Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere AMADIS – Johann Christian Bach, 27.04.2019

April 4, 2019 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Bielefeld

bielefeld.jpg

Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

AMADIS  –  Johann Christian Bach

Originaltitel Amadis de Gaule // Tragedie lyrique // Libretto Philippe Quinault //  französische Sprache mit deutschen Übertiteln

PREMIERE Sa. 27.04.19, 19:30 Uhr, weitere Vorstellungen 01.05., 14.05., 24.05., 02.06., 20.06.2019

Abgründiger, alles verzehrender Hass erfüllt die Geschwister Arcalaus und Arcabonne. Im Streit um die schöne Oriane fiel ihr Bruder Ardan, nun gilt es seinen Mörder Amadis ebenfalls zu töten. Und auch Oriane, die Ardanins Verderben riss, soll so grausam wie möglich bestraft werden. Wohlwissend, dass der tapfere Amadis kaum mit Waffengewalt zu besiegen ist, schmiedet das der Magie mächtige Geschwisterpaar einen perfiden Racheplan: Mit dämonischer Hilfe säen sie Zweifel und Zwietracht in Orianes Zuneigung für Amadis. Von ihr verlassen, stürzt Amadis in Verzweiflung und wird ohne Lebenswillen zum Spielball der rachelüsternen Geschwister. Der Plan scheint aufzugehen. Ohne nennenswerte Gegenwehr fallen die entzweiten Liebenden in die Hände ihrer Erzfeinde. Doch als Arcabonne endlich dem Mörder ihres Bruders gegenübersteht, erkennt sie in ihm den Mann wieder, der ihr einst das Leben rettete und den sie seitdem vergeblich zu vergessen sucht. Dankbarkeit und Liebe hindern sie an ihrer blutigen Rache. Dennoch ist die Gefahr für Oriane und Amadis keineswegs gebannt, denn Eifersucht kann stärker brennen als Rachedurst. Bevor Amadis sich glücklich mit seiner Oriane versöhnen kann, stehen allen noch harte Prüfungen bevor.

Beherrscht der Mensch seine Gefühle oder ist er ihnen hilflos ausgeliefert? Und was ist stärker: Hass oder Liebe? Eine ganze Flut an Amadis-Romanen vom Mittelalter bis zum Barock zeugt von der Faszination, die der ritterliche Held, dem einzig seine Liebe zum Verhängnis werden konnte, auf Leser und Zuhörer ausübte. Mit geradezu traumwandlerischer Sicherheit besteht Amadis zwar ein Abenteuer nach dem nächsten, was ihn jedoch wahrhaft unter allen Männern hervorhebt, ist seine treue, beständige Liebe – allen Hindernissen und auch Versuchungen zum Trotz. Vielleicht war es diese emotionale Urkraft, die Johann Christian Bach wie auch etliche andere Komponisten davon überzeugte, aus dem Kosmos der Amadis-Romane eine Opernvorlage zu schöpfen. Regisseur Maximilian von Mayenburg und seine Ausstatterinnen Sophie du Vinage und Sylvie Berndt versetzen Amadis zunächst in eine Welt, die der unseren gar nicht so unähnlich ist und in der die Kontrolle auch über sich selbst grauer Alltag ist.

Doch umso mächtiger brechen sich die unterdrückten Urgewalten Bahn, sprengen im wahrsten Sinne des Wortes den Boden unser Zivilisation auf und bereiten einer überwältigenden Magie den Weg. Zum Glück für Amadis ist jedoch nicht nur der Hass eine Urmacht, sondern auch die Liebe – könnte eine Versöhnung des Menschen mit seiner Natur doch möglich sein?

Quasi an der Schnittstelle zwischen dem Barock seines Vaters Johann Sebastian Bach und der Klassik Wolfgang Amadeus Mozarts, der den etwas mehr als zwei Jahrzehnte Älteren zutiefst verehrte, gilt Johann Christan Bach als einer der Väter und Wegbereiter der Wiener Klassik. Der Einfluss, den er auf den Stil des jungen Mozart ausübte, ist auch im Amadis de Gaule deutlich wahrnehmbar. Die 1779 uraufgeführte Oper entstand als Auftragswerk für die Pariser Oper und wurde hier – wie ein ironischer Kommentar zum im Stück thematisierten blinden Hass – im Streit zwischen Gluckisten und Piccinisten zerrieben, dem schon viele Meisterwerke zum Opfer gefallen waren. Bachs elegante Unternehmung, französische und italienische Stilelemente zu verbinden, führte nicht zur Befriedung der streitenden Parteien, sondern lediglich zu dem Konsens das Werk abzulehnen – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen. Möglicherweise war es aber ja sogar die schwierige, wenn nicht gar aussichtslose Ausgangssituation des Pariser Opernstreits, die Bach so antrieb, dass er mit Amadis seine »anspruchsvollste, abwechslungsreichste, harmonisch reichhaltigste und farbigste Oper« komponierte (Marc Vignal). Wenige Jahre nach der Uraufführung starb der jüngste und kosmopolitischste der Bach- Söhne im Alter von nur 46 Jahren in seiner Wahlheimat London.

