Detmold, Landestheater Detmold, Der Wildschütz – Albert Lortzing, IOCO Kritik, 09.01.2020

Januar 8, 2020 by  
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Landestheater Detmold

Landestheater Detmold © Björn Klein

Landestheater Detmold © Björn Klein

Der Wildschütz – Albert Lortzing

– Die Anti-Oper des Biedermeier –

von Karin Hasenstein

Der Premierenabend im Landestheater Detmold begann mit einer Ansage. Meist verheißt es ja nichts Gutes, wenn vor der Vorstellung ein Mitarbeiter vor den Vorhang tritt. An diesem Abend hatte Eungdae Han sein überraschendes Debüt als Baron Kronthal. Eigentlich war er als Mitglied des Opernstudios als Studienbesetzung vorgesehen und sollte erst eine der späteren Vorstellungen singen. Aufgrund der Erkrankung von Stephen Chambers hatte er seinen großen Auftritt nun schon in der Premiere.

Vor dem geschlossenen Vorhang erblicken wir Geweihe (oder sind es Gehörne? Die Waidmänner unter den Leserinnen mögen mir verzeihen) und englische und deutsche Begriffe in Leuchtschrift: „Lovedom“ und „Aureal“, „Liebe“, „Phantasie“, „real“. György Mészáros nimmt die Ouvertüre unaufgeregt in ruhigem Tempo. Der Charakter der Waldidylle wird unterstrichen von Hörnern und Flöten.

Der Wildschütz – Albert Lortzing
youtube Trailer Landestheater Detmold
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Der Vorhang hebt sich und gibt den Blick frei auf sechs Figuren, die noch im Dunkeln stehen. Auf eine Gaze wird ein dichter Wald projiziert, durch den ein Jäger mit seiner Flinte streift. Die Melodie von „Auf des Lebens raschen Wogen“ erklingt und der Jäger und die weiteren Figuren bewegen sich. Die Personen tragen „moderne“, also heutige Kostüme mit poppig bunten Elementen und Versatzstücken. Der Jäger erschießt einen Hirsch und wird der Wilderei überführt. Auf der Bühne fällt der Blick auf ein technisches Gerät, das am ehesten an eine große Radio-Antenne oder ein Radar erinnert.

In der nun folgenden Hochzeitsszene tritt der kleine aber feine Chor des Landestheaters auf. In Gelb-, Grün- und Erdtöne gekleidet gibt er „So munter und fröhlich wie heute“ zum Besten. Der Schulmeister Baculus (herrlich bieder und spießig: Seungwoen Lee) begrüßt seine junge Braut Gretchen (niedlich mit Zöpfen und Kleidchen: Annina Olivia Battaglia, quasi eine Vorzeige-Soubrette), die resigniert feststellt „Er könnte etwas jünger sein…!“ Die geheimnisvoll Maschine spuckt eine Rohrpost vom Grafen aus nebst Wein für die Feier. Praktisch, vielleicht gibt das Landestheater die Maschine später ab…

Landestheater Detmold / Der Wildschütz - hier : Benjamin Lewis als Graf von Eberbach, Stephen Chambers als Baron Kronthal © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Landestheater Detmold / Der Wildschütz – hier : Benjamin Lewis als Graf von Eberbach, Stephen Chambers als Baron Kronthal © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Im nun folgenden Dialog lernen wir, dass der Baron den Schulmeister wegen Wilderei entlässt. Ein Plan muss her, sonst ist es mit der Hochzeit aus. („Lass er doch hören!“) Gretchen will aufs Schloss, um den Grafen umzustimmen. Annina Olivia Battaglia kann hier ihren leichten klaren Sopran strahlen lassen und brilliert mit perfekter Höhe. Begleitet wird sie von Flöte und den wiederholt äußerst angenehm auffallenden Hörnern. „Wie kannst Du so mein Herz nur schüren“ ist kantabel, gut deklamiert und gestaltet, dramatisch und gleichzeitig komisch, was bekanntlich viel schwerer ist, als ernst oder tragisch. Letztendlich ist alle Mühe jedoch vergeblich, Gretchen darf nicht aufs Schloss.

