Hamburg, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Spielzeit 2018/19 – Kontraste und Dialoge, IOCO Aktuell, 04.03.2018

Elbphilharmonie Hamburg

 Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte _ Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Prominente Spielstätte _ Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Ralph Lehmann

 Philharmonisches Staatsorchester Hamburg 2018/19

Georges Delnon (Intendant), Kent Nagano (Generalmusikdirektor) und Stefan Schäfer (Kammerkonzertmusikmeister) präsentierten am 27.2.2018 in der Stifter Lounge der Staatsoper Hamburg  die im Herbst 2018  beginnende Spielzeit 28018/2019 des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg. Stolz verkündet Georges Delnon den anwesenden Journalisten und Musikfreunden eine Auslastung der Sinfoniekonzerte des Staatsorchesters der laufenden Saison von extremen 99,7%;  unter Berücksichtigung weiterer Spielstätten besteht eine Gesamtauslastung von genau 99%. Die Zahlen zeigen, dass nicht nur der Standort Elbphilharmonie zu dieser beeindruckenden Auslastung beiträgt. Mit Ausführungen zur Auslastung Hamburger Staatsoper ist Georges Delnon dagegen sehr zurückhaltend. IOCO / PK

Das Philharmonische Staatsorchester ist Hamburgs größtes und ältestes Orchester und blickt zurück auf einen langen musikalischen Werdegang. Als 1934 das „Philharmonische Orchester“ und das „Orchester des Hamburgischen Stadttheaters“ fusionierten, trafen zwei traditionsreiche Klangkörper aufeinander. Bereits seit 1828 wurden Philharmonische Konzerte in Hamburg gespielt, Künstler wie Clara Schumann, Franz Liszt und Johannes Brahms waren regelmäßige Gäste der Philharmonischen Gesellschaft. Die Historie der Oper reicht noch weiter zurück: seit 1678 gibt es in Hamburg Musiktheater, wenngleich sich ein festes Opern- bzw. Theaterorchester erst später konstituierte. Bis heute prägt das Philharmonische Staatsorchester den Klang der Hansestadt, ist sowohl Konzert- als auch Opernorchester in einem. PhStOHH

Philharmonische Orchester Hambrug / Georges Delnon, Orchesterintendant, und Chefdirigent Kent Nagano präsentierten Spielzeit 18/19 © Bertold Fabricius

Philharmonische Orchester Hambrug / Georges Delnon, Orchesterintendant, und Chefdirigent Kent Nagano präsentierten Spielzeit 18/19 © Bertold Fabricius

Philharmonisches Spielzeitprogramm 2018/19

Vorgestellt von  Kent Nagano und Georges Delnon

Mehr als 30 Konzerte in der Elbphilharmonie. Einzelkarten-Verkauf startet am 21.6.2018

Die Konzertsaison 2018/19 steht programmatisch ganz im Zeichen von Kontrasten und Dialogen. Standen in der laufenden Saison 2017/18 Komponistenporträts im Vordergrund, werden nun klassische Meisterwerke mit modernen und zeitgenössischen Werken konfrontiert. So spielt gleich das erste Philharmonische Konzert mit Christian Zacharias als Dirigent und Klaviersolist mit der Gegenüberstellung der Werke von Haydn und Mozart mit Schönberg. Im 2. Philharmonischen Konzert dirigiert Kent Nagano neben Beethovens Violinkonzert auch die 4. Symphonie von Charles Ives. Mit Werken wie La Noche de los Mayas des Mexikaners Silvestre Revueltas stehen auch Komponisten auf dem Programm, die hierzulande noch auf ihre Entdeckung warten, während sie in ihren Heimatländern längst Klassiker sind. Mehr als 30 Konzerte veranstaltet das Philharmonische Staatsorchester in der Elbphilharmonie, hinzu kommen weitere Konzerte in verschiedenen Stadtteilen. Ende Februar unternimmt das Orchester außerdem eine zweiwöchige Tournee durch Spanien.

