Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Operngala – Deutsche AIDS-Stiftung, 21.03.2020

Februar 10, 2020 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

11. Festliche Operngala    –  Deutsche AIDS-Stiftung

Rolando Villazón führt durch den Abend

Die Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung verbindet hochkarätigen Musikgenuss mit dem Engagement für die gute Sache: Am Samstag, 21. März 2020, um 19.00 Uhr findet sie im Opernhaus Düsseldorf statt – und das bereits zum elften Mal. Das Klassik-Event, das Generalintendant Christoph Meyer 2010 an der Deutschen Oper am Rhein etablierte, hat sich zu einer der wichtigsten Benefiz-Veranstaltungen in Nordrhein-Westfalen entwickelt und einen Gesamterlös von mehr als 1,5 Mio Euro erzielt. Mit ihm konnte die Deutsche AIDS-Stiftung vielen Menschen mit HIV und AIDS individuell und durch die Förderung von Projekten helfen.

Erneut haben sich in diesem Jahr elf international gefragte Opernstars bereit erklärt, zu Gunsten der Deutschen AIDS-Stiftung ohne Gage in Düsseldorf aufzutreten. Auch durch das Engagement der Besucher, Sponsoren, Kuratoren und Förderer der Festlichen Operngala steht am Ende ein Reinerlös, der wie in den vergangenen Jahren in Stiftungshilfen für Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen und Mosambik fließen kann.

Deutsche Oper am Rhein / Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung © Susanne Diesner

Deutsche Oper am Rhein / Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung © Susanne Diesner

Das vielseitige Programm aus Oper, Operette und Musical gestalten die Sängerinnen Joyce El-Khoury, Anita Hartig, Maria Mudryak, Tuuli Takala, Marina Viotti und Ramona Zaharia, die zum Ensemble der Deutschen Oper am Rhein gehört, zusammen mit den Solisten Matteo Lippi, Guido Loconsolo, Jonathan Tetelman, Freddie De Tommaso und Andrey Zhilikhovsky. Begleitet werden sie von den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung des italienischen Dirigenten Roberto Rizzi Brignoli. Ein Opernstar führt auch durch das Programm des Abends: Rolando Villazón übernimmt erstmals die Moderation der Festlichen Operngala und begleitet das Publikum mit großer Kenntnis und Begeisterung durch die Welt der Musik. Oberbürgermeister Thomas Geisel übernimmt erneut die Schirmherrschaft der Operngala. Deren künstlerische Leitung liegt bei Alard von Rohr.

„Diese Operngala ist für uns sehr wichtig. Weil wir den Erlös dringend für unsere Hilfen brauchen. Aber genauso, weil wir HIV und Aids zu einem Thema machen können. Denn nur wer über HIV Bescheid weiß, kann sich schützen. Und Vorurteile überdenken“, sagt Kristel Degener, die Geschäftsführende Vorstandsvorsitzende der Deutschen AIDS-Stiftung.

„Im Kalender der Deutschen Oper am Rhein nimmt die Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung nunmehr bereits im elften Jahr einen ganz besonderen Platz ein – als glanzvolles musikalisches Fest der Extraklasse in Verbindung mit gesellschaftlichem Engagement für ein immens wichtiges Anliegen“, sagt Christoph Meyer, der Generalintendant der Deutschen Oper am Rhein. „Mein herzlicher Dank geht an unsere Partner bei der Deutschen AIDS-Stiftung, das Kuratorium und die zahlreichen Förderer und Unterstützer, vor allem aber auch die wunderbaren Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt und aus unserem eigenen Ensemble, die an diesem Abend wieder für den guten Zweck auf ihre Gage verzichten.“

Eintrittskarten für die AIDS-Gala kosten zwischen 49 und 175 Euro, einschließlich eines Begrüßungsgetränks. Sie sind erhältlich im Opernshop Düsseldorf und an der Theaterkasse Duisburg, unter Telefon 0211.89 25 211 oder online über www.operamrhein.de.

VIP-Karten zum Preis von 500 Euro schließen das Galadinner mit Künstlern und Ehrengästen im Anschluss an das Konzert im Foyer des Opernhauses ein. Sie sind nur direkt über die Deutsche AIDS-Stiftung, Tel. + 49 228-60 469 0, oder per E-Mail an info@aids-stiftung.de zu bestellen.

