Ludwigsburg, Ludwigsburger Schlossfestspiele, Motto 2019: ALLES AUF ANFANG, 09.05. – 20.07.2019

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Ludwigsburger Schlossfestspiele

Ludwigsburger Festspiele / Klassik Open Air & Feuerwerk © REINER PFISTERER

Ludwigsburger Festspiele / Klassik Open Air & Feuerwerk © REINER PFISTERER

  DIE LUDWIGSBURGER SCHLOSSFESTSPIELE 2019

»ALLES AUF ANFANG«

Mit einem letzten »Fest der Interpreten« beendet Thomas Wördehoff 2019 nach zehn Jahren seine Intendanz bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Thomas Woerdehoff © Reiner Pfisterer

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Thomas Woerdehoff © Reiner Pfisterer

Vom 9. Mai bis 20. Juli bietet das Festspielprogramm unter dem Motto Alles auf Anfang zahlreiche Gelegenheiten, Musik so zu erleben, als würde man sie zum ersten Mal hören. Solisten und Ensembles von Weltrang tragen dazu ebenso bei, wie neu zu entdeckende Interpreten und musikalische Wegbegleiter der Festspiele aus den letzten zehn Jahren: Camille Bertault, The Erlkings, Isabelle Faust, die Musicbanda Franui, Katia und Marielle Labèque, Harald Lesch, Valer  Sabadus, Frank Peter Zimmermann und natürlich das Orchester der Schlossfestspiele unter Pietari Inkinen sind nur einige der Interpreten, die bei knapp 60 Konzerten neue Blickwinkel auf die Musik eröffnen.

Ludwigsburger Festspiele / Igor Levit ©ROBBIE LAWRENCE

Ludwigsburger Festspiele / Igor Levit ©ROBBIE LAWRENCE

Pietari Inkinen feiert 2019 ein kleines Jubiläum bei den Schlossfestspielen: Es ist die fünfte Saison des Finnen als Chefdirigent des Festspielorchesters. Die traditionelle Rede zum Eröffnungskonzert (9. Mai) wird der Pianist Igor Levit halten. Als bekennender Europäer bezieht er immer wieder Position zu gesellschaftlichen Themen. Musik, sagt er, könne man nicht im politikfreien Raum machen – ein unmissverständlicher Ausgangspunkt seiner Eröffnungsrede für die Saison 2019. Musikalisch beginnt die Spielzeit mit Dmitri Schostakowitschs 13. Sinfonie Babi Jar für Orchester, Basssolo und Männerchor – einem  klanggewaltigen Fanal gegen das Vergessen.

Ludwigsburger Festspiele / Rene Pape © Jiyang Chen

Ludwigsburger Festspiele / Rene Pape © Jiyang Chen

Als Solist wird René Pape im Forum am Schlosspark zu erleben sein, der die Solopartie dieses beeindruckenden Werkes eigens für das Eröffnungskonzert einstudiert. Mit dem finnischen Männerchor Ylioppilaskunnan Laulajat steht Pape und dem Orchester der Schlossfestspiele einer der besten Männerchöre überhaupt zur Seite. Ein »Orchester mit Flügeln« (28. Juni) präsentieren die Schlossfestspiele mit den Schwestern Katia und Marielle Labèque, die in Ludwigsburg Bryce Dessners eigens für sie komponiertes Konzert für zwei Klaviere aufführen. Das Stück wird umrahmt von Béla Bartóks virtuosem Konzert für Orchester und John AdamsThe Chairman Dances. Das diesjährige Klassik Open Air & Feuerwerk (13. Juli) feiert unter dem Titel »Viva Europa!« die Europäische Idee mit Werken, die von Städten, Landschaften und Flüssen Europas inspiriert sind. Mit dem Abschlusskonzert (20. Juli) endet die Festspielsaison 2019 in Ludwigsburg. Thomas Wördehoff nimmt dies zum Anlass, gemäß des Saison-Mottos Alles auf Anfang, das klassische Konzertformat noch ein letztes Mal neu aufzurollen: Igor Levit und Thomas Gansch kommen zu diesem Finale erstmalig zusammen, um mit dem Orchester der Schlossfestspiele Dmitri Schostakowitschs Konzert für Klavier und Trompete zu spielen.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Nora Fischer © Sarah Wijzenbeek

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Nora Fischer © Sarah Wijzenbeek

Die Sängerin Nora Fischer und der Gitarrist Marnix Dorrestein holen Kompositionen des 17. Jahrhunderts ins Hier und Jetzt und auch Fans der Band Mnozil Brass dürfen sich auf diesen ungewöhnlichen Konzertabend freuen, der noch einige Überraschungen bereithält.

Bei der diesjährigen Song Conversation treffen die französische Scat-Virtuosin Camille Bertault, der Pianist David Helbock und der Trompeter Médéric Collignon erstmalig aufeinander. Man darf gespannt sein, welche musikalischen Wege die drei experi-mentierfreudigen Musiker einschlagen, um sich bekannte Songs zu eigen zu machen.

Gleich zwei Veranstaltungen in dieser Saison rücken die Barockmusik in aktuelle Kontexte und eröffnen einen neuen Blick auf die alten Kompositionen. Beim Konzert Der Überseewanderer (30. Juni) stellen Reinhold Friedrich und das Blechbläserensemble der Ludwigsburger Schlossfestspiele Werke des Hochbarocks den westafrikanischen Klängen von Ngoni-Spieler Bassekou Kouyaté und der Sängerin Amy Sacko gegenüber. Einen neuen Blick auf die Musik eröffnen die Texte von Franz Daniel Pastorius, dem ersten deutschen Siedler in Amerika, der sich bereits 1688 öffentlich für die Gleichbehandlung der indigenen Bevölkerung und der afrikanischen Sklaven einsetzte und dessen Worte aus heutiger Sicht eine überraschende Aktualität aufweisen.

