Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Die Prinzessin von Trapezunt – Jacques Offenbach, 10.12.2019

Dezember 3, 2019 by  
Filed under Operette, Pressemeldung, Theater für Niedersachsen

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Die Prinzessin von Trapezunt   –  zurück im TfN

Am 10. Dezember, 19.30 Uhr, wird im Theater für Niedersachsen Jacques Offenbachs Operette Die Prinzessin von Trapezunt wieder aufgenommen. Nur dreimal ist die Inszenierung von Max Hopp in dieser Spielzeit in Hildesheim zu sehen.

Theater für Niedersachsen / Die Prinzessin von Trapezunt ©Jochen Quast

Theater für Niedersachsen / Die Prinzessin von Trapezunt ©Jochen Quast

1869 in Baden-Baden uraufgeführt, galt Die Prinzessin von Trapezunt zu Offenbachs Lebzeiten als eines seiner populärsten Werke.

Die Prinzessin von Trapezunt – Jacques Offenbach
youtube Trailer des TfN
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Die Geschichte um eine Schaustellerfamilie, die durch Zufall ein Schloss gewinnt und deren Leben sich damit schlagartig ändert, wurde weltweit gespielt und war ein großer Erfolg. Nachdem sie heute kaum noch auf Spielplänen zu finden ist, feierte die Operette im März 2019 in einer Inszenierung von Max Hopp am Theater für Niedersachsen Premiere – und wurde prompt mit einem Operetten-Frosch von BR-Klassik ausgezeichnet. Schauspieler Max Hopp gab damit sein Regiedebüt. Hopp ist regelmäßig in TV-Produktionen wie „Bella Block“ oder „Tatort“ zu sehen und feiert außerdem als Darsteller an der Komischen Oper große Erfolge. In Zusammenarbeit mit seinem langjährigen musikalischen Partner Adam Benzwi erarbeitete er eigens für das TfN eine neue Fassung der Operettenrarität. Das Dirigat von Die Prinzessin von Trapezunt übernimmt in dieser Spielzeit Sergei Kiselev.

—| Pressemeldung Theater für Niedersachsen |—

Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Tristan und Isolde – Richard Wagner, 19.11.2019

November 18, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater für Niedersachsen

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Tristan und Isolde  –   Richard Wagner

  – IM TODE MEIN – 

Von Randi Dohrin

“Dieser Tristan wird was Furchtbares.“…, schrieb Wagner 1858 an seine Muse Mathilde Wesendonck von der er sich verstanden fühlte in seinem künstlerischen Schaffen.

Mit seiner Gattungsbezeichnung „Eine Handlung in 3 Aufzügen“, wie sie Wagner dem Erstdruck der Partitur und dem Klavierauszug hinzufügte, setzte er mit dieser Oper Mathilde Wesendonck ein musikalisch literarisches Denkmal unerreichten Ausdrucks. Die Oper wurde zu einem Höhepunkt romantischer Musik, in der er seine genauen Klangvorstellungen umsetzte.

Die umjubelte Uraufführung dieses Werkes fand am 10. Juni 1865 im Königlichen Hof- und Nationaltheater in München unter der Leitung von Hans von Bülow statt und wäre ohne die großzügige Unterstützung von König Ludwig II von Bayern nicht möglich gewesen, denn trotz der großen Erfolge und Hilfe seiner Freunde gelang es Wagner nicht, sein Leben wirtschaftlich abzusichern.

Theater für Niedersachsen / Tristan und Isolde - hier :  Ensemble © T.Behind-Photographics

Theater für Niedersachsen / Tristan und Isolde – hier : Ensemble © T.Behind-Photographics

Im Jahre 1857 unterbricht Wagner die Komposition des Siegfried und wendet sich während seines Züricher Asyls (1849 – 1858) ganz seiner Oper Tristan und Isolde zu. Entsprechend seiner Biographie, überträgt Wagner die leidenschaftliche, aber nicht erfüllbare, Liebe zwischen ihm und Mathilde Wesendonck auf die Hauptgestalten seines Musikdramas, Tristan und Isolde.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Hildesheimer Theaters öffnete sich – nach umfangreichem Umbau – der Vorhang für Wagners Tristan und Isolde. Dieses monumentale Meisterwerk zur festlichen Wiedereröffnung auf die Bühne zu bringen, offenbarte wieder einmal eindrucksvoll die Stärke des Theaters für Niedersachsen in Hildesheim

Voller atmosphärischer Spannung, Dynamik und Dramatik breitete das Orchester unter der musikalischen Leitung von Operndirektor Florian Ziemen, einen farbenprächtigen Klangteppich und Spannungsbogen bis zur letzten Minute aus.

