Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Alexander Soddy – verlässt 2022 das NTM, 27.05.2021

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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

Alexander Soddy verlässt das NTM Ende 2022

Alexander Soddy, Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim, verlässt das Haus zum Ende der Spielzeit 2021/2022, um sich national und international neuen künstlerischen Herausforderungen zu stellen. Die Findungskommission, die mit seiner Nachfolge betraut ist, musste aufgrund der Pandemie ihre Arbeit aussetzen und hat diese vor Kurzem wieder aufnehmen können, sodass zur Spielzeit 2023/2024 ein*e Nachfolger*in gefunden sein wird.

Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung

Nationaltheater Mannhein / Alexander Soddy © Miina Jung

Durch die Besonderheit, dass das Nationaltheater Mannheim seine*n Generalmusikdirektor*in traditionell der Musikalischen Akademie zur Verfügung stellt, gilt es in der Spielzeit 2022/2023 diese Lücke zu schließen, um eine exzellente und kontinuierliche Arbeit zu gewährleisten. Daher haben der Akademievorstand gemeinsam mit der Opernintendanz die Idee entwickelt, Alexander Soddy zu bitten, in der genannten Saison als »Chefdirigent der Akademiekonzerte« zu fungieren. Kulturbürgermeister Michael Grötsch: »Es freut mich, dass es dem Nationaltheater gelungen ist, Alexander Soddy für eine weitere Spielzeit als Chefdirigent zu verpflichten. So bleibt der Stadt Mannheim für zwei weitere Jahre ein hervorragender Musiker und Dirigent erhalten, der in den letzten Jahren den Klang des Orchesters entscheidend mitgeprägt hat. Zudem erhält Soddy durch das Angebot nicht nur künstlerisch eine große Wertschätzung, sondern es zeigt auch, wie eng er mit dem Haus und seinem Ensemble verbunden ist.«

NTM – 2016 Generalmusikdirektor Alexander Soddy – stellt sich vor
youtube Trailer Nationaltheater Mannheim
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Alexander Soddy, Generalmusikdirektor am Nationaltheater Mannheim: »Ich kann bereits heute sagen, dass für mich die Jahre in Mannheim ein ganz entscheidender, wenn nicht der entscheidende Moment in meinem künstlerischen Werdegang sind. Die gemeinsame Arbeit mit diesem hochmotivierten engagierten Orchester war eine einzigartige Gelegenheit für uns alle, uns weiterzuentwickeln und an den großen Aufgaben des Repertoires zu wachsen. Richard Wagner sagt in seinem Rheingold „Wandel und Wechsel liebt, wer lebt“. Das gilt im Grunde für jeden, der künstlerisch tätig ist, für ein Orchester ebenso wie für den musikalischen Leiter. Die Entwicklung des letzten Jahres hat noch deutlicher gezeigt, dass wir die gemeinsame Arbeit zu einem Moment beenden, wo es am Schönsten ist. Sicher ist vieles Stückwerk geblieben, sicher konnte so manches schön Geplante nicht umgesetzt werden. Umso schöner ist es nun, dass wir im Konzertbereich die gemeinsame Arbeit noch ein weiteres Jahr fortsetzen können und vielleicht einiges abgerundet werden kann, was wir uns zu Beginn der Zusammenarbeit vorgenommen haben.«

Fritjof von Gagern, Akademiepräsident und Solocellist im Orchester betont: »Dass Alexander Soddy der Musikalischen Akademie nach Auslaufen seines Vertrags 2021/22 eine weitere Saison als Chefdirigent verbunden bleibt, könnte uns nicht glücklicher stimmen. Er ist ein kluger und empathischer Dirigent mit vortrefflichen Instinkten: Gemeinsam konnten wir einen Orchesterklang gestalten, der unseren Idealvorstellungen als Klangkörper voll und ganz entspricht.«    Auch Albrecht Puhlmann, Opernintendant, schließt sich dem an und ergänzt: »Ich schätze Alexander Soddy und seine Arbeit sehr, daher freue ich mich besonders darüber, dass wir ihn für eine weitere Saison als Chefdirigenten der Akademiekonzerte gewinnen konnten. So bleibt er auch uns in der Oper als wichtiger künstlerischer Gesprächspartner erhalten.«

Alexander Soddy –  Biografie

Der britische Dirigent Alexander Soddy, *1982 in Oxford, ist seit der Spielzeit 2016/17 Generalmusikdirektor des Nationaltheaters Mannheim. Dessen programmatischen Schwerpunkt im klassischen deutschen und italienischen Opernrepertoire (Die Meistersinger von Nürnberg, Aida, Die Frau ohne Schatten u. v. a.) erweiterte er konsequent. Beispielhaft seien die überregional gefeierten Neuinszenierungen von Pelléas et Mélisande und Peter Grimes genannt. Sein Mannheimer Engagement führt er über seine Zeit als Generalmusikdirektor als Chefdirigent der Akademiekonzerte bis 2022/23 fort. Des Weiteren nimmt er zahlreiche Konzertverpflichtungen in Deutschland, Asien, der UK, der USA sowie der Schweiz wahr. Sein Debüt am Covent Garden ist geplant.