Für »Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten im Klimawande (6. & 7. Juli) haben sich das Merlin Ensemble Wien und Harald Lesch zusammengetan. Lesch, der immer wieder öffentlich Position zum fortschreitenden Klimawandel bezieht, ist der perfekte Erzähler für das Konzert, bei dem Vivaldis Die vier Jahreszeiten im Zusammenspiel mit historischen und aktuellen Wetterberichten in einen neuen Kontext gestellt werden.

Mit seinen melodischen Improvisationen lässt Fred Hersch (12. Mai) bei seinem Schlossfestspieldebüt gekonnt die Grenzen zwischen Klassik und Jazz verschwimmen. Otto Lechner & Sväng (30. Mai) gestalten mit Akkordeon und vier Mundharmonikas einen Abend zwischen Improvisation, Volksmusik und Tangomelodien. Gleich zwei Konzerte finden in dieser Saison erstmalig in Kooperation mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach statt: Das Berliner Kabarett-Duo Pigor & Eichhorn (15. Mai) präsentiert sein mehrfach ausgezeichnetes Programm »Volumen 9«, während The Erlkings und der Stihl Chor (6. Juni) mit englischen Interpretationen eine neue Seite des romantischen Liedguts beleuchten. Mit Schuberts Die schöne Müllerin (5. Juli) kommen die Erlkings einen Monat später in die Historische Kelter Bietigheim. In Höllenvisionen (29. Mai) berichtet der meisterhafte Stehgreiferzähler Michael Köhlmeier gemeinsam mit den Posaunisten Leonhard Paul und Bertl Mütter von den Mythen der Unterwelt. Norbert Lammert widmet sich dem gesprochenen Wort als Präzisionsinstrument: Die Lesung Am Anfang war das Wort (7. Juli) dreht sich um die wirkungskräftigen Anfänge großer Texte.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Christiane Karg © Gisela-Schenker

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Christiane Karg © Gisela-Schenker

Der gefeierte Countertenor Valer Sabadus und die Akademie für Alte Musik Berlin (2. Juni) versehen barocke Arien der antiken Helden mit leidenschaftlichen Empfindungen. Christiane Karg, Antoine Tamestit und Malcolm Martineau (29. Juni) gestalten einen Liederabend rund um Lyrikvertonungen von der Romantik bis in die Moderne. Bariton Holger Falk und Pianist Steffen Schleiermacher präsentieren das Programm »Hanns Eisler: Ein deutsches Leben in Liedern« (10. Juli), für dessen Einspielung sie mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurden. Arianna Savall und das Ensemble Hirundo Maris bringen Gesänge vom Süden und Norden (11. Juli) mit nach Ludwigsburg.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Valer Sabadus © Christine-Schneider

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Valer Sabadus © Christine-Schneider

Carl Maria von Webers Der Freischütz (12. & 14. Juli) wird in einer neuen Inszenierung zu erleben sein – aus der Perspektive eines jungen französischen Teams. Markenzeichen der Regisseure Clément Debailleul und Raphaël Navarro, die als gelernte Zauberkünstler bereits für den Cirque du Soleil tätig waren, ist die Magie Nouvelle. Mit visueller Magie und Hologrammtechnik legen die beiden das Augenmerk der Produktion auf die düstere Seite der Oper: Auf die ungreifbaren Ängste, welche die Figuren antreiben und die übernatürlichen Kräfte, welche die Regeln und Rituale der Jagdgemeinschaft bestimmen.

Rebecca Carrington und Colin Brown haben mit Turnadot (23., 24. & 25. Mai) im Auftrag der Schlossfestspiele die kleinste Operette der Welt kreiert. Deren Protagonisten bringen zwischen britischen Befindlichkeiten und Brexit-Chaos eine Aufführung von Puccinis Turandot gehörig durcheinander. Die Maskenspieler der Berliner Familie Flöz und die Tiroler Musicbanda Franui haben erstmalig zusammengearbeitet. Die gemeinsam entwickelte Liederoper »Himmelerde« (4. & 5. Juni) greift die romantische Gefühlswelt der Lieder von Schubert, Schumann und Mahler auf, die in den volksmusikalischen Arrangements von Franui nahbar und natürlich werden. Für die Vorstellungen von »Turnadot« und »Himmelerde« sind nur noch Restkarten verfügbar.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Ballett am Rhein - Symphonie g-Moll (Mozart) ch: Martin Schläpfer d.und K. Florian Etti © GERT WEIGELT

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Ballett am Rhein – Symphonie g-Moll (Mozart) ch: Martin Schläpfer d.und K. Florian Etti © GERT WEIGELT

Das Ballett am Rhein (15. Juni) bereichert das Festspielprogramm mit zeitgenössischen Choreografien von Mark Morris und Martin Schläpfer. Steven Prengels und Arno Synaeve bringen mit »Berg« (4. & 5. Juli) ein musikalisch wie visuell eindrückliches Musiktheaterstück mit ins Schlosstheater, basierend auf Thomas Manns Zauberberg«und der anspruchsvollen Klangwelt Richard Wagners.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Nemanja Radulovic © Lukas Rotter / Deutsche Grammophon

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Nemanja Radulovic © Lukas Rotter / Deutsche Grammophon

[ Von Nemanja Radulovic wurden verschiedene Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht ]

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Laure Favre-Kahn © Emmanuel Donny

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Laure Favre-Kahn © Emmanuel Donny

Der Serbische Geiger Nemanja Radulovic und die französische Pianistin Laure Favre-Kahn (18. Mai) schlagen im Porsche Museum einen Bogen von der Musik der Romantik bis zum französischen Impressionismus. Die beiden befreundeten Musiker Gautier Capuçon & Jean-Yves Thibaudet (7. Juni) widmen sich gemeinsam Cellosonaten von Debussy, Brahms und Rachmaninow. Mit Klaviertrios Ludwig van Beethovens kommen Faust, Queyras & Melnikov (13. Juni) in den Ordenssaal. Neben diesem Kammermusikabend ist die Geigerin Isabelle Faust in dieser Saison auch mit dem Kammerorchester Basel (26. Mai) im Forum am Schlosspark zu erleben. Frank Peter Zimmermann und Martin Helmchen (17. Juli) setzen bei ihrem Festspiel-Debüt mit Sonaten für Violine und Klavier neue Maßstäbe in der Beethoven-Interpretation. Der Pianist Igor Levit (18. Juli) kann bei seinem Recital mit Werken von Gustav Mahler und Franz Liszt als Solokünstler erlebt werden.