Durchsichtig, fließend gelang den hervorragend spielenden Musikern packend die Gestaltung, auch in den zuhauf vorkommenden, glanzvollen Soli der verschiedenen Instrumentengruppen. Gefühlstief und berührend erklang das lange Englischhorn-Solo im 3. Aufzug.

In den Vorspielen des 1. und 2. Aufzuges verdeutlichte das Orchester im ruhigen und langsamen Tempo das sehnsuchtsvolle Liebesverlangen von Tristan und Isolde, deren Erfüllung sie nur im gemeinsamen Tode zu finden glauben, da die gesellschaftlichen Bedingungen auf Erden ihre Liebe nicht zulassen.

Theater für Niedersachsen / Tristan und Isolde - hier :  Julia Borchert als Isolde, Neele Kramer als Brangäne © T.Behind-Photographics

Theater für Niedersachsen / Tristan und Isolde – hier : Julia Borchert als Isolde, Neele Kramer als Brangäne © T.Behind-Photographics

Das Schicksal von Tristan und Isolde fand vor allem in der Musik des fantastisch aufspielenden Orchesters in Originalbesetzung statt (trotz erforderlicher Teilabdeckung des Grabens).  Chapeau!

Besessen vom Rachegedanken „Tod für Tristan“, gestaltete Julia Borchert überzeugend den äußerst schwierigen Part der Isolde, die von Liebestränken so gar nichts wissen will und Tristan, glaubwürdig gespielt und gesungen von Hugo Mallet, den vermeintlichen Todestrank überreicht. Brangäne, die Vertraute Isoldes, stimmlich überragend und glänzend besetzt durch Neele Kramer, vertauschte den Todestrank jedoch in einen Liebestrank.

Der Hass Isoldes verwandelt sich in vorhandener, aber noch nicht eingestandener Liebe und somit entreißt sie Tristan den Sühnetrank sofort wieder, um ihn selbst zu trinken. Im Angesicht des vermuteten Todes gestehen sich beide ihre Liebe ein und sind davon überzeugt, nur im Jenseits zusammenkommen zu können.

Unter der weitgehend Libretto treuen Inszenierung von Tobias Heyder und adäquat gelungenen Bühnen- und Kostümausstattung von Pascal Seibicke, gelang die Premiere im Theater für Niedersachen berückend ausdrucksstark  voller Leiden, Leidenschaft, Liebe und Schmerz, Verzweiflung, Sehnsucht, Todessehnsucht und Tod.

Weshalb Tobias Heyder im 3. Aufzug Isolde, neben dem verstorbenen Tristan, im Stehen sterben lässt, vermag sich mir allerding partout nicht zu erschließen.

Unverkennbar bewährt setzte Uwe Tobias Hieronimi seinen sonoren Bass in der Rolle des König Marke ein, während Levente György als Kurwenal und   helfender Diener des Tristan, seinen recht hohen Baritonpart mit Bravour meisterte.

Gut besetzt waren auch der intrigante Melot mit Roman Tsotsalas und dem temperamentvollen Julian Rohde als Hirte. Neben dem gut disponierten, voluminös erklingenden Herrenchor, Einstudierung Achim Falkenhausen, boten Chun Ding als junger Seemann und Jesper Mikkelsen als Steuermann, ausgezeichnete stimmliche und darstellerische Leistungen.

Das beeindruckte Publikum bedankte sich mit Bravorufen, stehenden Ovationen  und langem anerkennenden Applaus für alle Mitwirkenden auf, unter und hinter der Bühne im noch recht ungewohnten, neuen Ambiente des Theaters für Niedersachsen in Hildesheim.