Die Maschine beginnt sich zu drehen und brummt, nimmt die Funktion eines Flugobjekts oder einer Rakete an. Sie könnte auch das Schiffchen darstellen, das die Baronin im nun folgenden Titel besingt, „Auf des Lebens raschen Wogen“. Dazu ziehen sich die Baronin und ihre Zofe (herrlich im Zusammenspiel: Emily Dorn und Lotte Kortenhaus) Lollis aus der Wundermaschine. Die beiden Frauen legen eine Art Matrosenuniform an (in weiß und fliederfarben), dazu Bänder und Mützen wie Verbindungsstudenten. Derart „getarnt“ treffen sie auf den Schulmeister und Gretchen, die sich heftig streiten. Die Baronin will als „Mädchen“ verkleidet den Baron gewinnen, die Aufmerksamkeit des Zuschauers wird herausgefordert: eine Frau verkleidet sich als Mann verkleidet sich als Frau.

Der folgende Dialog zwischen Gretchen und Nanette wird von der wunderbaren Horngruppe mit Jagdsignalen beendet. Auf der Bühne liegen nun die Worte „Blut“, „Rausch“ und blutige Handschuhe herum. Die dazu ablaufende recht blutige Choreografie bedient sich toter Hasen und ähnlichem. Die Baronin sing in ihrer „Mädchen-Verkleidung“ „Bin ein schlichtes Kind vom Lande“, der Chor antwortet mit „Auf dem Lande will ich bleiben“. Dadurch entsteht ein Ensemble wie schon bei Mozart, dazu heult der Wind Unheil verkündend.

Der Graf spendiert aus der Maschine Süßigkeiten. Er erkennt den Schulmeister und Wilderer. Die Szene wird noch absurder, als zwei Züge aufgezogen werden und die Gräfin in einem Theater auf dem Theater als Antigone erscheint. Da bleibt kein Auge trocken. Die Zuschauer in ihrem Theater, die das offenbar regelmäßig erdulden müssen, sind bereit alle eingeschlafen. Pankratius hat auch seine liebe Not… Der Chor ist sehr überzeugend, in deutlicher Textverständlichkeit, differenzierter Dynamik erscheint auch diese Chorszene exzellent durchhörbar.

Landestheater Detmold / Der Wildschütz - hier : Nanette, Emily Dorn als Baronin Freimann © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Landestheater Detmold / Der Wildschütz – hier : Nanette, Emily Dorn als Baronin Freimann © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Dem kurzen Dialog zwischen dem Schulmeister und Pankratius folgt eine Arie des Barons, ein schöner und leichter Buffotenor, allenfalls ein wenig eng in der Höhe. Hinter dem Vorhang singt die GräfinAuf dem Lande“ und stellt fest „Ich werde glücklich sein!“ Das ist jedoch ein Irrtum…

Das nächste Unglück ist, dass die Musikanten abgesagt haben, glücklicherweise kann der Schulmeister Klavier spielen. Der Baron ist gar nicht einverstanden „Was hör‘ ich, mir aus den Augen!„, hat er den Wilderer doch verbannt. Unterbrochen wird er jedoch von dem „Kind vom Lande“ mit den Worten „Ach, Sie verzeihen, dass ich hier so trete ein“. Das sich daraus entwickelnde Quintett gelingt den Solisten ausgesprochen gut. Beschwingt werden die Zuschauer in die Pause entlassen.

Nach der Pause steht Antigone immer noch in dramatischer Pose auf dem Podest…Beim anschließenden gesprochenen Text des Barons fällt wiederholt der starke Akzent Eungdae Hans auf, den er beim Singen besser im Griff hat.In der darauffolgenden Arie ist das Orchester ein stets wacher zuverlässiger Begleiter. Es folgen weitere Dialoge, Arien und Ensembles, allesamt in gleichmäßiger guter Qualität.

Langsam gleitet das Ganze ein bisschen ins Slapstick ab, als der Graf und der Stallmeister in Strapsen und rosa Mieder um das Mädchen spielen. Der Graf fesselt sie mit ihrer roten Wolle, mit der sie kurz zuvor noch gestrickt hat, das Ganze erinnert fast ein bisschen an eine Bondage-Szene. Zu amourösen Verwicklungen entspinnt sich wieder ein Mozartesques Quintett, als die Gräfin dazukommt. Der Stallmeister will die Braut des Schulmeisters und bietet ihm für sie 5.000 Taler. „5.000 Taler! Träum‘ oder wach‘ ich?“ fragt sich da nicht nur der Schulmeister. Immer wieder erklingt im Orchester leicht und spielerisch das Jagdmotiv. Bei der Instrumentierung dominieren klar die Hörner.