—| Pressemeldung Ludwigsburger Schlossfestspiele |—

Bochum, Ruhrtriennale, Ruhrtriennale startet in die neue Spielzeit, 09.08.2018

August 2, 2018 by  
Filed under Pressemeldung, Ruhrtriennale, Spielpläne

Ruhrtriennale

Auftakt: Ruhrtriennale startet in die neue Spielzeit

Erste Saison unter der künstlerischen Leitung von Stefanie Carp beginnt am 9. August.

Mit der neuen Kreation „The Head and the Load“ des südafrikanischen Künstlers und Regisseurs William Kentridge startet die Ruhrtriennale in die erste Saison unter der Intendanz von Stefanie Carp. Bei einer Pressekonferenz im Bochumer Dampfgebläsehaus stellte die Künstlerische Leiterin der Jahre 2018 – 2020 ausgewählte Produktionen und Projekte vor, die ab dem 9. August den Auftakt des Festivals prägen werden.

Stefanie Carp: „Die Festivalerzählung der Ruhrtriennale will eine Zwischenzeit behaupten, in der wir noch Zeit haben, das neue Projekt des menschlichen Zusammenlebens zu imaginieren und daran zu bauen. Die flüchtenden Menschen sind die Chiffre unserer Gegenwart, die uns zeigt, dass die Zeiten eines selbstgenügsamen Europas zu Ende sind, dass wir abgeben und teilen sollten, wenn wir in zivilisatorischen Standards überleben wollen. Europa hat in diesem Jahr die Grenzen zu gemacht und sich in sich selber eingeschlossen. Umso wichtiger ist ein Programm, das uns mit unterschiedlichen Perspektiven und Narrativen konfrontiert.“

Eröffnet wird die Ruhrtriennale 2018 am 9. August mit einer Rede der indischen Umwelt-Aktivistin Vandana Shiva in der Gebläsehalle im Landschaftspark Duisburg Nord. Im Anschluss feiert William Kentridges „The Head and the Load“ Deutschlandpremiere in der Duisburger Kraftzentrale. Das vor wenigen Wochen in der Londoner Tate Modern uraufgeführte Stück ist eine bildgewaltige und alle Genregrenzen sprengende Produktion, die sich mit der Rolle Afrikas im ersten Weltkrieg auseinandersetzt. In einer Videobotschaft für die Ruhrtriennale drückte William Kentridge seine Freude darüber aus, dass „The Head and the Load“ ein Teil des Festivals sein wird.

Zwei Tage nach Festivalbeginn feiert am 11. August das Schauspiel „The Factory“ Weltpremiere bei PACT Zollverein in Essen. In dem Theaterstück rekonstruieren die syrischen Künstler Omar Abusaada (Regie) und Mohammad Al Attar (Autor) die skrupellosen Geschäftsmodelle des Krieges anhand der wahren Geschichte der französischen Zementfabrik Lafarge im Nordosten Syriens. Omar Abusaada gab bei der Pressekonferenz einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Stückes und kündigte eine Produktion an, die versucht, eines der bösartigsten Gesichter des Krieges zu dekonstruieren – das Bündnis von Geld und Macht.

Einen ersten musikalischen Eindruck von der Musiktheaterproduktion „Universe, Incomplete“ (Uraufführung am 17. August) präsentierte die Sängerin Tora Augestad, begleitet von Bendix Dethleffsen am Klavier. In seiner neuesten Kreation entwickelt Regisseur Christoph Marthaler als Artiste associé der Ruhrtriennale eine ganz neue Perspektive auf Charles Ives unvollendet gebliebene „Universe Symphony“. Im Gespräch mit Stefanie Carp berichteten Bühnenbildnerin Anna Viebrock und der Musikalische Leiter Titus Engel von den Proben in der Jahrhunderthalle Bochum, die für diese außergewöhnliche Produktion erstmals komplett bespielt wird. Friederike Tappe-Hornbostel, Kommunikationsleiterin der Kulturstiftung des Bundes, die das Projekt ermöglicht, informierte über das Engagement der Stiftung bei der Ruhrtriennale: „Anscheinend Unmögliches möglich machen, das hat sich auch die neue Intendantin Stefanie Carp mit ‚Universe, Incomplete‘ vorgenommen. Eine schöne 2/6 Tradition zur Eröffnung der Ruhrtriennale, die zur Philosophie der Kulturstiftung des Bundes bestens passt.“

Zu den weiteren Highlights des Festivalauftakts gehört die Eröffnung der mehrteiligen Installation „Vom Nutzen der Angst – The Politics of Selection“ der Berliner Künstlerin Peggy Buth am 10. August in der ehemaligen Kirche St. Barbara in Duisburg. Bei der Ausstellung, die sich mit dem Arbeitskampf in Duisburg-Rheinhausen auseinandersetzt, handelt es sich um den diesjährigen Beitrag von Urbane Künste Ruhr zur Ruhrtriennale. Wenige Tage später, am 16. August, wird auch das Festivalzentrum der Ruhrtriennale eröffnet. Der „Third Space“, den die Künstler- und Architektengruppe raumlaborberlin auf dem Vorplatz der Jahrhunderthalle entstehen lässt, besteht aus einem gestrandeten Flugzeug, das – unter tatkräftiger Beteiligung der Besucher*innen – in den nächsten drei Jahren weiter ausgebaut und kontinuierlich transformiert wird.