—| IOCO Kritik Theater für Niedersachsen |—

Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Spielplan Oktober 2019

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Spielzeit 2019/20
TfN ? Produktionen im Oktober 2019


REPERTOIRE:


IM WEIßEN RÖSSL
Singspiel in drei Akten von Ralph Benatzky
Turbulent geht es in Sachen Liebe im Weißen Rössel zu und es braucht schon einen richtigen Kaiser, um wieder Ordnung zu schaffen und allen Beteiligten zu einem glücklichen Ende zu verhelfen. Die schräge Österreich-Revue war 1930 in Berlin das Theaterereignis und ist nun in Hildesheim als großes Alpenspektakel in der Halle39 zu erleben. Musikalische Leitung Achim Falkenhausen Inszenierung Erik Petersen Bühne Hannes Neumaier Kostüme Kristopher Kempf Choreografie Ludwig Mond Chöre Achim Falkenhausen Dramaturgie Susanne von Tobien Mit Lisa Maria Hörl/ Neele Kramer (Josepha Vogelhuber), Peter Kubik/ Gerald Michel (Leopold Brandmeyer), Uwe Tobias Hieronimi (Wilhelm Giesecke), Meike Hartmann/ Antonia Radneva (Ottilie), Julian Rohde (Dr. Erich Siedler), Johannes Osenberg/ Stefan Freiberger (Sigismund Sülzheimer), Jens Krause/ Dieter Wahlbuhl (Prof. Dr. Hinzelmann), Sandra Pangl/ Meike Hartmann (Klärchen), Piet Bruninx/ N.N./ Levente György (Kaiser), Nicolo Soller/ N.N. (Piccolo), Elisabeth Köstner/ Steffi Fischer/ Kathelijne Wagner (Kathi/Zenzi/Stubenmädchen), Stefan Freiberger/ Jesper Mikkelsen (Reiseführer), Opernchor, Extrachor, Kinder- und Jugendchor des TfN, Orchester des TfN
Termine im Oktober in der Halle39 (Schinkelstraße 7, 31137 Hildesheim)


TfN IN LANGENHAGEN:


Theater für Niedersachsen / Kohlhaas © T.Behind-Photographics

Theater für Niedersachsen / Kohlhaas © T.Behind-Photographics

MICHAEL KOHLHAAS
Schauspiel nach der Novelle von Heinrich von Kleist
In seiner berühmten Novelle beschreibt Kleist eine der interessantesten, weil widersprüchlichsten Figuren der deutschen Literatur. Als Opfer staatlicher Willkür begehrt Michael Kohlhaas mutig gegen die Obrigkeit auf, getrieben von seinem starken Gerechtigkeitssinn. Doch kalte Rachsucht macht ihn bald zum Wutbürger, Fanatiker, Terroristen. Michael Kohlhaas ist faszinierend: anziehend in seiner Hingabe, abstoßend in seiner brutalen Radikalität – und mit Themen wie Selbstjustiz, staatliche Willkür und Eigendynamik von Gewalt aktuell wie nie. Für das TfN hat Moritz Nikolaus Koch eine eigene Bühnenfassung erstellt. Es spielen Dennis Habermehl und Dieter Wahlbuhl. Inszenierung und Ausstattung Moritz Nikolaus Koch Musik Oliver Niess MitDennis Habermehl (Erzähler I – Kohlhaas), Dieter Wahlbuhl (Erzähler II – alle anderen), Oliver Niess (Bühnenmusiker/ Soundler) Dauer ca. 2 Stunden 20 Minuten, inklusive einer Pause WIEDERAUFNAHME: Mi, 2.10., 20:00 Uhr, Theatersaal Langenhagen,
in Hildesheim: Sa, 23.11., 19.30 Uhr, Großes Haus

JUGEND OHNE GOTT
Schauspiel nach dem Roman von Ödön von Horváth
Nur Hohn und Spott haben die Jugendlichen für die humanistischen Ideale ihres Lehrers. Doch dann geschieht auf ihrer Klassenfahrt ein Mord! – Die TfN-Bühnenfassung überträgt die Geschichte in eine nahe Zukunft: Was geschieht, wenn eine demokratische in eine totalitäre Gesellschaftsform kippt? Inszenierung Alice Asper Ausstattung Bernhard Niechotz Dramaturgie Astrid Reibstein Mit Dennis Habermehl (Der Lehrer), Jonas Kling (Zachi), Jonas Nowack (Timi), Emma Henrici (Olli), Karla Hennersdorf (Eva), Martin Schwartengräber (Caesar/ Feldwebel 3/ Moderator), Michaela Allendorf (Lehrerin/ Feldwebel 1/ Präsidentin/ Mutter von Timi), Simone Mende (Direktorin/ Feldwebel 2/ Mutter von Nicki/ Mutter von Zachi), Statisterie
TERMIN: Mi, 30.10., 20:00 Uhr, Theatersaal Langenhagen

