Arlene Saunders, 1930 – 2020, eine Würdigung, IOCO Portrait, 14.05.2020

Mai 13, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Portraits, Staatsoper Hamburg

Arlene Saunders © Wolfgang Schmitt / Lead Technologies

Arlene Saunders © Wolfgang Schmitt / Lead Technologies

ARLENE SAUNDERS – Ein Mensch – EINE KARRIERE

5. Oktober 1930 – 17. April 2020

von Wolfgang Schmitt

In den 1960er und 70er Jahren war sie die „Primadonna assoluta“ der Hamburgischen Staatsoper während der Liebermann-Ära. Nun wurde auch Arlene Saunders ein prominentes Opfer der zur Zeit grassierenden Corona-Pandemie.

Geboren am 5. Oktober 1930 in Cleveland, Ohio, als Arlene Pearl Soszynski, entdeckte sie schon als 10jährige ihre Leidenschaft für die Oper, und so studierte sie nach der High School Gesang am dortigen Baldwin-Wallace College of Arts. Ein erstes Engagement führte sie an die National Opera Company in Raleigh, North Carolina, wo sie u.a. die Rosalinde in der Fledermaus, Donna Elvira in Don Giovanni und sogar die Titelrolle in Cole Porters Musical Kiss me Kate sang.

Bei einem Wettbewerb amerikanischer Opernsänger in New York errang sie den ersten Platz und erhielt ein Stipendium, mit dem sie nach Italien ging, wo sie ihre Gesangsstudien vervollkommnete und am Mailänder Teatro Nuovo ihr Rollendebüt als Mimi in Puccinis La Boheme geben konnte. Zurück in Amerika engagierte Julius Rudel sie an die New York City Opera, wo sie als Giorgetta in Puccinis Il Tabarro debütierte und in Partien des lyrischen Sopranfachs besetzt wurde, u.a. in Charpentiers Louise. Mit der New Yorker Metropolitan Opera ging sie auf die jährliche MET-Tour quer durch die USA und sang das Evchen in den Meistersingern und Rosalinde in der Fledermaus (alternierend mit Beverly Sills).

1963 war Rolf Liebermann, Intendant der Hamburgischen Staatsoper, auf Talentsuche in New York, Arlene Saunders sang für ihn die Arie der Magda aus Puccinis La Rondine und wurde vom Fleck weg engagiert. Hamburg wurde nun ihr Zuhause und ihr künstlerischer Lebensmittelpunkt. Mit ihrem neu erworbenen weißen Karmann-Ghia liebte sie es, die Stadt und das Hamburger Umland zu erkunden. Ihre Hamburger Debüt-Partie war die Pamina in der Zauberflöte, für die sie dann auch gleich gastweise ans Staatstheater Stuttgart engagiert wurde, auch für die Mimi luden die Stuttgarter sie sogleich ein. In Hamburg folgten Rollendebüts als Marzelline in Fidelio, Marie in Die verkaufte Braut, Liu in Turandot (mit Birgit Nilsson und James McCracken), Iphis in Jephta, Antonia in Hoffmanns Erzählungen, Fiordiligi in Cosi fan tutte, und Ann Truelove in The Rake’s Progress (die Premierenserie dirigierte Igor Strawinsky persönlich).

Arlene Saunders als Manon in Manon Lescaut 1982 © Colin Graham

Arlene Saunders als Manon in Manon Lescaut 1982 © Colin Graham

Ihr Hamburger Festvertrag ließ ihr jedoch genügend Freiraum für internationale Gastspiele, und so sang sie 1965 die Micaela in Carmen (mit Marilyn Horne, Franco Corelli und Justino Diaz) in Philadelphia, 1966 die Pamina beim Glyndebourne Festival, 1967 die Marguerite in Faust (mit Alfredo Kraus) an der San Francisco Opera, dort folgten Charpentiers Louise und Freia in Rheingold. Sie gastierte als Mimi in Florenz und an der Mailänder Scala, und gab in Toronto ihr Kanada-Debüt in Glucks Orfeo ed Eurydice. An der Wiener Staatsoper debütierte sie als Marzelline in Fidelio, sang dort auch Eva und Donna Elvira.

