Hamburg, Elbphilharmonie, LEERER SAAL, VOLLES ROHR Konzert mit Wayne Marshall, 02.11.2020

Oktober 30, 2020 by  
Filed under Elbphilharmonie, Konzert, Livestream, Pressemeldung

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung der Elphi © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg

LEERER SAAL, VOLLES ROHR

Konzert mit Orgelvirtuose Wayne Marshall

2. November in der Elbphilharmonie wird live gestreamt

 Am Montag, den 2. November, hätte der grandiose britische Organist Wayne Marshall zwei ausverkaufte Solokonzerte in der Elbphilharmonie spielen sollen. Leider fällt der erste Geltungstag des jüngst beschlossenen neuerlichen bundesweiten Lockdowns auf den 2. November, Konzerte vor Publikum sind untersagt. Aber Wayne Marshall spielt und improvisiert trotzdem an diesem Abend auf der 4765 Pfeifen starken Klais-Orgel des Konzerthauses: Volles Rohr, vor leerem Saal, bei laufenden Kameras. Das Konzert wird im Livestream auf www.elbphilharmonie.de übertragen. Beginn: 21 Uhr.

Wayne Marshall zählt zu den führenden Konzertorganisten weltweit. Er hat ein ausgesprochenes Faible für die US-amerikanische Musik des 20. Jahrhunderts, insbesondere für Gershwin und Bernstein. Der Tradition des Instruments folgend, spielt die Improvisation bei seinen Konzerten eine große Rolle. In seinem Livestream-Konzert wird Wayne Marshall über Themen von Bernstein und Beethoven improvisieren, die Sinfonie Nr. 6 des französischen Orgelpapstes Charles-Marie Widor aufführen sowie zwei Stücke der zeitgenössischen Komponisten George Baker und Andrew Ager. Das Community-Management für die Zuschauer des Livestreams auf Facebook macht Thomas Cornelius, mit der Titularorganistin der Elbphilharmonie Iveta Apkalna der beste Kenner des Instruments.

Weitere Informationen sowie das digitale Programmheft zum Konzert finden Sie unter: https://www.elbphilharmonie.de/de/programm/livestream-wayne-marshall/15435

—| Pressemeldung Elbphilharmonie Hamburg |—

Ulrike Theresia Wegele – Organistin von Weltruf – im Gespräch, IOCO Interview, 11.06.2020

Juni 11, 2020 by  
Filed under Hervorheben, IOCO Interview, Konzert, Portraits

Ulrike Theresia Wegele, berühmte Organistin in Wien @ Peters

Ulrike Theresia Wegele, berühmte Organistin in Wien @ Peters

Prof. Ulrike Theresia Wegele – Organistin von  Weltruf

Im Gespräch mit Dr. Albrecht Schneider, IOCO

Lebensweg: Geboren in Weingarten / Württemberg. Studium der katholischen Kirchenmusik an der Musikhochschule Stuttgart bei Prof. Dr. Ludger Lohmann. Aufbaustudium an der Musikuniversität Wien bei Prof. Michael Radulescu. Diplome (A-Examen für Kirchenmusik und Konzertfachdiplom mit Auszeichnung.  Verleihung des Titels ‚Magister artium‘. Live-Mitschnitte und Rundfunkproduktionen für viele europäische und internationale Rundfunk-anstalten, CD-Aufnahmen und Fernsehproduktionen. Regelmäßiger Gast bei vielen bedeutenden Orgelfestivals in ganz Europa, den USA und Mexiko.

1991-1999 Dozentin an der Musikhochschule in Graz, 1999 Berufung als Professorin für Orgel an die Universität für Musik nach Graz (Institut Oberschützen). Seit 1992 auch Professorin für Orgel am Joseph-Haydn-Konservatorium in Eisenstadt.

2000-2010 Musikbeirätin für das Burgenland und während seines Bestehens von 2004-2010 die Künstlerische Leiterin des Weinklang Musikfestivals. Für hervorragende pädagogische Arbeit mit Schülern und Studierenden wurde sie vom Landesschulrat ausgezeichnet. 2009 wurde ihr im Staatsinteresse die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen.

Prominente Einladungen Zur internationalen Orgelwoche nach Granada / Spanien, den Haydnfestspielen in Eisenstadt, zum weltweit größten Organistenkongreß in Washington DC wo sie eines der renommierten Hauptkonzerte gab, an die Riverside Church und die St. Thomas Cathedral in New York City, zum Pablo Casals-Festival nach Prades / Frankreich, geben Beispiel für ihre internationale Karriere als Konzertorganistin.