Theater für Niedersachsen / Kohlhaas - von links_D. Habermehl, D. Wahlbuhl © T.Behind-Photographics

Theater für Niedersachsen / Kohlhaas – von links_D. Habermehl, D. Wahlbuhl © T.Behind-Photographics


JUNGES THEATER:


Theater für Niedersachsen / Nieselprim © Christine Kundolf-Köhler

Theater für Niedersachsen / Nieselprim © Christine Kundolf-Köhler

NIESELPRIM NERVT
Ein Tanz- und Singstück | Uraufführung | Koproduktion des TfN mit tanz.Utan, ab 6 Jahren
Wie spannend es sein kann, sich auf etwas Fremdes einzulassen und welche Spuren wir gegenseitig in unseren Leben hinterlassen, zeigt diese Geschichte mit Tanz, Musik und wenigen Worten, wo aus rasantem Spiel und kleinen Ausrufen Lieder werden, aus Slapstick Tanz, aus Engstirnigkeit Weite und aus Gegensätzen ein Wir. Außerdem gibt es allerlei seltsame Maschinen, eine Kinoorgel und viel zum Lachen. Inszenierung Marcel Sparmann Choreografie Nicole Pohnert Musik Daniel Pohnert Ausstattung Swana Gutke Mit Nicole Pohnert, Daniel Pohnert
Premiere am Donnerstag, 24. Oktober 2019, 11:00 Uhr, theo

ALLES FAMILIE
Nach dem Buch von Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl Koproduktion des TfN mit dem Theater Karo Acht, ab 6 Jahren
Temporeich und musikalisch spielt sich das Theater Karo Acht durch die Szenen von (un-)gewöhnlichen Familienbanden, kleinen Problemen und großen Glücksmomenten. Dabei wird sinnlich erfahrbar, wie unterschiedlich und vielfältig, wie komisch, aber manchmal auch tragisch Familienleben heute sein kann. Inszenierung Kian Pourian Text Lorenz Hippe Bühne Alexander Tripitsis Kostüme Ulrike Schörghofer Mit Imme Beccard, Julia Solórzano, Christopher Weiß Dauer ca. 70 Minuten, keine Pause
Wiederaufnahme am Samstag, 5. Oktober 2019, 15:00 Uhr, Probebühne 2 (Einlass über den Bühneneingang)

DAS KLEINE BLAU UND DAS KLEINE GELB
Ein Theaterstück vom Gleich- und Anderssein nach einem Bilderbuch von Leo Lionni Koproduktion des TfN mit dem Theater Karo Acht, ab 2 Jahren
Ein Theaterstück für die jüngsten Zuschauer rund um Dinge, Farben und Spielen. Es geht um das Gleich- und Anderssein, um Freundschaft, um das sich und die anderen Verlieren, Suchen und Wiederfinden. Inszenierung Kian Pourian Bühne Alexander Tripitsis Kostüme Ulrike Schörghofer Mit Julia Solórzano, Sebastian Schlemminger Dauer ca. 50 Minuten, keine Pause
Wiederaufnahme am Donnerstag, 10. Oktober 2019, Probebühne 2 (Einlass über den Bühneneingang)


EXTRA:


INNEN STADT THEATER
Mitte Oktober staubt und lärmt es noch im TfN: Endspurt ist angesagt für die Sanierungsarbeiten im Großen Haus, einzig das Kinder- und Jugendprogramm spielt weiterhin im Haus. Auf Theater verzichten müssen Sie dennoch nicht: Bis Mitte November präsentieren wir vielfältige Sonderprogramme, zu Gast bei zahlreichen Kooperationspartnern in der Hildesheimer Innenstadt.

