Essen, Aalto Theater, Wiederaufnahme Der Rosenkavalier, 16.02.2020

Januar 29, 2020 by  
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Aalto Theater Essen

Aalto Theater Essen / Der Rosenkavalier ©   Hamza Saad

Aalto Theater Essen / Der Rosenkavalier © Hamza Saad

„Der Rosenkavalier“ kehrt ins Aalto-Theater zurück

Wiederaufnahme der Oper von Richard Strauss am Sonntag, 16. Februar 2020, um 16:30 Uhr

Richard Strauss? Oper „Der Rosenkavalier“ ist nach dreijähriger Pause wieder im Aalto-Musiktheater zu sehen: Am Sonntag, 16. Februar 2020, um 16:30 Uhr steht die Wiederaufnahme der meisterhaften Komödie in der Inszenierung von Anselm Weber auf dem Programm, zu der Hugo von Hofmannsthal das Libretto lieferte. Weitere Vorstellungen folgen am 22. März und 26. April. In Richard Strauss’ „Rosenkavalier“ findet die verheiratete Feldmarschallin in der Liebe zu dem jüngeren Octavian ihre Jugend wieder. Doch schmerzlich erkennt sie, dass der Lauf der Zeit nicht aufzuhalten ist. Als Octavian als Brautwerber für den Mitgiftjäger Baron Ochs auf Lerchenau die Silberne Rose überbringen soll, geschieht das Unaufhaltsame: Brautwerber und Braut verlieben sich. Mit einer komödiantischen Maskerade schaltet Octavian seinen Auftraggeber aus. Die Feldmarschallin erscheint, um den entstandenen Trubel aufzulösen – und sie gibt Octavian frei.

Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Tomáš Netopil ist Michaela Kaune als Marschallin zu erleben. In dieser Rolle war die Sopranistin bereits nicht nur am Aalto-Theater zu erleben, sondern ebenso beim renommierten Glyndebourne Festival, an der Opéra de Paris, der Bayerischen Staatsoper und der Deutschen Oper Berlin. Weitere wichtige Auftritte hatte sie unter anderem bei den Bayreuther Festspielen als Eva in Wagners „Meistersingern“ und als Ariadne in Strauss? „Ariadne auf Naxos“ an der Oper Zürich. Seinen Einstand als neues Ensemblemitglied des Aalto-Theaters gibt Karl-Heinz Lehner. Der Bass ist als Ochs zu erleben – eine Partie, die er bereits 2017 am Aalto-Theater verkörpert hat. Freuen darf man sich zudem auf Karin Strobos als Octavian: Die Mezzosopranistin war bis zur vergangenen Spielzeit viele Jahre Solistin am Aalto-Theater und feierte hier bereits vor drei Jahren ein glanzvolles Debüt in dieser Partie. Eine reizvolle Besetzung ist für die Rolle der Modistin vorgesehen: Die griechische Sopranistin Penny Sofroniadou ist seit Sommer Mitglied des neu gegründeten Opernstudios NRW und kann nun in einer großen Opernproduktion ihre besonderen Qualitäten unter Beweis stellen.

Karten (€ 11,00 – 49,00) unter T 02 01 81 22-200 oder www.theater-essen.de.

—| Pressemeldung Aalto Theater Essen |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Der Rosenkavalier – Richard Strauss, IOCO Kritik, 15.11.2019

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 Der Rosenkavalier – Richard Strauss

