Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Oper in der Stadt – Juni und Juli 2020

Staatsoper Stuttgart

Oper Stuttgart © Matthias Baus

Oper Stuttgart © Matthias Baus

 Staatsoper Stuttgart spielt wieder

  70 Vorstellungen – Liederhalle, im Stadtraum, in und vor Opernhaus

·       Ein Auszug:

Der Bayreuther Ring-Regisseur Valentin Schwarz inszeniert ein      „Bühnenfreifestspiel mit dem Staatsopernchor“

2x Operette am Stuttgarter Hafen: Die Blume von Hawaii  und Trouble in Tahiti

Der Operntruck mit Die Geschichte vom Soldaten ist in der Stadt unterwegs

Salon mit Intendant Viktor Schoner und Gästen im Opernhaus

Dritter Teil des Orpheus Instituts vor dem Opernhaus

 Wandelkonzerte im Mercedes-Benz Museum

Neben den bereits angekündigten Projekten wie dem Theaterparcours Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind,  einer Reihe von Sinfonie-, Kammer-, Lied- und Familienkonzerten in der Liederhalle sowie den Aufführungen auf dem Kulturwasen stellt die Staatsoper Stuttgart ihr Programm bis zum Ende der laufenden Saison vor. Rund 70 Aufführungen an den unterschiedlichsten Orten der Stadt beinhalten die kommenden Wochen – Experimentelles steht hier neben Familienfreundlichem, Sinfonisches neben Kammermusikalischem, Theatrales neben Filmischem.

Intendant Viktor Schoner: „Innerhalb kürzester Zeit haben die Künstler*innen und Mitarbeiter*innen der Staatsoper gemeinsam mit verschiedensten Kooperationspartnern in der Stadt in einem kreativen und logistischen Kraftakt ein wahres Festival-Programm auf die Beine gestellt – vieles ist familienfreundlich, manches nachdenklich, anderes leichtgängig; aber immer wurde es entwickelt mit der kompromisslosen Vorgabe, dass alle Inspiration in Einklang steht mit dem Schutz der Gesundheit der Mitwirkenden und des Publikums. Mit Enthusiasmus und Herzblut für unser Metier, kombiniert mit einer großen Sehnsucht nach der Interaktion mit dem Publikum, entstanden Projekte in ungewöhnlichen Konstellationen, frei nach dem für uns eigentlich unüblichen Motto ‚quick and dirty‘. Möge sich diese Liebe zum Spiel allen Besucher*innen mitteilen!“

Beteiligt sind Künstler*innen wie die Dirigenten Cornelius Meister und Thomas Guggeis, die Regisseure Valentin Schwarz und Marco Štorman, Sänger*innen wie Okka von der Damerau, Ks. Matthias Klink, Beate Ritter, Johannes Kammler, Kai Kluge oder Josefin Feiler – und noch viele weitere Künstler*innen mehr.

Alle Veranstaltungsformate richten sich nach den geltenden Hygiene- und Abstandsregeln – zum Schutz des Publikums, aber auch der Künstler*innen und Mitarbeiter*innen des Hauses. Für jeden Veranstaltungsort wurden basierend auf den Hygienerichtlinien der Staatstheater eigene Konzepte für Platzierung und Einlasssituation entwickelt. Alle Veranstaltungen sind pausenlos, viele kürzer als eine Stunde. Für einige wenige Veranstaltungen stehen noch die behördlichen Genehmigungen aus. Im Spielplan der Website www.staatsoper-stuttgart.de ist letztendlich gültige Stand zu finden.


Übersicht: Aufführungen im Juni / Juli 2020


Wir sind aus solchem Stoff wie Träume sind
Ein Theaterparcours mit den Ensembles von Staatsoper Stuttgart, Stuttgarter Ballett und Schauspiel Stuttgart
In Kooperation mit dem Stuttgarter Ballett und dem Schauspiel Stuttgart
Noch bis 15. Juni 2020


Kammerkonzert- und Liedkonzert-Festival
Mit Ensemblesänger*innen der Staatsoper und Musiker*innen des Staatsorchesters Stuttgart
ab 07. Juni 2020 im Mozartsaal der Liederhalle


Staatsoper Stuttgart / Die Geschichte vom Soldaten © Martin Sigmund

Staatsoper Stuttgart / Die Geschichte vom Soldaten © Martin Sigmund

Die Geschichte vom Soldaten auf dem Operntruck  –  Igor Strawinsky
In Kooperation mit dem Schauspiel Stuttgart
Strawinskys Märchen von Teufel und Soldat ist auf einer mobilen Bühne zuerst auf dem Kulturwasen und anschließend an verschiedenen Orten in der Stadt zu Gast.
Premiere: 08. Juni 2020 auf dem BW-Bank Kulturwasen
Weitere Spielorte: vor dem GAZi-Stadion auf der Waldau, Vorplatz der Phönixhalle im Römerkastell, Vorplatz des Kunstvereins Wagenhallen, vor dem Mercedes-Benz Museum, Vorplatz Opernhaus


Beethoven-Zyklus  –  Staatsorchester Stuttgart
Generalmusikdirektor Cornelius Meister dirigiert Beethovens Sinfonien 1-8
im Beethovensaal der Liederhalle – auf Abstand und doch ganz nah.
ab 13. Juni 2020


