Berlin, Deutsche Oper Berlin, Die Walküre – Richard Wagner, IOCO Kritik, 14.10.2020

Oktober 13, 2020 by  
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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Die Walküre  –   Richard Wagner

– Nothung steckt im Fahrstuhl fest –

von  Julian Führer

Richard Wagner Denkmal in Berlin © IOCO / Rainer Maass

Richard Wagner Denkmal in Berlin © IOCO / Rainer Maass

Ein neuer Ring ist eine Herausforderung für jedes Haus, auch eine Visitenkarte. Im Erfolgsfall entstehen legendäre Deutungen, die über lange Zeit im Repertoire bleiben; dies war beispielsweise an der Deutschen Oper Berlin mit Götz Friedrichs Inszenierung von 1984/1985 der Fall, die bis 2017 gezeigt wurde. Gescheiterte Interpretationen belasten wiederum das Repertoire auf Jahre, denn kaum ein Haus hat die Ressourcen, um den Spielplan noch einmal mit vier Wagner-Premieren zu belasten. An der Deutschen Oper Berlin wurde dem Publikum der Abschied vom ‚Zeittunnel‘ aus den achtziger Jahren damit versüßt, dass gleich ein neuer Ring angekündigt und Stefan Herheim als Regisseur benannt wurde, dessen Bayreuther Parsifal von 2008, eine ausgesprochen vielschichtige Interpretation, über weite Strecken auch als ästhetisch ansprechend wahrgenommen wurde.

Stefan Herheims Ansatz in Bayreuth war die Überlagerung verschiedener Ebenen – die von Wagner komponierte Handlung, gleichzeitig aber auch die deutsche Geschichte mit vielen Uniformen und Hakenkreuzen, die Lebensgeschichte Wagners von der Villa Wahnfried bis zur Totenmaske sowie die Geschichte der Werkinterpretation mit dem Nachbau der Gralsszene von 1882 – auch in Berlin sollten sich verschiedene Ebenen überlagern. In dieser Besprechung wird vereinzelt auf diese Bezüge hingewiesen, natürlich sollte eine Deutung sich aber auch unmittelbar erschließen können. Das Rheingold konnte aufgrund der Umstände noch nicht gezeigt werden, so dass bei manchem vielleicht noch eine Erläuterung folgen wird, wenn die anderen Teile der Tetralogie im Zyklus zu sehen sein werden.

Die Walküre an der Deutschen Oper Berlin
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Als der Vorhang sich öffnet, sehen wir Sieglinde (Lise Davidsen) sichtlich verzweifelt allein (bzw. fast allein) zu Haus, umgeben von einer großen Menge Koffern. Auf der Bühne zu sehen ist im Prinzip das aus Koffern nachgebaute Halbrund von Arnold Böcklins Toteninsel. Das Motiv haben Patrice Chéreau und sein Bühnenbildner Richard Peduzzi in ihrer berühmten Bayreuther Inszenierung des Ring des Nibelungen ebenfalls verwendet (allerdings erst in der überarbeiteten Inszenierung, wie sie ab 1977 gezeigt und auch verfilmt wurde), dort im dritten Akt der Walküre sowie in Siegfried und Götterdämmerung – hier also schon zu Beginn. In der Mitte des so begrenzten Raumes ist ein Konzertflügel zu sehen. Es scheint sich um eine Art Grubenhaus aus Koffern zu handeln, da es zur Eingangstür ein paar Stufen nach oben geht (wie beispielsweise auch schon in der Inszenierung von Peter Hall in Bayreuth 1983). Für die Bühne zeichnen Stefan Herheim selbst und Silke Bauer verantwortlich.

Als die Musik etwas später beginnt, sehen wir während des Vorspiels zum ersten Akt erst einen recht wölfisch aussehenden Hund, dann steigt Sieglinde auf den Konzertflügel, der in die Höhe gezogen und wieder hinuntergelassen wird (welcher dramatischen Wendung diese Bewegung dient, bleibt unklar). Sieglinde hat offenbar ein behindertes Kind, das viel mit einem Messer spielt. Siegmund kommt herein wie in einer konventionellen Inszenierung. Der erste Kuss zwischen den beiden Wälsungen findet deutlich früher als von Wagner eigentlich geplant statt, nämlich als Sieglinde dem Fremden Met (hier allerdings nur schlechten Supermarktwhisky) anbietet und Siegmund Schmecktest du mir ihn zu?“ antwortet. In der Musik ist die tiefe Sympathie (und mehr als das) bereits deutlich zu hören, und Sieglinde geht an dieser Stelle über die Linderung der größten Not hinaus, zeigt also mehr Sympathie als nötig und geht mithin aktiv auf Siegmund zu (so war es auch vor einigen Jahren in Freiburg zu sehen). Damit das Kind nicht stört, bekommt es eine Dose Cola, aber es wird die Zweisamkeit des Wälsungenpaars immer wieder torpedieren. So richtig nimmt man Siegmund die existentielle Not allerdings nicht ab; auch als Hunding eintritt, ist das für ihn kein entscheidender Moment – für das Kind hingegen weit mehr, denn der Knabe warnt die beiden vor dem Heimkehrer; für einen jungen Menschen von sehr begrenztem geistigen Horizont ein erstaunlich feiner Sinn für Psychologie…

Die Walküre – hier – Lise Davidsen ist Sieglinde
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Hunding zieht seinen Jagdmantel aus und trägt drunter eine gemütliche Strickjacke. Er wirft einen Holzscheit in den Souffleurkasten, worauf es von dort aufzuglühen scheint und nach mehr Feuer aussieht (Herheim hat diesen Trick bereits für den Gral in seinem Bayreuther Parsifal verwendet, wie überhaupt die Lichtregie von Ulrich Niepel sehr stark an diese Inszenierung, vor allem deren dritten Akt erinnert). Das Kind fasst schnell Vertrauen zu Siegmund, der den ersten Teil seiner Lebensgeschichte eigentlich dem Kind und den zweiten Teil Sieglinde erzählt. Hunding fasst nach Siegmunds „Den Vater fand ich nicht“, als leise Wotans Motiv in E-Dur aus dem Graben ertönt, das Schwert an – er hat also bereits verstanden, mit wem er es tun hat, und er weiß auch, wer das Schwert in den Stamm bzw. in den Flügel gestoßen hat (woher eigentlich?). Beim dritten Teil seiner Erzählung ist klar, dass er sich schon längst um Kopf und Kragen geredet hat. Während Hunding mit dem Kind recht grob umgeht und vor allem Spaß hat, wenn er seinem Kleinen Schnaps einflößt, empfindet der Knabe, der im übrigen sehr wälsungisch aussieht (warum sind Wälsungen eigentlich immer blond?), ungebremste Sympathie mit Siegmund, umarmt ihn mehrfach, und Siegmund ist ihm gegenüber ebenfalls freundlich, wenn auch etwas irritiert ob dessen Verhalten.

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Gegen Ende von Siegmunds Monolog, als Hunding ihm gewissermaßen sein Todesurteil eröffnet, zerren Siegmund, Sieglinde und der Junge am Schwert, das im Flügel steckt. Der Rest ist konventionell: Sieglinde würzt Hundings Gutenachtdrink etwas nach. Siegmund findet sich alleine auf der Bühne wieder, steigt auf den Konzertflügel, der in die Höhe gezogen und wieder hinuntergelassen wird (welcher dramatischen Wendung diese Bewegung dient, bleibt abermals unklar, aber wirkt irgendwie dynamisch). Sieglinde kommt im roten Hausmantel zurück, um Siegmund zu berichten, dass da ein Schwert ist – das wissen aber bereits alle, die Handelnden ebenso wie das Publikum. Hier wie auch später zieht Herheim immer wieder Blicke oder Erkenntnisse vor und entwertet damit das von Wagner gesetzte ‚Timing‘ und die enthaltenen Spannungsbögen. Sieglinde stürzt sich Siegmund in die Arme, während Hunding schläft und während ein paar Koffer durch die Gegend purzeln und einen Weg nach draußen freimachen. Auf einer weißen Plane (es sieht wirklich schön aus, als sie entfaltet wird) werden erst eine grüne Naturprojektion im Stile von Herheims Bayreuther Karfreitagszauber und dann der Wonnemond selbst gezeigt.