In der Titelrolle kämpft Lianghua Gong um die Liebe seiner angebeteten Oriane, gesungen von Cornelie Isenbürger. Hasti Molavian und Evgueniy Alexiev verwenden als dämonisches Geschwisterpaar ihre ganze Energie darauf, den Tod von Ardan (Moon Soo Park) zu rächen. Nohad Becker als Urgande, die schon in den mittelalterlichen Romanen stets als unerkannte gute Macht über Amadis wacht, könnte auch hier zur Versöhnung der beiden Sphären beitragen. Zumindest, falls Amadis nicht den Reizen der Coryphée erliegt, alternierend gesungen von Dorine Mortelmans und Nienke Otten. Die Bielefelder Philharmoniker und der Bielefelder Opernchor spielen unter der Leitung von Kapellmeister Merijn van Driesten.

Musikalische Leitung Merijn van Driesten // Inszenierung Maximilian von Mayenburg // Bühne und Kostüme Sophie du Vinage, Sylvie Berndt // Dramaturgie Anne Christine Oppermann // Choreinstudierung Hagen Enke // Mit Evgueniy Alexiev // Nohad Becker // Lianghua Gong // Cornelie Isenbürger // Hasti Molavian // Dorine Mortelsmans // Nienke Otten // Moon Soo Park // Bielefelder Opernchor // Bielefelder Philharmoniker

Die nächsten Vorstellungen 01.05., 14.05., 24.05., 02.06., 20.06.2019


Merijn van Driesten (Musikalische Leitung) ist Kapellmeister und Studienleiter am
Theater Bielefeld. Der gebürtige Niederländer studierte zunächst Klavier in Utrecht
und Amsterdam sowie bei Evgeni Koroliov in Hamburg. Nach einer freischaffenden
Tätigkeit als Kammermusiker, Liedbegleiter und Dozent am Musikseminar Hamburg
studierte er Dirigieren bei Christoph Prick an der Hochschule für Musik und Theater
Hamburg.
Ab 2007 arbeitete Merijn van Driesten an verschiedenen Theatern als Kapellmeister
und Repetitor, wo er ein großes Repertoire an Bühnenwerken und Konzertliteratur
spielte und dirigierte. Sein besonderes Interesse gilt dabei der Aufführungspraxis
barocker und klassischer Musik, die er oft am Cembalo begleitet.
Seit 2011 ist er am Theater Bielefeld engagiert, zunächst als Solo-Repetitor, ab 2012
als Studienleiter und Kapellmeister. Außerdem leitet er seit 2011 das Sinfonieorchester
Paderborn.
Am Theater Bielefeld leitete er viele Produktionen, darunter Die Krönung der
Poppea (Monteverdi) und Orlando paladino (Haydn). Außerdem dirigierte er
Repertoirevorstellungen z. B. von Così fan tutte, Die Fledermaus, Tosca, Madama
Butterfly und Die Zauberflöte.

Maximilian von Mayenburg (Inszenierung) wurde in München geboren. Er studierte zunächst Gesang an der Hochschule für Musik Hanns Eisler in Berlin, u. a. bei Alexander Vinogradov und Thomas Quasthoff. Bereits zu Beginn seines Studiums wurde er 2004 von Christoph Schlingensief als Sänger und Darsteller für die Produktion Kunst und Gemüse A. Hipler an der Berliner Volksbühne verpflichtet, die 2005 zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde.

Ab 2007 studierte Maximilian von Mayenburg zusätzlich Musiktheaterregie an der HfM Hanns Eisler. Im Rahmen des Studiums lernte und arbeitete er u. a. bei Jossi Wieler, Vera Nemirova, Hans Neuenfels und Stefan Herheim. Es folgten Assistenzen u. a. an der Staatsoper Berlin, bei den Bayreuther Festspielen und den Salzburger Festspielen. Frühe eigene Regieprojekte umfassen unter anderem die Inszenierung der Oper L’Heure espagnole im Rahmen des Projekts K.O. 10 – La petite mort (Koproduktion mit der Komischen Oper Berlin, 2009). Im Mai 2011 entstand in Eigenproduktion eine Inszenierung von Webers Freischütz im Heimathafen Neukölln und im Sommer feierte eine Inszenierung des Ring des Nibelungen in einer eigenen Fassung für Kinder bei den Bayreuther Festspielen Premiere. Diese vielbeachtete Fassung wurde 2013 an der Oper Leipzig im Rahmen des Wagnerjahres nachgespielt. Im Dezember 2012 folgte eine Inszenierung von Wolfgang Mitterers Das tapfere Schneiderlein an der Werkstattbühne der Staatsoper im Schillertheater Berlin. Im selben Jahr gewann Maximilian von Mayenburg den neuen Regiewettbewerb der Deutschen Bank Stiftung »Akademie Musiktheater heute« in Kooperation mit den Berliner Philharmonikern und dem Festspielhaus Baden-Baden und inszenierte dort mit großem Erfolg die Kammeroper Cendrillon von Pauline Viardot im Rahmen der Osterfestspiele. Mit The King’s Speech von David Seidler (der Stückvorlage zu dem gleichnamigen Spielfilm) inszenierte Maximilian von Mayenburg mit großem Erfolg in der Spielzeit 2013/14 am Theater Baden-Baden erstmals für das Schauspiel. Im Herbst 2014 inszenierte er einen hochgelobten Rosenkavalier am Theater Gera/Altenburg, für den er als bester Nachwuchskünstler im Jahrbuch der Opernwelt nominiert wurde. Für die Inszenierung der Oper Xerxes am Theater Bielefeld erhielt er im Winter 2015 den Sonderpreis Tischlerei der Deutschen Oper.

