Münster, Picasso Museum, „Im Rausch der Farben“ – Ausstellung, IOCO Aktuell, 16.10.2019

Oktober 15, 2019 by  
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Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster © Kunstmuseum Pablo Picasso

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster © Kunstmuseum Pablo Picasso

Kunstmuseum Pablo Picasso

„Im Rausch der Farben – Von Gauguin bis Matisse“

  Französische Moderne  –  Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

von Hanns Butterhof

Dem Kunstmuseum Pablo Picasso Münster ist wieder ein Glücksgriff gelungen. In seiner Ausstellung „Im Rausch der Farben – Von Gauguin bis Matisse“ zeigt es sehenswert über sechzig Meisterwerke aus dem Musée d’Art moderne de Troyes, die bisher außerhalb ihres Stammhauses nur in Seoul zu sehen waren. Aus eigenen Beständen würdigt es den Namensgeber mit der Sonderausstellung „Wie Gott in Frankreich – Picasso kulinarisch“.

Die Ausstellung positioniert sich gleich zu Anfang mit einem kurzen schwarz-weiß-Film auf der Gewinnerseite der Kunstgeschichte. Der Reihe nach präsentieren sich die Künstler der „Fauves“, die Wilden, mit einschlägigen Kunst-Parolen, um dann in Boxkämpfen ihren Gegnern punktgenau den knock out zu versetzen. Warum sich die Fauves als Sieger im Kampf gegen die akademische und Salon-Malerei fühlen durften, zeigt die Ausstellung dann mit ihrem Farbrausch eindringlich.

 Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster / Ausstellung Im Rausch der Farben - hier : André Derain, Big Ben, 1906, Öl auf Leinwand © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster / Ausstellung Im Rausch der Farben – hier : André Derain, Big Ben, 1906, Öl auf Leinwand © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Die Werke entstammen dem Teil der Sammlung, die das Textilindustriellen-Paar Denise und Pierre Lévy dem französischen Staat für das  Musée d’Art moderne von Troyes, der Stadt in der Champagne, vermacht haben. Freund und künstlerischer Anreger der Lévys war André Derain (1880 – 1954), deren „Hausgott“, wie ihn der Direktor des Picasso-Museums, Dr. Markus Müller, im Gespräch nennt. Derain hatte mit seinen Künstlerfreunden um Henri Matisse (1869 – 1954) auf dem Pariser Salon d’Automne 1905 den Skandalerfolg gefeiert, der die lose Maler-Gruppe als „Les Fauves“ etablierte.

Entsprechend bildet Derain einen Schwerpunkt der mit Gemälden, Grafiken und Skulpturen bestens bestückten Ausstellung. Einen besonderen Blickfang im großen Ausstellungsraum bildet sein an Monet erinnerndes Gemälde „Big Ben“, und sein „Hafen von Collioure“ trägt deutliche Spuren seines Zusammenseins mit Matisse 1904 in der katalonischen Hafenstadt nahe der Kapitale Perpignan. Von der Erfindung ihrer völlig neue Bildsprache aus dem Licht Südfrankreichs spricht auch Chaim Soutinés (1893 – 1943) „Das Kapuzinerkloster von Céret“, das auf ein unweit von Collioure gelegenes Städtchen verweist, dessen Musée d’art moderne Céret noch viele Zeugnisse aus der frühen französischen Moderne und eine Vielzahl von Keramiken Pablo Picassos mit Stierkampfszenen besitzt.

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster / Ausstyellung : Im Rausch der Farben - hier : Félix Vallotton, Afrikanerin, 1910, Öl auf Leinwand, Foto Ville de Troyes, Carole Bell © Domaine public 2019

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster / Ausstyellung : Im Rausch der Farben – hier : Félix Vallotton, Afrikanerin, 1910, Öl auf Leinwand, Foto Ville de Troyes, Carole Bell © Domaine public 2019