Unter dem Titel „Freedom of Speech/Freiheit der Künste“ veranstaltet die Ruhrtriennale zudem am 18. August in der Turbinenhalle Bochum eine Podiumsdiskussion, in der sich die Teilnehmer*innen mit dem Spannungsverhältnis von Meinungsfreiheit und Freiheit von Kunst mit persönlicher und gesellschaftlicher Verantwortung im Kontext der deutschen Geschichte auseinandersetzen. Dabei geht es auch um Sinn und Legitimation von Boykott-Strategien im Bereich der Kultur. Zu den Gesprächsgästen gehören neben Stefanie Carp auch Isabel Pfeiffer-Poensgen (Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen), Alain Platel (belgischer Choreograph und Theaterregisseur), Elliott Sharp (Komponist, Multi-Instrumentalist und Performer aus New York) und Michael Vesper (Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Ruhrtriennale). Moderiert wird die Veranstaltung von Bundestagspräsident a.D. Norbert Lammert.

Kurz vor dem Start der Ruhrtriennale läuft auch der Kartenvorverkauf auf Hochtouren: „Wir freuen uns sehr über das große Zuschauerinteresse“, so Dr. Vera Battis-Reese, Geschäftsführerin der Kultur Ruhr GmbH. „Zu den besonders nachgefragten Produktionen gehören ‚Universe, Incomplete‘, ‚The Head and the Load‘ und ‚Das Floß der Medusa‘. Auch wenn einige Vorstellungen bereits ausverkauft sind – es gibt für die meisten Produktionen noch Karten.“

In ihrem ersten Jahr unter der künstlerischen Leitung von Stefanie Carp zeigt die Ruhrtriennale 33 Produktionen und Projekte in den ehemaligen Industriehallen des Ruhrgebiets – davon 20 Eigen- und Koproduktionen sowie 16 Uraufführungen, Neuinszenierungen, Deutschlandpremieren und Installationen. Zum Festival sind zwischen dem 9. August und


Programmübersicht Festivalauftakt (chronologisch)


Donnerstag, 09. August 2018
Festspielrede zur Eröffnung
Earth Democracy Now
Rednerin: Vandana Shiva
09. Aug: 18.00 Uhr
Gebläsehalle, Landschaftspark Duisburg-Nord
In englischer Sprache
10 €
ruhr3.com/festivalrede

Vandana Shiva, Atomphysikerin und Aktivistin, zählt zu den wichtigsten Gegner*innen der Kommodifizierung und Kommerzialisierung von Nahrungsmitteln. Als der Wald, in dem sie ihre Kindheit verbrachte, einer Apfelplantage weichen musste, wurde sie zu einer der größten Kritiker*innen der Grünen Revolution. Statt zu einer höheren Produktivität führen Monokulturen und der verstärkte Einsatz von Pestiziden zu Umweltverschmutzung, zum Verlust lokaler Diversität und zur Auslöschung jahrtausendealten Wissens, kurz: zur Abhängigkeit der Ärmsten der Armen von teuren Düngemitteln und Chemikalien, die sie von multinationalen Anbietern beziehen müssen. Vandana Shiva gründete 1991 die Organisation Navdanya. „Navdanya“ bedeutet „Neun Saaten“ oder „Neun Samen“ und steht für den Schutz von biologischer und kultureller Vielfalt und ist ein Netzwerk aus Gemeinden und Organisationen in Indien. Eine Versuchsfarm liegt in Dehradun am Fuße des Himalaya. In deren höheren Erträgen, der automatischen Umverteilung von Ressourcen, der Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, Dürre oder Überschwemmungen sieht die Inderin Vandana Shiva ein noch größeres Potential als nur die Lösung für die globale Armut: Die Lösung für den Klimawandel – das drängendste all unserer Probleme. Statt uns weiterhin um fossile Ressourcen und ihre Verschwendung Gedanken zu machen, schlägt sie einen Perspektivwechsel vor, wie die globale Gesellschaft des 21. Jahrhunderts aussehen könnte. In einer Zeit mit Millionen hungernder Menschen, die dadurch zu Migration gezwungen werden, schlägt sie vor, das Problem dort anzupacken, wo es entsteht. Die größte Gegnerin des Saatgut- und Herbizid-Herstellers Monsanto liefert den Beweis dafür, dass es noch immer Davids gibt, die es mit Goliaths aufnehmen und sich nicht vom Klima der Angst und der allgemeinen Lähmung daran hindern lassen.

 

Musiktheater / Tanz / Bildende Kunst / Deutschlandpremiere
The Head and the Load
Konzept, Regie: William Kentridge
Komposition: Philip Miller
Co-Komposition, Musikalische Leitung: Thuthuka Sibisi
Choreographie: Gregory Maqoma
Chamber Orchestra: The Knights
09. Aug: 20.00 Uhr
Weitere Termine: 10. | 11. | 12. Aug.
Kraftzentrale, Landschaftspark Duisburg-Nord
Englisch, Französisch, Italienisch, Shangaan, Shona, Zulu, Pedi, Xhosa, Wolof, Madinga und Swahili
mit deutschen und englischen Übersetzungen
20 | 35 | 50 | 65, erm. ab 10 €
ruhr3.com/head

