Frankfurt, Oper Frankfurt, The Medium – Satyricon, IOCO Kritik, 27.07.2019

Juli 27, 2019 by  
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Oper Frankfurt

Bockenheimer Depot © Staedtische Buehnen Frankfurt / PMG

Bockenheimer Depot © Staedtische Buehnen Frankfurt / PMG

The Medium – Gian Carlo Menotti : Satyricon – Bruno Maderna

 – Erstaufführungen der Oper Frankfurt im Bockenheimer Depot –

von Ljerka Oreskovic Herrmann

Ein Ort, der Theatergeschichte geschrieben hat, bietet den passenden Raum für zwei jeweils gut einstündige Opernwerke: The Medium von Gian Carlo Menotti und Satyricon von Bruno Maderna sind erstmals zusammen zu hören und zugleich auch Frankfurter Erstaufführungen. Menotti (1911-2007) und Maderna (1920-1973) waren Zeitgenossen und doch unterscheiden sich ihre Kompositionsweisen und Werke erheblich. Auch in der Thematik gehen diese beiden Komponisten mit italienischen Wurzeln getrennte Wege.

 Oper Frankfurt / The Medium - hier : Meredith Arwady als Madame Flora © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / The Medium – hier : Meredith Arwady als Madame Flora © Barbara Aumueller

Das Bockenheimer Depot verfügt über den kleinen, keineswegs weniger bedeutenden, dafür aber intimen Rahmen. Das Depot, das im Frankfurter Stadtteil Bockenheim liegt, ist ein Relikt aus vergangenen Tagen: ein Betriebshof und Hauptwerkstatt der Straßenbahn Frankfurt. Entstanden ist das unter Denkmalschutz stehende Gebäude 1900, um die elektrifizierten Straßenbahnen beherbergen zu können, doch 1966 war damit Schluss. Nach diversen Nutzungen – so auch von Zirkus Roncalli 1986 – musste nach dem Opernbrand von 1987 das Schauspielhaus, das seine Bühne der Oper zur Verfügung stellte, ins Bockenheimer Depot ausweichen. Der Umbau in ein Theater mit etwa 400 Sitzplätzen rechnete sich langfristig, denn von 1985 bis 2004 residierte dort das legendäre Theater am Turm –  kurz TAT. Dieses musste seinen angestammten Platz am Eschenheimer Turm, der ihm auch den Namen eintrug, verlassen – und mit ihm ging auch ein Stück Frankfurter und deutsche Theatergeschichte verloren. Bis heute nutzen sowohl das Schauspiel- als auch das Opernhaus der Städtischen Bühnen diesen ungewöhnlichen Theaterraum. Und ein weiterer Großer der Frankfurter Theatergeschichte gehört dazu: William Forsythe, der dem Ballett Frankfurt zunächst als künstlerischer Direktor und dann als Intendant zwei Jahrzehnte bis 2004 vorstand, gab bis 2015 mit seiner Forsythe Company dort regelmäßig Ballettvorstellungen Die Nachfolgekompanie gastiert noch heute im Bockenheimer Depot.

Oper Frankfurt / The Medium - hier : v.l. Louise Alder als Monica, Meredith Arwady als Madame Flora, Marek Löcker als Toby © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / The Medium – hier : v.l. Louise Alder als Monica, Meredith Arwady als Madame Flora, Marek Löcker als Toby © Barbara Aumueller