Der packendste, aber wohl auch der umstrittenste Moment des ersten Aufzugs war kurz vor Ende zu sehen: Nach Siegmunds „Ich fass‘ es nun“ moduliert die Musik fast in jedem Takt, es ist keine feste Tonart mehr auszumachen, das Liebesentsagungsmotiv ertönt (bei Donald Runnicles mit interessanten Crescendi in den Tuben), musikalisch läuft alles auf den Moment zu, in dem Siegmund das Schwert aus der Esche bzw. dem Konzertflügel ziehen wird. Was macht eigentlich Sieglinde (meist steht oder kniet sie etwas seitlich, um ihrem Partner die Bühne zu lassen)? Sieglinde nimmt bei Stefan Herheim das Messer, hält ihrem Sohn die Augen zu, bringt es aber erst nach mehreren Anläufen fertig, dem eigenen Kind (genau zum C-Dur des ‚schneidenden Stahls‘) die Kehle durchzuschneiden. Sieglinde strahlt Siegmund an, der das Schwert herausgezogen hat und dies alles nicht weiter kommentiert, sondern den toten Jungen mit Sieglindes rotem Hausmantel zudeckt. Wieso erstaunt Siegmund diese blanke Aggression nicht? Und wozu eigentlich das Schwert, wo Sieglinde doch aus Hundings Schlafgemach ein Gewehr mitgebracht und außerdem das Messer des Jungen in Händen hält? Und wenn Sieglinde schon so aggressiv sein kann, warum wird dann nicht Hunding im Schlaf erledigt? Fricka hätte niemanden gehabt, der im zweiten Akt fromm für sie hätte streiten können. Dass Siegmund das Schwert nun aus dem Flügel ziehen kann, ist ebenfalls erstaunlich; es mag sein, dass Wotan hier seine Finger im Spiel hat und Siegmund von sich aus gar nicht dazu in der Lage wäre. Der Schluss des ersten Aktes gerät dann etwas peinlich (nicht zum ersten Mal, Wagner wird hier gar zu deutlich): Siegmund balanciert zu „So blühe denn Wälsungenblut“ hüpfend auf einem Bein, während er versucht, möglichst schnell aus seiner Hose zu kommen, um sich dann auf dem Flügel über Sieglinde herzumachen (Lise Davidsen kennt das bereits von ihrem Bayreuthdebüt als Elisabeth im Tannhäuser 2019).

Die Walküre – hier – Brandon Jovanovich is Siegmund
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In diesem ersten Akt ist die Personenführung recht genau. Das hinzuerfundene behinderte Kind zieht natürlich erhebliche Aufmerksamkeit auf sich, durchaus nicht ohne Ermüdungserscheinungen des Publikums, denn dieses Kind hat kein großes Handlungsrepertoire. Da das Kind nun einmal da ist, muss Herheim zu ihm aber auch eine Geschichte erzählen, und dass diese letztlich auf seine Ermordung durch Sieglinde zuläuft, lässt sich dramaturgisch und musikalisch kaum rechtfertigen. Wir wissen nach diesem ersten Aufzug nicht, was das eigentlich für Leute sind, zu welcher Zeit sie leben, außer dass die Dosencola und Supermarktwhisky im Hause haben und Koffer aus etwa der Mitte des 20. Jahrhunderts als Hausmauer haben. Das Orchester trägt zunächst auch nicht viel zum Spannungsaufbau bei, zu gedehnt sind die Tempi, die Donald Runnicles anschlägt, und man merkt dem Orchester an, dass es über ein halbes Jahr lang nicht zusammengespielt hat. Ein zunächst durchwachsener Eindruck also, wäre da nicht Lise Davidsens Sieglinde mit einer Stimme wie die junge Astrid Varnay – ungemein durchschlagskräftig, quer durch alle Lagen differenziert und textverständlich und in ihrer schieren Größe dem Haus an der Bismarckstraße vollkommen angemessen. Brandon Jovanovich begann die Partie des Siegmund sehr baritonal und kam im Laufe des Abends zunehmend in Fahrt. Die ‚großen‘ Töne sang er zuverlässig an, die Zwischentöne und kurzen Noten waren oft, aber nicht immer gut zu hören. Andrew Harris zeichnete Hunding direkt mit einer eigentlich sehr kultivierten Führung der Stimme, doch stets auch stefan herheim, mit drohendem Unterton. Auf der Bühne wirkt er nicht so mächtig wie einst Matti Salminen, aber Hunding muss auch nicht aussehen wie Bud Spencer, um Siegmund überlegen zu sein.

Der Kofferhalbkreis ist optisch sehr dominant und als Metapher für die im Ring des Nibelungen immer wieder thematisierte Flucht (wie es das Programmheft darlegt) gedacht, vor allem hat er aber das Verdienst, sehr sängerfreundlich zu sein. In der Tat, und das hat Stefan Herheim sehr treffend beobachtet, sind die ersten beiden Teile des Ring voller Fluchtgeschichten und -motive: im Rheingold fliehen, wenn man will, die Rheintöchter vor Alberich und dann Alberich vor den Rheintöchtern, vor allem dann Freia vor den Riesen, die Nibelungen und Mime vor Alberich, in der Walküre dann Siegmund vor den Verfolgern, dann Siegmund und Sieglinde, später Brünnhilde und Sieglinde, dann Sieglinde allein, als sich Brünnhilde Wotans Rache bietet. Es wird spannend sein zu sehen, ob dieses Motiv auch in den verbleibenden beiden Teilen der Tetralogie auf der Bühne eine Rolle spielen wird, denn Siegfried flieht nun einmal nicht, ganz im Gegenteil.

DEUTSCHE OPER BERLIN / Die Walküre - hier : Lise Davidsen als Sieglinde, Brandon Jovanovich ist Siegmund  © Bernd Uhlig

DEUTSCHE OPER BERLIN / Die Walküre – hier : Lise Davidsen als Sieglinde, Brandon Jovanovich ist Siegmund  © Bernd Uhlig

Auch der zweite Aufzug beginnt zunächst ohne Musik: Im Souffleurkasten rumort es, Wotan steigt heraus (gegen Ende des Rheingolds ist er wohl über den Souffleurkasten in die Unterbühne zu Erda hinabgestiegen, so das Programmheft). Wotan ordnet gut gelaunt seine Hose, er hat auch die Noten zu Die Walküre dabei (inzwischen auch schon oft gesehen zuletzt 2019 im Bayreuther Tannhäuser von Tobias Kratzer), setzt sich an den Flügel und klimpert, während das Orchester einsetzt. Auf dem Flügel liegen noch Siegmund und Sieglinde, der er das Schwert in die Hand drückt. Hunding tritt mit Gefolge auf und beugt sich über seinen toten Sohn. Hunding und sein Gefolge kämpfen jetzt schon (im Einklang mit der Musik) mit Siegmund, allerdings – wozu dann noch der zweite Aufzug?

Brünnhilde sieht aus wie eine Karikatur, eine Klischee-Walküre mit Brustpanzer über weißem Nachthemd und mit Flügelhelm (die Kostüme entwarf Uta Heiseke), dazu Vokuhilaperücke in Wälsungenblond (das war bereits bei Götz Friedrich so). Nina Stemme kommt aus dem Kellergeschoß des Flügels hochgefahren und singt ihren kurzen ersten Auftritt ohne Schwierigkeit. Von links und rechts kommen die anderen Walküren in etwas abgerissener Kleidung hinzu, turnen etwas mit ihren Speeren herum und entsorgen Sieglindes und Hundings totes Kind. Fricka nimmt natürlich auch den Fahrstuhl, wie alle Lichtalben ist auch sie in Weiß, mit ebenfalls weißem Koffer und weißer Widderkappe auf dem Kopf, allerdings mit giftigem Knusperhexengesicht. Weil der Streit eine ernste Angelegenheit ist, verliert Fricka zwischendurch ihren Mantel und trägt darunter das gleiche Nachthemd wie alle Damensoli des Abends. Annika Schlicht bietet einen ganz großen Auftritt, textverständlich, intonationssicher und überaus souverän. Schade nur, dass sie in dieser Inszenierung eine recht eindimensionale Giftspritze mimen muss. John Lundgren agiert als Wotan etwas schmierig (spätestens seit Frank Castorf ist dieser Charakterzug bei Wotan bestens bekannt).