Der Ausstellung im westfälisch verregneten Münster eignet ein Hauch von Leichtigkeit, als atme sie die helle Luft des französischen Südens, und vermittelt jenseits von systematischem Sammlertum etwas von den sympathisch persönlichen Neigungen der Lévys. So fallen Werke von Jean Metzinger (1883 – 1956) wie seine  sanft kubistische „Frau von vorne und im Profil“ oder von Robert Delaunay (1885 – 1941) „Die Läufer“ ins Auge, daneben von Amado Modigliani (1884 – 1020) das Portrait „Jeanne Hébuterne“, von Max Ernst (1891 – 1976) eine Landschaft, und dazwischen überrascht die nahezu fotorealistisch gemalte „Afrikanerin“ von Félix Valloton (1865 – 1925). Im Kontrast dazu steht das Portrait “Junge Kreolin“ von Paul Gauguin (1848 – 1903), und wieder anders strahlen die Pointilisten Paul Signac (1863 – 1935) mit dem lichten Aquarell „Venedig“ oder Georges Seurat (1859 – 1891) mit dem „Vorort“.

Erstaunlich sind auch Sujet-Ähnlichkeiten zu entdecken. Atelierszenen oder Blicke aus dem Fenster auf die Straße wie von Maurice Marinot (1882 – 1960) erinnern frappant an Bilder der Ausstellung „Raoul Dufy – Les Ateliers de Perpignan 1940 – 1950“,  wie sie letztes Jahr im Musée d’art moderne Hyacinthe Rigaud in Perpignan zu sehen waren. Dort läuft gegenwärtig noch die sehenswerte Ausstellung „Rodin – Maillol – face à face“ mit charakteristischen Skulpturen der beiden Bildhauer, die auch in der Ausstellung im Picasso-Museum zu sehen sind. Auguste Rodin (1840 – 1917) etwa ist mit dem stolzen Kopf „Balzac“, Aristide Maillol (1861 – 1944) mit der hübschen „Krabbenfrau“ vertreten. Weitere Skulpturen finden sich verstreut in der Ausstellung, darunter Pferde- und Frauen-Motive von Edgar Degas (1834 – 1917).

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster / Ausstellung : Im Rausch der Farben - hier : Pablo Picasso, Drei Sardinen, 1948, Keramik (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2019

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster / Ausstellung : Im Rausch der Farben – hier : Pablo Picasso, Drei Sardinen, 1948, Keramik (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2019

In der Sonderausstellung  „Wie Gott in Frankreich – Picasso kulinarisch“ würdigt das Picasso-Museum in der 2. Etage aus eigenen Beständen Pablo Picasso (1881 – 1973) mit Linolschnitten, Lithografien, Keramiken und Gemälden rund um das Thema Essen und Trinken. Frisch gefangener Fisch, Artischocken und Wein lassen das Wasser im Munde zusammenlaufen. Manche Bilder vermitteln aber auch eine Ahnung von den Phantasien, die von der Lebensmittelknappheit in Frankreich zur Zeit der deutschen Besatzung angeregt wurden.

In beiden Ausstellungen kommt den Besuchern eine außerordentlich nahe Moderne entgegen, bei der erstaunen lässt, vor wie langer Zeit ihre Protagonisten gewirkt haben. Und dazu gesellt sich das Erschrecken, wie vorbei diese Epoche ist.

Die Ausstellung „Im Rausch der Farben – Von Gauguin bis Matisse“ im Kunstmuseum Pablo Picasso Münster läuft noch bis zum 19.1.2020.

Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag und Feiertage: 10.00 bis 18.00 Uhr. Freitag: 10.00 bis 20.00 Uhr.  Der ausführliche, umfassend bebilderte Katalog zur Ausstellung kostet an der Museumskasse 29,80 €, im Buchhandel 38,00 €.