In The Medium sehen wir einen dunklen Raum, rechts mit einer Treppe zu einer Tür nach oben führend. Links steht der Tisch für anstehende spiritistische Sitzung bereit. Es ist ein klaustrophobischer Ort, es gibt zwar Türen links und oben, aber sie bieten keinen Ausweg – zumindest nicht für die Bewohner, wie sich später zeigen wird, stattdessen wird alles noch düsterer werden. Die Séance verspricht den Besuchern Kontakt zu ihren zu früh Verstorbenen herzustellen. Da sind das Ehepaar Gobineau, das über den Tod ihres kleinen Sohnes nach all den Jahren nicht hinwegkommen ist, und Mrs. Nolan, die eine fast schon erwachsene Tochter verloren hat. Aber auch die Bewohner dieses okkulten Ortes tragen ihre Päckchen: Madame Flora – Meredith Arwady – ist eine Wucht und die zentrale Figur dieser Oper – trinkt, ist unbeherrscht und kann brutal werden; wie sie das darstellt und mit allen Facetten ihrer Stimme operiert – von beinahe nicht geglaubter Sanftheit bis zu scharfen Tönen – ist sie der Höhepunkt des Abends. Insbesondere gegen ihren stummen „Ziehsohn“ Toby richtet sich ihre Wut und auch hier gilt: großartig gespielt von Marek Löcker. Monica, die Tochter und von Louise Alder als liebenswürdige Antifigur zu ihrer Bühnenmutter dargestellt, versucht den Ausgleich zwischen beiden. Sie mag Toby, und sie gibt ihm die Wärme, die er sucht, aber sie wird ihn nicht retten können. Ihre Figur und ihre berührende glockenklare Stimme sind nicht nur dramaturgisch, sondern auch musikalisch der Kontrast zu Madame Flora und ihrem schroffen Wesen.

Während die Gobineaus schon erfahrene Teilnehmer sind, ist Mrs. Nolan unsicher, ob der Kontakt zu ihrer toten Tochter gelingen kann und ihr Frieden bringen wird. Die Sitzung beginnt wie immer: Der Kontakt zum kleinen Sohn der Gobineaus erfolgt sofort, und auch Mrs. Nolan, skeptisch und etwas irritiert über die Aussagen ihrer Tochter, scheint überzeugt. Bis Madame Flora vermeintlich von einer unsichtbaren Hand berührt wird. Jetzt kippt alles. Die Séance-Teilnehmer werden nach Hause geschickt, Toby für die mysteriöse Hand verantwortlich gemacht. Wie eine Furie wütet diese Frau, die doch alles im Griff zu haben schien, und tappt in ihre eigene Falle. Als sie erneut kommen, will sie ihnen vorführen, dass das alles nur Tricks waren: Monica ist über einen Spiegel als die tote Tochter Mrs. Nolans erschienen, auch die Gobineaus habe sie nur betrogen. Doch sie glauben ihr die Wahrheit nicht. Sie trinkt, hetzt gegen Toby, am Ende ist ihre Wut sein Tod: Er erhängt sich und baumelt vom angedeuteten Dachboden, wohin er sich immer vor ihr geflüchtet hat, herunter. Ein ausgezeichnetes Sängerensemble, das fein aufeinander abgestimmt ist: Barbara Zechmeister und Dietrich Volle sind ein bewährtes Team, das die Eltern eines toten Kindes bis in jedes Detail sehr gut spielen und singen. Kelsey Lauritano beeindruckt mit schöner Stimme und ebenso versiertem Spiel. Louise Alder ist der Halt bzw. der optimistische Teil, der Hoffnung aufzeigt, so dass man geneigt wäre zu glauben, es wird noch eine Wendung zum guten Ende geben. Marek Löckers Rolle ist zwar stumm, aber seine Präsenz ist so grandios, dass er allen ein ebenbürtiger Partner ist. Und natürlich die alles umwerfende Meredith Arwady,: wie wenige andere ist sie in der Lage von Zärtlichkeit – in Stimme und Haltung – zu Wut und Aggression zu wechseln.

Hans Walter Richter zeigt ein stimmiges Kammerspiel, indem sich das Drama langsam abzeichnet und am Ende fürchterlich kulminiert. Ihm zur Seite stehen: der Bühnenbildner Kaspar Glarner, die Kostümbildnerin Cornelia Schmidt und Jan Hartmann, der für das entsprechende Licht sorgte. Ein rundes, gelungenes Werk zu dem das Frankfurter Opern- und Museumsorchester unter der souveränen Leitung von Kapellmeister Nikolai Petersen hervorragend beiträgt. Belohnt wurde nicht nur das Regieteam, sondern auch das Sängerensemble mit großem Applaus; Meredith Arwady ist die überragende Sängerin des Abends, die vom Publikum dafür begeistert gefeiert wurde.