– Ein „Rosenkavalier-Sonderzug“ fuhr von Berlin nach Dresden –

von Ingrid Freiberg

Schon wenige Wochen nach der Uraufführung ihrer ersten gemeinsamen Oper Elektra  1909 in Dresden einigten sich das kongeniale Duo, der österreichische Schriftsteller Hugo von Hoffmannsthal und Richard Strauss, darauf, eine neue Spieloper, die in der Zeit der ersten Regierungsjahre Maria Theresias um 1740 spielen sollte, zu schaffen, eine Komödie für Musik, eine Musizieroper. Es ist eine besondere Mischung aus Wehmut und Schmerz, aus Trauer und Heiterkeit, die Hofmannsthal in seinem Libretto lieferte und die Strauss in berückend schöner Weise Musik werden ließ. Sie schufen ein künstliches Rokoko-Wien mit ebenso überzeugenden wie erfundenen Bräuchen und Dialekten, das Strauss auf musikalischer Seite noch mit anachronistischen Walzern veredelte. Der Titel war bis kurz vor Drucklegung umstritten. Verschiedene Namen wurden vorgeschlagen, so sollte die Oper Ochs auf Lerchenau bzw. Silberne Rose lauten. Hofmannsthal schlug Rosenkavalier vor, was Strauss und sein Freund Harry Graf Kessler aber ablehnten. Weibliche Bekannte rieten aber von Ochs auf Lerchenau im Titel ab und plädierten ebenfalls für Rosenkavalier.

The Making of Rosenkavalier – Hessisches Staatstheater Wiesbaden
youtube Trailer des Hessischen Staatstheaters
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Den letzten Ausschlag gab Richard Strauss’ Ehefrau. Strauss kommentierte schließlich: Also Rosenkavalier, der Teufel hol ihn. Das Stück spiegelt auf subtile Weise die Befindlichkeiten einer Gesellschaft am Rande großer sozialer Umwälzungen wider. Heutzutage, wo sich die Brüchigkeit der sicher geglaubten Werte zeigt, gewinnt die Oper wieder an Brisanz. Die Uraufführung, unter dem Dirigat von Ernst von Schuch, in der Inszenierung von Max Reinhardt, Bühnen- und Kostümbildner Alfred Roller, war am 26. Januar 1911 im Königlichen Opernhaus Dresden ein Riesenerfolg. Es fuhr ein Rosenkavalier-Sonderzug von Berlin nach Dresden. Selbst Zigaretten erhielten den Namen Rosenkavalier.

Nur der jugendliche Liebhaber hat unsere Sympathie, und den singt eine Frau…

„Einer braucht den andern, nicht nur auf dieser Welt, sondern sozusagen auch im metaphysischen Sinn. (…) Sie gehören alle zueinander, und was das Beste ist, liegt zwischen ihnen: Es ist augenblicklich und ewig, und hier ist Raum für Musik“, schreibt Hofmannsthal im Ungeschriebenen Nachwort zum Rosenkavalier (1911). Und Strauss: „Es ist schwer, Schlüsse zu schreiben. Beethoven und Wagner konnten es. Es können nur die Großen. Ich kann’s auch. Loriot bringt es sehr vereinfacht auf den Punkt: Dieses Werk hat ein ungewöhnliches Verdienst: Es zeigt Männer als solche von der dämlichsten Seite. Nur der jugendliche Liebhaber hat unsere Sympathie, und den singt eine Frau…“