„The head and the load are a trouble for the neck“ / „Des Nackens Leid sind Kopf und Last“, sagt ein altes Sprichwort aus Ghana, von dem William Kentridge den Titel für seine neue Kreation borgt, die sich visuell, musikalisch und choreographisch mit der Rolle Afrikas im Ersten Weltkrieg beschäftigt. Über 2 Millionen Menschen aus dem afrikanischen Kontinent wurden, meist als Träger von Waffen und Material, von den Kolonialmächten gezwungen, in den europäischen Krieg zu ziehen. Diesen verschwiegenen und kaum erforschten Teil europäischer und afrikanischer Geschichte erkundet William Kentridge in einer installativen und szenischen Musiktheaterarbeit. Der Künstler verbindet eine Neukomposition von Philip Miller, die New Yorker Orchesterformation The Knights, ein internationales Ensemble von Performer*innen, Tänzer*innen und Sänger*innen, einen Chor mechanisierter Grammophone, sich überschneidende Filmprojektionen und Schattenspiel zu einer gigantischen Prozession, die jeder Genrezuweisung widerstrebt und die in einem traditionellen Theaterraum nicht gezeigt werden könnte. Schon seit seinen frühen Animationsfilmen und Zeichnungen hat sich der aus Johannesburg stammende Künstler William Kentridge mit den sozialen und ethnischen Unrechtskonflikten in Südafrika und Europa auseinander gesetzt. Die Apartheid und die Folgen der Apartheid sowie allgemeiner: Kolonialismus, Rassismus und Totalitarismus waren und sind seine Themen in der Bildenden Kunst wie in seinen Theater- und Opernarbeiten. Die Verstörung durch das grundsätzliche soziale und ethnische Unrecht ist ein schmerzhafter Antrieb für eine eigene lyrische Visualisierung, die William Kentridge in Zeichnungen, Skulpturen, Filmen, Installationen, Theater und Oper umsetzt. Kentridges Werke werden auf allen Kontinenten in Museen und Ausstellungen gezeigt, mehrfach hat er an der Biennale von Venedig und an der Kasseler documenta teilgenommen. Mit The Head and the Load in der Duisburger Kraftzentrale ist dieser weltberühmte Künstler erstmals im Programm der Ruhrtriennale vertreten. Ein Auftragswerk der Ruhrtriennale, Park Avenue Armory und 14–18 NOW, the UK’s arts program for the First World War Centenary. Mit Förderung des Holland Festival und freundlicher Unterstützung der Marian Goodman Gallery, der Goodman Gallery und Lia Rumma. Produziert von THE OFFICE performing arts + film in Zusammenarbeit mit Quarternaire.


Freitag, 10. August 2018
Mehrteilige Installation / Urbane Künste Ruhr
Vom Nutzen der Angst – The Politics of Selection
Gesamtkonzept: Peggy Buth
Vernissage: 10. Aug.: 17.00 Uhr
11. Aug. – 23. Sept.
Di–So: 12.00–20.00 Uhr
Ehemalige Kirche St. Barbara, Duisburg-Rheinhausen
Deutsch mit englischen Untertiteln
Eintritt Frei
ruhr3.com/angst

In der mehrteiligen Installation Vom Nutzen der Angst – The Politics of Selection setzt sich die Künstlerin Peggy Buth mit der Unternehmenskultur der Friedrich Krupp AG auseinander. Bis heute prägt diese in besonderem Maße die geschichtlichen Zusammenhänge und sozialen Verhältnisse im Ruhrgebiet – vom Privaten bis in den urbanen Raum hinein. Anhand von Archivmaterial, unter anderem aus der Werkszeitung der Krupp AG oder von den Arbeitern gesammelten Zeugnissen, fragt Peggy Buth danach, welche Geschichte von wem mit welchen Bildern erzählt wird. Die Ausstellung ist in Duisburg-Rheinhausen in der ehemaligen Kirche St. Barbara Rheinhausen zu sehen, die in den frühen 1960er-Jahren auf Werksgebiet der Hütten- und Bergwerke Rheinhausen AG erbaut wurde und ein bemerkenswertes Beispiel zukunftsweisender Architektur der Nachkriegszeit darstellt. Die nach der Schutzheiligen der Bergleute benannte Kirche steht mitten in einer Arbeitersiedlung in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem Ort, an dem ab den späten 1980er-Jahren die Arbeiterkämpfe der Kruppianer gegen die Schließung ihres Hüttenwerks ihren Ausgangspunkt hatten. Peggy Buth arbeitet konzeptionell und prozessbezogen mit unterschiedlichen Medien. Ihre Arbeiten zeigt sie oft in Form von Rauminstallationen, welche die komplexen inhaltlichen Zusammenhänge ihrer Themen auf eindrückliche Weise unterstützen. So auch in der Kirche St. Barbara, die durch ihre Geschichte und Form selbst ein sprechender Teil der Installation wird. Eine Produktion von Urbane Künste Ruhr für die Ruhrtriennale.


Samstag, 11. August 2018
Schauspiel / Neue Dramatik / Uraufführung
The Factory
Text: Mohammad Al Attar
Regie: Omar Abusaada
Bühne, Kostüm: Bissane Al Charif
11. Aug: 20.00 Uhr
Weitere Termine: 12. | 15. | 16. | 17. | 18. Aug.
PACT Zollverein, Essen
In arabischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
20 | 30 | 40, erm. ab 10 €
ruhr3.com/factory

Die französische Zementfabrik im Nordosten Syriens ist eine der größten ausländischen Investitionen, die jemals getätigt worden ist. Einige Monate nach der Eröffnung jedoch bricht eine soziale Revolution gegen das totalitäre Regime aus, und bald darauf stürzt das destabilisierte Land in einen brutalen Bürger- und verheerenden Stellvertreterkrieg. Besitzer und Geschäftspartner bestehen darauf, dass in der Fabrik, die inmitten der kriegerischen Auseinandersetzungen liegt, weiter gearbeitet werden muss – koste es, was es wolle. Zunächst kontrolliert die syrische Armee die Region; im Sommer 2012 übernimmt die Kurdische Demokratische Unionspartei (PYD) Teile davon, während die Freie Syrische Armee (FSA) andere kontrolliert. Ende 2013 erringt der IS die vollständige Vorherrschaft über das Gebiet. Die Produktion in der Fabrik läuft weiter. Ein banaler Betriebsunfall führt schließlich zu Ermittlungen in dieser Geschichte eines komplizierten Netzwerks aus Nutznießern des Krieges und schmutzigen Unternehmern. Davon erzählt Mohammad Al Attar in seinem Stück. Nach dem großen Erfolg ihrer beiden jüngsten Aufführungen While I was waiting und Iphigenie schreiben der 1980 in Damaskus geborene Dramatiker Mohammad Al Attar und der ebenfalls aus Syrien stammende Regisseur Omar Abusaada ihre Überlegungen fort zu den kolossalen Umwälzungen, die ihr Heimatland heimsuchen. Diese Uraufführung eines der wichtigsten syrischen Autoren auf der Bühne von PACT Zollverein in Essen erarbeiten sie gemeinsam mit einer Gruppe syrischer Schauspieler*innen. Theater als Versuch, eines der bösartigsten Gesichter des Krieges zu dekonstruieren: das Bündnis von Geld und Macht. Ein Auftragswerk an Mohammad Al Attar und Omar Abusaada. Eine Koproduktion der Volksbühne Berlin mit der Ruhrtriennale.


