Nationaltheater-Orchester Mannheim, NTO goes digital – 8.2.2021 – Bach, Britten …, IOCO Aktuell, 06.02.2021

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

MUSIKALISCHE AKADEMIE

Nationaltheater-Orchester Mannheim – goes digital – EINSAM

Musikalische Facetten zum Gefühl der Einsamkeit

Das 4. Akademiekonzert 2020/21 der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchester Mannheim e. V. im Februar 2021 kann nicht regulär stattfinden. Dafür erweitert die Musikalische Akademie ihr digitales Angebot und präsentiert ein neues Online-Format, das – eigens von Orchestermitgliedern kuratiert -Themen, Inhalte und Sujets in den Blick rückt, die den Musizierenden in dieser schweren Zeit »unter den Nägeln brennen«.

8.2.2021 – Bach, Britten, Hindemith, Messiaens

 Solisten des Nationaltheater Orchester Mannheim – online erlebbar – Klicke HIER!

Den Startschuss geben fünf Solistinnen und Solisten am 08. Februar 2021, 20 Uhr. Unter dem Motto Einsam spüren sie Facetten des titelgebenden Gefühls der Einsamkeit nach, welches in der Krise nicht nur die Musizierenden, sondern alle Menschen gleichermaßen begleitet. Handverlesene Solowerke aus den Federn von Johann Sebastian Bach, Benjamin Britten, Paul Hindemith und Olivier Messiaen bereiten ein abendfüllendes musikalisches Erlebnis. Ergänzt wird das Online-Recital von Impulsen aus Lyrik und Literatur, gesprochen von Albrecht Puhlmann, Opernintendant des Nationaltheaters Mannheim. Die erste Folge der mehrteiligen digitalen Reihe wird auf der Webseite der Musikalischen Akademie ausgestrahlt.

Musikalische Akademie Mannheim
youtube Trailer Musikalische Akademie
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»Natürlich fehlt uns als Orchester die Präsenzerfahrung«, äußerte sich Fritjof von Gagern, Vorsitzender der Musikalischen Akademie und Solocellist, zu dem neuen Streaming-Format des Vereins. »Doch nicht alles an dieser Krise ist schlecht: Es entsteht Neues. In diesem Sinne freue ich mich, unsere Musik zu den Menschen zu bringen, wenn sie denn nicht zu uns kommen können. Ich glaube, es war Bertolt Brecht, der gesagt hat: „In den finsteren Zeiten, wird da auch gesungen werden? Da wird auch gesungen werden -von den finsteren Zeiten.“ Musik gibt uns Hoffnung und kann da wirken, wo sie am meisten gebraucht wird. Genau an dieser Stelle setzen wir mit unserem Online-Format an.«

Einzeltickets für den Stream können über die Musikalische Akademie für 10 € erworben werden. Abonnentinnen und Abonnenten der Akademiekonzerte erhalten kostenfrei Zugang sowie eine DVD der Produktion. Die Aufnahme ist bis zum 10. Februar 2021 online verfügbar. Nach erfolgter Anmeldung über das Kulturparkett Rhein-Neckar e. V. können Menschen mit geringem Einkommen kostenlos Zugang zu dem Angebot erhalten. 0 C zahlen Schüler*innen und Student*innen. Über die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e. V. Die in der Musikalischen Akademie organisierten Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters Mannheim sind seit über 240 Jahren Veranstalter der Konzertreihe „Akademiekonzerte“. Unter den Theater-und Symphonieorchestern sind die demokratische Struktur der Akademie und ihre damit verbundene programmatische sowie finanzielle Eigenständigkeit einzigartig. Sie sind entscheidend für die künstlerische Identität und das Selbstbewusstsein der Musikerinnen und Musiker. In üblicherweise acht Doppelkonzerten pro Jahr präsentiert sich heute das Orchester, das sonst im Operngraben erklingt, im Mozartsaal des Rosengartens, siehe hierzu auch den folgenden Trailer.