Spenden nimmt die Deutsche AIDS-Stiftung über ihre Website https://aids-stiftung.de/spenden entgegen.


Die Künstlerinnen und Künstler der 11. Festlichen Operngala:


Roberto Rizzi Brignoli genoss seine Ausbildung am renommierten Mailänder Konservatorium, wo Riccardo Muti auf ihn aufmerksam wurde und ihm die Türen zur Scala di Milano öffnete. Dort startete der italienische Dirigent seine internationale Karriere. Jetzt dirigiert er zum ersten Mal in Düsseldorf.

Rolando Villazón ist ein Weltstar – und das nicht nur als Tenor. Als Regisseur war er gerade zum zweiten Mal an der Deutschen Oper am Rhein zu Gast, um Vincenzo Bellinis Oper „I Puritani“ zu inszenieren. Als Moderator versteht er wie wenige andere, die Welt der Musik zugänglich zu machen.

Joyce El-Khoury „ist eine Prima Donna“, schrieb das Harodds Magazine nach einem Auftritt der aus dem Libanon stammenden Sopranistin am Royal Opera House London. Und das Opéra Magazine meinte „seit der Callas nicht mehr eine solche Stimme“ gehört zu haben.

Anita Hartig ist an den wichtigsten Opernhäusern der Welt zu Hause. Mit einem „glasklaren Chablis Grand Cru Vaudesir“ hat Bachtrack ihre Stimme verglichen und auch die New Yorker Presse zeigte sich begeistert vom „seidenen Klang“ der rumänischen Sopranistin, die an der Wiener Staatsoper ebenso wie an der MET gefeiert wird.

Matteo Lippi: Als Verdis Alfredo („La traviata“) und Duca („Rigoletto“), Puccinis Rodolfo („La Bohème“) und Pinkerton („Madama Butterfly“) begeistert der Genueser Tenor derzeit auf den Bühnen von Venedig und Moskau, Dubai, Tokio und Glyndebourne.

Guido Loconsolo Vom Barock über Mozart bis in die italienische Romantik reicht das Repertoire des italienischen Bass-Baritons, der von der Scala di Milano aus seine internationale Karriere startete und sich in Tel Aviv als Basilio gerade auf die Premiere von Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ vorbereitet.

Maria Mudryak Mit ihrem lyrischen Timbre und überzeugender Bühnenpräsenz erobert sich die aus Kasachstan stammende Sopranistin derzeit die internationalen Bühnen. 2017 gewann sie bei Placido Domingos Operalia-Wettbewerb. Zu ihren Partien zählen Violetta („La traviata“), Gilda („Rigoletto“) und Mimì („La Bohème”).

Tuuli Takala: Mozarts Königin der Nacht ist eine Paraderolle der finnischen Koloratursopranistin. Die Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe ist Ensemblemitglied der Semperoper Dresden und singt als Gast u. a. an der Royal Opera London und in Glyndebourne.

Jonathan Tetelman: „The guy’s a total star“, schrieb die New York Times über den chilenischen, mit zahlreichen Preisen geehrten Tenor, der auf den nord- und südamerikanischen Bühnen ebenso zu Hause ist wie in Europa. An der Royal Opera in London kann man ihn derzeit als Rodolfo in Puccinis „La Bohème“ erleben.

Freddie De Tommaso gewann 2018 den 55. Tenor Viñas Contest in Barcelona. Sein Engagement im Opernstudio der Bayerischen Staatsoper stellte die Weichen zu seiner internationalen Karriere, die ihn nun an die großen Bühnen in London, Amsterdam, Dresden, Wien und Berlin führt.

Marina Viotti Erfahrungen mit Jazz, Gospel und Heavy Metal gingen dem klassischen Gesangsstudium der Schweizer Mezzosopranistin voraus. Es folgten Gewinne mehrerer großer Wettbewerbe, sowie Engagements an die Bühnen von Mailand, Barcelona, München und Dresden.

