Kassel, Staatstheater Kassel, Idomeneo, Re di Creta – Wolfgang A Mozart , 07.12.2019

Oktober 24, 2019 by  
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Staatstheater Kassel

Staatstheater Kassel © N. Klinger

Staatstheater Kassel © N. Klinger

Idomeneo, Re di Creta – Wolfgang Amadeus Mozart

Premiere: Samstag, 7. Dezember, 19 Uhr, weitere Vorstellungen: 11.12. (19 Uhr), 14.12. (19 Uhr), 20.12. (19 Uhr), 29.12. (18 Uhr)

Der kretische König Idomeneo kehrt nach jahrelangem Krieg in Troja siegreich in die Heimat zurück. Als er kurz vor Kreta in Seenot gerät, schwört er dem Meeresgott Neptun, ihm für seine Rettung den ersten Menschen zu opfern, den er nach seiner Rettung an Land sieht. Es ist sein eigener Sohn Idamante. Der ist zutiefst verstört, als er vom eigenen Vater zurückgestoßen wird. Dazu hat Idamante noch ganz andere Probleme, steht er doch zwischen zwei Frauen: Elektra, der Tochter Agamemnons, und der als Kriegsgefangene nach Kreta verschleppten trojanischen Prinzessin Ilia.

Idomeneo versucht alles, um seinen Sohn zu schützen – bis Kreta derart von Katastrophen heimgesucht wird, dass das verängstigte Volk ihn beschwört, endlich zu handeln und das versprochene Opfer zu bringen. Doch Ilia ist bereit, ihr Leben für den geliebten Idamante zu geben …

Wolfgang Amadeus Mozart, Wien © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart, Wien © IOCO

Mozart selbst hegte eine besondere Vorliebe für „Idomeneo“. Und zweifellos ist die 1781 uraufgeführte große Choroper eines seiner ersten dramatischen Meisterwerke, trotz oder wegen der unterschiedlichen Theaterformen, aus denen Mozart hier etwas Neues kreiert hat. Einerseits in der Tradition der italienischen Opera seria stehend, enthält „Idomeneo“ zugleich zahlreiche Elemente der Tragèdie lyrique, die Mozart hier meisterlich mit seinem Personalstil und einem dichten, farbenprächtigen Orchestersatz vereint.

Regisseur Lorenzo Fioroni sieht in „Idomeneo“ den „vulkanischen Ausdruck eines Genies“ und ein im besten Sinn experimentelles Werk. Fioroni, der 2005 mit dem Götz-Friedrich-Preis für Regie und 2017 mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis ausgezeichnet wurde, hat am Staatstheater Kassel bereits mehrfach inszeniert: So führte er u.a. Regie bei einem vielbeachteten Wagner-Zyklus mit „Der fliegende Holländer“, „Die Meistersinger von Nürnberg“, „Lohengrin“ und „Tannhäuser“ und zuletzt 2014 bei Strauss‘ „Rosenkavalier“.

Jörg Halubek (Musikalische Leitung) ist ein gefragter Spezialist für historische Aufführungspraxis und Alte Musik und Gründer des Barockensembles „il Gusto Barocco“. Am Staatstheater Kassel ist er als Gastdirigent seit 2012 regelmäßig für Opernproduktionen verantwortlich, darunter Mozarts „Lucio Silla“, „Iphigenie“ von Gluck und „Saul“ von Händel. „Idomeneo“ ist nach „Krönung der Poppea“ 2018 am Nationaltheater Mannheim seine zweite Zusammenarbeit mit Lorenzo Fioroni.

Lothar Odinius (Idomeneo) gastiert regelmäßig bei internationalen Festivals und in den wichtigen Konzertsälen von Berlin über Wien und London bis New York sowie an renommierten Opernhäusern wie dem Opernhaus Zürich, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris, in Glyndebourne und bei den Bayreuther Festspielen. Den Schwerpunkt seines breit gefächerten Opernrepertoires bilden die großen Tenorpartien der Mozartopern. Am Staatstheater Kassel war Odinius bereits in der Saison 2018-19 mit seinem gefeierten Debüt als Loge im Rheingold zu erleben.