In vergangenen Saisons hatte Alexander Soddy regelmäßig Dirigate an der Bayerischen Staatsoper München (Die Zauberflöte, La Bohème) und der Staatsoper Unter den Linden, Berlin (Die Zauberflöte, La Bohème, Der Freischütz). Nach seinem erfolgreichen Debüt (»l Barbiere di Siviglia) dirigierte er diese Saison die Wiener Staatsoper mit Elektra, Salome und kehrt im Juni mit Carmen zurück. An der Metropolitan Opera konnte er 2017 mit La Bohème große Erfolge feiern. In der nächsten Saison präsentiert er ebenda Madama Butterfly. Weitere Gastengagements führten ihn an die Royal Swedish Opera Stockholm (La Bohème, Madama Butterfly), die Semperoper Dresden (Der Freischütz) und an die English National Opera in London (A Midsummer Night’s Dream). 2014/15 erfolgte sein Debüt an der Oper Frankfurt und Oper Köln. Mit Werken von Schönberg und Martin kehrt er im Herbst 2021 an die Oper Frankfurt zurück und mit Fidelio an die Staatsoper Berlin.

Alexander Soddy wurde in im Dezember 1982 Oxford geboren und erhielt seine Ausbildung an der Royal Academy of Music sowie der Cambridge University. Nach seinem Abschluss 2004 wurde er Repetitor und Kapellmeister am National Opera Studio in London. Von 2010 bis 2012 war er als Kapellmeister an der Hamburgischen Staatsoper engagiert; von 2013 bis 2016 war er Chefdirigent am Stadttheater Klagenfurt. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen.

—| Pressemeldung Nationaltheater Mannheim |—


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Mannheim, Musikalische Akademie, 6. Akademiekonzert – Mozart und Mendelssohn, IOCO Aktuell, 04.04.2021

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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

NTM Nationaltheater Mannheim © Christian Kleiner

MUSIKALISCHE AKADEMIE

6. Akademiekonzert 2020/21  –  Mozart und Mendelssohn

Das 6. Akademiekonzert 2020/21 der Musikalischen Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e.V. wird am 12. April 2021 um 20 Uhr live aus dem Mannheimer Rosengarten übertragen. Der reduzierten Besetzungsgröße geschuldet, präsentiert der Verein statt desgeplanten Bruckner-Abends ein Konzertprogramm mit Mozarts 29. Symphonie, Jacques Iberts Divertissement und Mendelssohns Italienischer. Antonello Manacorda kann infolge situationsbedingter Terminverschiebungen nicht in Mannheim gastieren. Die musikalische Leitung des 6. Akademiekonzerts übernimmt stattdessen Jader Bignamini.

Bignaminis eindrucksvolle Vita lässt erahnen, weshalb der Dirigent als Shootingstar der internationalen Opernszene gehandelt wird: Gebürtig aus dem italienischen Crema, begann seine musikalische Karriere als Klarinettist des Orchestra Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi, dessen Generalmusikdirektor er später wurde. Dirigate an weltweit renommierten Häusern folgten – ob Wien, München, New York oder Rom, wo er für Verdis La Traviata 2015 mit Größen wie Sofia Coppola zusammenarbeitete. Seit 2020/21 ist Bignamini Direktor des Detroit Symphony Orchestra, wo er jüngst in digitalen Premieren Puccini und Tschaikowski auf die Bühne brachte.

NTM Nationaltheater - Orchester / Musikalische Akademie © Minna Jung

NTM Nationaltheater – Orchester / Musikalische Akademie © Minna Jung

Mozarts Symphonie Nr. 29 in A-Dur, 1774 in Salzburg entstanden, läutet den Konzertabend ein. Ob im getragenen Menuetto oder dem finalen Allegro con  spirito: Heute wie damals überrascht Mozart mit genialischen Einfällen – maßvoll im Ausdruck, und doch voller Leidenschaft! Jacques Ibert, geboren ins Zeitalter der glühenden Pariser „Belle Époque“, verschreibt sich im Divertissement wiederum ganz offen dem Rausch: Das Werk prägen Jazz- und Tanzrhythmen, die eine typische Zwanziger-Jahre-Metropole vor dem inneren Auge aufblitzen lassen; auch Einflüsse der Stummfilmmusik finden Einzug in die vor Pointen sprühende Komposition. Die Italienische, schließlich, Mendelssohns vierte Symphonie, präsentiert sich als dahinstürmendes Meisterwerk, das – zwischen Rom und Neapel zu Papier gebracht – auf eine Italienreise von unzähmbarer Schönheit entführt. Der Livestream beginnt am Montag, 12. April 2021, 20 Uhr auf

—  www.musikalische-akademie.de/digital – link HIER! —

und ist dort zu erleben bis Mittwoch, 14. April 2021, 23:59 Uhr.

Einzeltickets für den Livestream können über die Musikalische Akademie für15€ erworben werden. Abonnentinnen und Abonnenten der Akademiekonzerte erhalten kostenlos Zugang.0€ zahlen Schüler und Schülerinnen, Studierende sowie Menschen mit geringem Einkommen – nach erfolgter Anmeldung über die Musikalische Akademie.

  Die Historie der  Musikalische Akademie  

Die in der Musikalischen Akademie organisierten Mitglieder des Nationaltheater-Orchesters Mannheim e.V. sind seit 242 Jahren Veranstalter der Konzertreihe „Akademiekonzerte“. Unter den Theater- und Symphonieorchestern sind die demokratische Struktur der Akademie und ihre damit verbundene programmatische sowie finanzielle Eigenständigkeit einzigartig. Sie sind entscheidend für die künstlerische Identität und das Selbstbewusstsein der Musikerinnen und Musiker. In üblicherweise acht Doppelkonzerten pro Spielzeit präsentiert sich heute das Orchester, das sonst im Operngraben erklingt, im Mozartsaal des Mannheimer Rosengartens.