Die Walküre – hier – John Lundgren ist Wotan
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Anders als in anderen Inszenierungen erfahren wir aber nichts darüber, wie das persönliche Verhältnis von Fricka zu Wotan und umgekehrt eigentlich ist. Zu „Entzieh‘ ihm den Zauber“ setzt sich Fricka an den Flügel und klimpert dann den Walkürenritt, während Brünnhilde sich von rechts einen Weg durch die Koffer bahnt. Unvergesslich, wie frühere Brünnhilden (damals Namen wie Gwyneth Jones, Janis Martin, Hildegard Behrens, Evelyn Herlitzius) in der Vorgängerinszenierung zu dieser Stelle jauchzend durch den Zeittunnel gestürmt sind… Mit Fricka sind nach und nach ca. 30 Statisten (Männer, Frauen, Kinder, alle Altersstufen) aufgetreten, kostümiert wie in einem Trümmerfilm der Nachkriegszeit oder auch wie im dritten Akt von Herheims eigenem Bayreuther Parsifal, anscheinend auf der Flucht, zumindest unterwegs, jedenfalls nehmen sie sich dann erstaunlich viel Zeit, um Wotan, Fricka und Brünnhilde zuzuhören. Als Wotan seiner Tochter offenbaren will, was ihn antreibt, lässt er die Statisterie etwas auf Abstand gehen. Wotans Monolog verläuft dann eigentlich so wie immer: Wotan sitzt, Brünnhilde kniet.

Zu „Nur eines will ich noch: das Ende“ ging bei Götz Friedrich das Licht auf der Bühne aus, Wotan (damals Sängerpersönlichkeiten wie Simon Estes oder Robert Hale) stand in seiner Verzweiflung völlig alleine auf der 30 Meter tiefen Riesenbühne, reduziert auf einen Lichtkegel, umgeben von Finsternis, im Grauen der Selbsterkenntnis auf sich allein geworfen. Bei Herheim geht zu diesen Worten das Saallicht an – und bleibt dann bis zu Brünnhildes Todverkündigung erst einmal brennen. Das hat Herheim schon bei seinem Bayreuther Parsifal gemacht, was damals Uwe Eric Laufenberg so gut gefallen haben muss, dass er diesen Trick 1:1 kopiert hat (Bayreuth 2016). Dort war es allerdings auch schlüssiger und kürzer. Hier sieht man minutenlang ein aufgrund der bekannten Maßnahmen sehr reduziertes und diszipliniert Maske tragendes Publikum, das sich hoffentlich eben nicht kollektiv das Ende dieser Vorstellung herbeiwünscht.

Siegmund und Sieglinde treten auf; mit Sieglindes letzten Worten („Siegmund, ha!“) sinkt sie zusammen; Brünnhilde war die ganze Zeit auf der Bühne und hat die beiden beobachtet. Wenn Siegmund und Sieglinde sich küssen, wird es Brünnhilde ganz heiß im Unterleib (alles nicht ganz einfach, wenn man Panzer trägt). Sieglinde sieht den Schild der Walküre (erst lachende, dann weinende Maske, gab es das nicht schon bei Willy Decker in Dresden?), erschrickt. Als sie schläft, erblickt Siegmund die Walküre und mustert sie minutenlang, bevor es „Siegmund, sieh auf mich!“ heißt – wieder nimmt Herheim eine Bühnenhandlung vorweg und muss dann mit einem unsinnig gewordenen Text auskommen.

Die tieftraurige Todverkündigung, Auslöser für den Wendepunkt der ganzen Tetralogie, war dennoch der Höhepunkt des Abends. Brünnhilde hat ein Leichentuch dabei, mit dem Siegmund flirtet (seit Patrice Chéreau ein beeindruckender Effekt, auch schon von Götz Friedrich und anderen kopiert), inzwischen werden vier große Kofferberge hochgezogen (die sehen aber eher aus wie große Luftballons, sie erinnern etwas an den Tannhäuser von Kirsten Harms an der Deutschen Oper Berlin, der ebenfalls mit der Höhe spielte), ohne dass die Bühne dadurch bedeutend verändert würde. Nina Stemme sang beeindruckend und konnte hier zeigen, dass sie nicht nur die Spitzentöne, sondern auch die tiefe Lage mit großer Sicherheit beherrscht. Das Orchester hatte nun endlich auch zu einem echten Zusammenspiel gefunden mit schönen Harfen, scharfen Dissonanzen der Bläser und dramatischen Einsätzen auf den Punkt.

Der Rest des Aktes geriet dann wieder recht konventionell bis wenig überzeugend – Wotan setzt sich zum Kampf mit den Noten an den Flügel, Sieglinde hat von Siegmund die Augen verbunden bekommen (wie das Kind in Madama Butterfly) und sieht nicht, was geschieht, Hunding erscheint mit Gefolge (das Chéreau und Friedrich auch hatten, aber nur im ersten Akt gezeigt haben), und weil ihm Siegmund einen Koffer zuwirft, verliert Hunding kurz vor dem Kampf sein Gewehr. Dieser wirklich läppische Regieeinfall wird auch dadurch nicht besser, dass Hundings Gefolge durchaus mit Gewehren bewaffnet ist, ihm aber keines zu reichen vermag. Beim Kampf zwischen Hunding und Siegmund qualmt es Bühnendampf wie in alten Zeiten. Brünnhilde kommt mit dem Flügelfahrstuhl aus der Unterbühne, Wotan lässt Siegmunds Schwert tatsächlich zerspringen, Hunding erschlägt Siegmund erst mit einer Art Baseballschläger (wie in Castorfs Götterdämmerung) und erledigt den Rest dann mit Brünnhildes Speer, denn die hat Sieglinde schon per Konzertflügel mit in den Keller genommen. Anrührend ist, wie Siegmund sich im Todeskampf in die Richtung von Sieglindes rotem Hausmantel schleppt, dort aber nicht mehr ankommt. Hunding stirbt, weil Wotan „Geh!“ sagt, und unfreiwillig komisch ist es, wenn Hundings Gefolge dann einer nach dem anderen auf Wotans Wink eine Platzpatrone in die Luft feuert und tot umfällt. Man hat schon effektvollere Statistenentsorgungen gesehen!

Wir wissen nach zwei Aufzügen eigentlich immer noch nicht, was das für Leute sind, in welcher Zeit, welchem Raum und welcher Gedankenwelt sie leben. Ob das nachzuholende Rheingold hier wirklich Klarheit schaffen wird? Soll das alles nur ironisch sein, weil es im Halbfertigen eines Theaters auf dem Theater verharrt? Ist Wotan nun ein Gott oder nur ein etwas öliger Klavierspieler? Wotan schaut recht teilnahmslos zu, wie sein Sohn (und im ersten Akt auch sein bislang einziger Enkel) getötet werden, wie er insgesamt emotionslos erscheint. Betrifft das, was wir erlebt haben, nur die Statisterie und das Publikum der Deutschen Oper, oder geht es um essentielle Weltprobleme? Warum müssen Siegmund und Hunding wirklich sterben? Dass Leute aus dem Klavier gekrochen kommen, sieht man derzeit in Bayreuth bei Barrie Koskys Meistersinger von Nürnberg, wo sie es allerdings nur während weniger Augenblicke im ersten Akt tun – und auch dort ist der Gag schnell verraucht. Nach dem zweiten Aufzug gab es Buhrufe, die wohl der Regie galten, und viele Bravos für das Sängerensemble.