Mit der Uraufführung der Oper Die Schneekönigin stellte sich Maximilian von Mayenburg im Winter 2015 am Deutschen Nationaltheater Weimar vor. Es folgten weitere Inszenierungen im In- und Ausland: Die Zauberflöte (Theater Heidelberg), The Turn of the Screw (KonzertTheater Bern), Le Nozze di Figaro (Oper Graz), Tannhäuser am Nationaltheater Weimar, Nabucco am Staatstheater Saarbrücken sowie die Stückentwicklung Frankenstein (Deutsche Oper Berlin). Nach seinen begeistert aufgenommenen Inszenierungen von Xerxes, Il Trittico und Der Freischütz kehrt Maximilian von Mayenburg nun mit Amadis erneut nach Bielefeld zurück.

Sophie du Vinage (Bühnen- und Kostümbild) arbeitet als freie Bühnen- und Kostümbildnerin für Oper und Schauspiel. Mit der Regisseurin Cordula Däuper verbindet sie eine kontinuierliche Zusammenarbeit. Sie entwarf die Kostüme u. a. für Il matrimonio segreto am Opernhaus Zürich, La Cenerentola am Konzert Theater Bern, Die Liebe zu den drei Orangen und Tancredi am Nationaltheater Mannheim, Orpheus in der Unterwelt und La Calisto am Staatstheater Darmstadt. Außerdem arbeitet sie mit dem Regisseur Jan Christoph Gockel zusammen, mit dem sie u. a. Parole Kästner und Der Untertan am Staatsschauspiel Dresden sowie Die Nibelungen am Staatstheater Mainz realisierte. Sie entwarf u. a. die Kostüme für Die Möwe und Rechtsmaterial am Staatstheater Karlsruhe, die Bühne für Öl am Theater Heidelberg, Kostüme für Macbeth, Grimm. Ein deutsches Märchen und Meister und Margarita am Staatstheater Mainz sowie für Merlin oder Das wüste Land und Der Auftrag: Dantons Tod. am Schauspielhaus Graz. In Düsseldorf und Oberhausen arbeitete sie mit Pedro Martins Beja zusammen, am Maxim Gorki Theater mehrfach mit Hakan Savas Mican. Am Schauspielhaus Graz entwarf sie 2014 Kostüme für Winterreise am Maxim Gorki Theater Berlin. Am Theater Bielefeld entwarf Sophie du Vinage Bühne und Kostüme für Maximilian von Mayenburgs Xerxes und setzte die Zusammenarbeit mit ihm bei Die Zauberflöte am Theater Heidelberg, Frankenstein an der Deutschen Oper Berlin und Nabucco am Saarländischen Staatstheater fort.

Sylvie Berndt (Co-Bühnen- und Kostümbild) hat während ihres Designstudiums an der Hochschule für Gestaltung Mainz und Victoria University of Art and Design Wellington bereits erste Erfahrungen im Set Design für studentische Filme gesammelt. Ausstattungs- und Regieassistenzen folgten, unter anderem am Schauspiel Frankfurt und Staatstheater Darmstadt. Eigene Arbeiten für Schauspiel und Tanz, in der freien Theaterszene entstanden, u. a. für Theater Peripherie Frankfurt und PAD.Mainz. Nach dem Studium war sie von 2016 – 2019 als feste Kostüm- und Bühnenbildassistentin am Staatstheater Mainz tätig. In der Spielzeit 2017/18 entwarf sie Bühnen- und Kostümbilder für die Produktionen Dinge, die ich sicher weiß mit KD Schmidt, Overload und Über uns im Staatstheater Mainz.

BESETZUNG
Amadis Lianghua Gong
Oriane Cornelie Isenbürger
Arcabonne Hasti Molavian
Arcalaus Evgueniy Alexiev
Ardan Moon Soo Park
Urgande Nohad Becker
Coryphée Dorine Mortelmans / Nienke Otten
Zwietracht Franziska Hösli / Elena Schneider
Der Hass Yun-Geun Choi / Tae-Woon Jung

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—

Innsbruck, Tiroler Landestheater, Der Stein der Weisen – Emanuel Schikaneder, IOCO Kritik, 09.10.2018

Tiroler Landestheater - Im Winter @ Rupert Larl

Tiroler Landestheater – Im Winter @ Rupert Larl

Tiroler Landestheater

Der Stein der Weisen  oder  Die Zauberinsel

Von Emanuel Schikaneder und anderen

Von Julian Führer

Es gibt in Deutschland zahllose Wielandstraßen. Christoph Martin Wieland (1733-1813) ist als Übersetzer, Dichter und Herausgeber in Erscheinung getreten, doch welche Werke sind heute noch bekannt, was wird noch gelesen? Wir verdanken ihm unter anderem eine in der Originalausgabe (1786-1789) dreibändige Sammlung Dschinnistan oder auserlesene Feen- und Geister-Märchen. Dort findet sich eine Geschichte Der Stein der Weisen, aber auch Lulu oder die Zauberflöte. Emanuel Schikaneder (1751-1812) nutzte diese Vorlagen für seine zahlreichen Opernlibretti, von Der dumme Anton im Gebirge bis hin zur Zauberflöte, die Wolfgang Amadeus Mozart in Musik setzte und die bis heute eine der meistgespielten Opern überhaupt ist.

