sie einen Erlöser und Erlösung? In dieser Frage manifestiert sich die noch immer hohe Aktualität der Oper, in deren Verlauf verschiedene Philosophien und Weltreligionen anklingen. „Wir finden Antworten in der Musik“, sagt Sir Simon Rattle, der froh darüber ist, dass Wagner nicht nur eine Perspektive einnimmt und die für die Menschheit so wichtige Frage aus verschiedenen Betrachtungswinkeln heraus stellt. „Diese Offenheit interessiert mich an Wagner“, so Rattle. Zurück zu Wagner Intendant Andreas Mölich-Zebhauser und Sir Simon Rattle erfüllt es mit Freude, dass Dieter Dorn die Regie dieser Festspielproduktion übernommen hat. „Er ist so voller Hingabe und Konzentration – was er macht, ist berührend“, so Sir Simon Rattle über den Regisseur. Dorn fungierte viele Jahre als Intendant der Münchner Kammerspiele und des Bayerischen Staatsschauspiels. Er zählt zu den erfolgreichsten Regisseuren unserer Zeit. Seine erste Wagner-Regie erarbeitete Dorn 1990 bei den Bayreuther Festspielen. Damals vertraute ihm Wolfgang Wagner eine neue Lesart der Oper „Der fliegende Holländer“ an und Dorns Inszenierung wurde weit beachtet.

Der Regisseur wurde 1935 in Leipzig geboren und studierte nach seiner Flucht nach West-Berlin in den 1950er Jahren an der dortigen Max-Reinhardt-Schule. Danach arbeitete er als Schauspieler, Dramaturg und Regisseur in Hannover. Ab 1968 inszenierte er in Essen und Oberhausen, am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und am Wiener Burgtheater. Von 1972 bis 1975 war Dieter Dorn Regisseur an Berliner Schiller Theater. 1976 wurde er Oberspielleiter an den Münchener Kammerspielen und ab 1983 an gleicher Stelle Intendant bis 2001. Danach leitete er bis 2011 das Bayerische Staatsschauspiel in München. Neben seinen Schauspielinszenierungen waren auch seine Opernregien maßgebend, wie bei den Salzburger und Bayreuther Festspielen, an der Metropolitan Opera New York, an der Wiener Staatsoper, der Berliner Staatsoper Unter den Linden  sowie an der Bayerischen Staatsoper München.

Kundrys Debüt
Mit Ruxandra Donose erlebt die Wagner-Welt zu den Baden-Badener Osterfestspielen 2018 ein echtes Debüt. Die in Wien lebende Sängerin gilt unter anderem als ausgezeichnete Belcanto-Sängerdarstellerin und sammelte zudem Erfahrung in verschiedenen Barockoper-Produktionen. In der aktuellen Saison stehen für sie weitere wichtige Produktionen, wie ihr „Norma“-Debüt an. Das Publikum in traditionsreichen Opernstädten wie London, Moskau, New York und Paris schätzt Ruxandra Donose als wandlungsfähige Mezzosopranistin.

Die Rolle des Parsifal verkörpert der amerikanische Heldentenor Stephen Gould. Der erfahrene Wagner-Sänger wird noch in diesem Jahr neben seinem Engagement in Baden-Baden als Tristan und Siegmund bei den Bayreuther Festspielen zu erleben sein. In Budapest steht Stephen Gould als Tannhäuser auf der Bühne und wird diese Rolle auch unter anderem in Berlin, Dresden und Zürich singen. Regelmäßig verpflichten ihn die größten Opernhäuser der Welt als Wagner-Interpret. Wichtige Aufnahmen machte Gould unter anderem mit den Dirigenten Christian Thielemann und Donald Runnicles.

In weiteren Partien sind bei der Baden-Badener „Parsifal“-Produktion zu den Osterfestspielen 2018 ebenso bedeutende Sängerinnen und Sänger zu erleben. Der englische Bariton Gerald Finley singt die Partie des Amfortas. Franz-Josef Selig wird die Partie des Gurnemanz verkörpern und Evgeny Nikitin gibt den Bösewicht Klingsor. Berliner Philharmoniker mit langer „Parsifal“-Erfahrung Die Berliner Philharmoniker nahmen den gesamten „Parsifal“ mit ihren Chefdirigenten Herbert von Karajan und Claudio Abbado auf. Außerdem existiert eine Gesamtaufnahme unter der Leitung von Daniel Barenboim. Zu den Osterfestspielen wird nun eine neue Generation der Berliner Philharmoniker im Baden-Badener Orchestergraben sitzen und ihre Lesart dieser besonderen Oper  in Klang verwandeln.


Besetzung

„Parsifal“
Osterfestspiele 2018 Festspielhaus Baden-Baden
24. und 30. 03., 02.04. 2018, jeweils 16 Uhr
Musikalische Leitung Sir Simon Rattle
Inszenierung Dieter Dorn
Bühnenbild Magdalena Gut
Kostüme Monika Staykova
Licht Tobias Löffler
Mitarbeit Regie Martin Gruber
Berliner Philharmoniker
Philharmonia Chor Wien
Leitung und Einstudierung: Walter Zeh
Parsifal Stephen Gould
Kundry Ruxandra Donose
Gurnemanz Franz-Josef Selig
Amfortas Gerald Finley
Klingsor Evgeny Nikitin
Titurel Robert Lloyd
Klingsors Zaubermädchen Iwona Sobotka
Kiandra Howarth
Elisabeth Jansson
Mari Eriksmoen
Ingeborg Gillebo
Kismara Pessatti
Zwei Gralsritter Neal Cooper
Guido Jentjens
Vier Knappen Ingeborg Gillebo
Elisabeth Jansson
Neal Cooper
Iurie Ciobanu
Stimme aus der Höhe Kismara Pessatti


Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden

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