Mit der Deutschen Oper Berlin schloß sie einen Gastvertrag und debütierte dort als Nedda in einer Neuinszenierung des Bajazzo. In Hamburg erweiterte sie ihr Repertoire um Partien wie Tatjana in Eugen Onegin, Figaro-Gräfin, Agatheim Freischütz, um mit der Elsa in Lohengrin endgültig ins jugendlich-dramatische Sopranfach zu wechseln (in dieser Premiere sang Placido Domingo seinen ersten Lohengrin). Es folgten Neuinszenierungen von Arabella, Ariadne auf Naxos (mit dieser Produktion gastierte die Hamburgische Staatsoper auch beim Edinburgh Festival), Tannhäuser / Elisabeth (in der Regie von Harry Meyen, dem damaligen Ehemann von Romy Schneider, was dem Premierenabend einen besonderen Glamour verlieh, denn auch Magda Schneider und viele andere Größen des deutschen Films waren zugegen), Die Walküre / Sieglinde, sowie ihre erste Tosca. Die Tosca sang sie kurz darauf in Cincinnati, dort auch die Mimi. Es folgte eine Arabella-Neuproduktion in Amsterdam, und an die San Francisco Opera kehrte sie zurück als Eva für eine Neuinszenierung der Meistersinger von Nürnberg (mit Theo Adam und James King als Partner). An der Oper in Boston debütierte sie als Natascha in der amerikanischen Erstaufführung von Prokoffievs Krieg und Frieden (inszeniert und dirigiert von Sarah Caldwell), und in Washington sang sie die Uraufführung der eigens für sie von Alberto Ginastera komponierten Oper Beatrix Cenci, mit der das J.F. Kennedy Center for the Performing Arts 1971 feierlich eröffnet wurde, diese Produktion wurde später von der New York City Opera übernommen.

Arlene Saunders als Marschallin © Seattle Opera

Arlene Saunders als Marschallin © Seattle Opera

Auch an der Hamburger Oper wirkte Arlene Saunders bereits in zwei Opern-Uraufführungen mit, in Giselher Klebes Jakobowsky und der Oberst (Marianne) – mit der die Hamburger Staatsoper eine Gastpielreise an die New Yorker MET unternahm, gemeinsam mit The Rake’s Progress -, und in Giancarlo Menottis Hilfe, Hilfe, die Globolinks (Madame Euterpova), welche auch verfilmt wurde. Weitere Opernfilme der Rolf-Liebermann-Produktionen, in denen Arlene Saunders mitwirkt, sind Figaros Hochzeit (Gräfin), Der Freischütz (Agathe), Die Meistersinger von Nürnberg (Eva), und Arabella (bei Arthaus auf DVD erhältlich). Im Dezember 1972 gab es an der Hamburger Staatsoper die Uraufführung von Paul Burkhards Oper Ein Stern geht auf aus Jaakob, in der Arlene Saunders die Maria und Vladimir Rudzak den Josef sang, diese Oper wurde fürs Fernsehen aufgezeichnet und am Weihnachtsabend ausgestrahlt. Ein weiterer Fernsehfilm ist Carl Millöckers Gasparonemit Arlene Saunders als Carlotta, Barry MacDaniel in der Titelpartie, sowie Martha Mödl und Benno Kusche (als Zenobia und Nasoni). In dieser Zeit nahm Arlene Saunders für Philips die Operetten Der Zarewitsch und Der Graf von Luxemburg auf. Bei RCA waren bereits Mendelssohns Sommernachtstraum unter Erich Leinsdorf, und Mozarts Il Re Pastore (mit Arlene Saunders als Tamiri sowie Lucia Popp, Reri Grist und Luigi Alva) erschienen.

Auch als Konzertsängerin war Arlene Saunders stets aktiv, so sang sie u.a. Beethovens Missa solemnis unter Leonard Bernstein beim Tanglewood Festival, Richard Strauss‘ Vier letzte Lieder und Franz Schrekers Lieder von Walt Whitman“ unter Erich Leinsdorf in der Berliner Philharmonie, Haydns Schöpfung unter Igor Markevitch in Monte Carlo, Beethovens Neunte in der Hamburger Musikhalle, Geoffredo Petrassis Orationes Christi unter Massimo Freccia in Berlin; auch Liederabende gab sie u.a. in Hamburg, Hannover und Oslo mit Liedern von Richard Wagner, Richard Strauss, Franz Liszt, Heitor Villa-Lobos, Silvestre Revueltas, Aaron Copland und Samuel Barber.