«Welch reizende Musik erhebt die Herzen feierlich»

Was wurde aus Der Stein der Weisen? In Fachkreisen war bekannt, dass dieses Stück 1790 im Wiedner Theater uraufgeführt wurde (dort wurde ein Jahr später auch Die Zauberflöte zum ersten Mal gezeigt). Der Druck von Einzelnummern belegt, dass es eine gewisse Popularität erlangt haben muss. Im 19. Jahrhundert geriet Der Stein der Weisen in Vergessenheit. 1996 gelang es David J. Buch, in Hamburg (Staats- und Universitätsbibliothek) eine handschriftliche Partitur ohne Titelblatt als Überlieferungszeugen für die verloren geglaubte Oper zu identifizieren; alsbald konnten weitere Partituren, Klavierauszüge und Stimmen nachgewiesen werden, und zwar in Berlin (Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz), Frankfurt (Stadt- und Universitätsbibliothek, Florenz (Conservatorio Luigi Cherubini) und Wroclaw (Biblioteka Uniwersytecka).

 Der Stein der Weisen  von Emanuel Schikaneder
Youtube Trailer  des Tiroler Landestheater
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Worum geht es? Das Singspiel (also ein Wechsel von gesprochenen und gesungenen Passagen) kennt den Halbgott Astromonte und den unterirdischen Gott Eutifronte, ein seriöses und ein Buffopaar, Arien, Duette, einen Jägerchor, Waldgeister, unterirdische Geister, Schutzgeister und dergleichen mehr. Genius hat etliche Auftritte und muss der Handlung immer wieder neue Wendungen und Impulse geben, die sonst in dem Werk noch beliebiger als ohnehin schon wirken würden. Emanuel Schikaneder schrieb an die 50 Operntexte und war im Arrangieren nicht eben wählerisch. Auch bediente er sich gerne bei sich selbst und passte Figurenkonstellationen nur grob an, so dass Der Stein der Weisen in manchem, etwa dem Verhältnis der beiden Paare, sich wie eine Vorstudie zur Zauberflöte ausnimmt.

Werden heute Singspiele oder auch Opern wie Fidelio oder Der Freischütz aufgeführt, stellt sich oft die Frage, wie mit den oft langen gesprochenen Passagen umgegangen werden soll – vollständig lassen, kürzen, streichen? Die Frage stellt sich umso drängender, wenn ein deutsches Singspiel etwa in Paris aufgeführt wird oder Solisten mit anderer Muttersprache sich durch lange Textpassagen quälen. In Innsbruck wählte man einen eleganten Weg, das Werk schlank zu halten und dennoch die Musiknummern durch Überleitungen zu verbinden: Timna Brauer führte als Erzählerin durch die nicht immer ganz logischen Verzweigungen der Handlung, deren Kern die Rivalität von Gott und Halbgott ist, wodurch die Paare Nadir und Nadine sowie Lubano und Lubanara in Schwierigkeiten kommen, aus denen ihnen nur Genius mit dem Stein der Weisen heraushelfen kann. Die als «konzertante Aufführung» bezeichnete Innsbrucker Version wurde von Angelika Wolff so eingerichtet und von Michael D. Zimmermann so ausgestattet, dass es mehr zu sehen gab als in manchen stark reduzierenden Inszenierungen: Die Auftritte aus den Gassen waren sorgfältig choreographiert und den einzelnen Gassen auch Bedeutungsebenen zugewiesen (der Bauer tritt nicht so auf wie der Gott!). Den Hintergrund lieferten Bilder von Arik Brauer, die mit ihren phantastischen Elementen die Handlung untermalten.

Tiroler Landestheater / Der Stein der Weisen - Emanuel Schikaneder © Rupert Larl

Tiroler Landestheater / Der Stein der Weisen – Emanuel Schikaneder © Rupert Larl

Besonders interessant war natürlich das musikalische Material und dessen Darbietung. Das Textbuch von Schikaneder hat gemäss dem Geschmack der Zeit Qualitäten, ist aber literarisch nicht weiter anspruchsvoll («Die Lieb ist wohl ein närrisch Ding! / Doch ihre Macht ist nicht gering. / Sie macht so weh, sie macht so wohl! Ich weiß nicht, wie ich’s nennen soll.»). Die Musik wurde von Johann Baptist Henneberg, Benedikt Schack, Franz Xaver Gerl und Emanuel Schikaneder selbst geschrieben, und eine kleine Zahl Stücke geht sogar auf Wolfgang Amadeus Mozart zurück. Libretto und Musik haben durchaus Witz, etwa wenn Eutifronte die Lubanara dazu verdammt, nur noch wie eine Katze zu miauen. Dies ist Anlass für das auch außerhalb der Oper über die Zeiten hinweg bekannte «Katzen-Duett» (das den eigentlich stummen, aber dennoch musikalisch agierenden Papageno vorwegnimmt). Tatsächlich sind einige Nummern kunstvoll und andere eher handwerklich-brav komponiert (man denkt bei manchen Phrasen unwillkürlich an einen mittelmäßig begabten Haydn-Schüler). Dennoch wirkt die Oper stilistisch recht einheitlich. Mozarts Genie erscheint neben seinen Zeitgenossen nur umso deutlicher.

Das Orchester unter Seokwon Hong spielte engagiert, in den Arien und Duetten zartfühlend, in Jägerchor und den beiden Finalen auch kraftvoll. Konventionell, aber handwerklich überzeugend kam der Jägerchor (mit Hörnern, Trompeten und Pauke) daher. Auch ein orchestrales Gewitter durfte nicht fehlen, die unruhige See bot Anklänge an «Numi, pietà» aus Mozarts Idomeneo. Dennoch haben hier Vincenzo Bellini (in der Introduktion zum dritten Akt von I Puritani) und Beethoven ganz neue Welten erschlossen.