Chefdirigent Kent Nagano dirigiert in der neuen Spielzeit fünf Philharmonische Konzerte sowie das Silvesterkonzert und das Sonderkonzert zum Internationalen Musikfest Hamburg. Zu hören sind Klassiker wie Mozart, Beethoven oder Brahms. Daneben wird Hamburgs Generalmusiker aber auch moderne Werke aufführen, wie Ligetis Requiem und Atmosphères oder Widmanns Con brio.
Gastdirigenten der Philharmonischen Konzerte sind Christian Zacharias, Alondra de la Parra, Bertrand de Billy, Paolo Carignani und Dennis Russell Davies. Als Solisten werden unter anderem die Pianisten Lucas Debargue und Herbert Schuch sowie die Violinistin Viktoria Mullova in der Elbphilharmonie zu hören sein. Ein Wiedersehen gibt es mit der jungen Cellistin Camille Thomas, ECHO Klassik Preisträgerin 2017, die bereits im Rahmen der ECHO-Gala mit dem Philharmonischen Staatsorchester aufgetreten ist. Philharmoniker-Konzertmeister Konradin Seitzer wird als Solist mit Mendelssohns Violinkonzert zu hören sein. Zu Gast sind auch der MDR Rundfunkchor, die Audi Jugendchorakademie, der Harvestehuder Kammerchor, das ChorWerk Ruhr sowie der Arnold Schoenberg Chor Wien und der Staatschor Latvija.

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Patrik Klein

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg © Patrik Klein

Auch in den Philharmonischen Kammerkonzerten stehen spannende Gäste auf der Bühne in der Elbphilharmonie: Erstmals wird Jan Philipp Reemtsma als Rezitator in den Philharmonischen Kammerkonzerten in Erscheinung treten. In einem Sonderkammerkonzert wird der Tenor Klaus Florian Vogt mit der Schönen Müllerin einen der wichtigsten Liederzyklen der Romantik zur Aufführung bringen. Der ehemalige Hornist des Orchesters wird dabei eine neue Bearbeitung des renommierten Arrangeurs Andreas N. Tarkmann singen, bei der das Klavier durch eine von Franz Schubert selbst kreierte Oktett-Besetzung ersetzt wird.

In der Reihe Musik und Wissenschaft steht im Mai 2019 das Thema „Europa – Idee und Realität“ im Mittelpunkt. In drei Themenkonzerten werden Kammermusik-Programme mit rund 30-minütigen Vorträgen aus unterschiedlichen Disziplinen kombiniert. Der musikalische Bogen reicht vom Barock bis in die Gegenwart. Wissenschaftler der Max-Planck-Gesellschaft stellen ihre Forschung aus den Bereichen der Rechts- und Sozialwissenschaften, aber auch der archäogenetischen Forschung vor. Dabei geht es um den Euro, das Demokratieverständnis in Osteuropa, die sozialen Auswirkungen der Finanzkrise oder auch die Besiedelung Europas in der frühen Menschheitsgeschichte. Die interdisziplinäre Reihe Musik und Wissenschaft wurde 2016 in Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V. gegründet.

Die Spielzeit wird wie in den Vorjahren eröffnet durch eine Philharmonische Akademie. In diesem Jahr wird der Schwerpunkt der Akademiekonzerte auf der Musik Mozarts liegen. Die Termine werden im Sommer 2018 bekannt gegeben.

jung – das Kinder- und Jugendprogramm:  Ein Familienkonzert in der Elbphilharmonie: Zum ersten Mal veranstaltet das Staatsorchester ein Konzert für Jung und Alt im Kleinen Saal der Elbphilharmonie (Sa, 23. Februar 2019). Aufgeführt wird Die drei kleinen Schweinchen, ein Orchestermärchen für Sprecher und Kammerorchester mit Musik von Andreas N. Tarkmann. Anschließend geht das Stück auf eine Kleine Tour durch Hamburg und ist unter anderem am 27. Februar 2019 im Haus im Park in Bergedorf zu erleben. Darüber hinaus bietet das Philharmonische Staatsorchester wieder Kinderprogramme parallel zu ausgesuchten Philharmonischen Konzerten in der Elbphilharmonie an und ist kammermusikalisch in den jung-Reihen „Tonangeber“ und „Spielplatz Musik“ in der Hamburgischen Staatsoper zu erleben. Alle Angebote gibt es unter www.jung-staatsorchester.de.