Die 1970er und 80er Jahre verliefen weiterhin höchst erfolgreich für Arlene Saunders: An der Hamburgischen Staatsoper folgten weitere Rollendebüts als Marschallin im Rosenkavalier, als Gräfin in Capriccio, und als Chrysothemis in Elektra. An der Opéra de Paris debütierte sie in einer Tosca-Neuinszenierung (mit Placido Domingo und Gabriel Bacquier als Partner unter der Leitung von Charles Mackerras), sang die Sieglinde in einer Neuinszenierung der Walküre in der Regie von Peter Stein, in späteren Spielzeiten dort auch die Chrysothemis / Elektra und die Marschallin. Eine besonders beachtete Produktion war die Ballett-Inszenierung von Richard Strauss‘ Vier letzte Lieder, von Maurice Béjart choreogrphiert und mit Arlene Saunders singend und agierend inmitten der Tänzerinnen und Tänzer ins Bühnengeschehen integriert. An der Seattle Opera sang sie die Marschallin in einer Neuproduktion des Rosenkavalier, diese Partie auch in Brüssel und in Stuttgart. Am Opernhaus Köln sang sie ihre erste Senta im Fliegenden Holländer sowie eine weitere Tosca-Neuinszenierung. Als Tosca war sie ebenfalls Gast am Teatro Nacional Sao Carlos in Lissabon. In Turin wirkte sie mit in einer RAI-Rundfunkproduktion von Hindemiths Cardillac (Partie der Tochter).

An die Wiener Staatsoper kehrte sie zurück als Donna Elvira und als Elsa. Es folgten Auftritte an der New Yorker Metropolitan Opera als Eva in den Meistersingern (mit Thomas Stewart und Jean Cox), und als Elsa in einer Lohengrin –Neuproduktion in Hartford (mit Karl-Walter Böhm und Mignon Dunn). Schließlich gab sie ihr Rollendebüt als Minnie in Puccinis La Fanciulla del West an der Boston Opera. Die Minnie wurde zu einer ihrer Lieblingspartien, mit der sie auch an die New York City Opera zurückkehrte und die sie 1979 ans Teatro Colón Buenos Aires (mit Placido Domingo und Gianpiero Mastromei als Partner) und schließlich 1980 ans Londoner Royal Opera House Covent Garden führte. An der English National Opera North in Leeds gastierte sie als Senta (mit Norman Bailey als Holländer) und sang dort 1982 höchst erfolgreich ihre erste Manon Lescaut. In London sang sie die Titelpartie in Richard Strauss‘ Die Liebe der Danae in einer BBC-Rundfunkproduktion unter der Leitung von Charles Mackerras, die auf CD erschienen ist. Am Grand Théatre de Genève sang sie zur Saisoneröffnung 1980-81 die Elsa im „ Lohengrin  und die Marschallin im „ Rosenkavalier. Weitere Rollendebüts gab Arlene Saunders als Nadia in der amerikanischen Erstaufführung von Michael Tippets The Ice Break in Boston, als Santuzza in Cavalleria rusticana in Buenos Aires, als Marquise in Verdis Un Giorno di Regno beim Verdi-Festival in San Diego, und als Giulietta in Les Contes d’Hoffmann an der Hamburger Staatsoper, wo sie im Rahmen ihres Gastvertrages weiterhin die Mimi, Tosca, Senta, Chrysothemis, sowie während der Weihnachtszeit stets die Gertrud in Hänsel und Gretel sang (sie war 1972 die Premieren-Gertrud).