Knisternde Erotik

In seiner der Ouvertüre hat Richard Strauss mit Hornstößen die Verführung eindeutig beschrieben. Da ist es nur folgerichtig, dass Regisseur Nicolaus Brieger der Partitur folgend bereits zu Anfang eine offene Bühne nutzt und damit einen ersten Höhepunkt setzt: Das leidenschaftliche Liebesspiel der Feldmarschallin mit ihrem jungen Liebhaber Octavian erfüllt das Theater mit knisternder Erotik… Alle tauchen fühlbar in die Musik ein. Nicola Beller-Carbone und Silvia Hauer sind auffallend spielfreudige Sängerinnen, die die hohen schauspielerischen Anforderungen, die Der Rosenkavalier erfordert, hinreißend  erfüllen. Wie überhaupt die Personenregie von Nicolaus Brieger voll überzeugen kann. Dazu gehört auch die verräterische Körpersprache von Octavian/Mariandl. Vortrefflich seine Deutung: Die Zeit… In den Gesichtern rieselt sie, im Spiegel da rieselt sie, in meinen Schläfen fließt sie…: Die Feldmarschallin schaut dabei wehmütig in einen Standspiegel, um sich schonungslos betrachten zu können. Zum Vergleich: Octavian, der stürmisch das Boudoir betritt, sich im Spiegel betrachtet und jugendlich unbeschwert um ihn herumtanzt. Entgegen des von Strauss vorgesehenen Auftritts des Sängers bei der morgendlichen Toilette der Marschallin tritt dieser schwerverletzt im Vorspiel zum 2. Akt auf. Videoprojektionen von Gérard Naziri zeigen im Hintergrund Kriegsszenen, schreckliche Kämpfe in Schützengräben, Detonationen, aber auch tanzende Paare zu hohl klingenden Walzern – eine Vorahnung auf den ersten Weltkrieg. Das gibt der Rolle des Sängers mehr Gewicht. Den von Hoffmannsthal vorgesehenen Mohr – hier nur als orientalischer Mohr mit Tablett in der Szene zu finden – wird durch den kleinwüchsigen Diener Mohammed Mick Morris Mehnert ausgetauscht. Faninal als neureichen nach Titeln strebenden Waffenhändler zu zeigen, der in einer hohen Halle seine Errungenschaften ungeniert mit einem sich drehenden goldenen Panzer demonstriert, der eine Bar in Form einer Weltkugel besitzt, die (wein)geistig seine Allmachtsfantasien anregt, ist durchaus schlüssig. Ein Kabinettstückchen, das Gezeter von Baron von Ochs, als ihn Octavian mit seinem Degen leicht an der Schulter verletzt. Mit Wiener Schmäh brilliert der lüsterne Baron, der in einer anrüchigen Spelunke im Rotlichtmilieu das reizende Mariandl alias Octavian verführen will. Ein Intrigantenpaar, sie Mutter von vier Knaben, angeblich ist Ochs der Vater – ein weiteres deutet sie mit Hilfe eines Kissens an, entlarvt, dass alles nur eine trügerische Farce ist, eine Wienerische Maskerad.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der Rosenkavalier - hier : Nicola Beller Carbone als Feldmarschallin © Karl  Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der Rosenkavalier – hier : Nicola Beller Carbone als Feldmarschallin © Karl Monika Forster

Bühnenraum und Kostüme lassen dem Verwirrspiel freien Lauf

Briegers Feinfühligkeit für die Charaktere der Figuren zieht sich durch das ganze Stück. Zu dieser wunderbar stimmigen Lesart passt auch die schnörkellose Einheitsbühne von Raimund Bauer, ein klassizistisch gestalteter Raum mit unterschiedlich hohen runden Plafonds. Das Boudoir ist bei niedriger Decke mit zarten weißen Vorhängen abgegrenzt, die das Geschehen dahinter erahnen lassen. Faninal residiert in einem hohen protzigen Industriellen-Palais, das seinen Reichtum repräsentiert. Das zwielichtige Etablissement im 3. Akt – mit Discokugel, Amüsierdamen, Séparées, kleinen Tischen mit Telefon, einer Damenkapelle und einem großen Bett, lassen dem Verwirrspiel freien Lauf. Es ist auch das Verdienst von Raimund Bauer, dass sich die Spielfreude des Ensembles voll entwickeln kann… Die Kostüme von Andrea Schmidt-Futterer sind zeitloser dernier cri. Es ist eine Freude, die Ensemblemitglieder in den hervorragend geschnittenen Kostümen zu sehen, die die jeweilige Rolle prägnant hervorheben.

Turbulentes Ergebnis: Liebe, Triebe und Intrige!

Die Gesangspartien im Rosenkavalier zählen zu den lyrischsten und opulentesten aus der Feder von Richard Strauss. Nicola Beller Carbone als Feldmarschallin ist darstellerisch überzeugend und selbstbewusst, mit einem Hauch von Witz und Raffinesse. Ihr Sopran, schlank, fast jugendlich, mündet in einen schmerzlich errungenen, letztlich aber souverän abgeklärten Verzicht, in ein Loslassen einer zu Ende gehenden Liebe: Die Demut in mir zu erwecken, muss ich mich demütigen…

Eine kluge Frau, ein junger Mann, ein noch jüngeres Mädchen und ein libidinöser Baron: Vier Menschen versuchen, sich bei schönster Musik und mit klügstem Text nahe zu kommen. Turbulentes Ergebnis: Liebe, Triebe und Intrige! Eine Idealbesetzung des Macho-Tölpel Ochs auf Lerchenau ist Karl-Heinz Lehner: ...innerlich ein Schmutzian, aber äußerlich präsentabel! Der waschechte Österreicher bringt nicht nur das unverwechselbare wienerische Idiom von Natur aus mit, sein voluminöser makelloser Bassbariton spricht auch in jeder Lage mühelos an. Darstellung und Phrasierung sind Schmankerl. Sein Walzerlied ist das lebendigste Stück in dieser Oper, ein ungezähmter Ausdruck barocker Lebenslust. Mit Karl-Heinz Lehner wäre der Operntitel Ochs auf Lerchenau gerechtfertigt…