Maren Engelhardt studierte am Mozarteum ihrer Heimatstadt Salzburg und später an der Wiener Musikuniversität. Seit 2009-10 gehört sie dem Ensemble des Staatstheaters Kassel an und war hier bereits in zahlreichen großen Partien zu erleben, darunter Annio („La clemenza di Tito“), Dorabella („Così fan tutte“), Femme („La Voix Humaine“), Octavian („Der Rosenkavalier), Cecilio („Lucio Silla“) und Romeo („I Capuleti e i Montecchi“). Für ihre herausragenden Leistungen erhielt sie 2013 den VolksBühne-Preis und 2019 den Irma-Jansa-Gesangspreis.

Musikalische Leitung: Jörg Halubek, Inszenierung: Lorenzo Fioroni, Bühne: Ralf Käselau, Kostüme: Annette Braun, Dramaturgie: Ursula Benzing, Chor-Einstudierung Marco Zeiser Celesti

Mit Lothar Odinius (Idomeneo, König von Kreta), Maren Engelhardt (Idamante, sein Sohn), Vida Mikneviciute / Nicole Chevalier (Elektra, Tochter des Agamemnon), Elizabeth Bailey (Ilia, Tochter des Priamos), Younggi Moses Do (Arbaces, Vertrauter des Königs), Bassem Alkhouri (Der Oberpriester des Neptun), Marc-Olivier Oetterli (Stimme des Orakels), Staatsorchester Kassel, Opernchor und Statisterie des Staatstheaters Kassel

—| Pressemeldung Staatstheater Kassel |—

Magdeburg, Theater Magdeburg, Premiere Die Gärtnerin aus Liebe, 06.05.2017

April 5, 2017 by  
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Theater Magdeburg

Theater Magdeburg © Theater Magdeburg / Hans Ludwig Boehme

Theater Magdeburg © Theater Magdeburg / Hans Ludwig Boehme

 Die Gärtnerin aus Liebe von W.A. Mozart

„Leidenschaft, die Leiden schafft“

Premiere 6.5.2017, weitere Vorstellungen 20.5.2017, 25.5.2017, 2.6.2017

Am Samstag, dem 06. 05. 2017, 19.30 Uhr, feiert Wolfgang Amadeus Mozarts Liebesspiel Die Gärtnerin aus Liebe in der Regie von Tobias Heyder im Theater Magdeburg Premiere und wird vorerst nur in dieser Spielzeit im Opernhaus gezeigt.

Theater Magdeburg / Die Gärtnerin aus Liebe © Nilz Böhme

Theater Magdeburg / Die Gärtnerin aus Liebe © Nilz Böhme

Die Gärtnerin aus Liebe – im Original La finta giardiniera – stammt aus der Feder des 18-jährigen Wolfgang Amadeus Mozart und wurde nach seiner Uraufführung 1775 zu einem großen Erfolg. Die Oper, die bereits mit Anklängen an Die Hochzeit des Figaro auf diese und die weiteren Meisterwerke verweist, ist keinesfalls ein naives Frühwerk des österreichischen Komponisten, sondern vielmehr eine ideal- und zeittypische Opera buffa mit klarer und individueller Figurenzeichnung. Gekonnt balanciert Mozart zwischen Komik und Tragik, lotet die Möglichkeiten der Buffa-Form weit aus und reichert sie mit Elementen der Opera seria an: Wahnsinns-, Wut- und Verzweiflungsarien.

Theater Magdeburg / Die Gärtnerin aus Liebe © Nilz Böhme

Theater Magdeburg / Die Gärtnerin aus Liebe © Nilz Böhme

Ein Eifersuchtsanfall hatte den Grafen Belfiore gegen seine Geliebte Violante gewalttätig werden lassen. In der Annahme, Violante sei tot, suchte Belfiore das Weite. Nun treffen die beiden im Hause von Don Anchise wieder aufeinander: Belfiore ist im Begriff, Arminda, die Nichte des Hausherrn, zu ehelichen, und Violante hat sich unter falschem Namen als Gärtnerin anstellen lassen. Über ihre wahre Identität lässt sie auch Belfiore zunächst im Unklaren. Es ergibt sich eine verfahrene Liebeskonstellation, in der Don Anchise seiner Gärtnerin nachstellt, der traurige Ritter Ramiro nicht von seiner Jugendliebe Arminda lassen kann und Violantes Diener Roberto das Dienstmädchen Serpetta anhimmelt, die sich ihrerseits noch Hoffnungen auf Don Anchise macht. Erst als sich Violante und Belfiore – nach Wildnis- und Wahnsinnserfahrung – wieder für einander entscheiden, können auch die anderen Paare ihr Glück finden. Nur Don Anchise bleibt allein.