Arlene Saunders als Senta in Leeds © Colin Graham

Arlene Saunders als Senta in Leeds © Colin Graham

Es folgten weitere interessante Engagements beim Maggio Musicale Fiorentino, Florenz, als Tannhäuser – Elisabeth (mit Wolfgang Neumann, Hermann Prey und Brenda Roberts in den anderen Hauptpartien), als Tosca am Teatro dell’Opera in Rom, als Marschallin in Neuproduktionen des Rosenkavalier in Boston, Bordeaux und Bonn sowie beim Viennese Festival in Minneapolis, und als Senta im Holländer beim Wolf Trap Festival. Ihr australisches Debüt gab sie in der Saison 1983-84 an der Oper in Sydney in ihrer Paraderolle, der Minnie in La Fanciulla del West, der Rundfunkmitschnitt dieser Premiere ist auf CD erschienen. Ihren Abschied von der internationalen Opernbühne nahm sie 1985 als Marschallin in einer Neuinszenierung des Rosenkavalier am Teatro Colón in Buenos Aires, um sich ins Privatleben zurückzuziehen, sich ihren zahlreichen Hobbies zu widmen – unter anderem der Aquarell-Malerei -, und von Hamburg nach New York umzuziehen. Dort lebte sie mit ihrem Ehemann, dem Psychologen Dr. Raymond Raskin bis zu dessen Tod 2017 in einer schönen großen Wohnung mit Blick auf den East River. Am 17. April starb Arlene Saunders, 89jährig, in einer New Yorker Seniorenresidenz. Als unvergleichliche Interpretin insbesondere von Strauss-, Wagner- und Puccini-Partien wird sie uns unvergesslich bleiben.

—| IOCO Portrait |—

 

Wien, Verona, Franco Zeffirelli – Würdigung einer Legende, 15.06.2019

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 Zeffirelli – Würdigung der Wiener Staatsoper

Die Wiener Staatsoper trauert um den großen italienischen Regisseur Franco Zeffirelli, der am Samstag, 15. Juni 2019 in Rom im Alter von 96 Jahren verstorben ist.

Der 1923 in Florenz geborene Franco Zeffirelli gilt als einer der bedeutendsten Opernregisseure des 20. Jahrhunderts – mit Inszenierungen an vielen internationalen Opernhäusern, u.a. an der Wiener Staatsoper, der New Yorker Metropolitan Opera, der Mailänder Scala und der Arena di Verona – und machte sich auch als Theater- und Filmregisseur einen Namen – berühmt sind u.a. die Verfilmungen von Der Widerspenstigen Zähmung, Romeo und Julia, Jane Eyre oder Tee mit Mussolini.

An der Wiener Staatsoper inszenierte Franco Zeffirelli drei Mal: 1963 La bohéme, 1972 Don Giovanni und 1978 Carmen. Seine legendären Inszenierungen von La bohéme (bisher 437 Vorstellungen) und Carmen (bisher 164 Vorstellungen) stehen nach wie vor im Repertoire der Wiener Staatsoper.

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Arena di Verona / Festspiele 2018 hier Nabucco © Ennevi

Arena di Verona / Festspiele 2018 hier Nabucco © Ennevi

Arena di Verona 2019 – La Traviata  – Zeffirellis letztes Werk

Summa der ästhetischen Auffassung der Legende Franco Zeffirelli

Lang gehegte  Liebschaften, sollten endlich zusammenkommen: La Traviata, Franco Zeffirelli  und die Arena von Verona. La Traviata ist mit Sicherheit eine der von Zeffirelli in seiner langen Karriere als Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner am häufigsten dargestellten Opern; 1958 hatte er diese Oper in Dallas in der Besetzung von Maria Callas inszeniert und sich als junger aufstrebender Regisseur mit seinem künstlerischen Vorbild Visconti gemessen, der die Oper kurz vorher in der berühmten Gestaltung an der Mailänder Scala dargestellt hatte. Das 97. Opernfestival der Arena di Verona, link HIER; wird am 21. Juni 2019 mit einer neuen, von Franco Zeffirelli geschaffenen Inszenierung von Verdis La Traviata beginnen, bestmögliche Synthese seiner jahrelangen Reflexionen über die beliebte Thematik. “Seine” Traviata in der Arena sollte zum Höhepunkt seiner fortwährenden, sachkundigen Auslegung werden.