Silvia Hauer begeistert als liebreizender Octavian, als perfekter Quin-Quin mit jugendlichem Übermut, vollmundig, sinnlich, auftrumpfend und gleichzeitig verletzlich, wo nötig auch deftig. Ihre Stimme blüht in der Höhe auf und hat dennoch das wunderbare Mezzo-Timbre, das für diese Rolle gefordert ist. Und die Verbindung mit Aleksandra Olczyk als Sophie bedeutet Glückseligkeit pur. Zunächst naiv, erwartungsvoll und von entzückender Erscheinung entwickelt sich Sophie zu einer heranwachsenden, selbstbewussten Frau, im Kampf gegen die eigene Ohnmacht in einer männerdominierten Welt und gegen ihren strengen, bevormundenden Vater. Sie berührt mit zarter Sopran-Leuchtkraft. Von bezaubernder Schönheit ist das Terzett Hab mir’s gelobt am Ende des 3. Aktes mit Nicola Beller-Carbone, Silvia Hauer und Aleksandra Olczyk. Das ist Musik zum Wegträumen. Hier bietet die Partitur noch einmal den ganzen orchestralen Klangfarbenreichtum auf, schier hemmungsloses Schwelgen, zeigt aber auch tiefe Brüche.

 Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der Rosenkavalier - hier :   Aleksandra Olczyk als Sophie, Silvia Hauer als Octavian © Karl - Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der Rosenkavalier – hier :   Aleksandra Olczyk als Sophie, Silvia Hauer als Octavian © Karl – Monika Forster

Wenn der Aufsteiger Faninal dem ungehobelten Baron unterwürfig entgegentritt, sagt das einiges über seinen Charakter aus: Schmeichelei und klare ökonomische Berechnung. Thomas de Vries setzt mit eloquenter Deklamation, differenziert, ausgereift, mit den beredten Schattierungen seines Baritons den neureichen Schnösel perfekt um; imponierend, seine reichen stimmlichen Mittel in umgekehrtem Verhältnis zur Erfüllung seiner väterlichen Fürsorgepflicht… eine Idealbesetzung.

Sharon Kempton beweist als Jungfer Marianne Leitmetzerin, dass sie alles in der Welt ist, nur keine Jungfer. Schrill und witzig, manchmal auch nachdenklich, macht sie aus dieser Rolle mit frischem, brillierendem Sopran und lustvollem Spiel eine feine Charakterstudie. Herauszuheben aus dem durchweg ausgezeichneten Ensemble sind die köstlich kokettierende Fleuranne Brockway (Annina) und der groteske Rouwen Huther (Valzacchi) als virtuoses italienisches Intrigantenpaar. Benjamin Russell (Ein Polizeikommissar / Ein Notar) hat nicht nur einen wohlklingenden Bariton mit kompromissloser Diktion, seine Stimme agiert auch mit beredten Schattierungen. Ralf Rachbauer ist mit eleganter Haltung und herrlich tenoreskem Schmelz sowohl Haushofmeister der Feldmarschallin als auch Haushofmeister bei Faninal. Wieder einmal gewinnt Erik Briegel durch Überzeichnung einer Figur. Als umtriebiger transsexueller Wirt in einem Paillettenkleid und High Heels muss er aber letztendlich erkennen, dass die Gesellschaft den Boden unter den Füßen verloren hat. Ioan Hotea (Ein Sänger) bringt die italienisierende Tenorarie Di rigori armato il seno  – kriegsversehrt und aus der Zeit geworfen – mit Schmelz und strahlender Höhe. Sonderlob gebührt dem Chor und den Chorsolisten des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden unter der Leitung von Albert Horne, von denen jede Sängerin und jeder Sänger eine eigene Persönlichkeit zu sein scheint. Mit frecher Spiellaune agieren die Sänger des Wiesbadener Knabenchors unter Leitung von Roman B. Twardy. Die Statisterie des Hessischen Staatstheaters spielt an diesem Abend nicht nur die sprichwörtliche Nebenrolle. Ohne ihr buntes Treiben würde der Oper Wichtiges fehlen. Eine gute Wahl ist die Besetzung der Rolle des Leopold mit dem Schauspieler Lukas Schrenk – mit kleinen Gesten erzielt er maximale Wirkung.

 Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der Rosenkavalier - hier : vl  Lukas Schrenk, Karl-Heinz Lehner als Ochs auf Lerchenau, Ralf Rachbauer © Karl - Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Der Rosenkavalier – hier : vl  Lukas Schrenk, Karl-Heinz Lehner als Ochs auf Lerchenau, Ralf Rachbauer © Karl – Monika Forster

Generalmusikdirektor Patrick Lange, der seinen Vertrag bis zum Ende der Saison 2022/23 verlängert hat, verwendet das Notenmaterial von 1911. An „seinem“ Pult stand 1926 Richard Strauss und leitete ebenfalls den Rosenkavalier. Sicherlich eine große Inspiration für Lange: Selten klang das Hessische Staatsorchester Wiesbaden so wohldosiert in blindem Einverständnis mit den SängerInnen. Da blüht die herrliche Musik richtig auf. Der Frühling ist da – im Aufbrausen der sich anbahnenden Liebesbeziehung zwischen Sophie und Octavian, auch der Spätsommer und Herbst in den melancholischen Reflexionen der Feldmarschallin. Langes Stärke liegt in den präzisen Einsätzen der Solisten – hervorzuheben sind die Holzbläser!  Er hält das Orchester mühelos zusammen und erzeugt gerade in den symphonischen Segmenten den charakteristischen Strauss-Klang volltönend, alles Lyrische und Dramatische wird herausgeholt.

Alle Beteiligten werden bejubelt! Es gibt Standing Ovations!

—| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

Kassel, Staatstheater Kassel, Idomeneo, Re di Creta – Wolfgang A Mozart , 07.12.2019

Oktober 24, 2019 by  
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Staatstheater Kassel

Staatstheater Kassel © N. Klinger

Staatstheater Kassel © N. Klinger

Idomeneo, Re di Creta – Wolfgang Amadeus Mozart

Premiere: Samstag, 7. Dezember, 19 Uhr, weitere Vorstellungen: 11.12. (19 Uhr), 14.12. (19 Uhr), 20.12. (19 Uhr), 29.12. (18 Uhr)

Der kretische König Idomeneo kehrt nach jahrelangem Krieg in Troja siegreich in die Heimat zurück. Als er kurz vor Kreta in Seenot gerät, schwört er dem Meeresgott Neptun, ihm für seine Rettung den ersten Menschen zu opfern, den er nach seiner Rettung an Land sieht. Es ist sein eigener Sohn Idamante. Der ist zutiefst verstört, als er vom eigenen Vater zurückgestoßen wird. Dazu hat Idamante noch ganz andere Probleme, steht er doch zwischen zwei Frauen: Elektra, der Tochter Agamemnons, und der als Kriegsgefangene nach Kreta verschleppten trojanischen Prinzessin Ilia.

Idomeneo versucht alles, um seinen Sohn zu schützen – bis Kreta derart von Katastrophen heimgesucht wird, dass das verängstigte Volk ihn beschwört, endlich zu handeln und das versprochene Opfer zu bringen. Doch Ilia ist bereit, ihr Leben für den geliebten Idamante zu geben …

Wolfgang Amadeus Mozart, Wien © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart, Wien © IOCO

Mozart selbst hegte eine besondere Vorliebe für „Idomeneo“. Und zweifellos ist die 1781 uraufgeführte große Choroper eines seiner ersten dramatischen Meisterwerke, trotz oder wegen der unterschiedlichen Theaterformen, aus denen Mozart hier etwas Neues kreiert hat. Einerseits in der Tradition der italienischen Opera seria stehend, enthält „Idomeneo“ zugleich zahlreiche Elemente der Tragèdie lyrique, die Mozart hier meisterlich mit seinem Personalstil und einem dichten, farbenprächtigen Orchestersatz vereint.