6. Akademiekonzert  2020/21

Live aus dem Rosengarten Mannheim
Montag, 12. April 2021, 20 Uhr

www.musikalische-akademie.de/digital

Die Liveaufnahme des Konzerts kann bis Mittwoch, 14. April 2021, 23:59 Uhr online abgerufen werden

Jader  Bignamini  Dirigent,  Nationaltheater-Orchester Mannheim

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)  Symphonie Nr. 29 A-Dur KV 201
Jacques Ibert (1890–1962)  Divertissement
Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)  Symphonie Nr. 4 A-Dur op. 90,  Italienische

—| IOCO Aktuell Musikalische Akademie |—


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Nationaltheater-Orchester Mannheim, Musikalische Akademie – WAGNER / MOZART / STRAUSS, IOCO DVD-Rezension, 02.12.2020

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 Nationaltheater-Orchester Mannheim - Musikalische Akademie - ARTHAUS MUSIK -  Bestellnummer 10330975

Nationaltheater-Orchester Mannheim – Musikalische Akademie – ARTHAUS MUSIK – Bestellnummer 10330975

Musikalische Akademie – Nationaltheater-Orchester Mannheim

WAGNER /  MOZART / STRAUSS
ARTHAUS MUSIK – DVD – Bestellnummer: 10330975

von Uschi Reifenberg

Der erste Lockdown im Frühjahr traf die gesamte Branche aller Kulturschaffenden mit unvorbereiteter Härte. Durch die erneute Schließung aller Kulturinstitutionen im November werden Künstler nun endgültig zu den traurigen Verlierern der Pandemie mit unvorhersehbaren Folgen. Auch die Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchester Mannheim musste in dieser Zeit drei ihrer geplanten Akademiekonzerte absagen, der Probenbetrieb wurde komplett eingestellt, was „eine singuläre Situation in 242 Jahre Akademiegeschichte“ darstellt, erklärte Marc Sickel, der geschäftsführende Intendant des Nationaltheater Mannheim.

Keine gemeinsamen Projekte entwickeln zu können, sich nicht zum Proben zu treffen, das „bedeutet den Entzug unserer Arbeitsgrundlage: (… ) es fehlt die direkte Kommunikation mit dem Publikum, mit dem man sich über die Kunst verständigen will“, so Generalmusikdirektor Alexander Soddy.

Alexander Soddy, Dirigent – Nikola Hillebrand, Sopran – Musikalische Akademie

Fritjof von Gagern, 1.Vorsitzender der Musikalischen Akademie ergänzt: „Ein großes, ein künstlerisch wertvolles Projekt war unbedingt erforderlich, um die Qualitäten des Nationaltheater-Orchesters nicht zu gefährden.“ Dies ist in einem beeindruckenden Konzertfilm, der nun als DVD erschienen ist, in höchstem Maße gelungen.

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Musikalische Akademie Mannheim © Christian Kleiner

Die Aufnahme erfolgte Im Studio des Rhein-Neckar Fernsehen, es wurde selbstverständlich ein spezielles Hygiene- und Abstandskonzept erarbeitet, welches allen beteiligten Musikern und Beschäftigten im Studio höchste Sicherheit garantierte. Alexander Soddy und das Nationaltheater-Orchester stellten mit Werken der Komponisten Richard Wagner, Wolfgang Amadeus Mozart und Richard Strauss ein exemplarisches Programm zusammen, welches die herausragende Qualität aller Beteiligten eindrucksvoll unter Beweis stellt. „Mit dem Fernsehkonzert wollen wir uns aber vor allem auch bei unserem Publikum bedanken, ohne dessen Unterstützung unsere Akademiekonzerte wahrscheinlich vor dem Aus stünden,“ erklärte Fritjof von Gagern. Er hoffe, (…) neben Klassik-Liebhabern auch neue Publikumsschichten zu erreichen und für klassische Musik begeistern zu können.

Richard Wagner Denkmal in Graupa © IOCO / TThielemann

Richard Wagner Denkmal in Graupa © IOCO / TThielemann

Richard Wagners Siegfried Idyll, seine wohl persönlichste und intimste Komposition, ist aufs engste mit seinem Leben verflochten und gilt als musikalisches Bekenntnis jener glücklichen Zeit, die Wagner mit seiner Familie in seinem Haus in Tribschen am Vierwaldstätter See bei Luzern verbrachte. Wagner hatte das Werk heimlich komponiert, sowohl als Geburtstagsgeschenk für seine Frau Cosima als auch aus Dankbarkeit über die Geburt seines Sohnes Siegfried, der 1869 das Licht der Welt erblickte. Uraufgeführt wurde dieses einsätzige Instrumentalstück am 25. Dezember 1870 als „Ständchen“ in kammermusikalischer Besetzung mit 13 Musikern im Treppenhaus von Wagners Villa unter seiner Leitung.

Aus dem Tribschener Familien Idyll wurde das Siegfried Idyll, das im doppelten Sinn auf seinen Sohn Siegfried, genannt Fidi, verweist wie auf das Musikdrama Siegfried, den 3.Teil des Ring des Nibelungen, an welchem Wagner zeitgleich arbeitete.