Donnerstag, 16. August 2018
Third Space. Öffentlichkeit im Schwebezustand
Gesamtkonzept: raumlaborberlin
Eröffnung: 16. Aug: 18.00 Uhr
17. Aug – 23. Sept
Mi, Do, Fr: 15.00 – 21.00 Uhr, Sa, So 12.00 – 21.00 Uhr
an Veranstaltungstagen länger Eintritt Frei
Vorplatz der Jahrhunderthalle Bochum
ruhr3.com/festivalzentrum

Die Künstlergruppe raumlaborberlin gestaltet den Vorplatz der Jahrhunderthalle Bochum als Baustelle und gibt ihm den Namen Third Space. Bruchlandung oder Neukonstruktion eines Flugzeugs? Ein Herstellungs- oder Reparaturbetrieb für öffentlichen Raum? Für alle sichtbar wird der leere, unwirtliche Raum vor der ehemaligen Gaskraftzentrale, der heutigen Jahrhunderthalle, für die Dauer des Festivals umgestaltet. Am Anfang standen Fragen: Ist die einzige Konsequenz aus dem Dualismus von digitaler Welt und realem öffentlichem Raum, dass ich mich nur noch über Tinder in der Shopping Mall mit einem potentiellen Partner verabrede? Kann ich meine Meinung anders als über Like-Buttons oder über Beschwerdeposts auf einem Community Blog äußern? Können öffentliche Plätze und ihre Bespielung dazu beitragen, dass die Idee von Gemeinschaft mit neuen Inhalten gefüllt wird? Ist nicht der öffentliche Raum der Ort für Meinungsbildung? Ein Ort für die (Wieder-)Entdeckung von lebendigen Formen gemeinsamen Lebens? Sollte nicht gerade der öffentliche Raum ein Anti-„egal,-geht-mich-nichts-an“- Raum sein? raumlaborberlin entwickelt für Third Space vor der Jahrhunderthalle Bochum ein Set aus Bauelementen, die während der Ruhrtriennale immer wieder neu zusammengesetzt werden. Jedes Jahr zur Festivalzeit wird am Third Space weitergearbeitet, und neue, überraschende Räume entstehen. Auf der größten Selbstbaustelle des Landes gibt es Kurse, Workshops und Mitmachangebote in unterschiedlichen Einmischungsgraden. Neben dem Mitbauen werden über die Verpflegung der Baustelle, die Beschaffung von Material und Werkzeug, die Vermittlung von Knowhow und die Verbreitung von guter Laune alle Aktivitäten auf ihre Beteiligungspotentiale hin untersucht: Jeder und Jede soll etwas finden, was er oder sie beisteuern kann. Third Space ist Baustelle und Bar; informeller Treffpunkt und Platz für öffentliche Diskussion; Wohnzimmer und Akademie in einem. Kurz: Das Festivalzentrum der Ruhrtriennale 2018 2019 2020. Eine Produktion der Ruhrtriennale. Gefördert von der innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft.


Freitag, 17. August 2018
Kreation / Musiktheater / Uraufführung
Universe, Incomplete
Regie: Christoph Marthaler
Mit Kompositionen von Charles Ives
Musikalische Leitung: Titus Engel
Bühne und Kostüme: Anna Viebrock
17. Aug: 20.30 Uhr
Weitere Termine: 19. | 22. | 23. | 24. | 25. Aug.
Jahrhunderthalle Bochum
Mit deutschen und englischen Übertiteln
20 | 35 | 50 | 65 | 80, erm. ab 10 €
ruhr3.com/universe

„Für den Fall, dass es mir nicht gelingen sollte, dieses Werk zu vollenden, findet sich vielleicht jemand anderes, der den Versuch unternimmt, meine Gedanken auszuarbeiten. Es könnte sein, dass die von mir erstellten Skizzen viel mehr Sinn ergeben, wenn man sie aus der Perspektive von jemandem betrachtet, der nicht ich selbst bin.“ (Charles Ives) Von dieser verführerischen Formulierung inspiriert entwickeln der Regisseur Christoph Marthaler, der Dirigent Titus Engel und die Bühnenbildnerin Anna Viebrock ihre ganz eigene Perspektive auf ein unvollendet gebliebenes Vorhaben des amerikanischen Komponisten Charles Ives (1875–1954): der Universe Symphony, die eines der großen utopischen Werke des 20. Jahrhunderts ist. Utopisch, weil Charles Ives sie als ein alle klassischen Aufführungsformen sprengendes Klangereignis konzipierte. Utopisch auch, weil er sie nie vollendete, sondern immer neu entwarf. Sie ist ein aus Notizen, Skizzenblättern und Partiturseiten bestehendes Konvolut der Unvollständigkeit. Ausgehend von den tatsächlich komponierten Teilen des Werkes entwerfen Christoph Marthaler, Titus Engel und Anna Viebrock in der Jahrhunderthalle Bochum einen szenisch-musikalischen Raum, in dem Instrumentalsolist*innen sowie die Bochumer Symphoniker und ein aus Schauspieler*innen, Tänzer*innen und Sänger*innen bestehendes Ensemble auf einer szenischen und einer klanglichen Ebene aus einer entfernten Zukunft auf unser heutiges Leben zurückblicken und aus der Gegenwart eine Zukunft phantasieren. Andere, von der Universe Symphony unabhängige Kompositionen von Charles Ives werden dabei die Leerstellen des unvollendeten Universums einnehmen. Das künstlerische Team untersucht ein musikalisches Gesamtwerk, dem es ein szenisch-visuelles Spannungsfeld heutiger Erfahrung zwischen Verlust und Erfindung hinzufügt. Der Schweizer Dirigent Titus Engel (1975) arbeitet mit verschiedenen Orchestern und an diversen Opernhäusern mit einem Schwerpunkt auf moderner und zeitgenössischer Musik. Die Bühnenbildnerin und Professorin für Bühnenbild an der Wiener Kunstakademie, Anna Viebrock, ist seit 30 Jahren engste künstlerische Begleiterin von Christoph Marthaler. Seit 2002 realisiert sie eigene Musiktheaterprojekte und installative Ausstellungen. Eine Produktion der Ruhrtriennale. Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Mit freundlicher Unterstützung von der Stiftung Pro Bochum.