Peter und der Wolf
Sergej Prokofjew
Staatsorchester Stuttgart, Cornelius Meister
Erzähler Guido Hammesfahr alias Fritz Fuchs aus der Sendung Löwenzahn
am 14. / 21. Juni 2020 im Mozartsaal der Liederhalle


Ceci n’est pas une première
Klanginstallationen vor dem Opernhaus
In Kooperation mit dem Campus Gegenwart der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart
Die jungen Komponist*innen Ui-Kyung Lee und Carlos Hernández bringen mit ihren Klanginstallationen die Stimmung einer Premierenfeier für Passanten vor das Opernhaus.
Klanginstallation I: ab 17. Juni 2020 immer 21-22 Uhr
Klanginstallation II: ab 03. Juli 2020 immer 21-22 Uhr


Bei Max Littmann zu Hause
Ein Salon mit Gesprächen und Musik
Intendant Viktor Schoner begrüßt Gäste aus Politik, Gesellschaft und Kultur im Opernhaus zu einer musikalischen Soiree. Mit dabei: Ministerpräsident Wilfried Kretschmann, Prof. Dr. Kai Gniffke, Intendant des SWR, und weitere Gäste.
ab 21. Juni 2020 im Opernhaus


Das Wandelkonzert im Mercedes-Benz Museum
In Kooperation mit dem Mercedes-Benz Museum
Auf musikalischen Pfaden durch die Ausstellungsräume des Mercedes-Benz Museums, musikalisch geleitet von den Mitgliedern des Opernstudios.
ab 23. Juni 2020 im Mercedes-Benz Museum


Die Zauberflöte auf dem Wasen
Wolfgang Amadeus Mozart
In einer szenischen und musikalischen Fassung von Rebecca Bienek und Thomas Guggeis
für alle ab 6 Jahren
Musikalische Leitung, Klavier und Synthesizer: Thomas Guggeis; Regie: Rebecca Bienek
Die Zauberflöte zwischen Live-Hörspiel und Autokino auf dem Kulturwasen als Oper für die ganze Familie, adaptiert für Klavier und Sythesizer.
ab 27. Juni 2020 auf dem BW-Bank Kulturwasen


Ex Machina – Eine audiovisuelle Reise
Regie: Philine Rinnert und Johannes Müller
Hinter das versteckte Räderwerk der Oper blicken und mit Kopfhörern den verborgenen Stimmen des Opernbetriebs lauschen, zwischen Opernhaus und Eckensee im dritten Teil des Orpheus Instituts.
Premiere: 30. Juni 2020 auf dem Opernvorplatz


Die Blume von Hawaii
Paul Abraham
Musikalische Leitung und Klavier: Rita Kaufmann, Regie: Marco Štorman
Marco Štorman inszeniert Paul Abrahams Operette am Stuttgarter Hafen. In der Hauptrolle: Tenor Matthias Klink.
Premiere: 03. Juli 2020 am Hafen Stuttgart


Trouble in Tahiti
Leonard Bernstein
Musikalische Leitung: Vlad Iftinca, Regie: Anika Rutkowsky
Pawel Konik und Alexandra Urquiola als Ehepaar in Leonard Bernsteins Kurzoper – inszeniert von Anika Rutkowsky am Stuttgarter Hafen!
Premiere: 10. Juli 2020 am Hafen Stuttgart


Radioshow Nr. 6
Moderation: Miron Hakenbeck und Barbara Eckle
Das kleine Format auf der großen Bühne – diesmal zum Thema Sound of Silence.
am 11. Juli 2020 im Opernhaus


Demo(kratie) mit dem Staatsopernchor
Staatsopernchor Stuttgart
Konzept und Idee: Valentin Schwarz, Chor: Manuel Pujol
Valentin Schwarz hätte dieses Jahr bei den Bayreuther Festspielen Wagners Ring des Nibelungen inszeniert. Stattdessen bringt er nun ein „Bühnenfreifestspiel mit dem Staatsopernchor“ auf die Straßen Stuttgarts.
ab 12. Juli 2020 im Stuttgarter Stadtraum


Sechs Madrigalfilme
Claudio Monteverdi, Tarquino Merula, Carlo Milanuzzi u.a.
Filme von Matthew Anderson, Tobias Dusche, Manuela Hartel, Lukas Rehm, Rebecca Riedel, Vincent Stefan
Musikalische Leitung: Alan Hamilton, Vlad Iftinca
Sechs Videokünstler*innen haben mit dem Sängerensemble der Staatsoper kurze Musikfilme zu frühbarocken Madrigalen gedreht – an abrupt verwaisten, scheinbar erstarrten Orten Stuttgarts.
Preview: 19. Juli 2020 im Opernhaus

—| Pressemeldung Staatsoper Stuttgart |—

Niederlanden, Nederlandse Reisopera, Premiere L’Orfeo – Monteverdi, 25.01.2020

Januar 22, 2020 by  
Filed under Nederlandse Reisopera, Oper, Premieren, Pressemeldung


Nederlandse Reisopera  

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

Nederlandse Reisopera

L’Orfeo – Claudio Monteverdi

Favola in musica, Libretto by Alessandro Striggio, World Premiere: 24 februari 1607, Palazzo Ducale, Mantua

Premiere 25.01.2020

Artistic team
Conductor – Hernán Schvartzman
Concept – Monique Wagemakers, Lonneke Gordijn (Studio DRIFT), Nanine Linning
Director – Monique Wagemakers
Choreographer – Nanine Linning
Installation ‘Ego’ – Lonneke Gordijn (Studio DRIFT)
Costume design – Marlou Breuls
Lighting design – Thomas C. Hase