Ticketverkauf und Abonnements: Der Einzelkarten-Vorverkauf für die Konzerte des Philharmonischen Staatsorchesters der Saison 2018/19 beginnt am 21. Juni 2018. Pro Person können bis zu vier Karten für ein Konzert und insgesamt bis zu 10 Karten erworben werden. Abonnements können in der Zeit vom 28. März 2018 bis zum 19. April 2018 bestellt werden. Erstmals können neben Einzelkarten auch die Abonnements im Internet unter www.staatsorchester-hamburg.de bestellt werden. Gehen bis zum 19. April mehr Abonnementsanfragen ein, als Plätze verfügbar sind, entscheidet das Los.

Neben den klassischen Konzertabonnements gibt es auch eine Reihe von Kombi-Angeboten mit Veranstaltungen der Hamburgischen Staatsoper. In der Saison 2018/19 wird es ein neues Familien-Abo geben: Es enthält fünf ausgewählte Veranstaltungen, darunter zwei Philharmonische Konzerte in der Elbphilharmonie sowie eine Oper und ein Ballett in der Staatsoper. Mit dem Jugend-Abo kommen junge Menschen bis 30 Jahre für einmalig 40 Euro in insgesamt sechs Philharmonische Konzerte in der Elbphilharmonie.

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Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere IL TROVATORE, 10.09.2017

August 11, 2017 by  
Filed under Oper, Oper Frankfurt, Premieren, Pressemeldung

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Premiere IL TROVATORE
Sonntag, 10. September 2017, um 18.00 Uhr im Opernhaus

Oper in vier Teilen von Giuseppe Verdi
Text von Salvadore Cammarano
nach dem Drama El trovador (1836) von Antonio García Gutiérrez
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung: Jader Bignamini
Regie: David Bösch
Bühnenbild: Patrick Bannwart
Kostüme: Meentje Nielsen
Licht: Olaf Winter
Chor: Tilman Michael

Oper Frankfurt / Il Trovatore © Royal Opera House Covent Garden London / Clive Barda

Oper Frankfurt / Il Trovatore © Royal Opera House Covent Garden London / Clive Barda

Dramaturgische Betreuung: Deborah Einspieler
Conte di Luna: Brian Mulligan / Tassis Christoyannis (Dezember 2017, Januar 2018)
Leonora: Elza van den Heever / Leah Crocetto (Dezember 2017, Januar 2018)
Azucena: Tanja Ariane Baumgartner / Ewa P?onka (3., 7. Oktober 2017)
Manrico: Piero Pretti / Alfred Kim (Dezember 2017, Januar 2018)
Ferrando: Kihwan Sim / Daniel Miroslaw (Dezember 2017, Januar 2018)
Ines: Alison King / Elizabeth Sutphen (Dezember 2017, Januar 2018)
Ruiz: Theo Lebow
Ein Zigeuner: Thesele Kemane / Youngchul Lim
Ein Bote: Roberto Cassani
Chor und Statisterie der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Koproduktion mit dem Royal Opera House Covent Garden London
Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins – Sektion Oper

Mit Il trovatore, dem zwischen Rigoletto (1851) und La traviata (1853) entstandenen Mittelteil seiner vielbeschworenen Operntrias, deren Helden allesamt als Außenseiter der Gesellschaft gezeichnet sind, festigte Giuseppe Verdi (1813-1901) nach den von eher durchschnittlichem Erfolg geprägten, sogenannten „Galeerenjahren“ seinen Ruf als wichtigster Opernkomponist Italiens. Die Uraufführung am 19. Januar 1853 im römischen Apollo-Theater wurde vom Publikum frenetisch bejubelt und sicherte dem mit großartigem Melodienreichtum versehenen Werk bis heute einen festen Platz auf den Bühnen der Welt. Die letzte Produktion an der Oper Frankfurt stammt aus dem Jahre 2000 (Musikalische Leitung: Paolo Carignani; Regie: Antonio Calenda). Die aktuelle Neuinszenierung in Koproduktion mit dem Londoner Covent Garden kam dort bereits am 2. Juli 2016 heraus.