Samstag, 18. August 2018
Podiumsdiskussion
Freedom of Speech/Freiheit der Künste

Stefanie Carp, Intendantin der Ruhrtriennale,
Isabel Pfeiffer-Poensgen, Ministerin für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen,
Alain Platel, belgischer Choreograph und Theaterregisseur,
Elliott Sharp, Komponist, Multi-Instrumentalist und Performer aus New York,
Michael Vesper, Vorsitzender des Vereins der Freunde und Förderer der Ruhrtriennale,
Moderation: Norbert Lammert, Bundestagspräsident a.D.

Die Ruhrtriennale veranstaltet unter dem Titel „Freedom of Speech/Freiheit der Künste“ eine Podiumsdiskussion, in der sich Künstler*innen, Kurator*innen und Politiker*innen mit dem Spannungsverhältnis von Meinungsfreiheit und Freiheit von Kunst mit persönlicher und gesellschaftlicher Verantwortung im Kontext der deutschen Geschichte auseinandersetzen. Dabei geht es auch um Sinn und Legitimation von Boykott-Strategien im Bereich der Kultur.


18. Aug: 15.00 Uhr
Turbinenhalle an der Jahrhunderthalle Bochum
Eintritt frei
Telefonische Anmeldung unter Tel. 0221 280 210
Tanz / Musiktheater / Deutschlandpremiere
Kirina
Konzept und Choreographie: Serge Aimé Coulibaly
Komposition und Musikalische Leitung: Rokia Traoré
Libretto: Felwine Sarr
18. Aug: 20.00 Uhr
Weitere Termine: 19. | 21. | 22. Aug.
Maschinenhalle Zweckel, Gladbeck
Französisch mit deutschen und englischen Übertiteln
20 | 30 | 40, erm. ab

Wanderer, die in einem Land eintreffen, werden für lange Zeit am Aufbau dieses Landes mitwirken. Das ist die Realität der Menschheit, ihre Hoffnung.“ In seiner Arbeit Kirina macht Serge Aimé Coulibaly die Migrationen innerhalb des afrikanischen Kontinents zum Thema einer choreographischen, musikalischen und intellektuellen Erforschung. Immer haben Migrationsbewegungen unsere Kulturen wesentlich bestimmt und Transformationen hervorgerufen. Welche Sprachen, musikalische Formen und Erzählungen sind durch Migration entstanden und wie haben diese die Kulturen anderer Völker und Länder beeinflusst? Auf seiner Suche nach einer zeitgenössischen Sprache, die zur Befragung der heutigen Welt und der ihr zugrunde liegenden Systeme taugt, wird Serge Aimé Coulibaly sich mit den Gründungsmythen der westafrikanischen Kultur beschäftigen und damit, wie ihre Geschichten über Generationen hinweg im Bewusstsein heutiger Gesellschaften arbeiten und auf deren Zukunftsentwürfe einwirken. Kirina ist dabei der Name eines Ortes im heutigen Guinea, der für die Gründung der westafrikanischen Kultur eine starke symbolische Bedeutung besitzt. In der aus dem benachbarten Mali stammenden und international berühmten Musikerin Rokia Traoré, die ihre eigene, heutige Version der klassischen Mandinka-Musik schafft, hat Serge Aimé Coulibaly, der selbst aus Burkina Faso stammt, eine ideale Partnerin für diese neue Arbeit gefunden. Seine Choreographie wird um vier Musiker*innen, den Dialog zweier Sängerinnen und um einen Sprecher erweitert. Die gedankliche und textliche Basis wird der aus Senegal stammende Ökonom und Musiker Felwine Sarr, Autor des Buches Afrotopia, mit seinem Plädoyer für eine afrikanische „Contemporanéité“ schaffen. Der Tänzer und Choreograph Serge Aimé Coulibaly war Mitglied in Kompanien von u. a. Alain Platel und Sidi Larbi Cherkaoui. Er arbeitet in Ogadougou / Burkina Faso, in Brüssel und weltweit. 2002 gründete er mit dem Faso Danse Théâtre eine eigene Kompanie. Seine Arbeiten sind von einer kraftvollen Tanzsprache und starker politischer Motivation. Eine Produktion von Faso Danse Théâtre und der Ruhrtriennale. Executive Producer: les ballets C de la B. In Koproduktion mit Festival de Marseille, Onassis Cultural Centre Athens, Théâtre Paris-Villette, Théâtre de Namur, Théâtre National Wallonie-Bruxelles, Romaeuropa Festival, Kampnagel Hamburg, De Grote Post Ostend, Vooruit Gent, La Rose des Vents Villeneuve d’Ascq und ExtraPôle ProvenceAlpes-Côte d’Azur. Mit Unterstützung der Féderation Wallonie-Bruxelles und Taxshelter Belgium. Tourmanagement: Frans Brood Productions Besonderer Dank an Ankata und Fondation Passerelle.