THEKEN-TALK
Persönliche Einblicke in die neue Spielzeit von Jörg Gade, Craig Simmons und Susanne von Tobien Entdecken Sie die Vielfalt der Spielzeit 2019/20 und erleben Sie, wie unsere Theaterleitung spielerisch, musikalisch und persönlich aus dem Nähkästchen plaudert … Montag, 21. Oktober 2019, 18:00 Uhr, Eintritt frei Stadtschenke im Van der Valk Hotel, Markt 4, 31134 Hildesheim

DER SOUNDTRACK MEINES LEBENS
Besondere Einblicke in das Leben von TfN-Künstlern Der erste Kuss, der schlimmste Liebeskummer, der schönste Sommer – zu gewissen Momenten und Lebensphasen gehören einfach bestimmte Songs! Lernen Sie den Lebenssoundtrack von Intendant Jörg Gade und Schauspieler Martin Schwartengräber kennen – inklusive Geschichten und Anekdoten drum herum. Donnerstag, 24. Oktober 2019, 20:00 Uhr, LitteraNova, Eintritt frei LitteraNova, Wallstraße 12a, 31134 Hildesheim

JEDE MUSIK HAT IHREN HIMMEL
Konzert mit dem Opernchor des TfN Getreu diesem Verdi-Zitat sorgen sie in Opern, Musicals und Konzerten für himmlische Abende am TfN, nun können Sie die Mitglieder des Opernchors ganz geerdet in gemütlicher Atmosphäre erleben: Unter der Leitung von Chordirektor Achim Falkenhausen präsentieren sie Ihnen die schönsten Chornummern aus Opernklassikern wie „Nabucco“ oder Wiederentdeckungen wie „Die Pantöffelchen“. Montag, 28. Oktober 2019, 18:00 Uhr, Eintritt frei Besucherzentrum Welterbe Hildesheim & tourist-information, Rathausstraße 20, 31134 Hildesheim

—| Pressemeldung Theater für Niedersachsen |—

Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Tod in Venedig – Benjamin Britten, IOCO Kritik, 24.04.2019

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Tod in Venedig  –  Benjamin Britten (1913 – 1976)

– zwischen apollinischem Ideal und dionysischem Rausch –

von Randi Dohrin

Benjamin Britten Gedenkmuschel am Strand von Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Gedenkmuschel am Strand von Aldeburgh © IOCO

Englisch ist normalerweise keine Opernsprache; in Benjamin Brittens Komposition Death in Venice jedoch, ist eine andere kaum vorstellbar. Die Uraufführung dieses Dramas fand während des Aldeburgh Festival, am 16. Juni 1973, in England statt. Der Tenor und Lebensgefährte von Benjamin Britten, Peter Pears, sang damals triumphal die Rolle des Gustav von Aschenbach, auf den sich die ganze Handlung bezieht. Britten verstarb am 4. Dezember 1976 in den Armen seines Lebensgefährten in Aldeburgh.

Schattierungsreiche, leicht ungeschmeidig spröde, aber auch melancholisch klingende Melodien werden in Brittens genialer Opernvertonung hörbar. Der modern-musikalische Klang des 20. Jahrhunderts verstärkt sich durch ein umfangreiches Schlagwerk sowie ein begleitendes Klavier, das die Handlung zwischen den Rezitativen häufig unterbricht.
Die kongenial aufwühlende Musik Brittens spiegelt die Ambivalenz des Dichters Aschenbach, zwischen rauschhaftem Liebesbegehren nach einem 14-jährigen Jungen und seinem nahendem Tod, fesselnd wider. Der Schriftsteller, der sonst eher nach Perfektion und Leistung strebte, befindet sich plötzlich in zwei Welten, die gegensätzlicher nicht sein können.

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig - hier : links Hans-Jürgen Schöpflin als Gustav von Aschenbach und Uwe Tobias Hieronimi als Reisender © Falk von Traubenberg

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig – hier : links Hans-Jürgen Schöpflin als Gustav von Aschenbach und Uwe Tobias Hieronimi als Reisender © Falk von Traubenberg

1911 erschuf der Erfolgsschriftsteller Thomas Mann die Novelle Der Tod in Venedig, die im Oktober/November-Heft des Jahres 1912 in der Neuen Rundschau erschien. Bis heute gilt sie als eine der am meisten interpretierten Erzählungen. Der Autor selbst bezeichnete sein humorloses Werk als …„Entwürdigung einer Tragödie“... .

