Osnabrück, Theater am Domhof, Giselle – Ballett – Mauro de Candia, IOCO Kritk, 04.03.2020

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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Giselle – Dance Company – Mauro de Candia

– Tödlich zerstörtes Vertrauen –

von Hanns Butterhof

Giselle ist eine Ikone des romantischen Balletts. 1841 wurde es am Königlich Akademischen Musiktheater in Paris zu dem Libretto Vernoy de Saint-Georges und anderer zur Musik von Adolphe Adam uraufgeführt. Im Theater am Domhof hat es jetzt Mauro de Candia entromantisiert und aus der feudalen Gesellschaft mit ihren Standesunterschieden in eine zeitlose Gegenwart versetzt. Mit dem live vom Osnabrücker Symphonieorchester unter Daniel Inbal musikalisch unterstützten und begeisternd tanzenden Ensemble der Dance Company hat de Candia einen wunderbaren Tanzabend geschaffen.

Theater am Domhof Osnabrück / Giselle - hier : Giselle und Albrecht sind verliebt - Marine Sanchez Egasse, Hampus Larsson © Joerg Landsberg

Theater am Domhof Osnabrück / Giselle – hier : Giselle und Albrecht sind verliebt – Marine Sanchez Egasse, Hampus Larsson © Joerg Landsberg

Auf der schwarz ausgeschlagenen Bühne mit ihrer kargen Kulisse von einigen Birken konzentriert sich de Candia auf die vier Protagonisten des  Balletts, Albrecht (Hampus Larsson), seine Verlobte Bathilde (Ana Torre), Giselle (Marine Sanchez Egasse) und Hilarion (Neven Del Canto).

Zu Beginn sieht man Albrecht, einen schönen Mann, und die herbe Bathilde beim zärtlichen Liebesspiel. Doch bei einem Volkstanz verliebt sich Albrecht in Giselle, ein elfenhaftes Mädchen in schlicht graugrünem Kleid. Sie hatte gerade die aufdringlichen Annäherungsversuche von Hilarion zurückgewiesen und gibt sich nun vertrauensvoll Albrecht und seinen eindringlichen Liebesbeteuerungen hin.

Voller Eifersucht entschleiert daraufhin Hilarion die Gebundenheit Albrechts an Bathilde, und Giselle zerbricht an dem zerstörten Vertrauen. Alles ist jetzt gebrochen; die Musik setzt aus, Tanzschritte werden nicht zu Ende geführt, nichts fügt sich mehr. Giselles Freundinnen versuchen noch sie aufzurichten und gegen Albrecht abzuschirmen, der es dann vergeblich wieder mit Bathilde versucht. Aber Giselle kann sich fast nur noch auf dem Boden winden. Sie steht nur noch auf, um im unschuldig weißen Unterkleid berührend ins gleißende Licht, in den Tod zu gehen.

Theater am Domhof Osnabrück / Giselle - hier : Marine Sanchez Egasse ist Gislle. © Joerg Landsberg

Theater am Domhof Osnabrück / Giselle – hier : Marine Sanchez Egasse ist Gislle. © Joerg Landsberg

Intime Szenen mit werbendem Umtanzen, weite Sprünge des sich Produzierens und zärtlichste Nähe mit weicher Hingabe wechseln sich mit dynamischen, kraftvollen und bis zum Artistischen gehenden Volksszenen ab. De Candia erweist sich dabei als einfühlsamer Psychologe, der die inneren Zustände und die äußeren Beziehungen wortlos deutlich in Tanz, Raumaufteilung und Licht zum Ausdruck bringt.

Das Ensemble der Dance Company leistet in der ersten, schon mit großem Beifall bedachten Stunde sowie in den vierzig folgenden Minuten des zweiten Aktes Schwerstarbeit. Es verdient sich mit der ergreifend tanzenden Marine Sanchez Egasse, Hampus Larsson, Ana Torre und  Neven Del Canto den dankbaren, schließlich stehend dargebrachten Beifall des Premierenpublikums.

Der galt auch dem Osnabrücker Symphonieorchester, mit dem Daniel Inbal die ganze Breite des von Adolphe Adam aufgebotenen musikalischen Materials von knalligem Offenbach bis ätherischem Wagner passend zum Ballett entfaltete.

Mit Giselle hat de Candia eine eigenständige, im tänzerischen Ausdruck ihrer psychologischen Wahrheit absolut zeitgemäße Fassung des phantastischen Balletts choreographiert, das wunderbar neben dessen klassischen Formen bestehen kann.