Ramona Zaharia: Als Ensemblemitglied der Deutschen Oper am Rhein wurde die rumänische Mezzosopranistin zu Beginn der aktuellen Spielzeit für ein großes Debüt gefeiert: Ihre Dalila in Camille Saint-Saëns‘ „Samson et Dalila“ vereine „das ganze Spektrum von Wohllaut, Schmeichelei, Gurren bis zu kalter Rache“, hieß es in der Rheinischen Post. Als Carmen gastiert sie 2020 zum zweiten Mal an der Metropolitan Opera New York.

Andrey Zhilikhovsky Aus Moldawien stammend machte der Bariton seine ersten Bühnenerfahrungen in St. Petersburg und Moskau. Aktuell ist er in Prokofjews „Die Verlobung im Kloster“ in Berlin zu erleben sowie mit Puccinis Marcello und Schaunard („La Bohème“) an der Bayerischen Staatsoper und der MET in New York.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Hamburg, Hamburger Staatsoper, Franco Vassallo – Othello, IOCO Portrait, 24.07.2018

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

OTHELLO – Fulminanter Spielzeitausklang in Hamburg

Franco Vassallo – Der Mensch wie abgründiger Jago

Von Michael Stange

Franco Vassallo © Roberto Raisoni

Franco Vassallo © Roberto Raisoni

 Die Hamburgische Staatsoper hat ihren Besuchern den Abschied von der Spielzeit 2017/18 und die Vorfreude auf die neue Spielzeit mit besonderen Leckerbissen versüßt. Dazu gehörte auch Verdis Othello mit den Hamburger Rollenneulingen Aleksandra Kurzak als Desdemona und Franco Vassallo als Jago. In der Vorstellung am 20.06.2018 rissen Beide durch Ihre fulminanten gesanglichen Leistungen das Publikum zu großen Jubelstürmen hin. Hier hat die Hamburgische Staatsoper wieder einmal gezeigt, zu welchen großen Leistungen das Haus fähig ist, wenn die Sängerbesetzungen stimmen.

Die eindrucksvolle Inszenierung des Othello von Calixto Bieito lebt neben den beeindruckenden Bildern auch von Sängerpersönlichkeiten, die ihre Rollen poetisch und dramaturgisch intensiv gestalten. Dies ist insbesondere Franco Vassallo gelungen. Er verfügt über eine klangschöne in allen Registern ausgeglichene italienische Baritonstimme. Seine fundierte Tiefe geht nahtlos in die sonore Mittellage über und mündet in eine strahlende Höhe, die die Orchesterfluten mühelos durchdringt. Mit seinem männlichen und samtweichen Timbre steht er in der Tradition seiner italienischen Rollenvorgänger Giuseppe Taddei und Carlo Tagliabue. Neben der Qualität seiner Stimme besticht er durch eine große Wortdeutlichkeit und eine intensive interpretatorische Wandlungsfähigkeit seines Gesangs.

Franco Vassallo begeistert das Hamburger Publikum seit 2009. Er sang dort Giorgio Germont, Macbeth, Amonasro, Rigoletto und wurde zuletzt im Frühjahr 2018 in seinem Rollendebut als Scarpia gefeiert.

Staatsoper Hamburg / Othello hier Ensemble © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Othello hier Ensemble © Hans Jörg Michel

Franco Vassallo hat in seinen letzten beiden Hamburger Rollen als Scarpia und Jago gestalterisch und stimmlich beeindruckt. Die Rolle des Bösewichts Jago mit seinem Charme, seiner Verschlagenheit, seiner Brutalität und seiner gleichzeitigen Angst verlangt eine differenzierte Ausdrucksfähigkeit und ein hohes schauspielerisches Geschick. Gleichzeitig sind dafür vokale Finesse und große Stimmreserven erforderlich. Darüber verfügt Franco Vassallo in einem Maße, das Staunen macht: Auch auf der großen und für manche Sänger akustisch schwer zu bewältigenden Hamburger Bühne konnte er durch seine Pianokultur seinen Stimmfluss an den lyrischen Stellen ungehindert entfalten. Mit Sadismus und Dämonie gestaltet er das “Jago-Credo” und die Duette mit Othello vollendet.