France Zeffirelli wird der Premiere von La Traviata, seiner letzten Schöpfung, nicht mehr erleben

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Konzert mit Sonya Yoncheva, 03.06.2018

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Die Stimm-Schauspielerin

Sonya Yoncheva zählt zu den aktuellen Superstars der Oper. Nun kehrt sie nach Baden-Baden zurück.

Sie ging als aufgehender Stern und kehrt zurück als ein Superstar der Oper: Die Sopranistin Sonya Yoncheva gibt am Sonntag, 3. Juni 2018 um 17 Uhr im Festspielhaus Baden-Baden einen Arienabend gemeinsam mit ihrem Bruder, dem lyrischen Tenor Marin Yonchev. Der italienische Dirigent Francesco Ivan Ciampa leitet zu diesem Anlass das Sinfonieorchester Basel in Deutschlands größtem Opernhaus.

Festspielhaus Baden-Baden / Sonya Yoncheva © Kristian Schuller/ Sony Classical.

Festspielhaus Baden-Baden / Sonya Yoncheva © Kristian Schuller/ Sony Classical.

Auf dem Programm des Abends stehen Arien und Duette aus bekannten Opern von Giuseppe Verdi. Zu hören sein werden unter anderem Ausschnitte aus den Opern „Luisa Miller“, „Il trovatore“, „Don Carlo“, „La traviata“ und „La forza del destino“.

Sonya Yoncheva erobert zur Zeit die ganz großen Opernbühnen. An der New Yorker Metropolitan Opera begeisterte sie als Mimi in Puccinis „La Bohéme“ und sang dort eben gerade erst auch in „Luisa Miller“ von Giuseppe Verdi an der Seite von Placido Domingo. Kurz nach dem Baden-Badener Konzert gibt sie ihr Bellini-Debüt an der Mailänder Scala.

Placido Domingo, der Grandseigneur der Oper, gründete auch einst den Sängerwettbewerb „Operalia“, den Sonya Yoncheva 2010 gewinnen konnte. Vier Jahre später, zu den Pfingstfestspielen 2014, begeisterte sie zum ersten Mal das Baden-Badener Publikum als Margarete in Charles Gounods Oper „Faust“. An der Seite von Charles Castronovo (Faust) und Erwin Schrott (Mefistofele) verzauberte Sonya Yoncheva das Publikum auf Anhieb. Kurz darauf war sie Solistin eines Baden-Badener Silvesterkonzertes und sang an der Seite von berühmten Kollegen wie Thomas Hampson und Rolando Villazón die Partie der Gräfin in Mozarts „Le nozze di figaro“ im Rahmen der „Baden-Baden Gala 2015“.

Festspielhaus Baden-Baden / Sonya Yoncheva © Kristian Schuller/ Sony Classical.

Festspielhaus Baden-Baden / Sonya Yoncheva © Kristian Schuller/ Sony Classical.

[ Von Sonya Yoncheva wurden verschiedene Aufnahmen bei der Sony Classical veröffentlicht ]

Jürgen Kesting, einer der größten deutschen Stimmenkritiker und Stimmenkenner, attestiert der Sopranistin im Zusammenhang mit ihrer aktuellen Verdi-CD, die Anfang 2018 erschien, eine „rubinrot leuchtende Stimme“ und lobt den „klanglichen Reichtum“, mit dem Sonya Yoncheva das für sie teils neue Repertoire ausleuchtet.

Von einem „Verdi-Sopran“ zu sprechen, ist allerdings musikgeschichtlich betrachtet kaum möglich. Zwischen 1842 und 1887 schrieb Guiseppe Verdi seine Sopran-Partien für nicht weniger als 24 Sängerinnen. Entsprechend schwer ist es heute für eine Sängerin, alle Facetten dieser Epoche an einem einzigen Abend abzubilden. Dennoch attestieren Kritiker Sonya Yoncheva vor allem, eine perfekte „Stimm-Schauspielerin“ im verdischen Sinne und damit besonders wandelbar zu sein – ein Idealfall für die Opernbühne.