—| ioco-art Kunstmuseum Pablo Picasso Münster |—

Münster, Picasso Museum, Ausstellung: Exoten und Moderne im Dialog, IOCO Aktuell, 06.02.2019

Februar 6, 2019 by  
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Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster © Lutz Oppermann

Kunstmuseum Pablo Picasso Muenster © Lutz Oppermann

Kunstmuseum Pablo Picasso Münster

Kunstmuseum Pablo Picasso – Münster

Exoten und Moderne im Dialog – Ausstellung 2.2. bis  28.4. 2019

von Hanns Butterhof

Das Kunstmuseum Pablo Picasso Münster, das bis September 2010 noch Graphikmuseum Pablo Picasso Münster hieß, ist eines der Museums-Kleinodien im westfälischen Münster. Es wurde im Jahr 2000 eröffnet und beherbergt über 800 Lithografien Pablo Picassos. 1997  hatte der Lengericher Sammler Gert Huizinga, der am 9. 12. 2018 im Alter von 91 Jahren verstorben ist,  722 Lithographien in eine von den Sparkassen in Westfalen-Lippe, der Westdeutschen Landesbank Girozentrale, den Westfälischen Provinzial-Versicherungen sowie von ihm und seiner Frau gegründete Stiftung eingebracht und damit den Grundstein für das münsterische Picasso-Museum gelegt.

Das Kunstmuseum Pablo Picasso liegt am Picassoplatz 1 in der Königsstraße. Seine Ausstellungsräume befinden sich in zwei historischen Gebäuden, dem von 1784 bis 1788 erbauten Druffel’schen Hof, einem der bedeutendsten Bauten des Klassizismus‘ der Stadt, und dem benachbarten Hensenbau, die im Zuge des Umbaus zum Museum Ende der 1990er Jahre miteinander verbunden wurden.

Die Sammlung des Picasso-Museums umfasst bis auf wenige Blätter das komplette lithografische Schaffen des Spaniers, darunter Abzüge von Zwischenzuständen und Probedrucke. Thematisch spannen die Werke den Bogen von Porträts über Stillleben bis hin zu bewegten Stierkampfszenen und antiken Fabelwesen.

Das Museum verfügt darüber hinaus über einen repräsentativen Querschnitt durch das gesamte grafische Schaffen von George Braque von 1926 bis zu seinem Todesjahr 1963. Die Kollektion zeichnet sich durch eine Vielzahl von Unikaten und Künstlervorzugsdrucken aus und ähnelt in ihrem Ateliercharakter der Picasso-Lithografien-Sammlung.

Seit 2008 besitzt das Museum 137 Grafiken des Malers Marc Chagall, maßgeblich aus den 50er und 60er Jahren, seit 2015 auch eine deutschlandweit einzigartige Grafik-Sammlung mit 121  Lithografien, Linolschnitte und Radierungen von Henri Matisse als Dauerleihgabe.

Lithographie von Honoré Daumier © Pablo Picasso Museum[

Lithographie von Honoré Daumier © Pablo Picasso Museum[

Für die große Ausstellung Marc Chagall – Der wache Träumer standen die Besucher Schlange. Mehr als 58.000 Kunstinteressierte kamen seit Oktober 2018 nach Münster, um die 120 Gemälde, Zeichnungen und farbigen Grafiken des französischen Ausnahmekünstlers zu bewundern.

 Aktuelle Ausstellungen: Daumier-Karikaturen,  Exotisches und Moderne im Dialog

(Kunst) zwischen Kult und Kritik

Vom 2. Februar bis 28. April 2019 zeigt das Picasso-Museum zwei neue Ausstellungen. In den Räumen des ersten Stocks wird unter dem Titel  Ein Fest für die Augen  erstmalig die Kollektion eines ungenannt gebliebenen Münsteraner Privatsammlers präsentiert. Im zweiten Stock sind unter dem Titel Honoré Daumier Die menschliche Komödie Lithographien des französischen Meisters der Karikatur zu sehen.

Dass des Sammlers weites Herz für zeitgenössische in Deutschland lebende Künstler schlägt, zeigt   ein Raum der Ausstellung Ein Fest für die Augen mit Arbeiten von Tony Cragg, Carsten Gliese, Christoph Worringer und Milo Köpp. Doch das wahre Fest für die Augen sind 85 Gemälde, Grafiken und Skulpturen, die dazu herausfordern, dem Einfluss der Volkskunst Afrikas und Asiens auf die europäische und außereuropäische Avantgarde nachzugehen. Ausdrucksstarke afrikanische Masken und Skulpturen stehen Vertretern der Moderne gegenüber, darunter auch Picasso, in dessen Werk sich deutliche Bezüge zu den vereinfachenden Geometrisierungen finden. Dabei ist durchgängig erkennbar, wie zwar die Formen der zentralafrikanischer Vorbilder übernommen wurden, nicht aber deren kultischer Gehalt.