Cast
La Musica / Messagiera / Proserpina – Luciana Mancini
Orfeo – Samuel Boden
Euridice / Speranza / Eco – Kristen Witmer
Caronte / Spirito – Alex Rosen
Plutone / Pastore / Spirito – Yannis François
Ninfa – Lucía Martín-Cartón
Apollo / Pastore / Spirito – Laurence Kilsby
Pastore / Spirito – Kevin Skelton
Pastore / Spirito – Nils Wanderer
Spirito – Damien Pass
Dancers Dance Company Nanine Linning – Demi-Carlin Aarts, Mirko de Campi, Luca Cappai, Kimmie Cumming, Milan van Ettekoven, Anna Suleyman Harms, Boglarka Heim, Sergio Indiveri, Hang-Ceng Lee, Kyle Patrick
Orchestra – La Sfera Armoniosa
The opera is sung in Italian with Dutch and English surtitels
The performance last 2 hrs and 20 minutes, including one interval.

Termine : Enschede (25 Jan, première), Leeuwarden (31 Jan), Maastricht (2 Feb), Utrecht (7 Feb), Amsterdam (9 + 11 Feb), Rotterdam (13 Feb), Zwolle (15 Feb), Arnhem (20 Feb), Den Haag (22 Feb).

Starting Saturday, 25 January 2020, Nederlandse Reisopera (Dutch National Touring Opera) will tour the Netherlands with a new opera production of L’Orfeo (1607, Claudio Monteverdi). The artistic team of this production has made this first ‘primal opera’ of Monteverdi into a contemporary Gesamtkunstwerk in which the artistic team blend together stage direction, choreography and design into a unique production from the very beginning.

There is no ‘set’ on the stage; instead, we see the moving installation Ego by artist Lonneke Gordijn (Studio DRIFT). The direction/choreography of Monique Wagemakers and Nanine Linning makes no distinction between singing and dancing scenes: the ten singers and ten dancers, together with Ego, form one single organism that retains the audience’s attention during the entire performance. The costumes of fashion designer Marlou Breuls accentuate and enhance the effect of homogeneity.
Hernán Schvartzman (OPERA2DAY) is the musical director of this production, conducting the Baroque ensemble La Sfera Armoniosa.

L’Orfeo Monteverdi
youtube Trailer Nederlandse Reisopera
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THE CONCEPT: A CONTEMPORARY GESAMTKUNSTWERK
Director Monique Wagemakers, together with choreographer Nanine Linning and artist Lonneke Gordijn (Studio DRIFT), developed the concept for this opera as a contemporary Gesamtkunstwerk that fully integrates stage direction, choreography and design. Fashion designer Marlou Breuls was brought in to create the costumes. Right from the start, Wagemakers’ intention was to find a new way to make opera. This is why she deliberately sought collaborations with independent artists.

On working with Lonneke Gordijn, Monique Wagemakers says, ‘Lonneke has a fascination for nature; with her installations she operates at the edge between life and death, between day and night, between being frozen in rigidity and getting moving – exactly what Orpheus is about.’ Choreographer Nanine Linning incorporates her strongly personal and physical dance language into this concept. The ten dancers of her Dance Company are part of the cast. Because singers and dancers in this production form a single group and are always onstage, Linning was also involved in the casting of the singers.

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

THE STORY OF L’ORFEO
On the day Orpheus and Eurydice get married, she is bitten by a snake and dies. Orpheus cannot accept her death. He decides to descend to the underworld, the kingdom of the dead, in a final attempt to retrieve her and thus recover his happiness. He convinces the gods of the underworld to let Eurydice return with him to the kingdom of the living. Pluto gives his permission but forbids Orpheus to look back at Euridice while on the way back to the upper world. Orpheus feels insecure and looks back towards Euridice anyway, losing her for a second time.

THE INSTALLATION: EGO
For this production artist Lonneke Gordijn (Studio DRIFT) developed the overwhelming installation Ego, a handwoven mobile sculpture made of nylon thread measuring 9 x 4.5 x 4.5 metres that fills almost the entire stage. Ego represents the perspective of man and shows how hope, truth and emotions are a direct result of either the rigidity or the dynamism of our thoughts.

Jointly with the interactions of singers and dancers, the sculpture takes us into Orpheus’ inner world. Orpheus is stuck in his own inflexible views about love and life. It is only when his world fully collapses – after he loses Euridice – that he rises above his own self. He has to face the laws of nature, and this new goal in his life completely changes his perspective, suddenly making him a strong figure.

Ego is steered by motors, algorithms and specially developed software. During the performances, Ego is also ‘conducted’ manually so it can react to the tempo of the music. The motions of the sculpture depict Orpheus’ emotions, fears and strength. Ego is therefore not only the stage decor but also a soloist in this production.

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

A HOMOGENEOUS GROUP ONSTAGE
Director Monique Wagemakers and choreographer Nanine Linning chose to present the ten singers and ten dancers as a homogeneous group, and together with the installation Ego as asingle organism on the stage. Everyone in this opera is part of Orpheus’ inner world. Ego is his universe.