Oper Frankfurt / Satyricon - hier : Peter Marsh als Trimalchio und Ensemble © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Satyricon – hier : Peter Marsh als Trimalchio und Ensemble © Barbara Aumueller

Der Raum ist bei Satyricon geweitet, alles ist offen und scheinbar heiter, heller, ein wahres optisches Kontrastprogramm zu The Medium. Auch musikalisch – die Leitung hat Simone di Felice übernommen – bietet es eine andere Klangwelt. Es ist eine musikalische Collage, die kräftig aus der Musikliteratur zitiert – von Tschaikowski bis Wagner, ebenso Tango und Jazz. Aber, wie Simone di Felice im Gespräch mit der Regisseurin Nelly Danker im Programmheft erläutert: „In ihren vielen kleinen Fragmenten ist die Musik absolut als eine italienische erkennbar. Für Maderna sind Instrumente wie Stimmen in einem Dialog, sie sprechen und streiten miteinander, wie Personen.

Tatsächlich findet ein ständiger „Dialog“ nicht nur der Instrumente, sondern auch der Protagonisten statt, den nachzuvollziehen aufgrund des überbordenden Bühnengeschehens und der gleichzeitigen Aktionen nicht unbedingt erleichtert wird. Bei Satyricon handelt es sich um ein Werk, das in unterschiedlicher Fassung bzw. Folge der sechzehn verschiedenen Szenen aufgeführt werden kann und soll. In fünf Sprachen wird das Gastmahl des Trimalchio gefeiert, eine Episode aus dem in Latein verfassten Romanfragment Satyricon von Petronius Arbiter aus dem 1. Jahrhundert zu Zeiten Kaiser Neros. Trimalchio, ein ehemaliger Sklave, ist zur Reichtum gekommen und gibt wieder eine Party, allerdings soll auf dieser seine eigene Beerdigung und sein letzter Wille verkündet und gefeiert werden. Natürlich kann das nur schrill und überzogen sein, und so lässt die Regisseurin Nelly Danker ein Laufband hinter der rechts stehenden Halbtreppe ständig neue Präsente auffahren, die kaum alle sinnvoll genutzt werden können – außer den Protz des Gastgebers zu demonstrieren. So wie auch die links freistehende Badewanne eher Lustspielen als ihrem eigentlichen Zweck dient. Überhaupt ist die Akrobatik ein nicht unwesentlicher Bestandteil dieser Inszenierung: Scintillas Gesang ist ebenso artistisch wie ihre körperlichen Verrenkungen, einer Trapezkünstlerin gleich hängt sie im und am weißen von der Decke baumelnden Tuch. Die weiteren Gäste dieser makabren Feier sind Habinnas, ihr Gatte, sowie Criside und Eumolpus. Auch die Sklaven Niceros, Philargyros und Cairo sind nur Staffage, einzig da, ihren Herren zufrieden zu stellen und dabei auch die Attacken seiner Frau Fortunata abzumildern. Da es kein richtig oder falsch bei diesem Werk gibt, ist Flexibilität von Musikern und Mitwirkenden gefordert. Simone di Felice, seit 2017/18 Kapellmeister an der Oper Frankfurt, bringt es präzise auf den Punkt: „Das ist wie beim Festessen einer italienischen Familie. Drei Stunden lang sprechen alle laut durcheinander, und keiner hört zu. Es gibt eigentlich keinen Dialog, sondern viele Monologe gleichzeitig und trotzdem haben am Ende alle eine gute Zeit – meistens.“  Leider hat das die Regisseurin allzu sehr beherzigt, so dass das Stück eher disparat wirkt und im optischen Overkill untergeht. Mehr Schein als Sein hat sie ihren Figuren – insbesondere dem Gastgeber Trimalchio bescheinigt –, so dass alles nur Oberfläche bleibt, von der von ihr beschriebenen „bissigen Gesellschaftssatire“ Bruno Madernas ist wenig zu spüren. Schade, denn sie hätte durch eine stringentere Erzählweise genau das zeigen können.