Pablo Picasso Museum Münster / Khmer Kunst © Pablo Picasso Museum

Pablo Picasso Museum Münster / Khmer Kunst © Pablo Picasso Museum

Den markanten Schwerpunkt der Ausstellung bildet eine Gruppe von eindrucksvollen Khmer-Statuen, denen zwölf Bilder Mark Tobeys, einem Vertreter des Abstrakten Expressionismus in Amerika, gegenübergestellt sind. Während die Statuen den ganzen Raum mit nahezu sakraler Ruhe füllen,  lädt jedes einzelne der Werke Tobeys dazu ein, sich in ihm zu verlieren, wenn man sich in seine filigrane Linien- und Farbstruktur vertieft.

Wenn der Sammler mit dieser Ausstellung etwas von sich preisgibt, das nicht nur privater Natur ist, dann ist es ein Bedürfnis nach der Ruhe und Seinsgewissheit, die in den kultischen Figuren zu finden ist und die von der Moderne gesucht, aber kaum mehr gefunden wird.

Im zweiten Stock breitet sich mit etwa 100 Litographien die witzige Ausstellung  Honoré Daumier – Die menschliche Komödie aus. Mit ihr nutzt das Picasso-Museum die erste Gelegenheit, seine im Spätsommer 2018 als Schenkung erhaltene Daumier-Sammlung zu präsentieren. Eine lose Verbindung zum Picasso-Museum besteht darin, dass neben vielen Modernen wie Vincent van Gogh oder Edgar Degas auch Pablo Picasso ein großer Bewunderer und Sammler von Werken Daumiers war. Honoré Daumier beschreibt in seinen teils farbigen Grafiken überzeitliche menschliche Schwächen, die heute ebenso aktuell sind wie im 19. Jahrhundert; viele seiner Typen meint man persönlich zu kennen. Die Ausstellung zeigt Szenen zum politischen und gesellschaftlichen Zeitgeschehen sowie Blätter aus den beliebten Serien der Bankiers, Ärzte und Juristen, die Daumier wie kaum einen anderen Berufsstand regelmäßig kritisch unter die Lupe nahm.

 Pablo Picasso Museum Muenster / Privatsammlung Tony Cragg "Eichelhäher - Skulptur" © Pablo Picasso Museum

Pablo Picasso Museum Muenster /  Privatsammlung Tony Cragg „Eichelhäher – Skulptur“ © Pablo Picasso Museum

Beide Ausstellungen lassen sich auf verschiedenste Weise auf einander beziehen. Offensichtlich haben die exotischen Figuren und die karikierten Personen Daumiers ganz ähnliche Proportionen, überdimensionierte Köpfe bei reduziertem Körper. Doch ist ihre Funktion völlig gegensätzlich. Beschwören die einen konservativ den traditionellen Kultus, haben die anderen nichts weniger im Sinn als dies. Beide sehenswerte Ausstellungen zusammen stellen die Besucher vor die aktuelle Frage, wo sie heute zwischen Daumiers aufklärerischem Entlarven und dem kultischen Anspruch von Gewissheiten stehen. Unter diesem Gesichtspunkt gewinnt der Raum mit den Arbeiten der in Deutschland lebenden Künstler ein vertieftes Interesse, formulieren sie doch eine aktuell mögliche Position zwischen Kultus und Kritik.

Das Museum ist von Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10.00 – 18.00 Uhr geöffnet. Öffentliche Führungen finden Samstag, Sonntag und an Feiertagen um 15.00 Uhr und 16:30 Uhr statt.

Der Eintritt beträgt 10 €, ermäßigt 8 €, für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre 4 €. Kinder bis 6 Jahre haben freien Eintritt.