Musikalische Akademie – und ihre Geschichte
youtube Trailer M:CON Mannheim
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Musikalische Akademie  –  digital

Folge 1:    »Einsam« Montag, 08.02.21, 20 Uhr – Verfügbar bis Mittwoch – 10.02.21 www.musikalische-akademie.de/digital

Johann Sebastian Bach – Suite Nr. 6 arr. für Viola solo G-Dur
Benjamin Britten – Sechs Metamorphosen nach Ovid op. 49
Paul Hindemith – Sonate für Harfe solo C-Dur
Olivier Messiaen – Quatuor pour la fin du temps -3. Abime des oiseaux
Johann Sebastian Bach – Suite Nr. 4 für Violoncello solo Es-Dur

Mitwirkende

Nationaltheater-Orchester Mannheim

Julien Heichelbech (Viola) Fritjof von Gagern (Violoncello) Patrick Koch (Klarinette) Daniela Tessmann (Oboe) Eva Wombacher (Harfe) Sprecher Albrecht Puhlmann

Bereits erworbene Tickets und Abonnementskarten behalten ihre Gültigkeit

—| IOCO Aktuell Nationaltheater Mannheim |—

Dresden, Sächsische Staatskapelle, Beethoven – 6. / 7. Symphonie – Chr. Thielemann, IOCO Kritik, 21.10.2020

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Sächsische Staatskapelle Dresden

Semperoper

Semperoper © Matthias Creutziger

Semperoper © Matthias Creutziger

Ludwig van Beethoven – 6. / 7. Symphonie – Christian Thielemann

Beethoven-Zyklus  –  Sächsische Staatskapelle mit außergewöhnlichen Interpretationen

von Thomas Thielemann

Ludwig van Beethoven © IOCO

Ludwig van Beethoven © IOCO

Mit dem 3. Symphoniekonzert setzte die Staatskapelle den Beethoven-Symphoniezyklus mit ihrem Chefdirigenten Christian Thielemann planmäßig fort. Der Unterschied zum ursprünglich im Saison-Heft ausgedruckten Programm war, dass vor aufgelockertem Publikum die 6. und die 7. Symphonie ohne Pause gespielt wurden. Die Streicher saßen wieder paarweise vor gemeinsamen Pulten, wenn auch etwas auf Abstand. Dass die Bläser mit größerer Distanz angeordnet und mit Glastrennwänden abgeteilt waren, hatte kaum Einfluss auf das wieder kompakte Klangbild.

Ludwig van Beethoven gesellte die idyllische F-Dur-Symphonie im Juni des gleichen Jahres 1808 zur dramatischen Kampfsymphonie c-Moll, der Fünften. Während er an dieser Schicksals-Komposition seit 1804, offenbar mehrfach unterbrochen und ständig nach Neuem suchend, gearbeitet hatte, gilt die innerhalb eines reichlichen Jahres entstandene „Sechste“ als zügig entstandene Arbeit.

Sächsische Staatskapelle Dresden © Matthias Creutziger

Sächsische Staatskapelle Dresden © Matthias Creutziger

Es wird vermutet, dass sich Beethoven bereits 1803 von einem „Tongemälde der Natur“ des Biberacher Organisten Justin Heinrich Knecht (1752-1817) hat anregen lassen, eine „Sinfonia pastorella“ zu schreiben. Das Projekt aber erst 1807 in Angriff nahm.
Beethoven hat den fünf Sätzen, den Inhalt kennzeichnende Satzüberschriften in deutscher Sprache zugeordnet und mit dem Titel Sinfonia pastorale, Hirtensinfonie, versehen. Zugleich warnte er vor pedantischer Ausdeutung: „Man überlasse dem Zuhörer, die Situationen auszufinden. Sinfonia caracteristica oder eine Erinnerung an das Landleben.“ Und weiter:“ Auch ohne Beschreibung wird man das Ganze, eher als Empfindung und weniger als Tongemälde, erkennen“.