Als gefragte Persönlichkeit hält sie weltweit Gast- und Meisterkurse u.a. an der berühmten Juilliard School of Music in NYC oder der Montclaire State University.

2019 erschien ihr dreibändiges Werk Orgelschule mit Hand und Fuß beim Wiener Musikverlag Doblinger. Im Sommer 2020 wurde ihr dafür der Theodor-Kery-Preis der Burgenlandstiftung verliehen.

Ihr breites Orgelrepertoire umfasst Werke vorbachscher Meister, das Gesamtwerk von Johann Sebastian Bach, der Klassik, Romantik bis hin zu Musik des 21. Jahrhunderts.

Professorin Magistra Artium Ulrike Theresia Wegele zählt zu den führenden OrganistInnen  unserer Zeit

——————————————————-

Organistin Ulrike Theresia Wegele spielt Johann Ludwig Krebs, Wir glauben all an einen Gott
youtube Video Ulrike Wegele-Kefer
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

 Prof. Ulrike Theresia Wegele – im Interview mit Dr. Albrecht Schneider

Albrecht Schneider (AS): Frau Prof. Wegele, die Coronapandemie trifft jeden von uns in der Jetztzeit des Jahres 2020.  Kultur und  Künstler sind von der Pandemie oft überaus hart getroffen. Wie sehr haben Sie die letzten Monate in Ihrer Lehrtätigkeit  und  Ihrer solistischen Tätigkeit eingeschränkt?

Ulrike Theresia Wegele (UTW):  Nun ja, von einem Tag auf den anderen hat sich nicht nur mein Terminkalender bis in den Herbst hinein komplett entleert, es hat mein Leben auf den Kopf gestellt.

Ich hätte im April am Shanghai Conservatory einen Vortrag zu zeitgemäßem Orgelunterricht halten sollen und ein Konzert spielen sollen. Im Juli hätte in den USA der größte Orgelkongreß der Welt abgehalten werden sollen, auch da wäre ich mit einem Vortrag und einem lecture recital vertreten gewesen. Zig andere Veranstaltungen wurden abgesagt…

Im Unterrichtsbetrieb hieß es rasch kreativ zu sein. Die Vorlesungen habe ich adaptiert und für die Studierenden online zur Verfügung gestellt, das war nicht sehr schwer. ‚Unterricht‘ mache ich seit Mitte März 2020 mit Videos. Die Studierenden nehmen sich selbst auf und ich kommentiere das ausführlich per Sprachnachricht oder Email. Meist sende ich dann auch noch eigene Aufnahmen mit um manches besser begreiflich zu machen. Das ersetzt den Präsenzunterricht nicht, hält aber alle bei der Stange und es sind dennoch Fortschritte zu verzeichnen.

Ich sende jede Woche ‚die Orgel der Woche‘ aus, besonders schöne historische Instrumente und spezifisch abgestimmte Improvisationsübungen und interessante Aufsätze über ausgewählte Themen. Die Resonanz der Studierenden ist sehr gut und ich denke wir haben das Beste aus der Situation gemacht.

AS:   Welche  familiäre wie musikalische Bedingungen und Anregungen haben Sie just zur Orgel als Ihrem Instrument geführt?

UTW:  Ich komme nicht aus einer Musikerfamilie, aber ein Klavier war bei uns zuhause. Meine Eltern legten Wert darauf, dass sowohl meine drei älteren Geschwister als auch ich, wenigstens für ein paar Jahre Klavier Unterricht erhalten. Als jüngstes der Kinder habe ich bereits mit fünf Jahren Unterricht erhalten. Als ich mit 6 Jahren zum ersten Mal die berühmte Orgel von Joseph Gabler in der Basilika St. Martin in meiner Heimatstadt Weingarten gehört habe, habe ich mich in dieses Instrument verliebt. Von da an war es mein größter Wunsch dieses Instrument zu erlernen.

Organistin Prof. Ulrike Theresia Wegel @ www.lukasbeck.com

Organistin Prof. Ulrike Theresia Wegel @ www.lukasbeck.com

AS:  Anhand der auf  ihrer Webseite nachzulesenden  Programmzettel: Steht im Zentrum Ihrer Arbeit der Kanon der Orgelliteratur vom Frühbarock, Sweelinck-Prätorius bis zur Spätromantik (Reger)?