Kontakt: www.kunstmuseum-picasso-muenster.de

—| ioco-art Kunstmuseum Pablo Picasso Münster |—

Perpignan, Musée d`Art, Raoul Dufy – Maler des Fauvismus, IOCO Aktuell, 24.10.2018

Oktober 26, 2018 by  
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 Perpignan mit Blick auf die Cathedrale Saint-Jean Baptiste (links) und Le Castillet (Mitte) © Ville de Perpignan

Perpignan mit Blick auf die Cathedrale Saint-Jean Baptiste (links) und Le Castillet (Mitte) © Ville de Perpignan

Musée d´Art Hyacinthe Rigaud

Musée d’Art Hyacinthe Rigaud  Perpignan

Sonderausstellung Raoul Dufy – Les ateliers de Perpignan 1940-1950

Von Hanns Butterhof

Perpignan, Kapitale des Roussillon im Südosten Frankreichs, ist nicht nur die sympathische Stadt südlicher Lebendigkeit mit den meisten Sonnentagen im Land. Die Stadt, die einmal die Festlands-Hauptstadt des Königreichs Mallorca (1276 bis 1344) war, bewahrt ein reiches kulturelles Erbe an bildender Kunst, das vor allem im Städtischen Kunstmuseum, dem Musée d’Art Hyacinthe Rigaud, bewahrt wird.

  Musée d'Art Hyacinthe Rigaud  ©    Musée d'Art Hyacinthe Rigaud

Musée d’Art Hyacinthe Rigaud ©  Musée d’Art Hyacinthe Rigaud

Namensgeber ist mit Hyacinthe Rigaud (1659 – 1743) der bedeutendste in Perpignan geborene Maler; sein Portrait des Sonnenkönigs Ludwig XIV. im Krönungsornat prägt dessen Bild bis heute. Das 2017 nach drei Jahren der Renovierung wiedereröffnete Haus verbindet harmonisch die ehrwürdigen Stadtpaläste Hôtel Mailly und Hôtel Lazerme im historischen Zentrum. Neben der sehenswerten Dauerausstellung zur gotischen, barocken und Gegenwarts-Kunst Perpignans veranstaltet das Museum Sonderausstellungen, die einen deutlichen lokalen Bezug haben; spektakulär war die Ausstellung Picasso – Perpignan. Le cercle de l’intime 1953 – 1955, die 2017 prominent mit Pablo Picasso und seinem künstlerischen Werk im Freundeskreis von Perpignan die Wiedereröffnung feierte.

Die gegenwärtige Sonderausstellung Raoul Dufy. Les ateliers de Perpignan 1940 – 1950 gibt einen thematisch konzentrierten Überblick über die Arbeiten, die in den drei Ateliers Dufys in Perpignan entstanden sind. Raoul Dufy (1877 – 1953) war zu dieser Zeit einer der bekanntesten französischen Male aus dem Umkreis der Fauvisten, der auch einen Ruf als Zeichner, Illustrator von Büchern, Schöpfer von Keramiken und vor allem von Stoff- und Tapetenmustern hatte. Er hielt sich ab 1940 zur Behandlung seiner schmerzhaften Polyarthritis in Perpignan auf, wo er sich in die Hände des Doktors Pierre Nicolau begab.

 Musée d`art Perpignan / Hyacinthe Rigaud - Selbstbildnis © Musée d`art Perpignan

Musée d’Art Hyacinthe Rigaud  / Hyacinthe Rigaud – Selbstbildnis © Musée d`Art  Perpignan

Die Ausstellung, die eine bisher wenig beachtete Periode im Schaffen Dufys beleuchtet, beginnt entsprechend mit den persönlichen Beziehungen, die Dufy mit Dr. Nicolau, dessen Familie und dem sich bildenden Freundeskreis in Perpignan verband. Die Portraits des Kreises um die Familie Nicolau zeigen seinen charakteristischen Stil, die Formen in meist leuchtende Farbflächen mit großzügiger Strichführung einzuschreiben. Auffällig klar, fast im Stil von Kinderbuch-Illustrationen, finden sich hübsche kleine Aquarelle, die Dufy für die Kinder Dr. Nicolaus gemalt hat.