The other characters as such are not always recognisable as separate roles. All the singers and dancers remain onstage during the entire performance. The work process reflects this, as they always rehearse in a single studio. In this way, the theatrical direction and the choreography organically flow into each other.
The daily regime and rehearsals include strength training, exercises in energy awareness, the body’s architecture, spatial relationships with each other, carrying and lifting each other, relaxation and tension, breathing techniques for movement and singing, and forming one single body as a group.

Linning: By having the singers and dancers work physically together every day, the rough edges disappear. This results in a really exciting work process in which the entire cast is invited to see, feel and listen outside the beaten path. The dance language for this opera is eloquent without being anecdotic. As an artist and choreographer, this opera challenges me to create theatrical dance that integrates the poetic texts and fantastic atmospheric music. The bodies of the singers and dancers tell with and without words about Orpheus’ quest in search of happiness.’  The production’s dancers are part of Linning’s own Dance Company Nanine Linning, based in Germany.

COSTUMES
Fashion designer Marlou Breuls further developed the concept in the costumes for the entire cast’s singers and dancers. She chose close-fitting, skin-coloured costumes made of gauze. PVC strips are integrated as lines into the costumes, following the bodies and movements of the singers and dancers. Each cast member wears a costume with a unique line pattern that tells a different story for each individual and produces different effects with the lighting and projections. For the scenes in the underworld, Breuls includes materials such as pleated jackets and skirts that accentuate the movements of the singers and dancers.

THE MUSIC
Conductor Hernán Schvartzman sees L’Orfeo as a timeless opera, ‘It is wonderful to see how an opera that is 400 years old can still be a contemporary work in each time period. Our making of a contemporary version, with its daring artistic choices, fully fits with the intentionof Claudio Monteverdi. Further elaborating on the work of his predecessors of the Camerata Fiorentina in 1607, he even created an entire new art form: opera.’

‘In general, composers of Monteverdi’s time were not that accurate when notating instrumental scores. By contrast, Monteverdi goes into great detail in this opera, with a rich palette of colours and strong symbolic connotations: flutes for the shepherd, organ and harp symbolising Orpheus’ harp, and trombones and regals for the underworld.’ ‘I am very pleased with the collaboration with Baroque ensemble La Sfera Armoniosa; they are specialised in 17th-century music, and their musicians have played with the best ensembles around the world.’

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

THE COMPOSER AND HIS MUSIC
During his life, Monteverdi (1567-1643) was the greatest promoter of the brand-new genre of opera, and his musical fable L’Orfeo is the only work from that initial period that still manages to be both exciting and moving. The composer follows the tradition of his time by placing the music fully in service of the text, but what distinguishes him from his contemporaries is the outstanding inventiveness with which he does it.
For the declamation of the text, Monteverdi comes up with countless different musical formulas that never sound contrived. There are no arias such as those we hear in operas of later generations. Even the highlight of the opera, the long monologue Possente spirto, in which Orpheus has to deploy all his musical talents in order to enter the underworld, can hardly be considered melodic to our ears: it sounds more like a beautifully ornamented recitativo. Monteverdi alternates these deep and virtuoso moments with lighter scenes in which he uses his most beautiful melodies for choral and dance music.

 


Interview mit Monique Wagenakers 

Monteverdis „Uroper“ als zeitgenössisches Gesamtkunstwerk

„In uns allen steckt ein Orpheus“

Was Orpheus durchmacht, ist kein Trauerprozess laut den Machern von L’Orfeo. Regisseurin Monique Wagemakers: „Orpheus kann sich nicht von dem Schmerz der Vergangenheit lösen. Das hindert ihn daran, Glück zu erleben, wenn es da ist.“

Regisseurin Monique Wagenakers kommt gerade von einem Treffen mit dem Lichtdesigner und dem technischen Direktor von Nederlandse Reisopera (Niederländische Reiseoper). Diese außergewöhnliche Inszenierung von L’Orfeo (1607) erfordert viel Aufmerksamkeit. Die „Uroper“ von Monteverdi als zeitgenössisches Gesamtkunstwerk, mit Wagemakers, der Künstlerin Lonneke Gordijn vom Studio Drift und der Choreographin Nanine Linning als treibende Kraft. Gemeinsam entwickelten sie das Konzept. Später stieß noch die Modedesignerin Marlou Breuls hinzu. Jede einzelne von ihnen ist eine eigenständige Künstlerin mit internationalem Ruf. Ein intensiver Prozess, meint die Regisseurin, vor allem aber eine „wahnsinnig tolle“ Erfahrung.

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

Zwischen Leben und Tod

Das Designerduo Studio Drift verbindet Natur und Technik zu kuriosen Installationen. Lonneke Gordijn war vor allem mit Orpheus beschäftigt, denn während ihr Partner Ralph Nauta sich hauptsächlich auf die Technik konzentriert, widmet sie sich dem natürlichen Element. Monique Wagemakers: „Lonneke arbeitet mit ihren Installationen an der Grenze von Leben und Tod, von Tag und Nacht, von in Starre verharren und in Bewegung kommen. Genau das, worum es bei L‘Orfeo geht.“

Die Arbeit von Nanine Linning passt perfekt dazu. „Mich interessiert das Instinktive“, gab die Choreographin als den roten Faden in ihrem Werk an. Entgegen dem Schubladendenken kombiniert sie Tanz mit Design, Video, Technologie, bildender Kunst und Mode. Ihre Inszenierungen, wie Bacon und Khôra, werden für ihre Intensität gerühmt. „Sie hat eine deutliche, starke und sehr körperliche Tanzsprache, mit der sie wahnsinnig viel zum Ausdruck bringt“, sagt Wagemakers.