Regisseur Lorenzo Fioroni sieht in „Idomeneo“ den „vulkanischen Ausdruck eines Genies“ und ein im besten Sinn experimentelles Werk. Fioroni, der 2005 mit dem Götz-Friedrich-Preis für Regie und 2017 mit dem Österreichischen Musiktheaterpreis ausgezeichnet wurde, hat am Staatstheater Kassel bereits mehrfach inszeniert: So führte er u.a. Regie bei einem vielbeachteten Wagner-Zyklus mit „Der fliegende Holländer“, „Die Meistersinger von Nürnberg“, „Lohengrin“ und „Tannhäuser“ und zuletzt 2014 bei Strauss‘ „Rosenkavalier“.

Jörg Halubek (Musikalische Leitung) ist ein gefragter Spezialist für historische Aufführungspraxis und Alte Musik und Gründer des Barockensembles „il Gusto Barocco“. Am Staatstheater Kassel ist er als Gastdirigent seit 2012 regelmäßig für Opernproduktionen verantwortlich, darunter Mozarts „Lucio Silla“, „Iphigenie“ von Gluck und „Saul“ von Händel. „Idomeneo“ ist nach „Krönung der Poppea“ 2018 am Nationaltheater Mannheim seine zweite Zusammenarbeit mit Lorenzo Fioroni.

Lothar Odinius (Idomeneo) gastiert regelmäßig bei internationalen Festivals und in den wichtigen Konzertsälen von Berlin über Wien und London bis New York sowie an renommierten Opernhäusern wie dem Opernhaus Zürich, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris, in Glyndebourne und bei den Bayreuther Festspielen. Den Schwerpunkt seines breit gefächerten Opernrepertoires bilden die großen Tenorpartien der Mozartopern. Am Staatstheater Kassel war Odinius bereits in der Saison 2018-19 mit seinem gefeierten Debüt als Loge im Rheingold zu erleben.

Maren Engelhardt studierte am Mozarteum ihrer Heimatstadt Salzburg und später an der Wiener Musikuniversität. Seit 2009-10 gehört sie dem Ensemble des Staatstheaters Kassel an und war hier bereits in zahlreichen großen Partien zu erleben, darunter Annio („La clemenza di Tito“), Dorabella („Così fan tutte“), Femme („La Voix Humaine“), Octavian („Der Rosenkavalier), Cecilio („Lucio Silla“) und Romeo („I Capuleti e i Montecchi“). Für ihre herausragenden Leistungen erhielt sie 2013 den VolksBühne-Preis und 2019 den Irma-Jansa-Gesangspreis.

Musikalische Leitung: Jörg Halubek, Inszenierung: Lorenzo Fioroni, Bühne: Ralf Käselau, Kostüme: Annette Braun, Dramaturgie: Ursula Benzing, Chor-Einstudierung Marco Zeiser Celesti

Mit Lothar Odinius (Idomeneo, König von Kreta), Maren Engelhardt (Idamante, sein Sohn), Vida Mikneviciute / Nicole Chevalier (Elektra, Tochter des Agamemnon), Elizabeth Bailey (Ilia, Tochter des Priamos), Younggi Moses Do (Arbaces, Vertrauter des Königs), Bassem Alkhouri (Der Oberpriester des Neptun), Marc-Olivier Oetterli (Stimme des Orakels), Staatsorchester Kassel, Opernchor und Statisterie des Staatstheaters Kassel

—| Pressemeldung Staatstheater Kassel |—

Lüneburg, Theater Lüneburg, Der Rosenkavalier – Richard Strauss, IOCO Kritik, 22.05.2019