Im Zentrum dieses verwirrenden Liebesspiels stehen Violante und Belfiore, die nicht mit und auch nicht ohne einander können und in einer Leidenschaft gefangen sind, die sprichwörtlich Leiden schafft. Einen perfekten Innenraum für dieses Dickicht aus Gefühlen, Sehnsüchten und Täuschungen hat der Bühnenbildner Frank Schlößmann mit einem Labyrinth aus Räumen und Türen auf der Drehbühne entworfen. Er setzte zuletzt Damon von Georg Philipp Telemann in Magdeburg in Szene. Die passenden, bunten Kostüme, die die Individualität der einzelnen Personen noch einmal deutlich hervorheben, liefert Janine Werthmann. Der Hamburger Regisseur Tobias Heyder inszeniert zum ersten Mal in Magdeburg. Am Pult der Magdeburgischen Philharmonie steht Svetoslav Borisov. In der Partie des Ramiro – der Jugendliebe von Arminda – stellt sich die Mezzosopranistin Florentina Soare als neues Ensemblemitglied dem Magdeburger Publikum vor. Die Gärtnerin aus Liebe wird vorerst nur in dieser Spielzeit im Opernhaus gezeigt.

Gärtnerin aus Liebe: Premiere 6.5.2017, weitere Vorstellungen 20.5.2017, 25.5.2017, 2.6.2017

—| Pressemeldung Theater Magdeburg |—

Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere: La clemenza di Tito von Wolfgang Amadeus Mozart, 27.05.2016

Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

 Konzertant: La clemenza di Tito – Wolfgang Amadeus Mozart

Musikalischer Thriller über Liebe, politische Machtkämpfe und Großmut

Libretto von Caterino Mazzolà nach Pietro Metastasio
In italienischer Sprache mit deutschen Untertiteln

Sinfoniekonzert 6:   Freitag, 27. Mai 2016 | 20 Uhr

Wien / Mozart - Denkmal © IOCO

Wien / Mozart – Denkmal © IOCO

Nach den Frühwerken Il re pastore und Lucio Silla in den beiden vergangenen Spielzeiten setzt die Komische Oper Berlin ihre Serie konzertanter Mozartopern mit La clemenza di Tito fort. In Mozarts vorletzter, zeitgleich mit der Zauberflöte entstandenen Oper entspinnt sich rund um den römischen Kaiser Titus ein musikalischer Thriller über große Gefühle, Intrigen, politische Machtkämpfe und Großmut. Als Solisten glänzen unter anderem Johannes Chum in der Titelrolle, Simone Schneider als Vitellia, Theresa Kronthaler als Sesto sowie Sydney Mancasola als dessen Schwester Servilia. Generalmusikdirektor Henrik Nánási dirigiert das Orchester der Komischen Oper Berlin.

Kaiser Titus gilt als besonnener und gnädiger Herrscher. Doch obwohl er sogar die eigenen Heiratspläne dem Gemeinwohl unterordnet, erzeugt er wider Willen in seinem näheren Umfeld nichts als Missgunst, enttäuschte Hoffnungen und Verrat: Weil Vitellia, die Tochter von Titus’ getötetem Vorgänger, in ihrer Hoffnung auf ein Heiratsangebot des Kaisers enttäuscht wird, setzt sie eine Intrige gegen den Herrscher in Gang. Den ihr hoffnungslos in Liebe verfallenen Sesto, einen Jugendfreund Titus’, kann sie zu einem Attentat auf den Kaiser überreden. Der Anschlag misslingt, Vitellia und Sesto erwarten ihr Todesurteil. Doch auch in tiefster persönlicher Enttäuschung erweist sich Kaiser Titus als wahrhaft gnädiger Herrscher. La clemenza di Tito wird im italienischen Original mit deutschen Untertiteln aufgeführt.