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

Dreamteam

Das ist das „Dream-Team“, das eine Antwort auf die grundlegende Frage der Regisseurin finden musste. Wie ist es möglich, dass der mythische Sänger Orpheus bereits jahrhundertelang unzählige Künstler inspiriert hat? Wagemakers: „Was bewegt all diese Komponisten, Dichter, Maler, Schriftsteller und andere so sehr, dass sie seine Geschichte immer wieder erzählen wollen? Obwohl es im Grunde genommen eine sehr bescheidene Erzählung ist. Ovid widmet ihr in seinen Metamorphosen kaum ein paar Seiten.“ Sie wusste, sie brauchte Künstler(innen), um eine Antwort auf diese Frage zu finden.

Für die Kostüme wurde die junge Modedesignerin Marlou Breuls gewonnen. Während man die Charaktere in der Regel leicht an ihrer Kleidung erkennen kann, ist der Unterschied hier weniger prägnant, erläutert Monique Wagemakers. „Zehn Sänger und zehn Tänzer bilden eine homogene Gruppe, einen Organismus. Zusammen sind sie sozusagen der eine Körper, aus dem die Geschichte erzählt wird.

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

Nederlandse Reisopera / L’Orfeo Claudio Monteverdi © Marco Borggreve

Kunstwerk spiegelt Emotionen

Die Sänger und Tänzer stehen ständig auf der Bühne, auf der sie in unterschiedlichen Zusammenstellungen mal Teil des Organismus sind, mal in ihrer Umgebung aufgehen oder zu einer Figur werden. So wie die Eurydikes, die auch nach ihrem Tod Teil des Gesamten bleibt. So ungewöhnlich die Gestaltung auch sein mag, es bleibt eine Oper, versichert uns die Regisseurin. „Es ist kein experimentelles Theater. Sie werden sofort in Orpheus Welt entführt.“ Die bewegende und sich ständig verändernde Installation von Studio Drift zeigt die Emotionen des mythischen Künstlers, der mit seinem Gesang versucht, seine geliebte Eurydike aus der Unterwelt zu retten.

Was hat Wagemakers angetrieben, die x-te Macherin dieser Geschichte zu sein? „Natürlich habe ich mich auf das Wesentliche der Musik und des Librettos konzentriert. Was passiert da genau? Der Kern ist: Orpheus bleibt in der Vergangenheit stecken. Selbst wenn das Glück da ist, ist er nicht in der Lage, dieses Glück zu fühlen. Selbst an seinem Hochzeitstag erinnert er sich an die Zeit, da er unglücklich und allein war. Unterdessen pflückt Eurydike Blumen; sie wird von einer Schlange gebissen und stirbt. Und wenn das Böse erst einmal geschehen ist, weigert er sich, dies zu akzeptieren.“

Zeit zurückdrehen

Womit der Spiegel direkt vor unserer Nase hängt. Wagemakers: „Wir alle haben etwas von Orpheus in uns. In katastrophalen Momenten wollen wir nur eines und zwar die Zeit zurückdrehen. „Hätte ich nur, wenn ich nur …“ Orpheus lässt Worten Taten folgen und holt seine Geliebte aus dem Schattenreich zurück. Aber er kann dabei nicht der Versuchung widerstehen, sie anzuschauen, woraufhin er sie dennoch für immer verliert. Warum schaut er zurück? Weil er mit dieser Richtung vertraut ist, ist darauf die einfache Antwort von Wagemakers. „In die Zukunft schauen, das hat er noch nie gemacht und das kann er auch nicht. Daher stammt auch seine Unsicherheit. Beim geringsten Anlass erschreckt er und blickt wieder zurück.“

Im Grunde spiegelt Monteverdis Musik auch den Übergang von Renaissance und Barock wider. Wagemakers: „Man hört, dass Orpheus noch in den alten Zeiten feststeckt, während sich die Zukunft sich bereits im Barock abspielt, wo es mehr Raum für Emotionen gibt.“ Für sie wird der fragmentarische Charakter der Musik eingehend durch ihre Tiefe kompensiert. „Die Musik berührt Sie in Ihrer Seele, ist sehr rein. Bei Striggios Libretto geht es auffallend häufig um „Das Glück“. Orpheus ist das Symbol für die Macht der Musik. Orpheus Suche, die alle immer wieder aufs Neue inspiriert… Die Musik lässt einen spüren, was er durchmacht und wie er damit umgeht. ”

Leben im Moment

Für Wagemakers und ihre Macherinnen-Kolleginnen ist klar: „Was Orpheus durchmacht, ist kein Trauerprozess.“ Für das Team geht es in dieser Oper viel mehr um die Unfähigkeit, im Moment zu leben und das Glück zu spüren, wenn es da ist. Und das gibt es zu allen Zeiten, obwohl es zu unseren Zeiten mehr oder weniger das ultimative Ziel ist. Es ist laut Wagemakers nach wie vor ziemlich

schwierig, sich das Leben zu greifen. „Nicht zu viel zurückschauen, sich nicht zu sehr auf die Zukunft konzentrieren. Glücklich sein im Moment.“