Oper Frankfurt / Il Trovatore © Royal Opera House Covent Garden London / Clive Barda

Oper Frankfurt / Il Trovatore © Royal Opera House Covent Garden London / Clive Barda

Aus Rache für die vom alten Grafen Luna angeordnete Hinrichtung ihrer Mutter auf dem Scheiterhaufen stieß die Zigeunerin Azucena versehentlich ihr eigenes Kind statt den Grafensohn ins Feuer, zog jedoch den fremden Jungen unter dem Namen Manrico groß. Jahre später verliebt sich Manrico in Leonora, auf die auch der zweite Sohn des Grafen Luna ein Auge geworfen hat. Nur Azucena weiß, dass es sich bei den beiden Kontrahenten um Brüder handelt, und so geraten alle Beteiligten in einen tödlichen Strudel, an dessen Ende sich der Racheschwur der Zigeunerin auf das Fürchterlichste erfüllt.
Die musikalische Leitung liegt bei dem italienischen Dirigenten Jader Bignamini, der an der Oper Frankfurt 2015/16 mit einer konzertanten Aufführung von Verdis Oberto debütierte. Regisseur David Bösch gastiert regelmäßig in Frankfurt, zuletzt 2015/16 mit Wagners Der fliegende Holländer. Enrico Caruso wird das Bonmot zugesprochen, dass es ganz einfach sei, Verdis Trovatore zu besetzen: man benötige nur die vier besten Sänger der Welt. Ob dies in Frankfurt gelingen wird, sei dem Publikum überlassen. Der amerikanische Bariton Brian Mulligan (Luna) war hier zuletzt 2016/17 als Golaud in Debussys Pelléas et Mélisande zu Gast. Elza van den Heever (Leonora) stammt aus Südafrika. Seit ihrem Ausscheiden aus dem Ensemble 2014 gastiert sie regelmäßig im Haus am Willy-Brandt-Platz, zu dessen Publikumslieblingen sie gehört. Dazu zählt auch Tanja Ariane Baumgartner (Azucena), Ensemblemitglied seit 2009/10 und hier zuletzt als Cassandre in Berlioz? Les Troyens erfolgreich. Sein Hausdebüt gibt der italienische Tenor Piero Pretti in der Partie des Manrico, die ihn zuvor u.a. nach Amsterdam und Macerata führte. Im Laufe der Aufführungsserie greifen verschiedene Umbesetzungen.

Premiere: Sonntag, 10. September 2017, um 18.00 Uhr im Opernhaus

Weitere Vorstellungen: 14., 17., 23., 30. September, 3. (15.30 Uhr), 7. Oktober, 15., 23., 25. (18.00 Uhr),
31. Dezember 2017, 6., 10., 13. Januar 2018

Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr
Preise: € 15 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Pressemeldung Oper Frankfurt

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Bregenz, Festspiele 2017, Carmen – Im Bann von Karten und Symbolen, IOCO Kritik, 01.08.2017

August 1, 2017 by  
Filed under Bregenzer Festspiele, Hervorheben, Kritiken, Oper

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Bregenzer Festspiele

Bregenzer Festspiele / Carmen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Carmen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenz: Im Bann von Karten und Symbolen

Carmen von George Bizet

Von Daniela Zimmermann

Der prüfende Blick zum Himmel gehört dazu. Ausgerechnet an diesem Tag musste das Wetter nach all der vorangegangenen Hitze umschlagen; graue Wolken und Kühle. Aber wir, all die 7000 Zuschauer auf der ausverkauften Festspieltribüne am See, hatten Glück. Es blieb bei Wolken, es regnete nicht, das Event nahm seinen Lauf.

Der aus Dänemark stammende Regisseur Casper Holten bringt seine Carmen Inszenierung  in zwei  Stunden, ohne Pause. Holten und seine englische Bühnenbildnerin Es Devlin sind eingespielt. Das spektakuläres Bühnenbild von Es Devlin dominiert das Geschehen auf die Seebühne: Zwei riesige, 21 Meter hohe Hände links und rechts der Bühne, eine Hand mit glimmender Zigarette. Die Hände sind wirken etwas ungepflegt, der Nagellack blättert leicht ab. Überdimensionierte Spielkarten schweben zwischen den Händen in der Luft, verteilen sich auf dem Boden, bewegen sich beständig zur Komposition passend. Diesen Karten haucht Luke Halls mit faszinierenden, in Ausdruck und Farben beständig wechselnden Videoprojektionen die in Bizets´ Komposition gegebene Symbolik ein. Diese Karten, sich drehend, als beständig changierende Projektionsfläche wie als Lauffläche dienend und letztlich auch teilweise  im Bodensee versinkend, werden zum zentralen wie auffälligen  Element der  Carmen – Inszenierung der Bregenzer Festspiele 2017.