Tiroler Landestheater / Der Stein der Weisen - Emanuel Schikaneder © Rupert Larl

Tiroler Landestheater / Der Stein der Weisen – Emanuel Schikaneder © Rupert Larl

Der Tenor Garrie Davislim gestaltete den Gott Astromonte – keine einfache Partie, denn ein gütiger Gott hat nicht übermäßig viele Möglichkeiten zur dramatischen Gestaltung. Johannes Maria Wimmer als böser Halbgott Eutifronte hatte da ganz andere stimmliche Entfaltungsmöglichkeiten. Beide wurden ihren Partien vollauf gerecht. Auch die Paare (Nadir und Nadine: Daniel Johannsen und Jihyun Cecilia Lee, Lubano und Lubanara: Alec Avedissian und Andreja Zidaric) sangen tadellos, wobei natürlich Andreja Zidaric beim Publikum besonders gut ankam, da sie nach Herzenslust miauen durfte.

Der Chor hat eine umfangreiche Partie zu bewältigen. In einer Nummer zanken sich vier Choristinnen, wer am tugendhaftesten ist – ein Mechanismus der gegenseitigen Überbietung voller Witz. Die Aufstellung des Chores im hinteren Bühnenbereich geht leider zu Lasten der Textverständlichkeit. Dies traf auch den Genius der Sophia Theodorides, die oft im hinteren Bühnenraum zu agieren hatte. Das alles mündet in einer lieta fine nach den Konventionen der Zeit.

Als Fazit dieser Ausgrabung wird deutlich, dass auch ein musikalisches Meisterwerk wie Mozarts Zauberflöte seine Vorläufer hat. Mag die Handlung teilweise hanebüchen oder gar haarsträubend sein – dies hat das Stück mit anderen noch heute gespielten Opern der Zeit wie Orlando Paladino und Idomeneo gemeinsam. Ein sonst wenig gespieltes Werk auf die Bühne zu bringen, ist immer ein Wagnis; hier in Innsbruck hat man gewagt, eine Oper zu zeigen, die in Handlung und Musik nicht immer auf der Höhe des sonstigen Repertoires ist, aber dennoch viele Qualitäten hat und vor allem eine Art musikhistorischen Kontext für die Zauberflöte bietet und zudem zeigt, wie mehrere Künstler in kürzester Zeit ein bühnentaugliches Werk zustandebringen konnten. Das Tiroler Landestheater ist für diesen Mut zu loben, für die sorgfältige Einstudierung, für das liebevolle Arrangement auf der Bühne – aber auch für das exzellent recherchierte Programmheft, das diese ganzen Bezüge deutlich macht.

Der Stein der Weisen im Tiroler Landestheater; in der laufenden Spielzeit 2018/19 sind keine Vorstellungen geplant.

—| IOCO Kritik Tiroler Landestheater |—

München, Bayerische Staatsoper, Münchner Opernfestspiele 2018, IOCO Aktuell, 03.08.2018

Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

MÜNCHNER OPERNFESTSPIELE  2018

Am 31.7.2018 gingen die Münchner Opernfestspiele 2018 mit Richard Wagners Parsifal zu Ende. Generalmusikdirektor Kirill Petrenko dirigierte die Neuinszenierung. Unter seiner Leitung standen außerdem Der Ring des Nibelungen und Il trittico. Mit dem Ende der Münchner Opernfestspiele verabschiedet sich das Pressebüro der Bayerischen Staatsoper in die Sommerpause. Dennoch blicken wir schon voraus auf den Herbst und die neue Saison.

Ab Beginn der Theaterferien gibt es das Angebot, die Virtual-Reality-Experience GELIEBT GEHASST UND 360° auch via eigenem Mobiltelefon anzusehen.

Die Münchner Opernfestspiele in Zahlen

Intendant Nikolaus Bachler beschließt die Festspiele in seiner zehnten Saison mit einer Gesamtauslastung von 98,04 Prozent. Die Auslastung bei den Opern- und Ballettvorstellungen im National- und Prinzregententheater betrugen dabei 99,52 Prozent. Insgesamt standen an 38 Tagen 70 Veranstaltungen auf dem Spielplan. Neben den Vorstellungen im Nationaltheater, dem Prinzregententheater und dem Cuvilliés-Theater bespielte die Bayerische Staatsoper im Rahmen der Festspiel-Werkstatt auch die Reithalle mit vier Produktionen (Auslastung 96,57%). Insgesamt wurden in dem Zeitraum vom 24. Juni bis 31. Juli über 83.500 Karten verkauft. Über 1.500 Karten gingen davon zum Preis von 10 Euro an Studierende und Schüler.