Oper Frankfurt / Satyricon - hier : Ensemble © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Satyricon – hier : Ensemble © Barbara Aumueller

Die Leistung aller Mitwirkenden kann gar nicht genug gelobt werden, das Publikum sah es ähnlich und belohnte die Mitwirkenden mit großem Applaus. Allen voran Peter Marsh als Trimalchio, der nicht nur mit den verschiedenen Sprachen hantieren muss, sondern musikalisch als ein mit Halbwissen um sich werfender in Gold gekleideter Gockel auftritt – mit großen Witz stattet er diesen über alle Epochen und Zeiten immer wiederkehrenden Zeitgenossen aus. Susanne Gritschneders eher geerdete oder berechnende Fortunata bildet einen schönen Kontrast dazu. Ambur Braid ist Scintilla, ihr zynisch angehauchter Mann Habinnas wird von Theo Lebow verkörpert. Criside, von Karen Vuong, und Eumolpus, von Mikolai Trabka, sind das andere Gästeehepaar. Die drei Sklaven werden von Kamil Mrozowski, Michael Gross und Manuel Gaubatz dargestellt. Unter Simone di Felice spielt ein fabelhaft aufgelegtes Frankfurter Opern- und Museumsorchester. Für Bühnenbild zeichnet Kaspar Glarner, für Kostüme Cornelia Schmidt, für Licht Jan Hartmann und für Video Sami Bill verantwortlich.

Die Verschränkung der Stücke wirkt durchaus interessant, am Ende jedoch kann man sich nicht erwehren, nach der Sinnhaftigkeit der Verknüpfung zu fragen. Nichts verbindet sie, weder musikalisch noch inhaltlich – am ehesten noch, dass sie ein jeweils spezifisches gesellschaftliches Miteinander porträtieren und musikalisch erklingen lassen. Vielleicht hätte man beide Werke einer einzigen regieführenden Person überlassen sollen, so zerbröselte der Abend nach dem packenden ersten Teil zwar etwas, entwickelt aber insgesamt eine spannende, inspirierende Nachwirkung.

The Medium – Satyricon:  weitere Aufführungen im Bockenheimer Depot zur Zeit nicht auf dem Spielplan der Oper Frankfurt

 

—| IOCO Kritik Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, HIGHLIGHTS IM SPIELPLAN, OKTOBER 2018

August 10, 2018 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

HIGHLIGHTS IM SPIELPLAN DER OPER FRANKFURT IM OKTOBER 2018


Sonntag, 28. Oktober 2018, um 18.00 Uhr im Opernhaus

Premiere / Frankfurter Erstaufführung
IOLANTA
Lyrische Oper in einem Akt von Peter I. Tschaikowski
In russischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Premiere
OEDIPUS REX
Opernoratorium in zwei Akten von Igor Strawinsky
In lateinischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Sebastian Weigle / Nikolai Petersen; Regie: Lydia Steier

Oper Frankfurt / Sebastian Weigle © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Sebastian Weigle © Barbara Aumueller

Mitwirkende Iolanta: Asmik Grigorian (Iolanta), Robert Pomakov (König René), AJ Glueckert (Graf Vaudémont), Gary Griffiths (Robert), Andreas Bauer (Ibn-Hakia), Judita Nagyová (Martha), Kateryna Kasper (Brigitta), Nina Tarandek (Laura), Magnús Baldvinsson (Bertrand), Matthew Swensen (Almeric)
Mitwirkende Odipus Rex: Peter Marsh (Ödipus), Tanja Ariane Baumgartner (Jokaste), Gary Griffiths (Kreon), Andreas Bauer (Teiresias), Matthew Swensen (Hirte), Brandon Cedel (Bote)

Weitere Vorstellungen: 1., 3., 8., 11. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 16., 18. (18.00 Uhr), 23., 25. November, 1. Dezember 2018

Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.00 Uhr
Preise: € 15 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Oper Frankfurt / Lydia Steier  © Sandra Then