Bei diesem verlockenden Angebot kann der Schulmeister nicht widerstehen und er verschachert seine junge Braut. Die Gräfin / Antigone und andere Personen lösen sich mit Chipkarten verschiedene Dinge aus der Wundermaschine, die inzwischen in einem Winterwonderland steht. Die Arie des Grafen „Wie strahlt die Morgensonne!“/ „Heiterkeit und Fröhlichkeit“ gerät ausgesprochen brillant und überzeugend.

Landestheater Detmold / Der Wildschütz - hier : das Ensemble © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

Landestheater Detmold / Der Wildschütz – hier : das Ensemble © Landestheater Detmold / A.T. Schaefer

In der nun folgenden Dialogszene zwischen dem Grafen und dem Stallmeister herrscht Irritation darüber, wer nun Gretchen ist, von der es plötzlich zwei identische Ausgaben gibt! Es stellt sich schnell heraus, es ist des Grafen Schwester! Ein Bürgerlicher und eine Gräfin? Ja, geht das denn? Die Maschine im Winterwald beginnt zu brummen und färbt sich rot. An drei roten Bändern sind die Personen angebunden und in ihrer Bewegungsfreiheit beschränkt. Die Aufklärung lässt nicht lange auf sich warten, es ist die Schwester, also „die Stimme der Natur“. „So hat mich nicht getäuscht die Stimme der Natur!“ Nun ziehen alle vier an den roten Bändern, zwei Geschwisterpaare, und das Fazit ist: „Unschuldig sind wir alle!“ Konfettikanonen versprühen Partylaune und Blumengirlanden schmücken die glücklichen Geschwister.

Wie sich das für eine gute Komische Oper gehört, wird zum Schluss die Auflösung präsentiert. „Der Unschuld Augen rühren mich“ und der Graf klärt auf: der Schulmeister hat gar keinen Hirschen gewildert, sondern nur den eigenen Esel erschossen. Damit entfällt auch der Grund für die Verbannung. Der Schulmeister muss erkennen „So hat mich denn getäuscht die Stimme der Natur!“ Er darf im Amt bleiben und behält obendrein auch noch sein Gretchen, denkt er. Die Zofe jedoch schneidet Gretchen von ihrem Band los und nimmt sie mit sich fort. Als die Schere das Band zerschneidet, fallen alle anderen um. Das Licht erlischt, der Vorhang fällt. Ende.

Was an diesem Premiereabend im Landestheater Detmold auffällt, ist wieder die homogene Ensembleleistung. Solisten, Chor und Orchester agieren über zweieinhalb Stunden auf gleichbleibend hohem Niveau. Das ist viel für eine Komische Oper, denn irgendwie muss man ja bei relativ dürftiger Handlung die Zuschauer „mitnehmen“, wenn es schon keine große intellektuelle Herausforderung ist. Dann doch bitte wenigstens gute und kurzweilige Unterhaltung. Die wird in Detmold konsequent geboten, eine eindeutige Stärke des kleinen Hauses in der Residenzstadt. Einzelne Solisten herausheben hieße andere herabsetzen, was hier ausdrücklich nicht geschehen soll. Daher sei stellvertretend Anna Olivia Battaglia genannt, die ein wirklich zauberhaftes Gretchen gibt. Sängerisch wie darstellerisch bleiben hier keine Wünsche offen. Bei den Herren sei der Retter der Premiere, Einspringer Eungdae Han genannt. Er lieferte an diesem Abend sein bravouröses Debüt. Der spielfreudige Opern- und Extrachor (Einstudierung Francesco Damiani) trug ganz wesentlich zum guten Gelingen des Abends bei und ist immer eine sichere Bank. Das Orchester des Landestheater Detmold unter György Mészáros ist Solisten und Chor durchweg ein sicherer und sensibler Begleiter. Solisten werden nicht zugedeckt, der Gesamtklang in dem kleinen Haus bleibt stets ausgewogen. Mészáros kennt sein Haus und seine Akustik und geht sensibel und gekonnt damit um.

Alles in allem ein rundum erfreulicher Premierenabend, für den sich das Publikum mit lang anhaltendem Applaus und standing ovations bedankte.

—| IOCO Kritik Landestheater Detmold |—

München, Gärtnerplatztheater, Der Wildschütz von Albert Lortzing, IOCO Kritik, 11.02.2018

Februar 11, 2018 by  
Filed under Kritiken, Oper, Staatstheater am Gärtnerplatz

Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gaertnerplatztheater München © Christian Pogo Zach

Gaertnerplatztheater München © Christian Pogo Zach

Der Wildschütz von Albert Lortzing (1801 – 1851)

Von Daniela Zimmermann

Jagen in Bayern ist immer aktuell. Ist es auch Der Wildschütz von Albert Lortzing ?