Die Walküre – hier – Nina Stemme ist Brünnhilde
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Zum dritten Aufzug erwartet man wie zuvor ein stummes Vorspiel auf dem Theater und ist dann umso überraschter, als bei eingeschaltetem Saallicht der Vorhang aufgeht. Da stehen die acht Walküren, blättern in den Noten, die auf dem Flügel aufgeschlagen liegen (das Bühnenbild hat sich nicht verändert), vor allem schwatzen sie mit den Kollegen von der Statisterie, die jetzt die toten Helden mimen sollen. Auf einmal setzt die Musik ein (die Walküren schwatzen noch etwas weiter, das irritierte Publikum teilweise auch), dann begeben sich alle rasch auf Position – die Walküren greifen zu Helm und Speer, wie sich das gehört, und die toten Helden stellen sich halt tot. Es wird viel mit den Speeren gefuchtelt, die einzelnen Texte der Walküren sind in dieser Umsetzung natürlich noch sinnloser als sonst, zumal alle bereits vor Ort sind. Die Walküren werfen ausgelassen mit stilisierten Heldenpuppen (das gab es in dieser Art auch schon in Freiburg in der Inszenierung Frank Hilbrichs zu sehen, dort allerdings interpretatorisch zu Ende gedacht). Über dem Bühnengeschehen geht fast verloren, dass dieses Stück im Orchester sehr effektvoll gespeilt und dass vom gesamten Walkürenensemble ganz exquisit gesungen wird.

Die toten Helden ihrerseits sind ziemlich untot und machen sich an die Walküren heran. Unter ihnen sind auch der Sohn Hundings und Sieglindes (war bei Sieglindes Mord denn eine Walküre im Spiel?) und, etwas im Hintergrund, der tote Siegmund selbst, der allerdings genauso agiert wie alle anderen Zombies und keine Reaktion zeigt, als Sieglinde auftritt – der Sohn hingegen schon. Der untote Sohn bedroht wie schon im ersten Aufzug seine Mutter mit dem Messer, und wie im ersten Aufzug weicht er auf ihr Zeichen stets zurück, aber was er in dieser Gesellschaft zu suchen hat, bleibt diffus. So sind neun Tote auf der Bühne, dazu neun Walküren und Sieglinde – es geht nicht auf, weder gedanklich noch mathematisch im Zahlenraum bis zehn. Da neun Herren auf der Bühne sind, muss wohl eine der Walküren noch jemand für Brünnhilde mitgenommen haben (wohl Siegmund, denn für den wäre sie zuständig gewesen). Ein kleiner Regieeinfall also mit vielen ungelösten Fragen dahinter, unnötig und inkonsequent.

Brünnhilde und Sieglinde fliehen nicht, das wäre auch nicht sinnvoll, denn Wotan steht schon längst auf der Bühne und schaut grimmig der ganzen Szene zu – auch diese abermalige Vorverlegung eines Auftritts in Einfall von zweifelhaftem Wert. Allenfalls mag Wotans Präsenz unterstreichen, dass Sieglinde ohne Wotans stillschweigende Duldung diesen Aufzug wohl kaum überleben würde. Sieglinde, schwanger von Siegmund und von der Aussicht auf Rettung beflügelt, singt „oh hehrstes Wunder“, von Brünnhilde lustvoll am Klavier begleitet (ans Klavier dürfen wohl nur Lichtalben, und Brünnhilde spielt weniger Klavier als Wotan und Fricka). Wer hier Lise Davidsen gehört hat, mag nur noch an künftige Isolden und Brünnhilden denken und ist glücklich, dass es solche Stimmen gibt. Dass Sieglinde vor sehr kurzer Zeit bei Stefan Herheim noch ein anderes eigenes Kind getötet hat, wäre hier vielleicht zu thematisieren, aber genau hier setzt die Auseinandersetzung mit diesem Regieeinfall aus, der nämlich nach vorne rechts abgeht und verschwunden bleibt. Solange die Walküren auf der Bühne sind, haben mal sie, mal die toten Helden die Speere in der Hand, dabei stets von Wotan per Handzeichen dirigiert, und irgendwann haben die toten Helden dann solche Lust auf ihre Wunschmädchen, dass sie sich gegen deren Wunsch auf sie stürzen, bis diese dann endlich im Nachthemd abgehen dürfen (die Herren der Statisterie räumen derweil liegengebliebene Kostümteile und Requisite zusammen, vielen Dank).

Die Walküre – geniesst hier mit IOCO die Premiere der Walküre
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Der Dialog Wotans und Brünnhildes bleibt dann wieder konventionell: Wotan steht, Brünnhilde kniet oder sitzt. Die Statisten mit den Trümmerfilmgesichtern kommen wieder dazu, um mit viel Geduld den ganz entscheidenden Argumenten zu lauschen, die Nina Stemme in mustergültiger Diktion quer durch alle Lagen textverständlich darlegt, während John Lundgren nun auch zu einer klaren Deklamation gefunden hat und sich in seiner Abschiedsszene noch einmal steigert. Zum ‚Feuerzauber‘ wird ein Tuch geschwenkt, ein bisschen Projektion, das war’s. Die gezackten weißen Laken, auf die das Feuer projiziert wird, nehmen übrigens die Zeichnung von Böcklins Toteninsel noch einmal auf. Wotan fährt auf einer Art Kran einmal nach oben (wie bei La Fura dels Baus 2007 in Valencia) und wieder abwärts, dann noch einmal auf die Höhe des geöffneten Konzertflügeldeckels, und in dem sehen wir zu grandiosen Musik Sieglinde im Kindbett, assistiert von einem Männlein (Mime?) im Wagner-Outfit mit Samtbarett und großer Hakennase. Als das Kindlein da ist, wird die Nabelschnur mit Nothungs Trümmern durchschnitten, dann nimmt der Mann Sieglinde das Kind weg, und erst da stirbt sie (warum und woran eigentlich?). Wotan sieht, was Sieglinde widerfährt, es scheint ihn aber auch nicht hier sonderlich zu berühren. Was er daraus macht – da müssen wir bis zur Premiere des Siegfried Geduld haben. Stefan Herheim scheint eine Neigung zu Livegeburten in Instrumentalpassagen zu haben, in seinem Bayreuther Parsifal sah man im Vorspiel Herzeleide zu As-Dur und c-Moll niederkommen, damals assistiert von Gurnemanz. Plastikbabys oder -föten in der Schlussszene gab es auch schon in der Lohengrindeutung (dem manchmal so genannten „Rattengrin“) von Hans Neuenfels zu sehen (Bayreuth 2010).

Die Antike kannte die literarische Gattung des Cento – ein Gedicht, bestehend aus Versatzstücken anderer Gedichte, ein Neuarrangement von Bekanntem zu Neuem also. Was Stefan Herheim an der Deutschen Oper Berlin zeigt, ist ein Amalgam aus guten oder weniger guten Einfällen, die meist anderswo auch schon zu sehen waren. Das noch ausstehende Rheingold wird vielleicht erklären, wozu man Koffer auf der Bühne braucht (und warum diese teilweise in die Luft schweben können). Was diese Walküre nicht zeigt, ist das Verhältnis der Figuren untereinander, die existenziellen Konflikte, die man eigentlich nur Sieglinde im ersten Akt abnimmt, was natürlich auch der phänomenalen Leistung der Lise Davidsen geschuldet ist. Was Wotan damit zu tun hat, warum sich Fricka einmischt, was dieses Walhall genau ist, der Konflikt von Macht und Liebe, die ungeheure Tragik, die am Ende den Tod des Liebespaars Siegmund und Sieglinde, das Ende der innigen Beziehung von Wotan und Brünnhilde und ihr Abschied auf immer, wohl auch das Ende der Kommunikation zwischen Wotan und Fricka und für Wotan das Ende aller Pläne, Träume und Visionen bedeutet – das endet in seichter, billiger Ironie. Dass Wagner das Stück in der Liebestonart E-Dur enden lässt, verpufft auf der Bühne wie vieles andere auch. Ob diese Inszenierung wie ihre Vorgängerin über 30 Jahre hinweg vor stets ausverkauftem Haus zu sehen sein wird, erscheint nach diesem Einstand doch höchst fraglich.