„Tribschener Idyll mit Fidi- Vogelgesang und Orange -Sonnenaufgang, als Symphonischer Geburtstagsgruss. Seiner Cosima dargebracht von ihrem Richard“, lautet der vollständige Titel der Handschrift und ist eine sinfonische Dichtung mit Anleihen thematischen Materials aus der Partitur des Siegfried. In Wagners musikalische Liebeserklärung an Cosima fliessen hauptsächlich Motive aus dem 3. Akt des Siegfried ein, in dem die Feier der Liebe von Siegfried und Brünnhildezum alles überragenden Thema wird. Motive aus dem „Waldweben“, ein Wiegenliedchen für den kleinen Siegfried, Vogel-, und beziehungsreiche Hornrufe verwebt Wagner in kontrapunktischer Kunstfertigkeit zu einem verinnerlichten, impressionistisch angehauchten musikalischen Kleinod.

Später erweiterte Wagner die Streicherbesetzung des Siegfried-Idyll und führte diese Fassung für größeres Orchester 1871 in Mannheim auf, organisiert von Emil Heckel, dem Gründer des ersten Wagner.Verbandes weltweit.

Musikalische Akademie - GMD Alexander Soddy © Gerard Collett

Musikalische Akademie – GMD Alexander Soddy © Gerard Collett

GMD Alexander Soddy und seine 13 hervorragend disponierten Musiker lassen in Richard Wagners  Siegfried-Idyll die Klangwelt zwischen Kammermusik und Sinfonik ideal verschmelzen. Mit sattem, dunklem Klang der Streicher beginnt die Einleitung, darüber spinnt die erste Violine mit fast klagendem Tonfall eine lange melodische Linie, die übergeht in das Hauptthema, dem „Reinheits-Motiv“ aus dem Musikdrama Siegfried. Vorherrschend ist hier in weiten Teilen eine elegische, vielleicht etwas zu dunkel timbrierte Farbgebung, die Soddy aber zunehmend aufhellt und damit zu jener Freude und positiven Grundstimmung findet, die Wagner in diesem sinfonischen Naturgemälde zum Ausdruck brachte. Soddy setzt auf Klarheit und kammermusikalische Transparenz. Er gestaltet mit großer Sensibilität feine Linien, welche bis in kleinste Verästelungen der Soloinstrumente wunderbar ausmusiziert werden. Die Farbpalette der einzelnen Instrumente wird differenziert ausgeleuchtet, gekonnt spürt er den Spannungsverläufen der wagnerischen Endlosbögen nach, die sich nach emphatischen Aufschwüngen in erlösender Ruhe entladen. Beglückend präzise und fein artikuliert geraten die Bläsereinsätze, vor allem im zart getupften Wiegenliedchen-Thema in der Oboe, oder den Vogelrufen der Flöte. Piano Passagen in lyrischer Verinnerlichung verdichten sich in lang angelegten Steigerungen zum jubilierenden Höhepunkt wie beim „Liebesbund-Motiv“ eindrucksvoll gelungen. Soddy erweist sich auch in diesem filigranen Werk als vorzüglicher Wagner Dirigent.

Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchester Mannheim

WAGNER /  MOZART / STRAUSS
ARTHAUS MUSIK – DVD – Bestellnummer: 10330975

Mit zwei Konzertarien von Wolfgang Amadeus Mozart „Mia speranza adorata“ und „No,no, che non sei capace“, die Mozart für die „geläufige Gurgel“ von Aloysia Weber komponiert hatte, bietet die junge Sopranistin Nikola Hillebrand eine beeindruckende Kostprobe ihrer virtuosen Gesangskunst. Von 2016 bis 2020 war sie Mitglied im Ensemble des Nationaltheater Mannheim, wo sie u.a. in Partien wie Königin der Nacht, Gilda oder Sophie im Rosenkavalier zu hören war. 2020 wechselte sie an die Dresdner Semperoper.

Nikola Hillebrand © Guido Werner

Nikola Hillebrand © Guido Werner

Nikola Hillebrand ist als Konzertsängerin international unterwegs, 2019 gewann sie den internationalen Wettbewerb Das Lied. Für Nikola Hillebrand „… verbindet sich in Mozarts Konzertarien alles miteinander“, was auch in seinen Opern zu finden ist. „… Dramatik, Lyrik, Koloratur. Es ist ein bisschen wie ein Gemisch aus verschiedenen Partien meines Repertoires- quasi eine Begegnung von Konstanze und Königin der Nacht. Eine Herausforderung, der ich mich nur zu gern stelle!

Dieser Herausforderung wird die anmutige Sängerin mit der starken Bühnenpräsenz in den immens schwierigen Arien fast durchweg gerecht. Ihr absolut höhensicherer lyrischer Sopran verfügt über eine breite Ausdrucksskala und wird in allen Lagen klangschön geführt. Mit viel Sensibilität spürt sie Mozarts Gefühlstiefe nach und weiß jeden Stimmungswechsel glaubhaft zu färben. Ihre Koloraturen perlen brillant und mühelos, Verzierungen geraten intonationssicher und leicht. Ihre Spitzentöne gelingen unforciert, kommen mit großer Leuchtkraft und melodische Bögen werden klug phrasiert. Alexander Soddy und die Musiker des Nationaltheater-Orchester begleiteten die Sopranistin höchst einfühlsam mit perfektem „Mozart-Sound“.