Beethovens F-Dur-Symphonie op. 68 gehört zu den Kompositionen, bei deren Aufführung zur Deutung der Interpretation eigentlich eine Stopp-Uhr gehört. Liegen doch die Längen der bekannten Aufzeichnungen nach meinem Überblick zwischen Karajans 37 Minuten und Christian Thielemanns 50 Minuten. Herbert von Karajan interpretierte die Beethoven-Komposition als eine vom Anfang bis zum Ende recht forsche Wanderung in einer grandiosen Landschaft. Die Aufführungen der Staatskapelle Dresden erinnerten mich eher an den genussvollen Besuch einer Galerie mit prachtvollen großflächigen Landschaftsgemälden. Da sind keine naturalistischen oder folkloristischen Abbildungen der freien Natur auszumachen. Der Dirigent nutzte das Orchester, um über die Tonmalerei zum Ausdruck der Empfindungen zu kommen. Da war im zweiten Satz kein Murmeln oder Rauschen eines Baches zu hören. Selbst „Gewitter und Sturm“ des vierten Satzes finden außerhalb statt und man vermutet, dass man lediglich vergessen hat, vor dem Unwetter die Fenster zu schließen. Christian Thielemann bot das im Laufe der Jahrzehnte oft gehörte Werk völlig unangestrengt als eine filigrane Palette tiefster Musikalität. Präzise, in freier Einfachheit schwebten die Töne mit selten gehörter Intensität. Fast melancholisch erzählen die Soloklarinette von Wolfram Große, die Solo-Oboe von Céline Moinet, des Fagotts von Thomas Eberhardt und vor allem Sabine Kittels Flöte von der Schönheit der Landschaftsbilder.

Chefdirigent Christina Thielemann und die Sächsische Staatskapelle Dresden © Matthias Creutziger

Chefdirigent Christina Thielemann und die Sächsische Staatskapelle Dresden © Matthias Creutziger

Dazu die wunderbaren Hörner der Staatskapelle, deren Wirkung die Hörer angriffen. Sehr emotional, bemüht Christian Thielemann kaum den strukturell denkenden Analytiker, sondern erweist sich als Meister raffiniert angelegter Steigerungen. Mit besonders breit ausgespielten Passagen und theatralisch gesetzten Pausen wich er vom Gewohnten ab. Da roch nichts nach freier Natur, sondern eher nach dem Bericht eines Wanderers in froher Runde beim Wein über das Erlebte.

Auf das Titelblatt des Autographs der siebten Symphonie hatte BeethovenSinfonia 1812, 13ten May“ geschrieben. Das vermerkte zwar das Datum der Partiturniederschrift, war aber im tieferen Sinne mehr. Ist doch die Symphonie der künstlerische Beitrag des Patrioten Beethoven zur nationalen Volkserhebung der Befreiungskriege sowie der Niederlagen Napoleons, die 1812 mit dem Brand von Moskau ihren Anfang nahmen. Mit seiner Siebten hat Beethoven den Sieg der unterdrückten Völker über Napoleon regelrecht voraus gesehen. Mehr noch: er sah den Sieg alles dessen, um das die Völker zum Erlangen ihres Glücks und Wohlstandes kämpfen, in einer verallgemeinerten, zeitüberhöhenden und künstlerischen Gestalt mit der A-Dur-Symphonie als kühne Vision.
Die thematische Anlage der siebten Symphonie Beethovens hat eine deutlich geringere emotionale Interpretation Christian Thielemann zur Folge, indem er den Eröffnungssatz brachial-leidenschaftlich vom ersten bis zum letzten Takt hochspannend dirigierte, um das Allegretto umso inniger anzuschließen. Mit klanglicher Opulenz, epischer Breite und technischer Brillanz wurde der Satz zu einem Nachweis der Qualität des Orchesters. Mit dem kontrastierend-rasend gespielten „Presto“ gelang es, an die Ereignisse der Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. Bis zum 19. Oktober 1813, also vor exakt 207 Jahren, anzuknüpfen. Folglich war auch nichts vom oft zitierten „Tänzerischen“ auszumachen.

Der Schluss-Satz gestaltete sich noch einmal zum Kraftakt für den Dirigenten und eine Reihe der Musiker, allen voran „unseren Pauker“ Thomas Käppler, so dass man in diese Orgie der Rhythmen und der Lebensfreude zwangsläufig hineingezogen wurde.

Die Ovationen des ausgedünnten Publikums waren in beiden Konzerten heftig und herzlich, aber nicht überschäumend. Eine begrenzte Besucherzahl gab stehenden Beifall. Eventuell waren die konzentriert Hörenden doch etwas erschöpft.

—| IOCO Kritik Sächsische Staatskapelle Dresden |—

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