Die folgenden Säle sind den Ateliers gewidmet, die der Ausstellung den Titel geben. Auch hier dominiert die Farbe, meist ein leuchtendes Rot, die Formen, die wie unbeholfen eingefügt sind, eine leere Leinwand auf einer Staffelei etwa, vor der steif ein Modell liegt, oder eine nahezu surrealistisch schwebende Geige. Der Blick wird eher auf die hohen, geöffneten Fenster gelenkt, durch die Außenwelt in den Atelierraum dringt.

Tapisserie von Raoul Dufy © Hanns Butterhof

Tapisserie von Raoul Dufy © Hanns Butterhof

Vom Atelier in der rue de l’Ange sieht Dufy auch auf das Treiben auf dem davor liegenden Aragò-Platz, wo er etwa den Karneval beobachtet. Auch hier interessieren ihn nur die farbigen Tupfer der Personen in der Fläche, wo die Farben ihr eigenes Leben gegenüber den Objekten behaupten. Räumlichkeit und vor allem Atmosphäre fehlen ganz wie auch auf den dekorativen Aquarellen von bunten Blumen-Arrangements mit Anemonen, Tulpen oder Rosen.

Die Landschaften, die einen weiteren Saal füllen, zeigen teils Gegenden des Roussillon von hohem Wiedererkennungswert wie die Bucht von Collioure, die von fast keinem Maler von Rang nicht gemalt wurde, teils typische, nicht zwingend lokalisierbare Plätze. So licht die Palette Dufys ist, so auffällig ist das Fehlen des intensiven mediterranen Lichts, das so viele andere Maler inspiriert hat.

Die überzeugendsten Exponate der Ausstellung sind zwei Wandteppiche in ihrer dichten farblichen und figürlichen Fülle sowie zwei Tusche-Zeichnungen, die in ihrer einfachen souveränen Klarheit ohne jede Spaltung zwischen der Farbe und Form den Meister verraten.

Die interessante Ausstellung Raoul Dufy. Les ateliers de Perpignan 1940 – 1950 ist noch bis 4.11.2018 im Musée d’Art Hyacinthe Rigaud, 21 rue Mailly, F 66000 Perpignan, zu sehen. Weitere Informationen unter www.musee-rigaud.fr

—| ioco-art Musée d´Art Hyacinthe Rigaud |—

 

Wien, Volksoper Wien, Musical Der Mann von La Mancha von Dale Wasserman, 17.10.2015

September 21, 2015 by  
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Volksoper Wien

Volksoper Wien (c) Jarosch

Volksoper Wien (c) Jarosch

 Der Mann von La Mancha  von Dale Wasserman

 Gesangstexte von Joe Darion und Robert Gilbert.

Premiere am Samstag, 17. Oktober 2015,  Weitere Vorstellungen am 23. Oktober, 1., 10., 15., 23., 28. November, 6. Dezember 2015, 8., 11., 14., 17., 24., 31. März, 5., 12., 14., 17., 19., 22. April 2016

„Er träumt den unmöglichen Traum“
Vor bald 50 Jahren, am 22. November 1965, wurde The Man of La Mancha in New York uraufgeführt. Jedoch nicht am Broadway, wie ursprünglich geplant, sondern an einer kleinen Off-Bühne im Greenwich Village, dem Anta Washington Square Theatre. An den Erfolg der naiven Fabel vom verwirrten Ritter als Musicalheld wollte anfangs niemand so richtig glauben – den meisten erschien das Musical, in dem es um echte Werte, den Sieg von Anstand, Wahrheit und Mitgefühl geht, zu intellektuell, und so kam das Stück erst drei Jahre später, im März 1968, endlich auch an den Broadway. Da war selbst Wien New York um einen Schritt voraus: Noch im Jänner 1968, also zwei Monate vor der offiziellen Broadway-Premiere, wurde Der Mann von La Mancha im Theater an der Wien erstmals in deutscher Sprache aufgeführt. Auch in Wien reüssierte das Singspiel von Dale Wasserman, das mit der Musik von Mitch Leigh und Liedertexten von Joe Darion auf der ganzen Welt innerhalb kürzester Zeit zum Publikumsrenner avanciert war.