Oper Frankfurt / Lydia Steier © Sandra Then

Mit diesem Opern-Doppel – bestehend aus Iolanta von Peter I. Tschaikowski (1840-1893) und Oedipus Rex von Igor Strawinsky (1882-1972) – setzt die Oper Frankfurt ihre Tradition fort, Kurzopern aus verschiedenen Stilepochen miteinander zu kombinieren – zum Gewinn des Publikums. Tschaikowskis 1892 in St. Petersburg uraufgeführter Iolanta diente ein märchenhaftes Schauspiel (1845) des Dänen Henrik Hertz als literarische Vorlage. Die Komposition steht noch völlig in romantischer Tradition und lässt Anklänge an Wagners Tristan und Isolde hören; auch dies ein Werk, das die äußere Handlung durch die musikalisch geschilderten inneren Vorgänge und Entwicklungen der Protagonisten ausdrückt. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sich zunehmender Erfolg ein, zuerst nur in Russland, später auch im Ausland. Strawinskys Oedipus Rex gelangte 1927 in Paris zur konzertanten bzw. ein Jahr später in Wien zur szenischen Uraufführung. Das Libretto nach Sophokles stammt von Jean Cocteau, dessen Antikenrezeption Strawinsky faszinierte. Nach der Lektüre einer Biografie des Franz von Assisi kam der Komponist auf die Idee, das Werk ins Lateinische zu übersetzen. Wie zu einer Collage von objets trouvés verbinden sich Rhythmen und Harmonien, die ihre Einflüsse aus dem Mittelalter, aus russisch-orthodoxer Kirchen- und Volksmusik sowie aus der Klassik und dem Jazz beziehen. Auch hier fand die internationale Verbreitung erst nach dem Zweiten Weltkrieg statt.

In beiden Stücken geht es um die Blindheit der jeweiligen Hauptperson – einmal im realen und einmal im übertragenen Sinne: Die Königstochter Iolanta kann nicht sehen und wird auf strenges Geheiß ihres Vaters von ihrer Umgebung in Unkenntnis über ihre Behinderung gehalten. Als der in sie verliebte Graf Vaudémont sie mit den Tatsachen konfrontiert, wird er vom König angeblich zum Tode verurteilt. Durch die Liebe findet Iolanta die Kraft, sich einer Therapie zu unterziehen, die ihr schließlich das Augenlicht wiedergibt. König Ödipus hingegen verschließt seine Augen vor der Tatsache, dass er unwissentlich zum Mörder des eigenen Vaters und zum Ehemann seiner Mutter Jokaste wurde. Als die Wahrheit ans Licht kommt, begeht seine Mutter Selbstmord, und er selbst sticht sich die Augen aus.