Sie verweist auf die Aussage Apollos gegenüber seinem Sohn Orpheus am Ende der Oper. „Warum hältst du weiter an deinen Ressentiments und deiner Trauer fest, weißt du denn nicht, dass irdisches Glück nie endlos lange andauert?“

Ingrid Bosman, 2019


—| Pressemeldung Nederlandse Reisopera |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Orphée et Eurydice – Hamburg Ballett, IOCO Kritik, 03.10.2019

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Orphée et Eurydice    Ballettoper  –  John Neumeier

Herbstfestspiele – Festspielhaus Baden-Baden

von Peter Schlang

Die Premiere von Christoph Willibald Glucks Oper Orpheus und Eurydice am 27. September 2019 im  Festspielhaus Baden-Baden läutete nicht nur eine neue Ära ein, nämlich jene des (erst) zweiten Intendanten in der Geschichte des  größten Opern- und Konzerthauses Deutschlands. Mit dem offiziellen Amtsantritt von Benedikt Stampa  und der ersten Produktion unter seiner Leitung begannen gleichzeitig die diesjährigen Herbst-Festspiele, die bis zum 6. Oktober 2019 sechs Ballettaufführungen und drei Konzerte für ihre Besucher bereit halten.

Orphée et Eurydice – Christoph Willibald Gluck
youtube Trailer des Hamburg Ballett _ John Neumeier
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Das Thema hätte für den Auftakt einer neuen Direktion kaum besser gewählt werden können, geht es doch in der in Baden-Baden zu sehenden Fassung John Neumeiers von Glucks Oper als Ballettoper um die Kraft und Wirkung von Musik, ja um die Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit der Kunst. John Neumeier hatte diese auf der französischen Fassung von Glucks Oper basierende Ballettversion vor zwei Jahren als Koproduktion seines eigenen Hauses, der Hamburger Staatsoper, mit der  Lyric-Opera of Chicago, wo die Ballettoper am 23. September 2017 auch ihre Premiere erlebte, und mit der Los Angeles Opera kreiert. Von Hamburg, wo Neumeiers Fassung erstmals am 3. Februar 2019 gezeigt wurde, kam sie nun für drei Aufführungen an die Oos. Neben dem in erster Linie dieses Projekt tragenden Hamburg Ballett John Neumeiers waren für diese Baden-Badener Aufführungen zwei Ensembles aus dem badischen Landesteil engagiert worden, die nicht nur zu den Aushängeschildern der sog. historisch-informierten Aufführungspraxis gehören, sondern auch unbedingt genannt werden müssen, wenn es um den herausragenden musikalischen Ruf  der Gegend am Oberrhein geht: Das Freiburger Barockorchester und das Vocalensemble Rastatt.

John Neumeier, der für seine Schöpfung nicht nur die Choreografie und Inszenierung schuf, sondern auch für Bühnenbilder, Kostüme und Beleuchtung verantwortlich zeichnet, erweiterte die von Glucks Fassungen bekannte Handlung um eine Rahmenhandlung: Orpheus oder Orphée, wie er in der am 2. August 1774 in Paris herausgekommenen Fassung heißt, wird zum Choreografen, der sein neues Ballett Die Toteninsel probt, das von dem gleichnamigen Gemälde Arnold Böcklins inspiriert ist. Die Hauptrolle darin soll Orphées Ehefrau Eurydice übernehmen, die temperamentvolle, aber etwas unzuverlässige Prima Ballerina der Compagnie. Nachdem sie zu spät zur Probe kommt und deswegen von ihrem Mann zur Rede gestellt wird, reagiert sie äußerst angefressen, ohrfeigt gar ihren Mann und verlässt empört die Probe. Kurz darauf kommt Eurydice bei einem Autounfall ums Leben. Ob durch den Streit mit ihrem Mann aus dem Gleichgewicht und um ihre Aufmerksamkeit gebracht oder durch einen tragischen Zufall, bleibt offen.

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée © Kiran West

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée © Kiran West

Gepeinigt von Schmerz und Reue erinnert sich Orphée an seine Hochzeit mit Eurydice, gerät aber darüber so sehr in Verzweiflung, dass er völlig aus der Fassung gerät. Der Liebesgott Amour, bei Neumeier der Choreografie-Assistent Orphées, tröstet seinen Chef, indem er ihn  an die mythische Reise von Orpheus in die Unterwelt erinnert.  Diese bekannte Handlung läuft nun in der Gedankenwelt bzw. inneren Vorstellung Orphées ab, der die gleichen Ängste und Qualen ausstehen muss wie sein mythologisches Vorbild und am Ende seine geliebte Frau zum zweiten Mal verliert. Trost wächst ihm erneut durch Amour zu, der ihn davon überzeugt, dass Eurydice in  seiner Liebe zu ihr und vor allem in dem von ihm zu erschaffenden Ballett, also in der Kunst, weiterleben wird,

Dieser Eingriff in Glucks Opernvorlage gelingt durchaus ohne Brüche und erlaubt ein schlüssiges „Theater auf dem Theater“.  Dies wird nicht nur dadurch möglich, dass die von Neumeier gewählte Pariser Fassung zahlreiche zusätzliche instrumentale Teile enthält, die der Choreograf und Regisseur für seine Ballettszenen geschickt zu nutzen weiß. Auch die Doppelung des Sängerpaares durch die famose Tänzerin Anna Laudere und ihren kongenialen Partner Edvin Revazov verleihen der Handlung Anschauungskraft und dramatische Stringenz. Tänzerisch-dramaturgisch funktioniert dies in den beiden ersten Akten recht gut, im dritten Akt scheinen jedoch Phantasie und Ausdrucksmittel des Choreografen und seiner Compagnie fast aufgebraucht zu sein, so dass sich hier wenig neue Erkenntnisse einstellen und eine gewisse Ermüdung breit macht.