 Höhepunkte der Münchner Opernfestspiele 2018

Premieren

Bayerische Staatsoper / Orlando Paladino hier Mathias Vidal als Orlando und das Opernballett der Baerischen Staatsoper © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Orlando Paladino hier Mathias Vidal als Orlando und das Opernballett der Bayerischen Staatsoper © Wilfried Hösl

Das Musiktheaterkollektiv HAUEN • UND • STECHEN interpretierte bei der ersten Festspiel-Werkstatt-Premiere Zeig mir deine Wunder die Oper Snegurotschka von Nikolai Rimski-Korsakow. Den nächsten Höhepunkt stellte die Premiere von Richard Wagners Parsifal in der Inszenierung von Pierre Audi und unter der musikalischen Leitung von Kirill Petrenko dar. Das Bühnenbild entwarf mit Georg Baselitz einer der wichtigsten bildenden Künstler der Gegenwart. Nach der Premiere des szenischen Konzerts Match! mit Musik von u.a. Mauricio Kagel feierte Nikolaus Brass’ Die Vorübergehenden Uraufführung in der Reithalle. Salvatore Sciarrinos Vanitas war die vierte Premiere der Festspiel-Werkstatt. Zum Abschluss der Festspiele inszenierte der Filmemacher Axel Ranisch im Prinzregententheater Joseph Haydns Orlando Paladino.

Prinzregententheater München / Günther Groissböck gestaltete hier mit Gerold Huber seinen gefeierten Liederabend, Rezension unten © Felix Loechner

Prinzregententheater München / Günther Groissböck gestaltete hier mit Gerold Huber seinen gefeierten Liederabend, Rezension unten © Felix Loechner

Festspiel-Opernabende

Zusätzlich zu den sechs Neuinszenierungen der aktuellen Saison – Le nozze di Figaro, Il trittico, Les Vêpres siciliennes, Aus einem Totenhaus, Parsifal und Orlando Paladino gelangte Der Ring des Nibelungen unter der Leitung von Kirill Petrenko sowie fünf weitere Opernproduktionen zur Aufführung, darunter Der fliegende Holländer mit Wolfgang Koch in der Titelpartie. Als Arabella war Anja Harteros unter der musikalischen Leitung von Constantin Trinks zu hören. Joseph Calleja, Thomas Hampson und Angela Gheorghiu verkörperten in Tosca die Hauptpartien. Gaetano Donizettis L’elisir d’amore wurde mit Olga Kulchynska und Vittorio Grigòlo auf die Bühne gebracht. Diana Damrau gab in Verdis La traviata die verzweifelt Liebende.

Liederabende
Bei insgesamt sechs Liederabenden sangen Anja Harteros, Elisabeth Kulman, Christian Gerhaher, Günther Groissböck, Krassimira Stoyanova und Rolando Villazón. Darüber hinaus trat Edita Gruberova bei einem Gala-Abend auf.

Ballett
Das Bayerische Staatsballett zeigte neben der Festspiel-Premiere Junge Choreographen die Neuinszenierung der aktuellen Saison: Anna Karenina und Portrait Wayne McGregor.

—| IOCO Aktuell Bayerische Staatsoper München |—

Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere ORLANDO PALADINO, 27.04.2018

April 3, 2018 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Bielefeld

bielefeld.jpg

Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

ORLANDO PALADINO –  JOSEPH HAYDN

PREMIERE : 27.04.2018 – 20:00 Uhr,  weitere Vorstellungen 04.05., 15.05., 27.05., 13.06., 21.06., 29.06., 05.07.2018

„Ja, hat denn die ganze Welt den Verstand verloren?!“

Das wird sich Alcina wohl fragen, als in ihrem Zauberreich mehr und mehr abgehetzte Menschen eintreffen, die vor jemandem weg- oder jemandem hinterherlaufen. Zum Beispiel Angelica, die eigentlich nur romantische Zweisamkeit mit ihrem Medoro genießen will. Aber da auch Orlando sie – im wahrsten Sinne des Wortes – bis zum Wahnsinn liebt, lebt sie immer fluchtbereit in Angst um ihren zarten Liebsten. Daran kann auch das Schutzversprechen des cholerischen Rodomonte nichts ändern, dessen größter Lebenstraum durch ein Duell mit dem rasenden Orlando in Erfüllung ginge. Wenn der nicht bloß immer schon weg wäre, wenn Rodomonte glaubt, ihn endlich gestellt zu haben! Das findet auch Orlandos Diener Pasquale nervig, der lieber einem gebratenen Hühnchen oder der schönen Eurilla hinterherlaufen würde statt seinem liebestollen Herrn. In diesem Emotionschaos muss Alcina zu drastischen Mitteln greifen, damit endlich wieder Ruhe in ihr Reich einkehrt. Mehrmals unterzieht sie Orlando einer Schocktherapie, doch erst das totale Auslöschen seiner Erinnerung durch das Wasser des Letheflusses bringen seine tiefen Gefühle zum Verstummen.

Theater Bielefeld / Orlando Paladino hier Cornelie Isenbuerger, welche Angelica darstellen wird © Philipp Ottendoerfer

Theater Bielefeld / Orlando Paladino hier Cornelie Isenbuerger, welche Angelica sein wird © Philipp Ottendoerfer