Die musikalische Leitung liegt bei Frankfurts Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, der damit seine erste Neuproduktion der Saison 2018/19 an seinem Stammhaus vorlegt. Gerade an der Wiener Staatsoper mit Wagners Lohengrin zu Gast, wird er zusätzlich zu seinen hiesigen Aufgaben ab 2019/20 das Yomiuri Nippon Symphony Orchestra Tokio als Chefdirigent übernehmen. Mit ihm wechselt sich bei dieser Produktion Kapellmeister Nikolai Petersen am Pult ab. Die Amerikanerin Lydia Steier wird als eine der führenden Opernregisseurinnen ihrer Generation gehandelt. Neben ihrem Debüt an der Oper Frankfurt gehören Puccinis Turandot an der Oper Köln, Berlioz’ Les Troyens an der Semperoper Dresden, Strawinskys The Rake’s Progress am Theater Basel und Mozarts Die Zauberflöte bei den Salzburger Festspielen 2018 zu ihren jüngsten Aufgaben. Asmik Grigorian (Iolanta) stammt aus Litauen und gibt gleichfalls ihr Hausdebüt. Im Terminkalender der vielgefragten Sopranistin stehen Strauss’ Salome bei den Salzburger Festspielen 2018, Puccinis Madame Butterfly an der Königlichen Oper Stockholm und Marietta in Korngolds Die tote Stadt an der Mailänder Scala. Robert Pomakov (König René) gab hier 2016/17 sein Hausdebüt als Gremin in Tschaikowskis Eugen Onegin, kürzlich gefolgt von Oroveso in Bellinis Norma. Regelmäßig gastiert der kanadische Bass an der New Yorker Metropolitan Opera und der Opéra National de Paris. Der amerikanische Tenor AJ Glueckert (Graf Vaudémont) gehört seit 2017/18 zum Frankfurter Ensemble, wo er zuletzt Flamand in Strauss’ Capriccio, Skuratov in Janá?eks Aus einem Totenhaus und Froh in Wagners Das Rheingold verkörperte. Zudem gastierte er jüngst als Bacchus in Strauss’ Ariadne auf Naxos beim Glyndebourne Festival und als Erik in Wagners Der fliegende Holländer an der New Yorker Met. Seit 1998/99 gehört Peter Marsh (Oedipus) zum Ensemble der Oper Frankfurt, wo er zuletzt u.a. als Walter in Weinbergs Die Passagierin (in dieser Partie gastierte er auch in Wien und Tel Aviv), der Rebell in K?eneks Das geheime Königreich und Šapkin in Aus einem Totenhaus zu erleben war. Neben ihren internationalen Gastengagements sang Tanja Ariane Baumgartner (Jokaste) jüngst an ihrem Frankfurter Stammhaus Cassandre in Berlioz’ Les Troyens, Azucena in Verdis Il trovatore und Clairon in Strauss’ Capriccio sowie einen stark akklamierten Liederabend. Alle übrigen Partien sind mit Ensemblemitgliedern und Gästen besetzt.


Samstag, 6. Oktober 2018, um 19.30 Uhr im Opernhaus

Erste Wiederaufnahme
CAPRICCIO
Konversationsstück mit Musik in einem Aufzug von Richard Strauss
Mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Lothar Koenigs; Inszenierung: Brigitte Fassbaender

Oper Frankfurt /Capriccio © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt /Capriccio © Monika Rittershaus

Mitwirkende: Kirsten MacKinnon (Gräfin Madeleine), Sebastian Geyer (Graf), AJ Glueckert (Flamand), Iain MacNeil (Olivier), Alfred Reiter (La Roche), Tanja Ariane Baumgartner (Clairon), Hans-Jürgen Lazar (Monsieur Taupe), Florina Ilie (Eine italienische Sängerin), Michael Petruccelli (Ein italienischer Tenor), Gurgen Baveyan (Der Haushofmeister), Katharina Wiedenhofer (Eine junge Tänzerin) u.a.

Weitere Vorstellungen: 12., 19., 26. Oktober, 4. (18.00 Uhr) November 2018

Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr
Preise: € 15 bis 105 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Mitten im Krieg legte Richard Strauss (1864-1949) mit seiner letzten, am 28. Oktober 1942 im Münchner Nationaltheater uraufgeführten Oper Capriccio sein musikdramatisches Vermächtnis vor. Das Dirigat oblag damals seinem Freund Clemens Krauss, der zudem das Libretto des Werkes eingerichtet hatte. Beide Künstler sind aus heutiger Sicht nur schwer vom Vorwurf der Nutznießerschaft am nationalsozialistischen System freizusprechen. Und so wollte sich Regisseurin Brigitte Fassbaender auch nicht damit abfinden, lediglich – wie es das Libretto vorsieht – die Geschichte einer Frau zwischen zwei Männern zu erzählen, sozusagen als Sinnbild der Erörterung zweier entgegengesetzter musiktheoretischer Positionen: Was ist wichtiger – das Wort oder die Musik?
Fassbaender verlegt also die in Paris angesiedelte Handlung in die vierziger Jahre zur Zeit der deutschen Besatzung und macht aus der Gräfin kurzerhand eine Resistance-Kämpferin, die es auf ihrem Schloss mit Kollaborateuren und Gleichgesinnten zu tun bekommt. Publikum und Presse zeigten sich nach der Premiere am 14. Januar 2018 von der tiefgründigen, aber auch äußerst humorvollen Inszenierung angetan. So berichtete etwa die Frankfurter Rundschau: „Wenn es so etwas wie eine »Modellaufführung« gibt, so wäre die Regiearbeit von Brigitte Fassbaender als solche zu apostrophieren: (…) besonnenes, unaufdringliches, zugleich gedanklich mutig-entschiedenes Regietheater.“