 Richard Strauss - hier :  Büste in Walhalla © IOCO / HGallee

Richard Strauss – hier : Büste in Walhalla © IOCO / HGallee

Richard StraussMetamorphosen für 23 Solostreicher“ ist ein Werk der Verinnerlichung, der Trauer und des Abschieds. Die Katastrophe des 2. Weltkrieges und die damit verbundenen persönlichen Erfahrungen des alternden Tondichters, insbesondere die Verzweiflung über die Zerstörung der von Strauss innig geliebten Kulturstätten wie dem Goethehaus oder der Münchner Oper, fließen in erschütternder Weise in dieses Werk ein.
Strauss notierte: „Am 1.Mai endete die schrecklichste Zeit der Menschheit. 12 Jahre lang regierten Bestialität, Ignoranz und das Analphabetentum unter der Leitung der größten Verbrecher. Gleichzeitig wurden die Früchte der deutschen kulturellen Entwicklung, die sich in 2000 Jahren entwickelten, dem Aussterben ausgeliefert und unersetzliche Gebäude und Kunstwerke durch kriminellen Soldatenpöbel zerstört. (…)“.

Fertiggestellt wurden die „Metamorphosen“ in den letzten Monaten des 2. Weltkriegs, im April 1945 in seiner Villa in Garmisch Partenkirchen, 1946 wurden das Werk in Zürich uraufgeführt. Strauss schreibt: „Der Brand des Münchner Hoftheaters (…), wo mein guter Vater 49 Jahre im Orchester am 1.Horn saß (…), es war die größte Katastrophe, die je in mein Leben eingebrochen ist (…)“.

Es ist sein letztes Orchesterwerk, eine Trauerarbeit, rätselhaft und voller Bezüge, Assoziationen und Verweise. Strauss nimmt Abschied von der alten Welt, der untergegangenen abendländischen Kultur und wohl auch von seinem eigenen Schaffen. Der Titel „Metamorphosen“, Verwandlungen, also das Prinzip stetiger Veränderung, lässt vielfältige Deutungen zu. Das Thema der Verwandlung zieht sich leitmotivartig durch Strauss‘ Opernschaffen, seine damalige Beschäftigung mit Goethes Metamorphosenlehre hatte wohl auch entscheidenden Einfluss auf den Titel des Werkes.

Die 23 mit Hingabe musizierenden Streicher entwickeln unter Alexander Soddys suggestivem Dirigat hohes spieltechnisches Niveau, bestechen mit Synchronität und makelloser Intonation. Soddy bewegt sich gekonnt zwischen kammermusikalischer Intimität und opulentem sinfonischem Streicherklang und breitet über den expansiven Adagio-Satz düstere Schleier der Melancholie. In einem endlosen Lamentoso spüren die ausgezeichneten Streichersolisten durch verschlungene harmonische Pfade den Abgründen von Strauss‘ hochexpressiver Komposition nach.

Der Vielgestaltigkeit der Motive, ihrer Veränderungen und Entwicklungen entspricht eine differenzierte Ausdrucks- und Farbpalette, jede einzelne Stimme trägt zum ideal austarierten und abgerundeten Klangbild bei. Alle zusammen finden sich in kollektiver Verschmelzung der Wehmut vereint. Leise Anklänge der Hoffnung scheinen im bewegteren Mittelteil auf, der Klangstrom wird gebündelt, das motivische Geflecht verdichtet. Mit sinnlich betörenden Streicherwogen führt Soddy in einer groß angelegten vorwärtsdrängenden Steigerung das emphatisch aufspielender Orchester zu einem dramatischen Höhepunkt, um danach bruchlos und mit großer Ruhe wieder den langsamen Anfangsduktus des Adagio aufzunehmen.

Das eigentliche Thema, das immer wieder aufscheint, aber erst am Schluss in seiner Vollständigkeit vom Kontrabass zitiert wird, ist ein Hauptbezugspunkt des Werkes: Beethovens Trauermarschthema aus dem 2. Satz der 3. Sinfonie, der Eroica. Strauss schreibt an dieser Stelle in der Partitur: „IN MEMORIAM“. Mit Beethovens Heldenthema wird hier von Strauss symbolisch die klassisch- romantische Kompositionsweise zu Grabe getragen wie auch ihre Entwicklung bis 1945.

—| IOCO DVD-Rezension |—


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Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Don Pasquale – Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 14.02.2020

Februar 14, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Nationaltheater Mannheim, Oper

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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

 DON PASQUALE  –  Gaetano Donizetti 

– auf der ewigen Suche nach dem großen Glück-

von Uschi Reifenberg

Mit Gaetano Donizettis komischer Oper Don Pasquale in der Inszenierung von Cordula Däuper haben die Regisseurin und ihr Team ihrer erfolgreichen und beliebten Inszenierungsreihe am Mannheimer Nationaltheater ein weiteres „Highlight“ hinzugefügt. Nach Die Liebe zu drei Orangen, und Cenerentola, lässt Cordula Däuper keinen Zweifel, dass sie ein besonderes Gespür für Komödien jeglicher Stilrichtungen besitzt und für unterhaltsames und geistreiches Musiktheater steht. Ihre Personenführung ist handwerklich präzise ausgearbeitet und beweist auch hier mit viel psychologischem Feinsinn einen liebevollen und sensiblen Blick auf die Unterschiedlichkeit der vier Figuren und deren Innenleben und entkleidet sie jeglicher Schablonenhaftigkeit und trivialer Vordergründigkeit.