Für Haydns Publikum 1782 war die Oper ein Wiedersehen mit alten Bekannten, basiert Orlando Paladino doch auf der Mutter aller Fantasy- Romane, dem vielrezipierten Ritterepos Orlando Furioso des Renaissance-Dichters Ludovico Ariost. Sämtliche Einheiten von Raum, Zeit und Handlung sprengend, erzählte Ariost hier von äußerlich zwar unverletzlichen, innerlich aber zerrissenen Superhelden, liebenden, aber durchaus gleichberechtigt kampfbereiten Frauen, Monstern, Fabelwesen und Außerirdischen, Zauberern mit den neuesten technischen Errungenschaften, Überschallgeschwindigkeit erreichenden Fortbewegungsmitteln und sogar von einer Reise zum Mond. Nichts ist unvorstellbar in diesem gleichermaßen ernsten wie komischen Epos, das damit eine ideale Fundgrube bildete für Haydns auf Schloss Esterházy entwickelter Vision einer Oper, die heitere und ernste, heroische und pastorale Elemente in sich vereinen sollte. Immer wieder drängen sich – in Hinblick auf die Figuren wie auch die Musiksprache – Vergleiche mit Mozarts Zauberflöte oder Don Giovanni auf, die wohlgemerkt beide nach Haydns Orlando Paladino entstanden. Mehrere Figuren in emotionalen Extremzuständen entnahm der Librettist Nunziato Porta dem Epos, versetzte sie aber in eine neue Grundkonstellation und alle gemeinsam in das Reich der Zauberin Alcina. Der von allen als wahnsinnig geschmähte und in seiner verzweifelten Raserei gefürchtete Orlando wirkt hier lediglich wie ein Primus inter Pares. Während Orlandos verlorener Verstand bei Ariost auf dem Mond wiedergefunden und somit wiederhergestellt wird, müssen seine tiefen Gefühle in der Oper vollständig ausgelöscht
werden, da sie – im Gegensatz zu denen der anderen – unstillbar und damit nicht mit irdischen Mitteln »heilbar« sind. Wie diese ihren Empfindungen unmittelbar ausgelieferten Menschen durch Alcinas Eingreifen nach und nach zu einem kontrollierten und damit gesellschaftskonformen Gefühlshaushalt gebracht werden, stellt das Team um Regisseurin Felicitas Brucker in den Mittelpunkt ihrer Deutung, bei der gleichermaßen die komischen wie auch die ernsthaften Seiten von Haydns Dramma eroicomico beleuchtet werden.

Auch wenn eine friedliche Koexistenz zwischen gleichgeschalteten und gleichmütigen Wesen sicherlich leichter zu erreichen ist als zwischen radikal subjektiven und unbeherrschten Individuen – würde der Welt nicht etwas fehlen? Unter der musikalischen Leitung von Merijn van Driesten steht Daniel Pataky als liebeskranker Orlando auf der Bühne. Cornelie Isenbürger leiht seinem Objekt der Begierde, Angelica, ihren koloratursicheren Sopran. Aufopferungsbereit und doch ein wenig hasenfüßig steht Medoro, gesungen von Lianghua Gong, Angelica zur Seite. Voll baritonalem Testosteron sucht Rodomonte, alias Caio Monteiro, den Kampf mit dem rasenden Orlando. Lieber als den Befehlen seines Herrn folgt Lorin Wey als Orlandos Diener Pasquale den Verlockungen der süßen Eurilla, dargestellt von Nienke Otten. Gemeinsam mit Yoshiaki Kimura als Licone/Charon versucht Alcina, gesungen von Hasti Molavian, die Emotionen der Beteiligten unter Kontrolle zu bringen. Es spielen die Bielefelder Philharmoniker.

Musikalische Leitung :  Merijn van Driesten, Inszenierung : Felicitas Brucker, Bühne : Marlene Lockemann, Dramaturgie : Anne Christine Oppermann
Mit Lianghua Gong // Cornelie Isenbürger // Yoshiaki Kimura // Hasti Molavian // Caio Monteiro // Nienke Otten // Daniel Pataky // Lorin Wey // Bielefelder Philharmoniker


INSZENIERUNG
Felicitas Brucker wurde 1974 in Stuttgart geboren und absolvierte von 1995 bis 2001 ein Studium der Theaterwissenschaften, Kommunikationswissenschaften und der Neueren Deutsche Literatur an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Im Anschluss studierte sie Regie am Goldsmith College der University of London via DAAD Postgraduiertenstipendium.

Während des Aufenthaltes in London bis 2003 entstanden erste eigene Projekte. Bisher inszenierte sie u. a. an den Münchner Kammerspielen, am Theater Freiburg, am Schauspiel Hannover, am Maxim Gorki Theater Berlin und am Thalia Theater Hamburg. Von 2009 bis 2014 war sie Hausregisseurin am Schauspielhaus Wien, wo sie u. a. für die Uraufführungen von Ewald Palmetshofers hamlet ist tot. keine schwerkraft (2007), faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete (2009) sowie die österreichischen Erstaufführungen von tier. man wird doch bitte unterschicht (2011) und Körpergewicht. 17% (2011) verantwortlich war. Am Schauspielhaus Wien inszenierte sie zudem Kassandra oder die Welt als Ende der Vorstellung von Kevin Rittberger (UA 2010), Karaoke-Box von Iwan Wyrypajew (UA 2010 im Rahmen der Serie Die X Gebote), Der Garten von Anja Hilling (UA 2011), Gier von Sarah Kane und Illusionen von Iwan Wyrypajew (ÖEA 2013) sowie Aller Tage Abend nach dem Roman von Jenny Erpenbeck (UA 2014, Dramatisierung für das Schauspielhaus Wien von Andreas Jungwirth in Zusammenarbeit mit Felicitas Brucker). Gemeinsam mit Anne Habermehl war sie als Projektleiterin für die Theaterserie Die Welt von gestern nach Stefan Zweig verantwortlich.