UTW: Nein das ist nicht ganz richtig. Mein Repertoire umfasst die gesamte Orgelliteratur insbesondere auch die Orgelmusik des 20igsten und 21igsten Jahrhunderts. Ihr diesbezüglicher Verweis zu meiner Webseite ist korrekt; allerdings werden die Programme der Website demnächst aktualisiert..

AS: Hat die große französische Orgelmusik des 19. Jahrhunderts, wie César Franck – Charles Widor, Bedeutung für Sie? Gehört sie zum Ihrem Repertoire ?

UTW:  César Franck ja, von ihm habe ich fast alles gespielt. Die drei Choräle und das grande piéce symphonique spiele ich regelmäßig. Widor und Boellmann habe ich als Teenager gespielt, das interessiert mich heute nicht mehr. Ich habe für mich in den letzten Jahrzehnten die deutsche Orgelromantik entdeckt. Neben Brahms, Mendelssohn und Schumann die wunderbaren Sonaten von Ritter, Dienel oder Bartmuss.

AS:  Gibt es Sie interessierende zeitgenössische Werke für Orgel?  Welche und inwieweit?  Von Wolfgang Rihm gibt es ein Stück; hat er es speziell für Sie geschrieben?  Interessiert sich die Moderne überhaupt für Ihr Instrument?

UTW:  Oh ja! Das Stück Bann, Nachtschwärmerei von Wolfgang Rihm habe ich oft in Konzerten gespielt, es ist aber nicht mir gewidmet.

Hingegen zahlreiche österreichische, italienische, ungarische und US-amerikanische KomponistInnen haben eigens Stücke für mich geschrieben. Es gibt sehr viel zeitgenössische Literatur für die Orgel und vieles davon ist sehr ansprechend und interessant.

AS:   Nach wie vor sind überwiegend Männer auf den Orgelbänken zu finden. Warum ist das so?

UTW: Ich denke, das ist im geschichtlichen Kontext zu sehen. In früheren Jahrhunderten hatten nur Männer die Möglichkeit dieser Ausbildung. Erst im 19. Jahrhundert war das Orgelspiel auch für Frauen möglich. Ich sehe aber jetzt vermehrt viele junge Frauen die Orgel studieren.

AS:   Haben Sie eine große Schüler/innenzahl und wie steht es um deren Chancen?  Sind es vorwiegend künftige Kirchenmusiker/Innen?

UTW: Ich habe aktuell 11 Studierende, 5 junge Männer und  !!! 6 junge Frauen. Ich unterrichte Konzertfach Orgel und Instrumentalpädagogik Orgel.

In Österreich gibt es im Gegensatz zu Deutschland nur ganz wenige hauptamtliche KirchenmusikerInnenstellen. Kirchenmusik ist in Österreich nicht wirklich eine Option. Meine Absolventen arbeiten meist in einem Mix aus Unterricht an Musikschulen, Privatlehre, Konzertieren oder Ensemblemitglieder.

Organistin Ulrike Theresia Wegele – Orgelschule mit Hand und Fuß Band 3
youtube Video Ulrike Wegele-Kefer
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

AS:   Wie haben Sie jetzt diese Coronazeit Verbracht? Ihre umfangreichen Bücher  Orgelschule mit Hand und Fuss , link HIER! wurden bereits 2019 publiziert !

UTW: Meine Bücher,  „Orgelschule mit Hand und Fuß“  ist mit allen drei  Bänden bereits 2019 beim Wiener Musikverlag Doblinger (link HIER!) erschienen. Die Bücherreihe ist abgeschlossen und in sich komplett.

Aber – es wird zu jedem Band der Orgelschule ein eigener ergänzender Literaturband erscheinen. Band 1 ,Lass die Pfeifen tanzen‘ war vor Corona schon fertig und wird im Juli erscheinen. Band 2 ‚Zieh alle Register‘ und Band 3 ‚Pro Organo pleno‘ habe ich jetzt – schneller als gedacht – fertig gestellt.

Aber auch noch andere Dinge, die findet man in ca zwei Monaten auf meiner Homepage

www.wegele.at

Der ‚Unterricht‘ über Videos nimmt meist mehr Zeit in Anspruch als Präsenzunterricht. Ich arbeite meist sieben Tage die Woche. Aber da ich wirklich mit Leib und Seele Pädagogin bin stört mich das nicht.

AS:   Freuen Sie sich auf die Zeiten nach Corona, wenn Sie wieder uneingeschränkt lehren und auftreten können?