Oper Frankfurt  / Capriccio © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Capriccio © Monika Rittershaus

Anlässlich der ersten Wiederaufnahme dieser Produktion aus der Saison 2017/18 weist der Besetzungszettel einige neue Namen auf: Die musikalische Leitung liegt bei dem deutschen Dirigenten Lothar Koenigs, der damit sein Hausdebüt vorlegt. Nach Chefpositionen in Cardiff und Osnabrück ist er freiberuflich tätig und regelmäßig zu Gast an den Opernhäusern von München, Hamburg, Dresden, Zürich, Mailand und London sowie an der New Yorker Metropolitan Opera. Die kanadische Sopranistin Kirsten MacKinnon (Gräfin Madeleine) feierte 2017/18 ihr stark akklamiertes Frankfurt-Debüt als Ines in Meyerbeers L’Africaine – Vasco da Gama. Ab der Spielzeit 2018/19 gehört sie nun zum Ensemble der Oper Frankfurt. An ihrer Seite steigt auch Sebastian Geyer (Graf) neu in die Produktion ein. Er gehört gleichfalls zum festen Sängerstamm der Oper Frankfurt und gastierte kürzlich als der Fremde in Millöckers Gasparone an der Wiener Volksoper. Die Partie des Monsieur Taupe übernimmt das langjährige Ensemblemitglied Hans-Jürgen Lazar, und aus dem Opernstudio der Oper Frankfurt steigen Iain MacNeil als Olivier sowie die „Neuzugänge“ Florina Ilie (Eine italienische Sängerin) und Michael Petruccelli (Ein italienischer Tenor) in die Inszenierung ein. Alle übrigen Künstler und Künstlerinnen sind mit der Produktion bereits vertraut.

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—

Frankfurt, Oper Frankfurt, WEIHNACHTEN UND JAHRESWECHSEL, 2017/18

Dezember 19, 2017 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Weihnachten und Jahreswechel 2017/18

PROGRAMM DER OPER FRANKFURT

Im Feiertagsprogramm der Oper Frankfurt finden sich am Ende des Jahres zwei heiter-tiefgründige Mozart-Opern und zwei tragisch endende Liebesgeschichten von Verdi und Massenet. Für jede Gefühlsrichtung ist also etwas dabei…

Oper Frankfurt / Il Trovatore - Ensemble © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Il Trovatore – Ensemble © Barbara Aumüller

Il trovatore von Giuseppe Verdi (1813-1901) steht am 1. Weihnachtsfeiertag (Montag, 25. Dezember 2017) um 18.00 Uhr und an Silvester (Sonntag, 31. Dezember 2017) um 19.30 Uhr auf dem Programm. Erst kürzlich wurde diese Londoner Produktion nach Frankfurt übernommen: Die düster-spannende Geschichte um die Rache einer alten Zigeunerin und die daraus resultierenden Schicksalswendungen sorgen für Gänsehaut, während die von Verdi erdachten Melodien „Ohrwurm-Charakter“ beweisen. Unter der musikalischen Leitung des italienischen Dirigenten Jader Bignamini und in der Regie von David Bösch ist eine internationale Sängerriege besetzt, darunter der südkoreanische Tenor Alfred Kim als Manrico, die amerikanische Sopranistin Leah Crocetto als Leonora, der griechische Bariton Tassis Christoyannis als Luna und die Mezzosopranistin Tanja Ariane Baumgartner als Azucena. Die Silvestervorstellung sowie die anschließende Feier sind bereits ausverkauft.