Die Walküre an der Deutsche Oper Berlin; die weiteren Termine 11.10.; 13.11.; 15.11.2020 und mehr

 

—| IOCO Kritik Deutsche Oper Berlin |—

Wien, Wiener Staatsoper, Online-Programm, Mai 2020

April 30, 2020 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Online-Programm für Mai 2020, CD- und DVD-Neuerscheinungen

Die Wiener Staatsoper hält während der coronavirusbedingten Schließung ihre digitalen Archive geöffnet und bietet – weltweit und bis auf Weiteres kostenlos – auf der Streaming-Plattform www.staatsoperlive.com täglich eine Aufzeichnung einer früheren Opern- oder Ballettvorstellung an. Das Programm für Mai 2020

ist nun auf der Streaming-Plattform sowie auf der Website der Wiener Staatsoper www.wiener-staatsoper.at abrufbar. Unter anderem können so Opernaufführungen von Eugen Onegin, I puritani, Werther, Der Freischütz, Ariadne auf Naxos, Der Ring des Nibelungen, La fille du régiment, die Ballette Don Quixote, Peer Gynt, Schwanensee und Der Nussknacker sowie ein abwechslungsreiches Kinderopern-Programm mit Wagner Nibelungenring für Kinder, Die Zauberflöte für Kinder und Patchwork (wieder) erlebt werden.

Musikliebhaber und Musikliebhaberinnen können sich auch mit zwei Neuerscheinungen die Wiener Staatsoper zu sich nach Hause holen: Bei Orfeo ist die CD der Jubiläumsproduktion von Die Frau ohne Schatten unter der Musikalischen Leitung von Christian Thielemann, mit Stephen Gould, Camilla Nylund, Evelyn Herlitzius, Wolfgang Koch und Nina Stemme (Mai 2019) erschienen sowie bei Arthaus Ariadne auf Naxos als Einzel-DVD, ebenfalls unter Christian Thielemann, mit Soile Isokoski, Sophie Koch, Daniela Fally und Johann Botha (Oktober 2014). Diese Aufzeichnungen sind im gut sortieren Fachhandel, im durchgehend geöffneten E-Shop der Wiener Staatsoper (https://shop.wiener-staatsoper.at/) sowie im Arcadia Opera Shop erhältlich.


Das Programm im Mai 2020 (Änderungen vorbehalten)

1. Mai 2020: La Bohème (Vorstellung vom 22. Dezember 2019)*
Dirigent: Marco Armiliato | Inszenierung: Franco Zeffirelli
u. a. mit Stefan Pop (Rodolfo), Irina Lungu (Mimì), Mariam Battistelli (Musetta),
Marco Caria (Marcello), Samuel Hasselhorn (Schaunard), Ryan Speedo Green (Colline), Marcus Pelz (Benoit/Alcindoro)

2. Mai 2020: Wagners Nibelungenring für Kinder (Vorstellung vom November 2007)*
Dirigent: Jendrik Springer | Inszenierung: Matthias von Stegmann
u. a. mit Ildikó Raimondi (Brünnhilde), Herwig Pecoraro (Siegfried), Adrian Eröd (Wotan), Daniela Fally (Waldvögelein), Janusz Monarcha (Fafner)

2. Mai 2020: Fidelio (Vorstellung vom 9. Juni 2015)*
Dirigent: Adam Fischer | Inszenierung: Otto Schenk
u. a. mit Robert Dean Smith (Florestan), Nina Stemme (Leonore),
Sebastian Holecek (Don Fernando), Jochen Schmeckenbecher (Don Pizarro),
Lars Woldt (Rocco), Annika Gerhards (Marzelline)

3. Mai 2020: Pelléas et Mélisande (Vorstellung vom 30. Juni 2017)*
Dirigent: Alain Altinoglu | Inszenierung: Marco Arturo Marelli
u. a. mit Franz-Josef Selig (Arkel), Bernarda Fink (Geneviève), Adrian Eröd (Pelléas),
Simon Keenlyside (Golaud), Olga Bezsmertna (Mélisande), Maria Nazarova (Yniold)

4. Mai 2020: Don Quixote (Vorstellung vom 8. und 31. Mai 2016)
Dirigent: Kevin Rhodes | Choreographie: Rudolf Nurejew |
u. a. mit Kamil Pavelka (Don Quixote), Maria Yakovleva (Kitri/Dulcinea),
Denys Cherevychko (Basil), Ketevan Papava (Eine Straßentänzerin), Roman Lazik (Espada), Mihail Sosnovschi (Ein Zigeuner), Olga Esina (Die Königin der Dryaden),
Kiyoka Hashimoto (Amor) Eine Aufzeichnung des ORF in Kooperation mit Unitel.

5. Mai 2020: Eugen Onegin (Vorstellung vom 26. November 2019)*
Dirigent: Michael Güttler | Inszenierung: Falk Richter
u. a. mit Marina Rebeka (Tatjana), Margarita Gritskova (Olga),
Boris Pinkhasovich (Eugen Onegin), Pavol Breslik (Lenski), Ferruccio Furlanetto (Fürst Gremin)

6. Mai 2020: I puritani (Vorstellung vom 10. März 2015)*
Dirigent: Marco Armiliato | Inszenierung: John Dew
u. a. mit Olga Peretyatko (Elvira), Carlos Álvarez (Sir Riccardo Forth),
John Tessier (Lord Arturo Talbo), Jongmin Park (Sir Giorgio)

7. Mai 2020: Werther (Vorstellung vom 31. März 2017)*
Dirigent: Frédéric Chaslin | Inszenierung: Andrei Serban
u. a. mit Ludovic Tézier (Werther), Sophie Koch (Charlotte), Adrian Eröd (Albert),
Alexandru Moisiuc (Le Bailli), Maria Nazarova (Sophie)

8. Mai 2020: Peer Gynt (Vorstellung vom 4. Dezember 2018)
Dirigent: Simon Hewett | Choreographie: Edward Clug
u. a. mit Jakob Feyferlik (Peer Gynt), Alice Firenze (Solveig), Eno Peci (Der Tod),
Zsolt Török (Ein Hirsch), Franziska Hollinek (Åse, Peer Gynts Mutter),
Ioanna Avraam (Ingrid, die Braut), Nikisha Fogo (Die Frau in Grün)
Eine Aufzeichnung der Wiener Staatsoper in Kooperation mit ORF III und Unitel.

9. Mai 2020: Die Zauberflöte für Kinder (Vorstellung vom 28. Februar 2003)
Dirigent: Seiji Ozawa | Regie: Diana Kienast
u. a. mit Walter Fink (Sarastro), Arnold Bezuyen (Tamino), Marlis Petersen (Königin der Nacht), Genia Kühmeier (Pamina), Hans Peter Kammerer (Papageno), Ileana Tonca (Papagena),
Herwig Pecoraro (Monostatos)
Eine Aufzeichnung des ORF.

9. Mai 2020: Der Freischütz (Vorstellung vom 11. September 2018)*
Dirigent: Sebastian Weigle | Inszenierung: Christian Räth
u. a. mit Samuel Hasselhorn (Ottokar), Anna Gabler (Agathe), Chen Reiss (Ännchen),
Tomasz Konieczny (Caspar), Christopher Ventris (Max), Hans Peter Kammerer (Samiel)

10. Mai 2020: Il barbiere di Siviglia (Vorstellung vom 21. Mai 2019)*
Dirigent: Evelino Pidò | Inszenierung: Günther Rennert
u. a. mit Juan Diego Flórez (Graf Almaviva), Paolo Rumetz (Bartolo),
Margarita Gritskova (Rosina), Rafael Fingerlos (Figaro)

11. Mai 2020: Schwanensee (Vorstellung vom 16. März 2014)
Dirigent: Alexander Ingram | Choreographie: Rudolf Nurejew
u. a. mit Vladimir Shishov (Prinz Siegfried), Olga Esina (Odette/Odile), Eno Peci (Zauberer Rotbart)
Eine Aufzeichnung des ORF in Kooperation mit Unitel.