Die turbulente Handlung ist mit Witz und Leichtigkeit umgesetzt, die Einfälle sind erfrischend originell, bleiben nie an der Oberfläche, und auch die Slapstick und Comedy-Elemente verweisen in ihrer Ambivalenz immer auf den Kern des Werkes.

Don Pasquale – Gaetano Donizetti
youtube Trailer Nationaltheater Mannheim
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Cordula Däuper arbeitet die Aktualität des Komödienstoffes überzeugend heraus, indem sie das Stück in den 1960-er Jahren verortet mit ihrer Prüderie, der Doppelmoral, aber auch den aufklärerischen und antibürgerlichen Strömungen, die hier allerdings wenig thematisiert werden. Sie zeigt in der intimen Personenkonstellation die verdeckten Abhängigkeiten und unterdrückten Triebwünsche der Protagonisten, die der Komödienhandlung gegen Ende eine überraschende Wendung geben … Die Inszenierung erfreut mit skurrilen Bildern und farbenfrohen Requisiten und stellt mit ironischen Details regionale Verweise her, die das gut gelaunte Publikum mit vielen „Lachern“ goutierte.

Der zeitlose Plot des Don Pasquale ist bekannt und fast so alt wie die Gattung der Komödie selbst:  Ein alter und wohlhabender Mann möchte noch einmal eine junge Frau heiraten und wird von seiner Umwelt deshalb an der Nase herumgeführt und nach allerhand schmerzlichen Lektionen schließlich eines besseren belehrt.

Dieser im 16. und 17. Jahrhundert beliebte Lustspielstoff steht in der Tradition der Komödien Carlo Goldonis, Molières und Ben Jonsons, insbesondere aber der Typenkomödie der Commedia dell‘arte mit ihren standardisierten Figuren und Charakteren. Donizetti entwickelte die vier unterschiedlichen Commedia-Typen weiter und verlieh ihnen nicht nur psychologische Vielschichtigkeit und Individualität, sondern bereicherte das Werk im Stile des Belcanto durch Elemente der opera seria, sowie auch durch die Gefühlstiefe und Sensibilität der Romantik. Damit erhielt die Komödienintrige um den komischen Alten eine neue Qualität von Realitätsnähe und Lebendigkeit, da die opera buffa Anfang des 19.Jahrhunderts bereits als überlebt galt. Das Werk wurde in elf Tagen komponiert, Musik und Libretto, das auch von Donizetti selbst stammt, gehen hier eine enge Verbindung ein und wurde 1843 in Paris mit großem Erfolg uraufgeführt.

 Nationaltheater Mannheim / Don Pasquale - hier : vl Bartosz Urbanowicz als Don Pasquale, Nikola Diskic als Doktor Malatesta, Amelia Scicolone als Norina © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Don Pasquale – hier : vl Bartosz Urbanowicz als Don Pasquale, Nikola Diskic als Doktor Malatesta, Amelia Scicolone als Norina © Hans Jörg Michel

Cordula Däuper stellt dem „dramma giocoso“ einen Prolog voran: Während der Ouvertüre sieht man drei Männer im spärlich möblierten Wohnraum im Haus Don Pasquales vor einem Fernseher in trauter Dreisamkeit versammelt. Wir befinden uns in den 1960-er Jahren in einer schmucklosen Reihenhaussiedlung mit Bürgersteig und Straßenlaterne, deren Einheitsgrau immer wieder durch entsprechende Beleuchtungswechsel  (Lichtregie: Damian Chmielarz)  eine andere Fokussierung erhält.  Man wird Zeuge kleinbürgerlicher Alltagsszenen, in denen vordergründig heile Welt herrscht, alles seine Ordnung hat und der nachbarliche Klatsch blüht. Das beeindruckende Bühnenbild von Silvia Rieger zeigt drei Häuserfronten, die variabel verschiebbar sind und unterschiedliche Perspektiven erlauben. Don Pasquales Haus ist nach vorne geöffnet und gibt Einblick in dessen Innenraum. Cordula Däuper verweist mit ihrer detailreichen und ironischen Milieuzeichnung auf den Filmemacher Jaques Tati als Inspirationsquelle, der durch präzise Schilderung alltäglicher Banalitäten die Skurrilität der jeweiligen Situationen freilegt. Es werden  immer wieder Rollläden hochgezogen, Blumen gegossen oder Hunde spazieren geführt.

Eigentlich könnte alles so bleiben wie es ist. Die drei Männer- Generationen haben sich in einer Art WG gemütlich eingerichtet und anscheinend ihr kleines Glück gefunden. Don Pasquale, ein ältlicher Endsechziger, mit libidinöser Bindung an sein Röhrenfernsehgerät, von Sophie du Vinage (Kostüme) wunderbar altbacken mit Silbermähne und Strickpullunder ausstaffiert, glaubt, nicht mehr viel vom Leben erwarten zu können. Ernesto, sein Neffe, mit Lockenmähne, Sweatshirt und trendiger Brille, ist ein sympathischer Jüngling, und der Dritte im Bunde, Pasquales Arzt und Vertrauter, Dottore Malatesta, mit strenger Frisur, beigem Anzug und verkrampfter Körpersprache. Wäre da nicht die junge und attraktive Norina, Kaugummi kauend, in knallgelbem Petticoat, auf ihrem Motorroller in die triste Spießeridylle eingebrochen und hätte dem unerfahrenen Ernesto gehörig den Kopf verdreht.