Oper Frankfurt / Die Entführung aus dem Serail - v.l.n.r. Peter Marsh (Pedrillo) und Martin Mitterrutzner (Belmonte) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Die Entführung aus dem Serail – v.l.n.r. Peter Marsh (Pedrillo) und Martin Mitterrutzner (Belmonte) © Barbara Aumüller

Wesentlich freundlicher, wenn auch keinesfalls harmlos, geht es bei der Vorstellung von Die Entführung aus dem Serail von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) am 2. Weihnachtsfeiertag (Dienstag, 26. Dezember 2017) um 15.30 Uhr zu. Die musikalische Leitung liegt bei Kapellmeister Nikolai Petersen. Die Produktion von Christof Loy aus dem Jahr 2003 gehört zu den erfolgreichsten Inszenierungen während der Intendanz von Bernd Loebe: Der junge spanische Edelmann Belmonte (Martin Mitterrutzner) möchte seine Braut Konstanze (Irina Simmes) und deren Dienerpaar Blonde (Nora Friedrichs) und Pedrillo (Peter Marsh) aus dem Serail des türkischen Bassa Selim (Christoph Quest) befreien. Dorthin wurde das Trio verkauft, nachdem ihr Schiff von Piraten gekapert worden war. Doch diesem Plan steht nicht nur die Wachsamkeit des Aufseher Osmin (Andreas Bauer) im Wege… Für diese Vorstellung sind z.Zt. nur noch wenige Restkarten erhältlich.


Oper Frankfurt / Werther - v.l.n.r. Peter Marsh (Schmidt), Attilio Glaser (Werther) und Barnaby Rea (Johann) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Werther – v.l.n.r. Peter Marsh (Schmidt), Attilio Glaser (Werther) und Barnaby Rea (Johann) © Barbara Aumüller

Die Inszenierung des Werther von Jules Massenet (1842-1912) nach Goethes berühmtem Briefroman in der Regie von Willy Decker stammt aus dem Jahre 2005 und bereichert am Samstag, dem 30. Dezember 2017, um 19.30 Uhr das Programm der Oper Frankfurt „zwischen den Jahren“. Das teilweise an Weihnachten spielende Werk um die Liebe des jungen Schriftstellers Werther zur unglücklich verheirateten Charlotte endet tragisch. Hier wird gewiss kein Auge trocken bleiben, daher bitte Taschentücher bereithalten! Die musikalische Leitung liegt beim ehemaligen Frankfurter Kapellmeister Hartmut Keil, der inzwischen regelmäßig als Gast an den Main zurückkehrt. Die Titelpartie verkörpert der deutsch-italienische Tenor Attilio Glaser, als Charlotte ist mit der frankokanadischen Mezzosopranistin Julie Boulianne ein neuer Stern am internationalen Opernhimmel zu erleben. In weiteren Rollen sind u.a. Louise Alder (Sophie) und Sebastian Geyer (Albert) besetzt.


Oper Frankfurt / COSI FAN TUTTE - Louise Alder (Despina) und Simon Bailey (Don Alfonso) © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / COSI FAN TUTTE – Louise Alder (Despina) und Simon Bailey (Don Alfonso) © Barbara Aumüller

Così fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) steht am Neujahrstag, Montag, 1. Januar 2018, um 18.00 Uhr unter der musikalischen Leitung von Kapellmeister Nikolai Petersen auf dem Spielplan, und was könnte schöner sein, als das neue Jahr mit Mozart zu beginnen? Die Inszenierung von Christof Loy stammt aus dem Jahr 2008 und zählt zu den „Dauerbrennern“ der Oper Frankfurt: Ferrando (Michael Porter) und Guglielmo (Iurii Samoilov) wollen – als Türken verkleidet – die Treue ihrer Verlobten Fiordiligi (Karen Vuong) und Dorabella (Nina Tarandek) auf die Probe stellen. Helfen sollen ihnen dabei der alte Philosoph Don Alfonso (Simon Bailey) und die in Liebesdingen versierte Zofe Despina (Louise Alder). Als die Damen sich tatsächlich in den Partner der jeweils anderen verlieben, wird das Doppelspiel zwar aufgedeckt, doch sind damit längst nicht alle Fragen geklärt…

—| Pressemeldung Oper Frankfurt |—