12. Mai 2020: Ariadne auf Naxos (Vorstellung vom 23. Oktober 2014)
Dirigent: Christian Thielemann | Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
u. a. mit Soile Isokoski (Primadonna/Ariadne), Johan Botha (Tenor/Bacchus),
Sophie Koch (Der Komponist), Daniela Fally (Zerbinetta)
Eine Aufzeichnung der Wiener Staatsoper in Kooperation mit Unitel.

13. Mai 2020: Don Pasquale (Vorstellung vom 21. April 2016)
Dirigent: Evelino Pidò | Inszenierung: Irina Brook
u. a. mit Michele Pertusi (Don Pasquale), Valentina Naforni?? (Norina),
Adam Plachetka (Doktor Malatesta), Juan Diego Flórez (Ernesto)
Eine Aufzeichnung der Wiener Staatsoper in Kooperation mit ORF III und Unitel.

14. Mai 2020: Das Rheingold (Vorstellung vom 8. Jänner 2019)*
Dirigent: Axel Kober | Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
u. a. mit Tomasz Konieczny (Wotan), Clemens Unterreiner (Donner), Jörg Schneider (Froh),
Norbert Ernst (Loge), Jochen Schmeckenbecher (Alberich), Herwig Pecoraro (Mime),
Jongmin Park (Fasolt), Sorin Coliban (Fafner), Sophie Koch (Fricka), Anna Gabler (Freia), Monika Bohinec (Erda)

15. Mai 2020: Die Walküre (Vorstellung vom 8. April 2018)*
Dirigent: Adam Fischer | Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
u. a. mit Christopher Ventris (Siegmund), Jongmin Park (Hunding),
Tomasz Konieczny (Wotan), Simone Schneider (Sieglinde), Iréne Theorin (Brünnhilde),
Michaela Schuster (Fricka)

16. Mai 2020: Pünktchen und Anton (Vorstellung vom 8. Mai 2010)*
Dirigent: Friedrich Pfeiffer | Inszenierung: Matthias von Stegmann
u. a. mit Daniela Fally (Pünktchen), Roxana Constantinescu (Anton),
Ioan Holender (Herr Pogge), Ildikó Raimondi (Frau Pogge)

16. Mai 2020: Don Pasquale (Vorstellung vom 31. Oktober 2016)*
Dirigent: Frédéric Chaslin | Inszenierung: Irina Brook
u. a. mit Michele Pertusi (Don Pasquale), Valentina Naforni?? (Norina),
Alessio Arduini (Doktor Malatesta), Dmitry Korchak (Ernesto)

17. Mai 2020: Siegfried (Vorstellung vom 4. Juni 2015)*
Dirigent: Simon Rattle | Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
u. a. mit Stephen Gould (Siegfried), Evelyn Herlitzius (Brünnhilde),
Tomasz Konieczny (Der Wanderer), Richard Paul Fink (Alberich), Janina Baechle (Erda),
Herwig Pecoraro (Mime), Mikhail Petrenko (Fafner)

18. Mai 2020: Götterdämmerung (Vorstellung vom 5. Juni 2017)*
Dirigent: Peter Schneider | Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
u. a. mit Stefan Vinke (Siegfried), Petra Lang (Brünnhilde), Regine Hangler (Gutrune),
Falk Struckmann (Hagen), Marcus Eiche (Gunther), Jochen Schmeckenbecher (Alberich), Waltraud Meier (Waltraute)

19. Mai 2020: Der Freischütz (Vorstellung vom 14. Juni 2018)
Dirigent: Tomáš Netopil | Inszenierung: Christian Räth
u. a. mit Adrian Eröd (Ottokar), Camilla Nylund (Agathe), Daniela Fally (Ännchen),
Alan Held (Caspar), Andreas Schager (Max), Hans Peter Kammerer (Samiel)
Eine Aufzeichnung des ORF in Kooperation mit Unitel.

20. Mai 2020: Der Nussknacker (Vorstellung vom 7. Oktober 2012)
Dirigent: Paul Connelly | Choreographie: Rudolf Nurejew
u. a. mit Liudmila Konovalova (Clara), Vladimir Shishov (Drosselmeyer/Der Prinz),
Emilia Baranowicz (Luisa), Davide Dato (Fritz)
Eine Aufzeichnung des ORF in Kooperation mit Unitel.

21. Mai 2020: Don Giovanni (Vorstellung vom 20. Jänner 2018)*
Dirigent: Sascha Goetzel | Inszenierung: Jean-Louis Martinoty
u. a. mit Ludovic Tézier (Don Giovanni), Dan Paul Dumitrescu (Il Commendatore),
Ekaterina Siurina (Donna Anna), Jinxu Xiahou (Don Ottavio), Annette Dasch (Donna Elvira), Luca Pisaroni (Leporello), Valentina Naforni?? (Zerlina), Clemens Unterreiner (Masetto)

22. Mai 2020: Idomeneo (Vorstellung vom 22. Februar 2019)
Dirigent: Tomáš Netopil | Inszenierung: Kasper Holten
u. a. mit Bernard Richter (Idomeneo), Rachel Frenkel (Idamante), Irina Lungu (Elettra),
Valentina Naforni?? (Ilia), Pavel Kolgatin (Arbace)
Eine Aufzeichnung der Wiener Staatsoper in Kooperation mit ORF III.

23. Mai 2020: Patchwork (Vorstellung vom 29. Jänner 2017)*
Dirigent: Witolf Werner | Inszenierung: Silvia Armbruster
u. a. mit Stephanie Houtzeel (Vera), Clemens Unterreiner (Niko), Wolfram Igor Derntl (Tom), Hyuna Ko (Melanie); Kinder der Opernschule der Wiener Staatsoper

23. Mai 2020: Arabella (Vorstellung vom 18. Dezember 2014)*
Dirigent: Ulf Schirmer | Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
u. a. mit Wolfgang Bankl (Graf Waldner), Carole Wilson (Adelaide),
Anne Schwanewilms (Arabella), Genia Kühmeier (Zdenka), Tomasz Konieczny (Mandryka), Daniela Fally (Fiakermilli)

24. Mai 2020: Die Zauberflöte (Vorstellung vom 29. Dezember 2017)*
Dirigent: Adam Fischer | Inszenierung: Moshe Leiser, Patrice Caurier
u. a. mit Jörg Schneider (Tamino), René Pape (Sarastro), Hila Fahima (Königin der Nacht),
Olga Bezsmertna (Pamina), Ileana Tonca (Papagena), Thomas Tatzl (Papageno)

25. Mai 2020: Don Giovanni (Vorstellung vom 29. Jänner 2017)*
Dirigent: Adam Fischer | Inszenierung: Jean-Louis Martinoty
u. a. mit Simon Keenlyside (Don Giovanni), Sorin Coliban (Il Commendatore),
Irina Lungu (Donna Anna), Benjamin Bruns (Don Ottavio),
Dorothea Röschmann (Donna Elvira), Erwin Schrott (Leporello),
Ileana Tonca (Zerlina), Manuel Walser (Masetto)

26. Mai 2020: La fille du régiment (Vorstellung vom 25. September 2016)*
Dirigent: Evelino Pidò | Inszenierung und Kostüme: Laurent Pelly
u. a. mit Julie Fuchs (Marie), John Tessier (Tonio), Donna Ellen (Marquise de Berkenfield),
Carlos Álvarez (Sulpice), Marcus Pelz (Hortensius)