Theater Lüneburg am Abend © C. Kozycki / Theater Lüneburg

Theater Lüneburg am Abend © C. Kozycki / Theater Lüneburg

Theater Lüneburg

Der Rosenkavalier – Richard Strauss

– Kleines Haus mit großer Produktion –

von Hartmut Kühnel

„Rote Rosen“ ist eine Telenovela der ARD, die in Lüneburg spielt und der Stadt inzwischen einen regen Bustourismus mit Leuten eingebracht hat, die auf den Spuren der Serie wandeln wollen wie einstmals die Besucher der „Schwarzwaldklinik“, inklusive „Erlebnisführung Rote Rosen“. Das entbehrt nicht der Komik, ist aber inzwischen durchaus auch ein Wirtschaftsfaktor für die Stadt. Insofern war die Idee (von wem auch immer sie stammte), die Lüneburger Erstaufführung des ROSENKAVALIERs kurzerhand während der Probenzeit mit in die Serie einzubetten (zuzüglich einiger Serien-typischer Verwicklungen) durchaus sinnvoll. Signe HEIBERG, die Sängerin der Marschallin, hatte dazu auch eine Gastrolle übernommen.


Der Rosenkavalier – Richard Strauss
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Gespielt wird seit 1961 im ehemaligen Globe-Kino der britischen Besatzungstruppen, 542 Plätze in 21 kontinuierlich ansteigenden Reihen mit durchweg guter Sicht und erfreulich viel Beinfreiheit. Das hat nicht nur optischen Charme (wenn man es ein bisschen altmodisch liebt) sondern ist auch akustisch erstaunlich gut. Nur geben natürlich weder der Orchestergraben noch die Größe des Hauses als solche den Platz für ein originales Rosenkavalier-Orchester her. Also erarbeitete Musikdirektor Thomas DORSCH – ab 2019 frei von eventuellen Genehmigungs- und Tantiemenquerelen – die „Lüneburger Fassung“ für ca. 55 Musiker und fügte obendrein etliche kleinere Striche oder auch schlicht der vorhandenen Gegebenheit geschuldete Vereinfachungen hinzu.

So ist der Tierhändler im 1. Akt weggefallen, anstelle der 4 Lakaien laufen nur noch 2 dem „Herrn Grafen“ nach etc. Aber was tut’s, das Lüneburger Ensemble, das bei der nicht eben geringen Anzahl von Rollen trotzdem mit nur 3 Gästen auskommt (Octavian, Ochs und erstaunlicherweise die Jungfer Leitmetzerin) ist ohnehin genug gefordert. So muss der Haushofmeister der Marschallin nach getaner Frühschicht mittags im gleichen Job bei Faninal antreten und – im Niedriglohnsektor ja heutzutage leider nicht unüblich – abends auch noch den Wirt machen, bei dem sich der indisponiert gemeldete Alexander TREMMEL klugerweise das hohe B bei der „Frau Fürstin FEEELDmarschall“ schenkte. Und selbst der Notar der Marschallin kellnert abends, die Dame zahlt offenbar miserabel, was allerdings nur an der ebenso miserablen finanziellen Lage der kommunalen Theater in Niedersachsen liegen kann, das Lüneburger Haus war im letzten Herbst angeblich sogar Insolvenz-gefährdet, es wäre ein Jammer!

Theater Lüneburg / Der Rosenkavalier - hier : Ensemble  ©  Andreas Tamme

Theater Lüneburg / Der Rosenkavalier – hier : Ensemble  ©  Andreas Tamme

Kein Wunder also, dass auch die – wenn man richtig gezählt hat – 28 Mitglieder der Lüneburger Symphoniker nur 80% des gültigen Flächentarifvertrages bekommen. Sie legen sich – aufgestockt durch etwa die gleiche Anzahl Gäste – trotzdem mächtig ins Zeug und liefern unter der schwungvollen Leitung von Thomas DORSCH einen ebensolchen, obendrein sehr sauber und differenziert gespielten Strauss ab, bei dem so manches Detail in den Bläsern einmal nicht im süffigen Streicherklang von 32 Violinen untergeht.