Bregenzer Festspiele / Carmen - Carmen, Solisten und Ensemble © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Carmen – Carmen, Solisten und Ensemble © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Die Videoprojektionen Luke Halls beschreiben das Schicksal der  Protagonisten auf der Bühne: Die Herzdame leuchtet für die kartengläubige Zigeunerin und Schmugglerin  Carmen auf, der Karo Bube für Don José, das schwarze Pik As für Escamillo. Rote aufgedeckte Karten unterstreichen die quirlige Atmosphäre in der Schmugglerkneipe. Bei den Schmugglern verfließt das Schwarz der Karten in letztendlich trübe werdende Andalusische Postkarten. Gelegentlich werden auch Carmen  oder Micaela singend in Großaufnahme auf eine der Karte projiziert. Auf der optisch ohnehin so ansprechenden Seebühne Bregenz mag man Augenschmaus, mitreißende Optik: Die vielfältigen Videoprojektionen auf übergroße Spielkarten sind das höchst gelungenes Medium dieser Inszenierung.

Auch leidet die Seebühne nicht unter den räumlichen Beschränkungen eines Opernhauses, es können zusätzliche Register gezogen werden: Der Bodensee, das Element Wasser, wird in die Inszenierung einbezogen. Spielkarten versinken letztlich auch im Wasser, Escamillo entsteigt einem Boot, Carmen – auf der Flucht – springt ins Wasser und schwimmt von dannen, Schmugglerware wird leise per Boot verfrachtet, wunderbar choreographierte Ballettszenen in knöcheltiefem Wasser werden bei eindrucksvoller Beleuchtung (Bruno Poet) und pinkfarbenen Karten getanzt.

Bregenzer Festspiele / Carmen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Carmen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Carmen ist eine selbstbewusste, starke Frau, freiheitsliebend und im jetzt lebend. Für konventionelles Leben nicht geschaffen. Deshalb war die Uraufführung 1875, wo konventionelles Gedankengut noch vorherrschend war, nicht gerade der große Erfolg. Heute garantiert Carmen, eine der weltweit am häufigsten aufgeführten Opern, hohes Zuschauerinteresse. Der Inhalt handelt, wie bei so vielen Opern, von leidenschaftlicher Liebe und Tod bringende Eifersucht: Carmen verliebt sich in Sergeant Don José, der, ihr verfallen, seine Karriere opfert, in seinen Untergang steuert. Die Don José liebende liebende Micaela kann dessen Herz nicht mehr erreichen, während Carmen, ihre Freiheit lebend, sich in den Torero Escamillo verliebt. Der emotional überforderte und verzweifelte Don José tötet die spottende Carmen. In diesen Bregenzer Festspielen ertränkt er Carmen im Bodensee.

Alle Carmen Rollen der Bregenzer Festspiele sind bis zu dreifach besetzt. Zur von IOCO besuchten Vorstellung füllte die ukrainische Sängerin Lena Belkina in ihrem  Debut die große Partie der Carmen mit warm vollen Mezzo mühelos aus. Ebenso stark stellt Melissa Petit die Partie der Micaela, dem einfachen Mädchen vom Dorf, dar. Ihre Partie singt sie mit wunderbar lyrischem Timbre, klar, innig, sanft. Hinreißend ihr Gebet aus 20 Metern luftiger Höhe, auf der Spitze des Spielkarten-Schmugglergebirges.  Gegen diese starken Sängerfrauen Carmen und Micaela behauptet sich Martin Muchle  in seiner zwiespältigen Partie des Don José, rechtschaffend als Sergeant – unberechenbar als der Carmen verfallener, nur schwer. Der Escamillio-erfahrene Litauer Kostas Smoriginas gibt der zentralen Partie mit stattlicher Erscheinung und breitem, rundem Bassbariton den tragenden zentralen Charakter. Auch die weiteren Partien des Abends waren hervorragend besetzt.

Bregenzer Festspiele / Carmen - Carmen und die Arbeiterinnen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Carmen – Carmen und die Arbeiterinnen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Die Wiener Symphoniker unter Paolo Carignani spielen mit hoher musikalischer Transparenz und Präzision; Ebenso der Prager Festspielchor und der Bregenzer Festspielchor und der Kinderchor der  Mittelschule Bregenz–Stadt runden das Klangvergnügen am Bodensee ab.