Norina hat sich für ihre Auftrittsarie in einer rosenumrankten Hollywoodschaukel niedergelassen, hinter ihr hängt in Brecht‘scher Manier ein idyllischer Himmelsausschnitt, sie flirtet mit jedem männlichen Spaziergänger und mischt das Wohnviertel gehörig auf.

Nationaltheater Mannheim / Don Pasquale - hier : vl Statistin, Juraj Hollý als Ernesto © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Don Pasquale – hier : vl Statistin, Juraj Hollý als Ernesto © Hans Jörg Michel

Da Ernesto die mittellose Norina liebt und Pasquale um sein eigenes Vermögen bangt, entschließt er sich, Ernesto zu enterben und selbst zu heiraten. Eine Braut ist schon gefunden. Malatesta kündigt ihm seine Schwester Sofronia als personifizierte Tugend und Bescheidenheit an, was bei dem Alten omnipotente Männerfantasien auslöst. Plötzlich entsteigen der Unterbühne viele kleine „Pasquale-Doppelgänger“, die herumtollen und den Senior in einen Glückstaumel versetzen.

In der Arie: “Ach, ich fühl‘ des Feuers Glut“ wird aus dem lethargischen Langweiler ein verliebter Heiratswilliger in den besten Jahren, der zeigt, dass in ihm doch noch ungeahnte Kräfte schlummern. Pasquale weiß nicht, dass er Opfer einer Intrige ist, die Malatesta und Norina ausgeheckt haben, um ihm die Heiratspläne auszutreiben und Ernesto mit Norina ehelich zusammenzubringen.Seinen Abschied erklärt Ernesto mit dem tieftraurigen Bekenntnis, dem ein melodienseliges Trompetensolo vorgelagert ist „In der Fremde will ich weilen“ und während er im Schneegestöber vor Selbstmitleid vergeht, lässt die Regisseurin im Mini Format den Mannheimer Wasserturm, den Berliner Fernsehturm und den schiefen Turm von Pisa vorbeifahren, die Karikatur eines Hochzeitspaares mit ellenlanger Brautschleppe rührt den armen Ernesto zu Tränen, und sorgt beim Publikum für jede Menge Heiterkeit.

Sofronia ist die als Klosterschülerin verkleidete Norina, die als keusche Unschuld auftritt und Pasquale nach der Hochzeit das Leben zur Hölle machen soll. Pasquale versteckt sich zitternd vor Angst mit einem Blumenstrauß hinter seinem Vorhang, Norina erscheint im Kostüm, mit roten Stöckelschuhen und einem Schleier, der allerdings mehr an eine schicke Variante des „Hidschab“ erinnert und von Malatesta mit den Worten verteidigt wird: „Sie würde niemals wagen, den Schleier aufzuschlagen vor einem Mann…“ Als Sofronia dann doch den Schleier lüftet, fällt Pasquale vor Entzücken in Ohnmacht.

Für den Ehevertrag räumt Pasquale sogar den Fernseher kurz beiseite, das Mauerblümchen verwandelt sich in eine Furie, die Regie taucht die Szene in kaltes Licht, und Norina zertrümmert mit einer Hacke Pasquales Einrichtung und trifft eine Wasserleitung, die als Springbrunnen aus dem Boden sprudelt.

Im dritten Akt überschlagen sich die Gags, ein Höhepunkt jagt den anderen und die Regisseurin greift tief in die Klischeekiste. Der aufgelöste Pasquale sitzt inmitten seines demolierten Wohnzimmers neben der spritzenden Wasserleitung und trocknet seinen Fernseher mit einem Fön, die Hochzeitsnacht fällt aus. Norina trägt jetzt den Vorhang von Pasquales Fenster als Gewand und ohrfeigt ihren Angetrauten, was bei diesem zur Erkenntnis führt, die Megäre sofort wieder loszuwerden. Norina empfindet in diesem Moment Mitgefühl für ihren Angetrauten, die Musik wendet sich nach Moll und beide singen ein wunderschönes Duett, in herzlicher Abneigung vereint, auch wenn das Orchester etwas anderes zum Ausdruck bringt.

Nationaltheater Mannheim / Don Pasquale - hier : vl Statist, Amelia Scicolone als Norina, Bartosz Urbanowicz als Don Pasquale © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Don Pasquale – hier : vl Statist, Amelia Scicolone als Norina, Bartosz Urbanowicz als Don Pasquale © Hans Jörg Michel

In der Nachbarschaft blüht die Gerüchteküche, Damen in steifen Kostümen mit  Betonfrisuren und moralinsauren Mienen, Männer in grauen Anzügen, uniformierte Witzfiguren, die das ausschweifende Treiben im hochanständigem Wohnviertel argwöhnisch verfolgen. Das inszenierte Stelldichein von Ernesto und Norina im Garten führt nun jeden der Protagonisten seiner eigentlichen Bestimmung zu.