Lortzing komponierte seinen Wildschütz in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, in der Biedermeierzeit, nach dem Lustspiel Der Rehbock des 1819 ermordeten August von Kotzebue. Im wahrsten Sinne des Wortes, ist auch die Handlung des Wildschütz biedermeierlich. Natürlich dreht sich alles um die Jagd nach Liebe und Ansehen, aber dabei eben auch um die bürgerliche Moral und um den adligen Sittenverfall. Damals höchst gesellschaftskritische Themen.

Lortzing war ein Theatertalent, er hatte ein Gespür für das, was gefällt und was das Publikum begeistert. Und so entstand ein komödiantisches Opernlibretto mit einer besonders beschwingten und mitreißenden Musik. Am Sylversterabend 1842 wurde der Wildschütz in Leipzig uraufgeführt und zugleich ein großer Erfolg. Das süffisante Verwechslungsspiel und unterschiedlichste Milieus erfreuten damals wie heute die Besucher.

Gärtnerplatztheater München / Der Wildschütz - hier Jasmina Sakr als Gretchen und Chor des Staatstheaters © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater München / Der Wildschütz – hier Jasmina Sakr als Gretchen und Chor des Staatstheaters © Christian POGO Zach

Der Österreicher Georg Schmiedleitner inzenierte am Gärtnerplatztheater den Wildschütz  am Gärtnerplatztheater mit österreichischem Esprit und Charme.

Die Geschichte ist ein Verwechslungsspiel, das sich zum Schluss zur Lust und Freude aller wundervoll klärt und auflöst. Der Dorfschullehrer Baculus, ein etwas verschrobener, und obendrein dummdreister Typ, von Christoph Seidl, mit kräftigem Bass wunderbar dargestellt, feiert Verlobung mit dem viel jüngeren Gretchen. Da trifft ein Brief des Grafen ein, der dem Schulmeister wegen Wilderei in seinem Revier das Amt und die Würde kostet: Hinnehmen? Nein, es muss mit dem Grafen gesprochen werden, aber wer?  wenn nicht sein Gretchen (Jasmina Sakr). Der Graf von Eberbach, gesungen von Liviu Holender ist natürlich der g…lste Bock im Revier. Großspurig, mit seinem unsentimentalen, robusten Bariton. Da erscheint Baronin Freimann, die Schwester des Grafen (Sophie Mitterhuber) verkleidet als Student. Sie ist die Rettung in der Not. Als Gretchen verkleidet begibt sie sich als Fürbitterin zum Grafen aufs Schloss. Sophie Mitterhuber sang und spielte das Gretchen allerliebst, mit hellem Sopran und reizendem Aussehen.

Im Schloss deklariert die Gräfin Eberbach (Anna Agathonos) Sophokles Antigone Ihr Diener Pankratius, Martin Hausberg, schiebt in dröhnendem Slapstick die Kulissen. Ihre Liebe gehört dem Altertum und als vernachlässigte Ehefrau schwärmt sie für ihren jungen Stallmeister, mit jugendlichem Tenor von Alexandros Tilogiannis, ihrem Bruder,  Baron Kronthal, aber der ist inkognito und sie ahnt nichts von dieser Verwandtschaft. Um das verkleidete Gretchen, die zauberhafte Unschuld vom Lande buhlen jetzt alle, der Baron und der Graf, Der Graf ist sogar bereit für das schöne Gretchen 5000 Taler zu bieten. Aber er will nicht das echte Gretchen, sondern das verkleidete Gretchen. Der Schulmeister wähnte sich schon reich, aber letztlich bleibt ihm sein Gretchen erhalten. Die inkognito Geschwister geben sich zu erkennen und wie soll es anders sein, sie verlieben sich, standesgemäß ineinander. Und der Schulmeister hat nur seinen eigenen Esel erschossen und kein Wild des Grafen. Also zurück in die Schule.