In der Spielzeit 2015/16 inszenierte sie am Theater Freiburg ihre Antiken-Bearbeitung Ödipus (nach Sophokles, Euripides und Aischylos) und stellte sich mit Wolfgang Amadeus Mozarts Così fan tutte erstmals als Opernregisseurin vor. Zuletzt inszenierte sie am Theater Basel die Uraufführung von Darja Stockers Stück Nirgends in Friede. Antigone, (eingeladen zu den Autorentheatertagen 2016) sowie die Schweizer Erstaufführung von Ewald Palmetshofer die unverheiratete (2017) und die Uraufführung von Dominik Buschs Das Recht des Stärkeren (2018).


MUSIKALISCHE LEITUNG
Merijn van Driesten ist Kapellmeister und Studienleiter am Theater Bielefeld. Der gebürtige Niederländer studierte zunächst Klavier in Utrecht und Amsterdam sowie bei E. Koroliov in Hamburg. Nach einer freischaffenden Tätigkeit als Kammermusiker, Liedbegleiter und Dozent am Musikseminar Hamburg studierte er Dirigieren bei Prof. Christoph Prick an der Hamburger Musikhochschule. Seit 2007 arbeitet Merijn van Driesten an verschiedenen Theatern als Kapellmeister und Repetitor, wo er ein großes Repertoire an Bühnenwerken und Konzertliteratur spielte und dirigierte. Sein besonderes Interesse gilt dabei der Aufführungspraxis barocker und klassischer Musik, die er oft am Cembalo begleitet. Am Theater Bielefeld leitete er neben vielen Vorstellungen (z. B. Così fan tutte, Die Fledermaus, Tosca, Madama Butterfly und Die Zauberflöte) viele Kinderkonzerte und Opernproduktionen, darunter Händels Xerxes, die Wiederaufnahme von Tannhäuser, Monteverdis Die Krönung der Poppea und 2016 die erfolgreiche europäische Erstaufführung von Dog Days des amerikanischen Komponisten David T. Little. Außerdem leitet er seit 2011 das Sinfonieorchester Paderborn.


BÜHNE
Marlene Lockemann wurde 1989 in Berlin geboren. Von 2012 – 2017 studierte sie Bühnenraum und freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bei Professor Raimund Bauer. Vor und während ihres Studiums assistierte sie bei Bühnen- und Kostümbildarbeiten u. a. am Ballhaus Naunynstraße in Berlin und am Thalia Theater in Hamburg. Marlene Lockemann entwickelte Bühnenräume u. a. für Inszenierungen im Deutschen Schauspielhaus, in der Staatsoper und auf Kampnagel inHamburg. Für ihren Bühnenraum für Katzelmacher, 2016 im Münchner Volkstheater in der Regie von Abdullah Kenan Karaca, wurde sie im Rahmen der Kritikerumfrage des Magazins Theater heute als beste Nachwuchsbühnenbildnerin des Jahres 2016 nominiert. Weiterhin verwirklichte sie Rauminstallationen und Performances wie den OXO Inkubator in Zusammenarbeit mit Lea Burkhalter auf dem internationalen Sommerfestival auf Kampnagel 2014 oder die Perfor mance round150 auf dem Brutkastenfestival 2015 der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Sie beteiligte sich an Ausstellungen wie Der hellste Tag 2015 im Elektrohaus Hamburg oder B1 im Rahmen der Lessingtage 2016 im Thalia Theater in Hamburg. Für die performative Installation IM FALL, in Zusammenarbeit mit Lea Burkhalter wurde sie 2017 mit dem Karl H. Ditze-Preis für die beste Abschlussarbeit der Hochschule für Bildende Künste Hamburg ausgezeichnet.


KOSTÜME
Viva Schudt, geboren in Konstanz, studierte von 1994 bis 2000 Freie Kunst, Fachbereich Bühnenbild an der Kunstakademie Düsseldorf. Seit 1999 arbeitet sie als Bühnen- und Kostümbildnerin in den Sparten Schauspiel, Oper und Tanz und an Projekten mit Laien und Experten im öffentlichen Raum, im Gefängnis, in Hörsälen oder im Altersheim. Sie arbeitete u. a. am Luzerner Theater, Schauspielhaus Zürich, Theater Basel, Jungen Theater Basel, Berner Theater, Theater am Neumarkt in Zürich, Schauspielhaus Hamburg, Staatstheater Hannover, Staatstheater Stuttgart, an den Kammerspielen München, am Schauspielhaus Wien, Volkstheater Wien, Schauspiel Köln sowie am Theater Freiburg. Dort übernahm sie von 2006 bis 2007 die Ausstattungsleitung unter der Intendanz von Barbara Mundel. Sie gestaltete mehrere Raumbühnenbilder in Luzern und konzeptionierte 2012 die Ausweichspielstätte des Schauspielhauses Hamburg während des Umbaus des Bühnenhauses. 2016 gründetet sie mit Daniel Wahl U.G.L.E (urban guerilla life entertainment) zur Erforschung von Theater im öffentlichen Raum. Seit 2012 verbindet sie eine regelmäßige Zusammenarbeit mit der Regisseurin Felicitas Brucker, Haydns Orlando Paladino ist ihre zehnte gemeinsame Arbeit und ihre erste am Theater Bielefeld. PMThBi

BESETZUNG
Angelica – Cornelie Isenbürger, Rodomonte – Caio Monteiro, Orlando Daniel Pataky
Medoro Lianghua Gong, Licone Yoshiaki Kimura, Eurilla Nienke Otten. Pasquale Lorin Wey
Alcina Hasti Molavian, Charon Yoshiaki Kimura

—| Pressemeldung Theater Bielefeld |—