Was die Personenführung der drei Sänger betrifft,  hegt der aufmerksame Beobachter von Anfang an den Verdacht, dass der Regisseur Neumeier nicht so recht zu wissen scheint, was er mit den Darstellern der drei Solorollen anfangen soll. So lässt er diese meist etwas unbeteiligt am Bühnenrand herumstehen oder –sitzen, was zwar die Beobachterrolle von Orphée und Amour in der Binnenhandlung unterstreichen mag, aber kaum zur Verdeutlichung der Handlung oder gar zur packenden Zeichnung der Personen beiträgt. Diese darstellerischen, nicht von ihnen zu verantwortenden Defizite machen zumindest die beiden Sängerinnen ohne jede Einschränkung wett. Die in Rom geborene Arianna Venditelli präsentiert sich von anfänglichen leichten  Schärfen in der Höhe abgesehen als sinnliche, jugendliche Eurydice mit klangschöner, biegsamer und weicher Stimme, der man ihre sorgfältige Ausbildung in der Alten Musik jederzeit anmerkt. Fast noch mehr gilt dies für ihre Sopranistinnen-Kollegin Marie-Sophie Pollak als Amour, welche die beschriebene darstellerische Einschränkung durch ein höchst farbiges, in allen Registern ansprechendes und mühelos in die Höhe zu führendes Organ mehr als ausgleicht.

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée et Eurydice © Kiran West

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée et Eurydice © Kiran West

Auch in den Trios mit Eurydice und Orphée im dritten Akt und den Duetten mit dem „Sänger-Choreografen“ im ersten und dritten Akt zeigt die Sängerin ihre zu allergrößter Hoffnung Anlass gebenden musikalischen und auch schauspielerischen Anlagen. Als einziger Wehmutstropfen in diesen ausgezeichneten sängerischen Solistenleistungen muss leider der Darsteller Orphées, an diesem Abend ist dies der russische Tenor Dmitry Korchak, angesehen werden. Technisch durchaus begabt, scheint seine Stimme in Klang und Ausdruck eher für größere, dramatische Rollen des italienischen und russischen Fachs  geeignet zu sein. Für die eher lyrischen, kammermusikalischen Passagen des Orpheus bzw. Orphée fehlten ihm zumindest an diesem Baden-Badener Premierenabend Farbigkeit, Wandlungsfähigkeit und Gespür für Stimmungen und Nuancen im Ausdruck. Das erwies sich  gerade auch und vor allem bei den Duetten und Trios mit seinen beiden Partnerinnen als bedauernswertes Defizit.

Abgesehen von den oben erwähnten und nicht nur vom schreibenden Beobachter wahrgenommenen leichten Schwächen  der Choreografie gegen Ende der Aufführung zeigt sich die Hamburger Compagnie jederzeit als das, was ihren Ruf rund um die Welt ausmacht: Ein charismatisches, tänzerisch allen Anforderungen gewachsenes, ausdrucksstarkes und mitreißendes  Tanzkollektiv, aus dem neben den bereits erwähnten Darstellern des Protagonistenpaares vor allem das Trio der Höllenhunde von Aleix Martinez, Lizhong Wang und Marcelino Liabao hervorzuheben sind.

Auch als Ausstatter darf man John Neumeier ein großes Kompliment machen. Dies gilt nicht nur schönen und schlüssigen Einfällen wie dem Zitat des Kahnes, mit dem Charon die Toten über den Acheron bringt oder der Zypresse, die Erde und Unterwelt verbindet. Vor allem die von Neumeier konzipierten „halben Quader“ bzw. Dreiecks-Elemente entpuppen sich als hilfreiche wie formschöne Gestaltungselemente. Durch Drehen und Schieben werden sie zu variablen Auftritts- und Hintergrund-Flächen, die zudem durch eine perfekt eingesetzte Beleuchtung interessante und äußerst ästhetische Szenen ermöglichen. Dazu  passen die aufwändigen, die fließenden Bewegungen betonenden, meist weit geschnittenen Gewänder der Tänzerinnen und Tänzer.

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée et Eurydice © Kiran West

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée et Eurydice © Kiran West

Musikalisch ist die Baden-Badener Aufführung ein großer Genuss, ja, was die beiden erwähnten musikalischen Kollektive betrifft, ein Ereignis allererster Klasse. Das Freiburger Barockorchester, hier unter der Leitung des in Sachen historisch-informierter Aufführungspraxis bestens erprobten italienischen Dirigenten Allesandro De Marchi, wird auch an diesem Abend seinem herausragenden Ruf als eines der weltbesten Originalklangensembles gerecht. Dass es jederzeit in der Lage ist, in allen Stimmungen und inhaltlich-dramatischen Abstufungen einen betörenden, reinen und dennoch aufregenden und mitreißenden Klang zu entfalten, ist bekannt und wird ja auch von Musikbegeisterten in aller Welt geschätzt und gelobt.