Volksoper Wien / Mann von La Mancha-Robert Meyer © Johannes Ifkovits

Volksoper Wien / Mann von La Mancha-Robert Meyer © Johannes Ifkovits

Held oder Narr?
Die Geschichte ist bekannt: Als Verräter an Staat und Kirche wird der Dichter Miguel de Cervantes von der Inquisition eingekerkert, um auf sein Verhör zu warten. Doch schon im Gefängnis halten seine Mitgefangenen über ihn Gericht und wollen ihm sein ohnehin bescheidenes Eigentum abnehmen. Um das Manuskript des Don Quixote zu retten, inszeniert er gemeinsam mit den anderen Insassen die Geschichte des scheinbar verrückten Romanhelden Alonso Quijana. Zusammen mit seinem treuen Gefährten Sancho macht der sich auf, als Don Quixote den „unmöglichen Traum“ zu träumen, gerät an die berühmten Windmühlen, die ihm als furchtbarer Riese erscheinen, hält die arme Aldonza für seine edle Dulcinea, kämpft gegen den Spiegelritter und stirbt zum Schluss unter Wahrung seiner ritterlichen Würde.

„El ingenioso hidalgo“, Miguel de Cervantes‘ Ritter von der traurigen Gestalt, ist eine der bedeutendsten Figuren der Weltliteratur. Sie inspirierte Salvador Dalí und Pablo Picasso und wurde in Theaterstücken, im Musiktheater, der Musik und im Film verewigt. Der New Yorker Regisseur, Drehbuch- und Theaterautor Dale Wasserman war fasziniert von der Lebensgeschichte des Don Quijote-Autors Cervantes, die er in seinem Bühnenstück mit Episoden aus dessen berühmten Ritter-Epos verknüpfte.

Das Schauspiel als Therapie
Mehr als zehn Jahre ist es her, dass an der Volksoper Mitch Leighs Mann von la Mancha erstmals aufgeführt wurde. In der Titelpartie war 1994 Kammerschauspieler Karlheinz Hackl zu erleben. Der Sancho der damaligen Produktion, Robert Meyer, schlüpft nun höchstpersönlich in die schäbigen Kleider des Ritters von der traurigen Gestalt, begleitet von seinem treuen Diener Sancho (Boris Pfeifer) und seiner Dulcinea (Patricia Nessy). Regisseur Olivier Tambosi, der sich mit dem Mann von La Mancha erstmals einem Musical zuwendet, inszeniert das Schauspiel als Therapie. Auf der Bühne steht einzig ein graues Gefängnis: „Alles ist improvisiert. Die Ingredienzien zum Stück hat Quixote im Theaterkoffer mit dabei, und in seiner Fantasie“, so Tambosi.

Ist Don Quixote ein Verrückter oder vor allem ein Fantast, der an seine Träume glaubt? So formulierte es der unbeugsame Ritter selbst: „Vielleicht ist es Wahnsinn, sich Träumen hinzugeben. Vielleicht ist es auch Wahnsinn normal zu sein. Aber ganz sicher ist es der allergrößte Wahnsinn, das Leben so zu sehen, wie es ist, und nicht so, wie es sein sollte“.

Dirigent: Lorenz C. Aichner, Regie: Olivier Tambosi
Bühnenbild und Kostüme: Friedrich Despalmes
Choreographie: Stephan Brauer
Dramaturgie: Christoph Wagner-Trenkwitz

BESETZUNG:
Don Quixote (Cervantes): Robert Meyer, Sancho (Diener): Boris Pfeifer
Aldonza: Patricia Nessy, Der Gastwirt (Gouverneur): Christian Graf
Der Padre: Mehrzad Montazeri/Christian Drescher
Dr. Carrasco (Herzog): Christian Dolezal, Antonia: Martina Dorak
Der Barbier: Thomas Sigwald
Gefangene: Susanne Litschauer, Oliver Liebl, Thomas Huber, Roman Martin, Christian Schleinzer, Stefan Bischoff, Jeffrey Treganza, Wolfgang Gratschmaier, Lynsey Thurgar, Rita Sereinig
Gitarrist: Jonathan Bolivar

Pressemeldung Volksoper Wien

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