Musikalische Leitung: Henrik Nánási, Chöre: David Cavelius,  Besetzung:
Johannes Chum (Tito Vespasiano, Herrscher von Rom), Simone Schneider (Vitellia, Tochter des vorherigen Kaisers Vitellius), Theresa Kronthaler (Sesto, Titos Freund), Sydney Mancasola (Servilia), Silvia Hauer (Annio), Alexey Antonov (Publio), Chorsolisten und Orchester der Komischen Oper Berlin

Sinfoniekonzert 6 – La clemenza di Tito:  Freitag, 27. Mai 2016 | 20 Uhr

—| Pressemeldung Komische Oper Berlin |—

GIOVANNI PAISIELLO: Im Schatten der Musikgeschichte, IOCO Aktuell, 18.05.2016

April 19, 2016 by  
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  GIOVANNI PAISIELLO 1740 -1816
Ein Komponist im Schatten der Musikgeschichte

Schaut man heutzutage hoch zu dem Sternenhimmel, der sich über die Musiklandschaft wölbt, so leuchten dort Stardirigenten, Starinstrumentalisten, Starsänger und Starregisseure.  Lässt man das Auge schweifen, trifft es der Strahl der Starkomponisten Bach, Mozart, Beethoven, Schubert, Verdi, Wagner, Strauß und ihrer Kollegen.

Wien / Mozart Denkmal © IOCO

Wien / Mozart Denkmal © IOCO

In einer Zeit, in der die Sprache überemsig nach Attributen fahndet, damit mit ihnen, grell illuminiert, Personen und Ereignisse desto auffälliger vom grauen Hintergrund der Normalität abstechen, scheinen diejenigen Künstler, die derartiger Beleuchtung entbehren oder sie meiden, solche von minderen Fertigkeiten zu sein. Scheinen, wohlgemerkt!
Die Namen derer, die in unserem Musikkanon ganz oben stehen, funkeln selbst hell genug, sie benötigen keine Scheinwerfer von Journalisten und Werbetextern. Beim Blick nach jenen sollte freilich nicht vergessen werden, wieviele musikalische Genies im Laufe der Zeit zu schimmern aufhörten oder man schlichtweg nicht mehr wahrnehmen mag. Womit wir bei Giovanni Paisiello angelangt wären.

Bonn / Beethoven-Denkmal © IOCO

Bonn / Beethoven-Denkmal © IOCO

Die Welt der Musikfreunde würde sich wundern, trüge man ihr zu, welche Unzahl von Opernpartituren in den Archiven und Bibliotheken im wahrscheinlich ewigen Schlaf liegen, aus dem sie wohl kaum jemals die Posaune einer neuen Wertung wecken dürfte. Selbst die Namen der Komponisten, die bis in die Neuzeit hinein von den Spielplänen der Opernhäuser leuchteten, wie Meyerbeer, Flotow, Spohr, Marschner, Lortzing, sind entweder fast erloschen und flackern allenfalls gelegentlich. Dagegen bleibt der des Schöpfers des ersten Barbier von Sevilla, eben Giovanni Paisiello, nahezu glanzlos.
Aus Anlass seines zweihundertsten Todestags soll seiner kurz gedacht und zudem erinnert werden an zahlreiche Vorgänger, Zeitgenossen und Nachfolger, die einst als helle Himmelskörper über der europäischen Musikszene schwebten, und die mit ihm in die Dunkelheit der Musikhistorie eintauchten. Wer sie gleichwohl entdecken möchte, dem werden gut sortierte Musikgeschäfte oder entsprechende Onlinevertriebe helfen. Sie bieten Aufnahmen der genannten Deutschen wie auch der Italiener Cimarosa, Jomelli, Mercadante und der Franzosen Grétry, Boildieu und Adam. Sie alle stellen hier lediglich eine Auswahl und beileibe keine Rangordnung dar.

Unser hier ins Licht gerückte, 1740 in Tarent geborene Giovanni Paisiello widmete sich zunächst der Kirchenmusik, ehe er in Neapel, wo ab 1770 die Opera buffa (komische Oper) die Herrschaft der Opera seria (ernste Oper) ins Wanken brachte und schließlich beendete, jene frohsinnigere Gattung um diverse Schöpfungen bereicherte. 1776 berief ihn die Zarin Katharina II als Leiter der Italienischen Oper nach St. Petersburg. Acht Jahre später kehrte er zu dem Bourbonenkönig als Hofkapellmeister nach Neapel zurück, schrieb weiterhin Oper auf Oper, an die hundert (!) sagt man ihm nach, komponierte in Frankreich für Napoleon I auf dessen Wunsch hin Messe und Te Deum zu seiner Kaiserkrönung. Er war in Italien gemäß den Zeitläuften Republikaner oder Königstreuer, fiel bei den einen in Ungnade und gewann bei den anderen Reputation, bis sich das Spiel in geänderter Reihenfolge wiederholte. Die Zeiten verlangten Anpassung von einem Musikanten, sofern er nicht verkümmern wollte. Nein, das tat Paisiello gewiss nicht; neben den unzähligen Bühnenstücken sprudelten aus seiner Feder Sinfonien, Kammermusik und sogar zwei Oratorien. Er starb 1816 in Neapel.