Gärtnerplatztheater München / Der Wildschütz - hier Mathias Hausmann als Graf von Eberbach, Alexandros Tsilogiannis als Baron Kronthal und Chor des Staatstheaters © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater München / Der Wildschütz – hier Mathias Hausmann als Graf von Eberbach, Alexandros Tsilogiannis als Baron Kronthal und Chor des Staatstheaters © Christian POGO Zach

Die große Zielscheibe, das Bühnenbild, entworfen von Harald B. Thor, ist der zentrale Mittelpunkt der Aufführung. Das divergierende Spiel des Lichtes lässt die Scheibe immer wieder anders wirken, mal rot, mal grün, mal violett. Mal geht sie in die Höhe, mal senkt sie sich und sie schwenkt sich auch, zum sichtbaren Abrutschen der Sitten. Röhrende Hirsche und Vierzehnender Esel werden auch auf sie projiziert. Dazu kommt die Drehbühne zum Einsatz auf der in großem Tempo gewalkt wird, nicht nur die Solisten, auch der Chor walkt mit.  Die Zielscheibe wird dann im Schloss zum Billardtisch. Am Billardtisch wird mit den übergroßen Stöcken um Gretchen gekämpft, die als Phallussymbole den Sex, der  diese Oper mit trägt, symbolisieren. Symbolträchtig als Phalli werden auch die Gewehre eingesetzt. In der Billard-Szene singt Baculus die Arie 5000 Taler. Glückselig über den unverhofften Reichtum fährt er auf der Scheibe nach oben gen Himmel, während 3 Teufelchen unter der Scheibe das Geld zählen. Geld wichtiger als Gretchen?  Am Billardtisch fallen sich auch die neu Verliebten in die Arme. Eine zentrale Szenen, die Billardkugeln gleichen den Menschen, die wie diese hin und her geschoben werden.

Gärtnerplatztheater München / Der Wildschütz - hier Chor des Staatstheaters © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater München / Der Wildschütz – hier Chor des Staatstheaters © Christian POGO Zach

Im Orchestergraben dirigiert Brandstätter mit rasantem Tempo und unterstützt damit den modernen Boulevardcharakter dieser Oper. Der Chor ist sehr wandlungsfähig; singt gut und spielt tatkräftig mit. Auch die hell-jungen Stimmen des Kinderchores

Es war perfekt; trotzdem kam das Komödiantische nicht so recht rüber. Wahrscheinlich ist die Biedermeierzeit zu weit entfernt von uns. Auch das Verwechslungsspiel wirkte auch eher etwas ermüdend. Das Komödiantische dieser Oper ist schlichtweg veraltet. Schade, denn in dieser Wildschütz- Produktion steckt viel Aufwand. Leider, zündet es nicht.

—| IOCO Kritik Staatstheater am Gärtnerplatz |—

Leipzig, Oper Leipzig, Wiederaufnahme: DER WILDSCHÜTZ, 16.01.2016

Januar 11, 2016 by  
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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Adreas Bikigt

Oper Leipzig © Adreas Bikigt

 DER WILDSCHÜTZ  von  ALBERT LORTZING

Nach einem Lustspiel von August von Kotzebue

Wiederaufnahme am 16. Januar 2016, 19:00, Musikalische Komödie  Aufführungen 17. Jan. 2016, 27. Feb. 2016,  28. Feb. 2016

Ein Rehbock ist das Corpus delicti, das den verschrobenen Dorfschulmeister Baculus in die Welt der Blaublütigen führt. Baculus, der seine Hochzeit mit einem schönen Festtagsbraten krönen will, wird auf frischer Tat der Wilderei in den gräflichen Gefilden überführt. Nun steht ihm die Kündigung bevor. Doch Baculus weiß, wie sich der Graf vielleicht erweichen lassen könnte. Denn dieser ist in puncto Frauen kein Kostverächter, sehr zum Leidwesen seiner exzentrischen Frau Gemahlin. Aus Angst, seine junge Braut könnte in die gefährlichen Fänge des brünftigen Platzhirschen geraten, heuert Baculus einen jungen Studenten an, sich als seine Braut zu verkleiden und gemeinsam mit ihm beim Grafen um Gnade zu ersuchen. Damit ist der Anfang gemacht für ein schlüpfriges Verwirrspiel der Identitäten und Geschlechterrollen. Hier scheint jeder hinter jedem her zu sein. Dabei folgt doch alles nur der Stimme der Natur.