Für die Inszenierung zeichnet Hajo FOUQUET, seit 2010 Intendant des Theaters, verantwortlich. Er lässt die Handlung in etwa in der Entstehungszeit des Werkes spielen und liefert in einem einfachen, aber funktionalen und durchaus atmosphärischen Bühnenbild, bei dem die Rückwände die Decke des jeweiligen Raumes abbilden, vor allem eine solide Personenführung mit lauter lebendigen Figuren ab (Handwerk scheint an den kleinen Häusern noch ein Wert an sich zu sein); niemand rutscht in die Karikatur ab, auch der Ochs ist – bei aller Busengrapscherei – einer, der sich im Prinzip benehmen kann, so es denn seinen Zwecken dient. Martin BLASIUS (neben der Sängerin des Octavian der Einzige, von dem ich sicher weiß, dass er seine Rolle schon vor Lüneburg gesungen hat) verleiht ihm pralle Züge und einen immer noch veritablen Bass, bei dem zwar die Intonation nicht mehr immer so ganz genau stimmt und der ein oder andere Ton auch mal leicht verrutscht; aber er mogelt sich nicht durch, sondern singt auch in den extremen Lagen ausgesprochen ehrlich. Und die Parlando-Fähigkeit, ohne die der Ochs nicht zu machen ist, lässt nichts zu wünschen übrig.

Die beste Leistung des Abends kam allerdings von Signe HEIBERG. Die ist seit der Saison 2016/17 festes Ensemblemitglied und hat seitdem neben Operette und moderner Musik Desdemona, Micaela, Mimi und Figaro-Gräfin gesungen. Jetzt also die Marschallin, mit gerade einmal 31 Jahren. Das ist früh, aber damit steht hier endlich einmal die von Strauss gewünschte junge Frau auf der Bühne, die bei allen melancholischen Anwandlungen eben doch lebenslustig ist und sich irgendwann nach dem dritten Akt (für den sie auch die Autorität der gelernten Fürstin mitbringt) sicher einen neuen Liebhaber suchen wird.

Und stimmlich kommt die Partie nicht zu früh, denn neben aller Jugendlichkeit der Stimme und einer souveränen, dynamisch differenzierten Stimmführung steht eine erstaunlich reife Textbehandlung – und die „silberne Rose“ am Ende des ersten Aktes habe ich noch selten so tonschön gehört. Das einzige Problem ist mitunter die Balance zu den Partnern, das Organ ist in diesem Haus im Forte schlicht zu groß, im Schlussterzett dominiert sie eindeutig, obwohl sie deutlich weiter hinten positioniert ist als ihre Partnerinnen. In der nächsten Spielzeit wird sie in Lüneburg noch die Senta singen, danach wäre ihr ein größeres Haus zu wünschen.

Theater Lüneburg / Der Rosenkavalier - hier : vl.  Regina Pätzer als Octavian, Signe Heiberg als Marschallin © Andreas Tamme

Theater Lüneburg / Der Rosenkavalier – hier : vl.  Regina Pätzer als Octavian, Signe Heiberg als Marschallin © Andreas Tamme

Weder Regina PÄTZER (Octavian) noch Franka KRANEIS (Sophie) können mit vergleichbarem Material aufwarten, aber Beide machen ihre Sache gut, singen sauber, ausgesprochen musikalisch und absolut höhensicher und sind auch optisch wunderbar rollendeckend.
Ulrich KRATZ ist der geboten cholerisch-devote Faninal während Karl SCHNEIDER doch ein paar Probleme mit der vertrackten Arie des Sängers hat – aber da habe ich schon ziemlich berühmte Kollegen regelrecht „sterben“ gehört, die allein für die fünf Minuten sicherlich mehr Geld bekommen haben, als eine Lüneburger Monatsgage.

Diverse kleinere Partien (Annina & Valzacchi – Kirsten PATT & Marcus BILLEN, Notar & Polizeikommissar – Wlodzimierz WROBEL & Steffen NEUTZE) sind aus dem Chor heraus besetzt, alle schlagen sich wacker, wie überhaupt die ganze Aufführung eine in sich geschlossene Einheit ist.

Und auch wenn man sich vielleicht im Einzelfall etwas mehr Volumen oder ein persönlicheres Timbre gewünscht hätte, man ist hier nicht an der Met und man bekommt selbst auf dem teuersten Platz eine komplette Oper samt Inszenierung für einen Preis zu sehen, für den man sich für den Arienabend eines einzelnen Stars in der Hamburger Elbphilharmonie allenfalls die billigste Kategorie leisten könnte.

Der Rosenkavalier am Theater Lüneburg;  leider weiteren Vorstellungen in dieser Spielzeit 2018/19

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