Aschenbachs Konflikt, sich seinen Gefühlen stellen zu müssen, ist zeitlos. Ergreifend, fesselt die nah am Libretto ausgerichtete Inszenierung von Felix Seiler. Unverkennbar verdeutlicht er die konträren inneren Prozesse des Schriftstellers und Hauptfigur Gustav von Aschenbach.

Der in der Regel auf Disziplin und Vernunft bedachte Schriftsteller Aschenbach, (Hans-Jürgen Schöpflin) kann wegen persönlicher Umstände und einer künstlerischen Schaffenskrise der Versuchung nicht widerstehen, für ein paar Wochen nach Venedig zu reisen. Dort unterliegt er Tadzio, (Olv Grolle) einem bildschönen, polnischen Knaben, den er für ungeheuer inspirierend hält und ihn buchstäblich verfolgt, ohne ihm jedoch wirklich zu nahe zu treten.

Mit ausdrucksstarker Bühnenpräsenz und tragender klarer Tenorstimme gelang es Hans-Jürgen Schöpflin, die intensive Rolle des Gustav von Aschenbach darzustellen. Durchgängig wurden die gegensätzlichen Stimmungen von Depression und Begierde, Angst und Liebe für den schönen Knaben Tadzio, erkennbar. Sehr schwierig ist es, überzeugend die Partie des Tadzio – ohne Gesang und ohne Worte – auszudrücken. Olv Grolle gelingt auf glaubhafte Weise, den durch die hereinstürzenden Sympathien des Aschenbachs, überforderten stummen Tadzio zu charakterisieren.

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig - hier : Olv Grolle als Tadzio, Schöpflin als Aschenbach © Falk von Traubenberg

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig – hier : Olv Grolle als Tadzio, Schöpflin als Aschenbach © Falk von Traubenberg

Uwe Hieronimi als Reisender und in sechs weiteren Figuren, füllte jede Rolle bestechend aus. Mit Bravour bewies er seine sängerischen und darstellerischen Qualitäten an diesem Premierenabend.

Stimmlich und mimisch bestens besetzt, waren auch der Hotelportier mit Julian Rohde und Jesper Mikkelsen als Clerk im englischen Reisebüro. Beachtlich und ideenreich war die Präsenz des Opern- und Jugendchores sowie der Statisterie des Theaters für Niedersachsen. In ihren Kostümen aus der Zeit um 1900 (Hannes Neumaier) hauchten sie der Oper erfrischende Lebendigkeit ein, wie auch der Gondolieri (Hyeh Young Baek) auf dem angedeuteten venezianische Kanal. Wohlklingend facettenreich erklangen lückenlos die reichlich vorhandenen solistischen Stellen der Chorsänger des TfN.

Das TfN-Orchester, unter der Leitung von Achim Falkenhausen, glänzte und beeindruckte durch ein sicheres, präzises und höchst transparentes Musizieren auf hohem Niveau, in dem auch kleinste Nuancierungen hörbar wurden, nicht nur in den zahlreichen Instrumenten-Soli.

In Venedig herrscht die todbringende Cholera und Aschenbach überlegt, die polnische Familie zu warnen, setzt diesen Gedanken in seinem Liebeswahn aber nicht um. Seinem sonst apollinischen Ideal von Selbstdisziplin, Schönheit und Ordnung verpflichtet, unterliegt er dem dionysischen Liebesrausch wie in seinem Traum, wo es zwischen Apollo und Dionysos zu einem Streit kommt, den Apollo verliert. Die Stimme des Apollo erklang verführerisch hell und glockenrein, durch den Countertenor Tobias Hechler als Glanzpunkt dieses gelungenen Opernabends.

Am Tag vor der Abreise der polnischen Familie muss Aschenbach sterbend mit ansehen, dass sein geliebter Tadzio von anderen Knaben gequält wird. Er will ihm helfen, seine Kräfte lassen das aber nicht mehr zu. Er stirbt an der Seuche, ausgelöst durch den Verzehr von Erdbeeren, während Tadzio aufs Meer hinausläuft. …

Anerkennend langer Applaus, stehende Ovationen eines berührten Publikums für diesen ergreifenden Abend.

—| IOCO Kritik Theater für Niedersachsen |—

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