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—

Osanabrück, Theater am Domhof, Schwanensee von Peter Tschaikowsky, IOCO Kritik, 04.11.2016

November 4, 2016 by  
Filed under Ballett - Tanz, Kritiken, Theater Osnabrück

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Theater Osnabrück

Ballett Schwanensee von Peter Tschaikowsky: An Osnabrücks Großem Haus, dem Theater am Domhof, hat Tanzchef Mauro de Candia seine Deutung des Ballettklassikers „Schwanensee“ begeisternd uraufgeführt. Ins Zentrum des entromantisierten Tanzstücks stellt er den ausdrucksstarken Keith Chin als Siegfried. Dessen innere Geschichte erzählt de Candia…….

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

 

Der mit den Schwänen tanzt

 De Candia entromantisiert begeisternd den Ballettklassiker Schwanensee

Von Hanns Butterhof

An Osnabrücks Großem Haus, dem Theater am Domhof, hat Tanzchef Mauro de Candia seine Deutung des Ballettklassikers „Schwanensee“ begeisternd uraufgeführt. Ins Zentrum des entromantisierten Tanzstücks stellt er den ausdrucksstarken Keith Chin als Siegfried. Dessen innere Geschichte erzählt de Candia statt eines Märchens stimmig als Verweigerung des Erwachsenwerdens, wobei Siegfried tödlich an seine Schwanen-Traumwelt gebunden bleibt.

Theater am Domhof - Osnabrück / Schwanensee Siegfried und Mutter © Jörg Landsberg

Theater am Domhof – Osnabrück / Schwanensee Siegfried und Mutter © Jörg Landsberg

Der See der Schwäne, den de Candia und Uwe Tepe warm in diffus violettes Licht tauchen, ist ein anziehender Ort.  In steifen weißen Korsetts (Kostüme: de Candia und Janine Hagedorn) fesselt das Ensemble der Schwäne mit differenzierten Bewegungen vom breitgestreckten Flügelschlagen bis zum anmutigen Recken der Hälse mit dem von abgeknickten Händen gebildeten Schwanen-Kopf.

Die Bewegungen der Schwäne imitierend versucht Siegfried, zu ihnen zu gehören. Doch so anziehend er und die Schwäne füreinander sind, es kommt zu keiner tiefen und dauerhaften Bindung; Höhepunkt ihres faszinierenden Tanzes miteinander bleibt ein flüchtiger Schnabel-Kuss.

In seinem schmucklos kühlen, fensterlosen Zimmer verteidigt Siegfried unwirsch seine Traumwelt gegen die Anmutung der Freunde (Lennart Huysentruyt, Neven Del Canto, Péter Dániel Matkaicsek, Jayson Syrette), ihn fröhlich und mit derbem Schwung in ihre Normalwelt zurückzuholen. Auch seine eher strenge als liebevolle Mutter (Marine Sanchez Egasse) vermag ihn nicht zu bewegen, sich eine Freundin zu suchen. Ihr dirigierend nach vorn gerichteter Tanz mit dem Sohn ist eine der dichtesten, psychologisch aufgeladensten Szenen des Stücks. Obwohl sich bei der Mutter selber Schwanenbewegungen andeuten, unterbindet sie diese bei Siegfried brüsk.

Theater am Domhof - Osnabrück / Schwanensee - Siegfried tanzt mit den Schwänen © Jörg Landsberg

Theater am Domhof – Osnabrück / Schwanensee – Siegfried tanzt mit den Schwänen © Jörg Landsberg

Weshalb Siegfried selbst die Angebote der ihn offenherzig antanzenden Freundinnen (Cristina Commisso, Katherine Nakui, Ayaka Kamei) nicht annehmen kann, bleibt für manche Deutung offen, ohne beliebig zu sein. In dem See mit den Schwänen, die Siegfried schließlich schrecklich mit ihren Schnäbeln zu Tode hacken, dürften etwa manche Eltern betroffen den Drogensumpf erkennen, in dem ihr abhängiges, für sie unzugängliches Kind untergeht.

„Schwanensee“ in de Candias stimmiger, tänzerisch überwältigender Fassung ist auf  etwa zwei Stunden gekürzt. Die wunderbare, für Siegfrieds wechselnde Gefühlswelten neu angeordnete Musik Peter I. Tschaikowskys lässt Andreas Hotz mit dem einfühlsamen Osnabrücker Symphonieorchester beeindruckend life aus dem Orchestergraben erklingen.

Der Jubel und die im Stehen dargebrachten Beifallsstürme für alle Beteiligten konnten nur durch das Herablassen des Eisernen Vorhangs beendet werden. IOCO / Hanns Butterhof / 04.11.2016

Schwanensee im Theater am Domhof, Osnabrück: Die weiteren Termine: 10., 16., 18. und 25.11.2016 jeweils 19.30. Uhr.

—| IOCO Kritik Theater Osnabrück |—

 

 

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