Diese perfide Gestalt des Othello spielte Vassallo mit derartigem Charisma, dass man sich fragt, wie ein Darsteller, der zu einer solchen Bühnenleistung fähig ist, als Mensch ist. Nach der Vorstellung ergab sich die Gelegenheit zu einem kurzen Gespräch mit Franco Vassalo: vor mir stand ein nobler Mailänder mit eleganter Erscheinung und sonnigen Humor, dem jegliche Bösartigkeit völlig fremd ist.

Franco Vassallos Spielfreude begleitet ihn seit Kindertagen, als er schon in der Schule an Theateraufführungen mitwirkte. Seine Rolleninterpretation lehnt er an Konstantin Stanislawski an. Dessen Methode soll den Schauspieler befähigen, aufgrund eigener Erfahrungen und Gefühle, durch ein emotionales Gedächtnis und inneres Erleben sich mit seiner Rolle zu identifizieren. Um seine Partien mit Vollendung zu gestalten, versetzt sich Franco Vassallo vollständig in sie hinein und versucht, durch Symbiose zwischen Tongestaltung, Mimik und Bewegung eine Einheit zu erreichen. Manchmal trainiert er seine schauspielerischen Fähigkeiten dadurch, dass er seiner Frau Rollen vorspielt und sie erraten muss, wen er gerade interpretiert.

Seine Philosophie ist, Rollen zu lernen, zu interpretieren und sie dann wie guten Rotwein reifen zu lassen, damit sich das Portrait innerlich setzt. Seinen ersten Jago hat er bereits im Jahr 2000 in San Gimignano gesungen und dann ab 2010 in Paris, Baden-Baden und Wien. Durch diese jahrelange Befassung mit der Rolle, gelingt es die zahlreichen Facetten und Nuancen der Rolle herauszuarbeiten und ein packendes Portrait auf die Bühne zu bringen.

Staatsoper Hamburg / Tosca hier mit Anja Harteros, Franco Vassallo, Jonas Kaufmann © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Tosca hier mit Anja Harteros, Franco Vassallo, Jonas Kaufmann © Patrik Klein

Angesprochen auf Begonnenes wie den Falstaff bekennt Franco Vasallo, dass er die Rolle liebe. Er glaubt, dass sie in zehn Jahren eine perfekte Rolle für ihn wäre, da die tiefe Tessitura des pompösen und bombastischen britischen Ritters fast ein Bass-Bariton ist. Auch hier möchte er die Rolle reifen lassen und bevorzugt er als hoher Verdi Bariton aktuell die Rolle des Ford.

Augenblicklich ist  Vasallos Lieblingsrolle der weise und gütige Simone Boccanegra, der ihm in dieser Phase seiner Karriere mehr zusagt. Diese Rolle hat er bereits mit großem Erfolg in Luxemburg und Genua interpretiert.

 In einer seiner Lieblingsrollen, dem Figaro im Barbier von Sevilla, wird er ab März 2019 wieder in Hamburg auftreten. Glück für die Zuschauer, dass die Hamburgische Staatsoper solchen Stars auch künftig ein Podium bietet.

Hoffen wir, dass die Hamburger Intendanz weitere Opernabende mit Franco Vassallo plant und künftig häufiger in seinen Glanzpartien verpflichtet.

—| IOCO Portrait Staatsoper Hamburg |—

Heidenheim, Opernfestspiele Heidenheim, Premiere Oberto. Conte di San Bonifacio von Verdi, 04.08.2016

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Opernfestspiele Heidenheim

Opernfestspiele Heidenheim / Anna Princeva © Opernfestspiele Heidenheim

Opernfestspiele Heidenheim / Anna Princeva © Opernfestspiele Heidenheim

Oberto. Conte di San Bonifacio von Giuseppe Verdi
Verdi-Rarität eröffnet neue OH!-Reihe im Festspielhaus

Mit Giuseppe Verdis erster Oper Oberto. Conte di San Bonifacio erleben die Opernfestspiele Heidenheim am Donnerstag, 4. August, den Auftakt zu ihrer neuen Verdi-Reihe im Festspielhaus. Das Ritterdrama um den Grafen Oberto stand am Beginn einer unglaublichen Karriere des damals 23- jährigen Verdi. Festspieldirektor Marcus Bosch erfüllt sich damit einen lang gereiften Traum: sich an einem besonderen Ort unter besten Bedingungen chronologisch dem OEuvre des bedeutendsten italienischen
Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts widmen zu können.