UTW: Um ehrlich zu sein verunsichert mich diese Situation sehr. Wir wissen viel zu wenig über diesen Virus.

Meinen Sommerkurs an der Universität werde ich unter sehr strengen Sicherheitsmaßnahmen abhalten. Vermutlich wird das dann auch so ab dem Wintersemester sein. Zur Normalität werden wir noch lange nicht zurückkehren können.

Bislang habe ich nur meine Teilnahme an einem großen deutschen Organistenkongreß im Herbst 2021 zugesagt, da könnte ich zur Not auch mit dem Auto anreisen. Anfragen aus anderen Ländern Europas, Asien oder den USA habe ich bis auf Weiteres vertagt. Ich kann mir unter den derzeitigen Bedingungen keine längere Flugreise vorstellen.

Ich weiß, dass dies viele KollegInnen lockerer sehen, aber für mich ist das noch lange nicht ausgestanden.

AS:  Für dies ausführliche und für die IOCO Community aufschlussreiche Interview, Frau Professorin Wegele,  dürfen wir uns bedanken. Für Ihre Arbeit als Solistin wie Lehrerin wünschen wir Ihnen auch weiterhin allen Erfolg wie viel Zuspruch.

—| IOCO Portrait |—

Köln, Friedenskirche – Köln Ehrenfeld, ZAMUS – Fest für Alte Musik, IOCO Kritik, 03.04.2018

April 3, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Konzert, Kritiken, Philharmonie Köln

 

ZAMUS Köln / Exequien - Motetten von Heinrich Schuetz © Karin Hasenstein

ZAMUS Köln / Exequien – Motetten von Heinrich Schuetz © Karin Hasenstein

Heinrich Schütz – Musikalische Exequien und Motetten

  “Eile mich, Gott, zu erretten”

Von Karin Hasenstein

Inmitten der an Konzerten so reichen vorösterlichen Passionszeit faszinierte besonders die Konzertreihe des ZAMUS – Zentrum für ALTE MUSIK Köln, mit den Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz in ihrer Mitte. Das in der Friedenskirche in Köln-Elberfeld  auftretende ZAMUS-Vocal-Consort, mit einem überregional anerkannten Gesangs-Ensemble, die mit gesungenem Wort so sensibel umgehende Starsopranistin Emma Kirkby, seit vielen Jahre international anerkannte große Dame der Alten Musik, an der Spitze, machte den Besuch der Exequien mit Heinrich Schütz für die Rezensentin zu einem unbedingten Muß.

Motetten und die Musikalischen Exequien von Heinrich Schütz standen auf im Mittelpunkt, nicht die zu dieser Zeit gewohnten großen Passionen von J.S. Bach oder G.F. Händel, nein.

ZAMUS Köln / Exequien von Heinrich Schuetz © Karin Hasenstein

ZAMUS Köln / Exequien von Heinrich Schuetz © Karin Hasenstein

Die Musikalischen Exequien SWV 279-281 (op. 7) sind ein geistliches musikalisches Werk für Singstimmen und Basso continuo von Heinrich Schütz. Das Werk entstand als eine erweiterte Evangelienmotette im Rahmen der lutherischen Trauermesse (Teile I und II) und als Musik zur Beisetzung (Teil III) von Heinrich Posthumus Reuß im Februar 1636. Das damals geläufige lateinische Wort ex(s)equiae bedeutet “Leichenbegängnis”. Es stellt jedoch keinen Traditionszusammenhang mit der ebenfalls oft Exequien genannten katholischen Begräbnisliturgie her.

Schütz komponierte seine Exequien 1635/36 anlässlich des Todes seines Landesherrn Heinrich Posthumus Reuß. Sie erklangen erstmalig bei Reuß’ Trauergottesdienst und Beisetzung in Gera. Der Fürst selbst hatte noch zu Lebzeiten eine Sammlung von Bibelversen und Liedtexten zusammengestellt, mit welchen sein Sarg beschriftet werden sollte. Diese Texte übergab Heinrichs Witwe nach dessen Tod an Schütz, der sie zur Grundlage des ersten Teils der Exequien machte. Mit dem zweiten Text “Herr, wenn ich nur dich habe” (Psalm 73, 25-26) schloss Schütz als zweiten Teil der Exequien die Vertonung dieses Textes als Motette an. Als abschließende fünfstimmige Motette erklang der Lobgesang des Simeon “Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren”.