Zum konspirativen Treffen mit Malatesta erscheint Pasquale, von Aufputschmitteln zugedröhnt. Aus Frust wirft der bemitleidenswerte Mann eine Pille nach der anderen ein, die er auch dem verklemmten Dottore anbietet und Malatesta, durch den Pillenkonsum enthemmt, macht sich in erotischer Weise an Pasquale heran und beide erleben, turtelnd auf einer Bank, ihr „coming out“. Bäume schweben vorbei, die Szene ist in rosarotes Licht getaucht, ein (Playboy?) Hase hoppelt über die Bühne und auch der Dirigent im Orchestergraben trägt plötzlich Hasenohren. Die beiden Freunde, glücklich vereint, singen ihr  Parlando Duett und verschwinden schließlich Arm in Arm von der Bildfläche.

Im Schutz der Bäume, hinter denen jeweils ein Chorsänger versteckt ist, schwelgt Ernesto im Liebesrausch und singt sein Notturno-Ständchen mit Gitarrenbegleitung, in das Norina einstimmt, während Sterne vom Himmel leuchten und der Chor sich in der Baumgruppe dazu wiegt. Als die Maskerade aufgedeckt ist und Pasquale dem Paar seinen Segen und eine Jahresrente gibt, wird im schönster Donizetti Belcanto-Manier im Walzerduktus mit Trillern und Verzierungen die Moral vorgetragen: “Weiße Haare sollen nicht freien, um der Jugend Lockenkranz, sonst gibt’s böse Balgereien und mit allen Teufeln Tanz“. Fünf Jahre später sieht man Norina und Ernesto im häuslichen Familienglück, entsprechend gealtert, in ihrem Kleingarten, mit einer zahlreichen Kinderschar in bürgerlicher Selbstzufriedenheit.

Bartosz Urbanowicz als Don Pasquale verfügt stimmlich wie darstellerisch über viele Facetten und ist ein Buffo- Komödiant im besten Sinne. Er bringt den von Irrungen und Wirrungen gebeutelten Gemütsmenschen glaubhaft zum Ausdruck und überzeugt mit seiner Wandlung vom zunächst tapsigen und genügsamen Senior zum energiegeladenen Mann in den besten Jahren. Seinen schönen und beweglichen Bass setzt er in allen Lagen mit Leichtigkeit ein, und glänzt mit viel Volumen in den Tiefen und mit Präzision in den schnellen Läufen.

Den Drahtzieher Malatesta gibt Nicola Discic ganz im Sinne des Regiekonzeptes mit eher defensiver und unfreier Haltung, der nur auf den richtigen Augenblick wartet, seine Pläne umzusetzen und seine wahren Neigungen zu offenbaren. Er verfügt über einen kernigen und tragfähigen Bariton, den er an den richtigen Stellen zum Strahlen bringt. Seine Diktion ist vorbildlich, ebenso seine klangliche Balance in den Duetten und Ensembles.

Amelia Scicolone ist eine extrovertierte, und bildhübsche Norina, die mit Delikatesse und Esprit viel Schwung in die Männerwirtschaft bringt und mit ihrer selbstbewussten Zielstrebigkeit und ihren Verführungskünsten klar die Richtung vorgibt. Ihre furiose Verwandlung von der Unschuld in eine Furie bringt ungeahnte Potenziale zum Vorschein.Ihr silberner, flexibler Sopran erreicht mühelos dreigestrichene Regionen und lässt Donizettis Koloraturen, Triller und Verzierungen in den schönsten Farben leuchten.

Als schüchterner Ernesto scheint Juray Holly das Gegenstück zur temperamentvollen Norina zu sein, der sich zunächst mit Sanftmut und Resignation in sein Schicksal ergibt. Aber Gegensätze ziehen sich an, und nach all den Turbulenzen ist er am Ende als junger Liebhaber ein Stück erwachsen geworden. Juray Holly besitzt einen klangvollen und leicht ansprechenden lyrischen Tenor mit weichem Timbre, der vor allem mit poetischer piano- Innerlichkeit und verhaltenem Ausdruck besticht. Stephan Somburg als Notar komplettierte mit klangvollem Bass  und Spielfreude das bestens abgestimmte Ensemble.

Janis Liepins, erster Kapellmeister am NTM, führt das Orchester stilsicher und mit Spielfreude durch Donizettis Partitur, behält stets die Kontrolle über Bühne und Graben, auch an den virtuosen Parlando Stellen, die er mit Lockerheit und Präzision serviert. Der Klang ist farbig aufgefächert, könnte aber etwas mehr Transparenz vertragen. Mit stringenten Tempi gelingen ihm klare Linien und beeindruckende Steigerungen. Hervorzuheben sind die Instrumentalsoli von Cello und Trompete, die mit ihren ausdrucksstarken Kantilenen überzeugen. Der Chor ( Leitung: Dani Juris) bewältigt seine aktionsreichen Auftritte blendend und mit vokaler Brillanz.

Ein vergnüglicher Opernabend mit Tiefgang, der lange nachklingt. Viel Beifall vom begeisterten Publikum im fast ausverkauften Opernhaus.

Don Pasquale besprochene Vorstellung 5.02.2020, Premiere: 31.01.2020, weitere Vorstellungen  15.2.; 23.2.; 1.3.; 7.3.; 21.3.2020

—| IOCO Kritik Nationaltheater Mannheim |—

 


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