Die Vorbilder Bellini und Donizetti merke man dem Oberto zwar an, doch sei die Musik und die dramatische Zuspitzung bereits unverkennbar „blutechter Verdi, so Bosch. Das Eruptive, die Kraft und das Fordernde seien nicht mehr zu vergleichen mit der Musiksprache Donizettis, zeigt Bosch auf. Regisseur Tobias Heyder pflichtet dem bei. Bereits der „Oberto“ baue auf die dramatische Konstellation späterer Verdi-Opern: Unreife Männer als verführerische Bösewichte, die engelsgleiche Frauen ins Unglück stürzen, und dominante Väter. Oberto selbst sei eine Mischung aus Rigoletto und Amonasro.

Die Idee einer neuen Opernreihe Länger schon haben die Verantwortlichen der Opernfestspiele über eine sinnvolle Erweiterung des Festspielangebots nachgedacht. Die neue Reihe mit dem Frühwerk Verdis vereint die verschiedenen Aspekte: Zum einen werden Verdis Opernraritäten die Aufmerksamkeit des enzyklopädisch interessierten Opernfreunds auf sich ziehen, zumal in Heidenheim die Verdi-Opern immer auch szenisch realisiert werden. (Nota bene: Außer zwei konzertanten Aufführungen in Gießen und Frankfurt gab es den Oberto szenisch zuletzt im Verdi-Jahr 2013 – an der Mailänder Scala). Das wird noch stärker als bisher auch internationales Publikum an die Brenz locken.

Das Festspielhaus, das bisher als Schlechtwettervariante für die Open-air-Aufführung im Schloss Hellenstein diente, bekommt eine stärkere Position. Ohne Bühnenbild und bewusst im Gegensatz zur Opulenz der Hauptoper wird der junge Hamburger Regisseur Tobias Heyder den Fokus ganz auf die handelnden Personen legen. Wie sehr die frühen Opern Verdis auch bühnentauglich sind – Verdi bezeichnete sich selbst schließlich als „Theatermann“ und nicht als Opernkomponist -, werden die speziellen Inszenierungen in der als Black-Box begriffenen Bühnensituation des Festspielhauses zeigen: Wenige Requisiten und das Lichtdesign von Hartmut Litzinger werden die nötigen szenischen Impulse setzen, um die dramatischen Situationen dieses Verdi-Erstlings direkt erlebbar zu machen. Kostümbildnerin Janine Werthmann bildet einen Brückenschlag zwischen zeitlosen Kostümen und historischen Zitaten.

Cappella Aquileia sorgt für authentisches Verdi-Erlebnis Doch auch musikalisch wird es spannend: Die Cappella Aquileia ist der musikalischer Partner für eine spezielle Aufführung, die ein gutes Stück weit versucht, Verdi im Original erklingen zu lassen. Das Orchester der Opernfestspiele, dessen Konzerte zeigen, dass es „historisch informiertes“ Musizieren verinnerlicht hat, wird mit der Orchesteraufstellung, seinem kammermusikalischen Musizierstil und den ungewöhnlichen Besetzungen der Uraufführungen experimentieren. Zur Verdi-Zeit spielte man mit weniger Streichern als heute üblich, so dass eine plastischere (und sängerfreundlichere) Bläser- Streicher-Balance zu erwarten ist. Teilweise werden auch Nachbauten historischer Instrumente zum Einsatz kommen.

Mit dem Tschechischen Philharmonischen Chor Brünn in der Einstudierung von Jan Ocetek steht ein hochkarätiger und – wie bereits in der Hauptproduktion von „La Bohème“ zu erleben – auf höchstem Niveau agierender Opernchor zur Verfügung. Internationale Sängerbesetzung Woong-jo Choi singt den im Krieg unterlegenen und jetzt um seine Tochter kämpfenden Grafen Oberto. Der in Korea geborene Sänger studierte an der Nationalen Universität Seoul und am Konservatorium der Stadt Wien. Der Bassist war am Luzerner und Aachener Theater engagiert und in Heidenheim bereits als Timur und als Banquo in Macbeth zu erleben.