Die Frauenfiguren in Verdis Opern waren für ihre Zeit fast ausnahmslos „revolutionär“. Kurtisanen und rachedürstende Herrscherinnen wurden nicht mehr eindimensional oder gar als „wahnsinnig“ dargestellt – Verdi zeichnete seine Figuren musikalisch besonders nuancenreich, auch wenn Frauen in den Handlungen seiner Opern deutlich und möglicherweise bewusst geplant in der Unterzahl waren. „Das Bild der vereinzelten Frau in einer meist feindlichen Welt von Männern, denen sie oft hilflos ausgeliefert ist, dominiert“, schreibt die Musikwissenschaftlerin Susanne Vill dazu. Das Sujet der unerfüllten Liebe trägt dabei fast in jeder Verdi-Oper zur besonderen Dramatik des Werkes bei.

Festspielhaus Baden-Baden / Sonya Yoncheva © Kristian Schuller/ Sony Classical.

Festspielhaus Baden-Baden / Sonya Yoncheva © Kristian Schuller/ Sony Classical.

Für den Opernabend im Festspielhaus Baden-Baden bringt Sonya Yoncheva ihren jüngeren Bruder Marin Yonchev als zweiten Solisten mit. In Bulgarien gewann der lyrische Tenor eine beliebte Casting-Show und wurde ein Popstar, bevor er seiner Schwester in die Welt der Oper folgte.

Dirigent Francesco Ivan Ciampa gehört zu den jungen Maestri der italienischen Schule. Derzeit ist er an der Deutschen Oper in Berlin engagiert, leitet aber auch in seiner Heimat viele bedeutende Opernaufführungen.

Das Sinfonieorchester Basel begleitete schon verschiedene Opern- und Arienabende im Festspielhaus Baden-Baden. Zum heutigen Sinfonieorchester führt eine Orchestertradition, die vor mehr als dreihundert Jahren ihren Anfang nahm.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Hagen, Theater Hagen, Premiere Vanessa, IOCO Kritik, 07.03.2015

März 12, 2015 by  
Filed under Kritiken, Theater Hagen

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Theater Hagen

Premiere Samuel Barber “Vanessa“

Theater Hagen / Richard Furman (Anatol), Katrina Sheppeard (Vanessa), Chor © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Richard Furman (Anatol), Katrina Sheppeard (Vanessa), Chor © Klaus Lefebvre

Die Pflege des amerikanischen Musiktheaters hat in Hagen schon Tradition. Wie zum Beispiel Bolcoms “The View from the Bridge“ 2003, oder wie zuletzt Carlisle Floyds “Susannah“ 2012.

Nun brachte das Theater Hagen mit Samuel Barbers Oper “Vanessa“ ein Werk heraus, das nicht all zu oft auf den Spielplänen zu finden ist. Zuletzt war es 2012  an der Frankfurter Oper zu erleben.

Barbers Oper, zu der sein Lebenspartner Gian – Carlo Menotti (selber ein erfolgreicher und interessanter Komponist) das Buch schrieb, wurde 1958 an der New Yorker Metropolitan Opera mit prominenter Besetzung uraufgeführt. Der leider zu früh verstorbene Thomas Schippers stand am Pult. Seine europäische Erstaufführung erlebte das Werk im gleichen Jahr bei den Salzburger Festspielen.

Kurz zusammengefasst sei die Handlung: Die alte Baronin lebt mit ihrer Tochter Vanessa und ihrer Enkelin Erika (Vanessas Nichte) zurückgezogen auf dem Lande. Vanessa wartet seit zwanzig Jahren auf ihren Geliebten Anatol, der sie verließ. Für ihn hält sie sich in Form und ignoriert ihr Alter.

Theater Hagen / Katrina Sheppeard (Vanessa), Richard Furman (Anatol), Chor © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Katrina Sheppeard (Vanessa), Richard Furman (Anatol), Chor © Klaus Lefebvre

Irgendwann meldet Anatol seinen Besuch an. Alles ist in Aufregung. Doch es ist nicht der Anatol, den Vanessa erwartet hat, sondern dessen Sohn. Vanessa ist verschreckt und zieht sich zurück. Erika schafft es nicht, diesen Anatol zurück in den wütenden Schneesturm zu schicken. In der gleichen Nacht verführt Anatol Erika. Er macht ihr einen Heiratsantrag. Sie misstraut seinen Gefühlen. Als ihr bewusst wird, dass Vanessa in diesen jungen Anatol verliebt ist, verzichtet sie ganz auf ihn und lehnt auch seinen zweiten Antrag ab. Vanessa heiratet Anatol und zieht mit ihm nach Paris. Die Baronin und Erika bleiben im Haus zurück. Nun wartet Erika.