Den ersten Teil der Exequien bestreiten sechs Soli (2 Soprane, Alt, 2 Tenöre, Bass) und Orgel. In den als Capella bezeichneten Sätzen können weitere Ripieno-Sänger je Stimme hinzukommen. Der zweite Teil besteht aus zwei jeweils mit Sopran, Alt, Tenor und Bass besetzten Teilensembles. In der letzten Motette kontrastiert der als Capella bezeichnete fünfstimmige Hauptchor mit drei Solostimmen (2 Soprane und Bariton als Seraphim mit der Beata Anima, als Fernchor zu positionieren).

Den Exequien vorangestellt hat der musikalische Leiter Joachim Diessner zwölf Motetten von Heinrich Schütz, Samuel Scheidt, Johann Rudolph Ahle und Johann Eccard. Sie alle einzeln zu beschreiben würde den Rahmen dieser Rezension sprengen. Allen gemein ist jedoch, dass sie vom ZAMUS Vocal-Consort mit differenzierter Dynamik und sauberer Intonation sensibel gestaltet wurden. Das Ensemble zeichnete sich durch hohe Textverständlichkeit und präzise Wegnahmen aus. Bei den Doppelchören waren die Frage- und Antwortpartien durch Soli und Chor eindringlich gestaltet. Auch hier fielen die gute Textverständlichkeit und präzise Befolgung der dynamischen und agogischen Vorgaben des Dirigenten auf. An den Tutti-Stellen fügten sich die Solisten harmonisch in das Vokal-Ensemble ein, stets sensibel begleitet von den hervorragenden Instrumentalisten auf historischen Instrumenten. Besonders erwähnt werden sollen hier stellvertretend Sophie Vanden Ende (Laute) und Felix Görg (Bassgambe), die zusammen mit Tatjana Vorobjova an der Orgel einen zuverlässigen Basso continuo-Teppich unter die filigranen Kompositionen legten.

Diese Art der Alten Musik zeichnet sich nicht durch große musikalische Höhepunkte aus, sie besticht vielmehr durch den stetigen Fluss, der eine große Ruhe ausstrahlt und den Zuhörer im Idealfall selbst ganz ruhig werden lässt.

ZAMUS Köln / Exequien von Heinrich Schuetz © Karin Hasenstein

ZAMUS Köln / Exequien von Heinrich Schuetz © Karin Hasenstein

Die Chorstimmen der Exequien waren stets ausgewogen, die Texte gut verständlich. Diessner leitete Chor und Solisten souverän und formte die einzelnen Teile dynamisch gut differenziert. Mit großem Engagement und bisweilen großen Gesten führte Diessner Sänger und Instrumentalisten immer wieder konzentriert auf das Wesentliche dieser Musik. So strahlt gerade der II. Teil große Zuversicht aus (“Wenn mir gleich Leib und Seele verschmacht, so bist du doch, Gott, allzeit meines Herzens Trost und mein Teil.”)

Viele Besucher waren auch wegen Emma Kirkby zu diesen Exequien gekommen, der Ikone der Alten Musik und großer Interpretin dieses Genres. Kirkby schaffte es, die Zuhörer mit großer Zartheit und Expression in ihren Bann zu ziehen, vor allem als Solistin in der Schütz-Motette Eile mich, Gott, zu erretten” für Sopran und b.c. aus den Kleinen geistlichen Konzerten. Emma Kirkby gestaltete den Text eindringlich, beinahe flehentlich und zutiefst ergreifend.

Die Zuhörer in der ausverkauften Friedenskirche in Köln Ehrenfeld honorierten das Konzert mit lang anhaltendem begeisterten Beifall und wurden dafür mit der Wiederholung der Schütz Motette “Verleih uns Frieden gnädiglich” als Zugabe belohnt.

Die Ausführenden  –  Musikalische Exequien und Motetten

– Musikalische Leitung: Joachim Diessner

– ZAMUS-Vocal-Consort mit:

– Gesang:  Sopran:  Emma Kirkby, Bethany Seymour, Santa Bulatova;  Alt:  Elisabeth Popien, Melissa HegneyTenor:  Fabian Strotmann, Scott Wellstead;  Bass Alexander Schmidt, Martin Wistinghausen.

– Instrumentalisten: Sophie Vanden Eynde – Laute; Tatjana Vorobjova – Orgel, Felix Görg – Bassgambe, Jenny Heilig, Paul Rhee, Zink; Christoph Hamborg, Regina Oelfe, Raphael Vang, Johannes Weber – Posaune

—| IOCO Kritik Friedenskirche Köln |—

 

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung