Münster, Theater Münster, Die Zauberflöte von W. A. Mozart, IOCO Kritik, 11.10.2016

Oktober 31, 2016 by  
Filed under Kritiken, Oper, Theater Münster

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Theater Münster

Die Zauberflöte im Theater Münster:  Mozarts letzte Oper „Die Zauberflöte“ ist ein Märchen von der  Rettung der Welt durch Liebe. Der südafrikanische Regisseur Kobie van Rensburg hat ihr mit großartigen Computerbildern und Figuren aus dem Arsenal des Fantasy-Films eine zeitgemäße Form…….

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Die Rettung der Welt durch die Liebe

Gefeierte Wiederaufnahme von Mozarts „Zauberflöte“ in Münster, die van Rensburg schlüssig ins Fantasy-Milieu verlegt hat.

von HANNS BUTTERHOF

Theater Münster / Die Zauberflöte - Tamina und Pamino © Oliver Berg

Theater Münster / Die Zauberflöte – Tamina und Pamino © Oliver Berg

Mozarts letzte Oper „Die Zauberflöte“ ist ein Märchen von der  Rettung der Welt durch Liebe. Der südafrikanische Regisseur Kobie van Rensburg hat ihr mit großartigen Computerbildern und Figuren aus dem Arsenal des Fantasy-Films eine zeitgemäße Form gegeben und sie an Münsters Großem Haus schlüssig als spektakulären Machtkampf in Star-Wars-Manier inszeniert.

Schon zur Ouvertüre konkurriert die Musik mit der Bühne, auf der großes Kino läuft (Bühne: Kobie van Rensburg, Kerstin Bayer). Computeranimiert jagt eine Raumpatrouille ein Raumschiff durch die Gesteinsbrocken eines Asteroidengürtels. Aus dem angeschossenen Fluggerät rettet sich Pilot Tamino (Youn-Seong Shim) per Fallschirm auf einen unbekannten Stern. Dort muss er sich sogleich gegen einen heftig Feuer speienden Drachen zur Wehr setzen. Nur das Eingreifen dreier bewaffneter Damen (Sara Rossi Daldoss, Lisa Wedekind, Suzanne McLeod; Kostüme: Dorothea Schumacher, Lutz Kemper) rettet ihn.

Krieg herrscht also im Universum. Die Königin der Nacht (Antje Bitterlich), die Witwe des alten Herrschers im Siebenfachen Sonnenkreis, und der von diesem als Verwalter eingesetzte Oberpriester der Isis-und-Osiris-Bruderschaft, Sarastro (Sebastian Campione), streiten um die Macht. Beide wollen Pamina (Henrike Jacob), die von Sarastro entführte Tochter der Königin, als legitime Herrscherin einsetzen. Beide bauen schließlich auf die Hilfe Taminos, und während sie so ihr Eigeninteresse verfolgen, hebt die reine Liebe Paminas und Taminos ihren Sternenkrieg märchenhaft in allseitige Harmonie auf.

Van Rensburg fesselt mit seinen fantastischen computeranimierten Bühnenbildern und Figuren aus dem Fundus des Fantasy-Kinos. Sexy Barbarellas streiten auf Seiten der Königin, weißgepanzerte Sternenkrieger mit Laser-Schwertern halten Sarastros Ordnung aufrecht. Während witzige  Jawa-Kapuzenmännchen und pelzige Ewoks aus Lucas’ Star-Wars-Universum herumwuseln; überbringt der Roboter R2-D2 Zauberflöte und Glockenspiel. Der spitzohrige Mr. Spock steht als erster Priester (Gregor Dalal) Sarastro zur Seite, der die weiße Mähne des guten Gandalf aus Tolkiens „Herr der Ringe“ trägt. Und seine sternflammende Widersacherin röchelt dumpf aus dem Helm des bösen Star-Warlords Darth-Vader, bevor sie hasserfüllt ihre Rache-Arie herausschleudert.

All das fügt sich zu einer überraschend stimmigen Handlung, die verblüffend nah an den Regieanweisungen des Librettos bleibt. Der Ernst des Liebeswegs zur Menschlichkeit, den das künftige Ideal-Herrscherpaar Tamino und Pamina  beschreiten, findet in dieser Welt ebenso Platz wie die Komik und absolute Diesseitigkeit des Vogelfänger-Pärchens Papageno (Gabriel Urrutia) und Papagena (Eva Bauchmüller). Mit aufrichtiger Liebe und etwas Zauber der Musik, so die utopische Botschaft, geht der Sternenkrieg zu Ende. Vielleicht ist aber auch der Verzicht auf hohes Pathos und das Sich Bescheiden mit handfester Sinnlichkeit nach Vogelfänger-Art ein Weg; jedenfalls findet der den stürmischen Beifall des Publikums.

Theater Münster / Münster - Tamino und Ensemble © Oliver Berg

Theater Münster / Münster – Tamino und Ensemble © Oliver Berg

Das Ensemble ist ausgewogen gut besetzt. Als Königin der Nacht überzeugt Antje Bitterlich mit unangestrengten Spitzentönen und souveränem darstellerischen Ausdruck. Henrike Jacob gibt einnehmend den Koloraturen Paminas viel lyrischen Schmelz. Youn-Seong Shim ist mit seinem festen, höhensicheren Tenor ein Tamino von Format, der in Gregor Dalal als Erstem Priester einen stimmkräftigen Führer durch alle Prüfungen hat. Sebastian Campione ist ein würdevoller Sarastro, während der jeder Würde bare Papageno Gabriel Urrutias es mühelos zum absoluten Publikumsliebling bringt. Der von Inna Batyuk einstudierte Chor glänzt mit weichem, vollen Klang.

Es ist bewundernswert, wie Fabrizio Ventura mit dem Sinfonieorchester Münster trotz vieler gesprochener Partien und häufigem Zwischenapplaus einen geschlossenen, feinen Mozart-Klangraum schafft und aufrecht erhält. Allerdings legt er durchwegs ein so flottes Tempo vor, dass manche Sänger mehrfach an die Grenze ihrer Artikulationsfertigkeit geraten. Dass er sich erfolgreich dagegen stemmt, die Musik vom effektvollen Bühnenbild und dem Witz der Bühnenhandlung zudecken zu lassen, dankte ihm das von der gesamten Aufführung begeisterte Publikum mit langanhaltendem Beifall. IOCO / Hanns Butterhof / 11.10.2016

Theater Münster Die Zauberflöte: Die nächsten Vortellungstermine: 16.10., 6.12., 29.12.2016 jeweils 19.30 Uhr, 11.12.2016 um 19.00 Uhr.

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

 


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