Carmen auf der einmaligen Seebühne Bregenz mit weitem Blick über den Bodensee ist ein großes Event, dominiert von einem spektakulären wie technisch facettenreichem Bühnenbild, packenden Video-Projektionen und faszinierenden Ballettszenen. Wenn auch die riesig dominante Bühnenbildoptik mit ihren technisch ausgeklügelten Facetten  den emotionalen Zugang des Besuchers zum sensiblen Charakter der Handlung wie zur Komposition ein wenig zu behindern scheint: Der Beifall der 7.000 Besucher auf der Seebühne Bregenz war eindeutig. Große Begeisterung für dies Carmen – Event!

Bregenzer Festspiele / Carmen - Bodensee und Carmen Bühnenbild bei Tag und ohne Projektionen © IOCO / Zimmermann

Bregenzer Festspiele / Carmen – Bodensee und Carmen Bühnenbild bei Tag und ohne Projektionen © IOCO / Zimmermann

Bregenzer Festspiele – Carmen von George Bizet wird auf der Seebühne Bregenz  bis zum 20. August 2017 aufgeführt.

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München, Bayerische Staatsoper, Macbeth – Giuseppe Verdi – Anna Netrebko, 18.12.2016

Dezember 9, 2016 by  
Filed under Oper, Pressemeldung

Staatsoper München / Macbeth- Anna Netrebko © Wilfried Hösl

Staatsoper München / Macbeth- Anna Netrebko © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München

Macbeth – Giuseppe Verdi

Anna Netrebko kehrt nach Eugen Onegin (Festspiele 2015) als Verdis Lady Macbeth in Martin Kušejs Inszenierung an die Bayerische Staatsoper zurück. Franco Vassallo übernimmt die Rolle des Macbeth und Paolo Carignani dirigiert das Bayerische Staatsorchester.

Sonntag, 18. Dezember 2016 – 18.00 Uhr – 21.10 Uhr Nationaltheater,   Dauer ca. 3 Stunden 10 Minuten · 1 Pause zwischen 1. + 2. Akt und 3. Akt (ca. 19.35 – 20.00 Uhr)

In den schönsten Tönen offenbaren uns Macbeth und seine Lady ihre leidenschaftlichen und unheimlichen Gefühle. Doch hinter dieser Schönheit liegt ein Abgrund, den Verdi mit einem der grausamsten Dramen der Weltliteratur enthüllt. Um zur Macht zu gelangen und um sie, da sie einmal erreicht ist, zu bewahren, begehen Macbeth und seine Lady einen Mord nach dem anderen. Die Unbedingtheit ihres Verlangens verleiht ihrer Liebe eine Radikalität, die bis dahin in der Oper undenkbar war. „Das Sujet der Oper ist weder politisch noch religiös: Es ist phantastisch“, schrieb Verdi und rückte Shakespeares Vorlage damit einer „romantischen“ Lesart näher. Und tatsächlich lassen sich Hexen, Geister und Erscheinungen, lässt sich das Unheimliche, das den Gesang und die szenischen Vorgänge, mithin die ganze Welt dieser Oper beherrscht, als äußeres Bild für die inneren Zustände seiner Protagonisten verstehen.

Besetzung
Musikalische Leitung : Paolo Carignani, Regie : Martin Kušej, Bühne : Martin Zehetgruber
Kostüme : Werner Fritz, Licht : Reinhard Traub, Chor : Sören Eckhoff
Dramaturgie : Sebastian Huber, Dramaturgie : Olaf A. Schmitt

Macbeth : Franco Vassallo, Banco : Ildebrando D’Arcangelo
Lady Macbeth : Anna Netrebko, Dama di Lady Macbeth : Selene Zanetti
Macduff : Yusif Eyvazov, Malcolm : Dean Power, Arzt Kristof Klorek
Diener Sean : Michael Plumb, Mörder : Sean Michael Plumb
Erscheinung 1 : Milan Siljanov, Erscheinung 2 : Anna El-Khashem
Erscheinung 3 : Tölzer Knabenchor.  PMBStoM

 

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