27. Mai 2020: Salome (Vorstellung vom 24. Jänner 2020)*
Dirigent: Michael Boder | Inszenierung: Boleslaw Barlog
u. a. mit Lise Lindstrom (Salome), Herwig Pecoraro (Herodes), Waltraud Meier (Herodias), Michael Volle (Jochannan), Carlos Osuna (Narraboth)

28. Mai 2020: Tristan und Isolde (Vorstellung vom 18. Jänner 2015)*
Dirigent: Peter Schneider | Inszenierung: David McVicar
u. a. mit Peter Seiffert (Tristan), Iréne Theorin (Isolde), Albert Dohmen (König Marke),
Tomasz Konieczny (Kurwenal), Gabriel Bermúdez (Melot), Petra Lang (Brangäne)

29. Mai 2020: Don Giovanni (Vorstellung vom 1. November 2015)*
Dirigent: Adam Fischer | Inszenierung: Jean-Louis Martinoty
u. a. mit Mariusz Kwiecien (Don Giovanni), Sorin Coliban (Il Commendatore),
Marina Rebeka (Donna Anna), Benjamin Bruns (Don Ottavio), Juliane Banse (Donna Elvira), Erwin Schrott (Leporello), Andrea Carroll (Zerlina), Jongmin Park (Masetto)

30. Mai 2020: Cinderella – Wiener Fassung für Kinder (Vorstellung vom 28. Jänner 2018)*
Dirigent: Witolf Werner | Inszenierung: Birgit Kajtna
u. a. mit Bryony Dwyer (Cinderella), Caroline Wenborne (Griselda), Ulrike Helzel (Zibaldona), Simina Ivan (Stiefmutter), Bongiwe Nakani (Emeline), Pavel Kolgatin (Prinz), Dan Paul Dumitrescu (König), Rafael Fingerlos (Minister), Alma Deutscher (Solovioline und Klavier)

30. Mai 2020: Le nozze di Figaro (Vorstellung vom 25. November 2014)*
Dirigent: Sascha Goetzel | Inszenierung: Jean-Louis Martinoty
u. a. mit Luca Pisaroni (Conte d’Almaviva), Olga Bezsmertna (Contessa d’Almaviva),
Anita Hartig (Susanna), Adam Plachetka (Figaro), Rachel Frenkel (Cherubino)

31. Mai 2020: Arabella (Vorstellung vom 17. März 2017)*
Dirigent: Peter Schneider | Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
u. a. mit Wolfgang Bankl (Graf Waldner), Stephanie Houtzeel (Adelaide),
Camilla Nylund (Arabella), Chen Reiss (Zdenka), Bo Skovhus (Mandryka),
Daniela Fally (Fiakermilli)

* Eine Aufzeichnung der Wiener Staatsoper.
Gewidmet von den Generalsponsoren Lexus und OMV.

Hinweis:
Bei allen Ausstrahlungen handelt es sich um Aufzeichnungen früherer Vorstellungen aus der Wiener Staatsoper. Aus technischen Gründen sind nicht für alle Vorstellungen Untertitel verfügbar.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Berlin, Deutsche Oper Berlin, Aktuelles 2019/20 – Spielplan 2020/21, IOCO Aktuell, 20.04.2020

deutscheoperberlin

Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Spielplan 2019/20 – Keine Vorstellungen ab … bis …??? …  

Unsicherheiten dominieren den laufenden Spielplan

Deutsche Oper Berlin / Intendant Dietmar Schwarz © IOCO

Deutsche Oper Berlin / Intendant Dietmar Schwarz © IOCO

Aufgrund der bis 3. Mai 2020 verlängerten Kontaktbeschränkungen des Landes Berlin sieht sich die Deutsche Oper Berlin verpflichtet, alle  Vorstellungen bis inklusive 3. Mai 2020 abzusagen. Ebenso können keine Proben von Chor und Orchester stattfinden, sodass auch das Kinderkonzert sowie die Vorstellung von MADAMA BUTTERFLY am 7. Mai entfallen müssen. Die Deutsche Oper bedauet dies sehr und hofft, bald mitteilen zu können, wann wieder Vorstellungen auf unserer Bühne zeigen werden.

Was die Planungen für den Monat Mai 2020 anbelangt, so muss leider die für den 9. Mai angekündigte Premiere von Pjotr I. Tschaikowskijs PIQUE DAME für den genannten Termin abgesagt werden –zu gegebener Zeit wird über den neuen Zeitpunkt der Premiere informiert. Damit entfallen auch sämtliche für den Mai angekündigten PIQUE-DAME –Vorstellungen, die Opernwerkstatt sowie die Begleitveranstaltung AUS DEM HINTERHALT.

Spielplan 2020/21 – Die Deutsche Oper Berlin – stellt vor

Walküre, Siegfried, Fidelio, 7 Deaths of Maria Callas ….

in der kommenden Saison gelten vier der sieben Neuproduktionen auf der Hauptbühne Werken von deutschen Komponisten, und diese vier Werke haben zweifellos auch unseren Begriff von dem, was deutsch ist, mitgeprägt …

Deutsche Oper Berlin / GMD Donald Runnicles © Pablo Castagnola

Deutsche Oper Berlin / GMD Donald Runnicles © Pablo Castagnola

Zum Teil ist dieser Schwerpunkt natürlich dem neuen RING DES NIBELUNGEN geschuldet, dessen Teilstücke DIE WALKÜRE und SIEGFRIED wir als Premieren (am 27. September 2020 und 24. Januar 2021) im Rahmen der Neuinszenierung von Stefan Herheim und unter musikalischer Leitung von Generalmusikdirektor Donald Runnicles präsentieren. Aber wir haben den neuen RING zum Anlass genommen, uns zwei weiteren Werken der größten deutschen Komponisten zu nähern: Johann Sebastian Bachs MATTHÄUS-PASSION (25. April 2021) und Ludwig van Beethovens FIDELIO (12. Juni 2021).

Und so verschieden der RING, FIDELIO und die MATTHÄUS-PASSION als musikdramatische Meisterwerke auch sein mögen, so ist ihnen doch ein zentrales Anliegen gemeinsam: Sie wollen nicht nur anspruchsvoll unterhalten, sondern sie sind Ausdruck der Überzeugung, dass die Kunst dazu da ist, Diskurse anzustoßen und Ideen zu vermitteln. Durch diesen Anspruch reichen der RING ebenso wie FIDELIO und die MATTHÄUS-PASSION seit jeher über den bloßen Theaterrahmen hinaus: So wie Wagner für seine  Vision eine neue Art Theatererlebnis schuf, vereint FIDELIO Oper und Oratorium und auch die MATTHÄUS-PASSION ist ein Werk, das die Grenzen zwischen Aufführenden und Publikum zu überwinden versucht – in der Kirche ebenso wie im Konzertsaal oder auf der Opernbühne.

Wir freuen uns ganz besonders, für den RING mit Lise Davidsen als Sieglinde und Nina Stemme als Brünnhilde zwei der weltweit besten Wagner-Sopranistinnen gewonnen zu haben.

AIDA – ab 28.8.2020 wieder auf dem Spielplan
youtube Trailer Deutsche Oper Berlin
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Als Inbegriff protestantischer Musikkultur hat Bachs MATTHÄUS-PASSION mit ihrer theatralen Vergegenwärtigung der Passion immer wieder den Weg auf die Bühne gefunden. An der Deutschen Oper Berlin erarbeitet die Neuinszenierung Benedikt von Peter, der mit seiner Raumkonzeption den Gedanken des Stücks verwirklicht, musikalische Aktion und Publikum zu einer Gemeinde zu verschmelzen. Ihn interessiert insbesondere die Frage nach der Bedeutung des Passionsgedankens für eine diverse Gesellschaft, in der die christliche Religion an Relevanz verliert. Mit Alessandro de Marchi haben wir einen Dirigenten gefunden, der bereit ist, eine Synthese aus historischer Aufführungspraxis und den Erfordernissen eines modernen Theaterraums zu erarbeiten.