Worin unterscheidet er sich denn von Kollegen wie u.a. Galuppi, Traetta und Cimarosa, die gleich ihm am russischen Hof wirkten, Opern zuhauf produzierten und sich irgendwann aus dem Gedächtnis der Theaterdirektoren, Sänger und Musikliebhaber zu verabschieden hatten? Nun, in Paisiellos Oeuvre gibt es zwei Werke, die aufhorchen lassen: nämlich eine  Die Magd als Herrin (Serva Padrona) und eben einen Barbier von Sevilla. Das Schicksal aber wollte es, dass seine Serva Padrona  von 1781 nicht gegen jene bis heute favorisierte des Giovanni Pergolesi von 1733 zu bestehen vermochte. Wie auch nach Paisiellos 1782 in Petersburg uraufgeführten Il Barbiere di Siviglia, der vierunddreißig Jahre hindurch auf italienischen, französischen und deutschen Spielstätten reüssieren sollte, kein Hahn bzw. kein Publikum mehr krähte, als ab 1816 Rosina und Almaviva von Gioacchino Rossinis Gnaden konkurrenzlos auf den Bühnen miteinander turtelten. Letzterer hatte entschuldigend dem älteren Kollegen die Aneignung des eigentlich dem Caron de Beaumarchais gehörenden Sujets – allerdings von einem anderen Librettisten verfasst – annonciert, doch der Komponist starb vier Monate nach dem ersten Auftritt des rossinischen Figaros und musste die Vertreibung des eigenen nicht mitansehen.

Paris, Grabstätte von Gioacchino Rossini © IOCO

Paris, Grabstätte von Gioacchino Rossini © IOCO

Das nicht so ganz gerechtfertigte Los des ersten Barbiers erklärt sich mit daraus, dass zwischen dessen Erscheinen 1782 und dem des Nachfolgers 1816 sich die Französische Revolution von 1789 sowie die napoleonische Ära schoben. Mithin kann der frühere Figaro noch nicht wie der spätere als ein schon aufmüpfiges Faktotum der ganzen Stadt, als beschwingter Selbstdarsteller fungieren, sondern eher als das ein bisschen durch die Lande gestromerte Schlauköpfchen, worin Subordination eingeschrieben ist. Zwar verhält sich das Orchester des Giovanni Paisiello nicht derart eigenwillig, um die Handlungsführung zu übernehmen, aber es versteht durchaus, den Hauptfiguren gemäße Akzente zu setzen. Sänger und Musik verbinden sich, ohne sich gegenseitig die Führung streitig zu machen. An die Partitur Rossinis mit ihrem Furioso, ihrer mitunter derben Komik, den vielstimmigen Finals und Chorszenen reicht die des Älteren indessen nicht heran. Gleichwohl ist Paisiellos Opera buffa ein feinsinniges, bisweilen witziges, ein die gloriose Operntradition Neapels einschließendes Werk, das von einem wesentlich genialischeren mit gleicher Vorlage aus dem Theater gedrängt wurde.

Die Zeit von Paisiellos Bühnenstücken ernster Natur (Opere serie) ist längst abgelaufen. Sie auf den Spielplan zu setzen, dürfte kein Intendant die Lust verspüren. Warum auch? Mit Glück lässt sich vielleicht im einschlägigen Handel die eine oder andere Aufnahme aufstöbern. Einige seiner heiteren  Opere buffe, darunter die beiden oben angeführten Titel, könnten womöglich von einem geistreichen Regisseur reanimiert werden. Haben sie es verdient?

In Italien immerhin kümmert man sich bisweilen um sie. Hierzulande bieten sie die Kataloge der Tonträgerfirmen ebenso an wie auch seine Messen und Klavierkonzerte. Anhand derer mögen Hörer dann selbst entscheiden, inwieweit die Musikgeschichte mit dem Komponisten Giovanni Paisiello gerecht verfahren ist. Von Albrecht Schneider 15.04.2016

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