Als Obertos Tochter Leonora debütiert in Heidenheim Anna Princeva. Nach Studien am Konservatorium ihrer Heimatstadt St. Petersburg studierte sie am Konservatorium Pergolesi Gesang und absolvierte verschiedene Meisterkurse, u. a. bei Francisco Araiza und Grace Bumbry. Sie trat auf als Violetta (La Traviata), Gilda (Rigoletto) und als Pia (Pia de‘ Tolomei) an den Theatern von Rovigo und Vincenza. Unter der Leitung von Gustav Kuhn wurde sie bei den Tiroler Festspielen als Abigaile in Verdis Nabucco von Publikum und Presse gleichermaßen gefeiert, wo sie auch als Leonora in Verdis Trovatore und als Donna Anna in Mozarts Don Giovanni auftrat.

Als Draufgänger Riccardo wird der rumänische Tenor Adrian Dumitru zu erleben sein. Während seines Masterstudiums der Physiotherapie absolvierte er ein privates Musik- und Stimmstudium bei der Sopranistin Mariana Stoica, dem Bariton Emil Matei, dem Tenor Corneliu Fanateanu sowie dem Vocal Coach Alexandru Petrovici.

Opernfestspiele Heidenheim / Katerina Hebelkova © Opernfestspiele Heidenheim

Opernfestspiele Heidenheim / Katerina Hebelkova © Opernfestspiele Heidenheim

Als Cuniza ist die tschechische Mezzosopranistin Katerina Hebelkova verpflichtet. Sie studierte an der Hochschule für Musik und Theater München bei Professor Daphne Evangelatos und war Mitglied der dort ansässigen Opernschule. Bereits während ihres Studiums sang sie in zahlreichen Konzerten in Deutschland, Tschechien, Italien sowie der Schweiz und wirkte an der Theaterakademie August Everding in vielen Opernproduktionen am Münchener Prinzregententheater mit.

Als Preisträgerin gewann sie zahlreiche Wettbewerbe wie 1999 den Jamila Novotna als
jüngste Sängerin und 2005 den Kulturpreis Bayern. Die in der Slowakei geborene Mezzosopranistin Daniela Ba?asova singt die Rolle der Imelda, der Vertrauten Cunizas. Sie absolvierte ihr Gesangsstudium zunächst an der Hochschule für Musik in Bratislava, dann bei Marjana Lipovšek an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.

Ein weiterer Aufführungstermin ist am Samstag, 6. August. Beginn jeweils 20 Uhr, Festspielhaus Congress Centrum Heidenheim.  Vor den beiden Vorstellungen werden Einführungsvorträge um 19.10 Uhr und um 19.30 Uhr im Festspielhaus Congress Centrum Heidenheim angeboten.

Info kompakt:
Oberto. Conte di San Bonifacio
Premiere: Donnerstag, 4. August 2016, 20 Uhr
Ein weiterer Aufführungstermin ist am 6. August 2016, 20 Uhr.
Festspielhaus Congress Centrum

—| Pressemeldung Opernfestspiele Heidenheim |—

Heidenheim, Opernfestspiele Heidenheim, Galakonzert mit Leticia Moreno, 14.07.2016

Juli 12, 2016 by  
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Opernfestspiele Heidenheim

52. Opernfestspiele Heidenheim 2016

Leticia Moreno mit der Staatsphilharmonie Nürnberg

Peter Tschaikowski – Violinkonzert D-Dur op. 35
Peter Tschaikowski – Sinfonie Nr. 6 h-moll op. 74 „Pathétique“

Opernfestspiele Heidenheim / Leticia Moreno © Omar Ayyashi

Opernfestspiele Heidenheim / Leticia Moreno © Omar Ayyashi

Zwei bedeutende Werke von Peter Tschaikowski präsentieren die Opernfestspiele Heidenheim unter Musikalischer Leitung von Festspieldirektor Marcus Bosch beim Galakonzert der Festspielzeit 2016 am Donnerstag, 14. Juli, um 20 Uhr im Rittersaal auf Schloss Hellenstein.