Theater Hagen / Richard Furman (Anatol), Katrina Sheppeard (Vanessa) 1752: Ilkka Vihavainen (Doktor), Richard Furman (Anatol), Katrina Sheppeard (Vanessa) © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Richard Furman (Anatol), Katrina Sheppeard (Vanessa) 1752: Ilkka Vihavainen (Doktor), Richard Furman (Anatol), Katrina Sheppeard (Vanessa) © Klaus Lefebvre

Es ist eine spannende Geschichte, ein intimes Kammerspiel, das auch so inszeniert sein soll. Dem Regisseur Roman Hovenbitzer gelingt das recht gut. Er weiß, die Geschichte gut und bildstark zu erzählen und aufzuschlüsseln. Das Bühnenbild von Jan Bammes war sehr raffiniert in den Aufbauten und verströmte Kälte. Um einen Filmtitel abzuwandeln, er zeigte “Gespür für Schnee“, der Schneesturm an den Fenstern war immer sichtbar. Geradezu luxuriös waren die prächtigen Kostüme. Nicht unerwähnt bleiben sollen die exzellenten Video-Installationen von Volker Köster.

Musikalisch ist fast ausschließlich nur Gutes zu berichten. Am Pult wusste Hagens GMD Florian Ludwig der üppigen, untermalenden, spätromantischen Musik, die das Genre Filmmusik aufs beste zeigt, viel abzugewinnen. Das bestens disponierte Philharmonische Orchester schwelgte geradezu von allen Pulten. Mustergültig sang der Chor des Theaters Hagen, einstudiert von Wolfgang Müller-Salow.

Theater Hagen / Kristine Larissa Funkhauser (Erika), Gudrun Pelker (Baronin) © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Kristine Larissa Funkhauser (Erika), Gudrun Pelker (Baronin) © Klaus Lefebvre

Hervorragend waren die Gesangssolisten, vokal und darstellerisch absolut glaubhaft in der Typisierung. An erster Stelle muss hier Kristine Larissa Funkhauser als Erika genannt werden. Ihr samtener Mezzosopran, der schon als Carmen begeisterte, hatte die richtige Konsistenz für diese tragische Partie. Sie konnte deren Seelenregungen mit vielen Farben deutlich machen.

Für die erkrankte Marilyn Bennett (Baronin) hatte man in Gudrun Pelker vom Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen hochkarätigen Ersatz gefunden. Ihre fulminante Amme dort ist noch frisch in Erinnerung. Hier als alte, blinde Baronin konnte sie mit ihrer dramatischen Intensität auch dieser kleinen, aber wichtigen Rolle Profil geben.

Der finnische Bass Ilka Vihavainen in der Rolle des Doktors, bestach durch stimmliche Wärme und Ausdruck ebenso wie durch eminente Artikulation. Anatol wurde durch Richard Furman ideal verkörpert. Sein schlanker Tenor hatte Biss und Durchschlagskraft. Zudem zeigte er sich als wendiger Darsteller und machte eine gute Figur. Würdevoll in der fast stummen Rolle des Haushofmeisters erlebte man Hagens Urgestein, KS. Horst Fiehl.

Theater Hagen / Katrina Sheppeard (Vanessa) © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Katrina Sheppeard (Vanessa) © Klaus Lefebvre

Eine ideale Vertreterin der Titelpartie Vanessa vom Habitus her, wie auch figürlich, war die australische Sängerin Katrina Sheppeard, die mit dieser Partie hier in Hagen ihr Deutschland-Debüt gab. Sie spielte sehr überzeugend ihre diffizile Rolle. Vokal erfreute die gut klingende Mittellage ihres modulationsreichen Soprans. Leider wurde im oberen Register die Stimme grell und vielfach schrill. Schade!

Die Premiere wurde vom Hagener Publikum begeistert gefeiert.

IOCO / UGK / 07.3.2015

 

—| IOCO Kritik Theater Hagen |—

 

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