Mit Beethovens Oper FIDELIO wurde das Haus an der Bismarckstraße 1912 eröffnet und sie gehört ins Repertoire dieses Hauses. Regisseur David Hermann, seit seiner Inszenierung von Lachenmanns DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN regelmäßiger Gast am Haus, wird dieses Mal von Bühnenbildner Johannes Schütz unterstützt. Als Florestan ist Brian Jagde zu erleben, Ingela Brimberg als Leonore. Donald Runnicles wird sowohl die FIDELIO-Premiere leiten als auch die konzertante Aufführung der Erstfassung des Werks, LEONORE, die am 15. September im Rahmen des Musikfests Berlin präsentiert wird

Darüber hinaus laden wir zu drei weiteren Neuproduktionen auf der großen Bühne ein: Marina Abramovics 7 DEATHS OF MARIA CALLAS eröffnet am 19. August 2020 als internationale Koproduktion die Spielzeit. Eine der wichtigsten Künstlerinnen unserer Zeit stellt sich am Beispiel der Callas der existenziellen Frage, wie persönliche Erfahrungen, Krisen, Enttäuschungen zu Kunst werden können und einem Kunstwerk sogar seine unvergleichliche Intensität verleihen. Sieben berühmte, durch Maria Callas interpretierte Operntode stehen im Zentrum dieses besonderen Abends. Der Komponist Marko Nikodijevic ist in dieser Saison Composer in Residence beim Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin.

Mit Verdis SIMON BOCCANEGRA (Premiere am 22. November) zeigen wir eine der politischsten Opern Verdis: Eine Oper, in der uns eine Gesellschaft gezeigt wird, die durch jahrzehntelange politische Kämpfe und Parteienbildungen geprägt ist und in der jeder, der an der Macht ist, früher oder später zu jenem Politiker-Typus wird, der nicht mehr aus Überzeugung, sondern nur noch aus Machtkalkül handelt. Mit dieser Neuproduktion kehrt der junge russische Regisseur Vasily Barkathov zu uns zurück, der hier sehr erfolgreich die Uraufführung von Aribert Reimanns L’INVISIBLE inszeniert hat, eine Produktion, die wir aus Anlass von Aribert Reimanns 85. Geburtstag im März 2021 übrigens wiederaufnehmen.

Tannhäuser – Making of ….
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Und außerdem bringen wir am 14. März eines der späten Meisterwerke der Puccini-Zeit, das es unserer Ansicht nach wiederzuentdecken gilt, auf die Bühne: Riccardo Zandonais 1914 uraufgeführte FRANCESCA DA RIMINI. Das Stück ist ein besonderer Wunsch von Christof Loy, dessen Inszenierung von Korngolds DAS WUNDER DER HELIANE (IOCO DVD Rezension HIER) einen großen Eindruck hinterlassen hat. (Auch sie wird am 9. Mai wiederaufgenommen.) Wie bei HELIANE ist auch die Musik der FRANCESCA hoch sinnlich, schwelgerisch und farbenreich und kommt in dem strengen formalen Rahmen, den Christof Loy diesen Werken gibt, umso besser zur Geltung. Christof Loy sieht in FRANCESCA ebenso wie in HELIANE eine Systemsprengerin, eine Frau, die die Strukturen, in denen sie lebt, durch ihr Agieren zum Einsturz bringt. Sara Jakubiak interpretiert diese Figur, die Sie schon als Heliane erlebt haben – in der kommenden Spielzeit wird sie übrigens auch Venus / Elisabeth in TANNHÄUSER (Trailer oben) singen.

Die Tischlerei als Ort experimentellen Musiktheaters ist ein Ort genre-übergreifender Arbeiten, von Kooperationen mit Künstlern aus der Berliner und internationalen freien Szene sowie von Koproduktionen mit anderen Theatern, Festivals und Hochschulen. Die noch in dieser Saison anstehende Uraufführung ONCE TO BE REALISED. SECHS BEGEGNUNGEN MIT JANI CRISTOUS „PROJECT FILES“ (am 5. Juni 2020) ist eine Koproduktion mit der Münchener Biennale und dem Onassis Cultural Center Athen.

Und auch in der kommenden Saison kooperieren wir für THE MAKING OF BLOND von Gesine Danckwart (5. März) mit dem Burgtheater Wien, und für NEUE SZENEN V: 3 SCHEITERHAUFEN (30. April) entstehen bereits zum fünften Mal zusammen mit der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin drei Uraufführungen junger Komponist*innen, die in einem internationalen Wettbewerb ermittelt wurden.

Don Carlo – 2021 wieder auf dem Spielpan – doch ohne  ….
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Zu Beginn der Spielzeit 2020/21 wird die sowohl im Schauspiel als auch in der Oper aktive Regisseurin Anna-Sophie Mahler einen Abend unter dem Titel WALDESRUH vorstellen (1. Oktober), der Recherchen von einschlägigen Fachleuten zum Thema Wald ebenso einbezieht wie romantische Chorliteratur und Lieder. Morton Feldmans Stück für Klavier solo Triadic Memories wird den Musiktheaterabend abschließen.

Placido Domingo – 2020/21 nicht an der Deutschen Oper

Wie Sie der Saisonbroschüre entnehmen können, war das Engagement von Plácido Domingo als Marquis von Posa in den DON-CARLO-Vorstellungen im Juni 2021 geplant. Aus gegebenem Anlass arbeiten wir an einer Auflösung des Vertrages und geben die neue Besetzung der Partie sobald als möglich bekannt.

—| Pressemeldung Deutsche Oper Berlin |—

Essen, Philharmonie Essen, Fidelio – Ludwig van Beethoven, 29.02.2020

Februar 17, 2020 by  
Filed under Konzert, Philharmonie Essen, Pressemeldung

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Nina Stemme © Tanja Niemann

Philharmonie Essen / Nina Stemme © Tanja Niemann

  Fidelio – Ludwig van Beethoven

 Samstag, 29. Februar, um 20 Uhr in der Philharmonie Essen

Ludwig van Beethovens einzige Oper Fidelio ist jetzt mit prominenter Besetzung in der Philharmonie Essen zu erleben: Die schwedische Star-Sopranistin Nina Stemme singt die Titelpartie in der halbszenischen Aufführung am Samstag, 29. Februar 2020, um 20 Uhr im Alfried Krupp Saal. Nina Stemme gilt seit Jahren als führende Interpretin im dramatischen Stimmfach. So wird sie etwa als Brünnhilde an der Wiener Staatsoper und am Royal Opera House in London, als Turandot an der Metropolitan Opera in New York und als Elektra an der Bayerischen und Wiener Staatsoper regelmäßig gefeiert. Zu den weiteren Gesangssolisten gehören unter anderem Michael Weinius als Florestan, John Lundgren als Don Pizarro, Johan Schinkler als Rocco und Malin Christensen als Marzelline. Thomas Dausgaard leitet das Swedish Chamber Orcherstra und den Swedish Radio Choir. Regie führt der Engländer Sam Brown.

Die Oper spielt zur Zeit der Französischen Revolution: Leonore, der Frau des politischen Häftlings Florestan, gelingt es, als Mann verkleidet – unter dem Namen Fidelio – in das Gefängnis einzudringen, in dem Jakobiner Florestan gefangen halten. Sie versteht es, das Vertrauen des Kerkermeisters zu gewinnen und ihren Gatten zu befreien. Über die Titelfigur sagt Nina Stemme: „Leonore ist eine sehr starke und mutige Frau. Und es gibt Momente in Beethovens Musik, die einfach magisch sind. Wobei die Partie der Leonore fast schwieriger zu singen ist als die der Isolde.“

Karten (€ 30,00-65,00) und Infos unter T 02 01 81 22-200 und www.philharmonie-essen.de.

Eine Koproduktion der Philharmonie Essen mit dem Swedish Chamber Orchestra und dem BOZAR in Brüssel

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

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