MUSIKALISCHE LEITUNG TOBIAS ENGELI, INSZENIERUNG VOLKER VOGEL
AUSSTATTUNG ALEXANDER J. MUDLAGK
CHOREINSTUDIERUNG MATHIAS DRECHSLER

BESETZUNG:
GRÄFIN VON EBERBACH: Carolin Masur, BARONIN FREIMANN: Mirjam Neururer
GRETCHEN: Nora Lentner, GRAF VON EBERBACH: Kostadin Arguirov
BARON KRONTHAL: Radoslaw Rydlewski, BACULUS: Milko Milev
PANKRATIUS: Michael Raschle, Chor Musikalische Komödie
Orchester Musikalische Komödie

—| Pressemeldung Oper Leipzig |—

Schwerin, Mecklenburgisches Staatstheater, Wiederaufnahme: Der Wildschütz, 03.10.2015

September 18, 2015 by  
Filed under Mecklenburgisches Staatstheater, Pressemeldung

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Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin

Mecklenburgischs Staatstheater Schwerin © Silke Winkler

Mecklenburgischs Staatstheater Schwerin © Silke Winkler

Wiederaufnahme: Der Wildschütz

Komische Oper in drei Akten
Musik und Libretto von Albert Lortzing

Wiederaufnahme am Sa, 03.10.2015 · 19:30 Uhr · Großes Haus

Ein Hochzeitsbraten ist das Corpus delicti, das dieser turbulenten Komödie richtig Fahrt verleiht. Denn dummerweise erlegt Dorfschulmeister Baculus den Bock nicht ganz legal. Vom Grafen wird er nun des Wilderns bezichtigt – und darauf steht Entlassung. Doch das geht auf gar keinen Fall, denn immerhin ist er der Bräutigam in spe und hat weiß Gott anderes zu tun. Ein Plan muss also her, um die Strafe abzuwenden: Als attraktive Braut verkleidet soll ein Student den Grafen umstimmen, denn dessen Jagdleidenschaft für das schöne Geschlecht ist allseits bekannt. Der Plan scheint zu funktionieren, doch anders als gedacht: Während im Schloss bereits erhitzt um die Gunst der vermeintlichen Braut gebuhlt wird, wildert Baculus strategisch im ehelichen Revier des adligen Platzhirschen und entfacht so ein Wirrwarr an urkomischen Missverständnissen, doppeldeutigen Maskenspielen und erotischen Begehrlichkeiten.

Lortzings 1842 komponierter „Wildschütz“ ist mit seiner unerhört frischen Musik eine zeitlose Komödie auf gesellschaftlichen Dünkel und das so gern betonte Stigma des „kleinen Mannes“ und bietet satirischen Zündstoff pur. Die künstlerische Umsetzung obliegt der Regisseurin Kornelia Repschläger, die in Schwerin im Jahr 2006 bereits Massenets „Werther“ erfolgreich inszenierte. Die „Opernlounge: Carmen“, ihre unkonventionelle Bearbeitung der Oper „Carmen“ in Kurzform, war 2014 im Schweriner E-Werk in überwiegend ausverkauften Vorstellungen zu erleben. Für den „Wildschütz“ stehen ihr Bühnenbildner Olaf Grambow und die Hamburger Kostümbildnerin Claudia Kuhr, die bereits in Schwerin das Kostümbild zu den Balletten „Der Nussknacker“ und „HardBeat – Das Rockballett“ kreierte, zur Seite. Die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin spielt unter der Musikalischen Leitung ihres 1. Kapellmeisters Gregor Rot.

Musikalische Leitung: Gregor Rot/Martin Schelhaas
Inszenierung: Kornelia Repschläger
Bühne: Olaf Grambow
Kostüme: Claudia Kuhr
Choreografie: Nicola Mascia
Chor: Ulrich Barthel
Dramaturgie: Katharina Riedeberger

BESETZUNG:
Graf von Eberbach: Markus Vollberg, Remo Tobiaz
Die Gräfin: Sophia Maeno
Baron Kronthal: Steffen Schantz
Baronin Freimann: Stamatia Gerothanasi, Ks. Petra Nadvornik
Nanette: Anne Ruth Kiefer, Daniela Sieveke
Baculus: Sebastian Kroggel
Gretchen: Katrin Hübner
Pankratius: Christian Hees
Opernchor
Extrachor
Kinderchor
Statisterie
es spielt die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin

Die nächsten Termine:
Fr, 09.10.2015 · 19:30 Uhr · Großes Haus
So, 01.11.2015 · 18:00 Uhr · Großes Haus
Do, 26.11.2015 · 19:30 Uhr · Großes Haus
So, 20.12.2015 · 18:00 Uhr · Großes Haus

—| Pressemeldung Mecklenburgisches Staatstheater |—

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