—| Pressemeldung Ruhrtrienale |—

Berlin, Staatsoper Unter den Linden, 7.12. – Geburtstagskonzert – 275 Jahre, Dezember 2017

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

275 Jahre Staatsoper Unter den Linden

7.12.2017 – Prächtiges Geburtstagskonzert – Zwei Opernpremieren

Im Dezember 2017 feiert die Staatsoper Unter den Linden ihren 275. Geburtstag – mit einem Konzert am Tag des Jubiläums (7. Dezember) und zwei Opernpremieren im Großen Saal. Anlässlich dieses besonderen Datums erscheint darüber hinaus Anfang Dezember im Carl Hanser Verlag München das Buch »Diese kostbaren Augenblicke. 275 Jahre Staatsoper Unter den Linden«, das einen Einblick in die lange und reichhaltige Geschichte der Staatsoper Unter den Linden gibt.

Am 7. Dezember 1742 wurde die Königliche Hofoper auf Befehl Friedrichs II. mit Carl Heinrich Grauns Festoper Cleopatra e Cesare, die eigens zu diesem Anlass komponiert wurde, festlich eröffnet. Zu jener Zeit war es das größte Opernhaus Europas, zudem auch das erste freistehende Gebäude seiner Art. Dieser Tag war gleichzeitig auch der Beginn der über 250-jährigen erfolgreichen Zusammenarbeit von Staatsoper und Staatskapelle, deren Wurzeln bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen. 275 Jahre später kann die Staatsoper Unter den Linden auf eine wechselvolle und überaus ereignisreiche Geschichte, geprägt von unterschiedlichen politischen und künstlerischen Phasen, zurückblicken. Mit dem Wiedereinzug der Staatsoper ins traditionsreiche Stammhaus Unter den Linden im Jubiläumsjahr, nach der sieben Jahre andauernden Sanierung, beginnt nun ein neues Kapitel dieser Historie.

Daniel Barenboim © IOCO

Daniel Barenboim © IOCO

Am 7. Dezember, an dem Tag, an dem sich die Eröffnung der Staatsoper Unter den Linden zum 275. Mal jährt, erklingt auf der großen Bühne ein besonderes Konzertprogramm, das einen Bogen von der Vergangenheit bis zur Gegenwart schlägt – gespielt von der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim. Mit Werken von Felix Mendelssohn Bartholdy, Pierre Boulez und Richard Strauss stehen drei Komponisten auf dem Programm, die alle an der Staatsoper tätig waren als Generalmusikdirektoren, feste Dirigenten und Ehrendirigenten. Nach einer Begrüßung durch den Intendanten Prof. Jürgen Flimm, wird Prof. Dr. Norbert Lammert, Bundestagspräsident a.D., gratulieren. Am gleichen Abend laden auch die Freunde und Förderer der Staatsoper Unter den Linden zu einer Jubiläumsfeier: Seit nunmehr 25 Jahren unterstützen sie die künstlerischen Prozesse des Hauses ideell und materiell.

Claudio Monteverdi Grab in Venedig © IOCO

Claudio Monteverdi Grab in Venedig © IOCO

An das Konzert anschließend feiern am 8. und 9. Dezember gleich zwei Neuproduktionen Premiere: zunächst mit Engelbert Humperdincks  Hänsel und Gretel (Achim Freyer, Sebastian Weigle) einer der Klassiker der Opernliteratur und nur einen Tag später mit Claudio Monteverdis L’incoronazione di Poppea (Eva-Maria Höckmayr, Diego Fasolis) eines der ältesten Opernwerke überhaupt.

Daran anschließend startet die Staatsoper den regulären Spielbetrieb mit Repertoirevorstellungen (u. a. Die Zauberflöte, Don Giovanni und La Bohème) sowie Konzerten.

Die Öffnung der Theaterkasse im Foyer der Staatsoper Unter den Linden ist für Ende November 2017 vorgesehen. Der Einzelkartenverkauf für die FESTTAGE 2018 beginnt am 25. November ab 10 Uhr.

—| Pressemeldung Staatsoper unter den Linden |—

Essen, Philharmonie Essen, Festliches Weihnachtskonzert mit Norbert Lammert, 21.12.2015

Dezember 17, 2015 by  
Filed under Philharmonie Essen, Pressemeldung

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen © Bernadette Grimmenstein

Philharmonie Essen © Bernadette Grimmenstein

Festliches Weihnachtskonzert mit Norbert Lammert

Bundestagspräsident ist Rezitator am Montag, 21. Dezember 2015, um 20 Uhr

Philharmonie Essen / Bundestagspräsident Norbert Lammert © Deutscher Bundestag

Philharmonie Essen / Bundestagspräsident Norbert Lammert © Deutscher Bundestag

Von Norbert Lammert und den Essener Barocksolisten kann sich das Publikum wenige Tage vor Weihnachten auf das bevorstehende Fest einstimmen lassen: Am Montag, 21. Dezember 2015, um 20 Uhr wird der Präsident des Deutschen Bundestages besinnliche, fröhliche, aber auch kritische Texte vortragen. Karl Heinrich Waggerls „Der störrische Esel“ gehört ebenso dazu wie das „Märchen vom Auszug aller Ausländer“ des evangelischen Pfarrers Helmut Wöllenstein. Auch einen eigenen Text mit dem Titel „Die andere Dreikönigsgeschichte“ wird der Bochumer Politiker, der der Theater und Philharmonie Essen seit vielen Jahren verbunden ist, vorstellen. Zuletzt hielt Lammert die Festrede zum 25-jährigen Jubiläum des Aalto-Theaters. Die Essener Barocksolisten präsentieren dazu unter der Leitung von Patrick Jaskolka ein festliches Programm mit Werken von Georg Friedrich Händel, Arcangelo Corelli, Johann Sebastian Bach, Giuseppe Torelli und Francesco Onofrio Manfredini. Solisten sind Susanne Bürger (Harfe) sowie Florian Geldsetzer (Violine) und Ava Polheim (Violine) von den Essener
Philharmonikern.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

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