Eine Sinfonie wie ein Tagebuch: Als Peter Tschaikowski 1893 seine Sechste Sinfonie vollendete, ahnte er bereits, dass dieses Werk seine letzte Sinfonie sein würde, ein Requiem, das der Komponist für sich selbst komponierte. Ein Leben als innerer Kampf gegen das unerbittliche Schicksal, hin- und hergeworfen zwischen Hoffnung, Aufbruch, Resignation und Scheitern, so zeigt sich der Komponist seinen Hörern. Alle seine Selbstzweifel, die ihn bei seinen künstlerischen Erfolgen nie verlassen hatten, und das Gefühl eines lebenslangen Außenseitertums hat Tschaikowski in die vier bewegenden Sätze der Sinfonie gebannt – mit einem Klagegesang als erschütterndem Abschluss.

Ein Werk aus einer Krisenzeit ist auch Tschaikowskis einziges Violinkonzert. Unmittelbar nach dem Scheitern seiner katastrophalen Ehe schrieb der Komponist auf einem Landgut in der Ukraine dieses temperamentvolle und dramatische Solowerk. Doch anders als der Sechsten Sinfonie hört man dieser Musik die Krise nicht im Geringsten an. Im Gegenteil: Das brillante Konzert mit seinem mitreißenden Finale gehört heute zu den berühmtesten und meistgespielten Werken seiner Gattung. Als Inbegriff des Geigenrepertoires ist es eng mit der Tradition der „Russischen Violinschule“ verknüpft.

Als Solistin kommt mit Leticia Moreno eine junge spanische Geigerin nach Heidenheim, die als Preisträgerin des ECHO Rising Stars Award auf sich aufmerksam machte und zuletzt Konzerte u. a. mit Gustavo Dudamel, Valery Gergiev und Zubin Mehta gespielt hat. „Bei ihr verschmelzen spanisches Temperament und russische Spielweise“, lobte die Fachjury des Rheingau Musikfestivals.

Vor dem Konzert, um 19.10 und 19.30 Uhr, führt Maddalena Ernst in die Werke ein.

In den darauf folgenden Festspielwochen bieten die Opernfestspiele Heidenheim unter dem Motto „Gefühlsrausch“ ein vielseitiges und mitreißendes Programm auf den Heidenheimer Schlossberg für Musik-Liebhaber. Neben der Neuinszenierung von Puccinis zeitlosem Klassiker La Bohème, die am 8. Juli in der malerischen Kulisse des Rittersaals von Schloss Hellenstein Premiere feiert, startet der Marcus Bosch nebenan im Festspielhaus am 4. August eine neue Reihe. Sie wird sich in den nächsten Jahren mit dem Frühwerk Verdis auseinandersetzen und hält selbst für Opernkenner die eine oder andere Rarität parat. Den Auftakt macht dabei der Bühnenerstling Giuseppe Verdis Oberto conte di San Bonifacio. Damit präsentieren die Opernfestspiele mit der Jungen Oper „Rocke und die Zaubertrompete“ drei Opern in Eigenproduktion aber auch ein breites Konzertprogramm mit prominenten Namen wie Leticia Moreno, Eduardo López Banzo und Daniel Hope.

Daneben können Festspielbesucher ein breites Rahmenprogramm erleben, wie u. a. ein Besuch im Café Momus in der Schlosskirche Hellenstein mit einem französischen Vier-Gang-Menü vor, zwischen und nach der Vorstellung von La Bohème oder das Picknick mit Musik und Theater bei der Schlossbergtafel im zauberhaften Park von Schloss Hellenstein, hoch über der Stadt.

Insgesamt stehen bei den 52. Opernfestspielen Heidenheim 2016 in zwei Monaten vom 8. Juni bis 7. August über 40 Veranstaltungen auf dem Programm.

Info kompakt
Galakonzert : Donnerstag, 14. Juli 2016, 20 Uhr
Rittersaal Schloss Hellenstein / Festspielhaus CCH*

*Abhängig von der Witterung findet die Veranstaltung im Rittersaal Schloss Hellenstein Open Air oder im Festspielhaus Congress Centrum Heidenheim statt.

 

—| Pressemeldung Opernfestspiele Heidenheim |—

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