Neu war hingegen, wenn es auch so erwartet werden durfte, dass die Freiburger auch als Ballettorchester eine tadellose Figur abgeben und mit allergrößter Präzision und Klangschönheit agieren können. So lieferten sie den Tänzerinnen und Tänzern auf der Bühne die makellose Folie, die den Tanz erst zu dem werden lässt, was sich Komponist und Choreograf erträumt haben mögen.

Kongenial auch das von Holger Speck einstudierte Vocalensemble Rastatt, das seinem Ruf als hochspezialisiertem, mit außergewöhnlicher Klangreinheit und –schönheit singender Chor bei all seinen Einsätzen voll gerecht wurde.

Dies ist umso erstaunlicher, als der Chor bei diesem Projekt hinter dem Orchester ganz statisch im Graben postiert ist. Dass die gut zwei Dutzend Sängerinnen und Sänger dennoch so klangschön und jederzeit verständlich artikulieren, zeugt von ihrer großen Meisterschaft und Professionalität.

So überwiegen am Ende dieser gut zweistündigen Aufführung die Freude über  und Dankbarkeit für ein optisches und musikalisches Ereignis von außerordentlichem Format. Allerdings stehen ihnen die Zweifel darüber entgegen, ob die Tanzfassung einer Oper tatsächlich so viele neue Erkenntnisse bringt, wie es Aufwand und Idee nahe legen und rechtfertigen würden. Der Beobachter entscheidet sich dann doch eher für das Original…

Weitere Aufführungen dieser Produktion nach Erscheinen dieser Besprechung nur noch auf Anfrage in Hamburg und möglicherweise an anderen Orten.

—| IOCO Kritik Festspielhaus Baden-Baden |—

Essen, Philharmonie Essen, Götz Alsmann huldigt Offenbach, 23.06.2019

Juni 11, 2019 by  
Filed under Philharmonie Essen, Pressemeldung

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Goetz Alsmann © EMI Jerome Bonnet

Philharmonie Essen / Goetz Alsmann
© EMI Jerome Bonnet

Götz Alsmann huldigt Jacques Offenbach

Sommernachtstraum

 Sonntag, 23. Juni 2019, um 18 Uhr

Götz Alsmann schlüpft in die Rolle von Jacques Offenbach: Den 200. Geburtstag des Komponisten feiert die Philharmonie Essen am Sonntag, 23. Juni 2019, um 18 Uhr (Ende gegen 23 Uhr) mit dem facettenreichen Themenabend Ein Sommernachtstraum, der diesmal unter dem Motto Offenbachs Erzählungen steht. In einem dreiteiligen Programm im Alfried Krupp Saal und zwei jeweils einstündigen Pausen stellen Musiker, Sänger und Schauspieler die Künstlerpersönlichkeit Jacques Offenbach und dessen Werk in den Mittelpunkt.

Jacques Offenbach Grab in Montmartre © IOCO

Jacques Offenbach Grab in Montmartre © IOCO

Der Abend beginnt mit Arien, Duetten und Orchesterstücken aus dem reichhaltigen Bühnenschaffen des Komponisten: Im ersten Teil präsentieren die Sopranistin Olga Pudova, der Tenor Julien Behr und das WDR Funkhausorchester unter der Leitung von Enrico Delamboye Höhepunkte unter anderem aus den Operetten La Vie parisienne, Orpheus in der Unterwelt und La belle Hélène sowie aus der Oper Hoffmanns Erzählungen. Mit seinen satirischen und hintergründigen „Opéra bouffes“, die man zwar heute Operetten nennt, aber schon damals mit nichts anderem zu vergleichen waren, beherrschte der in Köln geborene Komponist die Pariser Bühnen. Im zweiten Teil wird dann Offenbach selbst in Erscheinung treten – verkörpert vom Musiker und Entertainer Götz Alsmann, unterstützt von den Schauspielern Ingrid Domann und Carl Bruchhäuser. Sie lassen das Publikum an einem Tag im Leben des Künstlers teilhaben. Im dritten Teil schließlich kommt Offenbachs einaktige Operette Un mari à la porte (Ein Ehemann vor der Tür) in einem neuen, frischen Arrangement zur Aufführung. Zu erleben sind Bettina Ranch als Susanne, Giulia Montanari als Rosine, Erik Slik als Florian Specht, Zhive Kremshovski als Martin Preller sowie ein Kammerensemble der Essener Philharmoniker unter der Leitung von Heribert Feckler. Für die szenische Umsetzung des zweiten und dritten Teils ist der Regisseur Sascha Krohn verantwortlich.

In zwei einstündigen Pausen besteht die Möglichkeit, das charmante Pausenprogramm zu genießen oder sich im benachbarten Restaurant „Philharmonie Club“ – untermalt von französischer Salonmusik – kulinarisch verwöhnen zu lassen (erste Pause ca. 19 bis 20 Uhr; zweite Pause ca. 21 bis 22 Uhr; Tischreservierung unter Tel. 0201 / 8122 8610).

Der Themenabend „Ein Sommernachtstraum“ steht seit 2011 in nahezu jeder Spielzeit als sommerlicher Höhepunkt auf dem Programm der Philharmonie Essen. Jeder „Sommernachtstraum“ hat seinen eigenen inhaltlichen Schwerpunkt, der mit unterschiedlichen konzertanten und theatralischen Darstellungsformen erlebbar wird.

Karten (Einheitspreis: € 28,00) und Infos unter T 02 01 81 22-200 und www.philharmonie-essen.de.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

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